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Veröffentlicht am 29.11.2019

Wunderbares Buch für Groß und Klein

Die Vanderbeekers retten Weihnachten
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Kurz vor Weihnachten erhält die zehnköpfige Familie Vanderbeeker (Mama, Papa, 5 Kinder und 3 Haustiere) die Kündigung für ihre Wohnung. Bis Ende des Monats müssen sie ausziehen. Klar, dass an ein friedliches ...

Kurz vor Weihnachten erhält die zehnköpfige Familie Vanderbeeker (Mama, Papa, 5 Kinder und 3 Haustiere) die Kündigung für ihre Wohnung. Bis Ende des Monats müssen sie ausziehen. Klar, dass an ein friedliches Fest der Liebe erstmal nicht zu denken ist. Während Mama mit backen, Kartons packen und der Wohnungssuche völlig ausgelastet ist, schmieden die fünf Geschwister Pläne, wie sie den Vermieter Mr. Beidermann überzeugen können, dass sie bleiben dürfen. Sie können nicht verstehen, wieso er sie nicht leiden kann, schließlich hat niemand ihn je gesehen, weil er seine Wohnung seit Jahren nicht verlassen hat.

Mit herrlich viel Einfallsreichtum versuchen die Zwillinge Isa und Jessie, die kleine Laney, die kluge Hyacinth und Bücherwurm Oliver mächtig Eindruck bei Mr. Beidermann zu schinden. Daher basteln und malen sie was das Zeug hält, schenken ihm sogar einen kleinen Weihnachtsbaum oder sammeln die Unterschriften der Nachbarn - doch all das scheint das kalte Herz des Griesgrams nicht zu erwärmen. Diese kindliche und naive Art und Weise ist super amüsant und spaßig, man muss doch mehr als einmal über die Geschwister schmunzeln. Man bemerkt zudem dieses besondere Miteinander und den Zusammenhalt der Familie. Die Vanderbeekers geben alles, um ihr geliebtes Zuhause zu erhalten.

Natürlich gibt es auch den ein oder anderen Konflikt. Denn obwohl Isa und Jessie normalerweise alle Geheimnisse teilen und immer füreinander da sind, erkennen sie nun, dass es auch mal schön ist, Dinge alleine zu machen und dabei zu sich selber zu finden.

Alle Charaktere sind liebevoll ausgearbeitet, man schließt sowohl die Vanderbeekers als auch die Nachbarn und Freunde sofort in sein Herz. Jeder ist auf seine Weise etwas besonderes, mit einer speziellen Persönlichkeit. Zugegeben: Anfangs hatte ich meine Problemchen, wer jetzt wer ist, aber nach ein paar Kapiteln haben diese sich verflüchtigt.

Hervorzuheben sind natürlich auch die Zeichnungen. Diese sind sehr schön, detailliert und stimmungsvoll und geben dem Buch zusätzlich das gewisse Etwas. Im Einband findet sich beispielsweise eine Karte von ihrem Wohnort, es gibt außerdem eine Wohnungsaufteilung und vieles mehr! Super gemacht!

Leider muss ich sagen, dass ich die Weihnachtsstimmung ein wenig vermisst habe. Die Tatsache, dass die Kündigung vor Weihnachten kommt, macht das Ganze zwar noch dramatischer und schlimmer und lässt Mr. Beidermann noch herzloser erscheinen. Ansonsten könnte diese Geschichte aber auch zu jeder anderen Jahreszeit spielen. Das finde ich aber nicht so schlimm, denn die Botschaften sind umso weihnachtlicher.

„Die Vanderbeekers retten Weihnachten“ ist ein wunderbares Buch für Groß und Klein, welches sich nicht nur mit Familie, Freundschaft, Nächstenliebe und Vertrauen, sondern eben auch mit Trauer, Verzweiflung und Eifersucht beschäftigt. Es geht um liebenswerte Charaktere, hat viele tolle Momente, enthält wichtige Botschaften und hinterlässt einfach ein warmes Gefühl.

Veröffentlicht am 21.11.2019

Tiefschwarzer Humor, mir hat's gefallen

How to Kill Yourself daheim
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"How to kill yourself daheim" beinhaltet kurze und unterhaltsame Anekdoten über außergewöhnlich gefährliche Orte in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Von A wie Atomkraftwerk bis Z wie Zugbrücke ...

"How to kill yourself daheim" beinhaltet kurze und unterhaltsame Anekdoten über außergewöhnlich gefährliche Orte in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Von A wie Atomkraftwerk bis Z wie Zugbrücke ist alles dabei. Dementsprechend umfasst es ein breites Spektrum an Themen wie Umwelt, Umweltsünden, Sport, Politik und vieles mehr.

Der Autor beschreibt informativ, aber auch humorvoll, was so besonders, interessant oder auch potentiell tödlich an bestimmten Orten ist. Beispielsweise führt er zu Deponien, in denen Chemikalien oder andere hochgiftige Stoffe gelagert werden und klärt über anspruchsvolle Kletterrouten, faszinierende Tauch- oder Base-Jumping-Spots auf. Er geht aber auch auf politisch explosive Orte ein. Untermalt wird das Ganze durch eine Vielzahl an Photographien, die jede Anekdote nochmal abrunden. Außerdem wird jeder Ort auch nach Spannung, Gefahr und Familienfreundlichkeit bewertet (5 Punkte System).

Der Schreibstil ist kurzweilig, ein wenig salopp, dennoch lehrreich und sehr humorvoll. Man muss diese Art und Weise aber mögen, da der Humor nahezu tiefschwarz und teilweise auch ziemlich provokativ ist.

Gelungen fand ich ebenfalls das Inhaltsverzeichnis und die Karten von Deutschland, Österreich und der Schweiz, welche einen Überblick darüber geben, wo sich welcher Ort genau befindet.

Für mich ein gelungenes Buch für Zwischendurch, das ganz witzig daher kommt, aber wahrscheinlich nicht jeden Geschmack treffen wird.

Veröffentlicht am 20.11.2019

Würdiges Ende einer innovativen Reihe

Palace of Blood - Die Königin
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Rea ist eine Magdalena. Diese können durch bloße Berührung in den Geist der Menschen eindringen und ihn manipulieren. Im Königreich England sind daher Berührungen jeglicher Art verboten, Magdalenen werden ...

Rea ist eine Magdalena. Diese können durch bloße Berührung in den Geist der Menschen eindringen und ihn manipulieren. Im Königreich England sind daher Berührungen jeglicher Art verboten, Magdalenen werden gejagt, eingesperrt und letztendlich in den Wahnsinn getrieben. Dies ist aber nicht überall auf der Welt so. Der französische Hof der Farben und generell Frankreich stellt das komplette Gegenteil zum Weißen Hof Englands dar. In England wird nur schwarz und weiß getragen und dabei muss nahezu jeder Zentimeter der Haut bedeckt sein, um bloß nicht in Versuchung zu geraten oder die Gefahr zu bannen sich versehentlich zu berühren. In Frankreich darf man sich kleiden wie man möchte, möglichst bunt sollte es sein, farbliche Bänder schmücken Extremitäten oder Rumpf. Hier macht man sich die Fähigkeiten der Magdalenen zu Nutzen, sie arbeiten beispielsweise in Krankenhäusern und dürfen sich öffentlich bekennen ohne verfolgt zu werden. Dies möchten Rea und Kronprinz Robin zusammen mit ihren Freunden und der Rebellion auch für England erreichen. Sie selber und auch die anderen Menschen sollen in Freiheit leben können und denken, sagen, anziehen und berühren können, was oder wen sie möchten.

Dieser finale Teil knüpft direkt an die nervenaufreibenden Ereignisse des letzten Bandes an. Die unbewaffnete Rebellion wird in England durch die Ritter niedergeschossen und es scheint, dass nur ein Wunder die Anhänger der sogenannten „Feuerschwester“ retten kann. Tatsächlich erhalten sie Hilfe von unerwarteter Seite: Die Weiße Königin greift ein und lässt ihren entrückten Ehemann ermorden, um selbst zu regieren. Zu lange hat sie sich klein machen lassen, zu lange hat sie geschwiegen. Doch nicht alle sind mit dieser Lösung einverstanden und so entbrennt ein Kampf um den Thron.

Schön fand ich, dass die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven geschrieben wurde. So erfährt man häppchenweise von jedem Mal etwas: Rea, Robin, Liam, Die Weiße Königin, Madame Hiver, der Fähnrich und von einigen anderen. Für mich macht es das Ganze noch spannender und vielschichtiger, auch wenn ich doch gerne ein wenig mehr von Rea gelesen hätte. Aber diese Art der Erzählung zeigt eben, dass sie alle ihren Anteil an der Rebellion und den Ereignissen haben. Insgesamt waren alle Charaktere wieder toll ausgearbeitet und man konnte im Prinzip jede Handlungsweise nachvollziehen, wenn auch nicht unbedingt gut heißen.

Nach einem aufregenden Anfang, in dem ziemlich viel Schlag auf Schlag passiert, plätschert die Story eher ruhig daher. Das empfand ich aber nicht als schlimm oder langweilig, die Charaktere haben sich ein etwas ruhigeres Fahrwasser auf jeden Fall verdient. Thematisch geht es hier eher um den Umgang mit Freiheit, Selbstbestimmung und die Frage, wie man bestimmte Wünsche und Forderungen der Rebellion umsetzen kann. Insgesamt liest sich das Buch wie einen ziemlich langen Epilog, bei dem wirklich die meisten Fragen zufriedenstellend geklärt werden. Am Ende eröffnet sich sogar noch die Möglichkeit und Grundlage für ein Spin-off.

Interessant waren auch die „Exkurse“ in den menschlichen Geist, die hier eine größere Rolle gespielt haben. Diese waren irgendwie ein wenig abstrakt, dennoch aber verständlich, besonders und auch sehr schön dargestellt. Mir hat schon im vorherigen Band gut gefallen, dass die Fähigkeiten der Magdalenen mehr im Vordergrund gestanden haben.

Spannend von der ersten bis zur letzten Seite hat mich auch dieser Teil wieder überzeugt. Szenario, Handlung, Charaktere, Spannungsbogen, Idee und Umsetzung sind einfach toll und immer noch etwas völlig neues und innovatives. Es passiert immer etwas und es gibt einige Wendungen, die völlig unerwartet kamen. Für mich ist „Palace of Blood“ definitiv ein würdiges Ende und ich bin froh, dass C.E. Bernard auf den Wunsch und das Drängen der Leser dieser geplanten Trilogie noch einen vierten Band geschenkt hat.

Veröffentlicht am 20.11.2019

Bildgewaltig, aber brutal, ziemlich langatmig und verwirrend

Schwarzer Leopard, roter Wolf
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Der Sucher hat eine sogenannte „Nase“, das heißt er kann Personen, die er einmal gerochen hat, auch über weite Entfernungen aufspüren. Daher erhält er den Auftrag einen Jungen zu finden, welcher vor drei ...

Der Sucher hat eine sogenannte „Nase“, das heißt er kann Personen, die er einmal gerochen hat, auch über weite Entfernungen aufspüren. Daher erhält er den Auftrag einen Jungen zu finden, welcher vor drei Jahren verschwunden ist. Unterstützung erhält er dabei zwar von verschiedenen Seiten, wird aber auch immer wieder mit verschiedenen „Wahrheiten“ konfrontiert.

Leider hat mir die Geschichte bei Weitem nicht so gut gefallen wie erwartet. Die Thematik klang für mich so toll. Es handelt sich hier um ein afrikanisch anmutendes Szenario, in dem es eine Vielzahl mysteriöser und übernatürlicher Wesen gibt: Hexen, Vampire, Gestaltwandler, Menschenfresser, Dämonen und viele mehr. Auch die Tatsache, dass mit Tolkien, „Game of Thrones“ und „Black Panther“ geworben wurde, hat meine Erwartungen enorm gesteigert. Diese wurden allerdings nicht erfüllt.

Für mich war dieses Buch an den meisten Stellen zu langatmig, zu verwirrend und zu brutal. Der Schreibstil war zwar bildgewaltig, teilweise poetisch und metaphorisch, also definitiv etwas ganz besonderes und nichts, was man „mal eben so“ liest. Dennoch konnte er mich im Zusammenhang mit der Geschichte und der Umsetzung nicht überzeugen. Anhand der Tatsache, dass das Buch bei Heyne Hardcore verlegt wurde, kann man erahnen, dass es hoch hergehen wird. Die Sprache war aber sowas von vulgär und obszön, dass es für mich einfach too much war. Wie schon gesagt, gab es außerdem sehr viele blutige und brutale Szenen: Kämpfe, Folter, Hinrichtungen, Vergewaltigungen. Außerdem explizit beschriebene Sexszenen. Erwähnt wurden auch oft der Geschlechtsverkehr mit Kindern oder Tieren.

Bis der Sucher tatsächlich auf die Suche nach dem Jungen geht, vergehen gut und gerne an die 200 Seiten. Dabei handelt es sich sozusagen um eine Art Vorgeschichte wie er von zuhause weggelaufen ist, wie er zum Sucher wurde und wie er bestimmte Personen kennenlernte. Geschildert wird das Ganze übrigens vom Sucher selber, der seine Geschichte dem „Inquisitor“ darlegt und das auf eine ausschweifende und detaillierte Art und Weise. Besonders sympathisch ist er einem im ganzen Buch über nicht, aber im letzten Teil dreht er völlig durch. Es geschehen im Verlauf nämlich einige Dinge, die einen persönlichen Rachefeldzug auslösen. Auch die anderen Charaktere, von denen er berichtet, sind nicht unbedingt Sympathie-Träger.

Positiv hervorzuheben ist die Aufmachung des Buches: Das Cover ist mal was anderes und passend zum Inhalt. Die Geschichte ist in verschiedene Teile gesplittet, vor jedem Teil gibt es eine Karte des jeweiligen Standorts. Außerdem gibt es ein Personen-Verzeichnis, welches definitiv hilfreich war.

Dies ist der Auftakt einer Trilogie. Für mich gab es jetzt keinen Cliffhanger oder ähnliches. Die Frage ist natürlich, wieso der Sucher sich vor einem Inquisitor verantworten muss und wie es diesbezüglich weiter geht. Es wird wahrscheinlich nicht verwundern, wenn ich sage, dass ich diese Trilogie nicht weiter verfolgen werde.

Veröffentlicht am 20.11.2019

Mix aus herrlichem Gruselfeeling und den normalen Problemen eines Highschool-Mädchens

Silver Whispers - Die Geisterflüsterin
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Charlotte konnte bisher nicht das „normale“ Leben einer 17-Jährigen führen, nach dem sie sich so sehr sehnt. Ihre Eltern erforschen das Paranormale und wollen die Existenz von Geistern widerlegen. Deshalb ...

Charlotte konnte bisher nicht das „normale“ Leben einer 17-Jährigen führen, nach dem sie sich so sehr sehnt. Ihre Eltern erforschen das Paranormale und wollen die Existenz von Geistern widerlegen. Deshalb zieht die Familie ständig um und das macht es schwer Freundschaften zu schließen oder Teil einer Gemeinschaft zu sein. Vor allem auch, weil nicht jeder positiv auf Geisterjäger reagiert. An ihrer neuen Schule scheint alles anders zu werden, denn dort findet sie direkt eine Freundin und eine Clique, die sie aufnimmt. Charlotte versucht den Beruf ihrer Eltern zu verschweigen, doch an der Schule gibt es offensichtlich sogar noch ein größeres Geheimnis. Außerdem ist die Geister-Crew dem hundert Jahre alten Fall eines vermissten Mädchens auf der Spur, der immer größere Kreise zieht.

Schon immer hat Charlotte sich ein bisschen für den Beruf ihrer Eltern geschämt. Auf der anderen Seite fühlt sie sich aber auch einigermaßen ausgeschlossen, weil ihre Schwester Anneliese als Köder und Geisteranlocker fungieren darf und sie selber nur für die Technik zuständig ist. Generell schiebt sie Probleme eher vor sich her und will mit „Restenergien“, wie ihre Eltern vermeintliche Geister nennen, nichts zu tun haben. Da passt es ihr natürlich auch nicht in den Kram, dass plötzlich etwas oder jemand Kontakt zu ihr aufnimmt.

Die Geschichte ist aus Charlottes Sicht geschrieben und ist locker, leicht und schnell zu lesen. Die knapp 300 Seiten fliegen nur so dahin. Dabei herrscht eine leicht düstere Atmosphäre und es gibt ein paar Szenen, die schaurig anmuten. Es kommt außerdem zu einigen Entwicklungen und Wendungen, mit denen ich überhaupt nicht gerechnet habe. Das Ende ist zwar sehr schön und auch teilweise emotional, aber grade bezüglich des Falls kommt mir die Auflösung doch ein wenig zu schnell und einfach vor.

Ich mag die Familie und die Crew gerne, allerdings kommt es mir von den Eltern doch auch ein wenig egoistisch vor, dass sie ihren Kindern zu Gunsten ihrer Forschungen kein beständiges Leben ermöglichen wollen. Ihre Tochter als Lockvogel zu nutzen finde ich auch ganz schön grenzwertig, selbst wenn man davon überzeugt ist, dass es keine Geister gibt.. Und wenn man ehrlich ist, hätte Charlotte sich auch Ärger ersparen können, wenn sie nicht anfangs alles, was mit dem Fall zu tun hatte, abgeblockt hätte. Aber ich kann ihren Wunsch nach Normalität und Zugehörigkeit natürlich nachvollziehen. Das macht sie zu einer authentischen und sympathischen Protagonistin, grade weil sie auch eine glaubhafte Entwicklung durchmacht.

Bei dem Thema Geister bin ich immer sofort Feuer und Flamme und auch „Silver Whispers“ hat mich begeistert. Es ist ein Mix aus herrlichem Gruselfeeling und den normalen Problemen eines Highschool-Mädchens. Es geht sowohl um Freundschaft, Familie, Trauer, Selbstvertrauen und Akzeptanz.