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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.02.2025

Hoch oben über Berlin

Achtzehnter Stock
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Da wohnt Wanda mit ihrer Tochter Karlie mitten in einem der sozialen Brennpunkte der Stadt. Ihr Leben ist trist mit einem Funken Hoffnung auf etwas Glanz - Wanda hofft seit Jahren auf eine Karriere als ...

Da wohnt Wanda mit ihrer Tochter Karlie mitten in einem der sozialen Brennpunkte der Stadt. Ihr Leben ist trist mit einem Funken Hoffnung auf etwas Glanz - Wanda hofft seit Jahren auf eine Karriere als Schauspielerin. Das Leben im Hochhaus wird durchaus authentisch geschildert, was ich als einstiges Kind aus dem elften Stock gut beurteilen kann. Sie hat ihre Leute, die hinter ihr stehen: alles Frauen. Und solche, die sie in Notlagen kontaktiert, aus meiner Sicht nutzt sie sie ganz klar aus: alles Männer. Ja, Wanda lebt in einer Blase. Sie lässt Dinge mit sich geschehen, dreht nur selten selbst an einer Schraube.

Es war seltsam, einen Roman über eine solche größtenteils passive Protagonistin zu lesen, stellenweise wurde es ziemlich oberflächlich, was ich schade fand, denn den Stil der Autorin habe ich durchaus genossen.

Aktiv wird sie vor allem, wenn es um die fünfjährige Karlie geht, weswegen mir der Beginn besonders gut gefiel - da erkrankt das Kind plötzlich ernsthaft und Wanda muss sich um Lösungen bemühen. Auch wenn diese nicht auf Überlegungen basieren, zeigt dieser Abschnitt Wandas Willen, für Karlie einzustehen.

In Bezug auf ihren Beruf wartet sie auf Anrufe der Großen der Branche - ein Roman zwischen Hoffen und Harren, wobei das Harren überwiegt. Ich hatte bei der Lektüre immer wieder den Eindruck, dass sich das Buch noch in Überarbeitung befindet und die endgültige Version noch nicht ganz gefunden ist.

Veröffentlicht am 22.02.2025

Ein Ire und eine Süddeutsche suchen ihr Glück in der neuen Welt

Ein Schimmer am Horizont
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Und zwar nicht freiwillig, denn der Ire Davin hat sein gesamtes Hab und Gut verloren und Mina muss mit ihrem lieblosen Mann, der sich einiges hat zuschulden kommen lassen, fliehen. Er ist ein Spieler und ...

Und zwar nicht freiwillig, denn der Ire Davin hat sein gesamtes Hab und Gut verloren und Mina muss mit ihrem lieblosen Mann, der sich einiges hat zuschulden kommen lassen, fliehen. Er ist ein Spieler und Trinker, der ihr auch noch das letzte Geld, das ihr Vater ihr überlassen hat, nimmt. Mitte des 19.Jahrhunderts begegnen beide einander durch Zufall auf dem Auswandererschiff Annabelle.

Mir ist vor allem Minas Schicksal nahegegangen, denn sie steht stellvertretend für viele Frauen, die keine Wahl hatten - hier hat sie sogar noch Glück, einer Familie zu begegnen ,die sie in Schutz nimmt, soweit es möglich ist.

Ein Thema, mit dem ich mich bereits beschäftigt habe, wobei der bisherige Höhepunkt ein Besuch des Deutschen Auswandererhauses in Bremerhaven war.

Das Buch kam mir also wie gerufen, doch leider konnte ich mich nicht in Gänze auf den Stil der Autorin und somit auch nicht auf den Roman einlassen.

Veröffentlicht am 20.02.2025

Hinnahme ist nicht gleichbedeutend mit Resignation

Coast Road
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Alan Murrin nimmt uns in seinem ersten Roman "Coast Road" mit in eine irische Kleinstadt etwa um 1994: noch ist Scheidung in Irland verboten, die Männer haben im Hinblick auf ihre Frauen sehr ...

Alan Murrin nimmt uns in seinem ersten Roman "Coast Road" mit in eine irische Kleinstadt etwa um 1994: noch ist Scheidung in Irland verboten, die Männer haben im Hinblick auf ihre Frauen sehr viele Rechte und Freiheiten.

Dennoch hat die verhältnismäßig erfolgreiche Autorin Colette Crowley ihren Mann - und damit ihre Familie, denn ihre drei Söhne durfte sie nicht mitnehmen - verlassen, um in Dublin ein neues Leben anzufangen. Als sie damit scheitert und zurück in die Gegend zieht, verbietet ihr Mann ihr, die Kinder zu treffen.

Izzy ist auch eine, die mehr vom Leben will, aber sie ist im Ort geblieben und hat sich nicht aus ihrer unglücklichen Ehe gelöst. Nach Colettes Rückkehr entwickelt sich zwischen den beiden ein gewisser Kontakt.

Der Autor hat definitiv ein Herz für die Frauen seines Heimatlandes, er schildert eindringlich ihre ausweglose, gezwungenermaßen oft ausweglose Lebenslage, wie sie in dieser Zeit noch gang und gäbe war. Ein eindringlicher, in vieler Hinsicht erhellender Roman, der mich immer wieder geschmerzt hat. Die Charaktere der Frauen (und weniger Männer) sind kraftvoll beschrieben, ich denke, werde sie nicht so schnell vergessen.

Veröffentlicht am 12.02.2025

Dunkler geht es nicht

Dunkle Momente
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Zumindest in einigen der hier dargestellen Fälle von Strafverteidigerin Eva Herbergen ist es der Fall. Wobei man beim Lesen durchaus manchmal den Eindruck hat, dass der Täter das eigentliche Opfer ist. ...

Zumindest in einigen der hier dargestellen Fälle von Strafverteidigerin Eva Herbergen ist es der Fall. Wobei man beim Lesen durchaus manchmal den Eindruck hat, dass der Täter das eigentliche Opfer ist. Genauso gibt es aber auch das direkte Gegenteil, den Mörder, der selbst stolz auf seine Tat ist und sich vor seiner Verteidigerin sogar noch brüstet.

Tatsächlich sind es eine ganze Reihe ausgesprochen unterschiedlicher Fälle, sehr verschiedener Menschen, die hier zu einer lose zusammenhängenden Handlung aneinander gereiht werden, die vom Stil her durchaus noch ausbaufähig wäre, inhaltlich jedoch so unvorhergesehen und überraschend daher kommt, wie man es kaum erwarten könnte.

Dabei schont sich auch die fiktive Erzählerin Herbergen in ihrer Rolle als Strafverteidigerin nicht selbst, sondern zeigt durchaus auch Situationen auf, in denen sie diejenige ist, die aus unterschiedlichen Gründen dumm dasteht, wenngleich diese sich in der Minderheit befinden.

Eine durchaus spannende Lektüre, mehr Tatsachenbericht als Krimi, aber gerade deswegen etwas Besonderes!

Veröffentlicht am 09.02.2025

Drama mit folkloristischem Einschlag

Campion. Tödliches Erbe
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Margery Allingham erzählt hier die Geschichte eines wertvollen, traditionsbeladenen Kelches, Eigentum der Familie Gyrth, der offenbar auch von anderer Seite begehrt wird und den Gyrths auf unlautere ...

Margery Allingham erzählt hier die Geschichte eines wertvollen, traditionsbeladenen Kelches, Eigentum der Familie Gyrth, der offenbar auch von anderer Seite begehrt wird und den Gyrths auf unlautere Weise abspenstig gemacht werden soll.

Zeit, einen der besten Detektive Englands, nämlich Albert Campion, mit ins Boot zu holen - ein schmales, blasses und unscheinbares Männlein, das gleichwohl nie seine gute Laune verliert und grundsätzlich frohen Mutes in die Welt blickt, auch in Situationen, in denen es schwerfällt, dies zu verstehen. Bald wird klar, dass Campion, der Einzige ist, dem es gelingen könnte, das Unglück zu verhindern.

Ähnlich Agatha Christies Poirot kombiniert er bereits im Voraus und zieht Schlüsse, die kein anderer versteht - doch, einer schon, wie in einer besonders brenzligen Situation deutlich wird.

Margery Allingham geht deutlich abenteuerlustiger vor als wir es von Agatha Christie gewohnt sind, wobei ich jedoch die Letztere deutlich bevorzuge, möglicherweise nur aus Gewohnheit. Allerdings hatte ich hier gelegentlich Mühe, den Volten der Autorin zu folgen - sie waren nicht zu rasant, sondern vielmehr ein wenig wirr dargestellt aus meiner Sicht.

Dennoch eine lohnenswerte Lektüre, auch wenn durchgehend Männer als Teufelskerle und Macher dastehen, Frauen hingegen lediglich als Beiwerk, Wahrerinnen der Tradition und nicht zuletzt als Unruhestifterinnen wahrgenommen werden.