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Veröffentlicht am 13.06.2023

Rosinenbomber und was dahinter steckt

Die Kinder der Luftbrücke
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In meiner Kindheit (in den 1960er und 70er Jahren) war der Rosinenbomber noch in aller Munde: damit sprachen meine Eltern und ihre Familien über die Lebensmittel, die ihnen - Kriegsflüchtlingen ...

In meiner Kindheit (in den 1960er und 70er Jahren) war der Rosinenbomber noch in aller Munde: damit sprachen meine Eltern und ihre Familien über die Lebensmittel, die ihnen - Kriegsflüchtlingen aus Osteuropa - mittels Flugzeugen aus England und den Vereinigten Staaten gebracht worden waren.

Doch eigentlich leitet sich dieser Begriff von der Luftbrücke der US-Army im Jahr 1948/49 von Westdeutschland, der späteren Bundesrepublik nach Berlin-West ab, ohne die die dortige Bevölkerung verhungert wäre. Die gesamte Ernährung lief darüber, denn die sowjetische Armee blockierte sämtliche Einfuhren. Schon damals, erst wenige Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, stand der Dritte Weltkrieg kurz bevor.

Wir verfolgen dieses historische Ereignis zusammen mit Nora und ihrer Familie. Ihr Mann wird vermisst, nur ihre Schwester hat Arbeit. Die ist rar in Berlin und so ist Nora überglücklich, als sie Arbeit in ihrem erlernten Beruf als Übersetzerin und Dolmetscherin bei der US-Army findet und so maßgeblich zum Familieneinkommen beitragen kann. Damit ist sie im Zentrum des Geschehens - ihre Arbeitsstelle befindet sich nämlich am Flughafen Tempelhof, wo alle Aktivitäten der Amerikaner - auch die bald eingesetzte Luftbrücke - abgewickelt werden. Aber nicht nur das - im Gegensatz zu allen andern Stellen in Berlin wimmelt es dort von attraktiven jungen Männern! Einer von ihnen zeigt bald großes Interesse an Nora...

Ein spannender Roman über ein Nachkriegsphänomen, das häufig angesprochen wird, über dessen Hintergründe aber leider viel zu wenig Konkretes bekannt ist - mir zumindest.

So habe ich diesen Roman mit großem Interesse gelesen, auch wenn der Stil der Autorin nicht mit meinen Lieblingsautorinnen dieses Genres wie Heidi Rehn oder Katja Maybach mithalten kann. Zudem ist mir an mehreren Stellen historische Ungenauigkeit aufgefallen - Modeerscheinungen aus den 1950er Jahren wie Kleidermoden, Frisuren und vor allem die lustigen Schmetterlingsbrillen werden hier einfach mal ein paar Jahre vorverlegt. Dennoch ein Roman, den ich mit Vergnügen gelesen habe!

Veröffentlicht am 12.06.2023

Interessante Zusammensetzung

Fünf Winter
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Wer gerne Spannungsliteratur aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs liest, die aber nicht unbedingt (nur) von selbigem handeln muss, der ist hier goldrichtig. Zumal, wenn es nicht unbedingt ein ...

Wer gerne Spannungsliteratur aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs liest, die aber nicht unbedingt (nur) von selbigem handeln muss, der ist hier goldrichtig. Zumal, wenn es nicht unbedingt ein bestimmtes Genre sein muss!

Denn hier greifen gleich vier ineinander: Literatur, Historischer Roman, Krimi und Thriller. So sehe ich es jedenfalls. Und es startet an einem (meistens) sehr tollen Ort, nämlich auf Hawaiin genauer gesagt in Honolulu. Es geht um um einen Detective des dortigen Police Departements, Joe MacGrady, der mit einem besonders delikaten Auftrag betraut wird.

Ein junges Paar wurde ermordet; bei dem jungen Mann handelt es sich um den Neffen des Oberbefehlshabers der Pazifikflotte, seine Freundin ist eine junge Japanerin.

McGrady verschlägt es nach Honolulu, wo er in Lebensgefahr gerät, doch gottseidank ist die Rettung nicht fern. Ob es immer so glücklich ausgeht für den Detective und ob er die Morde aufklären kann, das müssen sie schon selber herausfinden.

Ein Genre-Mix, der durchaus ereignisreich ist, bei dem ich aber zeitweilig den Faden verlor.




Veröffentlicht am 08.06.2023

Eine wunderbare Darstellung des Eigenen

Wir hätten uns alles gesagt
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Judith Hermann ist hier eine wunderbare Darstellung ihres eigenen Kosmos gelungen und zwar in jeder Hinsicht - besonders stimmig fügt es sich aus meiner Sicht, dass hier eine "Katalogisierung", ...

Judith Hermann ist hier eine wunderbare Darstellung ihres eigenen Kosmos gelungen und zwar in jeder Hinsicht - besonders stimmig fügt es sich aus meiner Sicht, dass hier eine "Katalogisierung", eine Zuordnung zu einem literarischen Genre fehlt.

Denn es ist viel, viel mehr als das: es ist Posie, Roman, Biographie (ob nun wahr oder fiktiv oder ein bisschen von beidem) und auch eine Art Sachbuch in Einem.

Ich konnte es einfach nicht aus der Hand legen, bis ich am alles andere als bitteren Ende angelangt bin, was mir dieser Tage sehr selten passiert. Judith Hermann schreibt mehr über Trauriges, Unvollständiges, Unperfektes und Mangelhaftes als über Fröhliches, Optimistisches, Erbauliches und Zuversichtliches, dennoch wirkt es aufbauend und zuversichtlich auf mich in der Art, in der sie es darstellt: schwierige Familienverhältnisse, Beziehungen, Arbeitssituationen und andere Lebenslagen sind dazu da, das Beste aus ihnen zu machen bzw. auf eine Art einen Mehrwert für sich, für die Zukunft, aber auch für die Vergangenheit daraus zu schöpfen.

Obwohl ich diesen Spruch ausgesprochen dämlich finde, kam er mir während der Lektüre doch wieder und wieder in den Sinn: Ganz, ganz großes Kino!

Veröffentlicht am 05.06.2023

Für mich deutlich abfallend im Vergleich zu den beiden Vorgängerromanen

Der Freiheit entgegen (Die Gutsherrin-Saga 3)
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Ach, wie habe ich mich auf den dritten Teil der Geschichte um Dora Twardy, inzwischen längst Dora Thorau, Tierärztin, Ehefrau des Fotografen Curt und Mutter der erwachsenen Clara, die in ihr ...

Ach, wie habe ich mich auf den dritten Teil der Geschichte um Dora Twardy, inzwischen längst Dora Thorau, Tierärztin, Ehefrau des Fotografen Curt und Mutter der erwachsenen Clara, die in ihr eigenes Leben aufbricht.

Und genau darin lag schon meine erste Enttäuschung, steht doch nicht mehr Dora, sondern ihre Tochter Clara im Fokus des Geschehens. Als wäre eine ältere Frau nicht mehr spannend genug, um ihr einen Roman zu widmen, so schien es mir.

Denn: ging es in den ersten beiden Teilen maßgeblich um Doras und auch Curts Wohl und Wehen, sind die beiden jetzt fast nur noch Staffage und kommen über weite Teile des Romans gar nicht mehr vor.

Und meiner Meinung nach kann Clara ihren Eltern nicht das Wasser reichen. Möglicherweise liegt das daran, dass sie zu einer Generation gehört, die ich hinlänglich kennenlernen und auch befragen konnte, ist es doch diejenige meiner Eltern, vor allem aber ihrer jüngeren Geschwister, die in der Nachkriegszeit groß wurden.

Clara ist in München aufgewachsen, im Verlauf des Romans verschlägt es sie nach Hamburg und der Rahmen, der sie bis dahin umgab, spielt kaum mehr eine Rolle. Auch wurde ihr aus meiner Sicht von Autorin Theresia Graw nicht ein so spannenendes und vielschichtiges Umfeld wie ihrer Mutter bzw. ihren Eltern verliehen, sie schlägt sich durch im Wirtschaftswunderland BRD, erlebt Enttäuschungen, aber natürlich auch Erfolge - aber so richtig spannend war das für mich leider nicht. Ich hoffe ja, dass die Autorin mich erhört und einen 2,5ten Teil einschiebt, in dem sich Claras Eltern in Bayern etablieren und ein neues Leben aufbauen.

Veröffentlicht am 02.06.2023

Angst ablegen - Schneid erlangen

Das Anti-Angst-Buch
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Wobei das nur ein ganz kleiner Teil dessen ist, was den werten Leser*innen hier geboten wird. Denn es handelt sich um ein umfangreiches Angebot: das eines sechswöchigen Programmes, das den Weg zum Einstieg ...

Wobei das nur ein ganz kleiner Teil dessen ist, was den werten Leser*innen hier geboten wird. Denn es handelt sich um ein umfangreiches Angebot: das eines sechswöchigen Programmes, das den Weg zum Einstieg in ein angstfreies Leben ebnen soll. Und mich vor schwerste Herausforderungen stellte - allen voran diejenige, dieses vielschichtige, kleinteilige Angebot des Experten für mich zu erfassen und zwar in allen für mich relevanten Details.

Was alles andere als einfach ist, finde ich und daher von mir auch nur in Teilen bewältigt werden konnte - bisher jedenfalls, denn das Buch und ich bleiben einander ja erhalten.

Erst einmal stellte ich fest, dass das Sechs-Wochen-Programm für mich sowieso in meinen normalen Arbeitsalltag nicht einzubauen ist. Denn es geht hier um viele Bereiche meines Lebens, die davon betroffen sind: Bewegung, Ernährung, Achtsamkeit und, und, und.

Und da meine Ängste ja auch ihren Teil beanspruchen, ist das alles ganz schön happig.

Andererseits habe ich erkannt, dass mir so einiges bereits bekannt vorkommt, bspw. die meditativen Atemübungen. In etwas anderer Form baue ich sie bereits jetzt in meinen Alltag ein, da wird eine gewisse Anpassung doch wohl möglich sein.

Und dann wird es bei anderen Punkten - sofern sie für mich Sinn ergeben - doch wohl auch möglich sein.

Insgesamt bietet das Buch für mich ein zu festgefügtes, in Einzelteilen voneinander abhängiges Programm und zu wenige Möglichkeiten, spontan zu sein. Meine Ängste - und nicht nur die - lassen mich nämlich launisch werden (und damit sind alle Launen, nicht nur die schlechten gemeint) und für mich ist Spontanität in diesem Zusammenhang etwas sehr Hilfreiches. Nein, mehr noch: Etwas Grundlegendes.

Auch wenn ich aus diesem Buch viele Anregungen schöpfe, ist es im Großen und Ganzen nicht so recht mein Weg. Aber ich werde einiges daraus in diesen einbauen!