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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.12.2024

Kampfhunde gibt es nicht nur in der Tierwelt

Wenn nachts die Kampfhunde spazieren gehen
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Nein, manchmal sieht man sie auch in der menschlichen Sozialisation wie bspw. hier in der Familie Richter. Wobei es sich hier ausnahmslos um Hündinnen handelt, denn der Vater Edgar ist ein ...

Nein, manchmal sieht man sie auch in der menschlichen Sozialisation wie bspw. hier in der Familie Richter. Wobei es sich hier ausnahmslos um Hündinnen handelt, denn der Vater Edgar ist ein eher friedlicher Typ. Dagegen geht Mutter Regina, eine Psychologin, im eigenen Familienkreis ständig auf Konfrontationskurs, vor allem gegenüber dem ruhigen, aus ihrer Sicht laschen Teil der Familie, zu dem außer ihrem Ehemann auch noch Antonia, die ältere Tochter, gehört. Wanda, die Jüngere der beiden, ähnelt dagegen deutlich ihrer Mutter und wird von dieser dafür geliebt - nein, vergöttert!

Wir begegnen der Familie in drei unterschiedlichen Jahrzehnten, wobei sie sich ab dem zweiten bereits dezimiert, doch in Erinnerungen leben alle weiter. Und alle verändern sich - sowohl im Leben als auch in der Wahrnehmung bzw. in den Erinnerungen der anderen.

Es ist ein eindringlicher, dazu trotz vieler schmerzhafter Passagen ausgesprochen unterhaltsamer und immer wieder auch ironischer Roman, den ich nicht aus der Hand legen konnte. Meines Erachtens hat die Autorin Anna Brüggemann mit diesem Buch ein wahres Meisterwerk geschaffen, das - so scheint es mir - auch manch eine Momentaufnahme oder auch mehr aus ihrer ganz persönlichen Erfahrung beinhaltet.

Veröffentlicht am 02.12.2024

Könnte klappen

Ordnung für immer
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Wobei ich das "eventuell" vergessen habe - ich bin eine sehr große "Eventualistin". Und - aktuell - eine riesengroße Chaotin; auf meine etwas älteren Tage und im Zusammenleben mit meinem Mann habe ich ...

Wobei ich das "eventuell" vergessen habe - ich bin eine sehr große "Eventualistin". Und - aktuell - eine riesengroße Chaotin; auf meine etwas älteren Tage und im Zusammenleben mit meinem Mann habe ich es komplett verlernt, Ordnung zu halten.

Dieses durchaus ausführliche Buch soll mir nun dabei helfen, dies zu ändern. Und zwar nicht nur für eine kurze Zeit, sondern für immer. Es hat aber einen Haken - zunächst muss ich mich selber aufräumen, bevor es dann an meine Wohnung geht. Was durchaus nachzuvollziehen ist: Man muss sich selbst sehr gut (er)kennen, um eine so große Áufgabe bewältigen zu können und dazu gibt es in diesem Buch ausgesprochen viele Gelegenheiten. Sogar einen Test.

Die Autorin Gunda Borgeest geht sehr strukturiert und auch geduldig mit denen um, die nach Ordnung streben, sich aber damit schwertun und so hoffe ich sehr, dass sie mir auch dabei helfen kann - die Grundlagen dafür sind auf jeden Fall vorhanden!

Veröffentlicht am 30.11.2024

Seltsam emotionslos

Fluchtnovelle
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kommt diese Schilderung realer Ereignisse zumindest meiner Ansicht nach rüber - immerhin schildert diese hier der Sohn des Paares, das auf so spektakuläre Weise erst zu einem solchen werden konnte und ...

kommt diese Schilderung realer Ereignisse zumindest meiner Ansicht nach rüber - immerhin schildert diese hier der Sohn des Paares, das auf so spektakuläre Weise erst zu einem solchen werden konnte und das bereits Mitte der Sechziger Jahre, als der eiserne Vorhang noch recht dicht war, zumindest von Ost nach West. Umgekehrt nicht unbedingt, denn sonst hätte der junge Schweizer sich gar nicht in Dresden aufhalten und dabei eine Studentin aus der DDR kennenlernen können.

Er hat dann auch die Flucht der jungen Frau vorbereitet und überquerte dabei - so erschien es mir so manche Grenze, die Respekt und Wahrung gegenseitiger Würde bedingen und dabei ging es nicht um die Geheimhaltung, die natürlich unabdinglich war, um zum Ziel zu kommen. Es wird tatsächlich vor allem der Vorgang als solcher und in sehr kurzer Form auch dessen Konsequenzen geschildert. Im Nachhinein überlege ich, ob sich diese Lektüre gelohnt hat - nicht unbedingt, ich hatte mir definitiv mehr erwartet!

Veröffentlicht am 17.11.2024

Marnie und Michael

Zwei in einem Leben
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Ich bin echt froh, dass ich die beiden weder im echten Leben kenne, noch die Chance habe, sie jemals kennenzulernen. So ein lästiges Pack! Mir sind sie beide wahnsinnig auf die Nerven gegangen, ...

Ich bin echt froh, dass ich die beiden weder im echten Leben kenne, noch die Chance habe, sie jemals kennenzulernen. So ein lästiges Pack! Mir sind sie beide wahnsinnig auf die Nerven gegangen, Marnie noch deutlich mehr als ihr späterer Traummann.

Wie kann man sich bei einer Wanderung so hantieren? Ich kann mir nicht vorstellen, dass man das in Deutschland tun würde, haben die Menschen in UK echt so wenig Wandererfahrung?

Wenn nicht (was ich glaube), liegt das Problem beim Autoren, dem ich sowas eigentlich nicht zutraue: Ich habe schon mehrere Bücher von David Nicholls gelesen, manche waren ganz ok, andere waren eher mittel, jedes hatte einen gewissen Charme. Bei diesem weiß ich es nicht, weil ich es irgendwann einfach zugeklappt habe. So ein überflüssiges Buch, das Einzige, was mir daran gefiel, war die geplante Wanderstrecke und die Erläuterungen dazu, die jedoch ziemlich knapp ausfielen.

Nein, dieses Buch kann ich wirklich niemandem empfehlen, ich kann nur davor warnen. Sonst ist man definitiv selbst schuld an seiner Misere!

Veröffentlicht am 10.11.2024

Atmosphärisch und unterhaltsam

Gefährliche Betrachtungen
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Wahnsinn, ein Krimi mit Thomas Mann! Natürlich nicht als Verbrecher oder Spitzbub, sondern Opfer und gleichzeitig Ermittler bzw. zumindest dessen Assistest - oder sogar Auftraggeber? Aber der ...

Wahnsinn, ein Krimi mit Thomas Mann! Natürlich nicht als Verbrecher oder Spitzbub, sondern Opfer und gleichzeitig Ermittler bzw. zumindest dessen Assistest - oder sogar Auftraggeber? Aber der Fall ist nur ein Aspekt dieses vielschichtigen, im Jahr 1930 auf der Kurischen Nehrung, also in Litauen an der direkten Grenze des Deutschen Reiches spielenden historischen Romans.

Dicht und eindringlich schildert Autor Tilo Eckardt die Situation aus der Sicht des jungen litauischen Übersetzers Žydrūnas Miuleris, der hofft, vom großen Meister mit der Übersetzung der "Buddenbrooks" beauftragt zu werden. Gleichzeitig macht er seiner Auserkorenen, einer Kommilitonin, die den Sommer über in Nidden jobbt, diskret und dennoch hartnäckig den Hof. Durch sie bzw. durch ihren Job in der örtlichen Wirtschaft gerät er mitten in einen politischen Streit, während dem einige kostbare Blätter einer sehr persönlichen Stellungnahme Thomas Manns, die der berühmte Autor ihm kurzfristig anvertraut hatte, verloren gehen.

Zusammen mit dem Nobelpreisträger begibt sich Miuleris auf die Suche danach, doch bald stellt sich heraus, dass sie einer deutlich größeren Sache auf der Spur sind.

Wer Spaß hat an einer unterhaltsamen Handlung mit spannendem historischen Hintergrund, der ist hier richtig. Der Autor versteht es, eine Atmosphäre zu erzeugen, die im Jahr 1930 tatsächlich hätte herrschen können . Ich jedenfalls habe mich in dem von ihm erschaffenen Nidden wie zu Hause gefühlt und empfand das Miteinander der Völker - der Litauer, Deutschen, Russen und anderweitiger Nationen - als sehr treffend wiedergegeben. So hätte es damals sein können in Nidden - ein heiterer Sommer mit durchaus realen drohenden Vorzeichen aus der rechten politischen Ecke!