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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.05.2025

Schatten der Vergangenheit

Die Inselschwimmerin
7

Lorraine Kelly erzählt die Geschichte der 38-jährigen Evie, die 20 Jahre nach ihrer überstürzten Flucht von den Orkneys nach London zurückkehrt, um sich von ihrem sterbenden Vater zu verabschieden. Sie ...

Lorraine Kelly erzählt die Geschichte der 38-jährigen Evie, die 20 Jahre nach ihrer überstürzten Flucht von den Orkneys nach London zurückkehrt, um sich von ihrem sterbenden Vater zu verabschieden. Sie kommt zu spät, beschließt aber zu bleiben und sich endlich ihrer Vergangenheit zu stellen. Die Geschichte spielt auf drei Zeitebenen. Da ist zunächst das Kennenlernen und die ersten gemeinsamen Jahre der Eltern und Evies Kindheit ab den 1960-er Jahren. Der zweite Strang spielt 2004 und handelt von den dramatischen Ereignissen, die zu Evies Flucht geführt haben. 2024 begleiten wir Evie ein Stück in ihrem Leben in London und bei ihrer Rückkehr und der Konfrontation mit ihren alten Freunden, ihrer feindseligen Schwester Liv und den Geheimnissen, die sie zurückgelassen hat.

Der einfache, einfühlsame Schreibstil gefällt mir gut, obwohl er an manchen Stellen etwas antiquiert anmutet. Evies seelische Nöte, ihre Schuldgefühle und Ängste sind gut spürbar, aber auch Livs Verletzungen kann ich ein Stück weit nachvollziehen. Der gute Geist des Buches ist Freya, eine alte Freundin von Evies Vater und auch Evie liebevoll zugetan. Ihre Herzensgüte und ihre Bereitschaft, für andere da zu sein zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte. Hier liegt für mich auch die eigentliche Botschaft des Romans: Er ist eine Aufforderung, in einer Gemeinschaft füreinander da zu sein, immer offen für die Nöte der Mitmenschen zu bleiben.
Die zentrale Frage, was Evie in die Flucht getrieben hat, ist der Motor der Geschichte und führt zu großer Spannung. Nach Aufklärung dieses Geheimnisses flacht die Spannung gegen Ende des Buches ein wenig ab, was dem Lesevergnügen aber keinen Abbruch tut. Einige kleine Unstimmigkeiten könnte man noch hinterfragen, sie spielen aber keine allzu große Rolle für die Handlung.
Für mich ist dieses Buch rund mit all seinen Facetten, ich habe es von Anfang bis Ende gerne gelesen und kann es aus ganzem Herzen weiter empfehlen.

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  • Handlung
  • Erzählstil
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  • Cover
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 02.05.2025

Gelungene Fortsetzung

Was am Ufer lauert
0

Eigentlich hat Polizeireporterin Gianna Pitti Urlaub, denn die letzte Recherche war anstrengend und gefährlich. (1. Band "Was der See birgt"). Doch auf die Bitte ihres wiedergefundenen Vaters ...

Eigentlich hat Polizeireporterin Gianna Pitti Urlaub, denn die letzte Recherche war anstrengend und gefährlich. (1. Band "Was der See birgt"). Doch auf die Bitte ihres wiedergefundenen Vaters hin will sie sich mit einer Informantin am Seeufer treffen. Sie findet die Frau tot und bei ihr eine leere CD-Hülle mit der Aufschrift "Churchills Geheimnis". Damit ist sie schon in einen neuen spannenden Fall gestolpert, in dem sie mit ihrem Vater, ihrem Onkel und ihrer Chefin Elvira ermittelt.
Der Schreibstil ist packend und schnell und flüssig zu lesen. Das Setting am Gardasee bringt ein bisschen Urlaubsgefühl mit und gefällt mir sehr gut. Die handelnden Personen werden wieder lebendig und liebevoll geschildert, besonders Giannas schrulliger Onkel gefällt mir sehr gut. Der Fall selbst ist rätselhaft und spannend, allerdings etwas weniger spannend als im ersten Teil. Ich finde die große Zahl der darin verwickelten Personen sehr verwirrend und musste deshalb manche Passagen mehrfach lesen. Ein Personen-verzeichnis wäre da hilfreich.
Insgesamt habe ich das Buch gerne gelesen und habe mich gut unterhalten gefühlt. So kann ich es guten Gewissens empfehlen.

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Veröffentlicht am 27.04.2025

Eigentlich eine gute Story

Ein Mord im November - Ein Fall für DI Wilkins
0

Im Haus des Provosts in einem College in Oxford wird eine weibliche Leiche gefunden. Durch einen Irrtum wird DI Ryan Wilkins auf den Fall angesetzt und muss dann gemeinsam mit seinem Namensvetter ...

Im Haus des Provosts in einem College in Oxford wird eine weibliche Leiche gefunden. Durch einen Irrtum wird DI Ryan Wilkins auf den Fall angesetzt und muss dann gemeinsam mit seinem Namensvetter DI Ray Wilkins ermitteln. Die beiden könnten gegensätzlicher nicht sein. Ryan, ein Kind der Arbeiterklasse, ist der ewige Jugendliche, schlampig, unerzogen, rüpelhaft, ungebildet und ohne jede Empathie. Seine Qualifikation besteht einzig darin, dass er Dinge sieht, die andere nicht sehen. Sein Kollege Ray ist das krasse Gegenteil. Er hat in Oxford studiert und hat förmlich einen Stock im Kreuz.
Die eigentliche Story gefällt mir gut, sie ist spannend von Anfang an und der Schreibstil ist packend und sehr gut zu lesen. Leider steht aber sehr das Verhalten und die Lebensumstände von Ryan im Vordergrund, der mich mit seinem extrem schlechten Benehmen sehr nervt. Seine Dysfunktionalität steht mir zu sehr im Vordergrund, wird mit zahlreichen Wiederholungen immer wieder thematisiert. Der eigentliche Fall wird dabei fast zur Nebensache. Das hat mir den Spaß an diesem Kriminalroman sehr verdorben. Eine Fortsetzung werde ich definitiv nicht lesen. Schade.

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Veröffentlicht am 23.04.2025

Ziemliches Durcheinander

Devil's Kitchen
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Auf die Feuerwehrleute von Engine 99 wird die verdeckte Ermittlerin Andi angesetzt, weil sie in Verdacht stehen, mehrere große Raubüberfälle verübt zu haben, die mit Ihren Einsätzen in Verbindung ...

Auf die Feuerwehrleute von Engine 99 wird die verdeckte Ermittlerin Andi angesetzt, weil sie in Verdacht stehen, mehrere große Raubüberfälle verübt zu haben, die mit Ihren Einsätzen in Verbindung stehen. Andi lässt sich ins Team einschleusen. Einzig Ben weiß Bescheid, denn er möchte, dass sie nebenbei seine verschwundene Freundin und ihren Sohn findet.

Der Schreibstil ist fesselnd und eingängig, die Idee zur Story ist toll. Feuerwehrleute als raffinierte Verbrecher - das hatte ich noch nicht. Allerdings scheint die Autorin zu viel gewollt zu haben, denn durch die vielen Geheimnisse, die aufgelöst werden wollen, entsteht ein ziemliches Durcheinander. Da ist Andis Vorgeschichte, die lange im Dunkeln bleibt, dann die verschwundene Familie Bens, der verunglückte Feuerwehrkamerad Titus, der getötete Polizist und der eigentliche Kern der Geschichte, die Raubüberfälle. Es war schwer, da den Überblick zu behalten. Da wäre weniger mehr gewesen. Zudem bin ich mit keinem der Protagonisten warm geworden, sie blieben mir alle sehr fremd. So bin ich nie wirklich in der Geschichte angekommen was schade ist, denn die Story an sich ist sehr spannend. Besonders bei den Feuerwehrleuten, die täglich gemeinsam und auch füreinander ihr Leben riskieren, fehlt mir der Zusammenhalt und das füreinander einstehen. Hier ist sich jeder selbst der Nächste und liefert bedenkenlos den Kollegen ans Messer.

Mein Fazit: Spannende Story mit einigen Schwächen. Bedingt empfehlenswert.

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Veröffentlicht am 13.04.2025

Potential zum Lieblingsbuch

Maikäferjahre
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Dresden 1944/45: Anni lebt mit ihren Eltern in Dresden und bekommt ihr erstes Kind. Ihr Mann Fritz ist an der Ostfront, sie hat schon lange nichts von ihm gehört. Ihr Zwillingsbruder Tristan ...

Dresden 1944/45: Anni lebt mit ihren Eltern in Dresden und bekommt ihr erstes Kind. Ihr Mann Fritz ist an der Ostfront, sie hat schon lange nichts von ihm gehört. Ihr Zwillingsbruder Tristan kämpft als Bomberpilot an der Westfront, mit ihm tauscht sie ständig Briefe, bis auch er als vermisst gilt. Als Dresden zerbombt wird, muss sie mit ihrer kleinen Tochter Clara und dem Halbjuden Adam, einem Schützling ihres Vaters, fliehen. Auf einer zweiten Handlungsebene begleiten wir Tristan durch seine Kriegsgefangenschaft in England, wo er sich in die englische Krankenschwester Rosalie verliebt und sich der Anfeindungen der Engländer erwehren muss.

Die sehr einfühlsam erzählte Geschichte der Zwillinge, die immer durch ein unsichtbares Band verbunden sind, hat mich sehr berührt. Ich hatte das Gefühl Anni auf ihrer Flucht und Tristan bei seiner Genesung zu begleiten, ich war immer mittendrin. Personen und Geschehnisse werden authentisch dargestellt, ich kann mir gut vorstellen, das solche Geschichten genau so passiert sind. Besonders gut gefallen hat mir, dass das Buch zeigt, dass man den Hass, der aus einer solchen kriegerischen Auseinandersetzung, wie es der zweite Weltkrieg war, entstehen kann, überwinden kann - und muss. Außerdem zeigt dieses Buch einmal mehr die Sinnlosigkeit von Kriegen, die nichts als Zerstörung und Elend bringen. Kann die Menschheit - besonders der regierende Teil - das nicht endlich mal begreifen?

Ich finde es schade, dass ich nur fünf Sterne geben kann, dieses Buch hätte definitiv mehr verdient.


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