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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.03.2026

Absolut lesenswert

Die Akte Schneeweiß
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Mit „Die Akte Schneeweiß“ hat Felicitas Fuchs mich wieder einmal komplett abgeholt. Nachdem ich bereits ihre Minna-Trilogie verschlungen habe, war meine Erwartung hoch und ich wurde kein Stück enttäuscht. ...

Mit „Die Akte Schneeweiß“ hat Felicitas Fuchs mich wieder einmal komplett abgeholt. Nachdem ich bereits ihre Minna-Trilogie verschlungen habe, war meine Erwartung hoch und ich wurde kein Stück enttäuscht.
Das Buch spielt in Bielefeld zu zwei unterschiedlichen Zeiträumen, von 1936 bis 1946 und 1963 bis 1977, und erzählen die Geschichte von Mathilde und Katja, zwei Frauen, deren Lebenswege durch ein altes Familiengeheimnis miteinander verbunden sind.
Schonungslos ehrlich zeigt die Autorin die Stellung der Frau in beiden Zeiten. Rechte, die uns heute selbstverständlich erscheinen, waren damals hart umkämpft oder schlicht nicht vorhanden. Katjas Kampfgeist in den 60er- und 70er-Jahren hat mich tief beeindruckt. Zu wissen, dass Frauen damals ohne Zustimmung ihres Ehemanns nicht einmal arbeiten durften, ist aus heutiger Sicht kaum zu fassen und es ist noch gar nicht so lange her!
Mathildes Geschichte ging mir besonders unter die Haut. Mehr als einmal hatte ich beim Lesen einen Kloß im Hals. Ich war wütend, fassungslos, traurig und gleichzeitig so dankbar, dass diese Geschichte erzählt wird. Gerade weil sie auf wahren Begebenheiten beruht, entfaltet sie eine enorme Wucht. Manche Szenen sind schwer auszuhalten, aber genau das ist wichtig. Diese Kapitel deutscher Geschichte dürfen nicht verblassen. Sie müssen erzählt, gelesen und erinnert werden.
Besonders eindringlich ist die Auseinandersetzung mit dem Thema ungewollte Schwangerschaft und der Frage, wie häufig Frauen – damals wie heute – mit den Konsequenzen allein gelassen werden. Während Männer sich entziehen können, tragen Frauen Verantwortung, Scham und gesellschaftliche Verurteilung. Dieses Motiv zieht sich wie ein roter Faden durch den Roman und macht ihn erschreckend aktuell.
Felicitas Fuchs verwendet eine greifbare Sprache und lässt die Geschichte so im Kopf Wirklichkeit werden. Auch das von ihr selbst eingelesene Hörbuch ist sehr hörenswert!
Die Message der Geschichte ist absolut wichtig: Nie wieder dürfen sich gesellschaftliche Entwicklungen wiederholen, die Ausgrenzung, Entrechtung und Diskriminierung ermöglichen. Wir alle sind gefragt, wachsam zu bleiben!
„Die Akte Schneeweiß“ ist ein intensiver und bewegender Roman über Frauenrechte, gesellschaftliche Zwänge und die Kraft, für sich selbst einzustehen. Hochaktuell, erschütternd und absolut lesenswert. Für mich ganz klar: 5 von 5 Sternen.

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Veröffentlicht am 21.02.2026

So muss ein Thriller sein!

Dorn. Ruf der Toten
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Nachdem mich das erste Buch der Reihe noch nicht restlos überzeugen konnte, war ich zwar neugierig, aber auch ein kleines bisschen skeptisch auf den zweiten Teil. Völlig unbegründet, denn „Zimmer 203“ ...

Nachdem mich das erste Buch der Reihe noch nicht restlos überzeugen konnte, war ich zwar neugierig, aber auch ein kleines bisschen skeptisch auf den zweiten Teil. Völlig unbegründet, denn „Zimmer 203“ der Dorn-Reihe hat mich komplett umgehauen, so muss ein Thriller sein!
Wir sind wieder mit Ex-Kriminalpsychologe Simon Dorn und der Wiener BKA-Ermittlerin Lea Wagner unterwegs und diesmal ist der Fall nicht nur spannend und beklemmend, sondern auch hochaktuell, denn es geht um moderne Themen wie künstliche Intelligenz.
Das heruntergekommene Hotel Dornwald in Bad Gastein, wo Simon Dorn dieses Mal das Zimmer 203 aufschließt, ist einfach eine tolle Kulisse. Ich liebe dieses Setting! Wir lernen in diesem Buch auch mehr über die Familien und Vergangenheit der beiden Ermittler kennen.
Die kurzen Kapitel, die Perspektivwechsel, die Cliffhanger am Ende fast jeder Szene — ich hatte keine Chance gegen die Sogwirkung des Buchs und bin nur so durch die Seiten geflogen. Schlaf wird definitiv überbewertet.
Das Ende kam dann doch zu schnell, gerne hätte das Buch noch ein paar Seiten mehr haben können! Für mich ist „Zimmer 203“ ein absolutes Thriller-Highlight! Eine riesige Steigerung zum ersten Band und ganz klar eine fette Leseempfehlung für alle, die Lust auf einen modernen und packenden Thriller mit interessanten Figuren haben! 5/5 Sternen

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Veröffentlicht am 16.02.2026

Magische Geschichte mit Tiefgang

Die geheimnisvolle Bäckerei in der rue de Paris
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Nach „Der verschwundene Buchladen“ und „Die Geschichtensammlerin“ war „Die geheimnisvolle Bäckerei in der Rue de Paris“ mein drittes Buch von Evie Woods und ich habe mich riesig darauf gefreut in die Geschichte ...

Nach „Der verschwundene Buchladen“ und „Die Geschichtensammlerin“ war „Die geheimnisvolle Bäckerei in der Rue de Paris“ mein drittes Buch von Evie Woods und ich habe mich riesig darauf gefreut in die Geschichte einzutauchen. Diesmal hat sie mich sogar noch mehr begeistert als die vorherigen Bücher. Auch dieser Roman ist optisch aufwendig gestaltet und passt stilistisch perfekt zu den vorherigen Büchern.
Die Irin Edith Lane ist dreißig Jahre alt und wagt einen Neuanfang mit dem Antreten einer Stelle als Führungskraft in einer Bäckerei in der französischen Hauptstadt, der „Bäckerei in der Rue de Paris“. Doch statt Großstadtglanz erwartet sie ein kleines Dorf außerhalb der Metropole. Und als wäre das nicht genug, empfängt sie ihre neue Chefin Madame Moreau alles andere als herzlich. Die Stimmung ist kühl, die Regeln sind streng. Vor allem das Betretungsverbot für den Keller wirft Fragen auf.
Ich mochte Edie unglaublich gern. Ihre Unsicherheiten, ihre Sehnsucht nach einem eigenen Leben, all das fühlt sich echt und nahbar an. Schritt für Schritt wächst sie über sich hinaus, findet ihren Platz und öffnet sich neuen Menschen und einer neuen Liebe. Denn auch der charmante Hugo Chadwick hilft Edie dabei, sich einzuleben und ihr Herz zu öffnen, ohne zu ahnen, dass der attraktive Hobby-Fotograf etwas Wichtiges vor ihr verbirgt.
Wieder verwebt Evie Woods Gegenwart und Vergangenheit: Rückblenden führen in ein Frankreich zur Zeit des Zweiten Weltkriegs und erzählen die bewegende Geschichte der Bäckerei. Dadurch bekommt der Roman emotionale Tiefe und geht weit über eine reine Wohlfühlgeschichte hinaus. Themen wie Verlust, Tradition und das Sterben kleiner Handwerksbetriebe werden dabei sensibel eingebunden.
Besonders die Passagen in französicher Sprache mochte ich sehr, so konnte ich nebenbei mein Schul-Fanzösich etwas aufpolieren und mich noch mehr in die Geschichte hineinfühlen.

Wie schon in den anderen Büchern, wird es auch hier wieder magisch. Wer das mag, der sollte zu dieser Geschichte greifen!

Für mich ist es bislang das beste Buch der Autorin. Es thematisiert Begebenheiten, die nicht in Vergessenheit geraten dürfen und verpackt diese in eine magische Geschichte. Für mich sind das ganz klar 5 Sterne und eine Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 16.02.2026

Einfach magisch!

Die Geschichtensammlerin
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Nach „Der verschwundene Buchladen“ war „Die Geschichtensammlerin“ mein zweites Buch von Evie Woods und ich war ehrlich gesagt richtig gespannt, ob mich die Autorin wieder so einfangen kann. Spoiler: Sie ...

Nach „Der verschwundene Buchladen“ war „Die Geschichtensammlerin“ mein zweites Buch von Evie Woods und ich war ehrlich gesagt richtig gespannt, ob mich die Autorin wieder so einfangen kann. Spoiler: Sie konnte!
Wir bewegen uns auf zwei Zeitebenen: In der Vergangenheit begleitet man Anna, ein irisches Bauernmädchen, das einem amerikanischen Besucher hilft, alte Feensagen zu sammeln und zu übersetzen. In der Gegenwart flieht Sarah aus ihrem Leben in New York an die raue Westküste Irlands in ein kleines Dorf, in dem sie niemanden kennt. Als sie durch Zufall Annas Tagebuch in einem Baumstamm entdeckt, beginnen sich die beiden Geschichten immer enger miteinander zu verweben.
Ich mochte diese Verbindung aus Vergangenheit und Gegenwart sehr. Während Sarah mit ihren inneren Dämonen kämpft und in Irland langsam wieder zu sich selbst findet, wird Annas Geschichte zunehmend intensiver und tiefgründiger. Gerade ihre Entwicklung hat mich im Verlauf des Buches immer mehr gepackt.
Die irische Landschaft, das kleine Dorf, der Hauch von Feenmagie: all das sorgt für dieses warme, leicht mystische Gefühl beim Lesen und so ist es ein echter Wohlfühlroman. Wer irische Mythen liebt und auf der Suche nach einer seichten Geschichte mit einer Prise Magie ist, der wird hier definitiv glücklich. Eine zarte Liebesgeschichte gibt es außerdem noch obendrauf.
Der Schreibstil ist bildhaft und angenehm flüssig, die Figuren sind sympathisch und greifbar. Man taucht mühelos in die Geschichte ein und lässt sich einfach treiben. Das Ende bringt noch einmal Spannung hinein und verbindet Magie mit der Realität auf eine berührende Weise.
Auch mein zweites Buch von Evie Woods hat mich überzeugt. Man bekommt hier eine atmosphärische und magische Geschichte, die perfekt für gemütliche Lesestunden ist. Klare Leseempfehlung. 4/5 Sternen✨

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Veröffentlicht am 10.02.2026

Unterhaltsam, kann aber nicht mit dem Vorgänger mithalten

Der Boss – Ist er ein Monster oder ein Genie?
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„Love, Mom“ habe ich damals förmlich inhaliert und wirklich gefeiert. Entsprechend groß waren meine Vorfreude und auch meine Erwartungen an „Der Boss“. Allerdings muss ich sagen: Ganz an den Vorgänger ...

„Love, Mom“ habe ich damals förmlich inhaliert und wirklich gefeiert. Entsprechend groß waren meine Vorfreude und auch meine Erwartungen an „Der Boss“. Allerdings muss ich sagen: Ganz an den Vorgänger kommt dieser Thriller für mich nicht heran.
Was Iliana Xander allerdings nach wie vor hervorragend beherrscht, ist ihr Stil. Sie schreibt flüssig, direkt und ohne Schnörkel. Man findet sofort in die Geschichte hinein, die Seiten fliegen nur so dahin. Erzählt wird aus drei Perspektiven, in kurzen, prägnanten Kapiteln, ein Aufbau, der das permanente „Was passiert als Nächstes?“ geschickt befeuert. Für mich war das ein klassischer One-Day-Read.
Inhaltlich bekommt man einen temporeichen Thriller, der weniger auf psychologische Tiefe als auf schnelle Unterhaltung setzt. Das Buch ist kompakt, straff erzählt und funktioniert wie ein kurzweiliger Filmabend: keine epische Ausarbeitung, sondern solide Spannung für zwischendurch.
Die Figuren waren für mich in Ordnung, blieben jedoch etwas blass. Wirkliche Nähe oder starke Sympathie haben sich nicht eingestellt, was in diesem Fall aber nicht allzu sehr ins Gewicht fiel, da das Tempo im Vordergrund steht. Problematischer empfand ich, dass sich gewisse Handlungsmuster etwas zu konstruiert anfühlten. Es gibt einige Zufälle, manches ist vorhersehbar. Einzelne Wendungen konnten mich jedoch durchaus überraschen, gerade das Ende hatte ich so nicht erwartet, was dem Roman definitiv zugutekommt.
Iliana Xanders Thriller werden nicht selten mit denen von Freida McFadden verglichen: Ähnlicher Vibe, ähnlicher Anspruch: schnell, eingängig, unterhaltsam. Wer genau das sucht, wird auch „Der Boss“ mögen!
Ich bin überzeugt, dass Iliana Xander erzählerisch noch mehr kann und hoffe, dass ihr nächstes Buch wieder stärker an das Niveau von „Love, Mom“ anknüpft. 4/5 Sternen

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