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Veröffentlicht am 18.07.2023

Eine Frau blickt zurück - und nach vorne

Eine vollständige Liste aller Dinge, die ich vergessen habe
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Die namenlose Protagonistin dieses Romans steht am Scheideweg - nein, es ist nichts Schlimmes, jedenfalls nichts, was nur als negativ wahrgenommen werden kann: sie wird älter. Und ihre Zwillinge ...

Die namenlose Protagonistin dieses Romans steht am Scheideweg - nein, es ist nichts Schlimmes, jedenfalls nichts, was nur als negativ wahrgenommen werden kann: sie wird älter. Und ihre Zwillinge - ein Mädchen, ein Junge: Mila und Max genauso. Was Veränderungen mit sich bringt. Unsere Romanheldin - die aus ihrer eigenen Perspektive schreibt, hasst Veränderungen. Und genau die stehen nun in größerem Ausmaß bevor: Mila zieht in Kürze aus, Max sicher auch bald und die Mutter kann die bisherige Familienwohnung nicht halten. Sie will es eigentlich auch gar nicht, wie wir allmählich erfahren.

Oder doch? Unsere Erzählerin ist nämlich alles andere als eine unkomplizierte Person. Wie wir alle, geben wir es doch zu. Denn ihr Wesen lässt sich nur beurteilen weil sie den Leser*innen ihre Sorgen und Nöte mitteilt. Und zwar nicht nur die aktuellen, sondern auch die, die sie früher einmal belasteten - in ihrer Kindheit, in der sie sich als unbeachtete, unauffällige Tochter bzw. Schwester neben vier nur wenig jüngeren strahlend schönen Blondinen war.

Während ihrer Trennung und Scheidung. Und nicht zuletzt beim Verlieren vieler Dinge (und nein, es sind nicht nur Dinge im herkömmlichen Sinne), von denen sie nur einige wieder bekam. Oder ersetzen konnte. Es teilweise - allerdings in eher seltenen Fällen auch gar nicht wollte.

Hier erleben wir vor allem die Abnabelung von den Kindern mit inklusive Aus- und Umzug. Wir folgen der Erzählerin zu ihren Freunden und Verwandten, vor allem aber in ihren Erinnerungen und Befürchtungen.

Eine Frau breitet sich aus - vor ihren Lesern. In vielerlei Hinsicht. Sie legt ihnen quasi ihr Leben vor die Füße, inklusive Informationen, die man sonst nicht preisgibt. Oder nur ganz wenigen.

Hier haben Sie die Möglichkeit, diese zu erfahren - und das ist wirklich sehr, sehr lohnenswert!

Veröffentlicht am 16.07.2023

Schöne Bilder - etwas schlappter Text

Mein Leben als einsamer Axolotl
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Mein erster Gedanke beim Lesen dieses Buches mit den wunderschönen, witzigen und ein bisschen anarchischen Bildern war: wie gut, dass das Zielpublikum dieses Werks eines ist, dem man in der Regel ...

Mein erster Gedanke beim Lesen dieses Buches mit den wunderschönen, witzigen und ein bisschen anarchischen Bildern war: wie gut, dass das Zielpublikum dieses Werks eines ist, dem man in der Regel vorliest. Denn dann kann man den Text beliebig bereichern und genau das werde ich tun!

Denn dem Text fehlt ein bisschen der Pep und damit steht er in krassem Gegensatz zu den Bildern. Gerade zum Umweltaspekt hätte hier noch mehr kommen können, auch deutlich Witzigeres.

Oder liegt das an der Übersetzung? Für mich ist es schwer, dem auf den Grund zu gehen, denn ich bin des Schwedischen nicht mächtig.

Wie auch immer, die Bilder sind atemberaubend und liebenden Eltern oder auch Tanten und Onkeln mit ein bisschen Phantasie werden dazu zahllose Geschichten einfallen - nur sollten die nicht direkt wieder vergessen werden, falls die lieben Kleinen davon so begeistert sind, dass sie diese gleich nochmal hören wollen!

Veröffentlicht am 09.07.2023

Ausgerechnet Alaska

Die Affäre Alaska Sanders
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Ja, ausgerechnet Alaska Sanders, die Schönste der Schönen, zigfache Gewinnerin (zugegebenermaßen ausschließlich kleinerer bzw. lokaler) diverser Schönheitswettbewerbe - ausgerechnet sie verschlägt ...

Ja, ausgerechnet Alaska Sanders, die Schönste der Schönen, zigfache Gewinnerin (zugegebenermaßen ausschließlich kleinerer bzw. lokaler) diverser Schönheitswettbewerbe - ausgerechnet sie verschlägt es in ein winzigkleines Kaff, wohin sie auch noch einem ortsbekannten Loser folgt. Der sie dann, als sie sich von ihm trennen will, umbringt, wobei ihm sein Freund hilft. Der Mörder entzieht sich der Justiz durch Selbstmord, nicht ohne seinen besten Freund vorher mit zu belasten.

Und dieser sitzt nun seit langen Jahren im Gefängnis ohne Aussicht, jemals wieder auf freien Fuß zu kommen. Doch es gab von Beginn an Stimmen, die meinten, beide Männer seien unschuldig. Von Beginn an setzen sich sowohl die Schwester des Verurteilten wie auch eine junge Anwältin, die sich bereits einen Namen gemacht hat, ebenso selbstlos wie erfolglos für ihn ein.

Alles kommt erst ins Rollen, als der hauptsächliche Protagonist des Romans, der Romanautor Marcus Goldman in den Fall einsteigt, hinzugezogen durch seinen Freund, Sergeant Perry Gahalowood, der ihn bei seinen Recherchen zu einem früheren Fall, dem des Harry Quebert, kennen und schätzen gelernt hat. Nun hat er einen neuen Hinweis erhalten, der die Sachlage in einem anderen Licht erscheinen lässt.

Ein spannender Roman, bei dem ständig neue Umstände und Fakten ins Spiel kommen, so dass nichts so ist, wie es zunächst zu sein schien. Gahalowood und Goldman gehen noch den ein oder anderen Irrweg, bevor sie auf die wahren Umstände und Entwicklungen kommen. Für mich manchmal einen Hauch zu langatmig und zu umständlich, obwohl hier tatsächlich jede kleinste Entwicklung einen wichtigen Schritt darstellt. Weswegen ich das Buch trotz ein paar Längen ausgesprochen gerne gelesen habe!

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Veröffentlicht am 09.07.2023

Ein (Bilder)Buch zum Eintauchen

Die Neapolitanische Saga 1: Meine geniale Freundin
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und stundenlangem Drin-Schmökern-Schauen-und-Schwärmen.

Denn dies ist ein Buch, von dem ich nicht genug bekommen kann! Und das, obwohl diese Graphic Novel auf einem schon sehr bekannt Buch - ...

und stundenlangem Drin-Schmökern-Schauen-und-Schwärmen.

Denn dies ist ein Buch, von dem ich nicht genug bekommen kann! Und das, obwohl diese Graphic Novel auf einem schon sehr bekannt Buch - und das (fast) weltweit - basiert!

Dennoch gibt es hier sehr viel Neues zu entdecken in der Geschichte der beiden Freundinnen Lila und Elena, die sich als Kinder in einem recht einfachen Viertel in Neapel kennenlernen und trotz unterschiedlicher Wege in die Erwachsenenwelt einander verbunden bleiben, bis die eine auf einmal nicht mehr zu erreichen, bzw. zu fassen ist.

Mehr möchte ich zum Inhaltlichen nicht sagen, das den meisten Interessent*innen bereits bekannt sein sollte und für die weiteren eine Überraschung bleiben sollte, deshalb jetzt zu dieser wundervollen Ausgabe, die die Lesenden in eine ganz eigene Welt entführt, welche durch die Bilder entsteht. Ich jedenfalls bin richtiggehend hinein geglitten und sehe die ganze Geschichte jetzt nochmal in einem ganz anderen Licht! Sehr zu empfehlen und zwar nicht nur für Ferrante-Fans!

Veröffentlicht am 08.07.2023

Drei Generationen - drei Schicksale

Das Licht zwischen den Schatten
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... die sich über ingesamt 70 Jahre erstrecken und zwar von 1919 bis 1989 und sich nicht nur in Deutschland, sondern auch in einigen anderen Ländern abspielen - wobei Deutschland ja über die ...

... die sich über ingesamt 70 Jahre erstrecken und zwar von 1919 bis 1989 und sich nicht nur in Deutschland, sondern auch in einigen anderen Ländern abspielen - wobei Deutschland ja über die meiste im Roman beschriebene Zeit ja auch geteilt ist.

Konrad, Brigitte und André: eine Familie oder doch keine? Nun, es geht sehr lebhaft zu in diesem überaus handlungsreichen, sich über weit mehr als 800 Seiten erstreckenden Roman, der viele spannende und keineswegs nur rosige Aspekte der deutsch-deutschen Geschichte behandelt.

Allerdings wäre hier aus meiner Sicht weniger deutlich mehr gewesen, denn die Handlung quillt quasi über vor Klischees. Spionage, das Vergehen des Nationalsozialismus sowohl an Juden als auch an kranken Menschen, die RAF, die strenge Sportschulung der DDR und noch einiges mehr wird hier ausgebreitet, wodurch die Handlung aus meiner Sicht viel zu sehr ins Klischeehafte, Plakative abrückt.

Unter dieser reichhaltigen Handlung leidet stellenweise die Beschreibung der Personen - zahlreiche Akteure werden leider nicht so recht zum Leben erweckt, haben nur wenige individuelle Züge und wenig Wiedererkennungswert, der hier doch eine sehr große Rolle spielt.

Die Lektüre lohnt sich zwar durchaus, ich kann Ihnen aber nicht versprechen, dass Sie sich überhaupt nicht ärgern werden!