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Die Housesitterin – Ein Traum von einem Job. Oder?Emily Rudolf ist eine der neuen, aufstrebenden deutschen Thrillerautorinnen, die derzeit zu begeistern weiß. Bereits mit ihren Thrillern „Die Auszeit“ und „Das Dinner“ konnte sie überzeugen.
Auf ihren ...
Emily Rudolf ist eine der neuen, aufstrebenden deutschen Thrillerautorinnen, die derzeit zu begeistern weiß. Bereits mit ihren Thrillern „Die Auszeit“ und „Das Dinner“ konnte sie überzeugen.
Auf ihren neuesten Roman „Die Housesitterin“ bin ich durch das passend gewählte Cover und den intensiv leuchtenden Buchschnitt aufmerksam geworden. Ich finde, dass die düstere See und die markante Schrift stimmig wirken und die Atmosphäre des Buches gut einfangen.
Als ich den Thriller „Die Housesitterin“ gesehen habe, kamen mir direkt Assoziationen mit dem derzeit gehypten Buch „Wenn sie wüsste“ aus der „The Housemaid“-Reihe von Freida McFadden. Beim Lesen stand also sofort die Frage im Raum: Wird es nur ein deutscher Abklatsch, oder kann „Die Housesitterin“ von Emily Rudolf ganz eigenständig bestehen?
Die gute Nachricht vorneweg: „Die Housesitterin“ steht definitiv eigenständig da – kein Abklatsch, sondern ein eigener, richtig fieser Psychothriller. Die Story dreht sich um Cecilia, eine junge Frau, die nach dem Verlust ihrer Mutter ins Straucheln gerät. In finanziellen Nöten nimmt sie den vermeintlich einfachen Job als Housesitterin an. Denn was könnte es Schöneres geben, als für eine Zeit in einem prachtvollen Anwesen zu leben und das eigene Leben kurz abzustreifen?
Als sie jedoch auf der abgelegenen Privatinsel der einflussreichen Familie Waldner ankommt, merkt sie schnell, dass große Häuser auch dunkle Geheimnisse verbergen können.
Schon auf den ersten Seiten nimmt die Autorin das Tempo und die Spannung hoch. Über der Geschichte liegt eine dichte Atmosphäre, die sich anfühlt wie eine Mischung aus Isolation und Paranoia. Wem kann man wirklich trauen? Wer verfolgt an diesem Wochenende auf der abgelegenen Insel seine ganz eigene Agenda?
Hervorragend fand ich dabei die immer wieder raffiniert eingebauten Perspektivwechsel zwischen den Figuren. Abwechselnd wird die Geschichte aus der Perspektive einer anderen Figur erzählt.
So fühlt man sich wie der allwissende Leser. Und trotzdem schafft es die Autorin geschickt, uns durch überraschende Wendungen an der Nase herumzuführen.
Dabei wird es nie so abstrus, dass man nicht auf den Tathergang kommen könnte. Das Ende ist bitterböse und passend für einen Thriller.
Was mich allerdings sehr gestört hat, war die Eindimensionalität der Figuren. Ihre Verhaltensweisen schwankten dabei zwischen unglaubwürdig und vorhersehbar. Für mich blieben sie einfach zu platt und unsympathisch, um wirklich mit ihnen mitzufiebern. Über manche erfuhr man bis zum Ende einfach gar nichts – sie fühlten sich daher eher wie Platzhalter an, denn auch ohne sie würde die Geschichte funktionieren. Schade, dass Frau Rudolf sich nicht die Zeit genommen hat, sie auszuarbeiten.
Insgesamt ist es ein spannender und rasanter Thriller, dem zwar ein bisschen Tiefgang fehlt, der das mit seine Atmosphäre und cleveren Perspektivwechseln wieder wettmacht.
Mit seinen knapp 430 Seiten und dem angenehm flüssigen Stil ist es genau das richtige Buch für ein langes, dunkles Wochenende – ein Buch, das man in einem Rutsch durchliest.