Profilbild von TochterAlice

TochterAlice

Lesejury Star
offline

TochterAlice ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit TochterAlice über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.01.2023

Kochen für Kinder und ihre Eltern

Kochen mit den Glubschis
0

Denn ohne funktioniert es nicht - es ist definitiv kein Buch, mithilfe dessen Kinder selbständig Speisen zubereiten können. Dazu ist die Erläuterung der Rezepte viel zu "erwachsen".

Wobei sie durchaus ...

Denn ohne funktioniert es nicht - es ist definitiv kein Buch, mithilfe dessen Kinder selbständig Speisen zubereiten können. Dazu ist die Erläuterung der Rezepte viel zu "erwachsen".

Wobei sie durchaus kindgerecht sortiert sind in Kategorien wie Meer oder Dschungel und im Meer tummeln sich nicht nur Fische, sondern auch Flamingo-Donuts und Oktopus-Cakepops. Eine etwas merkwürdige Art von Kindlicher Logik.

Diese Glubschis finde ich recht unästhetisch und auch nicht unbedingt gesund als Spielzeug. Bei den Rezepten hingegen tummelt sich Gesundes wie auch Ungesundes. Wie das manchmal so sit. Ein Buch, das ich nicht so recht verstehe. Allerdings gehöre ich auch nicht in die Zielgruppe.

Veröffentlicht am 22.01.2023

Reformpädagogik in der Praxis

Die Kinder von Schönbrunn (Die Schönbrunn-Saga 2)
0

1924: Greta führt ein durchaus erfülltes, wenn auch häufig trauriges Leben, denn ihr Mann Gustav wird nach dem Großen Krieg immer noch vermisst, was quasi gleichbedeutend ist mit gefallen. Greta, ...

1924: Greta führt ein durchaus erfülltes, wenn auch häufig trauriges Leben, denn ihr Mann Gustav wird nach dem Großen Krieg immer noch vermisst, was quasi gleichbedeutend ist mit gefallen. Greta, die mit Schwester Emma und Schwager Julius auf engem Raum zusammenlebt, erzieht ihre Tochter Gisi, mittlerweile im Vorschulalter und sieht keine Notwendigkeit, ihr Leben zu ändern, auch wenn Emma und Julius, die beide als Tierärzte tätig sind,

Hier steht neben der Romanhandlung um die Schwestern Greta und Emma Winter diesmal die Reformpädagogik der frühen Jahre im Vordergrund. Ein Thema, das mich sehr fasziniert, haben doch Geschichte und Berufspädagogik in meinem eigenen Arbeitsleben bzw. in der Ausbildung immer wieder eine Rolle gespielt.

Durch Zufall stößt Greta auf einen reformpädagogischen Ausbildungsgang, der so tatsächlich damals stattfand. Sehr gut gefällt mir die Darstellung der Diskrepanz zwischen den vermittelten Inhalten und dem Umgang mit den Zöglingen in den Kinderheimen.

Ein faszinierender Roman über Menschen im Wien in den 1920er Jahren - die Autorin hat verstanden, sowohl historische Fakten als auch die Atmosphäre dieser Zeit zu vermitteln, was ich sehr zu schätzen wusste, zumal mich auch Gretas Geschichte gepackt hat. Ein wenig wurde das durch die Sprache, die - so fand - desöfteren aktuelle Redewendungen, Ausdrücke und Wörter beinhaltete, deren Gebrauch ich mir Jahre vor der Eskalation der Weltwirtschaftskrise (allem voran "macht Sinn", das gefühlt in jede zweite Redewendung einfließt) nur schwerlich vorstellen kann, geschmälert. Außerdem folgt die Autorin dem Schema des ersten Bandes, indem Greta durch die Aufnahme ihrer Ausbildung und Berufstätigkeit einen Verehrer findet - das hätte so direkt aus meiner Sicht nicht wiederholt werden müssen. Aber das stört andere Leser möglicherweise weniger als mich und auch ich habe den Roman dennoch gern gelesen!

Veröffentlicht am 18.01.2023

Von der Schuld

Feldpost
0

Ich liebe die Romane von Mechthild Borrmann, auch wenn sie mir jedes Mal das Herz schwer werden lassen und eigentlich immer ein trauriges Ende haben - zumindest für die meisten Protagonisten.

Denn ...

Ich liebe die Romane von Mechthild Borrmann, auch wenn sie mir jedes Mal das Herz schwer werden lassen und eigentlich immer ein trauriges Ende haben - zumindest für die meisten Protagonisten.

Denn die Autorin schreibt immer über Ungerechtigkeiten in schweren Zeiten, also in solchen, in denen sie noch schwerer wiegen. Meistens - wie auch diesmal - spielt die Handlung in oder um den Zweiten Weltkrieg.

Diesmal geht es um zwei befreundete Familien, jeweils Eltern mit Sohn und Tochter, deren Lebenswege sich mit Beginn der Naziherrschaft trennen: während der eine Vater nichts Eiligeres zu tun hat, als der NSDAP beizutreten, macht der andere keinen Hehl daraus, was er von Hitler so hält: nämlich überhaupt nichts.

Die Jungs und die Mädels sind jeweils untereinander befreundet, wenn auch auf völlig unterschiedliche Art und Weise.

Hier geht es um Treue - bzw. nicht vorhandene Treue - und um die Schuld der ersten Familie: sie nutzt die missliche Situation der anderen aus und das zunächst nicht unbedingt vorsätzlich.

Dass man aber auch Schuld auf sich laden kann, wenn man eigentlich Gutes bezweckt, diese schmerzliche Erfahrung muss ein Mitglied der zweiten Familie machen.

Ein Buch, das weh tut, das aber auch sehr, sehr wichtig ist, finde ich. Gerade in der unsicheren Lage, in der wir uns gerade befinden.

Veröffentlicht am 16.01.2023

Witz, komm raus, du bist umzingelt

Shorty
0

Wahrscheinlich klinge ich nach einer ollen Spielverderberin, wenn ich behaupte, dass dieser Spaß mißglückt ist, aber das betrifft nur meine ureigene Perspektive. Ich empfand diesen Roman weder ...

Wahrscheinlich klinge ich nach einer ollen Spielverderberin, wenn ich behaupte, dass dieser Spaß mißglückt ist, aber das betrifft nur meine ureigene Perspektive. Ich empfand diesen Roman weder als lustig noch unterhaltsam - im Gegenteil, ich habe mich ziemlich gelangweilt. Shorty ist ein ganz netter Typ, aber weder die Gesellige Runde, die sein soziales Umfeld darstellt (und die im Übrigen eine reine Herrenrunde ist) noch das Paralleluniversum, das seine Dienste benötigt, konnten mich vom Hocker reißen.

Irgendwie komme ich mir vor wie bei "Stromberg" - dabei haben sich außer mir auch alle amüsiert, ich fand es aber unsäglich. Hier genauso: und zwar langweilt es mich nicht nur, sondern ich fühle mich richtiggehend unwohl in dieser sehr männlich dominierten Welt des Shorty. Oder sollte ich sagen: in den Welten?

Wie auch immer, ich konnte diesem Werk so gar nichts abgewinnen und kann es daher auch nicht weiterempfehlen. Nein, ganz und gar nicht!

Veröffentlicht am 15.01.2023

Nach dem Krieg

Hanne. Die Leute gucken schon
0

Autorin Felicitas Fuchs - in Wahrheit ist sie eine andere - schreibt wieder über ihre Großmutter Minna,, die inzwischen an ihren Heimatort Minden zurückgekehrt und alleinerziehende Mutter von Hanne ist, ...

Autorin Felicitas Fuchs - in Wahrheit ist sie eine andere - schreibt wieder über ihre Großmutter Minna,, die inzwischen an ihren Heimatort Minden zurückgekehrt und alleinerziehende Mutter von Hanne ist, Nach dem Zweiten Weltkrieg hat sie wieder einmal vieles verloren und sie und Hanne müssen kleine, zeitweise sogar winzige Brötchen backen, wobei sie beide von DER Krankheit der Nachkriegszeit, der Tuberkulose erwischt werden. Diese schreckliche Krankheit nimmt einen großen Raum im Roman ein, wofür ich der Autorin besonders dankbar bin, da auch meine Großmutter - nur wenige Jahre jünger als Minna - und Mutter - ihrerseits einige Jahre älter als Hanne - mit dieser Krankheit zu kämpfen hatten, aber kaum darüber sprachen. Erst durch diesen Roman verstehe ich in Gänze, wie sehr die Tuberkulose das ganze Familienleben - auch derer, die gesund blieben - beeinflusste.

Obwohl der Fokus dieses Bandes laut Titel auf Hanne liegt, nimmt Minna eine ebenso große Rolle ein und zum Ende hin spielt mehr und mehr noch eine dritte Person eine zunehmend größere Rolle - doch darüber sollten Sie selbst lesen, es lohnt sich jedes Wort.

Auch Hanne hat - ähnlich wie ihre Mutter in jungen Jahren - kein glückliches Leben, leider lässt ihres auch die zahlreichen glücklichen Momente, die Minna dem Schicksal immer wieder abtrotzte, vermissen. Dabei wird aber auch schnell deutlich, dass das zum Teil auch an ihrem Wesen liegt - schließlich ist man selbst seines Glückes Schmied - zumindest zum Teil.

Aus meiner Sicht ist dieser zweite Band von der Autorin stilistisch so weiterentwickelt worden, wie ich es mir schon beim ersten Band ihrer Mütter-Trilogie gewünscht hätte. Für meinen Geschmack gehen etwas zu viele Männer fremd und benehmen sich auch sonst voll daneben - eigentlich ist nur Minnas Bruder Karl ein wahrer Schatz, aber ich werde den Teufel tun und dafür Sterne abziehen, denn so weit, dass wir beim Autor bestellen dürfen, was wir lesen wollen, sollte es nun wirklich nie kommen!,

Dieser ausgesprochen gelungene Roman ist ungeheuer spannend zu lesen und empfehlenswert für Rezipienten, die sich für Lebenswege "normaler" Menschen interessieren! Allerdings sollte man sich darauf einstellen, dass es zeitweise richtig heftig wird - bspw. bei der Darstellung des Umgangs mit Sinti und Roma in Auschwitz. Ich habe wirklich schon viel zu diesem Thema gelesen, aber hier schlotterten mir nicht nur die Knie - Hut ab vor Felicitas Fuchs, die sich ebenso mutig wie eindringlich der ganz, ganz dunklen Flecken der deutschen Geschichte annimmt.