Platzhalter für Profilbild

Venatrix

Lesejury Star
offline

Venatrix ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Venatrix über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.05.2026

Hier ist wenig, wie es scheint

Strandopfer
0

Dieser Krimi ist Auftakt zu einer neuen Reihe von Frank Goldammer, die uns an die polnische Ostsee führt wo vier befreundete Ehepaare sowie die Tochter eines Paares ihre Ferien verbringen. Die vermeintliche ...

Dieser Krimi ist Auftakt zu einer neuen Reihe von Frank Goldammer, die uns an die polnische Ostsee führt wo vier befreundete Ehepaare sowie die Tochter eines Paares ihre Ferien verbringen. Die vermeintliche Idylle zerbricht, als einer der Urlauber, Joachim Hundt, tot am Strand aufgefunden wird. Weil Hundt ein Mitarbeiter im deutschen Innenministeriums war, wird Oberkommissarin Lena Schuldt vom BKA Berlin nach Swinemünde entsendet, um sicher zugehen, dass es sich hier um einen schnöden Badeunfall handelt. Gleich bei ihrer ersten Begegnung stehen sich Lena Schuldt und ihr polnischer Kollege Adam Krawczyk mit ihren Vorurteilen gegenüber.

Als sich herausstellt, dass Hundt ermordet worden ist und in seinem Rachen ein großer Bernstein steckt, müssen sie zusammenarbeiten. Mehrmals weist Adam darauf hin, dass Lena in Polen nicht zu sagen hat. Zumal Lena kein polnisch spricht, während Krawczyk neben polnisch auch deutsch spricht. So muss sie immer wieder warten, bis er übersetzt hat, wobei sie den Eindruck hat, er dolmetscht nicht exakt.

Die Befragung der Urlauber ergibt zum Entsetzen der Ermittler, dass Luisa, die Tochter von Silvia Lizkow wird vermisst. Sie soll, trotz Verbotes mit Joachim Hundt zum Strand gefahren sein. Der Tote tritt in den Hintergrund und die Suche nach dem Mädchen läuft an. Gleichzeitig stellt sich heraus, dass sich die Ehepaare doch nicht so grün sind, wie sie behaupten. Außerdem torpedieren sie die Ermittlungen in dem sie mögliche relevante Beobachtungen verschweigen oder überhaupt lügen. Besonders die Mutter des Mädchens fällt durch eigenartiges Benehmen auf. Der Druck das vermisste Mädchen zu finden, wird stetig höher. Doch es gibt weitere Tote und die Ermittler leisten sich auf Grund ihrer gegenseitigen Abneigung einige Ermittlungsfehler.

Werden sie das Mädchen lebend finden?

Meine Meinung:

Ich kenne so gut wie alle Krimis von Frank Goldammer - seine Fußballkrimis, die Bruch-Reihe sowie die beiden Dresden-Reihen rund um Max Heller und dessen Großvater Gustav Heller. Daher habe ich einen guten Überblick über das Werk des Autors. Schon mit der Bruch-Reihe beschreitet Goldammer einen neue Richtung. Seine Ermittler haben private Probleme, sind ohne Beziehung und voller Voreingenommenheiten den anderen gegenüber. Sind es in der Reihe Felix Bruch innerdeutsche Vorurteile zwischen BRD und DDR, so sind es nun Ressentiments zwischen Polen und Deutschland, die für Spannungen sorgen.

Goldammer zeigt in diesem spannender Auftakt zur Grenzfall Ostsee Reihe, welche Vorurteile immer noch in den Köpfen vorherrschen und gleichzeitig, dass es manche Menschen sehr gut verstehen, ihr Umfeld zu manipulieren. Die Geschichte hat viel Potenzial, das leider in einem Strudel von Missverständnissen, Kompetenzstreitigkeiten sowie den Flashbacks von Lena aus ihrer Jugend eingebremst wird. Ich persönlich finde das wirklich schade, dass hier zwischen den Ermittlern kein gutes Arbeitsklima herrscht. Adam besorgt sich heimlich Informationen über Lenas Vorleben und bestätigt mit seinen eigenen Vorurteilen die ihren, die sich ständig zu bestätigen scheinen.

Insgesamt sind die Charaktere hier sehr gewöhnungsbedürftig. Die verschwundene Luisa wird von den Erwachsenen, sogar von ihrer Mutter, als Störenfried, verzogenes Gör beschrieben und hat wenig Liebenswertes an sich.
Die mehrmaligen Wiederholungen über Lenas Kindheit bzw. Jugend sind ein wenig zäh, denn man erfährt nichts wirklich neues.

Interessant zu lesen ist, dass die Hierarchie bei der polnischen Polizei ziemlich militärisch wirkt, was für die deutsche Ermittlerin durchaus irritierend ist. Nun ja, man wird sehen, wie es mit diesem ungleichen Paar weitergehen wird.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Reihenauftakt, der ein Ermittler-Duo zeigt, dass beide randvoll mit Vorurteilen dem jeweils anderen gegenüber sind, und trotzdem zusammenarbeiten müssen, 4 Sterne.

Veröffentlicht am 03.05.2026

Eine Leseempfehlung!

OTTO fährt los – Eine Reise nach England
0

In seiner aktuellen Reise begibt sich Zauberbus Otto gemeinsam mit seiner Ferienfamilie Papa Martin, Freda und Arthur nach England. Dort steigen noch Tante (Aunt) Lissy und deren Dackel Daisy ein.

Dass ...

In seiner aktuellen Reise begibt sich Zauberbus Otto gemeinsam mit seiner Ferienfamilie Papa Martin, Freda und Arthur nach England. Dort steigen noch Tante (Aunt) Lissy und deren Dackel Daisy ein.

Dass die Überfahrt nicht mittels Fähre erfolgt sondern durch den Eurotunnel, sorgt bei Otto für ein mulmiges Gefühl. So sehen die kleinen (und großen) Leser, dass auch der Tausendsassa Zauberbus Otto nicht ganz perfekt ist. Und angst haben ist schließlich keine Schwäche, sondern ein wichtiges Gefühl.

Die Reise durch England führt die Familie an vielen bekannten Wahrzeichen vorbei. Wie schon bei den Vorgängern ist die Reise mit Otto viel zu schnell vorbei.

Die Illustrationen von Stefanie sind abermals sehr gut gelungen. Mir gefällt das Grundkonzept der Bücherreihe von "Otto fährt los". Es gibt bereits vier andere Bücher über den Zauberbus, die jeweils einem europäischen Land bzw. einem beliebten Urlaubsziel in Europa gewidmet sind.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Reiseführer für abenteuerlustige Kinder 5 Sterne.

Veröffentlicht am 02.05.2026

Ein Dorf und seine Geheimnisse

Mittsommertod
0

Die Sozialarbeiterin Ebba Lorenz hat gerade ihren Job verloren und braucht zudem eine Beziehungspause von ihrem Freund Andreas, der ihr in seiner Firma einen Job verschaffen will. Sie findet das übergriffig ...

Die Sozialarbeiterin Ebba Lorenz hat gerade ihren Job verloren und braucht zudem eine Beziehungspause von ihrem Freund Andreas, der ihr in seiner Firma einen Job verschaffen will. Sie findet das übergriffig und reist kurz entschlossen von Hamburg in das kleine schwedische Dorf Björkberg, um zum einen Abstand zu gewinnen und zum anderen das alte Haus ihrer Urgroßmutter zu renovieren.
Kaum angekommen, wird der Grundschullehrer erschossen aufgefunden. Ein Jagdunfall kann recht bald ausgeschlossen werden, weshalb Kriminalkommissar Ole Lund und sein Kollege Albin Nordwall Ermittlungen aufnehmen, die sie unter anderem in eine Seniorenresidenz führen. Ebba gilt im Gegensatz zu Ole als Einheimische und kommt so recht leicht (und manchmal auch ungewollt) mit den Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohnern ins Gespräch.
Als dann während des Mittsommerfestes eine zweite Leiche gefunden wird, scheint es einen Zusammenhang mit einem Doppelmord an zwei jungen Frauen zu geben, der sehr lange zurückliegt. Man hat damals einen 16-jährigen der Morde schuldig gesprochen, der nach der Verbüßung seiner Haft kurz wieder nach Björkberg zurückkehrt und plötzlich verschwunden ist. Ausgewandert sei er, so heißt es im Dorf. Doch stimmt das?
Und wer ist die geheimnisvolle Gestalt, die immer wieder unerwartet auftaucht und gleich wieder verschwindet?
Meine Meinung:

Dieser Krimi, der Auftakt zu einer neuen Reihe ist, beginnt eher gemächlich. Gemeinsam mit Ebba tauchen wir in die verschworene Gesellschaft in Björkberg ein. Viel Wald, bunte Häuser - so wie sich Touristen ein schwedisches Dorf eben vorstellen. Dennoch liegt eine eigentümliche Stimmung über Björkberg. Es scheint, als hätte die Bevölkerung etwas mehr zu verheimlichen als Familienzwistigkeiten oder Alkoholprobleme. Langsam, aber stetig nimmt die Spannung zu, bis sie eskaliert.

Die Charaktere sind sehr fein herausgearbeitet. Ole Lund, der nach dem Tod seiner Frau von der Großstadt aufs Land gezogen ist, muss man einfach mögen. Er ist nicht als Wunderwuzzi oder als Ekel beschrieben, sondern als Person, die vom Schicksal ein wenig gebeutelt worden ist. Schmunzeln musste ich über die Gerichtsmedizinerin Uma Draken, von der die meisten Polizisten nur als „Drachen“ sprechen. Ja, sie ein wenig spröde, aber sehr kompetent und gibt klare Richtlinien vor. Ebba hingegen braucht noch ein wenig Zeit, sich neu zu orientieren. Ob aus den Ole und Ebba etwas wird? Ich denke, die Fortsetzung wird es uns zeigen.

Die Autorin beschreibt die Mentalität der Menschen der Provinz Värmland, die durch Wetter und karge Landschaft geprägt sind, recht gut.

Fazit:

Obwohl mir schwedische Krimi manchmal zu depressiv sind, hat mir dieser recht gut gefallen, weshalb ich 4 Sterne vergebe.

Veröffentlicht am 01.05.2026

Eine Leseempfehlung

La vie en rose
0

Hier werden Frankreich-Fans Ohren machen und staunen ....

Ähnlich wie Eric Pfeil mit seinen beiden Büchern („Azzurro“ und „Ciao, Amore, Ciao“) über Songs aus Italien und deren Musiker, hat Christoph Sator ...

Hier werden Frankreich-Fans Ohren machen und staunen ....

Ähnlich wie Eric Pfeil mit seinen beiden Büchern („Azzurro“ und „Ciao, Amore, Ciao“) über Songs aus Italien und deren Musiker, hat Christoph Sator versucht, mit seinen 100 Favoriten die breite musikalische Landschaft Frankreichs zu beschreiben. Die Auswahl ist natürlich (s)eine sehr Persönliche. Er hat dafür seine individuelle Play List bzw. Interpreten das Alphabet von „Aznavour“ bis „Zaz“ bemüht. Nicht immer strukturiert oder chronologisch reiht er von 1945 bis 2021 Chanson an Chanson . Anders als Pfeil, der auch Opernsänger Enrico Caruso in sein „Repertoire“ aufnimmt, bleibt Sator bei der leichten Muse, was aber weder als Kritik am Musikgenre noch an der vorgenommenen Auswahl verstanden werden soll, denn nicht alle Chansons verdienen das Prädikat „leicht“, viele sind vielmehr dunkelgraue Lieder (© Ludwig Hirsch).

Ob die ausgewählten hundert Songs mit meinen persönlichen Vorlieben übereinstimmt? Ehrlich gesagt mag ich die alten Chansons einer Edith Piaf oder Jules Dassin oder Charles Aznavour lieber als die Popkultur der 2000er.

Mit Dalidas „Paroles, Paroles“ verbinde ich immer mein Scheitern im Französischunterricht. Wir mussten (1976) den Text von der Kassette auf Papier bringen. Nun, ich habe damals leider nur einen gebrauchten und eiernden Kassettenrecorder besessen, der das mehrmals überspielte Band nun mit Ach und Krach (im wahrsten Sinne der Wortes) durch den Lautsprecher gebracht hat.

Ein paar Jahre später hat mir ein bis heute unbekannter Verehrer die Single „Je t’aime“ an die Wohnungstüre gehängt.

Schmunzeln musste ich über die vielen Anekdoten, die Sator über die Interpreten zu schildern weiß, sowie Frankreichs Abscheu (?) Fremdsprachen, vor allem Englisch, gegenüber. Das eine oder andere Klischee wird liebevoll bedient. L‘amour toujours - auch wenn selbige nur die Halbwertszeit eines kurzen Sommerurlaubs hat.

Fazit:

Gerne gebe ich dieser launigen Liebeserklärung an das musikalische Frankreich 5 Sterne.

Veröffentlicht am 01.05.2026

Eine Leseempfehlung

Bredouille
0

In seinem Drang, allen helfen zu wollen, gerät der sympathische Bruno diesmal selbst in die Bredouille. Es scheint, als würde jemand versuchen, ihn zu desavouieren. Nun, der- oder diejenige hat nicht mit ...

In seinem Drang, allen helfen zu wollen, gerät der sympathische Bruno diesmal selbst in die Bredouille. Es scheint, als würde jemand versuchen, ihn zu desavouieren. Nun, der- oder diejenige hat nicht mit Brunos Netzwerk, das bis in den höchsten Gremien der französischen Regierung reicht, gerechnet - so viel sei an dieser Stelle verraten.

Auf einem abgelegenen Rastplatz entdeckt Bruno ein abgestelltes Fahrzeug mit einer toten Frau, Monique Duhamel. Obwohl alles auf einen Selbstmord hindeutet, hat Bruno das untrügliche Gefühl, an einem Suizid zweifeln zu müssen. Dieses Gefühl, etwas übersehen zu haben, beschäftigt auch Brunos Freundinnen, Fabiola, die Ärztin bei der Monique in Behandlung war, und die Richterin Annette, die Monique ebenfalls gekannt hat.

Während sich Bruno Moniques Leben durchleuchtet, gerät ein junger Rekrut der Polizeiakademie auf Abwege. Er ist korrupt und mit den sexuellen Übergriffen auf mehrere Frauen, darunter ist auch die Sekretärin des Bischofs, schlägt er dem Fass den Boden aus. Blöderweise ist er ein Neffe eines einflussreichen Generals, der seinem missratenen Verwandten die Stange hält. Wird der Rekrut zu Verantwortung gezogen werden können?

Beinahe gleichzeitig gerät Bruno in weitere Schwierigkeiten, als er versucht die Konflikte eines befreundeten Ehepaares zu schlichten. Dabei muss er wenig später erkennen, dass gut gemeint nicht automatisch gut bedeutet, vor allem wenn das allzu öffentlich passiert. Hier kann ihm Colette, die ihm als Verwaltungsassistentin zur Seite, aus der Bredouille helfen. Auch sonst erweist sich Colette als brillante Verbündete, hat sie doch selbst ein weit verzweigtes Netzwerk.

Meine Meinung:

Nach dem Bruno in seinem 18. Fall mit vereinten Kräften den diversen Bedrohungen entkommen ist, hat Autor Martin Walker beschlossen, seinem unbefriedigendem Privatleben einem Schubs zu geben. Was genau, müsst ihr selbst lesen. Schön, dass Bruno auch auf diesem Gebiet ein wenig erwachsen wird. Aber, es muss ja nicht alls perfekt sein. Vielleicht gelingt es Bruno ja, endlich eine passende Partnerin zu finden. Vermutlich werden dann Legionen von Frauen heiße Tränen vergießen. Vielleicht wird ja die eine oder andere aus Enttäuschung auch Rache nehmen? On verra!

Fazit:

Gerne gebe ich diesem 18. Fall, der neue Möglichkeiten für Bruno eröffnet, 5 Sterne.