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Veröffentlicht am 16.03.2021

Lust auf eine Fahrt in die Provence?

Lavendeltage in der Auberge de Lilly
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Als Helen nach dem unerfreulichen Start in den spontanen Urlaub sich in der Auberge de Lilly beginnt wohl zu fühlen, wollte ich gleich wissen, was es denn mit diesem kleinen Hotel und Lilly auf sich hat. ...

Als Helen nach dem unerfreulichen Start in den spontanen Urlaub sich in der Auberge de Lilly beginnt wohl zu fühlen, wollte ich gleich wissen, was es denn mit diesem kleinen Hotel und Lilly auf sich hat.

Darüber gibt es nämlich auch einen Roman, und so hab ich meine Lesepläne geändert und erst "Das kleine Hotel in der Provence" gelesen, bevor ich mich weiter in Helens Geschichte vertiefte. Und ich war froh, dies getan zu haben, denn so blieben keine Fragen zum Hotel, die Auberge de Lilly, und Dorfleben offen und ich konnte mich voll auf Helens Geschichte konzentrieren.

Eigentlich wollte Helen ja gar nicht in die Provence, sondern zuhause ihrer Präsentation, die ihr einen wichtigen Job verschaffen sollte, den letzten Schliff geben. Nach einer Autopanne, die ihre schlechte Laune nur noch verstärkte, stranden sie und ihr Freund Leo in einem kleinen Hotel in der Provence.

Helen kennt einen Teil der Provence bereits, weil sie vor einigen Jahren in einem Bistro in Aix-en-Provence jobbte. Hier in der ihr unbekannten Umgebung der Auberge de Lilly kommt Helen beim Warten auf die Autoreparatur, um die sich Leo kümmert, langsam wieder zur Ruhe, geniesst die Umgebung und entdeckt in einem Nachbardorf einen kleinen geschlossenen Lavendelladen und lässt ihre früheren Zukunftsträume plötzlich wieder zu. Streit mit Leo und Helens Schwester sind die Folge. Was aus Helens versteckten Träumen wird, erzählt uns Marion Stieglitz in "Lavendeltage in der Auberge de Lilly".

Am Anfang hatte ich ein wenig Angst vor Repetitionen aus dem ersten Band. Doch die Autorin übernimmt zwar das Setting und einige gute Bekannte wie Valeska und Marianne de Boyer daraus, erschafft aber eine völlig eigenständige Geschichte, die mir gut gefallen und mich bestens unterhalten hat.

Fazit: Eine turbulente Geschichte, bei der es nicht langweilig wird. Wer Lust auf eine Fahrt in die Provence hat, kann das mit diesem Roman bestens tun.
4 Punkte.

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Veröffentlicht am 15.03.2021

Ein harter Weg auf die Bühnen dieser Welt

Romy und der Weg nach Paris
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Dass Michelle Marly Biographie-Romane schreiben kann, wissen wir spätestens seit "Mademoiselle Coco und der Duft der Liebe". Nun nimmt sie sich einer weiteren Schauspielerin an, Romy Schneider, deren Eltern ...

Dass Michelle Marly Biographie-Romane schreiben kann, wissen wir spätestens seit "Mademoiselle Coco und der Duft der Liebe". Nun nimmt sie sich einer weiteren Schauspielerin an, Romy Schneider, deren Eltern die Autorin persönlich kannte. Aus meiner Sicht war das keine leichte Aufgabe.

Ich habe sie geliebt, die Sissi-Filme, die wir uns als Kinder immer an Weihnachten anschauten. Jedes Jahr, es war Tradition, zusammen mit den Nachbarskindern. Erst nach ihrem Tod 1982 nahm ich die Schauspielerin Romy Schneider dahinter war und erfuhr, dass Romys Mutter in den Filmen mitspielte. Nochmals einige Jahre später las man in den Zeitungen, dass die reale Romy wie die Sissi, die sie so grandios verkörperte, im realen Leben selten richtig glücklich war und dass sie oft geliebt haben soll.

Alain Delon zum Beispiel. Um diese Liebe geht es in "Romy und der Weg nach Paris", der im April 1958 beginnt.

Auf ihrem Weg nach Paris und kurz vor dem ersten Zusammentreffen mit Alain Delon ist und steht die junge Romy am Anfang dieses Romans. Sie findet den Typen furchtbar - wie wir alle wissen, änderte sich dies rasch. Wie dies vonstatten ging, erzählt uns die Autorin in ihrem neuen Buch.

Die Beziehung zu Alain Delon brachte Romy karrieremässig anfangs nichts, dafür startete Alain durch, und Romy wurde eifersüchtig. Bis sie mit einem gemeinsam Theaterstück Erfolg hatten.

Michelle Marly wusste, wie sie die Leserinnen rumkriegt - Romys "Ja, Mammi" hatte ich jedesmal, wenn ich es las, hörbar in den Ohren. Da brachen sich auf jeden Fall die Sissi-Filme durch. Doch nicht nur diese Erinnerungen rief Michelle Marly bei mir wach, auch jene an verschiedene Bücher und Filme wie "Montpi".

Der Roman beleuchtet zeitgleich zur Beziehung mit Alain Delon tatsächlich viel mehr Romys Entwicklung vom braven bürgerlichen angepassten und unselbständigen Wiener Mädchen zu einer eigenständigen Schauspielerin.

Michelle Marly deutete, manchmal sehr leise, dann wieder lauter, Dinge an, die viel später in Romys Leben tragischerweise einen Höhepunkt fanden. Dass Romy sehr lange keine Ahnung von ihren Finanzen hatte zum Beispiel. Denn immer hat die Filmproduktion oder Romys Mutter, im finanziellen Bereich vor allem ihr Stiefvater alles für Romy arrangiert. In diesem Punkt blieb Romy leider abhängig, auch wenn es ihr sonst gelang autonomer zu werden und sich von der engen Bevormundung ihrer Familie zu lösen.

Es war interessant zu lesen, wie sich Romy von ihrer Paraderolle Sissi abwendete und sich gegen einen vierten Sissi-Film wehrte. Von den Deutschen und Österreichern deswegen nicht mehr geliebt, von den Franzosen noch nicht, arbeitet Romy extrem hart an sich, um auf Bühnen dieser Welt zu brillieren.

1962, endlich richtig angekommen in Paris, zu einer ernst zu nehmenden Schauspielerin und erwachsen geworden, endet dann auch dieser Roman - sehr abrupt. Ich kann mir vorstellen, dass der richtige Zeitpunkt für das Ende des Romans schwierig zu wählen war, und wahrscheinlich war dies auch das einzige perfekte Momentum, dennoch war das Ende viel zu plötzlich da.

Nichtsdestotrotz hat Michelle Marly die Aufgabe, uns Leserinnen einen sehr wichtigen Teil von Romy Schneider näher zu bringen, gut bewältigt.

Fazit: Interessanter Einblick in das Leben von Romy Schneider, die mit viel Disziplin aus dem Schatten der Sissi-Rolle herausfand.
4 Punkte.

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Veröffentlicht am 10.03.2021

Ein emotionaler Jobtausch

Happy Ever After – Wo Geschichten neu beginnen
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Der Bus ist wieder unterwegs! Allerdings nicht der Bücherbus, obwohl es natürlich ein Wiedersehen mit Nina und Zoe aus den ersten beiden Bänden gibt, sondern der Sanitätsbus - naja, ehrlich gesagt ist ...

Der Bus ist wieder unterwegs! Allerdings nicht der Bücherbus, obwohl es natürlich ein Wiedersehen mit Nina und Zoe aus den ersten beiden Bänden gibt, sondern der Sanitätsbus - naja, ehrlich gesagt ist es ein ganz normales Auto, mit dem Lissa zur Arbeit fährt, aber die vier Räder hat ihr Auto mit dem Bus gemeinsam.

Lissa ist mobile Krankenschwester, macht Nachbehandlungen und somit Hausbesuche. Als sie nach einem traumatischen Ereignis nicht mehr dieselbe ist und ihre Arbeit darunter leidet, wird sie vom NHS angefragt, ob sie nicht für drei Monate einen Jobtausch machen möchte, um zur Ruhe zu kommen.

Tauschen soll sie mit dem Schotten Cormac, der ihr Berufszwilling ist. Er lebt im, den Lesern bekannten und, sehr beschaulichen schottischen Kirrinfief und macht den gleichen Job wie Lissa. Nur in der viel ruhigeren Landleben-Atmosphäre als Lissa im hektischen London. Auch er braucht dringend mal einen Tapetenwechsel und so geht es sehr schnell, bis die beiden ihre Plätze und Wohnungen tauschen.

Die Gegenüberstellung zwischen dem urbanen London und dem schottischen Hochland ist der Autorin gut gelungen. Es gibt kein besser oder schlechter, nur ein anders. Wie sich Cormac in London schlägt und wie es Lissa in Schottland gefällt, und wie die beiden sich per Chat austauschen, erst misstrauisch, dann immer offener, wird sehr schön erzählt.

Der Schreibstil von Jenny Colgan gefällt mir wie immer sehr gut. Mal schreibt sie aus Lissas, mal aus Cormacs Sicht und manchmal auch aus der von beiden und spricht die Leserinnen direkt an. Letzteres mag ich normalerweise nicht, aber bei Colgan passt es einfach, wenn sie dies als Stilmittel benutzt. So flog ich fast durch die 512 Seiten. Die erzählte Geschichte war auch einfach viel zu interessant, um lange Lesepausen einzulegen.

"Wo Geschichten neu beginnen" hat bedingt durch den Beruf der Protagonisten eine viel tiefere Ebene als man sich von früheren Büchern der Autorin gewohnt ist.

Trotzdem kommt der Humor nicht zu kurz. Nur schon die kulturellen Unterschiede zwischen den Engländern und den Schotten sorgen für einige Missverständnisse bei den Beteiligten und viele Lacher bei den Leserinnen.

Die teilweise schweren Themen werden gut angegangen, so dass dieser Jobtausch-Roman auf eine spezielle und ruhige Art gleichzeitig leicht romantisch und doch sehr real daher kommt.

Fazit: Dieser emotionale und amüsante schottisch-englische Jobtausch ist seine Lesezeit mehr als wert.
5 Punkte.

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Veröffentlicht am 09.03.2021

Mit allen Sinnen geniessen

Klaras Schweigen
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Das Reden fällt der fast 90jährigen Klara nach einem Schlaganfall noch schwer. Deshalb ist sich Miriam auch nicht sicher, ob sie ihre Grossmutter Klara richtig verstanden hat, denn das, was aus ihrem Mund ...

Das Reden fällt der fast 90jährigen Klara nach einem Schlaganfall noch schwer. Deshalb ist sich Miriam auch nicht sicher, ob sie ihre Grossmutter Klara richtig verstanden hat, denn das, was aus ihrem Mund ertönt, hört sich Französisch an. Wieso aber Klara auf einmal mit französischen Sprachbrocken kommuniziert, ist Miriam unklar.

Erst ihre Grosstante Lotte bringt ein bisschen Licht ins Dunkel. Klara arbeitete anscheinend in der Nachkriegszeit (ab 1948) in Freiburg in einem französischen Lebensmittelladen. Doch was ist damals Wichtiges passiert, dass Klara sich auf einmal wieder daran erinnert?

Miriam möchte nicht nur, dass Klara schnellstmöglich regeneriert, sondern auch mehr über Klaras Leben herausfinden. Und sie entdeckt Erstaunliches: eine grosse Liebe, schwierige Familienmitglieder wie Klaras Vater Friedrich und ihre Schwester Lotte, Familientragödien und vieles mehr.

Geschichtlich interessant wird der Roman durch die beiden Schauplätze Freiburg (und für mich noch mehr) Konstanz. Hier zeigt sich einmal mehr, wie genau die Autorin, auch vor Ort, recherchiert hat.

"Dieser Wintertag ist viel zu schön für Krieg". Mit diesem Satz beginnt nicht nur der Roman, sondern auch Klaras Geschichte. Abwechselnd tauchen wir in die Kapitel von Klara und jene von Miriam ein, jedesmal möchte man am liebsten bei der betreffenden Person weiterlesen, parallel am besten, damit man die ungemein spannende Geschichte mit allen Sinnen einsaugen kann.

Fazit: Bettina Storks enthüllt in "Klaras Schweigen" eine berührende Geschichte, die immer wieder überrascht.
5 Punkte.

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Veröffentlicht am 07.03.2021

Die Krabbenverkäuferin

Die Verlorenen
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"Die Verlorenen" ist mir in der Verlagsvorschau bereits aufgefallen - kein Wunder bei dem Cover! Aber ich entschied mich, ihn nicht diesen Frühling zu lesen. Irgendwann mal vielleicht, denn das Thema sprach ...

"Die Verlorenen" ist mir in der Verlagsvorschau bereits aufgefallen - kein Wunder bei dem Cover! Aber ich entschied mich, ihn nicht diesen Frühling zu lesen. Irgendwann mal vielleicht, denn das Thema sprach mich nicht wirklich an. Doch dann bekam ich die Printausgabe vom Verlag zugeschickt und später noch das eBook. Da ich es nun doch zuhause liegen hatte, wollte ich nur kurz mal reinlesen.

Und ich wurde überrascht. Von der ersten Seite an hat mich Autorin Stacey Halls mitgerissen. Die Geschichte von Bess Bright, die ihr Baby aufgrund ihrer Lebensumstände im Waisenhaus abgibt, hat mich gepackt.

Wie Bess mit sich gerungen hat, das Baby abzugeben, obwohl das damals in ihrem Stand üblich war. Und dann, sechs Jahre später, wie gross ihre Enttäuschung war, als sie ihre Tochter nach abholen wollte, denn endlich hatte sie - hoffentlich - genügend Geld angespart, um das Kind abzulösen, und sie mitgeteilt bekam, dass Clara schon abgeholt wurde. Was danach passierte? Lest es selbst!

Die Autorin lässt uns hinter viele Häusermauern, Wohnsituationen, Familienschicksale und Gesellschaftsschichten blicken, und zeichnet ein eindrückliches Bild von London im 18. Jahrhundert. Sei es das Waisenhaus, das Leben als Krabbenverkäuferin, Kleiderverkäuferin, Fackelträger, Arzt, als reiche Witwe - und nicht zuletzt auch von einem Kind, das alles und trotzdem nichts hat.

Die Geschichte von Bess Bright und ihrer verschwundenen Tochter grundiert auf einer aussergewöhnlichen Idee - solche tollen Geschichten, die man nicht schon hundertmal gelesen hat, mag ich ja eh generell total gerne.

Ich war aber auch mächtig gespannt auf das Ende, denn das hätte voll in die Hose gehen und den Roman zerstören können. Egal, welches Ende Stacey Halls sich ausgedacht hätte, aus dieser Geschichte einigermassen glaubhaft rauszukommen war nicht leicht zu bewältigen. Es durfte also weder zu kitschig noch zu tragisch sein - das ist der Autorin gelungen, obwohl mir das alles fast ein bisschen zu schnell ging und ich zwischendurch gerne noch ein bisschen mehr über Bess Empfindungen gelesen hätte. Aber wie gesagt, das Ende steht auf des Messers Schneide, es war ein schwieriges Unterfangen.

"Die Verlorenen" wird mir auf jeden Fall noch lange in Erinnerung bleiben, für mich ist es einer der besten historischen Romane der letzten Jahre.

Da ich mir den Krabbenhut von Bess nicht vorstellen konnte, hab ich nach einem Bild gesucht. William Hogarth hat diesen Hut in "Die Krabbenverkäuferin" gemalt. Interessant fand ich, dass gegen Ende des Romans ein anderes Bild von ihm erwähnt wird, welches ich mir dann auch gleich angeschaut habe - und muss sage, es passt wirklich perfekt. Dr. Mead hat es treffend ausgewählt.

Fazit: Das berührende Schicksal zweier Frauen und einem Kind fasziniert erzählt. Absolut lesenswert!
5 Punkte.

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