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Veröffentlicht am 13.08.2018

Schuld durch Schweigen

Totenbauer
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Bücher mit Handlungssträngen in der Vergangenheit und Gegenwart finde ich persönlich immer sehr ansprechend. Die gut geschriebene und spannende Handlung fesselt mich vom ersten Satz an. Mit der vorangesetzten ...

Bücher mit Handlungssträngen in der Vergangenheit und Gegenwart finde ich persönlich immer sehr ansprechend. Die gut geschriebene und spannende Handlung fesselt mich vom ersten Satz an. Mit der vorangesetzten Rückblende einer Vergewaltigung wurde ich bereits in den Bann des Buches gezogen. Zu monströs ist für mich das Handeln von Daniel, dem hilflosen Mädchen gegenüber.
Dieses Verhalten hat Auswirkungen bis in die Gegenwart und vor allem Schweigen und Mutmaßungen führen zu folgenschweren Handlungen mit unschuldigen Opfern.
Sehr gelungen finde ich die realistische Darstellung von Menschen mit ganz normalen Alltagsproblemen wie Mona, die in einen Alptraum stolpert oder dem Kommissar Tenbrink, der „nur“ gesundheitliche Probleme hat. Er hat seine Frau verloren, das Verhältnis zu seiner Tochter ist nicht das Beste und die gesundheitlichen Aussetzer machen es ihm nicht leichter. Es wird deutlich, dass sein Problem psychischer Natur ist und dies klärt sich im Lauf der Handlung auch plausibel auf.
Interessant war für mich die Geschichte um die regionale Version, des Totengräbers, den „Totenbauer“. Die Eigenarten der Region werden gut herausgearbeitet, z.B. ist der Dialekt meines Erachtens gut dosiert eingearbeitet – wenn es zu viel ist, wird es für den unkundigen Leser im Verständnis und Lesefluss rasch schwierig.
Das Buch war für mich an keiner Stelle langatmig (fast folgt Puzzleteil auf Puzzleteil zu rasch aufeinander), was sich in einem zügigen Lesefortschritt äußert. Für mich bleiben keine Fragen offen und ich bin begeistert von diesem Buch. Die Handlung ist plausibel, die einzelnen Handlungsstränge fügen sich – und die Schuld (und auf Vermutungen basierende Folgehandlungen) aus der Vergangenheit sorgt für viel Leid in der Gegenwart. Familien werden zerstört und hätte man mal offen miteinander gesprochen, den Mut gehabt das vermutete Furchtbare anzusprechen, den Nutznießern wäre die Grundlage entzogen und Leben gerettet worden.
Stimmig sind auch „Nebenschauplätze“ der Ermittler. Hier wird deutlich, dass es auch Menschen, mit ihren Fehlern und Schwächen und daraus resultierenden Problemen sind.
Positiv überrascht hat mich die gute Zusammenarbeit von Ost und West, die Herkunft wird nicht thematisiert – dies würde ich mir für die Gesellschaft auch wünschen.
Es war für mich ein Vergnügen, dieses Buch zu lesen und ich gebe dafür eine klare Leseempfehlung.

  • Cover
  • Figuren
  • Spannung
  • Handlung
  • Erzählstil
Veröffentlicht am 12.08.2018

Ein Leben am Limit

Franziska zu Reventlow
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Es fällt mir sehr schwer dieses Buch zu beurteilen. Für mich liest es sich schwierig und ich kann es auch nicht in einem „Guss“ lesen, da es nicht unbedingt „leichte Kost“ ist. Das Gelesene möchte ich ...

Es fällt mir sehr schwer dieses Buch zu beurteilen. Für mich liest es sich schwierig und ich kann es auch nicht in einem „Guss“ lesen, da es nicht unbedingt „leichte Kost“ ist. Das Gelesene möchte ich immer erst noch überdenken und versuchen zu verstehen, bevor ich mich dem nächsten Kapitel zuwende. Hervorzuheben ist die Verwendung zahlreicher Zitate bzw. Notizen, die von einer enormen Recherche zeugt.
Auf jeden Fall ist Franziska zu Reventlow eine sehr interessante Frau, die nicht in ihre Zeit passte und auch ständig dagegen rebellierte anstatt sich anzupassen. Teilweise finde ich ihre Einstellung jedoch sehr egoistisch und kurzsichtig – zumal sie Verantwortung für ein Kind hat. Es ist mir unverständlich, dass sie mit ihrer Lebenseinstellung und Schnorrerei so durchs Leben kam, zumal es für ihre Freunde/Lover/Bekannten sicher nicht immer einfach war, mit ihr umzugehen und Dank nicht immer zu erwarten war. Man hat den Eindruck eines flatterhaften Schmetterlings, der von Blüte zu Blüte huscht und sich nur das Beste heraussucht.
Problematisch für mich beim Lesen waren weiterhin die vielen verschiedenen Männer – zum Teil namentlich, zum Teil mit „Deck“- bzw. Spitznamen benannt. Es war nicht immer einfach, da noch durchzublicken. Eine Übersicht dazu sowie eine kurze Zusammenfassung zu ihrer Biografie/Lebensabschnitte wäre wünschenswert gewesen um das ganze besser einordnen zu können.
FAZIT:
Es handelt sich um ein sehr tiefgründiges Buch mit sehr guter Hintergrundrecherche. Wer – wie ich - eine „reine Biografie“ erwartet, wird enttäuscht sein. Denn die eingearbeiteten Gedanken Franziskas sind sehr philosophischer Natur und ihre Überlegungen/Pläne – für mich – nicht immer nachzuvollziehen und zu verstehen.

Veröffentlicht am 13.07.2018

Ein Hörbuch das einem als Frau das Herz aufgehen lässt

Liebe zukünftige Lieblingsfrau
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Von diesem Hörbuch war ich angenehm überrascht, von der Ausführung, von dem Inhalt und von der sehr angenehmen und einfühlsamen Stimme des Sprechers. Es hat mich berührt – und das in dieser Ausführung ...

Von diesem Hörbuch war ich angenehm überrascht, von der Ausführung, von dem Inhalt und von der sehr angenehmen und einfühlsamen Stimme des Sprechers. Es hat mich berührt – und das in dieser Ausführung wahrscheinlich mehr, als es ein Buch zum Lesen getan hätte. Obwohl ein eher gewöhnliches Thema – das Verlassen werden und die Suche nach DER/DEM Neuen, hat dieses Buch etwas Magisches, Bezauberndes, Fesselndes und man kann dadurch sehr gut für einige Zeit dem Alltag entfliehen, auch gerade weil es allzu bekannte Alltagsszenen enthält, die jedem schon widerfahren sind..
Oft musste ich schmunzeln und hab mich selbst gesehen – ich sag nur Teenager-„Kind Nr.1“ oder das „Schulschnittenproblem“. Schön das andere Menschen dieselben Probleme haben und auch schön, das man solch banale Dinge so passend umschreiben kann, dass man nicht genervt über das „schon wieder“ die Augen rollt, sondern sagt: „ja genau so kenn ich es auch – aber diese Sicht hatte ich noch nicht darauf“. Ob morgendliches Familienchaos oder typisches Flughafenprozedere – man erkennt sich in vielem. Und manchmal erinnert die treffend umrissene Skizzierung, nicht plump sondern mit Witz, an die Wortakrobatik von Eckhard von Hirschhausen.
Sehr berührend finde ich die Gedanken, die sich der Autor macht, seine „zukünftige Lieblingsfrau“ richtig anzusprechen und nicht im ersten Moment wieder zu verprellen. Aber das ist sicher auch eine Altersfrage – mit Anfang 40 hat man genug Lebenserfahrung diesbezüglich gesammelt und auch die Frage „das alles jetzt nochmal von vorn“ habe ich mir selbst schon gestellt. Man denkt, überlegt zu viel, wägt zu viel für und wider ab – anstatt auf die Impulse zu reagieren, wie es die Jungen machen - mit den Fehlern, in die sie stolpern. Ich glaub aber auch, dass man nicht auf alle Eventualitäten vorbereitet sein kann, sich damit nur selbst im Weg steht.
Viel Gefühl ist jedenfalls darin enthalten – was man sicher nicht jedem X-beliebigen zeigen würde. Und sicher hilft es ja auch die eigenen Gedanken zu sortieren.
In unserer, von Vorurteilen belasteten, Gesellschaft mit dem „starken Mann“ hätte ich so ein gefühlvolles Werk von einem Mann gar nicht (mehr) erwartet. Dafür sage ich Danke!

Veröffentlicht am 12.07.2018

Verloren in mitten der Gesellschaft

Flussrauschen
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Ein junges Mädchen, Magda, wird durch den Journalisten Moosbach (welch Zufall – im Urlaub tot in der Wupper aufgefunden. Sie und ihre Großmutter Greta, waren als Außenseiter bekannt und es scheint so, ...

Ein junges Mädchen, Magda, wird durch den Journalisten Moosbach (welch Zufall – im Urlaub tot in der Wupper aufgefunden. Sie und ihre Großmutter Greta, waren als Außenseiter bekannt und es scheint so, als ob sich nie wirklich jemand für sie interessierte. Mittels Tagebucheinblenden als auch im Vorspann lässt sich erahnen, das Magda von Greta sehr schlecht behandelt wurden ist.
Es werden viele Fährten gelegt, manchmal fragte ich mich, was diese Personen jetzt mit dem Ganzen zu tun haben, aber letztendlich fügt sich alles zu einem stimmigen Bild.
Moosbach und die junge Sanna, welche Magda in der psychiatrischen Klinik kennenlernte, lassen Magdas Schicksal keine Ruhe. Damit sind zwei eher Außenstehende fast die Einzigen die handeln. Beide recherchieren und finden heraus, dass Greta in Wirklichkeit ihre Mutter ist. Dies lichtet etwas den Nebel, denn um so zu handeln (und sein Kind so zu behandeln) muss etwas Schlimmes vorgefallen sein. Bei Frauen lässt dies meist nur einen Schluss zu… Mitunter wird vieles nur angedeutet, so dass der Leser sich selbst darüber Gedanken machen kann. Dies finde ich sehr gut – es muss nicht immer alles bis ins letzte Detail beschrieben werden.
Es ist insgesamt eine sehr traurige Geschichte, über das Leid was Menschen anderen zufügen, nicht nur das Augenblickliche, sondern auch das, was in den Opfern weiterlebt und weitergegeben wird. Greta hat selbst nie Liebe erfahren, kann sie diese somit auch nicht an ihre Tochter weitergeben. Und auch die Gottesfürchtigkeit beider hilft ihnen nicht weiter – im Gegenteil sie akzeptieren (oder erwarten?) regelrecht demütigend behandelt zu werden, leben ohne Vertrauen zu niemanden, nicht einmal zueinander. Und sind dadurch einsam in einer Gesellschaft, die lieber bequem ist und wegschaut, als sich ehrlich zu fragen, wie könnte ich helfen.
Für mich ein sehr interessantes, berührendes und auch spannendes Buch – und damit eine klare Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 11.07.2018

Wie ein Wunder – ein berührendes Buch von einer ungewöhnlichen Frau

Ins Herz gebrannt
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Das berühmte Bild hat mich auf dieses Buch aufmerksam gemacht und ich bin sehr dankbar, dass ich lesen durfte. Ich habe viel Neues erfahren z.B. das es nur ein Flugzeug mit 2 Bomben war, das dieses unendliche ...

Das berühmte Bild hat mich auf dieses Buch aufmerksam gemacht und ich bin sehr dankbar, dass ich lesen durfte. Ich habe viel Neues erfahren z.B. das es nur ein Flugzeug mit 2 Bomben war, das dieses unendliche Leid gebracht hat – das es nicht die Amerikaner waren, sondern quasi die eigenen Leute. Selbst in einem sozialistischen Land, der DDR, aufgewachsen, ist mir das Wesen der Propaganda bekannt, wurden uns solche und ähnliche Bilder immer wieder gezeigt – in Hinblick auf die bösen Amis, die bösen Kapitalisten. Ich hatte gedacht, dass Kim alle erdenkliche Hilfe bekommen hat und war sprachlos, das sie regelrecht zu Propagandazwecken missbraucht wurde, ihr ohne zu wissen, Worte in den Mund gelegt wurden, die sie nie gesagt hatte – und die sie nicht kannte, weil sie die Übersetzung nicht verstand.
Ich bewundere sie für ihren Mut, sich nichts gefallen zu lassen, ihren Freiheitsdrang, ihre Fluchtversuche, ihre Reise nach Kuba, in der Hoffnung, alles würde besser, die Flucht nach Kanada, ohne nichts und mit der Befürchtung, das ihr geliebter Mann nicht mitzieht. Der Bruch mit ihrer Familie, speziell mit der Mutter, die nicht versteht, dass es der Glauben ist, der ihre Tochter so positiv antreibt.
Zuversichtlich und im Urvertrauen an Gott, zu dem sie in all ihrem Leid den Zugang gefunden hat, wächst in ihr eine Stärke, eine Größe, jedes Problem zu meistern, Rückschläge in Stärke zu verwandeln und anderen dabei noch Zuspruch spenden zu können. Dieses motivierende „Vorwärts“ zieht sich wie ein roter Faden durch das ganze Buch.
Kim hat mit und durch Gott erfahren, vergeben zu können und die daraus gewonnene Stärke für den Einsatz für den Frieden zu nutzen. Es gibt wahrscheinlich kein besseres Symbol dafür, als gestärkt aus allem Elend als Botschafterin für den Frieden aufzutauchen. Gewissermaßen hilft sie den Menschen damit auch – wie sie es immer schon wollte, seit sie für ihren Traum Ärztin zu werden, kämpfte.
Ich freue mich sehr, zu lesen, dass sich Kim mit ihren Eltern versöhnen konnte, und auch sie, wie alle Geschwister den Weg zu Gott gefunden haben. Nach allem Schlimmen was Kim erfahren musste ist ihre Überleben und ihre positive Entwicklung doch ein Wunder!