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Veröffentlicht am 10.10.2019

Überaus verwirrend

Fliege fort, fliege fort
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Tatsächlich sind die Verhältnisse im beschaulichen Fürth am See überaus verwirrend: denn zunächst hat der Leser mit einer ganzen Riege von Protagonisten zu tun, die quasi an ihm vorbeiflanieren. In einem ...

Tatsächlich sind die Verhältnisse im beschaulichen Fürth am See überaus verwirrend: denn zunächst hat der Leser mit einer ganzen Riege von Protagonisten zu tun, die quasi an ihm vorbeiflanieren. In einem bunten Durcheinander und immer wieder in anderen Zusammenhängen, wobei man rasch erkennt, dass tatsächlich "alles mit allem zusammenhängt".

Denn es gibt verschiedene Ereignisse und Übergriffe, vor allem auf ältere Menschen. Doch statt Hilfe zu holen oder anzuprangern, schweigen sie oder tun es ab. Verharmlosen.

Und dann gibt es eine Entführung - die der kleinen Elvira, einer Maid mit Format. Wie es insgesamt ein Genuss ist, in Hochgatterers Werken über Kinder zu lesen. Da findet er, der nicht nur als Autor, sondern auch als Kinderpsychiater tätig ist, liebevolle, warme, auch heitere Worte - man merkt, dass es ihm Vergnügen bereitet. Das er auf mich übertragen hat!

Doch nicht alles war so klar und eindringlich wie die Elvira-Passagen, knubbelten sich doch zu viele Sujets und zu viele Figuren in diesem schmalen Band. Wobei ich dazu rate, sich an die Herren Raffael Horn, Psychiater und Ludwig Kovacs, Kommissar, zu halten.
Denn wo sie sind, ist das zentrale Sujet nicht weit. Horn und Kovacs nämlich sind alte Bekannte aus "Die Süße des Lebens" und "Das Matratzenhaus", die mit dem vorliegenden Roman eine Art Furth-am-See-Serie bilden. Wer also diese bereits kennt, genießt eine gewisse Vorkenntnis, ja Souveränität. Warum ich sie angesichts des agierenden Kommissars nicht als Krimi bezeichne? Weil er keiner ist - eher eine Art philosophischer Blick auf die Menschen in und um Furth am See und auf ihre Belange. Den Sie nur rezipieren sollten, wenn Sie sich so richtig wach und agil fühlen - ansonsten können Sie gleich wieder von vorne beginnen. Weil die Gedanken und Darlegungen des Paulus Hochgatterer nämlich von einer solchen Dichte sind, dass Sie keine davon verpassen bzw. überlesen sollten!

Veröffentlicht am 08.10.2019

Ausgerechnet Bananen!

Der Fund
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Eine Leiche der speziellen Art ist Verkäuferin Rita - dass ihr Lebenslauf nämlich wesentlich mehr offenbart als die achtzehn Jahre im Supermarkt und eine gewisse Offenheit, Neugierde und auch ...

Eine Leiche der speziellen Art ist Verkäuferin Rita - dass ihr Lebenslauf nämlich wesentlich mehr offenbart als die achtzehn Jahre im Supermarkt und eine gewisse Offenheit, Neugierde und auch Tragik in ihrem Leben - das steht bald fest.

Sie hatte es früher besser, viel besser. Und dann ereigneten sich zwei Unglücke in ihrem Leben, die sie auf Umwege führte. Diverser Art - menschliche Enttäuschungen und Geldknappheit, alles war dabei. Doch dann findet sie am Arbeitsplatz eine Menge von Kokainbeutelchen - ausgerechnet in einer Bananenkiste und die sollen ihr Leben ändern. Führen letztlich jedoch zu ihrem Tod.

Eine ungewöhnliche, dramatische Geschichte ist dies - die Story von Ritas Leben und von ihren Träumen. Von Multimillionären, Staatsanwälten und Zahnärzten. Und von einer Richterin, nämlich Gerda. Ritas Freundin und Nachbarin und leider todkrank. Aber deswegen nicht weniger waghalsig als Rita selbst.

Autor Bernhard Aichner nähert sich seinem Thema wie gewohnt auf eine spezielle Art - diesmal vor allem in Dialogform - es geht um Befragungen nach Ritas Tod - die ein weites Spektrum an Charakteren aus ihrem Umfeld erfassen und unterschiedliche Facetten der Verstorbenen offenlegen.

Wie gewohnt geht es bei Aichner grausam zu, doch nur stellenweise. Im Gegensatz zu vielen anderen seiner Protagonisten ist Rita aus meiner Sicht ganz klar eine Sympathieträgerin, ich stehe während der Lektüre auf der Seite der Verstorbenen. Die so warmherzig dargestellt wird, dass man gar nicht dazu kommt, um sie zu trauern.

Auch, wenn es immer mal brutale Szenen gibt, doch treffen die meist den Richtigen. Ein eher ruhiger, aber deswegen ganz und gar nicht unspektakulärer Thriller, den ich mit großem Genuss gelesen habe. Ich habe nun definitiv ein neues Lieblingsbuch des Autors Bernhard Aichner.

Veröffentlicht am 07.10.2019

Abgründe tun sich auf!

Sterbekammer
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Und das eigentlich bei einem Routinebesuch, den Frida auf die Bitte einer Nachbarin hin macht. Anstelle der erhofften Ruhe hat nun das ganze Büro jede Menge (Ermittlungs)Arbeit. Kann es tatsächlich sein, ...

Und das eigentlich bei einem Routinebesuch, den Frida auf die Bitte einer Nachbarin hin macht. Anstelle der erhofften Ruhe hat nun das ganze Büro jede Menge (Ermittlungs)Arbeit. Kann es tatsächlich sein, dass ein viele Jahre zurückreichender Vermisstenfall wieder aktuell geworden ist?

Frida hat ihr Büro gewechselt und ist nun fester Bestandteil des "Nord"Teams. Sie lebt und hilft nun wieder mit auf dem Hof ihrer Eltern, wo auch einige Entscheidungen anstehen, die unerfreulich werden könnten.

Auch Kriminalhauptkommissar Bjarne Haverkorn, der Frida bereits als Jugendliche im Rahmen von Ermittlungen kennengelernt hat und auch im "Totenweg" eine Rolle spielte, tritt wieder auf den Plan - nun als Fridas Kollege. Auch bei ihm stehen privat einige Änderungen an. Unruhe wird also nicht nur durch den Fall verursacht.

Auch diesmal ermitteln Bjarne Haverkorn und Frida Paulsen sowohl gemeinsam als auch getrennt voneinander. Auf beiden lastet die Vergangenheit - nun allerdings nicht mehr, wie bisher einander betreffend. Eigentlich. Denn sie haben einen neuen Chef und der ist ein bisschen eigen - will er nicht gar das eigene Team gegeneinander ausspielen?

Ganz ungefährlich war es ja bei Frida auf dem Alten Land noch nie, doch diesmal wird es so richtig gefährlich - kann das Team den oder die Täter rechtzeitig stoppen, ohne selbst zu verlieren?

Inhaltlich dicht und sehr atmosphärisch und auch der Stil von Romy Fölck gefällt mir sehr, aber daran habe ich auch nicht gezweifelt, weil ich bereits mehrere Krimis von ihr gelesen hatte. Dabei war "Totenweg" der bisherige Höhepunkt - die "Sterbekammer" steht ihm aber in nichts nach.

Denn wieder ist Romy Fölck ein atmosphärischer Krimi mit regionalen Akzenten und interessanten Charakterengelungen, der sich zu einem mitreißenden Whodunnit entwickelt. Ein ausgesprochen gelungener Krimi, den ich mit Spannung und Vergnügen gelesen habe und kaum aus der Hand legen konnte.

Romy Fölck, eine Autorin, an der ich dranbleiben werde. Ich freue mich schon jetzt auf einen möglichen vierten Band mit Frida und Bjarne und hoffe sehr, dass alle anderen Akteure aus ihrem privaten Umfeld, die für sie selbst von Bedeutung sind, auch weiterhin eine Rolle spielen werden.

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Veröffentlicht am 04.10.2019

Brüder unter sich

Dreck am Stecken
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Wenn da nicht der Opa wäre, der ihnen eines Tages quasi zulief. Aber nun, wo die Mutter ihrem Leben ein Ende bereitete, müssen sie alleine klar kommen. Und mit dem Opa. Irgendwie klappt das - obwohl ihr ...

Wenn da nicht der Opa wäre, der ihnen eines Tages quasi zulief. Aber nun, wo die Mutter ihrem Leben ein Ende bereitete, müssen sie alleine klar kommen. Und mit dem Opa. Irgendwie klappt das - obwohl ihr Leben nicht das leichteste ist, machen sie alle etwas daraus, beziehungsweise lassen es machen. Jeder auf seine Art.

Vier Brüder, so unterschiedlich wie Tag und Nacht. Nach Opas Tod finden sie wieder zu einander - und sich allesamt auf einer überaus merk- und denkwürdigen Beerdigung wieder.

Und dann gibt es noch weitere Informationen, die zeigen: Ja, Opa hatet Dreck am Stecken. Aber er hat es wenigstens kapiert, im Gegensatz zu so einigen anderen!

Ein Familienroman über Zusammenhalt, über das innere Entfernen voneinander - mehr noch über das Zueinanderfinden, über Akzeptanz und Toleranz - wenn auch auf sehr spezielle Art. Denn sind wir nicht alle gewissermaßen speziell?

Diesbezüglich bringt uns Autorin Alexandra Fröhlich klar auf den Boden der Tatsachen zurück - manchmal muss man etwas eigentlich Inakzeptables wagen, bzw. annehmen, um sich bewegen zu können.

Eine Art moderne Räuberpistole: Humor mit beklemmend realistischem historischen Hintergrund. Schießt manchmal über das Ziel hinaus, stellenweise sogar ziemlich weit! Dennoch sehr lesenswert, denn dieser Roman führt uns auf ziemlich spektakuläre Art recht unangenehmen Aspekten deutscher Geschichte zu. Ein Buch, das eine wunderbare Filmvorlage abgeben würde. Für die vier so unterschiedlichen (Halb)Brüder habe ich schon den ein oder anderen Darsteller im Blick - Sie vielleicht auch? Denn hier wird eine Geschichte erzählt, die zum Kopfkino verführt und ich kann mir nicht vorstellen, dass sich dem jemand entziehen kann!

Veröffentlicht am 03.10.2019

Südafrika und Italien

Gewundene Pfade
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Wie passt das wohl zusammen? Autorin Irma Joubert setzt mit der Handlung ihres Romans in den 1920er Jahren ein: wir lernen die Südafrikanerin Lettie, Tochter eines Arztes und seiner Frau sowie den Norditaliener ...

Wie passt das wohl zusammen? Autorin Irma Joubert setzt mit der Handlung ihres Romans in den 1920er Jahren ein: wir lernen die Südafrikanerin Lettie, Tochter eines Arztes und seiner Frau sowie den Norditaliener Marco, der in einem kleinen Dorf in den Bergen aufwächst, kennen.

Lettie hat liebevolle Eltern, sieht sich aber früh als graue Maus unter edlen Schwänen - ihren Freundinnen Annabel, Klara und Christine. Während Christine und Klara sie warmherzig in ihrer Mitte aufnehmen, sticht Annabel immer wieder mit spitzen Randbemerkungen tief in Letties wunde Stellen. Und nicht nur in ihre - doch die Jungs sind trotzdem hinter ihr her, ebenso wie hinter Klara und Christine. Lettie jedoch bleibt allein - auch während ihres Medizinstudiums, das sie fern von den anderen absolviert, um danach als Ärzin in ihren Heimatort zurückzukehren und in der Praxis ihres Vaters mitzuarbeiten.

Inzwischen sind die Jahre ins Land gezogen - der zweite Weltkrieg hat die Welt zerstört. Und auch das Leben des Italieners Marco, der zunächst ein behütetes Leben führte, dem Kriegsende jedoch im Konzentrationslager Birkenau entgegensieht. Wie es dazu wohl kommen konnte? Kaum zu glauben, dass er überlebt, wenn auch gerade so - zum Glück! Nicht minder erstaunlich ist es, dass seine Wege über sein Heimatdorf nach Südafrika führen - in Letties Heimatdorf, wo er als Lehrer arbeitet.

Über Umwege finden sie zueiander und gründen eine Familie - doch stets hängen die Folgen des Zweiten Weltkrieges wie dunkle Wolken, die man einfach nicht loswird. Das Schicksal des Paares steht im Zusammenhang von einer reichhaltigen Rahmenhandlung mit zahlreichen Nebenfiguren, mit denen sie erleben, die ihr zeigen, was Freundschaft und Wertschätzung ist und auch ihr starker Glaube nicht nur an Gott, sondern vor allem an die Gerechtigkeit hilft ihnen, sowohl einzeln als auch später als Paar, so manche Situation durchzustehen..

Ich habe schon einige Romane der Autorin Irma Joubert gelesen, doch dies ist der erste, in dem Musik eine große Rolle spielt - sowohl im weltlichen als auch im religiösen Zusammenhang. Eine Überraschung, die ich als sehr gelungen empfinde.

Die Autorin Irma Joubert eröffnet neue Perspektiven, Blickwinkel und Aspekte. Manches wird nicht so vertieft bzw. erläutert, wie ich es mir gewünscht hätte, dennoch habe ich dieses fesselnde Buch nicht aus der Hand legen können. Mitreißend, aufwühlend, ab und an auch überraschend: ein historischer Roman über die Lebenswege besonderer Menschen, der lesenswert ist. Wenn auch ein Glossar und ein spezielles Nachwort für die deutsche Ausgabe, in dem landesspezifische Aspekte erläutert werden, ausgesprochen hilfreich gewesen wäre!