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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.07.2020

"Bei Lotus werde ich Weltmeister oder ich bin tot"

Jochen Rindt
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Am 5. September jährt sich der tödliche Unfall des gebürtigen Mainzers und mit österreichischer Rennlizenz fahrenden Jochen Rindt zum 50. Mal. Im Alter von nur 28 Jahren verunfallt Rindt auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke ...

Am 5. September jährt sich der tödliche Unfall des gebürtigen Mainzers und mit österreichischer Rennlizenz fahrenden Jochen Rindt zum 50. Mal. Im Alter von nur 28 Jahren verunfallt Rindt auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke in Monza in seinem Lotus tödlich. Seinen WM-Titel gewann er am Ende der Saison dennoch, da Jochen Rindt mit ein nicht mehr einholbaren Punktevorsprung vor seinem Konkurrenten Jacky Ickx führte.

Dieses Buch ist eines von vielen, das aus diesem Anlass erscheint bzw. neu aufgelegt ist. Zahlreiche imposante Fotos von Rennstrecken aus aller Welt und einfühlsame Texte, in denen Weggefährte wie Helmut Marko, Jackie Stewart oder Niki Lauda zu Wort kommen, versuchen dem Phänomen Jochen Rindt (zumindest ein bisschen) auf den Grund zu gehen.

Ferdi Kräling nimmt uns zurück in die höchst gefährliche Zeit des Motorsports. Als die Rennfahrerfrauen eine Garnitur schwarzer Kleidung im Gepäck hatten. Man wusste vor dem Rennwochenende nie, wer es benötigen sollte. Wenn man sich die Fotos in diesem Buch ansieht, dass Strohballen nahezu die einzige Absicherung am Streckenrand darstellten, weiß man, dass die tödliche Gefahr immer und über all lauerte.

Dieses Buch soll und kann keine Biografie sein, sondern beleuchtet das kurze Leben eines Rennfahrers, der sich am Ende der Rennsaison 1970 vom aktiven Motorsport zurückziehen wollte.

Jochen Rindts salopp dahin gesagte Prophezeiung „Bei Lotus werde ich Weltmeister oder ich bin tot“ hat sich am 5. September 1970 in zweifacher Hinsicht erfüllt.

Veröffentlicht am 23.07.2020

Ein gelungener Regional-Krimi

Mühlviertler Grab
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Das ist meine erste Begegnung mit Chefinspektor Oskar Stern, obwohl es bereits zwei Vorgänger gibt. Wie konnte mir dieser Ermittler bisher durch die Lappen gehen?

Sei es wie es sei - schauen wir einmal ...

Das ist meine erste Begegnung mit Chefinspektor Oskar Stern, obwohl es bereits zwei Vorgänger gibt. Wie konnte mir dieser Ermittler bisher durch die Lappen gehen?

Sei es wie es sei - schauen wir einmal worum es geht:
Innerhalb von wenigen Tagen werden auf dem St. Oswalder Friedhof zwei männliche Leichen in einer Art „Büßerstellung“ auf dem Grab der vor einem Jahr tödlich verunglückten Paula Eckinger gefunden. Einmal könnte ja Zufall sein, aber zweimal? Und, welcher Kriminalist glaubt schon an Zufälle?

Haben die beiden Toten etwas mit dem Autounfall bei dem Paula starb, etwas zu tun? Es soll ja dem Fahrer, Paulas Ehemann, ein SUV entgegen gekommen sein, der in zu dem fatalen Ausweichmanöver gezwungen hat, der Paula ins Grab und ihn persönlich in den Rollstuhl katapultiert hat.

Oskar Stern und sein Team gehen allen möglichen und unmöglichen Spuren nach. Obwohl der Chefinspektor seinen Leuten immer predigt, nur Zahlen, Daten und Fakten hätte Bestand, hört er selbst gerne auf sein Bauchgefühl und das nicht nur dann, wenn sein Magen vor Hunger knurrt.

So verbeißt sich der Chef ein wenig in den Eckinger und findet heraus, dass - nein das verrate ich jetzt nicht.

Meine Meinung:

Dieser Regionalkrimi spielt in der Nähe von Freistadt, einem malerischen Städtchen in Oberösterreich. Die Leute des Mühlviertels werden oft missverstanden und als „Sturschädel“ verunglimpft. Nein, alles nicht wahr. Aber, man wird doch auf seiner Meinung beharren dürfen, oder? In diesem Krimi lernen wird die gute und deftige Hausmannkost kennen, der Oskar Stern so gerne zuspricht. Ach ja, und das Mühlviertler Bier bitte nicht vergessen.

Dass Stern auch eine andere, eine weiche Seite hat, zeigt sich unter anderem, dass er sich um die Zukunft zweier Teammitglieder sorgt, die demnächst den Stand der Ehe eingehen wollen, und deswegen aus dienstrechtlichen Gründen, einer der beiden das LKA Oberösterreich verlassen muss.

Die Spannung bleibt bis zum Schluss erhalten, denn wenig ist, wie es scheint.

Mir hat der Ausflug ins Mühlviertel gefallen. Der Krimi taugt so richtig zum Entspannen nach einer ausgiebigen Wanderung durch die hügelige Landschaft. Bei einem Krügel Bier (= großes Bier, 0,5 l) und einem zünftigen Mostbratl, lassen sich Urlaub und Krimi wahrlich genießen.

Fazit:

Die beiden Vorgänger „Mühlviertler Blut-1“ und „Mühlviertler Rache-2“ warten schon darauf, gelesen zu werden. Gerne gebe ich diesem ersten Rendezvous mit Oskar Stern 5 Sterne.

Veröffentlicht am 22.07.2020

Penibel recherchiert und grandios erzählt

Eine Liebe zwischen den Fronten
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Punktgenau zum 150. Jahrestag der Kriegserklärung Frankreichs an Preußen am 19. Juli erscheint Marie W. Peters akribisch recherchiertes und authentisch erzählter historischer Roman.

Man schreibt das ...

Punktgenau zum 150. Jahrestag der Kriegserklärung Frankreichs an Preußen am 19. Juli erscheint Marie W. Peters akribisch recherchiertes und authentisch erzählter historischer Roman.

Man schreibt das Jahr 1870. In Frankreich herrscht Kaiser Napoleon III. und in Deutschland also Preußen König Wilhelm I.. Beide Herrscher sind einander nicht grün und es genügt ein kleiner Funke, den seit Jahrhunderten schwelenden Konflikt neu zu entfachen. Die sogenannte „Emser Depesche“, jene halbherzige Verzichtserklärung der Hohenzollern auf den gerade aktuell vakanten Thron in Spanien, ist genau jener Funke, der am 19.07.1870 das Pulverfass zur Explosion bringt.

Es ist just jener Tag, an dem sich der junge, preußische Stabsarzt Paul von Gerlau mit der Französin Madeleine Téllier, Tochter seines Freundes und Ausbildner als Arzt Albert, verloben will. Wenige Minuten vor der alles entscheidenden Frage trifft der Befehl zur Generalmobilmachung ein und die Verlobung nebst Feier fällt aus.

Denn eine Liebe und Verbindung zwischen Vertretern der beiden Krieg führenden Staaten ist ab sofort unmöglich.

Schonungslos erzählt die Autorin die Geschichte von Paul und Madeleine, die von den Ereignissen überrollt werden. Doch damit nicht genug, zerreißt es die Familie Téllier beinahe. Clotilde, die monarchistisch Mutter, die nur auf ihre eigene Bequemlichkeit achtet, steht sowohl Madeleine als auch ihrem Sohn Clément ablehnend gegenüber. Clément hat sich der Revolution verschrieben und will die Wiederherstellung der Republik mit allen Mitteln.
Die Familie Téllier schließt noch Djamila, ein algerisches Dienstmädchen mit ein, das sich größte Sorgen um ihren Bruder Karim macht, der in Frankreichs Armee dient.

Diese höchst unterschiedlichen Charaktere verkörpern auch die Handlungsstränge bzw. Gesinnungen. Immer wieder wechselt Maria W. Peter von der Perspektive des einen in die eines anderen. Sie lässt dabei weder das Grauen auf den Schlachtfeldern und später in den Lazaretten noch das Leiden der Zivilbevölkerung im Elsass bzw. in Lothringen aus.

Wie wir es von der Autorin gewöhnt sind, erteilt sie Geschichtsunterricht, ohne dass der Leser hiervon etwas merkt. Zahlen, Daten und Fakten sind elegant mit der Handlung verwoben. So mag ich das!

Fazit:

Ein dramatischer historischer Roman um eine Liebe, die nicht sein darf, und einen Krieg, der Frankreich und Deutschland in den Abgrund reißt und den Keim für weitere Kriege legt. Gerne gebe ich diesem penibel recherchierten Roman 5 Sterne und eine unbedingte Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 22.07.2020

Eine gelungene Fortsetzung

Totenwelt
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Dieser Krimi ist die Fortsetzung von „Totenland“ und folgt in knapper zeitlichen Abfolge. Es sind die Tage rund um den 8. Mai 1945 und die Regierung unter Admiral Dönitz sitzt in Flensburg glaubt, sich ...

Dieser Krimi ist die Fortsetzung von „Totenland“ und folgt in knapper zeitlichen Abfolge. Es sind die Tage rund um den 8. Mai 1945 und die Regierung unter Admiral Dönitz sitzt in Flensburg glaubt, sich mit den Briten und Amerikanern arrangieren zu können.

Es geht so ziemlich alles drunter und drüber. Niemand will nun dem verbrecherischen Regime angehört haben. Selbst die dicksten Nazis versuchen ihre Uniformen, Orden (auch wenn es schwer fällt) und sonstiger verdächtiger Insignien loszuwerden. Es werden einerseits Dokumente und Akten vernichtet und andererseits werden für die alten Nazis neue Pässe und Urkunden ausgestellt. Man rafft, was man an Wertsachen an sich raffen kann und versucht über dunkle Kanäle Deutschland zu verlassen. Denn langsam wird auch den Dümmsten klar, dass die Verbrechen des Regimes nicht unbemerkt geblieben sind und die Alliierten zur Jagd auf die Nazis blasen werden.

Inspektor Jens Druwe, selbst im Besitz einer Liste hochrangiger Nazis und deren neuer Existenzen, wird aufgefordert eine Polizei aus unbelasteten Männern zu bilden. Doch das ist beinahe ein Ding der Unmöglichkeit.

Dennoch bemüht sich der zerrissene Ermittler, der seit jeher mit Regime gehadert hat, was ihm die Versetzung in ein Strafbataillon und den Verlust der rechten Hand eingebracht hat, einige seiner früheren Kollegen ausfindig zu machen.

Doch dann gerät er zwischen die Mahlsteine von konkurrierenden britischen Diensten...

Damit ist die Brücke zum ersten Band vollends gelungen. Wem kann er noch trauen? Unerwartete Hilfe erhält durch Regimekritiker, die mit Müh‘ und Not sowie noch mehr Glück, überlebt haben.

Meine Meinung:

Michael Jensen ist wieder ein äußerst fesselnder Krimi gelungen. Seine Darstellung dieser Übergangszeit, wo ein paar Tage lang das Recht des Stärkeren geherrscht hat, ist sehr gut beschrieben. ICh kenne das aus anderen Büchern. Da wird nichts geschönt und die Zerrissenheit von Jens Druwe wird hier greifbar. Er muss sich selbst die Frage stellen, welchen Anteil er selbst zu Nazi-Deutschland beigetragen hat. Die Antworten, die anklingen sind nicht immer angenehm.

Der Schreibstil ist wieder präzise, doch hin und wieder verzettelt sich der Autor in seinen Beschreibungen, daher wirkt der Fortgang der Handlung ein wenig gebremst. In mehreren kurzen Rückblenden erfahren auch die Quereinsteiger in diese Reihe, was zuvor passiert ist.

Jedem Kapitel ist eine Strophe aus einem Lied oder Gedicht, die aus den diversen Konzentrationslagern stammen, vorangestellt. Eine sehr eindrucksvolle Beschäftigung mit dem Thema.

Fazit:

Eine gelungene Fortsetzung, die auf einen dritten Fall hoffen lässt. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 21.07.2020

Sommersonnenwende im Teutoburgerwald

Velmerstot
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Dieser Krimi ist der vierte rund um Kriminalkommissar Jan Oldinghaus, der nun nach einem Jahr Auszeit wieder an seine Dienststelle in Bielefeld zurückkehrt.

Der aktuelle Fall verlangt Jan und seinem Team ...

Dieser Krimi ist der vierte rund um Kriminalkommissar Jan Oldinghaus, der nun nach einem Jahr Auszeit wieder an seine Dienststelle in Bielefeld zurückkehrt.

Der aktuelle Fall verlangt Jan und seinem Team einiges ab, den den Auftakt macht gleich einmal das Auffinden von drei Leichen, die wie es scheint, einem Ritualmord zum Opfer gefallen sein könnten. Immerhin sind bei den Externsteinen im Teutoburger Wald besonders drapiert und Sommersonnenwende ist auch.

Es steht zu befürchten, dass die drei Toten nicht die einzigen Opfer bleiben werden.

Jan und sein Team arbeiten sich mühsam durch das Umfeld der Toten und finden nicht immer hilfreiche Verwandte, dafür eine direkte Beziehung zu einem der Kollegen.

Meine Meinung:

Vom dunkelblauen Cover mit dem Vollmond, der sich in einem Gewässer spiegelt, bin ich zutiefst beeindruckt - ja, der Emons-Verlag hat ein gutes Händchen für eindrucksvolle Titelbilder.

Obwohl ich die drei Vorgänger nicht kenne, habe ich mich gut zurecht gefunden. Es schadet allerdings nicht, die anderen Bücher zu lesen.

Die Leser erfahren einiges aus den Familiengeschichten der Teammitglieder und die überraschenden Wendungen lassen diesen Krimi bis zu Ende spannend belieben.

Mir waren die einzelnen Kapitel fast zu kurz. Kaum im Lesen drinnen, schon wieder eine neue Überschrift.

Fazit:

Ein interessanter Krimi aus dem Teutoburger Wald. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.