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Veröffentlicht am 31.01.2025

Mysteriös und geheimnisvoll

Der längste Schlaf
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Die Deutsche Mara lebt schon sehr lange in London und forscht dort an einer Uni über Schlaf, während sie selbst seit Jahren unter seltsamen Träumen und Schlaflosigkeit leidet. Da sie nur noch eine langjährige ...

Die Deutsche Mara lebt schon sehr lange in London und forscht dort an einer Uni über Schlaf, während sie selbst seit Jahren unter seltsamen Träumen und Schlaflosigkeit leidet. Da sie nur noch eine langjährige Freundin als Verbindung zu ihrer alten Heimat hat, ist sie umso überraschter, dass ihr ein älterer Mann ein großes Herrenhaus mitten in der Provinz vererbt. Um der Frage nach dem Wieso auf den Grund zu gehen, reist die ehrgeizige Schlafforscherin nach Deutschland. An dem Ort geschehen ungewöhnliche Dinge und scheinen mit ihren Träumen in Verbindung zu stehen.

Dass eine Schlafforscherin nicht schlafen kann, hat mich direkt gecatcht. Einige Fakten über das Schlafen wurden eingewoben, aber die meisten sind bekannt und mir insgesamt einfach zu wenig. Was hat Mara bisher erforscht und getestet um hinter ihre eigene Schlaflosigkeit zu kommen? Wie empfindet sie, sich nicht selbst helfen zu können? Welche Mysterien um den Schlaf gibt es noch? Für mich hätte die Protagonistin auch einen anderen Beruf ausüben können. Ihre seltsamen Träume aber fand ich sehr interessant. Irgendwie scheinen sie oft mit der Realität verbunden zu sein, obwohl Mara zu ihren Traumbildern vorher nie einen Bezug hatte.

Die Handlung ist auch interessant zu folgen. Warum hat ein unbekannter Mann Mara dieses herrschaftliche Haus vermacht? So einfach wie ein alter, einsamer Onkel ist es natürlich nicht. Ich hab gespannt verfolgt, wie Mara sich mit ein paar Bewohner/innen des Dorfes anfreundet oder aber von anderen kritisch beäugt wird. Und in dem Herrenhaus selbst geschehen merkwürdige Dinge, wodurch sich die Geschichte meiner Meinung nach perfekt als beklemmende Herbstlektüre eignet. Es gibt auch einige wenige Kapitel aus der Sicht von jemand anderem. Doch von wem und wie hängt dies mit Mara zusammen? Diese spannenden und mysteriösen Ereignisse gipfeln in einem fesselnden Showdown. Es hat mich einerseits positiv überrascht, andererseits hat es sich zum Ende hin immer mehr angedeutet. Ich finde die mysteriöse Geschichte spannend, aber mir fehlt trotzdem ein Knaller - der eine Wow-Effekt - insbesondere weil ich über die Bücher der Autorin schon so viele begeisterte Stimmen gelesen habe. Der Schluss hat mir gut gefallen, auch weil ich die aufgedeckte Thematik schon immer faszinierend finde.


Fazit:
„Der längste Schlaf“ ist vielmehr eine mysteriöse, als eine wissenschaftliche Geschichte, die für mich perfekt in die düster werdende Herbstzeit passt. Die seltsamen Geschehnisse und Maras ruhelose Nächte führen zu einem aufwühlenden Schluss, dessen Thematik mich schon immer faszinierend konnte.

Veröffentlicht am 31.01.2025

Düster, trist und skurril

Starling House
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Eden wohnt alleine mit ihrem jüngeren Bruder, für den sie seit dem Tod der Mutter die Verantwortung übernommen hat, in einem alten Motel am Rand einer tristen Stadt. Außerhalb befindet sich ein altes Herrenhaus, ...

Eden wohnt alleine mit ihrem jüngeren Bruder, für den sie seit dem Tod der Mutter die Verantwortung übernommen hat, in einem alten Motel am Rand einer tristen Stadt. Außerhalb befindet sich ein altes Herrenhaus, dessen Besitzer/innen sich schon immer von den übrigen Leuten abgegrenzt haben und ebenfalls stets kritisch beäugt werden. Doch Opal ist fasziniert von diesem verfallenden und skurrilen Gebäude, in dem einst die Autorin ihres Lieblingsbuches seit Kindheitstagen gewohnt hat. Eines Tages steht sie vor dessen Tor und weckt das Mitgefühl von Starling House‘ Besitzer Arthur, der ihr einen Job als Reinigungskraft anbietet.

Eden und ihr Bruder wohnen sehr schlicht und entbehrungsreich, die Stadt wird vom Rauch der Kohlewerke überzogen und Starling House ist eher heruntergekommen als herrschaftlich. All dies führt zu einer düsteren und leicht unheimlichen Atmosphäre. Auch wegen des oft beschriebenen grauen Wetters habe ich mir das Herrenhaus und die Umgebung sehr düster vorgestellt, meist hatte ich sogar schwarz-weiße Bilder in meinem Kopf. Dazu passen auch die seltsamen Geschehnisse in und um Starling House. Auch die Charaktere unterscheiden sich von denen in vielen Büchern. Opal ist neugierig, fast schon skrupellos und, abgesehen von ihrem Lieblingsbuch, leidenschaftslos. Starling House‘ Bewohner Arthur wird direkt als hässlich beschrieben, ist unzufrieden und scheint ein geheimes Ziel zu verfolgen.

Neben der düsteren Atmosphäre ist die Geschichte auch spannend. Den allgemeinen Aspekt rund um Starling House habe ich schon bald geahnt, was das Geschehen nicht weniger reizvoll gemacht hat, andere Details am Enden konnten mich jedoch überraschen. Insgesamt hat die Geschichte für mich auch ein paar Längen, die mich ungeduldig gemacht haben, aber mit dem Ende bin ich vollends zufrieden.


Fazit:
„Starling House“ ist das passende Buch für den dunklen Herbst und Halloween. Das Geschehen ist nicht direkt gruselig, aber dafür sehr skurril, unheimlich und sehr mysteriös. Die Geschichte ist eher düster, auch schon wegen Opals tristem Leben, und besticht durch ihre mysteriöse und geheimnisvolle Atmosphäre, die auch über ein paar kleine Längen hinweghilft.

Veröffentlicht am 31.12.2024

Sehr atmosphärisch

Das Haus der Bücher und Schatten
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Das Buch spielt auf zwei Zeitebenen: Zum einen 1933 im Graphischen Viertel in Leipzig, wo der Rauch der Dampfmaschinen die vielen Druckereien und Buchhandlungen einnebelt. Dort trifft der ehemalige Kommissar ...

Das Buch spielt auf zwei Zeitebenen: Zum einen 1933 im Graphischen Viertel in Leipzig, wo der Rauch der Dampfmaschinen die vielen Druckereien und Buchhandlungen einnebelt. Dort trifft der ehemalige Kommissar Cornelius eines Nachts auf ein Mädchen und hält sie davon ab von einer Brücke zu springen. Am nächsten Tag findet er sie tot neben einem ehemaligen Kollegen. Was ist den beiden zugestoßen? Um das herauszufinden kämpft sich Cornelius in den Polizeidienst zurück, wobei die obersten Chefs gewisse Leute als Mörder sehen wollen… Zwanzig Jahre früher reist die Lektorin Paula mit ihrem Verlobten in das Baltikum um das neueste Manuskript einer ihrer Autoren abzuholen. Doch das riesige Herrenhaus mit den wenigen Bewohner/innen ist bald eingeschneit und es geschehen seltsame Dinge.

>>Der Gang vor der Bibliothek war verlassen, die Tür stand weit offen. Warmes Licht fiel auf den Korridor, verwandelte die Buchrücken an den Wänden in Goldbarren.<< S. 495

Die beiden Zeitebenen sind unabhängig voneinander sehr spannend. Zum einen habe ich sehr interessiert Cornelius‘ Nachforschungen verfolgt. Die Verbindung zwischen dem Mädchen und dem toten Polizisten, der Grund für ihren Tod und die seltsamen Worte des Mädchens werfen viele Fragen auf, die erst nach und nach und sehr fesselnd beantwortet werden. Neben dem Kriminalfall ist das Geschehen im eingeschneiten Haus des Autors aber nicht langweilig. Denn das große Herrenhaus im Nirgendwo strahlt mit nur drei momentanen Bewohner/innen etwas Düsteres und Verlassenes aus. Außerdem macht Paula seltsame Beobachtungen. Eine sehr rätselhafte Situation, die stets die mysteriöse Atmosphäre eines Schauerromans ausstrahlt. Doch was verbindet die zwei Geschichten? Neben der Auflösung am Ende auf jeden Fall auch diese geisterhafte und mystische Stimmung. Kai Meyer hat einen bildhaften und intensiven Schreibstil, mit dem er die Szenen gekonnt umgesetzt hat. Ich war an den Seiten gefesselt. Die zwei Toten, die daraus folgenden Nachforschungen bei Okkultisten und das vernebelte Graphische Viertel tragen genauso zur düsteren und geisterhaften Atmosphäre bei wie die Einsamkeit und mysteriösen Beobachtungen im großen, eingeschneiten Herrenhaus. Übrigens finde ich es sehr interessant, dass in dem Roman kurz die Geschichte der Baltendeutschen Anfang des 20. Jahrhunderts umrissen wird.


Fazit:
„Das Haus der Bücher und Schatten“ ist ein fesselnder Roman der einerseits einen historischen Krimi enthält und auf der anderen Seite einem Schauerroman gleicht. Düster, fesselnd, wortgewandt und bildhaft beschreibt Kai Meyer die beiden Orte und Zeitebenen.

Veröffentlicht am 31.12.2024

Spannend und herzlich

Misfits Academy – Wir gegen die Welt
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Zurück zu den liebenswerten Misfits! (Dem Prolog ist übrigens eine kurze Erklärung der Urban-Fantasy-Welt vorangestellt, wodurch man sich schnell wieder dort einfindet). Ich habe mich so auf die Charaktere ...

Zurück zu den liebenswerten Misfits! (Dem Prolog ist übrigens eine kurze Erklärung der Urban-Fantasy-Welt vorangestellt, wodurch man sich schnell wieder dort einfindet). Ich habe mich so auf die Charaktere gefreut, allen voran meine beiden Lieblingen Ivy und Eric. Leider taucht Ivy bald schon nicht mehr auf (sie hat sich einen besonderen Platz in den nächsten Bänden verdient!) und die vier Protagonist/innen gehen auch teilweise getrennte Wege. Hier hat mich Adriana Popescu schon emotional gecatcht. Spannend ist die Geschichte ebenfalls direkt von Anfang an. Aufgrund der Multiskill-Experimente von Fionns Mutter, spitzen sich die politische Lage und die Angst im Volk zu, sodass die Freundesgruppe nicht nur den vermissten Dylan sucht, sondern auch die Academy mit Herausforderungen zu kämpfen hat. Mich hat die spannende Handlung auf zweierlei Ebenen angesprochen: Die Abschnitte der beiden Jungs haben mich eher emotional mitgenommen, die Kapitel der Mädchen hingegen gefesselt, weil ich unbedingt mehr erfahren wollte. Die Geschehnisse um Eric und seinen Skill haben mir teilweise das Herz gebrochen, das Ende konnte mich aber glücklicherweise wieder versöhnen. June fühlt Neo auf den Zahn, denn auch wie im ersten Teil gibt es einen neuen mysteriösen Mitschüler, dessen Skill man nicht kennt und der auch noch mehr Geheimnisse haben könnte. Zum Ende hin überschlagen sich fast die Ereignisse. Adriana Popescu hat mich immer mehr emotional berührt und hier auch einige Male überrascht.


Fazit:
„Wir gegen die Welt“ ist von der ersten Seite bis zum ereignisreichen Ende wieder genauso spannend wie der erste Teil der Misfits-Academy-Reihe. Das Geschehen hat mich insbesondere bei den liebgewonnenen Protagonist/innen emotional mitgerissen, aber durch die neuen Charaktere auch spannungsgeladen die Seiten inhalieren lassen.

Veröffentlicht am 31.12.2024

Adriana kann defintiv auch Fantasy!

Misfits Academy - Als wir Helden wurden
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In dieser Urban-Fantasy-Welt haben einige Menschen bestimmte Fähigkeiten, die darum Skillz genannt werden. Taylor ist eine von ihnen und nutzt ihren Skill um sich beispielsweise nach L. A. zu teleportieren. ...

In dieser Urban-Fantasy-Welt haben einige Menschen bestimmte Fähigkeiten, die darum Skillz genannt werden. Taylor ist eine von ihnen und nutzt ihren Skill um sich beispielsweise nach L. A. zu teleportieren. Blöderweise wird sie dabei erwischt und landet nun an der Misfits Academy. Dort trifft sie auf den Empathen Eric, Fionn, dessen Skills genauso feurig sind wie sein Temperament, die kluge und meinungsstarke June und den Außenseiter Dylan. Bald schon kommt die Gruppe seltsamen Ereignissen und Geheimnissen auf die Spur.

Zunächst begleiten wir Taylor und kommen zusammen mit ihr in der Misfits Academy auf der Insel im Ärmelkanal an und lernen gemeinsam andere Skills und ihre neuen Mitschüler/innen kennen. Ein schöner langsamer Einstieg in die Fantasy-Welt und die unterschiedlichen Charaktere. Die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive von Taylor, Eric und Fionn geschildert, aber die anderen Jugendlichen kommen dadurch trotzdem nicht zu kurz. Zum Beispiel taucht immer wieder Dylan auf, dessen Skill lange geheim bleibt und Spannung aufbaut. Die unterschiedlichen Skills, verborgene und aufgedeckte Geheimnisse und merkwürdige Begebenheiten tragen ebenfalls dazu bei die Geschichte völlig gefesselt zu lesen. Die Handlung wurde immer spannender! Ich war überrascht, wusste nicht mehr, wer gut oder böse ist, und hab bis zum Schluss mitgefiebert. Und brauch jetzt unbedingt Band 2, weil ich unbedingt wissen will, wie es mit der Freundesgruppe weitergeht!

>>Kurz sehe ich mich in der Halle um, wo all die Jugendlichen, die mir noch so fremd sind, bereits jetzt eines mit mir gemeinsam haben. Auch sie passen sonst nirgends so recht rein. Wir sind ein Puzzle aus verschiedenen Teilen, die dennoch ein hübsches Ganzes ergeben.<<, Taylor, S. 156

Ich liebe Adriana Popescus Schreibstil. Er ist erfrischend, anschaulich und enthält wunderschöne und treffende Beschreibungen. Auch die Buchfiguren sind sehr nahbar und nachvollziehbar dargestellt. Sie sind einerseits so unterschiedlich, sich andererseits aber oft ähnlich, z. B. bei Schwierigkeiten mit Eltern, was sich interessant auf die Gruppendynamik auswirkt. Andere präsente Themen sind Freundschaft, Zusammenhalt und womöglich auch ein bisschen Liebe. Die Schüler/innen der Academy sind einerseits typisch jugendlich, andererseits beherrschen sie (mehr oder weniger gut) beeindruckende Fähigkeiten und diese Mischung hat mir sehr gut gefallen. Meine liebsten Charaktere sind Eric, weil seine Fähigkeit seinem feinfühligen Charakter entspricht, und Ivy, weil sie nicht nur einen schönen, sondern auch starken Skill hat.


Fazit:
"Misfits Academy – Als wir Helden wurden" ist ein großartiger Auftakt der ersten Fantasy-Reihe von Adriana Popescu. Viele verschiedene und liebenswerte Charaktere gepaart mit einigen Geheimnissen und unerwarteten Ereignissen schaffen eine sehr spannende Geschichte, die ich kaum aus der Hand legen konnte.