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Veröffentlicht am 16.04.2026

Fesselnder Pageturner

Meine tote Schwester: Psychothriller
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Catherine Shepherd hat mit „Meine tote Schwester“ den ersten Thriller außerhalb ihrer drei Reihen „Zons“, „Laura Kern“ und „Julia Schwarz“ herausgebracht und bedient sich dort klassischer Settings des ...

Catherine Shepherd hat mit „Meine tote Schwester“ den ersten Thriller außerhalb ihrer drei Reihen „Zons“, „Laura Kern“ und „Julia Schwarz“ herausgebracht und bedient sich dort klassischer Settings des Genres (das geheimnisvolle Nachbarhaus, in das der undurchsichtige Neuling einzieht, um den sich düstere Gerüchte ranken).

Lukas und seine Mutter Nora flüchten vor ihrer Hamburger Vergangenheit in einen nicht näher benannten Ort im Süden Nordrhein-Westfalens, um ein neues Leben zu beginnen. Sie ziehen natürlich ausgerechnet in jene Villa ein, die einst Schauplatz schauriger Verbrechen war und um den die Einwohner entweder einen großen Bogen machen oder ihn für Lost Places-Videos ausschlachten.

Zu denen, die einen Bogen um das Haus machen, gehört auch Mia, die im Haus nebenan wohnt. Ihre Schwester kam vor vielen Jahren in der Villa ums Leben und Mia leider noch immer sehr unter diesem Verlust. Ihre Freundin Charlotte dagegen ist von Haus und neuem Bewohner gleichermaßen fasziniert.

Die Geschichte wird im Wesentlichen aus Sicht von Mia und Nora erzählt, dazu gibt es einige wenige anonyme Einschübe aus Täterperspektive. Die Figuren sind stimmig gezeichnet und ich habe sehr mit ihnen mitgefiebert und mitgelitten. Viel spielt sich somit aus Mutter- bzw. Teenagerperspektive ab und spielt im Schulumfeld, was zu teils skurrilen Szenen führt, wenn die Mädchen zum Beispiel einem Lehrer in einem nicht abgeschlossenen Raum vermeintlich hinterherschnüffeln, er sie erwischt und ihnen Konsequenzen androht und die Mädchen davon tatsächlich eingeschüchtert sind — ich glaube, dass die Generation Z zum einen weniger Respekt vor dieser Art Autorität hat und zum anderen genau weiß, wo diese endet. An anderen Stellen zeigen die Teenager dafür dann ein großes Maß an Mut und Furchtlosigkeit, was für einen Thriller natürlich auch unerlässlich ist.

Catherine Shepherd legt bewusst und geschickt verschiedene Fährten, so dass sehr lange unklar bleibt, wem man in dieser Geschichte trauen kann und wem nicht. Ich hatte ab einem gewissen Zeitpunkt eine starke (und zutreffende) Ahnung, wer der Täter war und wie die Puzzlestücke zusammenpassen, das tat aber dem Lesevergnügen keinen Abbruch.

Ich vergebe 4/5 Punkten für einen soliden Thriller und Pageturner, der mich wirklich gefesselt hat.

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Veröffentlicht am 15.04.2026

Schluss mit der Dauer-Anpassung!

Ich bin nicht eure Feelgood-Managerin!
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Mit „Ich bin nicht eure Feelgood-Managerin!“ (man beachte das Ausrufezeichen) richtet sich Laura Fröhlich an all diejenigen, die es immer allen recht machen wollen und sich dabei selbst oft vergessen. ...

Mit „Ich bin nicht eure Feelgood-Managerin!“ (man beachte das Ausrufezeichen) richtet sich Laura Fröhlich an all diejenigen, die es immer allen recht machen wollen und sich dabei selbst oft vergessen. Ein Thema, das mich direkt angesprochen hat. Denn „Nein“ sagen fällt mir ehrlich gesagt auch nicht immer leicht.

Das Buch geht genau der Frage nach: Warum verhalten wir uns eigentlich so? Warum stellen wir unsere eigenen Bedürfnisse so oft hinten an? Fröhlich macht schnell klar, dass es dabei nicht nur um persönliche Muster geht, sondern auch um gesellschaftliche Prägungen. Viele Frauen wachsen mit genau diesen Erwartungen auf: sie sollen sich kümmern, mitdenken, organisieren und emotional unterstützen.

Man erkennt sich beim Lesen ziemlich schnell wieder: noch schnell den Kuchen backen, sich verantwortlich fühlen für die Stimmung im Raum, alles im Blick behalten, während die eigenen Bedürfnisse irgendwo ganz unten auf der Liste landen. Dieses ständige Funktionieren kann auf Dauer ziemlich erschöpfend sein.

In Form von aufgedruckten Tarotkarten werden die verschiedenen Typen von People-Pleaserinnen vorgestellt. Es gibt zum Beispiel die klassische „Feelgood-Managerin“, die „Kümmerin“ und die „nette Kollegin“. Das ist nicht nur kreativ umgesetzt, sondern auch sehr eingängig. Man findet sich schnell in bestimmten Mustern wieder und beginnt automatisch zu reflektieren.

Am Ende jedes Kapitels werden alternative Glaubenssätze angeboten. Ich finde das ist ein schöner Ansatz, um die eigenen Denkmuster Schritt für Schritt zu hinterfragen und neu auszurichten. Es geht nicht darum, von heute auf morgen alles anders zu machen, sondern überhaupt erst ein Bewusstsein dafür zu entwickeln.

Das Buch ist eine Einladung seine eigenen Verhaltensweisen zu reflektieren und gesellschaftliche Zusammenhänge zu erkennen. Immer schwingt die Message mit, dass es völlig in Ordnung ist, Grenzen zu setzen und die Freude am Nein-Sagen zu entdecken. Ich vergebe 5/5 Sternen und eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 15.04.2026

Sommerroman mit Tiefgang

Dieser Sommer gehört mir
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Letztes Jahr war „Glück ist ganz nach meinem Geschmack“ ein Highlight für mich und so war ich sehr gespannt auf das neue Buch „Dieser Sommer gehört mir“ von Claudia Schaumann und meine Erwartungen waren ...

Letztes Jahr war „Glück ist ganz nach meinem Geschmack“ ein Highlight für mich und so war ich sehr gespannt auf das neue Buch „Dieser Sommer gehört mir“ von Claudia Schaumann und meine Erwartungen waren hoch.

Charlottes Leben verändert sich schlagartig: Ehe-Aus, Kinder ausgeflogen, Stillstand im Job. Erst mal herrscht bei ihr eine große Orientierungslosigkeit. Was folgt, ist der Versuch eines Neuanfangs inklusive der spontanen Entscheidung, eine Kneipe zu übernehmen. Eine Idee, die zwar Mut zeigt, für mich aber nicht immer ganz greifbar oder nachvollziehbar wirkte.

Besonders spannend ist der Perspektivwechsel: Neben Charlotte begleiten wir auch ihre Tochter Leni, die in Oxford ihre ganz eigenen Erfahrungen macht: erste große Liebe, Enttäuschung, Selbstfindung. Dieser generationenübergreifende Blick bringt grundsätzlich Tiefe in die Geschichte. Für mich fühlte es sich stellenweise aber eher wie zwei unterschiedliche Erzählstränge an, die tonal nicht ganz zusammenfinden.

Was der Roman definitiv kann: Atmosphäre. Zwischen Lüneburger Heide und Oxford entfaltet sich ein Setting, das sich wirklich sehen (und fühlen) lassen kann. Kneipenluft, neue Mitbewohner, ein Tiny-Haus, Gastfamilien, Sommerabende am See, dazu dieser Hauch von Freiheit, das hat schon etwas. Auch die im Buch mitschwingende Leichtigkeit, trotz ernster Themen wie Trennung oder Selbstfindung, ist gelungen.

Charlotte selbst macht eine wunderbare Entwicklung durch, sie findet heraus was sie eigentlich will und wer sie eigentlich ist. Gerade diese Zerrissenheit zwischen neu gewonnener Freiheit und der Wehmut über den Auszug der Kinder kann ich in einer ähnlichen Lebenssituation absolut nachvollziehen.

Die Dynamik mit Mo, dem geheimnisvollen Nachbarn, bringt zwar eine gewisse Spannung rein, bleibt aber in meinen Augen etwas vage. Da war definitiv Potenzial vorhanden, das nicht ganz ausgeschöpft wurde.

Das Buch liest sich unglaublich flüssig. Der Schreibstil ist leicht, zugänglich und sorgt dafür, dass man nur so durch die Seiten fliegt. Dazu kommen schöne Dialoge und immer wieder Momente, die ein warmes Gefühl hinterlassen.

Das Ende war anders als erwartet und bringt der Story auf jeden Fall noch Pluspunkte ein.

Ich vergebe 4,5/5 Sternen und eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 08.04.2026

Ein spannendes Buch!

Das Gehöft
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Richard Brandes, dessen Brandenburg-Krimis mich schon sehr begeistert haben, hat unter dem Pseudonym Leo Brandt einen Thriller veröffentlicht, der mit einem außergewöhnlichen Setting daherkommt: Er spielt ...

Richard Brandes, dessen Brandenburg-Krimis mich schon sehr begeistert haben, hat unter dem Pseudonym Leo Brandt einen Thriller veröffentlicht, der mit einem außergewöhnlichen Setting daherkommt: Er spielt nahezu vollständig auf einer (fiktiven) Hallig, abgeschnitten von der Außenwelt.

An Richard Brandes’ Krimis hat mich sein Schreibstil, gepaart mit dem Variantenreichtum seines Storytellings, sehr begeistert. Noch mehr fasziniert mich nun, dass er in einem komplett anderen Stil schreiben kann — ohne es zu wissen, hätte ich niemals vermutet, dass hinter diesen Büchern derselbe Autor steckt.

Das geht leider mit einem kleinen Wermutstropfen einher, denn während ich mich sehr gut in seine Brandenburger Figuren hineinversetzen konnte, gelang mir dies mit seinen norddeutschen Neu-Insulanern leider nicht wirklich. Ohne, dass ich konkret benennen könnte, woran es genau hapert, blieben sie mir seltsam fremd und ihr Schicksal bewegte mich weit weniger als in seinen Brandenburg-Krimis (und an seiner Stelle wäre ich nun maximal genervt: Jetzt nimmt er sich schon ein Pseudonym und trotzdem werden seine Werke verglichen, da hätte er ja auch gleich als Richard Brandes Thriller veröffentlichen können…).

Nichtsdestotrotz ist es ein spannendes Buch, das ich gerade zum Ende hin kaum aus der Hand legen konnte. Die Suche nach dem wahren Täter blieb lange offen, was für mich bei Büchern dieser Art mit am wichtigsten ist. Aufbau und Ende waren stimmig und plausibel, auch wenn nicht jeder Spannungsbogen und jede Wendung perfekt waren.

Den Ort der Handlung auf eine fiktive Nordseehallig zu legen, hat mir sehr gut gefallen. Idyll und Lebensgefahr liegen wohl an wenigen Orten in Deutschland so nah beieinander und es gibt wohl nicht viele andere Orte, an denen man wirklich komplett von der Außenwelt abgeschlossen sein kann. Das gibt der Story eine besondere Note, die ich sehr originell fand.

Ich vergebe 4/5 Sternen.

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Veröffentlicht am 02.04.2026

Gemeinsam statt einsam

Pina fällt aus
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Auf das Buch war ich total gespannt und tatsächlich hat es mich von der ersten Seite an gepackt und berührt.
Pina Luxen ist alleinerziehende Mutter des 20-jährigen Leo, die mit ihm in einem Mehrfamilienhaus ...

Auf das Buch war ich total gespannt und tatsächlich hat es mich von der ersten Seite an gepackt und berührt.
Pina Luxen ist alleinerziehende Mutter des 20-jährigen Leo, die mit ihm in einem Mehrfamilienhaus in Wuppertal lebt. Leo ist Autist und nimmt die Welt auf seine ganz eigene Weise wahr. Sein Alltag folgt klaren Strukturen und Ritualen, vom richtigen Moment aufzustehen bis hin zu festen Abläufen beim Treppensteigen. Pina ist dabei sein Anker, sie hält seine Welt zusammen.
Doch dann ändert sich alles schlagartig: Pina landet im Krankenhaus und ist plötzlich nicht mehr da. Nun sind es die Nachbarn, die für Pina einspringen müssen. Eine ungewöhnliche, bunt zusammengewürfelte Gemeinschaft: die 86-jährige Inge, die seit Ewigkeiten ihre Wohnung nicht mehr verlassen hat, die rebellische 16-jährige Zola und Wojtek, der sich komplett zurückgezogen hat und in seiner eigenen Welt lebt. Menschen, die auf den ersten Blick nichts miteinander verbindet und die doch gemeinsam zu genau dem werden, was Leo jetzt braucht: Aus Nachbarn wird ein Team für Leo und schnell merken sie, dass sie ihn genauso brauchen wie er sie. Aus einsam wird gemeinsam.
Die Liebe von Pina zu ihrem Sohn ist spürbar, aber genauso auch die enorme Belastung, die sie tagtäglich trägt. Nichts wird beschönigt. Das Buch zeigt ehrlich, was es bedeutet, ein Kind mit besonderen Bedürfnissen zu begleiten und wie viel Kraft es kosten kann, auch Hilfe anzunehmen. Außerdem wird einem beim Lesen bewusst, wie wichtig es ist, alle Menschen in unsere Gesellschaft zu integrieren und nicht einzelne auszugrenzen, weil sie nicht der sogenannten Norm entsprechen.
Trotz des ernsten Themas schafft es Vera Zischke, eine gewisse Leichtigkeit zu bewahren, denn der Ton ist humorvoll und zugänglich.
„Pina fällt aus“ ist ein berührender und ehrlicher Roman über Zusammenhalt, Verantwortung und Inklusion. Ein Plädoyer dafür, genauer hinzusehen und füreinander da zu sein. Ein Buch, das berührt und nachwirkt, deshalb 5/5 Sternen und eine Leseempfehlung! 💛

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