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Veröffentlicht am 10.04.2021

Ein Leben, drei Familien

Jaffa Road
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Jaffa Road
Ein Anruf erschüttert Ninas Leben: Ihr verschollener Großvater Moritz ist tot – und hinterlässt ihr und ihrer Tante Joelle ein Erbe. Beide Frauen reisen kurzerhand nach Palermo und finden dort ...

Jaffa Road


Ein Anruf erschüttert Ninas Leben: Ihr verschollener Großvater Moritz ist tot – und hinterlässt ihr und ihrer Tante Joelle ein Erbe. Beide Frauen reisen kurzerhand nach Palermo und finden dort nicht nur eine hübsche Villa, sondern auch jede Menge Fragen. Ist der gutaussehende Dottore, der sich über das Geschehene in Schweigen hüllt, tatsächlich Moritz Sohn? Kann es sein, dass Moritz nicht nur zwei, sondern gleich drei Leben und Identitäten hatte?
1948: Während die kleine Joelle mit ihren Eltern in Haifa ankommt und in der Jaffa Road das lang ersehnte Zuhause findet, muss das junge, palästinensische Mädchen Amal mit ihrer Familie aus ihrem Haus in Jaffa fliehen und alles zurücklassen. Für beide Mädchen beginnt ein Leben auf unterschiedlichen Seiten der Geschichte – nichtsahnend, wer sie einst verbinden wird.


Meine Meinung


Alles, was Daniel Speck aufs Papier bringt, ist in meinem Regal ein Muss. Also großer Fan von Bella Germania und Piccola Sicilia habe ich mir dabei nicht einmal den Klappentext durchlesen müssen – und so habe ich auch erst auf den ersten Seiten gemerkt, dass mir die Protagonisten bereits vertraut sind. Jaffa Road dreht sich (wie sein Vorgänger Piccola Sicilia) um die Geschichte von Moritz Reincke alias Maurice Sarfati – Vater, Großvater und seit langem verschollen. Aber keine Angst: Auch wer Piccola Sicila nicht kennt, wird eine außergewöhnliche Geschichte in diesem Roman finden. Auch wenn mehr Hintergrundwissen selbstverständlich nie schaden kann – und mit einem Buch von Daniel Speck macht man sowieso nie etwas falsch.
Nina und Joelle reisen erneut nach Sizilien, wo, wie sie endlich erfahren haben, ihr Vater und Großvater Moritz gelebt haben und gestorben sein soll. Dort treffen sie auf ein Haus voller Erinnerungen und einen Mann, der diese am liebsten loswerden möchte. Der gutaussehende Elias stellt sich allerdings auch als Sohn von Moritz heraus – eine Chance für Nina, die letzten fehlenden Puzzleteile von Moritz Leben zusammenzufügen.
Wie sein Vorgänger erzählt auch Jaffa Road von zwei verschiedenen Seiten und Zeiten. Auf der einen haben wir die Zurückgelassenen, die mit Mühe versuchen, das Leben ihres Vaters bzw. Großvaters zu rekonstruieren. Auf der anderen Seite verfolgen wir im Jahre 1948 das Leben zweier Menschen: Moritz, der mit Yasmina und Joelle in Haifa, Israel ankommt und das von Elias Mutter Amal, die nur wenige Kilometer entfernt ihre Heimatstadt Jaffa, Palästina verlassen und vor den vorrückenden Kriegen fliehen muss.
Mit einem eindrucksvollen Schreibstil, der melancholisch und hoffnungsvoll zugleich ist, erzählt Daniel Speck die Geschichte eines Konflikts, der hierzulande häufig vergessen wird: Es ist die Geschichte von Israel und Palästina, von den noch vor wenigen Jahren verfolgten Juden und den aus ihrer Heimat vertriebenen Palästinensern. Ein Konflikt, von dem ich – so viel muss ich ehrlich zugeben – bisher nur wenig Ahnung hatte. Speck hat sich allerdings die Zeit genommen, in die Region zu reisen, sich mit einem offenen Ohr die Geschichten der Menschen anzuhören und sie mit viel Einfühlungsvermögen in seiner Geschichte zu verarbeiten. Seine Charaktere sind bunt wie das Leben und wurden durch seinen bildlichen Schreibstil vor meinen Augen zum Leben erweckt. Ich habe einen tiefen Einblick in diese Figuren erhalten, die zwar so nie gelebt haben, aber gut existiert haben könnten. Ihre Geschichte hat mich bis zum heutigen Tag nicht mehr losgelassen – alleine das ist für mich ein Grund, das Buch zu meinen Lieblingen zu zählen.
Die Geschichte von Nina, Elias und Joelle bliebt zwar zeitweise etwas blass für mich, weil der Fokus auf der von Moritz lag, aber zusammen ergaben die Erzählungen ein Bild eines Lebens mit mehreren Identitäten. Schade war, dass Moritz beinahe nie selbst zum Erzähler wurde – so konnte ich einige seiner Handlungen, die die anderen Figuren nur aus zweiter Hand erfahren hatten, nicht immer zu 100% nachvollziehen. Aber so bleibt manches zumindest meiner Fantasie überlassen.
Insofern hat Jaffa Road meiner Meinung nach seinen Vorgänger sogar noch übertroffen. Wo Piccola Sicilia noch Schwierigkeiten mit der Dramatik und der Zusammenführung beider Zeiten hatte, hat Jaffa Road einen stimmigen Bogen durch Moritz Leben geschlagen. Für einen Roman mit beinahe 700 Seiten bin ich praktisch durch das Buch geflogen. Es wird mich mit Sicherheit noch eine ganze Weile begleiten.


Fazit


Jaffa Road ist für mich bisher das beste Buch aus der Feder von Daniel Speck. Mit bunten, vielschichtigen Charakteren, einem gut durchdachten Spannungsbogen und wichtigen, einfühlsamen Erzählungen, konnte Speck mich 700 Seiten durchgehend packen. Wenn ich könnte, würde ich dem Buch 6 von 5 Sternen geben!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.11.2020

Ein Reiseführer durch die Literaturgeschichte

Wonderlands
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Die Geschichten von Peter Pan, Harry Potter und dem kleinen Prinzen kennen Kinder weltweit; fantastische Geschichten wie Alice Reise ins Wunderland oder der Herr der Ringe sind bekannte und zahlreich verfilmte ...

Die Geschichten von Peter Pan, Harry Potter und dem kleinen Prinzen kennen Kinder weltweit; fantastische Geschichten wie Alice Reise ins Wunderland oder der Herr der Ringe sind bekannte und zahlreich verfilmte Klassiker; die Ideen der Odyssee werden auch heute noch überall aufgegriffen. Im Laufe der Zeit haben sich fantastische und überall geliebte Geschichten angesammelt, die verlangen, gehört zu werden - und dieses Buch vereinigt sie alle.

Wonderlands ist ein wunderschön aufgemachter, übersichtlicher Reiseführer durch die Welt der Literatur. Angefangen bei den frühesten Heldengeschichten aus dem 2. Jahrtausend v. Chr. führt es den Leser durch die Zeit und die wirklich großen Klassiker der Menschheit. Auf ca. zwei Seiten wird jeder Geschichte ein Hintergrund gegeben - von den damaligen Lebensumständen und der Entstehungsgeschichte bis hin zu Anekdoten aus dem Leben der AutorInnen. Daneben glänzen herrliche Illustrationen, die die Beschreibungen untermalen. Der Schreibstil ist angenehm und dem Publikum angemessen und es kommen immer wieder kleine Geschichten zu Tage, die jeden Fan begeistern dürften. Wer noch keine Liste mit den Must-Read-Büchern der Geschichte hat, hat hier seine Inspiration gefunden.

Wer allerdings nach wirklich tiefgreifenden, alles aufgreifenden Informationen über eine Geschichte sucht, der sollte sich ein spezielles Buch dafür suchen - denn Wonderlands ist zwar sehr schön gestaltet und stellt so viele schöne Geschichten vor, aber auf zwei Seiten sind eben auch nur begrenzt Informationen unterzubringen. An manchen Stellen hätte ich mir noch ein paar mehr Informationen gewünscht, v.a. bei Geschichten, die schon älter sind - die wird man dann wohl doch noch selber lesen müssen. Ich sehe das Buch deshalb als eine Art Teaser - ein Buch, dass dich auf den Geschmack bringt und Lust auf mehr macht. Meine Liste zu lesender Bücher wurde jedenfalls um einige Geschichten verlängert.

Obwohl ich mir an manchen Stellen also ein paar mehr Informationen gewünscht hätte, ist Wonderlands das perfekte Buch für Bücherwürmer und Literaturnerds. Diese Geschichten sollte jeder einmal gelesen haben - und wer mal reinschnuppern will, hat sich mit Wonderlands den perfekten Reiseführer ausgesucht.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.04.2020

Die Todesseherinnen

Ezlyn. Im Zeichen der Seherin
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Ezlyn – Im Zeichen der Seherin
Ezlyn ist eine Todesseherin – sie kann durch eine einfache Berührung den Tod eines Menschen voraussehen. Doch einer hat sich besonders in ihr Gedächtnis gebrannt: Ihr eigener ...

Ezlyn – Im Zeichen der Seherin


Ezlyn ist eine Todesseherin – sie kann durch eine einfache Berührung den Tod eines Menschen voraussehen. Doch einer hat sich besonders in ihr Gedächtnis gebrannt: Ihr eigener Tod, herbeigeführt durch die Hand eines Schattenkriegers. Ezlyn glaubt, sich bestmöglich auf diesen schrecklichen Tag vorbereitet zu haben, aber als sie an die höchstbietende Adelsfamilie verkauft wird, muss sie ausgerechnet mit dem Schattenkrieger zusammenarbeiten, der ihren Tod bedeuten wird. Aber im Schloss ist nicht alles, wie es zu sein scheint – und das gleiche gilt für den Schattenkrieger, der Ezlyns Herz nicht nur aus Angst höher schlagen lässt…

Meine Meinung


Ezlyn – Im Zeichen der Seherin hat mich vor allem gelockt, da es endlich mal wieder kein Anfang einer Reihe ist, die ich erst in zwei Jahren beenden kann und deren Fortsetzung ewig auf sich warten lässt. Ezlyn ist das Debut der Autorin Karolyn Ciseau, die eigentlich schon viele Bücher im Selfpublishing herausgebracht hat, aber jetzt ihr erstes Buch beim Carlsen Verlag feiern kann. Und der Carlsen Verlag beweist erneut ein gutes Händchen in Sachen Newcomer-AutorInnen – nach allem, was ich mit diesem Buch erlebt habe, lohnt es sich mit Sicherheit, Karolyns weitere Laufbahn zu verfolgen und den ein oder anderen bereits erschienen Roman nachzuholen!
Vor allem hat mich Karolyn Ciseaus Schreibstil gepackt – nachdem ich in der letzten Zeit nur langweilige Bücher in den Händen hatte, wirkte sie wie ein frischer Wind: Mit tollen Beschreibungen, einem richtigen erzählerischen Spannungsbogen (!) und einer tollen Art zu erzählen. Sie konnte mich von der ersten Seite an packen und mit ihr und Ezlyn in die Geschichte ziehen – obwohl sich das vor allem in einem Fantasyroman mit einer fremden Welt schwierig gestalten kann. Ezlyn war mir dadurch als Protagonistin von Anfang an vertraut und passt sehr gut in die Geschichte – leicht aufmüpfig, freundlich und stets loyal, aber nach ihrer Isolation im Kloster auch sehr naiv. Das konnte mitunter auch mal anstrengend werden und man wollte sie am liebsten schütteln, um ihr die Augen zu öffnen, aber das gleiche fand ich in anderen Büchern schon viel unangenehmer. Hier konnte ich nachvollziehen, woher ihre Naivität kam und beobachten, wie sie die Wahrheit selbst bitter erfahren musste. Ich hätte nichts an ihr geändert.
Das Kaiserreich, in dem Ezlyn beheimatet ist, blieb neben ihr und den anderen schön ausgearbeiteten Charakteren (Malachi und Dorian, die beiden anderen großen Charaktere im Buch, waren auf ihre Art perfekt in das Buch eingearbeitet) leider etwas zurück. Man bekam vor allem am Anfang sehr viele hilfreiche Informationen, aber im Laufe des Buches wurde nicht viel mehr erklärt – man bekam kaum etwas über die Struktur des Landes mit, geschweige denn von einzelnen Abläufen, Traditionen oder Nachbarländern. Das Weltenkonstrukt blieb vergleichsweise oberflächlich, was für einen Roman von 400 Seiten aber auch nur natürlich ist – vielleicht wäre Ezlyn als Reihe also gar nicht schlecht angelegt gewesen. Daher hatte man eher das Gefühl, die Geschehnisse würden auf einer isolierten Insel in einer großen Welt spielen – bis zum Ende habe ich das ein wenig bedauert. Aber es schmälerte nicht meine Freude an dem Buch.
Die Handlung selbst war wie der Schreibstil wunderbar bunt, vielseitig und spannungsgeladen. Die treibende Kraft war die Beziehung der Charaktere untereinander, die sich mitunter sehr überraschend entwickelten. Es gab spannende Wendungen, traurige und glückliche Momente und alle haben mich als Leser mitfiebern lassen – Karolyn hat meine Neugier kein einziges Mal verloren. Nur das Ende des Buches – und das schreibe ich wieder der Weltenkonstruktion und der Kürze von knapp 400 Seiten zu – war etwas kurz und abgehackt. Einige Momente konnten nicht ausführlich genug behandelt werden, da sie vorher nicht richtig aufgeklärt worden waren und aus Platzmangel nicht mehr in das Buch passten. Mindestens einen Zweiteiler hätte ich mir also letztendlich doch gewünscht, um das Buch zu einem perfekten Gesamtpaket zu schnüren.

Fazit


Ezlyn ist kein perfektes Buch, aber ein tolles Lesevergnügen und eine Erholung von all den Reihen mit 10 Bänden. Ich würde sehr gerne mehr von der Welt lesen und verfolge Karolyn Ciseau mit Freude weiter. Eine große Leseempfehlung gibt es daher von mir!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.03.2020

Der Thron von Valean

Das Lied der Sonne
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Das Lied der Sonne
Lanea genießt es, jeden Morgen mit den Stammesmitgliedern und ihrer besten Freundin, der Häuptlingstochter, am feinen Sandstrand die Sonne zu begrüßen. Doch von einem Tag auf den anderen ...

Das Lied der Sonne


Lanea genießt es, jeden Morgen mit den Stammesmitgliedern und ihrer besten Freundin, der Häuptlingstochter, am feinen Sandstrand die Sonne zu begrüßen. Doch von einem Tag auf den anderen ändert sich alles. Der zukünftige Großkönig ruft zur Brautschau und Lanea reist als falsche Prinzessin an den Hof. Hier lauern Intrigen und tödliche Verschwörungen - und mittendrin Prinz Aaren, dessen sanftmütige Augen Laneas Herz zum Flattern bringen. Doch seine Liebe darf sie nicht gewinnen...

Meine Meinung


Jennifer Wolfs Jahreszeiten-Reihe ist in der Bücherwelt mittlerweile ein Muss für viele Leser, um das man nicht herumkommt. Morgentau gehört zu meinen Lieblingen im Romantasy-Genre, das ich gleich mehrmals verschlungen habe - deswegen habe ich zusammen mit vielen anderen ihr neues Buch gespannt erwartet. Und Das Lied der Sonne kann sich zumindest rein äußerlich definitiv sehen lassen - das schlichte dunkle Cover mit geheimnisvollen Blüten passt sehr gut zu dem Titel und der Stimmung des Buches und macht sich sicher sehr gut in jedem Bücherregal. Leider leider, kann ich das nicht von dem gesamten Buch behaupten.
Aber zuerst zu meinen Pluspunkten: Jennifer Wolf ist ihrem Schreibstil treu geblieben und schreibt immer noch mit einer sehr bildlichen, leichten Sprache. Vor allem Palilan, Laneas Heimat, hat es mir in diesem Buch besonders angetan – anders als erwartet ist das Land kein Königreich, sondern wird von einem Stamm samt Häuptling bevölkert. Jeden Morgen begrüßen sie gemeinsam die Sonne, die sie für sich als heilig betrachten, und leben ein zurückgezogenes Leben als „Wilde“, abgeschottet vom Rest des Großkönigreichs. Palilan scheint ein geradezu magischer Ort zu sein, an dem man sich als Leser ebenso wohl fühlt, wie die Figuren es tun. Ich war traurig, als Lanea es schließlich verlassen musste.
Mit der Reise Laneas an den Hof des Königs in der Stadt Kingsplains ging die Handlung dann allerdings leider bergab. Als Einzelband muss Das Lied der Sonne seine Handlung auf knapp 400 Seiten quetschen und das merkt man vor allem bei der Darstellung des Reichs Valean – Laneas Reise durch das Land, die die Missstände im Reich darstellen soll, ist kurz, abgehackt und voller unwichtiger Episoden, die einfach in den Raum geworfen werden. Es werden immer wieder Figuren bekannt gemacht, die später kaum eine Rolle mehr spielen und man hat als Leser kaum Zeit Mitgefühl mit den Einwohnern zu entwickeln, da ist Lanea schon in Kingsplains angekommen und im prunkvollen Palast verschwunden. Ähnlich läuft es dann immer wieder – es werden Figuren und Szenen eröffnet, kleine Nebensächlichkeiten, die Lanea erledigen muss, aber sie werden ohne Bezug in den Raum geworfen und nie wieder aufgegriffen. Würde man die ganzen nebensächlichen Szenen des Buches rausnehmen, wäre es sicher nur noch halb so dick und hätten mehr Platz für wichtige Dinge gelassen. Immer wieder erhofft man sich eine Intrige zu erspähen, eine „tödliche Verschwörung“, wie sie im Klappentext genannt wird, aber bei so vielen Handlungsalternativen wird keine richtig genutzt. Dadurch werden die Charaktere vorhersehbar und langweilig, während man nicht ganz versteht, in welche Richtung sich die Geschichte bewegen soll – ein Spannungsbogen wurde durch die vielen unnötigen Szenen leider nie kreiert.
Ebenso plötzlich und in den Raum geworfen, wird die Liebesgeschichte zwischen Lanea und Aaren. Anders als im Klappentext, wird Aaren immer wieder mit „leeren Augen“ beschrieben, in die sich Lanea von 0 auf 100 in wenigen Sekunden verliebt. Für ihre plötzliche Zuneigung füreinander wird nie eine Erklärung gefunden, weshalb ich mich mit ihrer Liebesgeschichte nie wirklich anfreunden konnte. Erst zum Schluss hin, wurden die beiden angenehmer.
Lanea alleine ist ein starkes, hilfsbereites Mädchen, das jederzeit für ihre Freunde eintreten würde. Am Anfang passte sie noch sehr gut in die Geschichte, aber je mehr Zeit verging, desto außergewöhnlicher wurde ihr Talent, die wichtigen Szenen des Buches zu verpassen – im Nachhinein wäre ein Buch aus Aarens Sicht deshalb sicher wesentlich spannender, da er in meinen Augen sowieso der interessantere Protagonist ist.
Das Ende das Buches war dann leider wie erwartet recht kurz und für meinen Geschmack zu arrangiert. Es blieben eine Mengen Fragen und Szenen offen, während schließlich noch ein schönes Fantasyelement beigefügt wurde – allerdings so nachträglich, dass es mehr wie eine fixe Idee, als ein geplantes Element wirkte.


Fazit


Das Buch lässt sich mit einem Wort beschreiben: Nett. Man kann es durch den guten Schreibstil flüssig lesen und muss sich nicht ständig durch die Seiten kämpfen, aber die Geschichte war noch sehr unausgereift und voller loser Handlungsstränge, die nie richtig verbunden wurden. Ich bin ein wenig enttäuscht, würde aber trotzdem noch zu seinem anderen Buch von Jennifer Wolf greifen und hoffen, dass sie den Zauber von Morgentau wieder aufgreifen kann. Von mir gibt es für das Buch 2,5 Sterne.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.03.2020

Die Geheimnisse der Lockwoods

Die stummen Wächter von Lockwood Manor
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Die stummen Wächter von Lockwood Manor
Als der zweite Weltkrieg über England heranzieht, sieht sich das Natural History Museum in London gezwungen, Teile ihrer wertvollen Sammlung zu evakuieren. Hetty ...

Die stummen Wächter von Lockwood Manor


Als der zweite Weltkrieg über England heranzieht, sieht sich das Natural History Museum in London gezwungen, Teile ihrer wertvollen Sammlung zu evakuieren. Hetty Cartwright, Kuratorin der Säugetiersammlung, begleitet ihre geliebten ausgestopften Tiere in das düstere Lockwood Manor, ein riesiges, beinahe leerstehendes Anwesen auf dem Land. Ihre einzigen Bewohner sind der unsympathische Major Lockwood und seine Tochter Lucy, für die Hetty bald zärtliche Gefühle hegt. Doch seltsame Albträume scheinen die junge Frau zu quälen, Träume von der Weißen Frau, einem blauen Zimmer und einem Ungeheuer, das sie durch das Haus jagt. Die Tiere der Museumsammlung scheinen verstellt zu werden und ein Eindringling hat es offenbar auf Hetty abgesehen. Kann sie die Geheimnisse des dunklen Anwesens lüften, ehe sie selbst anfängt verrückt zu werden?


Meine Meinung


Die stummen Wächter von Lockwood Manor ist das erste Buch von Jane Healey, das mir in die Hände gefallen ist. Die junge Autorin wuchs selbst in einem viktorianischen Bauernhaus auf, in dem es angeblich spuken sollte, und scheint ihre eigenen Erlebnisse und Fantasien in diesem Roman einfließen zu lassen. Ihr Schreibstil ist einer Studentin des Kreativen Schreibens angemessen und oft sehr schön ausgeschmückt mit tollen Beschreibungen, denen aber weniger Wiederholungen und Aufzählungen gutgetan hätten. Die gesamte Atmosphäre, die vor allem am Anfang etwas dunkles und fast schon gruseliges ausstrahlte, konnte mich sofort in den Bann ziehen, auch wenn das Cover meiner Meinung nach eher weniger zu dem Buch passt. Trotzdem ist es natürlich ein echter Hingucker!
Der Einstieg in das Buch fiel mir im Gegensatz zu anderen Lesern sehr gut. Die Geschichte wird hauptsächlich aus Hettys Sicht erzählt, einer jungen, neugierigen Frau, die sich nicht auf Fantasiegeschichten verlässt und den Dingen gerne selbst auf den Grund geht, auch wenn sie anderen Menschen gegenüber zurückhaltender ist. Ihr Charakter hat sehr gut zu dem Buch gepasst, da sie mit ihrer Neugier und dem langen Atem die Handlung in Schach hielt, aber ihre vielen Aufzählungen der Präparate und Räume hätte man durchaus kürzen können. Ihr gegenüber steht die zweite Hauptperson Lucy, die von ihren Albträumen und ihrem Leben mit ihrer verrückten Mutter erzählt und über das Haus und seine Eigenheiten aufklärt. Ein Buch aus ihrer Sicht hätte ich fast noch lieber gelesen, da sie ein sehr zwiespältiger, aber interessanter Charakter ist. Neben ihr verblassten allerdings auch alle anderen Nebencharaktere, die nur aufzutauchen schienen, wenn sie gebraucht wurden.
Die Handlung verdient meiner Meinung nach den größten Kritikpunkt. Am Anfang nahm mich die Geschichte gefangen; Lockwood Manor ist ein unheimliches Gebäude mit viel zu vielen Räumen und knarzigen Dielen, die viel Platz für Fantasie lassen. Der leichte Gruselfaktor hielt mich gepackt und ich wollte die Geheimnisse der Familie Lockwood und ihres Anwesens unbedingt erfahren. Allerdings schaffte es die Autorin in der Hälfte des Buches nicht mehr, die Spannung aufrecht zu erhalten. Viele Dinge wurden bereits aufgelöst, die die Magie von Lockwood Manor nahmen, und ließen das Buch seltsam leer und ohne jede Handlung zurück. Die Geschichte plätscherte nur noch dahin, als wolle die Autorin die Seiten füllen, und man konnte sich nur noch fragen, worauf das Buch eigentlich hinauswollte. Und die Auflösung war nicht weniger enttäuschend – viele Dinge waren entweder zu vorhersehbar oder ein wenig an den Haaren herbeigezogen. Es gab Wendungen, für die ich vorher kaum Indizien ausmachen konnte, weshalb sich bei mir auch kein Schock-Moment einstellen wollte. Am Ende blieb immer noch die Frage im Raum, warum genau diese Geschichte es wert war, erzählt zu werden.

Fazit


Der Schreibstil und die Charaktere haben sehr gut zu der Geschichte gepasst, die die Autorin Jane Healey am Anfang wunderbar zum Leben erwecken konnte. Letztendlich waren wohl ihre eigenen Erfahrungen mit angeblichen Spukhäusern ausschlaggebend, um eine tolle, unheimliche Atmosphäre zu kreieren. Gegen Mitte des Buches ließ der Spannungsbogen allerdings so weit nach, dass mich das Ende nur noch enttäuschen konnte. Insgesamt hatte das Buch durchaus Potenzial, das durch fehlende Spannung aber fast komplett verloren ging.

  • Cover
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