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Veröffentlicht am 30.03.2025

Britischer kann es gar nicht zugehen!

Der Tote in der Crown Row
1

Ich habe in meinem - zugegebenermaßen doch schon ziemlich langen Leben - zahlreiche gute britische Krimis gelesen, die in den unterschiedlichsten zeitlichen Epochen und an vielfältigen Schauplätzen angesiedelt ...

Ich habe in meinem - zugegebenermaßen doch schon ziemlich langen Leben - zahlreiche gute britische Krimis gelesen, die in den unterschiedlichsten zeitlichen Epochen und an vielfältigen Schauplätzen angesiedelt waren. Aber noch nie einen, der maßgeblich im Temple-Bezirk angesiedelt ist, im Zentrum der juristischen Macht des Vereinigten Königreichs. Das Anfang des 20. Jahrhunderts, der Epoche, in der dieser Fall angesiedelt ist, ausschließlich von Männern besetzt und selbstverständlich auch domininiert wurde. Frauen kamen nur in untergeordneten Positionen (bspw. Reinigungspersonal) oder als schmückendes Beiwerk (Ehefrauen und /oder Geliebte, Gespielinnen) vor.

Umso mehr freut mich, dass dieser wunderbare Krimi/Roman (man kann das Buch aus meiner Sicht beiden Genres zuordnen) von einer Frau, nämlich Sally Smith, verfasst wurde, die in der heutigen Zeit (in der gerade in UK die Emanzipation auch nicht so wahnsinnig weit gediehen ist) lebt und beruflich sozusagen als neuzeitliche Kollegin von Sir Gabriel Ward dem Romanhelden mit überraschend moderner (aber nicht überzogener) Einstellung Frauen gegenüber selbst in qualifizierter Position! Das Buch wurde - so finde ich - mithilfe eines riesigen Wissenspotentials, dem zweifellos sorgfältige Recherchen zugrunde liegen, verfasst und ist neben diesem von Spannung, aber vor allem von einer feinen Ironie geprägt, die jede Seite durchdringt. Einfach herrlich, diese Ermittlungen von Sir Gabriel
- und die ganzen Animositäten, die zu dieser Zeit den Temple-Bezirk prägten! Die Handlung ist ausgeprochen originell, aber niemals unlogisch und mit einer ordentlichen Portion Warmherzigkeit an passender Stelle versehen. Ich empfehle es von ganzem Herzen weiter!

Veröffentlicht am 18.03.2025

Familiengeheimnisse und anderes

Stromlinien
0

Töchter einer Delinquentin zu sein, die im Gefängnis sitzt, ist nicht gerade einfach. Die zweieiigen Zwillinge Enna und Jale haben nie etwas anderes gekannt, denn sie sind in diesem Gefängnis ...

Töchter einer Delinquentin zu sein, die im Gefängnis sitzt, ist nicht gerade einfach. Die zweieiigen Zwillinge Enna und Jale haben nie etwas anderes gekannt, denn sie sind in diesem Gefängnis geboren und wachsen bei der Großmutter, einer mehr als introvertierten Wissenschaftlerin auf.

Die Handlung ist auf mehreren Zeitebenen angesiedelt: wir lernen genauso ihre Mutter kennen, die früh den Vater verloren hat - es gibt wieder und wieder Hinweise, aber erst spät wird in Gänze klar, warum sie eingelocht wurde.

Wir erfahren weiteres über die Gefängnisinsel in den 1920er Jahren, teilweise Ungeheuerliches, das mit ihr in Zusammenhang steht und ebenso mit der Familie der Zwillinge.

Ein atmosphärischer und ungewöhnlicher Roman der ganz besonderen Art, den ich als ausgesprochen lesenswert empfehlen kann. Definitiv eine Lektüre, die man nicht so schnell vergisst!

Veröffentlicht am 17.03.2025

Ausgesprochen brutal und blutig

Der Nachtgänger
7

ist Joona Linnas neuester Fall, in den der Meister allerdings vergleichsweise spät einsteigt, zudem leider ohne Saga Bauer - natürlich gegen seinen Willen, er hätte sie zu gerne dabei gehabt und insistiert ...

ist Joona Linnas neuester Fall, in den der Meister allerdings vergleichsweise spät einsteigt, zudem leider ohne Saga Bauer - natürlich gegen seinen Willen, er hätte sie zu gerne dabei gehabt und insistiert auch immer wieder diesbezüglich erfolglos beim Vorgesetzten

Die Schilderung des aktuellen Falles gestaltet sich diesmal sehr rund und übersichtlich - nach und nach werden ganz unterschiedliche Menschen auf die brutalste Art und Weise umgebracht. Bis eine Gemeinsamkeit ersichtlich wird, braucht es eine ganze Weile, die aber weder langatmig noch langweilig ist.

Immer wieder geschehen die Morde im Umfeld des somnambulen Jugendlichen Hugo - Zufall oder Absicht?

Lars Kepler, bzw. das Team, das hinter diesem Pseudonym steht, verfährt nach seinem üblichen Schema: Gewalt und viel Aktion, aber auf die originelle Art. Trotz der allgegenwärtigen Brutalität - einem Umstand, mit dem ich mich generell schwer tue - hat mir der Fall diesmal besonders gut gefallen, weil vieles Dennoch macht es immer wieder Spaß, einen Fall mit Joona zu lesen, wobei Saga diesmal sehr fehlte. Schade!.

Eine runde, klare Sache - ein absolutes Plus.

Ein Fall ohne Saga Bauer - ein kleines Minus. Hoffentlich bleibt es nun nicht dabei!

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 17.03.2025

Ein Leben (nicht nur) in Blumen

Schwebende Lasten
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Hanna Krause ist Magdeburgerin, 1913 geboren und hat fast ihr ganzes Leben in der Stadt verbracht. Früh zur Waisen geworden wurde sie von ihren deutlich älteren Halbschwestern groß gezogen - ihre Kindheit ...

Hanna Krause ist Magdeburgerin, 1913 geboren und hat fast ihr ganzes Leben in der Stadt verbracht. Früh zur Waisen geworden wurde sie von ihren deutlich älteren Halbschwestern groß gezogen - ihre Kindheit und Jugend spielte sich vor allem in einem Blumenladen, den die in Magdeburg verbliebene Schwester bewirtschaftete, ab.

Später heiratete sie Karl, der ihretwegen nach Berlin fuhr und ihr einen Heiratsantrag machte - und einen Blumenladen in Magdeburg versprach. Sie wurde Mutter von fünf Kindern, musste bald erkennen, dass sie mit einem Trinker verheiratet war, liebte aber ihr Leben inmitten von Blumen. Sie erlebte den Zweiten Weltkrieg, die gesamte DDR-Zeit und noch ein paar Jahre mehr.

Ich konnte diesen faszinierenden Roman von Annett Gröschner nicht aus der Hand legen - auf weniger als 300 Seiten vermag sie vor uns Leser*innen nicht nur das Schicksal von Hanna Krause, sondern auch das der Stadt Magdeburg im 20. Jahrhundert auszubreiten. In wenigen Worten, doch keinesfalls lakonisch vermag sie es, ganze Leben vor uns auszubreiten. Ich habe mit Hanna gebangt, gehofft, gelacht, geweint, mich über ihren Mann geärgert und die Kinder betüddelt.

Ein solch akzentuierter Stil, eine derart lebendige Sprache sind mir lange nicht mehr begegnet und ich hoffe, dass dieser Roman entsprechend gewürdigt und mit Preisen überhäuft wird!

Veröffentlicht am 17.03.2025

Ein Hauen und Stechen sondergleichen

True Crime in Nature
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Das ist es, was sich in der Tier- und Pflanzenwelt vom menschlichen Auge weitestgehend ungesehen abspielt! Autorin Farina Graßmann vermittelt uns Lesern mal eher dramatisierend, dann wieder flapsig, ...

Das ist es, was sich in der Tier- und Pflanzenwelt vom menschlichen Auge weitestgehend ungesehen abspielt! Autorin Farina Graßmann vermittelt uns Lesern mal eher dramatisierend, dann wieder flapsig, wie es in Fauna, vor allem aber n der Flora so zugeht: da legt einer dem anderen ein Ei ins Nest und das ist beileibe nicht nur der Kuckuck, von dem uns allen dieses Vorgehen schon längst bekannt ist, nein, es gibt beispielsweise auch entsprechende Hummeln, die ein solches Vorgehen pflegen.

Dann gibt es noch die, die sich an anderen Lebewesen "befestigen" und diese sozusagen in lebendigen Zustand beknabbern. Dies wird besonders gerne in Gewässern von Neunaugen, die im Baltikum, der Heimat meiner Eltern, gerne selbst verspeist werden, betrieben. Ich mochte sie noch nie sonderlich gern, aber jetzt werde ich sie meiden wie der Teufel das Weihwasser - was zu viel ist, ist zu viel!

Das waren nur erste Eindrücke, es gibt auch die Gesellen, die sich Körperteile anderer Wesen schnappen und zig weitere unlautere Methoden, durch die Flora und Fauna lebendig bleiben. Das alles wird hier erfrischend unterhaltsam und garniert mit lustigen Karikaturen und anschaulichen Fotos präsentiert. Sehr empfehlenswert!