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Veröffentlicht am 12.10.2016

Alisik - Frühling

Alisik 3: Frühling
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Nachdem Oma Samtkraut zusammen mit ihrem Grab spurlos verschwunden ist, leisten einige Postmortale nun aktiven Widerstand gegen die Bauarbeiten auf dem alten Friedhof und zerstören die Bagger um ihre eigenen ...

Nachdem Oma Samtkraut zusammen mit ihrem Grab spurlos verschwunden ist, leisten einige Postmortale nun aktiven Widerstand gegen die Bauarbeiten auf dem alten Friedhof und zerstören die Bagger um ihre eigenen Gräber zu schützen. Das wird das Voranschreiten der Planierung jedoch nicht auf Dauer verhindern können, weshalb die Zombies selbst einen Weg ins Totenreich finden müssen.

Für Alisik würde das bedeuten sich von Ruben verabschieden zu müssen - für immer. Natürlich wusste sie von Anfang an, dass ihre Beziehung keine Zukunft haben würde, das macht ihr diese Entscheidung allerdings nicht leichter …


Kritik
Alisik - Frühling ist erneut eine sehr gelungene Fortsetzung der gemeinsamen Graphic Novel von Autor Hubertus Rufledt und Illustrator Helge Vogt, die die Geschichte um Alisik, die nun schon seit einem halben Jahr als Zombie auf dem Friedhof unterwegs ist, sowie die anderen Postmortalen nahtlos weiterführt.

Der unerwartete Verlust von Oma Samtkraut hat die anderen Postmortalen nicht nur wütend gemacht, sie fürchten sich auch vor der ungewissen Zukunft, die ihnen bevorsteht, wenn ihre letzten Ruhestätten genauso planiert werden. Aus diesem Grund wollen sie die weiteren Bauarbeiten verhindern, doch sie können sie bloß nachts aktiv sabotieren, denn tagsüber liegen sie schlafend in ihren Gräbern und können somit nichts dagegen ausrichten.

Alisik verliebt sich langsam aber sicher in Ruben, was es immer schwieriger für sie macht mit ihm zusammen zu sein. Er ist nach wie vor der einzige Mensch, der sie wahrnehmen kann, sodass es ihm zum Beispiel unmöglich ist sie seinen Freunden vorzustellen. Für diese ist Alisik nämlich vollkommen unsichtbar und muss dann sogar vor Ruben den Anschein erwecken plötzlich verschwunden zu sein. Immerhin möchte sie nicht, dass Ruben für verrückt gehalten und am Ende in eine Psychiatrie eingewiesen wird. Deshalb beschließt sie schweren Herzens sich in Zukunft von ihm fernzuhalten, so schmerzhaft das auch für sie sein mag.


Erst als sie die Erinnerungen an den Autounfall und damit an ihren Tod zurückerlangt, der sich anders abgespielt hat als bisher vermutet und Rubens Leben ebenfalls für immer verändert hat, erzählt sie ihm schließlich die Wahrheit über sich und ihr Dasein als Untote.

Die Handlung wird, mit Ausnahme der kurzen Interludien, weiterhin aus Alisiks Perspektive geschildert und wie bisher gibt es zwischendurch auch ganze Seiten mit Text an Stelle der Panels mit Sprechblasen. Dadurch fühlt man richtig mit Alisik mit und ist genauso traurig darüber wie sie, dass die Beziehung zwischen ihr und Ruben keine Zukunft haben kann.

Im dritten Band erfährt man zudem endlich mehr über die Vergangenheit des Generals, wie er den Tod fand und welche Schuld er dabei auf sich geladen hat.

Die detailreichen und meist eher dunklen Illustrationen passen immer noch hervorragend zur Geschichte und unterstützen die düstere Atmosphäre der Graphic Novel.

Das Ende ist dieses Mal besonders spannend und lässt einen das Finale sehnsüchtig erwarten. Den verbliebenen Postis bleibt letztlich nur noch ein Ausweg als die Bagger kurz davor sind ihre Gräber zu erreichen: das Totenreich. Doch was erwartet sie dort? Was geschieht dann mit Ruben? Und wo war Alisiks Vater die ganze Zeit?


Fazit
Alisik - Frühling ist eine gelungene Fortsetzung, die sich Fans der beiden Vorgänger nicht entgehen lassen sollten. Alisiks Erinnerungen kehren endlich zurück, sie beichtet Ruben was sie ist und die Postis treten bald ihre letzte Reise an. Das mit Sicherheit ebenso spannende Finale will man nach diesen Ereignissen so schnell wie möglich lesen.

Veröffentlicht am 12.10.2016

Alisik - Winter

Alisik 2: Winter
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Inzwischen hat Alisik sich mehr oder weniger damit abgefunden, dass sie tot ist und mit den anderen Postmortalen auf dem Friedhof festsitzt bis Herr Todt über ihr weiteres Schicksal entschieden hat, also ...

Inzwischen hat Alisik sich mehr oder weniger damit abgefunden, dass sie tot ist und mit den anderen Postmortalen auf dem Friedhof festsitzt bis Herr Todt über ihr weiteres Schicksal entschieden hat, also ob sie in die Lichtwelt dürfen oder ins Dunkelreich müssen. Doch was wird mit ihnen geschehen, wenn ihre Gräber, in die sie jeden Morgen zurückkehren, durch die Bauarbeiten auf dem alten Friedhof beseitigt werden?

Außerdem wartet Alisik immer noch darauf, dass die Erinnerungen an ihr früheres Leben zurückkehren und als sie auf der Suche nach Antworten mit Ruben in das Haus des verschwundenen Bauunternehmers eindringt, kommt sie diesem Ziel schließlich ein Stück näher …


Kritik
Alisik - Winter ist eine gelungene Fortsetzung der ersten gemeinsamen Graphic Novel von Autor Hubertus Rufledt und Illustrator Helge Vogt, die unmittelbar an den Vorgänger anschließt und die wichtigsten Fakten daraus am Anfang noch einmal kurz zusammenfasst.

Gemeinsam mit Ruben bricht Alisik ins Haus des Bauunternehmers ein, der die Schuld an Rubens Unfall und damit seiner Blindheit trägt, um mehr über dessen Verschwinden bzw. Verbleib herauszufinden. Dabei findet sie überraschend heraus, dass der Mann eine bedeutende Rolle in ihrem Leben gespielt hat und Alisik offenbar in dem gleichen Unfall gestorben ist, bei dem auch Ruben verletzt wurde. Sie erfährt also endlich mehr über ihren Tod und ihr vorheriges Leben; im Moment sind es allerdings nur einzelne Bruchstücke und kurze, lückenhafte Erinnerungen, denen noch wichtige Teile fehlen. Die Frage, was wirklich in der Nacht des Unfalls geschah, bleibt somit vorerst weiterhin offen.

Ruben und Alisik kommen sich im zweiten Band langsam näher, ihre Beziehung hat jedoch keine Zukunft, was Ruben noch nicht weiß. Er hält sie nach wie vor für ein vielleicht etwas sonderbares, aber zumindest lebendiges Mädchen. Und was wird mit ihr passieren, wenn der Sichel-Michel herausfindet, dass Alisik sich seinetwegen verbotenerweise so oft vom Friedhof entfernt?


Alisik und die anderen Zombies haben gewöhnliche Gefühle und feiern beispielsweise sogar Weihnachten, wobei sie sich gegenseitig beschenken, was zeigt, dass sie sich viel Menschlichkeit bewahrt haben. Bei Alisik kommt daher auch der Verdacht auf, dass die Postmortalen vielleicht unter anderem deshalb noch auf dem Friedhof feststecken, weil sie insgeheim gar nicht wollen, dass eine Entscheidung getroffen wird, da sie sich längst mit ihrem Dasein abgefunden haben. Ungewiss bleibt zudem, was mit den Postis geschieht, wenn die Bauarbeiten auf dem Friedhofsgelände, über die man durch die Interludien auf dem Laufenden gehalten wird, so weit voranschreiten, dass ihre Gräber entfernt werden.

Dafür erfährt man nun mehr über den Tod von Frings und Hitzkopf. Ihre Geschichten sind zwar zum Teil sehr traurig, dennoch ist es schön mehr über das Schicksal der einzelnen Postmortalen zu erfahren, also wann und vor allem wie sie vor langer Zeit gestorben sind.

Die Graphic Novel besticht darüber hinaus durch einen guten Mix aus Dialogen in Form von Sprechblasen und reinem Text, der bestimmte Ereignisse oder Zustände straffend zusammenfasst. Die zahlreichen, schönen Illustrationen sind oftmals wieder sehr detailreich und die eher dunklen Farben spiegeln gekonnt die bedrückende Atmosphäre wider. Die Darstellung der unheimlichen Seelenfresser ist dagegen wahrlich eklig und ziemlich beängstigend.

Im Gegensatz zum ersten Band endet der zweite fast schon mit einem Cliffhanger, der einen neugierig auf die weiteren Entwicklungen in der Fortsetzung macht. Ferner bleiben noch diverse Fragen offen, auf deren Antworten man schon sehr gespannt ist.


Fazit
Alisik - Winter ist, genau wie schon der Vorgänger, eine interessante, schnell gelesene Geschichte, die sich besonders dann gut eignet, wenn man zwar Lust, aber gerade nur wenig Zeit zum Lesen hat. Graphic Novel Fans sollten daher unbedingt mal einen Blick auf die Reihe werfen.

Veröffentlicht am 12.10.2016

Alisik - Herbst

Alisik 1: Herbst
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Als Alisik auf dem alten städtischen Friedhof erwacht, will sie es zunächst nicht wahrhaben, aber schon bald muss sie sich der furchtbaren Realität stellen: Sie ist tot, eine Postmortale, wie die anderen ...

Als Alisik auf dem alten städtischen Friedhof erwacht, will sie es zunächst nicht wahrhaben, aber schon bald muss sie sich der furchtbaren Realität stellen: Sie ist tot, eine Postmortale, wie die anderen sagen, gefangen zwischen dieser Welt und dem Jenseits. Noch hat sie keine Erinnerungen an ihr früheres Leben, sie ist allerdings entschlossen herauszufinden, wer sie ist und was ihr zugestoßen ist. Dabei begegnet sie dem blinden Ruben, der ebenfalls auf der Suche nach Antworten und der einzige Mensch ist, der sie wahrnehmen kann. Doch wie soll sie ihm nur erklären, wer oder vielmehr was sie eigentlich ist?


Kritik
Alisik - Herbst ist eine sehr gelungene Graphic Novel und der erste Band des gemeinsamen Projekts von Autor Hubertus Rufledt und Illustrator Helge Vogt. Mangels richtigen Höhepunktes und auf Grund des sehr offenen Endes der Handlung handelt es sich spürbar nur um einen Auftakt, der dafür aber sofort Lust auf mehr macht.

Die Geschichte ist insgesamt eher düster und traurig, denn immerhin ist die Protagonistin Alisik bereits tot und es besteht scheinbar keine Hoffnung darauf, dass jemals wieder das Gegenteil der Fall sein wird. Im Grunde wartet sie nur noch darauf zu erfahren, ob sie von Herrn Todt schließlich ins Licht- oder Schattenreich, also in den Himmel oder in die Hölle, geschickt wird. Da sie zunächst keine Erinnerungen mehr an ihr früheres Leben hat und bisher kaum welche zurückgekehrt sind, ist es umso schwieriger für sie diesbezüglich Spekulationen anzustellen. Ferner ist es mehr als verständlich, dass Alisik anfangs überhaupt nicht wahrhaben will, dass sie nicht mehr am Leben ist und alles für einen grausamen Scherz hält.

Hinzu kommt, dass die Zombies gewissen Regeln unterworfen sind und (eigentlich) die ganze Zeit über auf dem Friedhof bleiben müssen. Für Alisik ist das besonders schwer, selbst nachdem sie sich mit ihrem Schicksal abgefunden hat, weil sie wesentlich jünger als die anderen ist und aus einer völlig anderen Zeit stammt. Es gibt unter ihnen also niemanden, mit dem sie wirklich reden kann.

Das ändert sich jedoch als sie Ruben trifft, der durch einen Unfall sein Augenlicht verloren hat, dafür aber im Gegensatz zu anderen Menschen nun in der Lage ist mit den Postmortalen, die er wegen seiner Blindheit vermutlich für gewöhnliche, wenn auch etwas merkwürdige, Leute hält, zu kommunizieren und sich mit ihnen zu unterhalten. Er kann sie zwar nicht sehen, doch zumindest hören. Von ihm erfährt Alisik, dass der Friedhof bald planiert und anschließend ein Einkaufszentrum darauf errichtet werden soll, was für die Zombies zu einem Problem werden könnte. Durch die kurzen Interludien erhält man als Leser dann noch ein paar mehr Details dazu.


Alisik soll Ruben dabei helfen in das Haus des Mannes einzubrechen, der die Schuld an seinem Unfall trägt und seitdem spurlos verschwunden ist. Es scheint sich dabei um denselben Mann zu handeln, dem das Bauunternehmen gehört, welches für die Planierung des Friedhofs zuständig ist.
Im ersten Band merkt man noch nicht allzu viel davon, aber es ist durchaus denkbar, dass sich zwischen Ruben und Alisik im späteren Verlauf bzw. in den folgenden Bänden eine Liebesgeschichte entwickelt.

Die anderen Postmortalen, die zusammen mit Alisik auf dem Friedhof hausen, sind alle sehr unterschiedlich und zudem ganz individuell gestaltet, wodurch sie sich schon optisch gut voneinander abheben. Darüber hinaus hat jeder von ihnen seinen ganz eigenen, interessanten Charakter. Man findet gern mehr über sie heraus und ist erfreut, wenigstens in Bezug auf eine dieser Figur mehr über deren Vergangenheit zu erfahren und warum sie vielleicht nicht in die Lichtwelt kommt.

Trotz der trostlosen Grundstimmung sind mitunter auch lustige Szenen vorhanden, die einen zum Schmunzeln bringen. Besonders schön ist des Weiteren, dass ein realer, deutscher Ort als Schauplatz für die Geschichte gewählt wurde und man anhand der Skyline, beispielsweise dem Fernsehturm, sofort erkennt, wo diese spielt, nämlich in Berlin. Dadurch entsteht eine viel stärkere Bindung zum Geschehen.

Das Ende erreicht man leider viel zu schnell und es bleiben etliche Fragen offen, die dann hoffentlich in den Fortsetzungen beantwortet werden. Man ist sehr gespannt auf den weiteren Verlauf der Handlung und insbesondere auf Alisiks Erinnerungen. Welche Schuld hat sie womöglich auf sich geladen?

Überdies zeichnen natürlich die liebevollen und sehr detailliert gestalteten Illustrationen die Graphic Novel aus, obgleich sie wohl nicht jeden Geschmack treffen werden. Teilweise sind sie etwas gewöhnungsbedürftig, das betrifft zum Beispiel die deutlich abgegrenzten roten Wangen von Alisik oder Rubens finstere Augen, und auf jeden Fall sehr düster, was wiederum hervorragend zur ebenso düsteren Geschichte passt. Die Atmosphäre wird bildlich also sehr gut eingefangen. Die verschiedenen Zeichnungen schaut man sich somit gern an und kann bei genauerer Betrachtung immer wieder etwas Neues entdecken.


Fazit
Alisik - Herbst ist eine sehr gelungene Graphic Novel, die sich gerade auch für Neulinge des Mediums sehr gut eignet. Die Handlung ist interessant und macht Lust auf mehr, während die düsteren Illustrationen die trostlose Atmosphäre unterstreichen. Nach dem Ende dieses ersten Bandes möchte man auf jeden Fall herausfinden, was genau Alisik zugestoßen ist und wo sie nach ihrem Aufenthalt auf dem Friedhof schließlich landen wird.

Veröffentlicht am 15.09.2016

ein wunderbarer New Adult Roman mit sympathischen Charakteren, genau dem richtigen Maß an prickelnder Erotik und einer mitreißenden Geschichte

Finding Back to Us
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Inhalt
Callie hat ihrer kleinen Schwester versprochen in den Semesterferien nach Hause zu kommen um einen letzten Sommer gemeinsam mit ihrer Familie zu verbringen, bevor Holly nach ihrem Schulabschluss ...

Inhalt
Callie hat ihrer kleinen Schwester versprochen in den Semesterferien nach Hause zu kommen um einen letzten Sommer gemeinsam mit ihrer Familie zu verbringen, bevor Holly nach ihrem Schulabschluss schließlich ebenfalls das Haus verlässt. Sie hatte jedoch nicht damit gerechnet, dass diese hinter ihrem Rücken auch Keith dazu eingeladen hatte. Den Stiefbruder, den sie seit Jahren nicht mehr gesehen hat und der die Schuld am Tod ihres Vaters trägt. Den Stiefbruder, in den sie als Jugendliche verliebt war und den sie heute mehr hasst als jeden anderen Menschen auf der Welt. Den Stiefbruder, den sie eigentlich nie wieder sehen wollte und der nun die widersprüchlichsten Gefühle in ihr auslöst …


Kritik
Was auch immer geschieht ist ein wirklich gelungener New Adult Roman und garantiert nicht der letzte, den man von Bianca Iosivoni lesen wird. Er fügt sich wunderbar ins Genre ein und zeigt, dass man solche Bücher nicht mehr zwingend aus den USA importieren muss, sondern sie inzwischen auch bei deutschen Autoren findet. Es trifft sich also gut, dass im kommenden Jahr zwei weitere Werke der Autorin bei Egmont LYX erscheinen sollen.

Callie ist eine sehr sympathische Protagonistin, deren Gedanken und Reaktionen man stets sehr gut nachempfinden kann. Man kann sich gut mit ihr identifizieren, vor allem wegen ihrer Zweifel in Bezug auf ihr Studium und ihre damit verbundenen Zukunftsängste, die jeder kennt, der einmal in der gleichen Situation war. Im Gegensatz zum Rest ihrer Familie hat sie es jedoch leider nie geschafft mit der Vergangenheit abzuschließen und hat das Geschehene, inklusive aller dazugehörigen Emotionen, Jahre lang verdrängt statt sie zu verarbeiten, sodass diese durch die Begegnung mit Keith nun alle erneut auf sie einstürmen. Ihre Wut auf Keith ist durchaus nachvollziehbar, aus ihrer Sicht hat er ihr den Vater genommen, die Familie zerstört und sie dann auch noch im Stich gelassen als sie ihn am meisten gebraucht hätte, ohne je zurückzukehren - bis jetzt. Sie ist oft hin und her gerissen zwischen ihren unterschiedlichen Gefühlen für Keith, denn einerseits hält sie an ihrem Hass fest, andererseits fühlt sie sich aber sehr zu ihm hingezogen und verbringt gern Zeit mit ihm, wofür sie sich und ihren Körper manchmal sogar selbst hasst.

Keith erscheint einem zunächst noch nicht sonderlich liebenswert, doch das ändert sich im späteren Verlauf der Geschichte nach und nach sehr. Obwohl er Callie oft provoziert, mag man ihn mit der Zeit immer mehr und erliegt langsam seinem Charme. Deshalb wünscht man sich zunehmend, dass Callie ihm endlich verzeiht, was in der Vergangenheit vorgefallen ist. Er hat unter der Situation genauso gelitten wie sie und hat ihre Vergebung verdient, immerhin war er damals selbst noch ein Teenager und hat das alles nie gewollt.

Als Leser weiß man außerdem schon lange vor Callie, dass nicht nur ihr Körper auf Keith reagiert, sondern auch ihr Herz längst ihm gehört, so sehr sie sich dagegen sträuben mag. Ihr gemeinsamer Deal macht die ganze Sache noch etwas interessanter, doch er war natürlich von Anfang an zum Scheitern verurteilt, schließlich wollte Keith Callie nie einfach nur ins Bett kriegen, er empfindet nämlich viel mehr für sie.
Die Spannung zwischen den beiden ist manchmal kaum auszuhalten und man kann förmlich spüren wie es zwischen ihnen knistert. Seine zweideutigen Sprüche bringen einen mitunter sehr zum Schmunzeln und sie üben eine tolle Anziehungskraft aufeinander aus. Dabei hat Callie die gleiche Wirkung auf Keith wie umgedreht, auch wenn sie das zuerst noch nicht ahnt und daher nicht so schamlos ausnutzt wie er.

Positiv ist zudem, dass es sich bei Callies innerer Auseinandersetzung vielmehr um einen Gewissenskonflikt als um einen Geschwisterkonflikt handelt und letzter somit nicht zu sehr im Vordergrund steht oder unnötig dramatisiert wird. Sie lehnt Keith nicht ab, weil er ihr Stiefbruder ist, sondern weil er in ihren Augen die Familie zerrissen und sie ihm das nie verziehen hat. Das ist auch vollkommen verständlich, da sie gar nicht als Geschwister aufgewachsen sind. Anders als Holly waren sowohl Callie als auch Keith damals beide schon Jugendliche und haben weitaus länger getrennt gelebt als unter einem Dach. Des Weiteren sind sie natürlich nicht miteinander verwandt.

Die Handlung ist von Beginn an fesselnd, insbesondere wegen der geheimnisvollen Ereignisse in der Vergangenheit, die nach wie vor Einfluss auf die Gegenwart haben. Im Traum beginnt Callie auf einmal sich an bestimmte Details zu erinnern, fügt die Puzzleteile Stück für Stück zusammen und erfährt dank der Hilfe eines Freundes letztlich die ganze Wahrheit über den Tod ihres Vaters. Man hat zu diesem Zeitpunkt zwar schon lange geahnt, dass mehr hinter dem Unfall steckt als es bisher bekannt war, dennoch schaffte es die Autorin einen mit ihrer gelungene Auflösung zu überraschen, da die Vermutungen in eine völlig andere Richtung tendierten.

Diese Enthüllung ist ein herber Schlag für die Familie, bringt sie einander aber auch wieder näher. Was nicht heißt, dass sie sich vorher nicht nahe gestanden hätten. Callies Familie ist toll und wahrlich einzigartig - und das nicht nur wegen der eher ungewöhnlichen Konstellation. Holly ist eine nervige, aber auch liebenswerte kleine Schwester, die verantwortlich dafür ist, dass Callie und Keith sich nach all den Jahren wiedersehen. Anfangs findet man das ziemlich fies, am Ende ist man ihr dafür jedoch dankbar. Stella ist auch kein böses Stiefmonster, sondern eine liebevolle Ersatzmutter, die mitunter sehr streng, aber auch sehr verständnisvoll, sein kann und ihre drei Kinder -Callie, Holly und Keith - sehr liebt. Das gleiche empfinden sie für Stella, weshalb Callie sie beispielsweise auch darin bestärkt eine neue Beziehung einzugehen und nicht etwa von ihr erwartet für immer um ihren verstorbenen Vater bzw. Ehemann zu trauern.

Das Ende ist sehr emotional und unter Umständen muss man sogar ein Tränchen vergießen, allerdings weniger wegen der Beziehung zwischen Callie und Keith als wegen der Beziehung zwischen Callie und ihrer Stiefmutter Stella, die sich letztlich auch nur wünscht, dass ihre Kinder glücklich sind.

Lediglich der Umstand, dass man leider nur sehr wenig über Callies interessante Freunde Parker und Faye erfährt bzw. dass das Wenige, das man über sie in Erfahrung bringen kann, z.B. ihre familiäre Situation betreffend, nicht näher ausgeführt wird, ist ein kleines Manko. Aber vielleicht hebt Bianca Iosivoni sich das auch nur für zukünftige Bücher über diese Figuren auf, wer weiß.

Der einzige wirkliche Kritikpunkt an dem Buch ist der noch ausbaufähige Schreibstil der jungen Autorin, der sich mit der Zeit und den Projekten aber garantiert weiter verbessern wird, denn Potenzial ist auf jeden Fall vorhanden. Er liest sich schon jetzt flüssig und angenehm, nach einer Weile fallen einem jedoch einige Wiederholungen in Bezug auf die Wortwahl und bestimmte Beschreibungen auf, es fehlt also etwas Abwechslung. Den Lesefluss stört es allerdings nur minimal, die Lesefreude schmälert es dagegen überhaupt nicht.

Darüber hinaus sind ihr die intimen Szenen zwischen Callie und Keith dafür umso besser gelungen - heiß, prickelnd, ansprechend beschrieben, also weder zu blumig, noch zu vulgär, und genau das richtige Maß. Sie fügen sich nahtlos in die Geschichte ein und zählen definitiv zu den besten erotischen Szenen, die man in New Adult Romanen finden wird.


Fazit
Was auch immer geschieht ist ein wunderbarer New Adult Roman mit sympathischen Charakteren, genau dem richtigen Maß an prickelnder Erotik und einer mitreißenden Geschichte, die dem Stiefgeschwister-Konflikt durch die Ereignisse in der Vergangenheit weitere Aspekte hinzufügt und damit für Überraschungen sorgt. Der Schreibstil muss vielleicht noch perfektioniert werden - die Beziehung zwischen Callie und Keith dagegen nicht!

  • Atmosphäre
  • Erzählstil
  • Figuren
  • Handlung
  • Cover