Platzhalter für Profilbild

Venatrix

Lesejury Star
offline

Venatrix ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Venatrix über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.02.2026

Skurril!

Die Enthusiasten
0

Dieser Roman, der durch das farbenprächtige Cover auffällt, ist ein originelles Buch über Menschen, die für ihre Leidenschaften, also für ihre Passionen, leiden und brennen.

Autor Markus Orth rückt ...

Dieser Roman, der durch das farbenprächtige Cover auffällt, ist ein originelles Buch über Menschen, die für ihre Leidenschaften, also für ihre Passionen, leiden und brennen.

Autor Markus Orth rückt dafür eine unkonventionelle Familie in den Mittelpunkt, in der sich fast alles um Bücher dreht. Die Eltern und ihre drei Kinder leben mit und durch Bücher, bis eines Tages die Mutter sang- und klanglos verschwindet.

Die Geschichte, erzählt vom 26-jährigen Ich-Erzähler Vince Bär, pendelt in elf Büchern (Was sonst?) zwischen dem elterlichen Hexenhäuschen bei Frankfurt am Main und der nordenglischen, verschlafenen Kleinstadt Coxwold in der Nähe von York.

Als erwachsener Mann gehört Vince zum engsten Kreis der Tristam Shandy-Fans, die sich alljährlich zum Sterne-Geburtstag in Coxwold trifft. Und mit seinem Vater, der inzwischen im Altersheim gelandet ist, telefoniert er täglich und setzt die Sprachspiele, die in ihrer Kindheit zelebriert worden sind, in geradezu absurd anmutenden Fragespielen, die aber von einer großen Nähe und Zugewandtheit zeigen, fort.

Als Vince und Co. erfahren, dass es zu Laurence Sternes Werk „Tristram Shandy“ ein 10. bislang unveröffentlichter Band existieren soll, wenden die Enthusiasten viel Zeit und Energie für die Suche nach dem möglicherweise existierenden Manuskript auf.

Meine Meinung:

Der Schreibstil ist temporeich, spielerisch und dabei nie selbstverliebt. Orths experimentiert mit der Sprache und lässt dabei die Kinder der Familie Bär Worte erfinden.

Die Charaktere sind herrlich skurril. Selbst Nebendarsteller wie die rätselhafte Thailänderin Natcha, Fat Wayne oder Morton Minelli sind fein gezeichnet.

Leser die Freude am Lesen sowie der Sprache haben, wird dieser Roman gefallen.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Roman, der eine Hommage auf das Lesen, die Phantasie und den Irrsinn des Lebens ist, 4 Sterne.

Veröffentlicht am 20.02.2026

Interessant!

1942 – Die Tour de France, die keine war
0

Mitten im Krieg, im Jahr 1942, findet in Frankreich ein Radrennen zwischen Widerstand und Kollaboration, Schwarzmarkt und Erpressung, persönlichem und politischem Interesse, besetzter und freier Zone statt.

Der ...

Mitten im Krieg, im Jahr 1942, findet in Frankreich ein Radrennen zwischen Widerstand und Kollaboration, Schwarzmarkt und Erpressung, persönlichem und politischem Interesse, besetzter und freier Zone statt.

Der französischen Journalist und ehemalige Radrennfahrer Jean Leulliot (1911-1982) stampft gemeinsam mit Günther Kezer, Major der Wehrmacht, ein Radrennen aus dem Boden, das auf sechs Etappen nicht nur durch das besetzte sondern auch durch das freie Frankreich führt. Dieses Radrennen findet vom 28. September bis zum 4. Oktober statt. 72 Fahrer aus Frankreich, Belgien und Italien unterwerfen sich den Strapazen der 1.650 km, die nicht nur der Strecke, sondern auch dem grässlichen Wetter, dem Fehlen an ordentlichen Unterkünften und Mangel an professioneller Ausrichtung geschuldet sind. Die Fahrer sind zudem nicht ganz freiwillig mit dabei. Émile Idée (1920-2024) wird mit der Gestapo gedroht, falls er die Teilnahme verweigert. Daher wird jede Möglichkeit aufzugeben, genützt. Letztlich kommen gerade einmal 27 Fahrer ins Ziel.

Gewonnen hat übrigens der Belgier François Neuville (1912-1986).

„Vergessen Sie den Circuit, Leulliot. Es wird jetzt alles anders.“ bekommt Jean Leulliot zu hören, als bei den Deutschen vorspricht, um den Termin für den Circuit de France 1943 abzusprechen.

Wie wir aus der Geschichte wissen, ist alles anders geworden.

Meine Meinung:

Dieses Sachbuch, das ein sportliches Ereignis zwischen Widerstand und Kollaboration, Schwarzmarkt und Erpressung, persönlichem und politischem Interesse, besetzter und freier Zone schildert, hat mir sehr gut gefallen.

Worüber ich mich gewundert habe ist, dass kein einziger deutscher Radrennfahrer an dieser Radrundfahrt teilgenommen hat. Ich hätte schon erwartet, dass NS-Deutschland auch ein Team zusammenstellt.

Étienne Bonamy zeichnet ein facettenreiches Bild, das die Rolle des Sports sowie der Presse in jenen Jahren sehr gut einfängt.

Das Radrennen und seine Teilnehmer verschwinden im Dunkel der Geschichte bis Sportjournalist und Autor Étienne Bonamy den letzten noch lebenden Fahrer, Émile Idée (1920-2024) für dieses Buch im Jahr 2020 interviewt hat.

Interessant ist, dass dieses Radrennen auch für diverse Schmuggelfahrten benutzt worden ist. Allerdings hat man nicht nur Lebensmittel, die schon längst rationiert gewesen sind, IN sondern auch Juden AUS dem besetzten Frankreich geschmuggelt haben.

Im Nachwort kann nachgelesen werden, was aus den Protagonisten nach dem Krieg geworden ist. So wird Jean Leulliot wegen Kollaboration mit den Deutschen angeklagt. Er entgeht einer Verurteilung, weil seine Reporterkollegen zu seinen Gunsten aussagen, und wird wenig später zahlreiche Radrennen veranstalten.

Einige Teilnehmer des Circuit de France 1942, wie Sieger François Neuville oder Émile Idée , setzen ihre Karrieren fort und nehmen an zahlreichen Straßenrennen der Nachkriegszeit teil.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Bericht über die Tour der France, die keine war, 5 Sterne.

Veröffentlicht am 20.02.2026

Gute Unterhaltung

Weinfluch
0

Dieser achte Krimi rund um KHK Frank Achill und dem Fremdenführer André Sartorius ist für mich der erste aus dieser Reihe. Worum geht’s?

Das kostbarste Ausstellungsstück des Speyerer Museums, eine Weinflasche ...

Dieser achte Krimi rund um KHK Frank Achill und dem Fremdenführer André Sartorius ist für mich der erste aus dieser Reihe. Worum geht’s?

Das kostbarste Ausstellungsstück des Speyerer Museums, eine Weinflasche mit Inhalt aus der römischen Antike, wird auf seiner Reise ins Kunsthistorische Museum in Wien gestohlen. Nein, nicht gestohlen, sondern regelrecht gekidnappt. Da bei dieser Kommandoaktion zunächst ein Wachmann der Sicherheitsfirma und wenig später sein Kollege im Krankenhaus stirbt, ist der Diebstahl Sache der Kripo Ludwigshafen.

Die Ermittlungen gestalten sich als äußerst schwierig, denn auch der Leiter des Museums kann keine entsprechende Aussage machen. Und als dann noch ein Erpresserbrief gemeinsam mit einem Wichtigtuer der Versicherung auftaucht, verstrickt sich der Fall im Kompetenzgerangel an dem nicht nur die Kripo Ludwigshafen, das LKA von Rheinland-Pfalz sondern neben der Versicherung auch das LKA Wien beteiligt sind.

Eines ist jedoch allen Beteiligten klar: Diese Aktion ist von Profis geplant und ausgeführt. Doch jeglicher Ermittlungsansatz fehlt. Achill holt seinen Freund Sartorius, der bereits mehrmals als Berater der Polizei in Erscheinung getreten ist, mit ins Boot, denn der kann abseits des engen gesetzlichen Rahmens, der die Polizei unterliegt, Erkundigungen einziehen.

Als Achill wegen eines Fehlschlages vom Fall abgezogen wird und sein Widersacher, der ungeliebte Tom Köhler, die Leitung der SOKO übernimmt, halten Achills Kollegen unter der Führung von KOK Verena Bertling zusammen, um den Fall zu lösen.

Wie es ihnen gelingt, das Objekt der Begierde wieder zu beschaffen und die Täter zu fassen, müsst ihr schon selbst lesen ...

Meine Meinung:

Es ist ja kein großes Geheimnis, dass sich einzelne Abteilungen in der Polizei besser oder weniger gut verstehen und so mancher Vorgesetzter eher seine eigene Reputation im Auge hat als das reibungslose Funktionieren. So sind auch hier kleine oder größere Gehässigkeiten und Intrigen im Spiel, die dann eskalieren als der Wichtigtuer der Versicherung mit seinem präpotenten Auftreten die Stimmung weiter aufheizt. Statt an einem Strang zu ziehen, verzetteln sich die Kolleginnen und Kollegen in einem persönlichen Kleinkrieg, der mit der Enthebung von KHK Achill endet.
Leider hat der Polizeichef Metzger dabei unbedingt ein glückliches Händchen als er Tom Köhler, der eigentlich für Vermögensdelikte zuständig ist, diese komplexe und verantwortungsvolle Aufgabe der Leitung der SOKO überträgt.

Es ist dem unkonventionellen Engagement von Bertling und dem Chef der Kriminaltechnik Trabold sowie der nicht ganz ungefährlichen Aktion von Sartorius zu verdanken, dass der Fall dennoch gelöst werden kann.

Obwohl dieser Krimi der acht einer Reihe ist, lässt er sich auch ohne Vorkenntnisse gut lesen. Lediglich die Andeutungen rund um den Gefängnisaufenthalt von Rita, geben Rätsel auf, die auf die anderen Krimis neugierig machen.

Der Krimi ist angenehm zu lesen und gibt Einblick in die oft mühsame Arbeit der Kriminalbeamten und der Kriminaltechnik.
Eine kleine Anmerkung: Die Phiole (kleines Glasfläschchen) wird mit Viole (Veilchen) verwechselt. Hat da das Korrektorat ausgelassen? Bitte in der nächsten Auflage korrigieren.

Fazit:

Dieser spannende, weil verzwickte Fall, hat mich gut unterhalten, weshalb ich ihn mit 4 Sternen bewerte.

Veröffentlicht am 20.02.2026

Herrlich skurril!

Das Grab des Webers
0

Mortimer Heir war schon zu Lebzeiten ein ziemliches Ekelpaket. Nun ist er tot und hält mit der Suche nach (s)einer ihm bestimmten Grabstelle nicht nur seine junge Witwe, sondern auch ein ganzes Dorf auf ...

Mortimer Heir war schon zu Lebzeiten ein ziemliches Ekelpaket. Nun ist er tot und hält mit der Suche nach (s)einer ihm bestimmten Grabstelle nicht nur seine junge Witwe, sondern auch ein ganzes Dorf auf Trab. Zwar hat er schon sein ganzes Leben von diesem Grab fabuliert, doch niemandem verraten, wo dieses genau liegt. Man kennt wohl den Namen des Dorfes irgendwo in Irland und den dazugehörigen Friedhof, aber die genauen Koordinaten des Grabes sind unbekannt.

Die Witwe, Heirs vierte Ehefrau, reist mit den sterblichen Überresten und zwei Totengräbern also in das Dorf. Nun beginnt ein langes Herumirren von Grab zu Grab, denn die drei alten Männer, die möglicherweise Mortimers Grabstelle kennen, sind sich über den genauen Ort uneins. Im Schatten eines Baums soll das Grab sein. Welcher Baum? Eine Ulme? Oder doch nicht? Mehrmals graben die Totengräber an falscher Stelle.

Meine Meinung:

Die Geschichte wirkt ein wenig absurd und komisch. Doch im streng katholischen Irland werden vermutlich letzte Verfügungen von Verstorbenen, so schwierig oder absurd sie den Hinterbliebenen auch vorkommen, getreulich ausgeführt. Zudem ist die Zeit in der die Geschichte spielt, also Ende des 19. Jahrhunderts, zu berücksichtigen.

Ich habe über diese nur 96 Seiten dünne Geschichte des irischen Dichters und Journalisten Seumas O’Kelly, der 1918 verstorben ist, mehrmals schmunzeln müssen. Ob O’Kellys Hinterbliebene mit seinem Leichnam ähnliches durchmachen mussten?

Sprachlich ist das Buch ein Genuss, was auch an der Übersetzung liegt.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Buch 5 Sterne.

Veröffentlicht am 20.02.2026

Beste Krimi-Unterhaltung!

Letzter Landler
0

Franz Gaspermaier wird in diesem 13. Fall ziemlich gefordert. Da ist zum einen der Trubel in seinem Haus und zum anderen ein Mord während eines Gastspiels des Staatsballetts in Aussee. Dazu kommt Kevin, ...

Franz Gaspermaier wird in diesem 13. Fall ziemlich gefordert. Da ist zum einen der Trubel in seinem Haus und zum anderen ein Mord während eines Gastspiels des Staatsballetts in Aussee. Dazu kommt Kevin, ein dienstzugeteilter Jungpolizist mit eigenwilligen Ansichten über Frauen und alle jene, die ausländische Wurzeln haben. Dieser Jungspund vertritt die Manuela, die aktuell in Karenz ist. Blöderweise ist der für Gasperlmaier keine Ent- sondern nur eine Belastung.

Doch der Reihe nach: Die Eltern seiner Schwiegertochter Richelle sind in Bad Aussee zu Besuch. Die Verständigung klappt so lala, sprechen die Kanadier ungefähr so gut Deutsch wie Gasperlmaier Englisch. Gasperlmaiers Ehefrau Christine schupft wie immer den (häuslichen) Laden und bei bodenständiger Kost sowie geistigen Getränken kommt man schnell ins Gespräch. Allerdings scheint der Mord, der sich im Umfeld des Orchesters, das die Aufführungen des Staatsballetts musikalisch umrahmt, ereignet hat, ein willkommener Anlass zu sein, dem anstrengenden Besuchsprogramm für die Gäste zu entfliehen.

Damit hat sich der Gaspermaier ein wenig verkalkuliert, denn statt methodisch und analytisch die Tat aufzuklären, muss er Kevin zügeln, der wie ein Elefant im Porzellanladen herumtappt, Gasperlmaiers liebgewonnenen Dienstwagen schrottet und sich selbst in Gefahr bringt.

Es ist echt zum Haare raufen! Wie soll er da den Täter finden? Zumal sowohl im Orchester als auch in der Balletttruppe nicht alle die Wahrheit sagen und wichtige Details verschweigen.

Meine Meinung:

In seinem 13. Fall bekommt es Gaspermaier mit der Welt von Ballett und klassischer Musik zu tun. Beides ist ihm, der wenn schon Tanzen, lieber sich im Takt eines Landlers bewegt, fremd. Deshalb dauert es zunächst ein wenig, bis er den roten Faden findet. Ich mag ihn ja, den Gasperlmaier, der einerseits ziemlich bauernschlau andererseits ein wenig naiv daherkommt. So ist ihm nicht geläufig, dass Balletttänzer auf Grund der hohen körperlichen Anforderungen häufig zu Appetitzüglern und anderen Substanzen, die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen, greifen.

Wie immer wird er von seiner Christine und seiner Tochter sowie deren Ehefrau tatkräftig unterstützt. Manchmal wirkt Gaspermaiers Haus wie eine Zweigstelle des Polizeipostens, denn auch der Nachbar, der pensionierte Richter Altmann, weiß die eine oder andere Bemerkung zum Fall anzubringen. Jaja, Gaspermaier ist klar, dass er über seine Ermittlungen nicht sprechen darf. Aber, Bad Aussee ist ohnehin ein Dorf, in dem sich Nachrichten schnell verbreiten.

Gut hat mir das Wiedersehen mit Manuela (inklusive Söhnchen im Tragetuch) sowie Kollegin Emina, die dem Kevin mehrmals (vergeblich) zeigt, wo der Bartl den Most herholt, gefallen.

Wie immer erfahren wir ziemlich unterschwellig einiges über das schöne Salzkammergut und seine Bewohner.

Fazit:

Auch dieser 13. Fall für Franz Gasperlmaier hat mir sehr gut gefallen, weshalb ich dem Krimi 5 Sterne und eine Leseempfehlung, die die ganze Reihe einschließt, gebe.