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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.04.2022

Mehr hist. Roman denn Krimi

Schatten im Silsersee
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Dieses Buch ist als Krimi gelistet, doch der Krimianteil ist recht gering, daher nenne ich es einen historischen Roman, der vom Leben des Malers Giovanni Segantini (1858-1899) handelt. Segantini gilt als ...

Dieses Buch ist als Krimi gelistet, doch der Krimianteil ist recht gering, daher nenne ich es einen historischen Roman, der vom Leben des Malers Giovanni Segantini (1858-1899) handelt. Segantini gilt als Lichtkünstler und als herausragender Maler der Alpenlandschaften.

Die Autorin lässt ihre Geschichte zwischen März und November 1894, spielen. Der Maler lebt mit seiner Familie in den Schweizer Alpen, genauer im idyllischen Maloja, und malt seine impressionistischen Bilder. Allerdings ist er nicht wirklich beliebt, weil er mit der Mutter seiner vier Kinder nicht verheiratet ist und der Kirche abgeschworen hat. Dass er mit Luigia Bugatti, die er Bice nennt, nicht verheiratet ist, ist der Intrige seiner Halbschwester Ingrid geschuldet, die ihm das Bürgerrecht (also die Staatsbürgerschaft) aberkennen hat lassen. Das Bemühen um das österreichische oder das italienische Heimatrecht will Segantini nicht auf sich nehmen, fürchtet er doch den Militärdienst. Zeitlebens wird Segantini als staatenloser Künstler scheel angesehen werden. Seine Bilder erregen Aufsehen, vor allem auch deswegen, weil er im Stil der Impressionisten malt. Er bringt das Bauernleben, Frauen und die wunderschöne Landschaft der Schweizer Berge auf die Leinwand.

Als Emilio Vito, der Nachbar, ermordet wird, fällt der Verdacht sofort auf den Fremden, auf den Künstler, der so ganz anders lebt, als die Einheimischen. Nur mit Mühe gelingt es, sich von diesem Verdacht zu befreien.

Giovanni hat hochfliegende Pläne. Er will zur Weltausstellung in Paris im Jahr 1900 ein überdimensionales Triptychon erschaffen, das zugleich Werbung für die Schweizer Berge sein soll, und sucht dafür Geldgeber. Niemand will ihm für Geld geben, da die Touristen ohnehin die Schweizer Alpen besuchen kommen.

Meine Meinung:

Wie schon eingangs erwähnt, ist dieses Buch kein Krimi im herkömmlichen Sinn von Tat, Ermittlung und Verhaftung des Täters. Die Episode rund um den Mord an Emilio Vito entspringt der Fantasie der Autorin. Der Roman könnte meiner Ansicht auch ohne diese Bluttat seine Leser finden. Er ist eine gelungene Milieustudie, die das „wir und die anderen“ sehr deutlich macht. Die eingeschworenen Einheimischen, die Fremde eher nur als zahlende Kurzzeitgäste, denn als dauernd hier Lebende wollen. Das ist gut gelungen. Die Stimmung passt zu den Gemälden.

Die Charaktere sind unterschiedlich gut gestaltet. Segantini ist als Künstler und Mensch ambivalent. Einerseits der sensible Maler, der nach wie vor an seiner Herkunft leidet und andererseits der höchst unsensible Mann, wenn es darum geht mit seiner Lebensgefährtin, die alles für ihn aufgegeben hat, zu leben. Wann immer Geld durch den Verkauf eines Bildes hereinkommt, wirft Segantini Selbiges zum Fenster hinaus, während Bice nicht weiß, wie sie Lebensmittel und/oder Miete zahlen soll. Daneben hat Bice auch Grund eifersüchtig auf Giovanni zu sein, denn er malt nunmehr ausschließlich die Magd Baba oder die faszinierende Oriana.

Fazit:

Mehr historischer Roman als Krimi, weshalb das Buch nur 3 Sterne erhält.

Veröffentlicht am 21.04.2022

Eine gelungene Fortsetzung

Bretonisch mit Herz
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„Die ganze Welt ist eine Bühne, und alle Menschen sind nur Spieler.« (S.197)

Buchhändlerin und Neo-Bretonin Tereza Berger hat, um den Umsatz ihrer Buchhandlung ein wenig anzukurbeln, ein „Shakespeare-Festival“ ...

„Die ganze Welt ist eine Bühne, und alle Menschen sind nur Spieler.« (S.197)

Buchhändlerin und Neo-Bretonin Tereza Berger hat, um den Umsatz ihrer Buchhandlung ein wenig anzukurbeln, ein „Shakespeare-Festival“ ins Leben gerufen. Damit dann auch viele Gäste kommen, sind zwei Shakespeare-Experten zum „Kampf der Titanen“ eingeladen, um zu den Gerüchten, der „Sommernachtstraum“ sei in der Bretagne entstanden, Stellung zu nehmen.

Gleichzeitig versucht ein ihr Unbekannter das Eigentumsrecht an der „Villa Wunderblau“ streitig zu machen. Bei der fieberhaften Suche nach Unterlagen, die ihren rechtmäßigen Besitz an der Villa untermauern sollen, stößt Tereza auf ein Tagebuch ihrer Wahltante Annie sowie auf Fragmente eines Manuskriptes, das möglicherweise zur Aufklärung der Sommernachtstraum-Entstehung beitragen könnte. Doch leider ist auch der ominöse Kapuzenmann, der Tereza, schon seit ihrer Ankunft tyrannisiert, an diesem Schriftstück interessiert.

Als ob das noch nicht genug des Chaos wäre, treffen auch noch Terezas Ex-Mann mit der neuen Flamme, ihre eigenen Kinder samt Enkeln ein und bringen den ohnehin schon schwierigen Haushalt in der Villa durcheinander.

In einem dramatischen Showdown wird dann der Kapuzenmann gestellt, der über Jahre hinweg zahlreiche Menschen betrogen und getäuscht hat sowie selbst vor Morden nicht zurückgeschreckt ist.

Meine Meinung:

Gabriela Kasperski hat mit dieser Trilogie eine turbulente Krimi-Reihe geschrieben, die dem Vernehmen nach weitergeführt werden soll. Ob es dann eine Zukunft von Tereza mit Gabriel Mahon, dem schweigsamen schottischen Bretonen geben wird? Die eine oder andere zarte Andeutung gibt es ja.

Über die Dialoge der beiden habe ich mich so richtig amüsiert, wenn sie sich abwechselnd Siezen und wenig später Duzen bzw. umgekehrt. Mahon ist ein Mann, der seine Gefühle nicht auf der Zunge trägt. Anders da schon Terezas Ex-Mann Giorgio, der laut und oberflächlich erscheint. Seit einiger Zeit von Tereza geschieden, abermals verheiratet und mit einer neuen Flamme auf Besuch in Camaret-sur-Mer, versucht er wieder in Terezas Leben einzudringen. Ein echtes Ekelpaket! Man kann nur hoffen, dass sie standhaft bleibt und ihn nicht mehr in ihr Leben lässt.

Gut gefällt mir, wie die Sagen der Bretonen in die Geschichte eingewoben sind. Die Suche nach bislang unbekannten Shakespeare-Stücken ist eine schier endlose Geschichte. Nachdem vom Dichter wenig eigenhändiges Schriftgut vorhanden ist, bieten sich da gute Gelegenheiten zu spekulieren. Schmunzeln muss ich auch über die Möglichkeit, dass eine Gruppe von Frauen seine ihm zugeschriebenen Werke verfasst haben könnte. Wie heißt es im Lotto? Alles ist möglich!

Der Schreibstil ist locker und leicht. Hin und wieder darf die gebürtige Schweizerin Tereza Ausdrücke ihrer Heimat verwenden.

Man kann die drei Krimis auch unabhängig voneinander lesen, brächte sich aber um amüsante Lesestunden, daher mit Fall eins („Bretonisch mit Meerblick“) beginnen. Schauen wir einmal, ob uns Frau Autorin eine Fortsetzung schenkt.

Fazit:

Ein gelungener dritter Teil, dem ich gerne 5 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 21.04.2022

Entschleunigen durch gehmütliche Wanderungen

Gehmütliche Steiermark
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In diesem dritten Teil des Wanderführers „Steiermark“ entführen und die Autoren Anni und Alois Pötz, diesmal unterstützt von Johann Dormann in die Mitte der Steiermark, die ebenfalls Interessantes zu bieten ...

In diesem dritten Teil des Wanderführers „Steiermark“ entführen und die Autoren Anni und Alois Pötz, diesmal unterstützt von Johann Dormann in die Mitte der Steiermark, die ebenfalls Interessantes zu bieten hat.
Wir begeben uns auf vierzig Genusswanderungen und entdecken Kleinode abseits der touristisch Trampelpfande:

Das Joglland - auf den Spuren von Kaiser Karl I.
zur Obstblüte nach Pöllau und ins Apfelland
besichtigen romantische Schlösser und Klöster
Flanieren durch das UNESCO-Weltkulturerbe Graz
Ergötzen uns am Panoramablick mancher Almen
Staunen über die Hängenden Gärten der Sulamith in St. Kathrein
Applaudieren in Österreichs einzigartigem Theaterdorf
Lassen Friedensreich Hundertwassers krumme Linien auf uns wirken
Schauen den eleganten, weltberühmten Lipizzanern zu

Jede dieser Wanderungen wird gut beschrieben. Details zu Schwierigkeitsgrad, Länge, Gezeit sowie Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ergänzen den Kartenausschnitt. Natürlich dürfen kulinarische Tipps und interessante Informationen zu Land und Leuten nicht fehlen.

Fazit:

Auf diesen 40 Wanderungen warten zahlreiche, vielleicht bislang unbekannte, Kleinode der Steiermark darauf, von uns entdeckt zu werden. Von mir gibt es dafür 5 Sterne.

Veröffentlicht am 15.04.2022

Hat mich nicht vollends überzeugt

Gala und Dalí – Die Unzertrennlichen
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Wer den Namen Salvador Dalí (1904-1989) hört, denkt meistens an den exzentrischen Maler mit dem gezwirbelten Schnurrbart. Seine extravagante Garderobe und seine Auftritte mit einem Gehstock erinnern entfernt ...

Wer den Namen Salvador Dalí (1904-1989) hört, denkt meistens an den exzentrischen Maler mit dem gezwirbelten Schnurrbart. Seine extravagante Garderobe und seine Auftritte mit einem Gehstock erinnern entfernt an einen Matador.

Doch von diesem Image ist der begabte Maler noch weit entfernt als er 1929 auf Paul Éluard und seine russischstämmige Frau Gala trifft. Die beiden sind auf Einladung von René Magritte, einem befreundeten Galeristen, nach Cadaqués, einem kleinen Fischerort in Katalonien gekommen, um erstens hier den Sommer zu verbringen, und zweitens will Éluard seine Schreibblockade überwinden.

Dalí verliebt sich Hals über Kopf in die zehn Jahre ältere Gala, die zwar mit ihm flirtet, aber mit ihrem Mann und ihre Tochter wieder nach Paris zurückgeht. Erst quasi im zweiten Anlauf verlässt Gala Mann und Tochter und lebt mit Dalí zusammen.

In Paris nützt Gala ihre Kontakte und tatsächlich gelingt es, einige Werke zu verkaufen. Doch Salvador braucht seine katalonische Heimat zum Malen und deshalb kehrt man zurück. Es kommt zum Bruch mit dem Vater, der mit Gala nicht einverstanden ist.

"Mit Salvador verband Gala eine Liebe, die sie für immer aneinanderbinden würde und die so intensiv, so wechselwirksam war, dass niemand mehr dazustoßen konnte…"

Meine Meinung:

Das Autoren-Duo, das sich hinter dem Namen Silvia Frank versteht, beschreibt die Liebesbeziehung von Salvador und Gala, die mehr als 50 Jahre dauern sollte, den Lesern in drei Teilen näher.
Allerdings umspannt dieses Buch nur die Jahre von 1929-1931. Wirklich tief kann man in die Persönlichkeit des Künstlers nicht eintauchen. Zu Beginn erfahren wir zwar ein wenig über das gespannte Verhältnis zu seinem Vater und der früh verstorbenen Mutter. Dalí muss seinen Eltern den ersten Sohn gleichen Namens, der im Alter von zwei Jahren gestorben ist, ersetzen. Da sie ihren Erstgeborenen nicht aufwachsen haben sehen, stellen sie ihn auf ein Podest von Erwartungen, die Salvador nicht erfüllen kann. Also rebelliert er.

Ich habe vor Kurzem die Ausstellung „Dalí und Freud“ im Wiener Belvedere gesehen und habe gehofft, durch dieses Buchergänzende Informationen zum Maler zu erhalten. Teilweise ist es gut gelungen.

Allerdings ist der Beginn ein wenig langatmig. Die detailreiche Beschreibung des Ehelebens von Gala und Paul oder der Spaziergang mit dem abgebrochenen Absatz, das war mir ein wenig zu viel. Auch wer mit wem in welcher Sitzreihe im Autobus gesessen hat, ist wenig relevant.


Wie die Autoren im Nachwort berichten, ist die Faktenlage zu Dalís frühen Leben dünn. Vieles wird nur von Dritten über den Künstler berichtet.

Fazit:

Wer gerne biografische Romane von Künstlern liest, auch wenn sie nur wenige Jahre eines Lebens umfassen, ist hier richtig. Von mir gibt es drei Sterne.

Veröffentlicht am 14.04.2022

Fesselnd bis zur letzten Seite

Eine verdächtig wahre Geschichte
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Viele Menschen träumen davon ein Buch bzw. einen Bestseller zu schreiben. Doch der Weg in die Bücherregale der Leser ist steinig. Einer dieser Felsblöcke ist die Manuskriptabteilung eines Verlages. Und ...

Viele Menschen träumen davon ein Buch bzw. einen Bestseller zu schreiben. Doch der Weg in die Bücherregale der Leser ist steinig. Einer dieser Felsblöcke ist die Manuskriptabteilung eines Verlages. Und genau eine solche steht im Mittelpunkt dieses Krimis.

Star-Lektorin Violaine Lepages Aufgabe ist es, unter den Hunderten, manchmal Tausenden eingesandten Manuskripten, den Knüller herauszufinden. Dazu gibt es das System der Benotung der Werke mittels Symbolen. Quadrate werden sofort abgelehnt, Halbmonde könnten vielleicht interessant sein und die wenigstens Manuskripte erhalten die begehrte „Sonne“, jenes Attribut, das eine Veröffentlichung rechtfertigt.

Nun hat Violaine eine solche Sonne, nämlich „Die Zuckerblumen“, die noch dazu für den Prix Goncourt nominiert wird, doch der Autor ist wie ein Phantom. Er ist völlig unbekannt und tritt nicht in Erscheinung. Vertrag oder Änderungen im Werk - alles nur per Post oder eMail. Wenn der Autor oder - wie manche munkeln - die Autorin nicht bald auftaucht, ist Violaine ihren Job los. Dabei ist das nicht ihr einziges Problem. Violaine hat mit Müh und Not einen Flugzeugabsturz überlebt und leidet an Gedächtnisverlust.

Während der Verlag alles daran setzt den Autor zu finden, werden drei Männer genau wie in „Zuckerblumen“ beschrieben, ermordet. Das ruft wiederum die Kriminalpolizei auf den Plan und Violaine muss sich ihrer Vergangenheit stellen.

Meine Meinung:

Dieser Krimi hat mir sehr gut gefallen. Sprachlich auf hohem Niveau werden die Leser in die Welt eines Verlages eingeführt. Hier ist wenig Glamour zu spüren, eher harte Arbeit.

Die Figuren sind facettenreich ausgestaltet. Man kann mit Violaine am eigenen Verstand zweifeln und spürt die Verunsicherung, weil der Autor verschwunden ist. Interessant ist auch die Kommissarin, die mithilfe von KI, also Künstlicher Intelligenz, den oder die Mörder aufspüren will. Das klingt schon ziemlich gespenstisch. Doch auch als die Daktyloskopie in die Kriminalistik Eingang gefunden hat, fanden das die meisten auch absurd.

Geschickt werden nach und nach Details aus der Lebensgeschichte der Violaine enthüllt. Die Auflösung selbst ist ein wenig überraschend.

Fazit:

Dieser Krimi hat mich auf hohem Niveau sehr gut unterhalten. Daher gibt es von mir 5 Sterne und eine Leseempfehlung.