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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.05.2021

Eine gelungene Fortsetzung

Bretonisch mit Aussicht
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In diesem zweiten Krimi rund um die Schweizerin Tereza Berger, die in der Bretagne im Haus der verstorbenen Tante eine Buchhandlung betreibt, haben die aktuellen Ereignisse mit jenen aus dem Zweiten Weltkrieg ...

In diesem zweiten Krimi rund um die Schweizerin Tereza Berger, die in der Bretagne im Haus der verstorbenen Tante eine Buchhandlung betreibt, haben die aktuellen Ereignisse mit jenen aus dem Zweiten Weltkrieg zu tun.

Tereza stolpert, wie schon im ersten Band („Bretonisch mit Meerblick“) über eine Leiche und stochert neugierig im Leben des Toten sowie dessen Sohn herum, sehr zum Missfallen von Gabriel Mahon, dem schottischstämmigen Kriminalbeamten. Als dann noch kurz vor dem Auftritt einer bretonischen Sängerin und dem Nonnenchor mehrere Personen nach dem Genuss (?) einer Fischsuppe an einer Vergiftung leiden, zählt neben der verschwundenen Nonne Nominoë, Tereza zu den Hauptverdächtigen.

Erst mit der Hilfe von ihrer Freundin in der Schweiz kann Tereza den Verdacht entkräften. Doch, wer ist der wahre Täter?

Meine Meinung:

Der Autorin ist wieder ein spannender Krimi gelungen, der nicht nur durch die unkonventionelle Zusammensetzung des „Personals“ besticht, sondern durch die Beschreibung von Land und Leuten. Man kann das Rauschen des Atlantik hören und den Duft des Meeres riechen. Für Landratten wie mich, ein schönes Erlebnis.

Der Plot lässt die Leser mitraten und führt immer wieder mal in eine Sackgasse.

Die Charaktere haben alle ihre Ecken und Kanten und sind manchmal schwer einzuordnen. Bahnt sich zwischen Tereza und Gabriel etwas an? Das eine oder ander Mal scheint es so zu sein, dass Mahon seine raue Schale ein wenig beiseiteschiebt, doch dann macht er wieder wie eine Auster zu. Aber, da sind wir ja richtig: Austern sind eine bretonische Delikatesse, die für Tereza gewöhnungsbedürftig sind.

Fazit:

Eine gelungene Fortsetzung, der ich gerne 4 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 23.05.2021

Eine Hommage an Venedig

Als ich einmal in den Canal Grande fiel
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Üblicherweise steht die Anzahl der Sterne am Ende einer Rezension. Doch für diese Hommage an die Serenissima breche ich mit dieser Gewohnheit: 5 Sterne für Petra Reskis leidenschaftliches Plädoyer für ...

Üblicherweise steht die Anzahl der Sterne am Ende einer Rezension. Doch für diese Hommage an die Serenissima breche ich mit dieser Gewohnheit: 5 Sterne für Petra Reskis leidenschaftliches Plädoyer für die Erhaltung der Lagunenstadt, dem ich mich gerne anschließe.

Also von Beginn an:

Petra Reski, die deutsche Journalistin und Buchautorin, die durch ihre Sizilien-Krimis rund um Serena Vitale bekannt ist, lebt seit 1991 in Venedig, weil ihr ein Venezianer über den Weg gelaufen ist (dessen Name sie hier niemals nennt, sondern nur vom „Venezianer“ spricht.

Sie schreibt voller Leidenschaft von Ebbe und Flut, von morschen Pfählen, von zerbröselndem Mauerwerk, korrupten Stadtväter, die die Stadt dem Verfall preisgeben, von Venezianern, die, weil sie das große Geld wittern, ihre Wohnungen verkaufen oder an Touristen vermieten.

„Nicht mal die Pestepidemie von 1630 war so effektiv bei der Beseitigung der letzten Venezianer wie die Erfindung der Ferienwohnung: in Venedig vermietet niemand mehr Wohnungen an Venezianer, sondern nur noch an Touristen.“

Sie schreibt von Kreuzfahrtschiffen, die durch ihre Bugwellen das ohnehin schon poröse Mauerwerk weiter zerstören, vom Ausverkauf historischer Palazzi durch die Stadtväter, die gleich eine Baugenehmigung für allerlei gesichtslose Hotels oder Konsumtempel dazulegen und vom Widerstand gegen diese Machenschaften. Zahlreiche Bürgerinitiativen kämpfen gegen diese mafiösen Strukturen.


„Der Tourist will allein sein auf der Welt, das ist sein größtes Problem.“ Ich war vor rund 30 Jahren das letzte Mal in Venedig. Manchmal habe ich Sehnsucht nach der Stadt, die seit Jahrhunderten den Gezeiten trotzt. Doch will ich nicht auch noch (m)einen Beitrag zur Zerstörung der Serenissima leisten. Deshalb verkneife ich mir eine Reise in die Lagunenstadt. Ich möchte sie so in Erinnerung behalten, wie sie damals war: kleine Geschäfte wie Bäcker, Pastaladen, Gemüsehändler, Fleischhauer, Blumenläden und natürlich (ganz wichtig für mich) Schuhgeschäfte, statt der gesichtslosen, uniformen Kaufhausketten, deren Ware man in jeder größeren Stadt der Welt bekommt.

Petra Reski lässt mit ihrer Schilderung ihre Leser das alte Venedig noch einmal (?) Revue passieren. Mit ihrem flüssigen und farbenprächtigen Erzählstil, nimmt sie uns an die Hand, schlendert mit uns über die zahlreichen Brücken (über 450) und durch verwunschene Calli. Sogar einen der seltenen Gärten dürfen wir an ihrer Seite entdecken.

Schmunzeln musste ich über die ungewöhnliche Wahl der Hochzeitslocation: statt Venedig (wie 100.000 andere weit gereiste Paare), eine Feier im Ruhrgebiet.

Fazit:

Wer Venedig wirklich liebt, reist umweltfreundlich mit der Bahn an. Ich stimme Petra Reski zu, dass es an uns allen liegt, die Serenissima zu erhalten. Gerne gebe ich dieser Hommage an die Serenissima 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 23.05.2021

Very British

Mord in Sussex
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Das südenglische Sussex ist derzeit wegen des abtrünnigen Paares aus der königlichen Familie ein Begriff. Wenig wissen, dass hier in den Chalklands Kalk abgebaut und als „gebrannter Kalk“ auf zahlreichen ...

Das südenglische Sussex ist derzeit wegen des abtrünnigen Paares aus der königlichen Familie ein Begriff. Wenig wissen, dass hier in den Chalklands Kalk abgebaut und als „gebrannter Kalk“ auf zahlreichen Baustellen verwendet wird. Ein solcher Kalkbrennofen spielt in diesem Krimi aus dem Jahr 1936 eine große Rolle.

Worum geht’s also?

John Rother, ein Unternehmer in eben diesem Kalkbrenner-Business, verschwindet plötzlich. Man findet nur sein Auto: verlassen und mit Blutspuren. Ist John einem Verbrechen zum Opfer gefallen? Wo ist dann die Leiche? Hat sein Bruder William etwas mit dem Verschwinden zu tun? Die beiden Geschwister sind sich ja seit Jahren nicht allzu zugeneigt? Und welche Rolle spielt Williams Frau?

Als dann auf einer Baustelle menschliche Knochenreste gefunden werden, ist klar, John ist ermordet worden und die zerstückelte Leiche im Kalkbrennofen verbrannt worden. Superintendent Meredith wird mit der Ermittlung beauftragt und lässt die Knochen zu einem beinahe vollständigen Skelett zusammenbauen. (Der fehlende Teil wird noch eine Rolle spielen.)
Ein weiteres Rätsel gibt dann der Tod des verdächtigen Bruders auf. Unfall, Selbstmord oder doch Mord?

Superintendent Meredith hat alle Hände voll zu tun, den zahlreichen Hinweisen nachzugehen.

Meine Meinung:

Der Verlag Klett-Cotta legt seit einigen Jahren klassische Krimis aus dem vorigen Jahrhundert neu auf und bewahrt sie damit vor der Vergessenheit.
Ganz im Stil von Agatha Christie wird hier penibel ermittelt ohne Nerven aufreibende Verfolgungsjagden zu Wasser oder zu Land. Die Ermittlungen ohne DNA-Abgleich und anderen forensischen Gutachten muten seltsam antiquiert an, verleihen diesem Krimi aber einen gewissen Charme.

Der fehlende Skelettteil hat mich auf eine Idee gebracht, die sich dann als richtig erwiesen hat. Superintendent Meredith lässt sich durch die vielen kleinen Hinweise, die ihn manchmal in Sackgassen führen, nicht entmutigen. An einigen Stellen blitzt der herrliche britische Humor auf, der die Leser Schmunzeln lässt.

Witzig finde ich auch, wie sich SI Meredith mit dem Kriminalgeschichtenautor berät.

Fazit:

Ein gelungener Krimi, der ohne Hektik auskommt und zu Unrecht beinahe vergessen worden ist. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

Veröffentlicht am 23.05.2021

"Recht, nicht Rache"

Zorn der Lämmer
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Dieses penibel recherchierte Buch beruht auf Tatsachen. Es erzählt die Geschichte von Abba, Vitka, Ruzka und Leipke, vier jungen Juden, die im Getto von Wilna einen ähnlichen Aufstand anzetteln wie ihre ...

Dieses penibel recherchierte Buch beruht auf Tatsachen. Es erzählt die Geschichte von Abba, Vitka, Ruzka und Leipke, vier jungen Juden, die im Getto von Wilna einen ähnlichen Aufstand anzetteln wie ihre Leidensgenossen in Warschau. Dieser Aufstand ist ihre letzte Hoffnung.

„Die Deutschen sind organisiert, sie denken systematisch. Womit wir es hier zu tun haben, liebe Freunde, ist eine Maschinerie, und diese Maschinerie dient nur einen Zweck: das Judentum in Gänze zu vernichten.“

Doch wie wir wissen, vergebens. Rund 6 Millionen Juden werden von den Nazis ermordet.

Das Buch ist in mehrere Teile gegliedert und beschreibt im letzten Teil, der 2001 in Israel spielt, die späteren Lebenswege der vier.

Ruzka, die kurz nach Kriegsende nach Palästina emigriert, wird von ihren Mitstreitern Verrat vorgeworfen: Doch muss sie erkennen, dass deutsche Juden in Israel nicht wirklich willkommen waren.

Nicht nur gegen Araber müssen sich die Einwanderer behaupten, sondern auch gegen die bereits hier lebenden Glaubensbrüder (und Schwestern). Diese blicken scheel auf die deutschen Juden und diffamieren sie zum Teil. Sie finden es unverständlich, dass sie sich von den Nazis terrorisieren ließen, anstatt zu kämpfen sich wie „Lämmer zur Schlachtbank führen haben lassen“. Die Israelis wollen die Geschichten der KZ-Überlebenden nicht hören. Oft halten sie die Erzählungen für übertrieben … (siehe „Willkommen im Gelobten Land?“ von Jörg Armbruster)

Abba Kovners Plan, Millionen Deutsche mit Arsen in der Wasserversorgung zu töten, schlägt glücklicherweise fehl. Der Wunsch nach Vergeltung ist zwar verständlich, aber mit dieser Aktion hätte die Mär vom „Juden als Brunnenvergifter“ wieder neue Nahrung bekommen.

Ich persönlich halte es lieber mit Simon Wiesenthal, der einmal, auf die Frage, warum er immer noch Nazis verfolge, Folgendes gesagt hat: „Recht nicht Rache für alle Toten, für alle Opfer dieser Täter“.

Fazit:

Ein sehr wichtiges Buch, auch wenn es harte Kost ist und ob der geschilderten Gräuel manchmal kaum zu ertragen ist. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 23.05.2021

Very British

Der Donnerstagsmordclub (Die Mordclub-Serie 1)
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"Sie mögen nicht mehr die Jüngsten sein, aber an Scharfsinn und Witz leiden sie nun wahrlich keinen Mangel. Da staunt selbst die Polizei."

Elizabeth, Ron, Ibrahim und Joyce haben einiges gemeinsam: Sie ...

"Sie mögen nicht mehr die Jüngsten sein, aber an Scharfsinn und Witz leiden sie nun wahrlich keinen Mangel. Da staunt selbst die Polizei."

Elizabeth, Ron, Ibrahim und Joyce haben einiges gemeinsam: Sie leben in einer gediegenen Seniorenresidenz, übten fesselnde Berufe aus (Geheimdienstler, Gewerkschaftler, Psychiater und Krankenschwester) und frönen einem schrägen Hobby. Die lösen alte, unaufgeklärte Mordfälle, deren Akten Penny, eine frühere Mitbewohnerin, in die Seniorenresidenz mitgebracht hat. Weil sie sich immer an Donnerstagen treffen, nennen sie sich „Donnerstagsmordclub“.

Als eines Tages der Bauunternehmer Tony mit dem Eigentümer und Immobilienspekulanten Ian vor den Augen zahlreicher Senioren einen heftigen Streit hat und wenig später tot ist, lässt das Quartett die staubigen Akte Akte sein und ermittelt im frischen Mordfall. Sind Tony und Ian sich wegen der Erweiterung der Seniorenresidenz, der auch ein alter Friedhof geopfert werden sollte, in die Quere gekommen? Ist die Lösung des Mordes wirklich so einfach? Das Auftauchen weiterer Leichen stellt die Hobby-Ermittler genauso vor Rätsel wie Chris und Donna, die Profis der Polizei.

Meine Meinung:

Dieser Krimi ist typisch englisch. Feiner Humor, keine närrische Verfolgungsjagd oder ein Gemetzel, sondern bedächtige Ermittlungsarbeit, die Kraft der Laienermittler, die Leser häufig schmunzeln lässt.

Daneben beschäftigt sich Richard Osman mit den Ängsten, Sorgen und Nöten der Menschen in ihrem letzten Lebensabschnitt, die häufig an Einsamkeit leiden und wissen, dass ihr irdisches Dasein über kurz oder lang ein Ende haben wird. Dagegen hilft Abwechslung, selbst, wenn es Morde sind.

Die Charaktere sind detailreich und liebevoll gestaltet. Die Handlung wird aus mehreren Perspektiven erzählt.

Fazit:

Ein ruhiger Krimi, der very british daherkommt. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.