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Veröffentlicht am 16.02.2026

Mentale Satzlabyrinthe

Die Enthusiasten
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Shandy, so wird der Ich-Erzählende Vince Bär genannt. Ein Literaturliebhaber, mit weitem Abstand ein Groupie von Laurence Sterne und den neun Bücher des Tristram Shandy, daher der Spitzname. Aufgewachsen ...

Shandy, so wird der Ich-Erzählende Vince Bär genannt. Ein Literaturliebhaber, mit weitem Abstand ein Groupie von Laurence Sterne und den neun Bücher des Tristram Shandy, daher der Spitzname. Aufgewachsen in einer Bücherverrückten Familie, daher rührt wohl seine Leidenschaft, in einem Haus welches buchstäblich von den Büchern darin getragen wird.

Auf der jährlichen Reise nach Coxwold zum Todestag seines liebsten Schriftstellers, den 250. Todestag diesmal, beginnt das monologische Gedankenspiel des Romans. Shandy erzählt von Gegenwart, von Vergangenheit, Zukunft, von Wirklichkeit und Unwirklichkeit, die er sich selber ausmalt. Alles in einem Geflecht aus Sätzen und Gedankensprüngen, die wie ein bunter zu strickender Schal wirken, wo auf kurz über lang, eine Farbe die andere ablöst, ein Gedanke den nächsten strickt, um am Ende alle Fäden zusammenlaufen.

Markus Orths hat mit diesem Werk eine verbale Explosion geschaffen. Es war anfangs schwierig, den Gedanken des Erzählers zu folgen. Irgendwann gibt man sich dem Wechselspiel hin und wartet, diese teils skurrilen Sätze mit ihrem Inhalt lesend, ab wohin die mentale Reise führt. Literarisch hat Orths hier etwas ganz Außergewöhnliches geschaffen, auch wenn ich mich mit dem Inhalt erst im letzten Drittel anfreunden konnte, haben mich die Sätze, die Metaphern, der Schreibstil fasziniert zurückgelassen. Am Ende muss sich jeder Leser selbst die Frage beantworten, was Literatur und das damit verbundene Schreiben und Lesen für ihn ist.

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Veröffentlicht am 25.01.2026

Generationsübergreifendes Trauma

Der unsichtbare Elefant
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Wieviel Last der vorangegangen Generationen muss jeder tragen? Wieviel bekommen wir von unseren Eltern, Großeltern, Urgroßeltern auf den Weg? Gibt es Lasten und Emotionen die immer weitergegeben werden? ...

Wieviel Last der vorangegangen Generationen muss jeder tragen? Wieviel bekommen wir von unseren Eltern, Großeltern, Urgroßeltern auf den Weg? Gibt es Lasten und Emotionen die immer weitergegeben werden? Oder ist doch jeder seines Glückes Schmied, weil er reseted zur Welt gekommen ist und es an ihm liegt, was er daraus macht?

Fragen über Fragen, die sich auch die Protagonisten in diesem Roman jeder für sich und miteinander stellt, nachdem sich Anwalt Thomas in den Tod gestürzt hat. Nach seinem mehr oder minder freiwilligen Freitod fangen einige Menschen um ihn herum fragen zu stellen. Sie wollen bzw. sollen in dem Geschehenen ein Warum finden. Simon ein junger Anwalt, soll kanzleiintern zu den Hintergründen ermitteln. Viktor ein ehemaliger Schulkamerad wird dienstlich zum Fall als Seelsorger gerufen und kann seine Gedanken zum Geschehenen auch nicht abstellen. Maria eine Kollegin und Zeugin des Sturzes, reiht sich ebenfalls in die Riege der Antwortsuchenden ein.

Max A. Edelmann hat trotz der schwere des Themas einen Roman geschaffen, der auf Grund seines Schreibstils eine gewisse Leichtigkeit hat und einen durch die Seiten und Gedanken trägt. Er schreibt präzise, klar und unmissverständlich. Das Thema hätte ich tatsächlich nicht hinter dem Roman erwartet, ein Thema was jeder selbst herausfinden darf. Es lass sich angenehm und unkompliziert, doch hätte ich inhaltlich etwas mehr erwartet, ich habe immer auf Details gewartet, die dann doch im verborgenen geblieben sind, ja vielleicht auch deshalb, weil sie final nicht geklärt werden können.

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Veröffentlicht am 25.01.2026

Loyale Geschwisterliebe trifft narzisstische Ehe

Die Insel meiner Schwester
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Eine Insel, zwei Schwestern und viele zwischenmenschliche Beziehungen. So könnte man diesen Roman in kürze umschreiben und damit so weit von dem entfernt sein was die Autorin hier zu Papier gebracht hat. ...

Eine Insel, zwei Schwestern und viele zwischenmenschliche Beziehungen. So könnte man diesen Roman in kürze umschreiben und damit so weit von dem entfernt sein was die Autorin hier zu Papier gebracht hat. Mirjam und Nia sind Halbschwestern, die erst in ihrer Jugend voneinander erfahren. Sobald sie sich kennenlernen entsteht ein starkes Band zwischen den beiden Mädchen, was so hofft man als Leser anfangs, hoffentlich ein Leben lang halten wird. Doch nach der Jugend entfernen sich die beiden voneinander, bis zum 40. Geburtstag von Nia, den sie auf der Insel feiern will, welche eine besondere Rolle für beide Frauen spielt.

Ich möchte hier nicht zu viel erzählen und vorweggreifen, soll doch jeder selbst den Inhalt des Buches im Lesen erfahren. Für mich war es ein Buch gespickt mit schwierigen zwischenmenschlichen Beziehungen, der Erfahrung wie sich Verbindungen im Laufe des Lebens ändern können. Die Autorin erzählt in Rückblenden und der Gegenwart von gegenseitigen Abhängigkeiten, von Freundschaften die aufblühen, verblassen und wieder aufleben. Ja ich möchte sogar soweit gehen, von Traumata aus der Kindheit, die sich in Erwachsenen-Beziehungen widerspiegeln. Es ist ein sehr intensives und emotionales Buch, was definitiv zum Nachdenken anregt.

Ich persönlich habe mir von dem Buch mehr versprochen. Es ist gut geschrieben, man fliegt regelrecht durch die Seiten, jedoch fand ich es in seiner Emotionalität überwiegend eher negativ. Zum Schluß hat es mich dann doch überrascht und milde gestimmt. Ich würde es trotzdem nur bedingt weiterempfehlen, da es für labile Gemüter wahrscheinlich einfach zu viel ist.

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Veröffentlicht am 25.01.2026

Eine magische Surrealität

Mr. Saitos reisendes Kino
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Mr Saitos reisendes Kino ist, als hätte jemand die gesamte Farbpalette auf ein Buch mit leeren Seiten gegossen und die Farben haben ihre Intensität in bildreiche Wörter gemalt. Dieses Buch zu lesen war ...

Mr Saitos reisendes Kino ist, als hätte jemand die gesamte Farbpalette auf ein Buch mit leeren Seiten gegossen und die Farben haben ihre Intensität in bildreiche Wörter gemalt. Dieses Buch zu lesen war eintauchen in eine facettenreiche Welt, wie in einem Märchen für Erwachsene.

Lita gezeugt auf einer Tanzfläche muss mit ihrer Mutter fliehen und landet auf einer kleinen wundervollen Insel. Die Insel ist so einzigartig wie ihre Bewohner, man fragt sich, macht die Insel die Bewohner so besonders oder machen die Bewohner die Insel besonders oder ist es eine Symbiose aus beidem. Jeder Winkel und Mensch in diesem Buch ist so einzigartig beschrieben, man liest und fühlt sich, als wäre man mitten im Geschehen, als würde man Teil des ganzen sein. Es liest sich wie ein Märchen so real surreal ist alles und man wünscht sich das am Ende der Satz kommt und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie noch heute alle gemeinsam auf Upper Puffin.

Kurzum dieses Buch war eines meiner Jahreshighlights, jeder der in einem Buch versinken möchte, sollte dieses Buch lesen, auf sich wirken lassen und genießen.

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Veröffentlicht am 25.01.2026

Die andere Liz Moore

Der andere Arthur
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Inhalt: Zwei Außenseiter wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Ein schwerst überwichtiger gut situierter Professor a.D. und ein armer sportlicher High School Schüler. Beide sind sie auf ihre eigene ...

Inhalt: Zwei Außenseiter wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Ein schwerst überwichtiger gut situierter Professor a.D. und ein armer sportlicher High School Schüler. Beide sind sie auf ihre eigene Weise der Einsamkeit des Lebens ausgesetzt, Arthur, der sich seit 10 Jahren nicht aus dem Haus bewegt hat und somit das Alleine sein Tag für Tag umarmt und sich davon umhüllen lässt. Kel, der täglich zur Schule geht, trainiert und doch tief in sich alleine ist mit seinem Leben, von dem er niemanden erzählt mit dem er sich umgibt und die Menschen die davon wissen, mit denen umgibt er sich nicht mehr. Beide verbindet nicht nur die Einsamkeit …

Eindruck: Ich bin wahrscheinlich nicht die einzige Person, die diesen Roman auf Grund des erfolgreichen Vorgängers gelesen hat oder noch lesen will. Hier präsentiert sich Liz Moore als andere Autorin. Dieses Werk hat in Art, Aufbau und Inhalt nichts mit ihrem Bestseller gemein. Trotzdem versinkt man Stück für Stück in den Protagonisten und ihrem Leben als Underdogs. Hierfür hat Liz Moore definitiv ein schriftstellerisches Händchen, den Außenseitern der Gesellschaft eine Stimme, ein Inneres, einen Charakter zu verleihen, mit denen man mitfühlt, mit denen man sich immer weiter auseinandersetzen will. Deshalb ließt man weiter und weiter und weiter. Bis man mit einem Ende konfrontiert ist, welches gefühlt alles offen läßt, man sich fragt ob es das jetzt wirklich gewesen sein soll, bis man merkt, wie man mit einem positiven hoffnungsvollen Gefühl zurückbleibt, das jetzt alles gut ist, alles gut wird. Und genau das, hat sie bereits bei dem vorherigen Roman geleistet.

Resümee: Es dauerte eine Weile ehe ich in dem Buch wirklich gedanklich eingetaucht war. Es war wie eine Fahrt auf einer langsam immer stärker abfallenden Straße, bis sie so steil war, dass man als Leser auf den Moment wartet, das sich alles überschlägt und plötzlich ist das Buch vorbei. Hätte ich diesen Roamn vor „Der Gott des Waldes“ gelesen, wüsste ich nicht, ob ich so schnell wieder ein Buch von Liz Moore lesen würde. Da dies definitiv keines meiner Jahreshighlights wird. Jetzt nach dem zweiten Titel, werde ich definitiv trotzdem ein weiteres Werk von ihr lesen. Man wird bei ihr überrascht, man weiß nicht was einen erwartet und das macht es spannend.

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