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Veröffentlicht am 30.06.2025

WO ist der rote Faden?

Die Bücherfrauen von Listland. Der Gesang der Seeschwalben
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Die 55-jährige Anna hat mit der älteren Fenja einen Podcast über deren Bücherleidenschaft und -engagement gedreht, der ziemlich gut ankam. Deshalb hat Anna mit einem Verlag geplant, die Lebensgeschichte ...

Die 55-jährige Anna hat mit der älteren Fenja einen Podcast über deren Bücherleidenschaft und -engagement gedreht, der ziemlich gut ankam. Deshalb hat Anna mit einem Verlag geplant, die Lebensgeschichte der alten Frau aufzuschreiben. Doch in Listland angekommen, ist diese verschwunden und stattdessen deren grießgrämige Tochter vor Ort, mit der Anna während eines Unwetters die alten Bücherschätze vom Dachboden zu retten versucht. Dort finden sie ein ausgehöhltes Buch, das dort schon lange versteckt war. Wie geht es nun weiter?

Direkt zu Beginn hat mich der Prolog irritiert, weil ich ihn zeitlich nicht einordnen konnte. Für mich unnötig, weil er mich nur verwirrt und nicht neugierig gemacht hat. Kein gutes Omen, denn der Rest der Geschichte konnte mich auch kaum noch überzeugen. Zunächst hat mich Fenjas Verschwinden ohne eine weitere Erklärung gestört, denn sie hatte mit Anna einen festen Termin, und der spätere Grund steht mit ihrem unhöflichen Verhalten überhaupt nicht in Relation. Dann suchen Anna und Fenjas Tochter nach ihr, sehen sie aber nur aus der Ferne und kehren gescheitert heim. Hier hängt alles in der Schwebe und die Geschichte geht überhaupt nicht voran. Ich habe mich oft gefragt, um was es in der Erzählung eigentlich geht (Fenjas Vergangenheit und Vorfahren) und wo der Sinn all dessen liegt. Die Geschichte hat zwar mit den Geheimnissen rund um Fenjas und Lenes Familie einen roten Faden, aber der ist so verknotet, verwurschtelt und oft versteckt, dass das Lesen des Buches mir keinen Spaß mehr gemacht hat. Auch Anna als Protagonistin konnte mich nicht erreichen. Zuerst ist sie an den ersten Tagen verzweifelt, dass ihr berufliches Projekt zu scheitern droht, später ist ihr das fast gleichgültig. Außerdem hat mich ihre Liebesgeschichte auch nicht erreicht, da sie sehr hölzern beschrieben und vieles grundlos verkompliziert wurde. In Listlands Gegenwart fehlt es an Spannung, weil auch nicht mehr die Bücher und überraschenden Funde auf dem Dachboden näher betrachtet werden. Die Kapitel aus der Vergangenheit um Lene haben mir hingegen viel besser gefallen. Hier wird im Jahre 1937 über deren Leben auf dem abgeschiedenen Listland erzählt, wie sie aufwächst, ein Buch nach dem anderen verschlingt und sich verliebt.

Erst im letzten Drittel wird die Geschichte interessant und nimmt an Fahrt auf. Hier werden endlich Geheimnisse gelüftet und die Vergangenheit mit der Gegenwart verknüpft. Obwohl hier vieles sehr konstruiert war, konnte die Autorin mich sogar mit einem Detail überraschen.

Die alte Dame Fenja wird als Bücherfrau beschrieben, aber die Leidenschaft ist für mich nicht erkennbar. Sie lässt Bücher, sogar antiquarische Familienerbstücke, auf dem Dachboden verschimmeln, und das ohne nachvollziehbaren Grund. Ab und zu wird beschrieben, dass sie sich z. B. in der Bücherei engagiert, aber richtige Bücherliebe ist von ihrer Seite nicht zu erkennen. Hier hätte ich es schöner gefunden, wenn der Podcast von Anna und Fenja auch teilweise abgedruckt gewesen wäre. Lenes Leidenschaft für Geschichten im Früher hingegen ist sehr schön geschildert und stets präsent. Die Beschreibung von Listland, der Natur und dem entschleunigten Leben, haben mir sehr gut gefallen.

Fazit:
„Der Gesang der Seeschwalben“ ist ein Buch mit sehr vielen Schwächen, die ich nicht erwartet hatte. Die Bücherliebe und das Leben auf Listland haben mir sehr gut gefallen, jedoch fehlt der Geschichte Spannung und natürliche Leichtigkeit. Vor allem der versteckte und verknotete rote Faden haben dazu beigetragen, dass vieles nicht voranging. Sehr schade! Band 2 würde mich noch interessieren, aber ich habe Angst, dass er genauso schlecht geschrieben ist.

Veröffentlicht am 20.05.2025

Emotionale Tragödie auf dem Eis

The Favourites
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Das Buch beginnt als Katarina und Heath 16 Jahre alt sind und sich auf dem Weg zu einem Wettkampf im Eistanz machen. Beide kennen sich aber schon seit Jahren, sind nicht nur beste Freunde und Eislaufpartner, ...

Das Buch beginnt als Katarina und Heath 16 Jahre alt sind und sich auf dem Weg zu einem Wettkampf im Eistanz machen. Beide kennen sich aber schon seit Jahren, sind nicht nur beste Freunde und Eislaufpartner, sondern ein Paar. Die Geschichte erzählt von ihren Eistänzen, den Siegen und Niederlagen und ihrer Beziehung über viele weitere Jahre hinweg.

Die Geschichte der beiden wird aus Katarinas Perspektive erzählt. Aufgelockert bzw. erst richtig lebendig wird sie durch die Kommentare von anderen Eiskunstläufer/innen und Trainerinnen. Dies geschieht im Stil einer Doku und die Personen kommentieren die Erlebnisse von Katarina und Heath.

Die Beziehung der beiden ist gewaltig, intensiv, zerstörisch und liebevoll. Ihre Liebe entfacht erst den idealen Eistanz, kann aber auch durch ihre Emotionen stören. Die Autorin beschreibt sehr gekonnt, wie die Liebe von Katarina und Heath ihre Performance beeinflusst, der Druck und Wettkampf in der Eislaufwelt sich aber auch auf ihre Beziehung auswirkt. Es ist emotional und gewaltig und erschütternd. Die Geschichte hat mich an "Carrie Soto is back" von Taylor Jenkins Reid erinnert.

Fazit:
"The Favourites" ist eine erschütternde, echte und berührende Geschichte über das Eistanzpaar Katarina und Heath. Es wird schonungslos und gefühlvoll erzählt, wie ihre Karriere ihre Liebe und umgekehrt beeinflusst - mit allen Hochs und Tiefs.

Veröffentlicht am 09.05.2025

Wohlfühlroman mit toller Protagonistin

Camp Rainbow - Über mir der Himmel
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Direkt zu Beginn erzählt die Autorin uns von Malins Leben. Durch Rückblenden erfahren wir wie Malin aufgewachsen ist und wem sie in ihrer Familie am nächsten steht. Außerdem ist sie in der Schule eher ...

Direkt zu Beginn erzählt die Autorin uns von Malins Leben. Durch Rückblenden erfahren wir wie Malin aufgewachsen ist und wem sie in ihrer Familie am nächsten steht. Außerdem ist sie in der Schule eher die die stille Beobachterin, hat dafür aber im Camp Rainbow ihre besten Freund:innen Flo und Basti gefunden. Und nun ist es endlich soweit und sie darf, wie schon einige Sommer zuvor, endlich ins Camp zurückkehren. Und vielleicht erlebt die 17-jährige nun auch endlich ihren ersten Kuss, jedenfalls wählt sie sich dafür schon ein paar Jugendliche aus, die sie gerne küssen würde.

Ich finde das Camp richtig schön, mit den Hütten unterschiedlicher Farben, der Natur ringsum und den tollen AGs voller sportlicher oder kreativer Aktivitäten. So wohl wie sich Malin im Camp fühlt, so angenehm fand ich diese Geschichte zu lesen. Malin und ihre Freund:innen haben eine innige Beziehung und alle anderen Teilnehmer:innen sind auch super sympathisch, wenn auch der ein oder andere Charakter etwas eigen. Ich mag auch, wie sich die Geschichte entwickelt und Malin allmählich versucht ihren Plan in die Tat umzusetzen, während wir bei den ereignisreichen Camp-Aktivitäten dabei sind.

>>Manchmal beobachte ich die Menschen um mich herum und frage mich, wieso es für sie so leicht ist. Das Leben. Die Liebe. Es fühlt sich an, als hätten sie alle einen Leitfaden gelesen, den ich nie erhalten habe.<< S. 17

Dass das Buch so angenehm und ereignisreich zu lesen ist, hat auch der tolle Schreibstil von Alicia Zett dazu beigetragen. Malin ist nicht nur queer, sondern auch neurodivergent. Und obwohl ich mit ihr nicht die offensichtlichsten Merkmale gemein habe, konnte ich mich immer in sie hineinversetzen und verstehen. Die Autorin hat Malins Charakter wirklich rund, aber auch mit Ecken und Kanten und diese total nachvollziehbar dargestellt. Ich hab es echt genossen, in Malins Kopf und Herz spicken zu können, sodass mir das Lesen viel Spaß gemacht hat. Die übrigen Charaktere sind ebenfalls wirklich anschaulich dargestellt und ich finde es schön, dass nicht nur Malins Liebesleben, sondern auch ihre Freundschaften eine zentrale Rolle im Buch einnehmen. Und die aufkommenden romantischen Momente sind meiner Meinung nach auch wirklich schön beschrieben! Ich fands ein ums andere Mal richtig romantisch und bin dahin geschmolzen, vor allem die Gespräche haben mich oft lächeln lassen. Malin hat sich mir mit ihren Eigenheiten, ihren bewundernswerten Stärken und ihren (romantischen) Gefühlen ins Herz geschrieben. Ach ja, und überraschen konnte mich die Autorin in der zweiten Hälfte des Buches auch noch.


Fazit:
„Camp Rainbow – Über mir der Himmel“ ist ein wunderschönes Wohlfühlbuch. Es ist romantisch, ereignisreich, vielfältig, heimelig und überraschend. „Camp Rainbow“ ist nicht nur für die Protagonistin Malin eine Art Zuhause, sondern genauso auch für uns Leser/innen für ein paar Stunden ein freundschaftlicher Ort zum ankommen und genießen.

  • Einzelne Kategorien
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  • Charaktere
  • Cover
  • Gefühl
Veröffentlicht am 09.05.2025

Herzzerreißend schön

Gestern waren wir unendlich
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Die jungen Männer Henry und Louis sind seit einigen Jahren ein Paar, das schon vieles erlebt hat und immer für einander einsteht. Doch eines Abends, bei einem Autounfall, stirbt Henry. Louis ist am Boden ...

Die jungen Männer Henry und Louis sind seit einigen Jahren ein Paar, das schon vieles erlebt hat und immer für einander einsteht. Doch eines Abends, bei einem Autounfall, stirbt Henry. Louis ist am Boden zerstört, doch der nächste Tag ist wieder der Tag des Unfalls, der darauf auch, und wieder und wieder... kann Louis Henrys Tod verhindern?

>>„Das ist keine wirkliche Kraft“, sagt Adam, als hätte er meine Gedanken gelesen, und berührt mit der rechten Hand seinen linken Oberarm. Dann streckt er sie aus und legt sie auf meine Brust, knapp oberhalb meines Herzens. „Die wirkliche Kraft sieht man nicht. Sie steckt da drin. Und du hast sie.<< S. 242f

Zu Anfang lesen wir direkt das Kennenlernen von den beiden, als Henry mit seinem treuen Hund auf Louis trifft, der traurig wirkt. Von da an gibt es immer wieder Kapitel aus der Vergangenheit der beiden aus Henrys Perspektive, bis man auf das Heute trifft. Dazwischen werden die Kapitel über den heutigen Tag, der sich immer wieder wiederholt, aus Louis Sichtweise erzählt. Ich war überrascht, dass die beiden am Unfalltag zerstritten sind, was diesen noch tragischer gemacht hat. Wir folgen Louis, der sauer, aber auch getroffen und traurig über die momentane Situation ist. Man merkt direkt, wie sie leiden. Ich hab die beiden von Anfang an ins Herz geschlossen. Nicht zuletzt wegen Dominik Gaidas tollem Schreibstil. Die Protagonisten wurden von Anfang an sehr nahbar, detailgenau und gefühlsbetont beschrieben, sodass ich von ihnen direkt eingenommen war.

Die Geschichte verläuft emotional und tragisch, ist aber auch sehr spannend wegen der Zeitschleife. Denn was beeinflusst Louis heute und kann er damit endlich Henry retten? Mit der Zeit hat mich etwas an Louis' Verhalten gestört, weil die Geschichte nicht mehr ganz so harmonisch war wie bisher, aber das wurde später nochmals aufgegriffen, deswegen war es für mich letztlich okay. Und das Ende? Nun ja, es hat mich direkt ins Herz getroffen!


Fazit:
"Gestern waren wir unendlich" ist eine wunderschöne, bittersüße Liebesgeschichte zweier ganz toller Personen und gleichzeitig eine spannende Erzählung über eine Zeitschleife und deren Veränderungen. Der Schreibstil und das herzliche Paar sind wunderschön und haben mir unglaublich gut gefallen. Ich freu mich schon sehr auf den zweiten Teil!

Veröffentlicht am 09.05.2025

Hatte mehr erwartet, vor allem, dass mich mehr Emotionen erreichen

Warte auf mich am Meer
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Evelyn und Joseph unterbreiten ihren Kindern einen schockierenden Plan: In genau einem Jahr möchten sie sich gemeinsam das Leben nehmen, da Evelyn Parkinson hat und nicht von der Krankheit besiegt werden ...

Evelyn und Joseph unterbreiten ihren Kindern einen schockierenden Plan: In genau einem Jahr möchten sie sich gemeinsam das Leben nehmen, da Evelyn Parkinson hat und nicht von der Krankheit besiegt werden will. Joseph kann sich ein Leben ohne sie nicht vorstellen, denn beide waren Nachbarskinder und haben sich als Jugendliche direkt verliebt: Die große und eine Liebe. Die Kapitel schildern abwechselnd das Heute und Damals. Wir Leser/innen können in die 60 Jahre Beziehung von Evelyn und Joseph eintauchen, die aus beiden Sichtweisen erzählt wird.

Ich liebe Liebesromane und ich liebe große Emotionen, weil mich Geschichten im Herzen berühren müssen. Diese Geschichte klingt genau danach, jedoch hatte ich hier irgendwie von Anfang an das Gefühl, dass mich Evelyns und Josephs Problem nicht emotional erreichen konnte, vielmehr die ungläubige Reaktion der drei Kinder, die ich aber auch erstmal kennenlernen musste. Deswegen habe ich das Buch sogar zwei Mal begonnen, weil es mich beim ersten Versuch überhaupt nicht mitreißen konnte. Ich glaube, ich hätte zuerst von der großen Liebe zwischen den beiden Protagonisten lesen und auch zunächst ihre drei Kinder und deren unterschiedlichen Charaktere kennenlernen wollen, bevor das alte Paar die große Bombe platzen ließ, sodass ich emotional schon mit allen Buchfiguren verbunden gewesen wäre.

Dass auch die vielen schweren und glücklichen Momente in den 60 Jahren von Evelyn und Joseph erzählt werden, finde ich richtig schön. Deren Liebesgeschichte ist romantisch und schmerzhaft und hat mich schon bald berührt. Die Geschichte ist insgesamt aber nicht unbedingt leicht zu lesen, weil es im Heute immer um die lebensverändernde Entscheidung des alten Pärchens geht und diese auch schon in jungen Jahren viel durchmachen mussten, was sich auf den Beginn ihrer Beziehung ausgewirkt hat. Es folgen Höhen und Tiefen mit ihrem Umfeld, ihren Kindern, ihrem Beruf und auch sich selbst. Dabei hat mich ein Detail während der Vergangenheitskapitel sehr genervt: Evelyn erscheint irgendwann unddankbar und frustriert. Die junge Frau hat viele Träume und schwere Situationen erleben müssen, während Joseph mit Evelyn an seiner Seite in ihrer Heimatstadt vollkommen zufrieden ist. Sie will so viel mehr vom Leben und ist unzufrieden, was sie Joseph auch spüren ließ, der sie ihrerseits stets auf Händen trug. Das fand ich stellenweise unfair und ich hatte Mitleid mit ihm, denn er hätte ihr aus Liebe bestimmt Vieles ermöglicht.


Fazit:
„Warte auf mich am Meer“ bietet eine interessante Idee und eine vielversprechende Liebesgeschichte. Doch leider konnte mich das Paar und dessen Familie von Anfang an nicht emotional mitnehmen. Die Kapitel über die jungen Jahre ihrer Beziehung sind romantisch und ereignisreich, weshalb mich diese berühren konnten. Der Konflikt im Jetzt hat sich jedoch irgendwann im Kreis gedreht und ich bin mit dem Ende auch nicht vollständig zufrieden.

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