Profilbild von Stillesen

Stillesen

Lesejury Star
offline

Stillesen ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Stillesen über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.01.2026

Spannender Thriller mit Defiziten

Blutwild
0

Selten hat mich ein Buch so ambivalent zurückgelassen, was die Bewertung angeht. Die Autorin hat mir ihr Erstlingswerk zur Rezension angeboten. Normalerweise lehne ich solche Anfragen inzwischen ab — ich ...

Selten hat mich ein Buch so ambivalent zurückgelassen, was die Bewertung angeht. Die Autorin hat mir ihr Erstlingswerk zur Rezension angeboten. Normalerweise lehne ich solche Anfragen inzwischen ab — ich habe eine gut gefüllte Liste von Büchern, die ich lesen will (und dafür schon nicht genug Zeit), und Bücher, die mir auf diesem Wege angeboten wurden, haben mich zuletzt selten begeistert.

Zwei Dinge waren diesmal anders und deswegen habe ich zugesagt: Zum einen versprach „Blutwild“ einen klassischen Thrillerstoff, zum anderen handelt es sich hierbei ja nicht um ein Buch im Selbstverlag, sondern Saskia te Marveld hat es geschafft, ihr Debüt beim Ullstein Buchverlag zu platzieren.

Der Einstieg hat meine Erwartungen auch absolut erfüllt. Flüssig geschrieben wurde ich direkt in die Geschichte hineingesogen, wie es sich bei einem guten Thriller gehört. Leider hält das Buch das hohe Niveau des Anfangs nicht durch, wobei es nicht an der Story liegt, sondern an Details.

Der Stil ist nicht stringent. Manche Szenen werden so schnell beschrieben, dass man den Eindruck hat, die Beschreibung sollte mit möglichst wenigen Worten auskommen — hier hätte der eine oder andere zusätzliche Satz geholfen. An anderen Stellen werden Details geschildert, die Atmosphäre herstellen sollen, aber dem Fortgang der Geschichte nicht zuträglich sind. Die Protagonistin ist ständig getrieben, was in gefühlt jedem Satz auch durch die Sprache deutlich wird. Mir war es zu viel.

Wirklich warmgeworden bin ich mit der Protagonistin Anka nicht. Ich habe oft nicht verstanden, warum sie sich in gewisse Situationen bringt. Eine traumatisierte und verängstigte Person stürzt sich kopfüber in potentiell lebensgefährliche Abenteuer — das ergab für mich an einigen Stellen keinen Sinn.

Während des Lesens dachte ich oft, dass hier ein besseres Lektorat geholfen hätte. Meine größte Irritation war daher das explizite Lob an die Lektorin in der Danksagung. Also meiner Meinung nach war da mehr drin. Allein den inflationären Gebrauch des Satzes „das Blut rauschte in ihren Ohren“ muss man eindämmen. Es hat mich dermaßen genervt, dass ich recherchiert habe, ob man wirklich das Blut im Ohr rauschen hören kann. Ja, kann man, ironischerweise wohl vor allem in ruhigen Situationen und nicht in Panik. Man sollte das aber dringend ärztlich abchecken lassen. Ich schweife ab.

„Blutwild“ ist ein spannender Thriller, der mich unterhalten hat. Die Story ist hinreichend originell, dass ich sie in einem Zug gelesen habe. Ich hatte schon Bücher, durch die ich mich durchkämpfen musste, das ist hier absolut nicht der Fall gewesen.

Die angesprochenen handwerklichen Defizite trüben leider den Gesamteindruck etwas, so dass ich am Ende 3,5 / 5 Sternen vergebe. Thrillerfans werden die Lektüre nicht bereuen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.01.2026

Ein Buch über Trauer und Neuanfänge

Café Finito
0

Schon nach den ersten Seiten war mir klar, dass mit „Café Finito“ ein kleiner Buchschatz bei mir eingezogen ist.

Darum geht es: Im „Café Finito“ auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin trifft ...

Schon nach den ersten Seiten war mir klar, dass mit „Café Finito“ ein kleiner Buchschatz bei mir eingezogen ist.

Darum geht es: Im „Café Finito“ auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin trifft sich unter der Leitung von Friedhofsgärtner Kristof einmal im Monat eine Trauergruppe von den unterschiedlichsten Leuten, die kürzlich einen Angehörigen verloren haben: Mira trauert um ihre beste Freundin, Lizzie hat nach siebzig Jahren ihren Mann verloren, Matthias trauert um seine Geliebte und Iris um ihre Mutter.

Dem Schicksal der einzelnen Personen sind eigene Kapitel gewidmet, so dass man von jedem über die Art der Trauer erfährt und wie sie damit zurecht kommen und versuchen weiterzuleben. Auch der Schauplatz selbst ist dabei fast eine eigene Figur. Der Dorotheenstädtische Friedhof ist ein würdevoller Ort voller Geschichte, den ich jetzt unbedingt bei meinem nächsten Aufenthalt in Berlin besuchen möchte.

Der Schreibstil von Sybil Volks ist wortreich, blumig und unglaublich lebendig. Es gab viele Sätze, die ich mehrfach gelesen habe, einfach weil sie so schön formuliert waren. Mit viel Humor und Feingefühl schafft sie es, das oft totgeschwiegene Thema Sterben mitten ins Leben zu holen.

Beim Lesen habe ich gelächelt, gelacht, geschluckt und unglaublich viel mitgenommen. Es ist kein Buch für zwischendurch, man braucht Ruhe, Zeit und die Bereitschaft, das Gelesene wirken zu lassen. Jeder, der liebt, wird im Laufe des Lebens mit dem Tod und der Trauer konfrontiert werden. Somit geht uns das Thema alle etwas an.

Das Ende konnte mich leider nicht überzeugen und abholen, trotzdem habe ich das Buch gerne gelesen und empfehle es weiter.


Fazit: „Café Finito“ ist ein Buch über Trauer und Neuanfänge. Ich bin mir sicher, dass ich dieses Buch noch einmal lesen werde. Von mir gibt es eine Leseempfehlung und ich vergebe 4,5/5 Sternen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.12.2025

cozy, spicy, clever und absolut zum Wegsnacken

The Pumpkin Spice Latte Disaster
0

Willkommen in Lower Whilby, dem englischen Kleinstadtidyll, das klingt, als hätte jemand das Gemütlichkeits-Level einer Gilmore-Girls-Folge auf 120 % hochgedreht. Mit „The Pumpkin Spice Latte Desaster“ ...

Willkommen in Lower Whilby, dem englischen Kleinstadtidyll, das klingt, als hätte jemand das Gemütlichkeits-Level einer Gilmore-Girls-Folge auf 120 % hochgedreht. Mit „The Pumpkin Spice Latte Desaster“ liefert die Autorin den Auftakt ihrer Small-Town-Romance-Reihe, die schon durch Titel und Atmosphäre klar macht: Hier wird’s nicht nur cozy, hier wird’s auch spicy. Und zwar im doppelten Sinne.
Im Mittelpunkt steht Jude, Podcasterin und Weltenbummlerin, die eigentlich eher temporäre Postleitzahlen bevorzugt. Doch zur Hochzeit ihrer kleinen Schwester verschlägt es sie zurück in ihre Heimat Lower Whilby. Kaum angekommen, knallt sie (fast buchstäblich) mit James zusammen – dem grummeligen, schweigsamen Cafébesitzer, der aussieht, als hätte er „Don't talk to me unless you’re coffee“ auf der Stirn stehen.
Dass er der Sohn zweier legendärer Musiker ist, lässt Jude sofort Podcaster-Herzklopfen bekommen – beruflich wie privat. Denn auch wenn James anfangs eher Frost als Pumpkin Spice versprüht, ist die Chemie zwischen den beiden von Seite eins an… nennen wir es: hochgradig entzündlich.
Sunshine-Meets-Grumpy vom Feinsten, inklusive Schlagabtausch, Sturheit, Funkenflug und ordentlich Spice.
Kyra Groh hat wieder bewiesen, dass sie die Queen der lustigen Dialoge ist. Sie schreibt frech, direkt, und nimmt absolut kein Blatt vor den Mund. Das Resultat ist diese herrlich ehrliche, chaotisch-witzige und gleichzeitig prickelnde Story, die das Kleinstadtsetting zelebriert.
Wenn dieses Buch eines beweist, dann dass Lower Whilby ein Ort voller Herz, Humor und sehr heißer Momente ist. Ein Auftakt, der Laune macht und die Erwartungen für Band 2 „The Iced Caramel Coffee Agreement“ ordentlich in die Höhe schraubt. Und ja, für alle, die’s gern süß UND heiß haben: Ihr seid hier goldrichtig.
Fazit: 4,5 von 5 Sternen – cozy, spicy, clever und absolut zum Wegsnacken.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.11.2025

Eine besondere und magische Geschichte

Der verschwundene Buchladen
0

Das Buch „Der verschwundene Buchladen“ fällt einem direkt durch die besondere und liebevolle Gestaltung ins Auge und wirkt wie eine geöffnete Tür in eine andere Welt.

Der Roman erzählt eine Liebesgeschichte ...

Das Buch „Der verschwundene Buchladen“ fällt einem direkt durch die besondere und liebevolle Gestaltung ins Auge und wirkt wie eine geöffnete Tür in eine andere Welt.

Der Roman erzählt eine Liebesgeschichte mit fantastischen Elementen und wandert gleichzeitig in zwei Zeitebenen. Erzählt wird die Geschichte aus drei Perspektiven und zu Beginn wirkte das auf mich fast ein wenig verwirrend. Doch je tiefer ich eintauchte, desto mehr fügte sich alles zusammen, fast so wie ein literarisches Puzzle.

Wir begleiten Opaline, eine junge Frau im frühen zwanzigsten Jahrhundert, die sich aus dem engen Korsett gesellschaftlicher Erwartungen befreit. Sie flieht vor ihrem dominanten, grausamen Bruder und übernimmt einen alten Buchladen. Ihre Geschichte ist mutig und manchmal schmerzhaft.

In der Gegenwart lernen wir Martha kennen. Auch sie ist geflüchtet – vor einem Ehemann, der Gewalt statt Liebe kannte. Nun arbeitet sie als Haushälterin für die betagte, scharfzüngige, aber herrlich schrullige Madame Bowden. Ein Charakter, der auf wundervolle Weise exzentrisch ist und die ganze Geschichte bereichert. Außerdem gibt es Henry, ein Doktorand, der rare Bücher sammelt und auf einen Buchladen stößt, der genau so plötzlich verschwindet, wie er auftauchte. Seine Suche führt ihn zu Martha.

All das klingt nach einer besonderen Geschichte und das ist sie auch. Es geht um Literatur, um Magie, um ein geheimnisvolles unveröffentlichtes Manuskript und um seltsame Dinge, die sich im Haus von Madame Bowden ereignen. Gleichzeitig spricht der Roman wichtige Themen wie häusliche Gewalt, weibliche Selbstbestimmung und Emanzipation an. Nichts davon ist überzeichnet oder belehrend, es wirkt ehrlich und authentisch und die Liebesgeschichte entwickelt sich leise und ist nicht kitschig.

Natürlich hat das Buch auch Schwächen. Das Ende war für meinen Geschmack etwas zu abrupt. Ich hätte noch ein paar Seiten gebraucht, um mich wirklich zu verabschieden. Andererseits wirkte es stellenweise etwas langatmig auf mich.

„Der verschwundene Buchladen“ ist eine Hommage an das Lesen, an starke Frauen und an die leise Magie, die Bücher in unser Leben bringen. 4/5 Sternen

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.11.2025

Ein Schreibratgeber, der erfrischend anders ist!

Bestseller schreiben wie Fitzek, Link, Adler-Olsen u.v.m.
0

Viele träumen davon einen Roman zu schreiben, scheitern jedoch an der Umsetzung. Jurenka Jurk, selbst Autorin und Gründerin der Romanschule, in der sie angehende Autorinnen und Autoren coacht, hat jetzt ...

Viele träumen davon einen Roman zu schreiben, scheitern jedoch an der Umsetzung. Jurenka Jurk, selbst Autorin und Gründerin der Romanschule, in der sie angehende Autorinnen und Autoren coacht, hat jetzt einen Schreibratgeber herausgebracht: „Bestseller schreiben wie Fitzek, Link, Adler-Olsen u.v.m.“.

Schon beim ersten Blick in das Buch wird klar, dass es anders ist als andere Schreibratgeber. In dem Buch sind 14 Interviews von erfolgreichen Autorinnen wie Elizabeth George, Sebastian Fitzek und Andreas Eschbach abgedruckt, die Jurenka Jurk im Rahmen der Online-Autorenmesse geführt hat.

Gleich zu Anfang kann man sich mit Hilfe eines QR-Codes und Eingabe seiner Mailadresse ein Workbook anfordern, um mit dessen Hilfe die Tipps aus dem Buch gleich umzusetzen. So kommt man direkt dazu zu schreiben und sein Wissen zu vertiefen.

Am Ende jedes Interviews findet man ein Fazit und wertvolle Schreibtipps der Romanschule zu dem jeweiligen Thema.

Durch das Interviewformat entsteht nicht nur viel Nähe zu den Schreibenden, sondern es setzt auch gleich ein regelrechter Aha-Effekt ein. Nicht nur das richtige Handwerk ist wichtig, sondern auch Durchhaltevermögen und Freude am Schreiben!

Viele Wege führen nach Rom und so ist es auch mit dem Schreiben: Es gibt nicht den einen richtigen Tipp, sondern viele verschiedene Konzepte und Herangehensweisen auf der Reise zum eigenen literarischen Werk.

Mich hat der persönliche Weg mancher Autor
innen beeindruckt und motiviert. Wer davon träumt selbst ein Buch zu schreiben, oder einfach einen Einblick in das Leben eines Autors bekommen möchte, der sollte sich dieses Buch nicht entgehen lassen! 5/5 Sternen

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere