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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.01.2023

Von der Schuld

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Ich liebe die Romane von Mechthild Borrmann, auch wenn sie mir jedes Mal das Herz schwer werden lassen und eigentlich immer ein trauriges Ende haben - zumindest für die meisten Protagonisten.

Denn ...

Ich liebe die Romane von Mechthild Borrmann, auch wenn sie mir jedes Mal das Herz schwer werden lassen und eigentlich immer ein trauriges Ende haben - zumindest für die meisten Protagonisten.

Denn die Autorin schreibt immer über Ungerechtigkeiten in schweren Zeiten, also in solchen, in denen sie noch schwerer wiegen. Meistens - wie auch diesmal - spielt die Handlung in oder um den Zweiten Weltkrieg.

Diesmal geht es um zwei befreundete Familien, jeweils Eltern mit Sohn und Tochter, deren Lebenswege sich mit Beginn der Naziherrschaft trennen: während der eine Vater nichts Eiligeres zu tun hat, als der NSDAP beizutreten, macht der andere keinen Hehl daraus, was er von Hitler so hält: nämlich überhaupt nichts.

Die Jungs und die Mädels sind jeweils untereinander befreundet, wenn auch auf völlig unterschiedliche Art und Weise.

Hier geht es um Treue - bzw. nicht vorhandene Treue - und um die Schuld der ersten Familie: sie nutzt die missliche Situation der anderen aus und das zunächst nicht unbedingt vorsätzlich.

Dass man aber auch Schuld auf sich laden kann, wenn man eigentlich Gutes bezweckt, diese schmerzliche Erfahrung muss ein Mitglied der zweiten Familie machen.

Ein Buch, das weh tut, das aber auch sehr, sehr wichtig ist, finde ich. Gerade in der unsicheren Lage, in der wir uns gerade befinden.

Veröffentlicht am 16.01.2023

Witz, komm raus, du bist umzingelt

Shorty
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Wahrscheinlich klinge ich nach einer ollen Spielverderberin, wenn ich behaupte, dass dieser Spaß mißglückt ist, aber das betrifft nur meine ureigene Perspektive. Ich empfand diesen Roman weder ...

Wahrscheinlich klinge ich nach einer ollen Spielverderberin, wenn ich behaupte, dass dieser Spaß mißglückt ist, aber das betrifft nur meine ureigene Perspektive. Ich empfand diesen Roman weder als lustig noch unterhaltsam - im Gegenteil, ich habe mich ziemlich gelangweilt. Shorty ist ein ganz netter Typ, aber weder die Gesellige Runde, die sein soziales Umfeld darstellt (und die im Übrigen eine reine Herrenrunde ist) noch das Paralleluniversum, das seine Dienste benötigt, konnten mich vom Hocker reißen.

Irgendwie komme ich mir vor wie bei "Stromberg" - dabei haben sich außer mir auch alle amüsiert, ich fand es aber unsäglich. Hier genauso: und zwar langweilt es mich nicht nur, sondern ich fühle mich richtiggehend unwohl in dieser sehr männlich dominierten Welt des Shorty. Oder sollte ich sagen: in den Welten?

Wie auch immer, ich konnte diesem Werk so gar nichts abgewinnen und kann es daher auch nicht weiterempfehlen. Nein, ganz und gar nicht!

Veröffentlicht am 15.01.2023

Nach dem Krieg

Hanne. Die Leute gucken schon
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Autorin Felicitas Fuchs - in Wahrheit ist sie eine andere - schreibt wieder über ihre Großmutter Minna,, die inzwischen an ihren Heimatort Minden zurückgekehrt und alleinerziehende Mutter von Hanne ist, ...

Autorin Felicitas Fuchs - in Wahrheit ist sie eine andere - schreibt wieder über ihre Großmutter Minna,, die inzwischen an ihren Heimatort Minden zurückgekehrt und alleinerziehende Mutter von Hanne ist, Nach dem Zweiten Weltkrieg hat sie wieder einmal vieles verloren und sie und Hanne müssen kleine, zeitweise sogar winzige Brötchen backen, wobei sie beide von DER Krankheit der Nachkriegszeit, der Tuberkulose erwischt werden. Diese schreckliche Krankheit nimmt einen großen Raum im Roman ein, wofür ich der Autorin besonders dankbar bin, da auch meine Großmutter - nur wenige Jahre jünger als Minna - und Mutter - ihrerseits einige Jahre älter als Hanne - mit dieser Krankheit zu kämpfen hatten, aber kaum darüber sprachen. Erst durch diesen Roman verstehe ich in Gänze, wie sehr die Tuberkulose das ganze Familienleben - auch derer, die gesund blieben - beeinflusste.

Obwohl der Fokus dieses Bandes laut Titel auf Hanne liegt, nimmt Minna eine ebenso große Rolle ein und zum Ende hin spielt mehr und mehr noch eine dritte Person eine zunehmend größere Rolle - doch darüber sollten Sie selbst lesen, es lohnt sich jedes Wort.

Auch Hanne hat - ähnlich wie ihre Mutter in jungen Jahren - kein glückliches Leben, leider lässt ihres auch die zahlreichen glücklichen Momente, die Minna dem Schicksal immer wieder abtrotzte, vermissen. Dabei wird aber auch schnell deutlich, dass das zum Teil auch an ihrem Wesen liegt - schließlich ist man selbst seines Glückes Schmied - zumindest zum Teil.

Aus meiner Sicht ist dieser zweite Band von der Autorin stilistisch so weiterentwickelt worden, wie ich es mir schon beim ersten Band ihrer Mütter-Trilogie gewünscht hätte. Für meinen Geschmack gehen etwas zu viele Männer fremd und benehmen sich auch sonst voll daneben - eigentlich ist nur Minnas Bruder Karl ein wahrer Schatz, aber ich werde den Teufel tun und dafür Sterne abziehen, denn so weit, dass wir beim Autor bestellen dürfen, was wir lesen wollen, sollte es nun wirklich nie kommen!,

Dieser ausgesprochen gelungene Roman ist ungeheuer spannend zu lesen und empfehlenswert für Rezipienten, die sich für Lebenswege "normaler" Menschen interessieren! Allerdings sollte man sich darauf einstellen, dass es zeitweise richtig heftig wird - bspw. bei der Darstellung des Umgangs mit Sinti und Roma in Auschwitz. Ich habe wirklich schon viel zu diesem Thema gelesen, aber hier schlotterten mir nicht nur die Knie - Hut ab vor Felicitas Fuchs, die sich ebenso mutig wie eindringlich der ganz, ganz dunklen Flecken der deutschen Geschichte annimmt.

Veröffentlicht am 07.01.2023

Starke Frauen gab es schon vor langer Zeit

Die Tochter der Hungergräfin
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Möglicherweise - und das hoffe ich - sogar immer schon. Ein gutes Beispiel dafür ist die Gräfin Louise Juliane von Sayn und Wittgenstein, die man im 17. Jahrhundert mehrfach nach dem Tode ihres ...

Möglicherweise - und das hoffe ich - sogar immer schon. Ein gutes Beispiel dafür ist die Gräfin Louise Juliane von Sayn und Wittgenstein, die man im 17. Jahrhundert mehrfach nach dem Tode ihres Mannes und ihres Sohnes ihres Landbesitzes und damit der Grafenwürde berauben wollte - das ließ sie aber nicht mit sich machen! Natürlich war das längst nicht so einfach möglich wie heutzutage (was oft immer noch schwer genug ist) - man kam nicht weit, ohne dass man Allianzen mit Männern schmiedete.

Doch wem konnte man trauen, wer nahm sie, die Frau als Herrscherin ernst? Wir erfahren die Geschichte aus der Perspektive ihrer älteren Tochter Ernestine, die oft genug unter ihrer Mutter leidet, sie aber andererseits auch in ihrem Willen, das Land für beide Töchter zu bewahren, achtet und wertschätzt. Es ist also, wie so oft, kein einfaches Mutter-Tochter-Verhältnis - und dazu ein ausgesprochen ungewöhnliches.

Ich lese selten gerne historische Romane, deren Handlung viele Jahrhundert zurück liegt, sondern fokussiere mich vor allem auf das 20. Jahrhundert. Allenfalls rutscht mir mal ein Roman über das ausgehende 19. Jahrhundert dazwischen.

An dieses Buch geriet ich eher aus Versehen und konnte es nicht aus der Hand legen. Autorin Annette Spratte schreibt fesselnd und informativ; man kann sich richtiggehend in die Figuren hineinversetzen. Ausgesprochen empfehlenswert, dieser Roman!

Veröffentlicht am 05.01.2023

Ein kleines Eifeldorf im Wandel der Zeiten

Ginsterhöhe
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"Ginsterhöhe" spielt im kleinen Eifeldorf Wollseifen in der Nähe von Schleiden, das es inzwischen nicht mehr gibt - nach dem zweiten Weltkrieg fiel es dem historischen Wandel zum Opfer.

Wir Leser lernen ...

"Ginsterhöhe" spielt im kleinen Eifeldorf Wollseifen in der Nähe von Schleiden, das es inzwischen nicht mehr gibt - nach dem zweiten Weltkrieg fiel es dem historischen Wandel zum Opfer.

Wir Leser lernen es allerdings unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg, dem Großen Krieg kennen, als Albert Linnemann, eine der Hauptfiguren, mit zerstörtem Gesicht nach Hause zurückkehrt und von manchen Dorfbewohner deswegen verspottet wird. Seine Frau Bertha wendet sich ab und lässt ihn deutlich spüren, dass ihr vor ihm graust.

Dennoch - Albert tut alles, um sich wieder in den Dorfalltag einzufinden. Dabei helfen ihm der Wirt Emilio, der Dorflehrer, Leni, die Braut seines gefallenen Freundes Hennes und nicht zuletzt sein kleiner Sohn Karl, der sich blitzschnell an das neue Aussehen des Vaters gewöhnt.

Gemeinsam mit den Dorfbewohnern erleben die Leser die Zwischenkriegszeit, in der dem landwirtschaftlich geprägten Dorf ein leichter Aufwärtstrend beschert wird - doch der Nationalsozialismus gewinnt auch hier an Einfluss.

Leider so sehr, dass es gerade in den ersten Jahren der nationalsozialistischen Herrschaft bereits zu einem wichtigen Standort wird und während des Krieges als Basis für das Militär dient.

Insgesamt hat mir der Roman, dessen Handlung an reale Entwicklungen angelehnt ist, gut gefallen. Ich habe neue Erkenntnisse in Bezug auf historische Entwicklungen in meiner näheren Umgebung gewonnen und durfte einen historischen Roman ganz ohne Kitsch und Tand genießen.