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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.02.2020

Hat mich nicht vollends überzeugt

Frank Goosen über The Beatles
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Also von diesem Buch habe ich mir mehr erwartet. Natürlich ist es schwierig, etwas Neues über die Beatles zu schreiben, da doch schon alles gesagt ist.

Das Buch ist in drei Teile gegliedert:

Im ersten ...

Also von diesem Buch habe ich mir mehr erwartet. Natürlich ist es schwierig, etwas Neues über die Beatles zu schreiben, da doch schon alles gesagt ist.

Das Buch ist in drei Teile gegliedert:

Im ersten schildert der Autor wie er zu einem Beatles-Fan geworden ist. Die Episode, dass der Vater statt eines Honorars Schallplatten in Zahlung genommen hat, ist sehr nett, zeugt es doch von Liebe und Empathie in der Vater/Sohn-Beziehung.

Im zweiten Teil reist der Autor mit seiner Familie nach Liverpool, um seinen Jugendidolen nach zu sein. Witzig dabei, dass die eigenen Söhne dem Kult nicht gar so viel abgewinnen können.

Der dritte Teil ist meiner Ansicht nach unnötig. Beschreiben, wie man Schallplatten hört?

Meine Meinung:

Der Schreibstil ist recht witzig ist doch der Autor ein Kabarettist. Der erste Teil hat mir noch am besten gefallen. So Kindheits- pardon Jugenderinnerungen aus der Distanz nochmals Revue passieren zu lassen, hat schon einen nostalgischen Wert.

Fazit:

Eine sehr persönliche Reminiszenz an die Zeit der Beatles. Wer mehr über die Fab Four erfahren möchte, muss ein anderes Buch lesen. Es reicht gerade mal für 3 Sterne.

Veröffentlicht am 20.02.2020

AUs der Sicht eines Einwandererkindes

Sie şprechen ja Deutsch!
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Wenn die Wettermoderatorin Eser Akbaba seit mehr als 10 Jahren mit einem fröhlichen“Schönen gute Abend beim Wetter“, aus dem österreichischen Fernsehen schaut, kann man annehmen, dass sie trotz ihres ausländischen ...

Wenn die Wettermoderatorin Eser Akbaba seit mehr als 10 Jahren mit einem fröhlichen“Schönen gute Abend beim Wetter“, aus dem österreichischen Fernsehen schaut, kann man annehmen, dass sie trotz ihres ausländischen Namens eine waschechte Österreicherin ist.

Mit viel Augenzwinkern und Demut erzählt Eser Akbaba die Geschichte ihrer Eltern, die als Gastarbeiter aus Anatolien nach Österreich gekommen sind, um Geld für die Familie zu verdienen. Sie beschreibt die Schwierigkeiten ihrer Mutter, die wie viele Frauen damals nicht in die Schule gehen durften und Zeit ihres Lebens Analphabetin geblieben ist und dabei dennoch mehr als nur türkisch spricht. Denn türkisch ist für die Akbabas eine ihnen aufgezwungene Fremdsprache.
Eser Akbaba erzählt aber auch, wie sie es als Kind gehasst hat, für ihre Eltern vor Ämtern und Behörden zu dolmetschen. Damit ist sie nicht alleine. Auch heute müssen viele Kinder vor allem für die Mütter dolmetschen. Die salopp hin geworfene Bemerkung mancher Österreicher „Die sollen deutsch lernen“ scheitert häufig daran, dass vor allem die Frauen nicht alphabetisiert sind und daher kaum eine Chance haben, die fremde Sprache zu lernen. Esers Mutt Gülistan, der dieses Buch gewidmet ist, ist es extrem wichtig, dass ihre sechs Kinder eine ordentliche Schulbildung (auch wenn die eine oder andere Ehrenrunde dabei war) erhalten. Eser muss den Traum der Mutter, ein Studium abschließen zu können, leben.

Denn so sagt Gülistan Akbaba: „Du sollst es einmal viel besser haben als ich. Du sollst studieren und von niemandem abhängig sein“.

Dem ist wohl wenig hinzuzufügen. Vielleicht hilft der Wechsel in Gülistans Perspektive, mit dem Vorurteil, dass sich Ausländer nicht integrieren wollen, ein wenig aufzuräumen.

Gut gefallen mir die acht Märchen, die einen Zusammenhang mit Eser Akbaba haben. Eine echt nette Idee!.

Gerne gebe ich diesem locker erzählten Buch, das doch einen ernsten Hintergrund hat, 4 Sterne.

Veröffentlicht am 19.02.2020

Fesselnd bis zur letzten Seite

Die Spionin
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Dieser historische Roman erzählt die Geschichte der Australierin Nancy Wake, die als Captaine „Feldmarschall“ Wake rund 7.000 Mann der Résistance befehligt hat. Wie kommt es dazu?

Nancy Wake verlässt ...

Dieser historische Roman erzählt die Geschichte der Australierin Nancy Wake, die als Captaine „Feldmarschall“ Wake rund 7.000 Mann der Résistance befehligt hat. Wie kommt es dazu?

Nancy Wake verlässt Australien, um als Journalistin zu arbeiten. Sie ist im Jahr 1938 in Wien und muss hier, wie schon zuvor in Deutschland, zusehen, wie die jüdische Bevölkerung verfolgt wird. Sie geht nach Frankreich und beschließt etwas dagegen zu unternehmen. Zuerst als Geliebte und dann als Ehefrau des reichen Henri Fiocca unternimmt sie Kurierfahrten für die Résistance. Das Image der gelangweilten, schönen reichen Tussi kommt hier zu gute. Die Lage spitzt sich dramatisch zu, als die Deutschen herausfinden, dass Nancy die lang gesuchte „Weiße Maus“, die ihnen ständig zwischen Fingern davon schlüpft, sein könnte. Während Nancy die Flucht über die Pyrenäen gelingt, wird Henri von der Gestapo verhaftet und gefoltert.

Nancy absolviert in Schottland ein Überlebenstraining und kehrt Ende April 1944 per Fallschirm nach Frankreich zurück. Dort soll sie sich einer der zahlreichen Widerstandsgruppen anschließen, sie zu einer paramilitärischen Einheit formen und gegen die Deutschen führen. Da ihr die vorgesehene Gruppe nicht vertrauenswürdig vorkommt, entschließt sie sich, eine anderen Truppe auszubilden. Gemeinsam mit dem schwulen Funker bildet Nancy ein exotisches Duo, das sich erst das Vertrauen der Männer erarbeiten muss. Anders als die Männer des Maquis, geht sie auf die Frauen, die die Hauptlast der Besatzung tragen müssen zu. Sie hilft mit Geld, sie bezahlt die Lebensmittel anstatt sie einfach zu requirieren. Sie zahlt den Männern Sold und hilft den Familien, wenn deren Häuser zerstört werden.
Dann geht es Schlag auf Schlag: Brücken werden gesprengt, Straßen vermint und immer wieder kann Nancy ihr strategisches Geschick ausspielen. Letztendlich verleihen ihr ihre Männer den Titel „Feldmarschall“. Die Rechnung geht auf, auch wenn es immer wieder Tote und Verletzte zu beklagen gibt. Erst nach der Befreiung von Paris im August 1944 erfährt sie, dass ihr Mann Henri bereits 1943 von den Deutschen hingerichtet worden ist.

Meine Meinung:

Es gab sie, die Menschen, die das eigene Leben für andere riskierten, die den Nazis die Stirn boten: Nancy Wake ist einer dieser Menschen. In der deutschen Literatur nicht wirklich bekannt.

Über die Résistance ist schon viel geschrieben worden. Doch diese Berichte sind eher aus männlicher Sicht. Frauen kommt hier eher eine untergeordnete Rolle zu. Dieser historische Roman ist ganz auf Nancy Wake zugeschnitten. An Hand ihrer Autobiografie bzw. frei gegebener Akten hat das Autoren-Duo Imogen Robertson und Darby Kealy ihre Lebensgeschichte rekonstruiert. Die beiden sparen auch die Gräueltaten nicht aus.

Allerdings gibt es auch paar Stellen, wo ich doch schmunzeln musste. Auf S. 169, als Nancy in Pumps und Seidenstrümpfen aus dem Flugzeug springt und in Frankreich landet. Oder das gute Zusammenspiel zwischen ihr und dem schwulen Funker - beide Exoten, die vom Rest der Truppe scheel angesehen wird. Auch, dass neben Waffen, Sprengstoff und sonstigem Kriegsmaterial Kosmetika für Nancy abgeworfen wurden, hat mich ein wenig erheitert. Der Lippenstift mit der Bezeichnung „Victory-Red“ hat auch Symbolkraft. Jetzt muss ich schauen, ob ich den Roman „Codename Hélène“ von Michael Jürgs auftreiben kann. Denn das Leben der Nancy Wake interessiert mich sehr.

Fazit:

Ein gut recherchierter historischer Roman, der bis zur letzten Seite fesselt. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 19.02.2020

Fesselnd bis zur letzten Seite

Echo des Schweigens
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Der junge Hamburger Strafverteidiger Hannes Jansen hat den wohl brisantesten Fall seiner bisherigen Karriere vor sich: Er soll einen ehemaligen Polizisten verteidigen, der des Mordes an einem Asylwerber ...

Der junge Hamburger Strafverteidiger Hannes Jansen hat den wohl brisantesten Fall seiner bisherigen Karriere vor sich: Er soll einen ehemaligen Polizisten verteidigen, der des Mordes an einem Asylwerber angeklagt ist. Dass ihm im Gerichtssaal ausgerechnet Sophie Tauber, die Frau, die vor kurzem kennen und lieben gelernt hat, mit einem neuen Gutachten gegenübersteht, ist ein gefinkelter Schachzug des Autors. Sophie Tauber ist eine gewissenhafte Pathologin und kann mit diesem Gutachten beweisen, dass der Polizist schuldig ist. Zusätzlich gibt es noch die Skizze des stummen Sohnes eines Polizeikollegens, der alles beobachtet haben will.

Doch dann begegnet Sophie erstmals ihrem verschollen geglaubten Vater und erfährt von ihrer wahren Familiengeschichte. Dabei verschwimmen Recht und Gerechtigkeit, als sie entdeckt, wozu sich ihre geliebte Mutter hinreißen hat lassen.
Wie wird sich Sophie entscheiden? Kann sie über ihren Schatten springen?

Meine Meinung:

Autor Markus versteht es meisterhaft Recht und Unrecht von mehreren Seiten zu beleuchten. Solange Sophie quasi als Vertreterin der Anklage zu sehen ist, ist alles für sie klar: Der Täter muss zur Strecke gebracht werden, um jeden Preis. Sei es, dass die Beziehung zum Verteidiger scheitert. Doch dieses Rechtsempfinden ändert sich schlagartig, als sie ihre Familiengeschichte kennenlernt.

Schon früh habe ich bei den Rückblenden in die Nazi-Zeit gewusst, dass Sophies Verständnis von Recht und Gerechtigkeit gehörig ins Wanken geraten wird - und Recht habe ich damit gehabt. Sehr spannend habe ich gefunden, wie schnell sich Sophie und ihr Vater, den sie ja zuvor nicht kannte, verstanden haben. Das war mir einen Hauch zu schnell. Sophie hat wenig Zweifel an der Geschichte, die er erzählt. OK, sie ist gut „unterfüttert“, aber trotzdem. Für mich ist Sophie ein analytisch denkender Mensch, dem ich doch ein Körnchen Misstrauen zugebilligt hätte.

Diese Geschichte hat mich völlig in den Bann gezogen. Ich bin förmlich darin versunken und habe das Buch innerhalb kürzester Zeit gelesen.

Sprachlich ist das Buch ein Genuss und die Charaktere sind fein herausgearbeitet.

Fazit:

Ein Lesehighlight, das sich wohltuend unter den vielen Publikationen hervorhebt. gerne gebe ich diesem Buch 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 19.02.2020

Traue keinem

Lübsche Wut
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Ralf Blum, langjähriger Insasse der JVA Lauerhof in Lübeck, hat Selbstmord begangen. Wirklich? Die Meinungen gehen hier stark auseinander, und vor allem, weint kaum jemand dem Toten eine Träne nach, denn ...

Ralf Blum, langjähriger Insasse der JVA Lauerhof in Lübeck, hat Selbstmord begangen. Wirklich? Die Meinungen gehen hier stark auseinander, und vor allem, weint kaum jemand dem Toten eine Träne nach, denn Blum ist als Kinderschänder und Mörder eines kleinen Jungen überführt und verurteilt worden. Dieses Klientel ist in der Hackordnung des Gefängnisses ganz zuunterst angesiedelt.
Da es dennoch Gerüchte auf Fremdverschulden gibt, werden KHK Birger Andresen und Ida-Marie Berg in die JVA gerufen, um jedweden Zweifel auszuräumen. Dabei kommen sie nicht nur dem LKA in die Quere sondern sehen sich auch einem höchst unkooperativen Anstaltsleiter gegenüber.
Es scheint, als würde jemand späte Rache an Blum nehmen wollen. Doch wer? Und warum arbeitet das LKA so vehement gegen Andresen & Co.? Sind hier hochrangige Politiker in einen veritablen Skandal verwickelt?

Meine Meinung:

Jobst Schlennstedt ist es gut gelungen, Misstrauen zu säen. Ich habe eigentlich keiner Person wirklich vertraut. Selbst Andresen und Berg kommen manchmal nicht ganz integer bei mir an. Das liegt vielleicht daran, dass ich die Vorgeschichte(n) der Ermittler nicht kenne. Immerhin ist dieser Krimi der 9. aus dieser Reihe.

Geschickt führt uns der Autor an der Nase herum, wenn es darum geht, mögliche Verdächtige auszumachen. Doch ich hatte dann doch bald den richtigen Riecher.

Das Thema Missbrauch und Kinderpornografie, ist wirklich besonders abscheulich. Besonders dann, wenn die Ehefrau des Täters und Mutter des Opfers davon weiß und nichts dagegen unternimmt. Ich will Blum hier nicht entschuldigen oder seine Taten schön reden, trotzdem ist er selbst ein Opfer. Dass Opfer zu Tätern werden oder an den an ihnen verübten Verbrechen zerbrechen, ist häufig. Das besonders perfide allerdings, sind die honorigen Herren, die sie am Leider der Kinder ergötzen. So gesehen kann man die späte Rache, die hier im Buch verübt wird, gut verstehen.

Fazit:

Für meinen ersten Birger-Andresen-Krimi vergebe ich 4 Sterne.