Profilbild von Tamagotchi

Tamagotchi

Lesejury Star
offline

Tamagotchi ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Tamagotchi über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.10.2024

Was will das Buch mir sagen?

Aus dem Haus
0

Dies ist mir bis zum Ende nicht klar geworden. Ich habe mich sehr gefreut, das Buch lesen zu dürfen, denn der Klappentext versprach eine unterhaltsame Auseinandersetzung mit Familienleben, im Speziellen ...

Dies ist mir bis zum Ende nicht klar geworden. Ich habe mich sehr gefreut, das Buch lesen zu dürfen, denn der Klappentext versprach eine unterhaltsame Auseinandersetzung mit Familienleben, im Speziellen und im Allgemeinen. Unter dieser Prämisse habe ich zu lesen begonnen und anfangs wurde ich nicht enttäuscht, denn ich fand das Buch unterhaltsam. Besonders die Wortspiele fand ich sehr gelungen (schockgealtert, todgesund usw.), und die Fähigkeit der Autorin, ellenlange verschachtelte Sätze zu schreiben, die man dennoch versteht, fand ich beeindruckend.
Den etwas merkwürdigen Alltag der leicht schrulligen Mutter fand ich humorvoll beschrieben: die vielen TV-Geräte, die zwar laufen, aber nicht beachtet werden, und eine Frau, die die Nacht zum Tag macht und deshalb ihren Mann oft nicht sieht. Hier könnte ich noch viele Beispiele anfügen, die mich beim Lesen grinsen ließen, denn wer weiß, welche ungewöhnlichen Eigenheiten man sich selber noch zulegt....
Ich fand das Buch durchaus unterhaltsam bis diese immense Aversion gegen Kassel und seine Bewohner einsetzte. Mich verbindet zwar mit Kassel überhaupt nichts, aber diese Gehässigkeit war mir unverständlich. Zunächst habe ich alles mit Einsamkeit der Mutter entschuldigt, die sich im neuen Wohnort erstmal einleben muss. Aber dann weitete sich der Hass auch auf das HAUS aus. Es scheint ein großes und gut ausgestattetes Haus zu sein, trotzdem strahlt es nur Negatives aus, sowohl in den Augen der Mutter, aber nun kommt auch noch die Tochter dazu.
Das Verhalten der Tochter, die übrigens bis zum Schluss 'anonym' bleibt, ist rätselhaft. Einerseits ist sie froh, dem Alltag im HAUS zu entfliehen, als sie anfängt, in Berlin zu studieren. Aber andererseits sucht sie auch immer wieder den Kontakt.
Irgendwann setzte der Punkt ein, an dem ich mich fragte, was das Buch mir denn sagen will und ob ich nicht Zeit verschwende, wenn ich weiterlese. Es wurde zusehends langweilig, trotzdem habe ich bis zum Ende durchgehalten. Aber ich frage mich immer noch, was ich aus dem Buch für mich 'mitnehmen' kann....

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.10.2024

Eine Biografie mit vielen Details, auch über Edward VIII

Wallis Simpson
0

Seit ich den Film 'The King's Speech' gesehen habe, lässt mich dieses Kapitel der englischen Geschichte nicht mehr los. Davor war mir Wallis Simpson nur als Persona non Grata im englischen Königshaus bekannt, ...

Seit ich den Film 'The King's Speech' gesehen habe, lässt mich dieses Kapitel der englischen Geschichte nicht mehr los. Davor war mir Wallis Simpson nur als Persona non Grata im englischen Königshaus bekannt, dann wurde mir klar, welchen großen Konflikt sie ausgelöst hat. Ich wollte mehr über diese Frau erfahren. Wie war ihr Verhältnis zu Edward VIII? Hat sie ihn wirklich geliebt, oder war er nur Mittel zum Zweck, um in der Gesellschaftshierarchie aufzusteigen? Ich habe die Antwort erhalten.
Das Buch vermittelt auf ansprechende Weise viele Details aus Wallis Leben, und nicht nur das. Man erfährt auch viel über Edward VIII, der noch nicht einmal ein Jahr lang König war, bevor er wegen Wallis abdankte.
Zuerst störten mich die vielen Geschichten rund um Edward, denn ich wollte ja Wallis näher kennenlernen, aber dann verstand ich, dass beides miteinander verwoben ist. Ich habe über beide Personen vieles erfahren, was mein Gesamtbild erweitert.
Für mich ist diese Biografie sehr informativ und hat mich keinesfalls gelangweilt. Dies wurde ergänzt durch das reichhaltige Bildmaterial, wodurch einzelne Aspekte noch mehr veranschaulicht wurden. Die Autorin hat sehr intensiv recherchiert, um hier ein umfassendes Bild des berühmten und gleichzeitig verachteten Paares abzubilden.
Der Schreibstil ist einfach und angenehm zu lesen, da fliegen die Seiten im Buch nur so dahin. Es gibt humorvolle Passagen, ebenso wie sehr leidvolle. Auch ironisierende Ausführungen sind reichlich vorhanden. Sehr beeindruckend finde ich beschrieben, wie sehr Wallis intrigiert, um ihre Ziele zu erreichen. Insgesamt hat mich dieser Schreibstil gefesselt und gut unterhalten.
Sehr lobenswert finde ich das ausführliche Personenverzeichnis am Ende des Buches. So findet man schnell die richtige Stelle, wenn man nach einer bestimmten Person im Umfeld des Paares sucht.
Im Hintergrund habe ich auch noch viel Interessantes über die anderen Royals erfahren, was mein Wissen zur englischen Königsfamilie erweitert hat.
Insgesamt hat mir das Buch sehr gut gefallen, und ich kann es jedem empfehlen, der an der englischen Geschichte interessiert ist.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.09.2024

Der pure Wunsch zu überleben

Und später für immer
0

Gegen Ende des zweiten Weltkriegs beschließt Johann Meinert, gemeinsam mit ein paar Kameraden zu desertieren. Nach all den Einsätzen bei der Luftwaffe hat er nur noch den dringenden Wunsch, endlich zu ...

Gegen Ende des zweiten Weltkriegs beschließt Johann Meinert, gemeinsam mit ein paar Kameraden zu desertieren. Nach all den Einsätzen bei der Luftwaffe hat er nur noch den dringenden Wunsch, endlich zu seiner Frau und dem ungeborenen Kind zurückzukehren. Als die Situation geographisch günstig ist, setzt er sein Vorhaben in die Tat um. Er flieht zu Onkel und Tante und versteckt sich dort im Heuschober. Alles verläuft ruhig, bis plötzlich das Nachbarsmädchen Frieda ihn entdeckt, sich mit ihm bekannt macht und ihn immer wieder mal besucht. Sie ist 16 Jahre alt, und ihr Vater dient der NSDAP. Sie verhält sich anfangs recht feindselig gegenüber Johann. Von da an wird er von Zweifeln gequält, ob Frieda ihn verrät oder ob er ihr vertrauen kann....
Der Autor bedient sich eines sehr spannenden Schreibstils, Johanns Angst während der Flucht und im Versteck ist förmlich spürbar. Besonders trifft dies auf den Moment zu, als einer der Deserteure plötzlich einen Rückzieher machen will, da hält man den Atem an.
Sehr atmosphärisch ist es auch, als er von Frieda entdeckt wird und das Scheitern seiner Flucht in greifbare Nähe rückt. Intensiv bemüht er sich um die Zuneigung von Frieda, um nur ja nicht verraten zu werden. Man spürt regelrecht seine Panik.
Immer wieder werden Rückblicke auf die Zeit vor der Desertation eingeschoben. Diese Zeitsprünge waren zunächst nicht klar erkennbar. Die Erinnerungen, die auf wahren Begebenheiten beruhen, machen einen großen Teil des Buches aus. Diese Einschübe sind zwar interessant und sie spiegeln die Gefühlswelt der Soldaten intensiv wieder, aber das eigentliche Thema wird dabei umgangen. Ich fand das etwas langatmig, denn ich wollte ja wissen, wie es mit Johann und Frieda weitergeht und ob die Flucht erfolgreich ist.
Hochspannend wird es dann nochmal, als Frieda und Johann sich annähern. Auch diese Situation ist wieder sehr gefühlsintensiv. Man spürt, wie es zwischen den beiden knistert. Hier hätte ich etwas mehr erwartet. Diese gefährliche Situation wurde nur kurz beschrieben.
Auch das Ende ist mir etwas zu kurz geraten, im Prinzip ist es ein offenes Ende....
Alles in allem hat mir das Buch gefallen, es hat Einblicke in eine mir fremde Welt geliefert und Denkanstöße gegeben. Nur einige Situationen kamen mir zu kurz, während andere zu ausführlich waren. Durchaus lesenswert!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.09.2024

Vom Umsorgten zum Kümmerer

Alte Eltern
0

Der Autor beschreibt in diesem Buch die allmähliche Entwicklung der Demenzerkrankung seines Vaters und gibt in Rückblicken Einblicke in das Leben der Familie, als alles noch 'normal' war, bevor die Mutter ...

Der Autor beschreibt in diesem Buch die allmähliche Entwicklung der Demenzerkrankung seines Vaters und gibt in Rückblicken Einblicke in das Leben der Familie, als alles noch 'normal' war, bevor die Mutter plötzlich durch einen Unfall starb... In dieser Zeit konnte man den Alltag noch planen, wohingegen man seit der Erkrankung des Vaters immer wieder auf Unvorhergesehenes gefasst sein muss.
Ich habe dieses Buch nicht gelesen, weil ich vielleicht selbst in die Situation kommen könnte, demente Eltern zu betreuen, denn meine Eltern sind schon lange gestorben. Mich interessierte die andere Seite, denn ich könnte ja selbst von dieser Krankheit betroffen werden, und was passiert dann mit mir, was ich nicht mehr kognitiv mitbekomme?
Darüber erfährt man in diesem Buch sehr viel, denn der Autor setzt sich intensiv mit der Erkrankung des Vaters auseinander. Er kümmert sich um die meisten Anliegen persönlich und erlebt alle Feinheiten der Veränderung im Verhalten. Diese direkten Erfahrungen vermitteln ein reales Mitempfinden für den Leser, was mich oft in Gedanken abschweifen ließ...Das Buch hat mich auch beschäftigt, wenn ich es beiseite gelegt habe, denn es berührt durch seine intensiven Einsichten und Erkenntnisse.
Auf der Suche nach den Anfängen der Demenz lässt der Autor die eigene Vergangenheit Revue passieren und reflektiert die emotionale Bindung zwischen ihm und dem Vater. In der Rolle des Kümmerers hat er Angst, dass seinem Vater nicht genug Respekt entgegen gebracht wird, so dass er vieles selber in die Hand nimmt.
Er liest auch viele Bücher und Essays zum Thema, was man an den vielen Zitaten und Hypothesen anderer Autoren sieht, die Volker Kitz auf seine eigene Situation bezieht. Diese Passagen im Buch fand ich etwas weniger interessant als das direkte Vater-Sohn Erleben.
Um dieses Buch zu lesen, braucht man viel Ruhe und Ungestörtsein. Es ist mit Sicherheit keine Zuglektüre, denn es löst viele Reflektionen über das eigene Leben aus.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.08.2024

Erbarmungslose Rache einer Metzgerstochter

Yoko
0

Was für ein Buch! Es hat mich gefesselt von der ersten bis zur letzten Seite. Und immer, wenn ich meine Lektüre unterbrechen musste, habe ich mich bereits aufs Weiterlesen gefreut. Immer wieder gibt es ...

Was für ein Buch! Es hat mich gefesselt von der ersten bis zur letzten Seite. Und immer, wenn ich meine Lektüre unterbrechen musste, habe ich mich bereits aufs Weiterlesen gefreut. Immer wieder gibt es Überraschungen.
Yoko ist die Tochter eines Metzgers, die von ihrem Vater nach dem Tod der Mutter allein aufgezogen wurde. Dadurch entstand eine sehr enge Beziehung, die Yoko dann auch den Beruf des Metzgers erlernen ließ. Ob dies so ganz freiwillig geschah, sei dahingestellt. Denn nach des Vaters Tod macht Yoko aus der Metzgerei eine Glückskeksmanufaktur. Ihr Unternehmen läuft gut, bis es auf einer Auslieferungsfahrt zu traumatisierenden Ereignissen kommt, die Yokos Leben auf den Kopf stellen.
Nach einer Zeit der Selbst-Isolation wird ihr klar, dass sie die schlimmen Erinnerungen nur aus ihrem Kopf verjagen kann, wenn sie zurückschlägt. So schmiedet sie Rachepläne, die brutaler nicht sein können. Aber auch ihre Widersacher schlagen mit Grausamkeit zurück, so dass ich einige dieser Szenen, die besonders grausam waren, nicht aus dem Kopf bekam und auch außerhalb des Lesens daran denken musste.
Sehr überzeugend beschreibt der Autor, wie Yoko immer mehr in ihren Rachegelüsten aufgeht, anstatt rationale Wege zu beschreiten, um dem Unglück zu entkommen. Dabei bemerkt sie zu spät, dass auch Personen, die ihr wichtig sind, hineingezogen werden. In ihre Vergeltungsgedanken bezieht sie dann auch ihre Vergangenheit ein, denn auch hier gibt es noch Klärungs- und Befreiungsbedarf.
Obwohl ich nachvollziehen kann, wie sich Yokos Rachegedanken entwickelt haben, ist sie mir absolut unsympathisch, denn sie scheint kaum Empathie zu empfinden, was sicher auf ihre Kindheit zurückgeht. Sie beschreibt ihren Metzgerberuf ohne jegliches Mitgefühl und sieht in ihrem Job eine gerechtfertigte Dominanz gegenüber anderen Lebewesen. Diese Einstellung überträgt sie schließlich von Tieren auf Menschen.
Der Schreibstil des Autors gefällt mir, auch wenn ich mich erst einmal darauf einstellen musste. So gibt es z.B. keine Zeichen der wörtlichen Rede. Dialoge werden beim Sprecherwechsel einfach mit einem Gedankenstrich eingeleitet, auf den dann auch bisweilen nichts folgt, weil der andere nicht antwortet. Interessant, aber manchmal musste man den Dialog nochmals durchgehen, um zu erkennen, wer was gesagt hat.
Auf jeden Fall spreche ich eine Leseempfehlung aus, es sei denn, man hat Probleme mit brutalen Szenen. Ich freue mich schon auf den Nachfolgeband, der in 2025 erscheinen soll.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere