Eine gelungene Fortsetzung
Die Schneiderei in der Fliedergasse - Neue HoffnungIn der Fortsetzung der Geschichte der Schneiderei in der Fliedergasse dürfen die Zwillinge Susanne und Leonhard endlich ihren Berufungen nachgehen. Susanne studiert Jus und Leonhard arbeitet sich in der ...
In der Fortsetzung der Geschichte der Schneiderei in der Fliedergasse dürfen die Zwillinge Susanne und Leonhard endlich ihren Berufungen nachgehen. Susanne studiert Jus und Leonhard arbeitet sich in der mütterlichen Schneiderei bestens ein und entwirft Kostüme für das Theater. Es könnte alles so schön sein, wenn nicht, das liebe Geld für die von der Stadt vorgeschriebene Renovierung des Wohn- und Geschäftshauses in der Fliedergasse fehlen würde.
Die Geschwister und ihr Freundeskreis sind kreativ in der legalen Beschaffung von Geldmitteln. Doch es reicht nicht. Also beschließen sie, ihren bislang unbekannten leiblichen Vater Henri um Hilfe zu bitten und fahren nach Straßbourg. Dort angekommen, erwartet sie eine herbe Enttäuschung: Sie erfahren, dass er bereits verheiratet war (und es immer noch ist) sowie zwei Kinder hat, als er mit ihrer Mutter eine Liebschaft eingegangen ist. Die Empörung bei den Geschwistern und der Ehefrau ist riesengroß. Also reisen sie desillusioniert ab.
Ob sich die Geschichte zu einem, für alle Beteiligten guten Ende entwickelt, verrate ich hier nicht. Das müsst ihr schon selbst lesen.
Meine Meinung:
Hinter dem Namen Katharina Oswald verbergen sich die beiden Autorinnen Andrea Bottlinger und Claudia Hornung, eine stimmige Fortsetzung geschrieben haben, die einen sehr guten Eindruck der 1970er-Jahre vermittelt. Alte Rollenbilder brechen langsam auf, politische Themen wie die studentischen Proteste der sogenannten 68er-Bewegung gegen das noch immer in den Köpfen vieler Menschen vorherrschende (rechte) Gedankengut. Während in den Großstädten Straßenschlachten für Angst sorgen, ist in Tübingen alles ein wenig kleiner, gemäßigter. Trotzdem haben die Auseinandersetzungen auch für Susanne und Leonhard Auswirkungen.
Dieser Roman, der eine fiktive Familiengeschichte erzählt, die sich so oder so ähnlich abgespielt haben könnte, flicht auch reale Personen wie Leonard Cohen (durch sein Lied „Suzanne“) oder Rosa Parks und Emma Goldmann als Porträts ein. Eine nette Idee und zugleich eine Hommage stellvertretend für alle, die am Aufbruch in die neuen Zeiten, Anteil haben.
Natürlich darf auch die Liebe nicht fehlen sowie das Thema Homosexualität, die durch §175 nach wie vor unter Strafe steht.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem zweiten Teil der Familiensaga 4 Sterne, empfehle aber auch den ersten Teil zu lesen.