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Veröffentlicht am 05.02.2018

Was, wenn wir unsterblich wären?

Scythe – Die Hüter des Todes
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Über „Scythe“ von Neal Shusterman hatte ich schon einiges gehört, was mich sehr neugierig gemacht hat. Es war mein erstes Buch von dem Autor, den ich ehrlicherweise vorher noch nicht kannte, und ich kann ...

Über „Scythe“ von Neal Shusterman hatte ich schon einiges gehört, was mich sehr neugierig gemacht hat. Es war mein erstes Buch von dem Autor, den ich ehrlicherweise vorher noch nicht kannte, und ich kann jetzt schon verraten, ich wurde nicht enttäuscht.


Rowan und Citra leben in einer perfekten Welt ohne Krankheiten, Verbrechen, soziale Ungerechtigkeit und sogar ohne den Tod. Also fast. Denn die Menschen in dieser Welt sind zwar unsterblich, ganz ohne Tod funktioniert das Leben trotzdem nicht. Um eine Überbevölkerung zu verhindern, gibt es die Scythe, die Hüter des Todes. Sie entscheiden, wer dennoch sterben muss. Jeder Scythe hat seine eigene Methode zur Auswahl der Menschen, die er „nachliest“, sowie über die Art und Weise, wie diese Menschen dann sterben müssen.


Citra und Rowan werden beide für sie vollkommen unerwartet und gegen ihren Willen von Scythe Faraday ausgewählt, die Ausbildung zum Scythe zu erhalten. Sie fügen sich in ihr Schicksal und lernen viel über die Welt der Scythe, des Tötens und der Barmherzigkeit. Allerdings gefällt nicht allen Scythe, dass Faraday gleich zwei Lehrlinge hat, und es wird beschlossen: Es kann nur einer zum Scythe ernannt werden. Und dessen erste Aufgabe wird es sein, den anderen nachzulesen…


Die Welt, die Neal Shusterman erschaffen hat, ist faszinierend und erschreckend zugleich. Wenn das Leben nicht endet, wofür lebt man dann? Was motiviert einen, jeden Tag aufzustehen? Was macht man mit seiner Zeit, die nie endet? Denn auch wenn ein Scythe jederzeit auswählen und nachlesen kann, so trifft es nur einen sehr geringen Teil der Menschen. Die anderen leben ewig. Schnell merkt man: So toll und unbeschwert, wie eine Welt ohne natürlichen Tod klingt, ist sie gar nicht. Und auch nicht alle Scythe handeln selbstlos und menschlich.


Ein gelungener Auftakt einer Trilogie und ein vielversprechendes Ende, das neugierig macht auf den nächsten Teil.

Veröffentlicht am 29.11.2017

Intensive Schilderung des Nahost-Konfliktes aus palästinensischer Sicht

Der Junge, der vom Frieden träumte
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Ahmed wächst mit seiner Familie als Palästinenser in Israel auf. Schon früh muss er lernen, mit harten Schicksalsschlägen umzugehen. Seine kleine Schwester kommt auf einem Minenfeld ums Leben, und nicht ...

Ahmed wächst mit seiner Familie als Palästinenser in Israel auf. Schon früh muss er lernen, mit harten Schicksalsschlägen umzugehen. Seine kleine Schwester kommt auf einem Minenfeld ums Leben, und nicht viel später werden sie aus ihrem Haus und ihrem Orangenhain vertrieben, der bis dahin der Lebensunterhalt der Familie war. Als auch noch sein Vater als mutmaßlicher Terrorist verhaftet wird, muss Ahmed sich um seine Familie kümmern. Er muss die Schule abbrechen und arbeiten gehen, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Doch Ahmed ist ein Mathegenie. Mit Hilfe seines Lehrers bekommt er ein Stipendium an der Universität in Tel Aviv und kann seinen großen Traum verwirklichen. Doch auch hier ist der Palästinenser ein Außenseiter und spürt den Hass der Juden an jeder Ecke. Unterstützt von seinem weisen Vater schafft er es, den Hass zu überwinden.

Schon die ersten Seiten des Buches sind harte Kost und man fragt sich, wie ein zwölfjähriger Junge mit all dem Leid, das ihm widerfahren ist, umgehen kann. Dabei kommt es später noch schlimmer. Die Geschichte hat mich mitten ins Herz getroffen, an einigen Stellen fassungslos zurück gelassen.

Die Autorin Michelle Cohen Corasanti ist amerikanische Jüdin und wurde als junge Frau von ihren Eltern nach Israel geschickt, um Hebräisch zu lernen. In dieser Zeit hat sie den Nahost-Konflikt hautnah miterlebt und schildert ihn nun aus Perspektive der Palästinenser. Ein interessanter Fakt, wie ich finde. Die israelischen Juden kommen in der Geschichte nicht gut weg, ihre Grausamkeiten und Ungerechtigkeiten der Israelis sind ausführlich dargestellt. Offenbar haben ihre Erfahrungen die Autorin stark beeindruckt. Die Schilderung aus Sicht der Palästinenser war mir teilweise etwas zu einseitig, denn es ist schwer, den ganzen Konflikt zu verstehen, wenn man nur eine Seite kennt. Und oft war ich, wie Ahmed, hin und hergerissen zwischen Objektivität und Rassenhass.

Ich muss zugeben, dass ich mich mit dem Nahost-Konflikt nicht gut auskenne, und musste daher zwischendurch das eine oder andere googlen. Denn die geschichtlichen Ereignisse sind geschickt in die Handlung eingeflochten, an vielen Stellen aber nicht ausführlich erklärt. Was wiederum dazu geführt hat, dass ich durch die zusätzliche Recherche nun viel besser im Bilde bin. Einfach dahin lesen fiel mir aber in diesem Zusammenhang schwer. Wer Interesse am Nahost-Konflikt hat, vielleicht auch etwas dazulernen möchte, ist hier richtig aufgehoben.

Mein Lichtblick inmitten des Konfliktes, das auch in Ahmeds Familie tobt, war sein Vater. Obwohl er von den Israelis verhaftet und jahrelang festgehalten wurde, hat er sich nie dem Hass hingegeben, sondern immer zur Menschlichkeit aufgerufen. Er ist es, der Ahmed ermutigt, seinen Weg zu gehen.

Alles in allem ein sehr emotionales, zum Teil grausames und schwer zu verdauenden Buch mit unzähligen Botschaften. Klare Leseempfehlung von mir.

Veröffentlicht am 29.11.2017

Ein Teufel auf Frauensuche

Dicker Teufel umständehalber in liebevolle Hände abzugeben
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Teufel Mephy (kurz für Mephistopheles, ja, wie bei Goethe) hat die Nase voll von seinem einsamen Leben in der Hölle und den Frauenseelen, die sich ihm nur an den Hals schmeißen, um Folterungen zu entgehen. ...

Teufel Mephy (kurz für Mephistopheles, ja, wie bei Goethe) hat die Nase voll von seinem einsamen Leben in der Hölle und den Frauenseelen, die sich ihm nur an den Hals schmeißen, um Folterungen zu entgehen. Er möchte eine Frau, die ihn wirklich liebt, so wie er ist. Weil er die aber in Hölle nicht finden kann, bittet er seinen Chef, den Allmächtigen höchstpersönlich, um Urlaub auf der Erde. Der genehmigt ihm nach einiger Überzeugungsarbeit 66 Tage, um eine Frau zu finden. Für Mephy beginnt nun ein Abenteuer, in dem er nicht nur sehr viel über Onlinedating, Speeddating und Frauen im Allgemeinen und Besonderen lernt, sondern auch seine romantische, mitfühlende Seite entdeckt. Sein treuer Diener Azazel und die beiden Erdenbewohner Klaus und Suse helfen ihm dabei tatkräftig, müssen ihm aber auch das eine oder andere Mal den richtigen Weg aufzeigen. Und was passiert eigentlich, wenn Mephy der Frau seines Herzens sagt, wer er wirklich ist und wo er lebt?

Ich kannte vorher noch kein Buch von Sebastian Niedlich und war daher neben der vielversprechenden Geschichte sehr gespannt auf den Stil des Autors. Und ich bin nicht enttäuscht worden. Sehr wortgewandt und witzig führt der Autor seinen Teufel durch die Irrungen und Wirrungen der Partnersuche. Mit viel Wortwitz begegnet der Leser Jesus, der gerne Stand Up Comdedian wäre, oder Petrus, der jetzt Petra heißt. Und was macht der liebe Gott eigentlic so den ganzen Tag? Aber es geht auch sehr emotional und tiefgründig zu. Die Mischung hat mir gut gefallen, und auch die Entwicklung, die Mephy während seiner Suche durchgemacht hat, fand ich sehr gut. Und neben Mephy war mein persönlicher Star sein Diener Azazel, der ebenfalls eine tolle Entwicklung durchmacht und endlich mal was für sich, statt immer nur für seinen Chef tut. Und am Ende dafür belohnt wird.

Ein humorvolles Buch für Zwischendurch, das so ziemlich alle Klischees zum Thema Partnersuche in der Neuzeit aufs Korn nimmt und nebenbei Einblicke in die Hölle bietet, die ich lieber nicht so genau wissen wollte. Und weil ich auch lieber nicht im Toaster landen oder dem Bungeehai begegnen möchte, werde ich ab jetzt wohl ein besserer Mensch.

Veröffentlicht am 20.11.2017

Wir sind von Engeln umgeben

Engelsfunkeln
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Kate ist nach einer Trennung dieses Jahr so gar nicht in Weihnachtsstimmung. Dabei ist Weihnachten ihr Job. Als Dekorateurin verschönert sie Einkaufszentren, Büros und Weihnachtsfeiern. Bis sie einen außergewöhnlichen ...

Kate ist nach einer Trennung dieses Jahr so gar nicht in Weihnachtsstimmung. Dabei ist Weihnachten ihr Job. Als Dekorateurin verschönert sie Einkaufszentren, Büros und Weihnachtsfeiern. Bis sie einen außergewöhnlichen Auftrag erhält, der ihr wieder zeigt, dass die Engel doch überall sind.

Viola Shipmans Schreibstil ist herzerwärmend und ergreifend. Schon "Für immer in deinem Herzen" hat mich sehr begeistert. Diese kleine, feine Weihnachtsgeschichte konnte es ebenso. Sie versprüht Weihnachtsstimmung und hat in mir jetzt Mitte November die Vorfreude auf die Weihnachtszeit entfacht. Das Motiv der Engel zieht sich durch die 100 Seiten und am Ende fragt man sich, ob man an Engel glaubt.

Da die Geschichte kurz ist, bleibt sie aber auch recht oberflächlich. Ich würde gern mehr erfahren über Kate und Chad und ihren weiteren Weg. Trotzdem hat mir ihre Geschichte ein Lächeln ins Gesicht gezaubert.

Veröffentlicht am 20.11.2017

Stark wie das Eis und stur wie der Wald

Kleine Stadt der großen Träume
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Björnstadt ist eine kleine Stadt im Wald im Norden von Schweden. Die Winter hier sind lang und die Sommer kurz. Früher war hier mal mehr los, doch der Wohlstand und das soziale Leben schrumpfen immer weiter. ...

Björnstadt ist eine kleine Stadt im Wald im Norden von Schweden. Die Winter hier sind lang und die Sommer kurz. Früher war hier mal mehr los, doch der Wohlstand und das soziale Leben schrumpfen immer weiter. Nur eines hält die Menschen hier zusammen und gibt ihnen Hoffnung: Das Eishockey. Und ganz besonders die Juniorenmannschaft rund um Mannschaftsstar Kevin, die bald im Halbfinale der Meisterschaften ihre große Chance hat und Björnstadt die Chance auf eine bessere Zukunft geben kann. Bis eines Nachts etwas passiert, das die Gemeinschaft zu zerstören droht.

Ich habe bisher alle Bücher von Backman gelesen und liebe sie. Bei diesem Buch war ich anfangs etwas skeptisch, denn mit Eishockey kann ich wenig anfangen. Aber wenn es natürlich auch ums Eishockey geht, steht es trotzdem nicht im Mittelpunkt des Buches. Es könnte auch jede andere Mannschaftssportart sein. Es geht um ein ganzes Dorf, das schon bessere Zeiten gesehen hat, in denen Arbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit, aber auch harte Arbeit und Wohlstand nah beieinander liegen. Es geht um eine Dorfgemeinschaft, die Hoffnung hat, Hoffnung auf eine bessere Zukunft, auf Arbeitsplätze und Anerkennung. Und die diese Hoffnung plötzlich in Gefahr sehen und alles dafür tun, weiter träumen zu können. Die dafür auch zu weit gehen, die Augen verschließen und es nicht wahrhaben wollen. Und bald muss sich jeder Björnstädter fragen, auf welcher Seite er steht.

Backman versteht es in seiner für ihn so typischen Schreibweise eine Atmosphäre zu schaffen, die den Leser fesselt. Die einzelnen Charaktere sind ausführlich beschrieben und ausgearbeitet. Schnell kann man sich in die Personen hineinversetzen und entwickelt eine gewisse Bindung. Backman wiederholt häufig seine Schlüsselsätze, was absolut in seine Bücher passt und wodurch sich ein roter Faden durch den jeweiligen Abschnitt zieht.

Das Buch ist keine leichte Kost, die Sätze möchten aufmerksam gelesen, die Charaktere verstanden werden. Das Buch hat mich berührt, an vielen Stellen auch empört, und es hat mich auch mitfiebern lassen, sogar bei den Eishockeyspielen. Für mich ein Buch, dass sich in die Reihe der „unbedingt lesen“ Bücher einreiht.