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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.04.2026

Ein leises Debüt

Weißer Sommer
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In „Weißer Sommer“ von Eva Pramschüfer begleiten wir Alma und Théo nach Frankreich, wo sie einen letzten Sommer miteinander verbringen. Zwischen Erinnerungen, unausgesprochenen Verletzungen und der Frage, ...

In „Weißer Sommer“ von Eva Pramschüfer begleiten wir Alma und Théo nach Frankreich, wo sie einen letzten Sommer miteinander verbringen. Zwischen Erinnerungen, unausgesprochenen Verletzungen und der Frage, ob ihre Liebe noch trägt, müssen sie herausfinden, ob sie weiter zusammenbleiben oder einander loslassen sollten.

Auf „Weißer Sommer“ war ich sehr neugierig, weil mich sowohl die vielen positiven Rückmeldungen als auch die Ausgangssituation sofort angesprochen haben. Eine Beziehung, die an einem Wendepunkt steht, ein Sommer in Frankreich und zwei Menschen, die prüfen müssen, ob zwischen ihnen noch genug bleibt – das klang für mich nach einem leisen, intensiven Roman mit viel Gefühl.

Der Einstieg hat mich vor allem sprachlich überzeugt. Eva Pramschüfer erzählt mit einer sehr zarten, sorgfältigen und beinahe malerischen Ausdrucksweise. Viele Beschreibungen wirken stimmungsvoll und durchdacht, sodass einzelne Szenen eine schöne, fast schwebende Atmosphäre bekommen. Man merkt dem Text an, dass jedes Wort bewusst gesetzt ist und viel Wert auf Klang und Stimmung gelegt wurde. Manchmal war es für mich sogar fast schon ein wenig zu artifiziell.

Trotzdem rückte für mich im Laufe der Geschichte genau dieser sprachliche Feinschliff immer stärker in den Vordergrund. Die Handlung selbst und auch die innere Entwicklung der Figuren blieben für mein Empfinden stellenweise zu schemenhaft. Es wird viel angedeutet, vieles bleibt unausgesprochen, manches liegt nur in kleinen Gesten oder Zwischenräumen. Grundsätzlich mag ich solche leisen Erzählweisen, hier hat es aber leider dazu geführt, dass ich emotional nicht richtig in die Geschichte hineingefunden habe.

Besonders schwer fiel mir der Zugang zu Alma und Théo. Beide blieben für mich eher wie Figuren hinter einer Glasscheibe: sichtbar, aber nicht wirklich erreichbar. Ihre Gedanken, ihre Verletzungen und auch ihre Sehnsucht nacheinander hätten für mich mehr Nähe gebraucht. Dadurch konnte ich die besondere Verbindung zwischen ihnen nur bedingt spüren. Die Beziehung wird zwar als bedeutsam dargestellt, aber ich habe sie nicht so intensiv erlebt, wie ich es mir gewünscht hätte.

Auch der schmerzhafte Prozess des Auseinanderdriftens kam bei mir eher gedanklich als gefühlsmäßig an. Ich konnte verstehen, warum Alma und Théo an diesem Punkt stehen und warum eine Trennung möglich oder sogar notwendig erscheint. Gleichzeitig hat mich dieser Konflikt nicht wirklich getroffen. Statt mitzufühlen, habe ich eher von außen zugesehen.

Am Ende bleibt für mich ein Roman, der vor allem durch seine Sprache und seine ruhige, atmosphärische Art besticht. Die Idee hat viel Potenzial, und stilistisch ist das Buch zweifellos sehr fein gearbeitet. Inhaltlich und emotional blieb es für mich jedoch zu distanziert, um mich wirklich mitzunehmen.

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Veröffentlicht am 24.03.2026

Wohlfühlgeschichte

Statt aus dem Fenster zu schauen
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Dieses Buch hat mich auf eine Weise berührt, die weit über bloße Unterhaltung hinausgeht. „Statt aus dem Fenster zu sehen“ war für mich nicht einfach nur ein Roman, sondern etwas, das innerlich lange nachgewirkt ...

Dieses Buch hat mich auf eine Weise berührt, die weit über bloße Unterhaltung hinausgeht. „Statt aus dem Fenster zu sehen“ war für mich nicht einfach nur ein Roman, sondern etwas, das innerlich lange nachgewirkt hat. In vielen Momenten hatte ich das Gefühl, mich selbst zwischen den Zeilen zu erkennen.

Im Mittelpunkt steht Sophie, die sich in einem Leben wiederfindet, das mehr von Erwartungen als von echter Überzeugung geprägt ist. Zwischen Uni, Leistungsdruck und einem Praktikum, das sie eher auszehrt als voranbringt, verliert sie zunehmend das Gespür dafür, was sie eigentlich selbst möchte. Während ihr Umfeld scheinbar längst ein Bild von ihrer Zukunft entworfen hat, bleibt in ihr vor allem Orientierungslosigkeit zurück. Aus genau diesem Gefühl heraus wagt sie einen radikalen Schritt und kauft sich ein altes, heruntergewirtschaftetes Haus in einer ländlichen Gegend Ostdeutschlands – nicht aus einem klaren Plan heraus, sondern eher aus dem Wunsch, dem bisherigen Trott zu entkommen.

Besonders gefallen hat mir, dass die Geschichte diesen Aufbruch nicht verklärt. Es geht nicht um einen hübsch inszenierten Neustart, sondern um Anstrengung, Überforderung, Chaos und Zweifel. Die Arbeit am Haus ist mühsam, die Einsamkeit spürbar, und vieles ist weit entfernt von jeder romantischen Vorstellung. Gerade dadurch wirkt alles so glaubwürdig. Inmitten dieser kargen, stillen Umgebung beginnt Sophie jedoch langsam, sich von fremden Vorstellungen zu lösen und sich mit den Fragen auseinanderzusetzen, die sie lange vor sich hergeschoben hat.

Was mich besonders getroffen hat, war die Ehrlichkeit, mit der Sophies innere Zerrissenheit beschrieben wird. Dieses Gefühl, im eigenen Alltag nicht richtig anzukommen, in einem Lebensentwurf festzustecken, der nach außen sinnvoll wirkt, sich innen aber nicht stimmig anfühlt – das ist hier unglaublich feinfühlig und treffend eingefangen. Genau diese emotionale Wahrhaftigkeit macht das Buch für mich so außergewöhnlich.

Auch sprachlich hat mich der Roman sehr überzeugt. Der Stil ist zurückhaltend, präzise und zugleich voller Tiefe. Nichts wirkt überladen, nichts künstlich dramatisiert – und gerade deshalb entfalten viele Sätze eine enorme Wirkung. Man liest weiter, aber immer wieder gibt es Gedanken, bei denen man innerlich kurz innehält.

Für mich ist „Statt aus dem Fenster zu sehen“ ein Buch, das ich von Herzen weiterempfehlen würde – besonders Menschen, die sich schon einmal verloren, überfordert oder fehl am Platz gefühlt haben. Und genauso denen, die gerade versuchen herauszufinden, wie ein Leben aussehen kann, das sich wirklich nach dem eigenen anfühlt.

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Veröffentlicht am 18.02.2026

Bildgewaltig

Moosland
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Mit großer Sprachkraft und feinem Gespür für Zwischentöne erzählt Katrin Zipse in diesem Roman von einem beinahe vergessenen Kapitel europäischer Nachkriegsgeschichte. Im Sommer 1949 reisen rund dreihundert ...

Mit großer Sprachkraft und feinem Gespür für Zwischentöne erzählt Katrin Zipse in diesem Roman von einem beinahe vergessenen Kapitel europäischer Nachkriegsgeschichte. Im Sommer 1949 reisen rund dreihundert junge Frauen aus Deutschland nach Island, um dort auf Höfen zu arbeiten, angeworben als Arbeitskräfte und potenzielle Ehefrauen. Eine von ihnen ist Elsa, die jedoch nicht aus Hoffnung, sondern aus Verlust nach Island kommt.

Besonders beeindruckt hat mich die bildgewaltige, zugleich ruhige Sprache. Zipse gelingt es, mit einer kargen, fast zurückgenommenen Dialogführung genau jene Sprachlosigkeit spürbar zu machen, die Elsa in der Fremde erlebt. Das Nichtverstehen, das Schweigen, die Unsicherheit, all das wird nicht laut ausgesprochen, sondern zwischen den Zeilen fühlbar. Gerade dadurch entstehen starke Bilder im Kopf. Man hört förmlich den Wind über die Wiesen streichen, sieht das Gras der Torfhäuser, spürt die Weite des Meeres.

Sehr berührend ist das zarte Band, das sich allmählich zwischen Elsa und der isländischen Familie entwickelt. Nichts geschieht überstürzt, keine Gefühle werden plakativ ausgestellt. Stattdessen wächst Vertrauen langsam im Alltag, in Blicken, in kleinen Gesten. Gleichzeitig liegen unausgesprochene Erwartungen in der Luft, besonders im Hinblick auf die Bauernsöhne. Die Dynamik auf dem Hof verändert sich allein durch Elsas Anwesenheit. Leise, aber spürbar.

Auch der historische Aspekt hat mich fasziniert. Dass es diese Anwerbeaktion tatsächlich gab, war mir zuvor nicht bewusst. Umso eindrucksvoller fand ich, wie selbstverständlich und unaufdringlich dieses Stück Geschichte in die Handlung eingewoben ist. Es schwingt leise mit, ohne je belehrend zu wirken.

Die Naturbeschreibungen, die atmosphärische Dichte und vor allem die besondere Sprache machen diesen Roman zu einem intensiven Leseerlebnis. Für mich ist es ein Buch über Trauer, Fremdheit und das vorsichtige Ankommen in einer neuen Landschaft, in einer neuen Sprache und vielleicht auch in einem neuen Leben.

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Veröffentlicht am 04.09.2025

Atmosphärisch, spannend und voller Sogwirkung

Unbeugsam wie die See
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In einem Roman, der sich über Jahrhunderte und verschiedene Orte spannt, entfaltet Emilia Hart die Geschichten mehrerer Frauen, deren Schicksale auf geheimnisvolle Weise miteinander verwoben sind. Im Zentrum ...

In einem Roman, der sich über Jahrhunderte und verschiedene Orte spannt, entfaltet Emilia Hart die Geschichten mehrerer Frauen, deren Schicksale auf geheimnisvolle Weise miteinander verwoben sind. Im Zentrum stehen Schwestern, die mit Verlust, Gewalt und der Macht des Meeres konfrontiert werden – von einer jungen Frau in der Gegenwart, die in einer australischen Küstenstadt nach Antworten sucht, bis hin zu Mädchen in der Vergangenheit, die aus Irland verschleppt wurden und auf einer langen Überfahrt unheimliche Kräfte in sich entdecken.

Mich hat dieses Buch von Anfang an fasziniert: die Mischung aus Gegenwart, Vergangenheit und Mythen, die sich wie Wellen ineinander schieben, hatte sofort eine besondere Sogwirkung. Besonders spannend fand ich, wie die Geschichten der verschiedenen Frauen miteinander verwoben sind und wie das Meer fast schon eine eigene Figur im Roman wird.

Ich habe die Charaktere schnell ins Herz geschlossen, mit ihnen mitgefiebert und wollte unbedingt wissen, wie ihre Wege sich weiterentwickeln. Die verschachtelten Zeitebenen haben für mich die Spannung sogar noch erhöht, weil ich beim Lesen Stück für Stück neue Zusammenhänge entdeckt habe. Emilia Hart gelingt es, eine düstere, atmosphärische Welt zu erschaffen, die gleichzeitig berührend und geheimnisvoll ist.

Das Ende hat mich nicht ganz so sehr gepackt wie bei den Unbeugsamen, aber dennoch war es wirklich ein packendes Leseerlebnis, das ich kaum aus der Hand legen konnte – ein Roman, der lange nachhallt und den ich allen empfehlen würde, die sich gern von Geschichten mit Mythen, Meer und starken Frauenstimmen fesseln lassen.

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Veröffentlicht am 04.09.2025

Starker Anfang, der schnell abflachte

Was du siehst
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1967: Ruth steht vor einem Scherbenhaufen, als der Mann, den sie liebt, plötzlich verschwindet. Hochschwanger verlässt sie Ost-Berlin und wagt den Schritt in ein völlig ungewisses Leben. In einem kleinen ...

1967: Ruth steht vor einem Scherbenhaufen, als der Mann, den sie liebt, plötzlich verschwindet. Hochschwanger verlässt sie Ost-Berlin und wagt den Schritt in ein völlig ungewisses Leben. In einem kleinen Dorf an der Elbe, irgendwo in Mecklenburg, findet sie nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern auch eine neue Verbündete: Hannah.

Ihre Kinder, Jule und Andi, wachsen fast wie Geschwister miteinander auf. Sie verbringen ihre Tage am Wasser, durchstreifen die Wälder und träumen von dem, was einmal kommen könnte. Schließlich gestehen sie sich ihre Liebe – und für einen Moment scheint alles perfekt. Doch die Vergangenheit wirft ihre Schatten: Ein lange gehütetes Geheimnis reißt Jule nach dem Mauerfall in die Ferne, während Andi im Dorf zurückbleibt und auf das Wiedersehen mit seiner großen Liebe hofft.

Am Anfang war ich wirklich begeistert. Der erste Teil hat mich sofort abgeholt: Ruths Geschichte, das kleine Dorf an der Elbe, die märchenhafte Stimmung – das alles war so schön erzählt, dass ich komplett eintauchen konnte. Auch die Beziehung zwischen Jule und Andi hat mich berührt, ich habe richtig mit ihnen mitgefühlt und wollte unbedingt wissen, wohin das führt.

Leider hat sich das Ganze ab dem zweiten Teil ziemlich verändert. Plötzlich gab es dauernd Zeitsprünge und wechselnde Perspektiven, die mich eher verwirrt als neugierig gemacht haben. Mein Lesefluss war dadurch ständig unterbrochen, und ich musste mich regelrecht durchhangeln. Dazu kamen viele Zufälle, vor allem gegen Ende, die auf mich sehr konstruiert wirkten. Auch die geschichtlichen Aspekte, wie die Sperrzonen, wurden zwar eingeführt, aber dann nicht weiterverfolgt – das hat sich angefühlt, als hätte die Autorin einen wichtigen Faden einfach fallen gelassen.

Schade eigentlich, denn der Anfang hatte so viel Potenzial und ich mochte die Figuren wirklich gern. Insgesamt bleibt bei mir das Gefühl: ein starker Start mit toller Atmosphäre, der im weiteren Verlauf leider an Kraft und Glaubwürdigkeit verliert.

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