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Veröffentlicht am 13.06.2020

Verwirrend, verstörend und von allem zu viel

Der Würfelmörder
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Die schwedische Stadt Helsingborg wird von einer grausamen Mordserie heimgesucht: Zunächst wird ein kleiner syrischer Junge brutal in einer Waschmaschine zu Tode geschleudert, es folgt die Vergiftung einer ...

Die schwedische Stadt Helsingborg wird von einer grausamen Mordserie heimgesucht: Zunächst wird ein kleiner syrischer Junge brutal in einer Waschmaschine zu Tode geschleudert, es folgt die Vergiftung einer jungen Frau und der plötzliche Überfall auf einen Metzgereiverkäufer. Alle Fälle weisen weder Motiv noch Hinweise auf den Täter auf, noch dazu stehen sie scheinbar keinem Zusammenhang zueinander – oder ist genau DAS der Zusammenhang? Das Team um Fabian Risk ermittelt in alle Richtungen und steht vor mehr Fragen als Antworten. Er selbst wird durch düstere Geschehnisse in seiner Vergangenheit noch zusätzlich abgelenkt, seine Familie droht zu zerbrechen und er führt heimlich noch eine interne Untersuchung gegen einen Kollegen durch.

„Der Würfelmörder“ ist der vierte Band der Thriller Reihe um den Ermittler Fabian Risk, der bereits 2019 unter dem Titel „10 Stunden tot“ erschienen ist. Autor ist Schwedens erfolgreicher Bestseller-Export Stefan Anhem, von dem ich mir viel versprochen habe und leider auf ganzer Linie enttäuscht wurde. Auch die Aufmachung des Buches war sehr vielversprechend, die beiden Bücher der „Würfelmörder“-Dilogie sind durch die auffällige schwarz-gelbe Färbung mit jeweils unterschiedlicher Hintergrundfarbe sofort als zusammengehöriges Duo zu erkennen. Besonders schön finde ich, dass man die beiden Bücher "zusammensetzen" kann, so dass die jeweils abgeschnittenen Würfel ein Ganzes ergeben. Eine absolut ansprechende äußere Aufmachung. Leider kann der Inhalt nicht mit den Erwartungen, die Autor und Cover erwecken, mithalten.

Zunächst ist „Der Würfelmörder“ niemandem zu empfehlen, der als Quereinsteiger mit der Fabian-Risk-Reihe beginnen möchte. Ich hatte permanent das Gefühl, etwas Wichtiges verpasst zu haben, konnte gerade am Anfang vieles nicht nachvollziehen und habe mich insbesondere rund um Risks Familiengeschichte absolut verloren gefühlt. Dadurch, dass die Vorgeschichte nicht erläutert wird, sondern sich der Leser direkt mitten drinnen befindet, war dieser Teil des Buches sehr frustrierend.

Die Story selbst ist einfach nur verwirrend, da sie mit viel zu vielen Handlungssträngen, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben, vollkommen überlastet ist. An sich ist dies ein schönes Stilmittel, um die Spannung zu erhöhen, aber irgendwann müssen diese auch zusammenlaufen. Als nach über 300 Seiten stattdessen nur immer neue Nebenstränge dazu kamen blickte ich bald nicht mehr durch, auch die Einführung zahlreicher Personen, die immer mal wieder ganz plötzlich auftauchten hat für Verwirrung gesorgt. Es war einfach alles zu viel des Guten, die Konzentration auf wenige wirklich relevante Handlungsstränge hätte vollkommen ausgereicht. Außerdem ist so die Geschichte rund um den Würfelmörder, um den es laut Titel und Klappentext ja eigentlich gehen soll, völlig in den Hintergrund und beinahe in Vergessenheit geraten, er hat vergleichsweise nur wenig Raum bekommen. Nach 500 Seiten bleiben noch sehr viele lose Enden, da das Buch in einem offenen Schluss mit Cliffhanger endet, in dem kein einziger der Handlungsstränge aufgelöst wird. Dieser würde mich absolut unzufrieden zurück lassen, wenn es nicht noch einen zweiten Band gäbe, von dem ich mir nun eine Auflösung zumindest einiger Handlungsstränge erhoffe.

Auch mit seinen Figuren konnte Anhem bei mir nicht punkten: Sie wirken größtenteils formlos, unsympathisch und vermitteln den Eindruck, völlig inkompetente Ermittler zu sein. Am Schlimmsten fand ich dabei Irene Lilja, die sich komplett von ihren politischen Überzeugungen und Emotionen leiten lässt, sich dadurch unprofessionell verhält und immer wieder in Gefahr begibt. So eine Polizistin wäre in der Realität untragbar! Auch die mitunter etwas seltsam anmutenden Ermittlungsmethoden, die (v.a. im Fall der nervigen Irene Lilja) sicherlich auch so nicht legal sind wirken für mich wenig realitätsnah. Jeder der Ermittler scheint mindestens ein persönliches Problem zu haben, mit dem er/sie permanent kämpft und mehr beschäftigt ist als mit den eigentlichen Mordfällen. Lediglich Fabian Risk hat ganz zu Ende ein paar Sympathiepunkte bei mir gut gemacht, als er sich wieder verstärkt in die Ermittlung rund um Columbus eingeschalten hat.

Was mir auch überhaupt nicht gefallen hat ist die sehr tendenziöse Gut-Böse-Darstellung, in der mehr als deutlich die Gesinnung des Autors deutlich wird. Ich mag es insgesamt nicht, wenn ein Autor seine politische und gesellschaftliche Überzeugung so augenscheinlich darlegt und all seine Figuren danach handeln lässt. Selbst wenn diese berechtigt und im Sinne des Lesers ist, fühle ich mich dadurch doch bevormundet und manipuliert. Des Weiteren wurden zahlreiche wichtige Themen angesprochen, aber so durcheinander vermischt, dass ich als Leser irgendwann nicht mehr wusste, ob sich das Buch nun um Rassismus, die Neonazi-Szene, brutale Obdachlosenmorde, Jugendkriminalität, die Swinger- & BDSM-milieu, Pädophilie, Okkultismus oder was auch immer bedient. Ich hatte das Gefühl es werden sämtliche aufmerksamkeitserregende Themen „abgearbeitet“. Schade auch, dass dabei so viele Klischees bedient wurden, so dass viele dieser wichtigen Themen konstruiert wirkten.

Was jedoch positiv hervorzuheben ist, ist der flüssige und lebendige Schreibstil Stefan Anhems. Jeder Handlungsstrang für sich ist sowohl toll geschrieben, als auch interessant konstruiert und erzählt. Ab der ersten Zeile ist die Spannung hoch und lässt auch bis zum Ende nicht nach. Einige Darstellungen sind dabei sehr brutal und blutrünstig, mehr gestört hat mich aber die zuweilen doch recht vulgäre Fäkalsprache, bei der auch mit Schimpfworten und Beleidigungen nicht gespart wurde.

Zusammenfassend bin ich von Band 1 des „Würfelmörders“ leider nicht überzeugt. Stefan Ahnhem presst einfach viel zu viele Themen und Handlungsstränge in das Buch. Meine Erwartungen an Band 2 sind groß, da ich hoffe, dass beide Bände zusammen zu einer Einheit finden, die mich mit Band 1 versöhnen kann. Dieser kann definitiv nicht für sich alleine stehen und enttäuscht somit.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.06.2020

Spannender Krimi mit interessantem Hintergrund zur deutsch-dänischen Geschichte

Nordlicht - Die Spur des Mörders
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Ein neuer Fall für die deutsch-dänische Sonderermittlungseinheit rund um Vibeke Boisen und Rasmus Nyborg: Am Fuß des Flensburger Idsted-Löwen – DEM Symbol für die Freundschaft zwischen den benachbarten ...

Ein neuer Fall für die deutsch-dänische Sonderermittlungseinheit rund um Vibeke Boisen und Rasmus Nyborg: Am Fuß des Flensburger Idsted-Löwen – DEM Symbol für die Freundschaft zwischen den benachbarten Ländern – wird eine brutal zugerichtete Leiche gefunden. Schnell wird klar, dass es sich dabei um den 73jährigen Karl Bentien handelt, einem ehemaligen Lehrer mit dänischen Wurzeln. Doch wer hat Interesse daran, einen alten Mann zu töten? Vibeke und Rasmus tauchen tief in Bentiens Vergangenheit ein und finden zahlreiche und Verdächtige auf beiden Seiten der Grenze, die ein mögliches Motiv hatten, Karl Bentien umzubringen. Ist wirklich Rassismus der Grund für seinen Tod – oder liegen die Gründe viel tiefer versteckt in seiner Vergangenheit?

„Nordlicht – Die Spur des Mörders“ ist der zweite Band der norddeutschen Autorin Anette Hinrichs um die internationale Sonderermittlungseinheit um das Ermittlerduo Vibeke Boisen und Rasmus Nyborg. Ich kannte den Vorgängerband nicht, hatte aber glücklicherweise auch nicht das Gefühl, das man diesen gelesen haben muss, um den zweiten Teil zu verstehen. Vorfälle aus dem ersten Band werden zwar angedeutet, sind aber zum Gesamtverständnis nicht notwendig. Mir hat sehr gut gefallen, dass so auch ein Quereinstieg in die Reihe problemlos möglich ist.

Auf den ersten Blick ansprechend fand ich das farbenfrohe Cover mit dem langen Pier, an dessen Ende Segelboote vertaut sind und ein Dorf im Hintergrund vage zu erkennen ist. Als Leser fühlt man sich sofort nach Norddeutschland versetzt. Beim Aufschlagen des Buches die nächste Freude: Vorne in der Buchklappe finden sich Karten von Flensburg und dem deutsch-dänischen Grenzgebiet, auf denen man die Wege handelnden Personen nachverfolgen und sich geographisch orientieren kann. In der hinteren Klappe sind zudem Fotos einiger realer Schauplätze abgebildet, die im Buch genannt werden – eine sehr hochwertige und durchdachte Umschlaggestaltung!

Die Geschichte selbst beginnt mit einem grausamen Prolog aus der Vergangenheit, der den Leser ratlos und betroffen hinterlässt. Die folgenden Kapitel umfassen größtenteils sehr viele Seiten und wären mir an sich zu lang gewesen, wenn sie nicht regelmäßig durch Zwischenkapitel, eingeleitet durch die Angabe von Orten, Ländern und manchmal Jahreszahlen, unterbrochen worden wären. Da die Geschichte nicht ausschließlich in der Gegenwart spielt erhält der Leser somit einen guten Überblick, in welcher Lebensphase des jeweiligen Protagonisten man sich befindet – man wird somit zum Mitdenken und -rechnen angeregt. Das Buch endet mit einem Epilog, welcher gut zum Prolog passt und dem Buch insgesamt somit einen schönen Rahmen gibt. Auch das Nachwort der Autorin, in dem Erläuterungen zum geschichtlichen Hintergrund und zur Entstehung der Idee des Buches im aufgeführt werden, ist absolut stimmig.

Zu Beginn laufen sehr viele Handlungsstränge parallel zueinander ab, es werden verschiedene Personen eingeführt, die zunächst scheinbar nichts miteinander zu tun haben. Teilweise ging mir das etwas zu schnell, so dass ich beinahe den Überblick verloren habe. Sobald die verschiedenen Nebengeschichten miteinander in Verbindung gebracht werden konnten, war aber wieder alles nachvollziehbar. Der Autorin ist es ganz grandios gelungen, sämtliche lose Fäden so zusammenzuführen, dass es für den Leser spannend und überraschend war. Zudem gab es zahlreiche Wendungen und ein unvorhergesehenes Ende, das mir gut gefallen hat. Insgesamt steigt der Spannungsbogen nicht zu steil auf ein bestimmtes Ereignis hin an, sondern bleibt konstant und dennoch fesselnd. Der natürliche Schreibstil von Anette Hinrichs lässt den Leser die Ereignisse gut nachvollziehen, dazu beschreibt sie Personen, Schauplätze und Gegebenheiten so detailliert, dass man authentische Bilder vor Augen hat. Kritisieren kann ich nur zahlreichen Abkürzungen, für die mir leider die einmalige Erklärung nicht ausgereicht hat.

Die beiden Protagonisten des Buches sind Ermittler mit Ecken und Kanten, beide haben ihre ureigenen Probleme, die immer mal wieder zwischendurch thematisiert werden. Insgesamt ist die Balance zwischen dem Privatleben der Polizisten und ihrem zu lösenden Fall ausgeglichen. Vibeke Boisen war mir direkt sympathisch, sie ist eine seriöse Ermittlerin, die ihren Job sehr ernst nimmt und über eine bemerkenswerte Selbstkontrolle verfügt. Ihr dänischer Kollege Rasmus Nyborg stellt hier das glatte Gegenteil dar, er bevorzugt unkonventionelle Methoden und führt die regelkonforme Vibeke mit seiner lockeren Art an ihre Grenzen. Das internationale Team um die beiden sowie sämtliche Nebenfiguren wurden ebenfalls glaubhaft charakterisiert und wirken authentisch.

Am meisten beeindruckt haben mich aber die vielen gut recherchierten Hintergründe zur deutsch-dänischen Geschichte, über die mir vorher kaum etwas bekannt war. Als Leser spürt man, wie wichtig der Autorin die Aufarbeitung der Vergangenheit ist und wie sehr sie sich mit der Geschichte ihres Landes verbunden fühlt. Mich hat es sehr berührt, von den deutschen Kriegsflüchtlingen und deren Kasernierung in dänischen Lagern zu lesen. Anette Hinrichs ist sehr gut gelungen, sich diesem schwierigen Thema anzunehmen und es scheinbar mühelos in die Kriminalgeschichte zu integrieren, so dass das Buch eine unerwartete Tiefe innehat. Das macht das Buch alles in allem zu einer Geschichte, die unter die Haut geht. Ich habe einen Krimi erwartet und zusätzlich aber bewegendes über ein Thema gelernt, dass mir bisher kaum bewusst war.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.06.2020

Humorvolle magische Ermittlungen und ein genialer sprechender Kater

Hex Files - Hexen gibt es doch
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Ivy Wilde könnte ein so beschauliches Leben haben, denn der Job als Taxifahrerin lässt ihr genügend Freiraum, um sich ihrer Lieblingsbeschäftigung zu widmen – dem süßen Nichtstun! Ivy kann sich nichts ...

Ivy Wilde könnte ein so beschauliches Leben haben, denn der Job als Taxifahrerin lässt ihr genügend Freiraum, um sich ihrer Lieblingsbeschäftigung zu widmen – dem süßen Nichtstun! Ivy kann sich nichts Schöneres vorstellen, als tagein tagaus auf dem Sofa vor dem Fernseher zu liegen, ungesundes Fast Food in sich hineinzustopfen und mit Kater Brutus zu schmusen. Doch ganz so einfach ist es nicht, denn Ivy ist eine Hexe und mit dem sprechenden, anspruchsvollen Brutus streitet sie mehr als dass sie kuschelt. Mit der ehrgeizigen Welt der anderen Hexen, die im „Heiligen Ordens der Magischen Erleuchtung“ organisiert sind und dort Karriere machen, möchte die bequeme Ivy nichts zu tun haben. Dumm gelaufen, dass sie eines Tages aufgrund einer Verwechslung mit genau diesem verhassten Orden konfrontiert wird: Unfreiwillig wird sie mit einem Zauber an den strengen Adeptus Exemptus Raphael Winter gebunden, die beiden somit verpflichtet als Team zusammen zu arbeiten. Zunächst sträubt sich Ivy nach Kräften, doch nach und nach muss auch sie einsehen, dass der auszuführende Job in der Ermittlungsbehörde des Ordens durchaus spannend ist – und Adeptus Winter doch kein so übler Typ…

Helen Harper hat mit „Hex Files – Hexen gibt es doch“ einen fulminanten Auftakt einer neuen magischen Reihe rund um Hexe Ivy gestartet. Das Wichtigste vorab: Ich habe mich wahnsinnig über die Geschichte und die Charaktere amüsiert und beim Lesen sehr viel gelacht! Der Schreibstil ist sehr angenehm und flüssig zu lesen und strotzt an vielen Stellen vor Ironie und Sarkasmus – ein Buch, das einfach nur Spaß macht! Angedeutet wird das bereits durch die vorangestellte Widmung "Für alle Stubenhocker dieser Welt" und den absolut treffenden Titel der englischsprachigen Ausgabe: „The lazy girl‘s guide to magic“. Da weiß man sofort, auf was man sich einlässt!

Im Buch hat Helen Harper eine magische Welt erschaffen, in die man sich problemlos einfindet. Mir hat es gut gefallen, dass mir als Leser nicht alles erklärt wurde, sondern ich mir viele Dinge selbst erschließen konnte und die magischen Elemente durchdacht in die „normale“ Welt integriert wurden. Die Geschichte ist aus Sicht der Ich-Erzählerin Ivy dargestellt, der Leser lernt sie somit nicht nur durch ihr Handeln, sondern auch ihre (humorvollen) Gedanken sehr gut kennen. Lediglich der Epilog ist aus Sicht von Raphael Winter geschrieben, ein an dieser Stelle sehr stimmiger Perspektivwechsel.

Womit ich zunächst nicht gerechnet hatte war, dass es sich bei dem Buch um einen (magischen) Kriminalfall handelt – welcher aber spannend und ereignisreich vorangetrieben wurde. Es gab unterhaltsame Ermittlungen, Wendungen und falsche Spuren (teilweise auch befeuert durch Ivys zahlreiche haltlose Verdächtigungen) und eine überraschende Aufklärung des Falles (wiederum durch Ivys unkonventionelle Methodik). Begleitet wurde das alles durch witzige Nebensächlichkeiten, sarkastische Dialoge und sich langsam entwickelnde Gefühle. Sehr positiv an dem Buch bewerte ich ebenfalls die subtile Liebesgeschichte, die sich noch gar nicht als solche entwickelt – der Schluss endet offen und mit einigen Gründen, die Folgebände zu lesen.

  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Fantasy
Veröffentlicht am 06.06.2020

Der fränkische Derrick in der modernen Welt

Der Franken-Bulle
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Eigentlich sollte es nur ein ganz normaler Drehtag am Bamberger Set der Krimiserie „Der Frankenbulle“ werden, doch plötzlich ist eine Darstellerin tot: Aus der Waffe der Hauptperson ist anstatt der üblichen ...

Eigentlich sollte es nur ein ganz normaler Drehtag am Bamberger Set der Krimiserie „Der Frankenbulle“ werden, doch plötzlich ist eine Darstellerin tot: Aus der Waffe der Hauptperson ist anstatt der üblichen Platzpatrone ein tödliches Geschoss herausgekommen. Das Opfer war noch dazu keine Schauspielerin, sondern die berühmte Drehbuchautorin, die einmal in der Verfilmung ihrer Krimis mitspielen wollte. Die ermittelnden Beamten Horst Müller und Paulina Kowalska finden schnell heraus, dass es sich nicht wie anfangs vermutet um einen Unfall handelt, sondern die Waffe des Hauptdarstellers ausgetauscht wurde. Um den Mord aufzuklären tauchen die Polizisten tief in die Welt des Buchhandels und der Lokalkrimis ein, in der jeder denkt ein Autor zu sein.

„Der Franken-Bulle“ ist der neue Bamberg-Krimi des Autors Harry Luck. Ihm ist es sehr gut gelungen, das typisch fränkische Lokalkolorit einzufangen, wer Bamberg kennt wird die Stadt aufgrund der anschaulichen Schilderungen wieder erkennen. Auch typisch fränkische Mundart, Verhaltensweisen und Speisen lassen den Leser gedanklich direkt in die Region reisen. Das Cover passt stimmig zur Geschichte, die typischen Fachwerkhäuser und die abgebildeten Türme des Kloster Michelsberg geben ihr einen passenden Rahmen.

Mit Horst Müller und Paulina Kowalska hat der Autor ein Ermittlerduo geschaffen, das unterschiedlicher nicht sein könnte und bei dessen Charakterisierung mit sämtlichen Klischees und Vorurteilen gespielt wird: Der alteingesessene Müller ist mit seiner brummelig Art der „typische Oberfranke“, er hält nostalgisch an alten Werten und Vorstellungen fest, kennt sämtliches unnütze Wissen und besteht auf die korrekte Anwendung der deutschen Rechtschreibung und Grammatik. Auch wenn er als Spießer überzeichnet wird ist der dennoch sympathisch, denn er besticht mit seinem fränkischem Humor und seiner väterlichen Bodenständigkeit. Sein Gegenpart bildet die junge Paulina Kowalska, die modern und sehr technik-affin dargestellt wird. Das Ermittlerduo arbeitet dennoch harmonisch zusammen, beide nutzen ihre verschiedenen Stärken, um sich zu ergänzen und auf das gemeinsame Ziel hinzuarbeiten. Hie kleinen Neckereien zwischen den beiden sind sehr amüsant zu lesen, ihre Dialoge machen demnach viel Spaß, auch wenn sie an manchen Stellen schon fast ins Skurrile abdriften.

Besonders am „Franken-Bullen“ ist, dass das Buch ein Krimi über den Krimi ist und zudem eine Nebengeschichte beinhaltet, die der Leser zunächst gar nicht einordnen kann. Beim weiteren Voranschreiten des Krimis wird diese aber immer plausibler und durch die Auflösung schließlich gut nachvollziehbar, warum diese Stellen mit eingebaut wurden. Ein verwirrender, aber kreativer Kunstgriff des Autors. Mit Prolog, Sub-Plot, Epilog und Leseprobe, die auch irgendwie noch zur Story gehört ist es aber eigentlich eine Geschichte in der Geschichte in der Geschichte… und das war mir an manchen Stellen leider etwas zu viel und zu gewollt. Auch waren die Kapitel für meinen Geschmack etwas zu lang, da viel Nebensächliches erörtert wurde, das unwichtig war, die Handlung in die Länge zieht und lediglich dazu dient, falsche Fährten einzustreuen, die teilweise ins Absurde führten und dann sie wieder erwähnt wurden. Der Schreibstil des Autors hingegen hat mir gut gefallen, Herr Luck hat durch kleine Nebensätze, -informationen und Wortspielereien subtilen Humor zwischen den Zeilen vermittelt.

Sehr selbstironisch wird im Buch mit dem Genre "Regionalkrimi" und der Bücherszene im Allgemeinen abgerechnet. Es liefert einen Blick hinter die Kulissen von Verlagen, Agenten, Literaturkritikern, Autoren und Buchhandlungen – sollte es dort wirklich so zugehen wie im Buch geschildert werde ich definitiv nicht unter die Autoren gehen. Der Anschein wird vermittelt, als ob jeder Autor werden könnte (und auch davon träumt) und es nichts dabei sei, ein gutes Buch zu verfassen. Insbesondere Krimis und Autoren mit regionalem Bezug werden dabei schon fast ins Lächerliche gezogen. Diese kritische Abhandlung über das (regionale) Büchergeschäft hat mich – trotz der offensichtlichen Selbstironie – nicht besonders angesprochen.

Alles in allem in „Der Franken-Bulle“ ein angenehmer Cosy Crime mit wenig Spannung, aber einem liebenswerte Klugscheißer als Protagonisten, der dem Leser viel unnützes Wissen lehrt. Das Buch war angenehm und flüssig zu lesen, hat mich aber leider nicht vollständig gepackt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.06.2020

Gelungenes Plädoyer gegen Oberflächlichkeit und für mehr Selbstliebe

Marked Men: In seinen Armen
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Die intelligente, hübsche Saint ist Krankenschwester aus Leidenschaft, für ihren Beruf gibt sie alles und verbringt jede Menge Zeit damit, sich für andere aufzuopfern. Ihr Privatleben bleibt deshalb auf ...

Die intelligente, hübsche Saint ist Krankenschwester aus Leidenschaft, für ihren Beruf gibt sie alles und verbringt jede Menge Zeit damit, sich für andere aufzuopfern. Ihr Privatleben bleibt deshalb auf der Strecke, was ihr jedoch nicht unrecht ist: In der Vergangenheit wurde sie oft enttäuscht, angefangen mit einer schlimmen Mobbing-Erfahrung in der Highschool. Damals war sie noch ein pummeliger Teenager, der heimlich in den Bad Boy der Schule, Nash Donovan, verliebt war und von ihm schrecklich verletzt wurde. Seitdem war es ihr nicht mehr möglich, eine normale Beziehung zu führen. Als Nash eines Tages unvorhergesehen aufgrund eines Krankheitsfalles in der Familie in der Notaufnahme auftaucht wird Saint mit der Vergangenheit konfrontiert – Nash ist inzwischen ein volltätowierter, gutaussehender Mann geworden und übt eine wahnsinnige Anziehungskraft auf Saint auf. Diese beruht auf Gegenseitigkeit und so reißen bei Saint alte Wunden auf. So sehr sich Nash bemüht, die Fehler der Vergangenheit ungeschehen zu machen, kann Saint nicht über ihren Schatten springen. Hat ihre Beziehung eine Chance?

„Marked Men – In seinen Armen“ ist der vierte Band der erfolgreichen „Marked Men“-Reihe der amerikanischen Autorin Jay Crownover. Auch ohne die Vorgängerbände gekannt zu haben ist ein Einstieg problemlos möglich, vielmehr machen die Anspielungen und die Nebenfiguren im Buch große Lust darauf, sowohl die Vorgänger- als auch Nachfolgebände zu lesen.

Bereits bevor die eigentliche Geschichte beginnt, hat die Autorin meine Sympathie gewonnen: Das Buch startet mit einer wunderschönen Widmung an den Leser und einer Einleitung mit leidenschaftlichem Plädoyer für mehr Selbstliebe. Jay Crownover scheint sich viele Gedanken um ihren Leser zu machen und möchte ihn/sie darin bestärken so zu sein, wie er/sie ist und sich nicht von anderen verändern zu lassen. Passend hierzu auch die folgenden Zitate berühmter Menschen, die diese Grundeinstellung bestärken sollen. Mir wurde dadurch definitiv das Gefühl vermittelt, dass ihr ihre Leser als Menschen sehr am Herzen liegen und sie ihren Einfluss für eine wichtige Message nutzen möchte – das hat mich sehr berührt.

Die Story selbst beginnt mit einem Prolog aus der Vergangenheit aus Sicht von Saint, bereits hier wird deutlich, wie schlimm die Highschool-Jahre für das sensible Mädchen gewesen sein mussten. Im Folgenden wird kapitelweise aus den beiden Perspektiven der Protagonisten erzählt, der Leser lernt somit beide mit all ihren Emotionen, Gedanken und Hintergründen sehr gut kennen. Das Buch endet mit einer Playlist, die absolut passend zu den Charakteren ist, die der Leser im Geschehen kennenlernt.

Saint ist trotz ihrer traurigen Vergangenheit als erwachsene Frau eine wunderbare, intelligente und empathische Persönlichkeit. Sie ist aus selbstlosen Gründen Krankenschwester geworden und opfert sich für andere auf. Dennoch plagen sie außerhalb des Berufes große Selbstzweifel und gerade im Umgang mit Männern verfügt sie über nur wenig Selbstbewusstsein. Teilweise ist ihr Verhalten deshalb etwas irrational und nicht nachvollziehbar – selbst wenn man ihre Vorgeschichte kennt. Nash hingegen ist ein grundehrlicher und sehr selbstreflektierter Mann, dessen Abbildung auf dem Cover sehr gelungen ist und zur Tattoo-Beschreibung im Buch passt. Saint behandelt er immer mit Respekt, er steht zu seinen Fehlern der Vergangenheit und versucht in der Gegenwart ein besserer Mensch zu sein. Sein Charakter, seine Loyalität zu seinen Freunden und die Liebe zu Phil haben mich beeindruckt, er ist das ideale Beispiel dafür, dass man vom Äußeren eines Menschen nicht auf sein Inneres schließen sollte. Auch Nashs Freunde sind alle eigen und speziell, aber durchweg sympathisch und authentisch-facettenreich dargestellt. Insofern hat mir sehr gut gefallen, dass das Buch versucht mit gängigen Klischees über tätowierte, gepiercte, durchtrainierte Männer aufzuräumen – nicht jeder ist automatisch ein krimineller, herzloser „Bad Boy“.

Insgesamt ist „Marked Man – In seinen Armen“ eine aufwühlende Geschichte voller Emotionen: Wut, Hass, Selbstzweifel, Enttäuschung, Trauer aber auch Liebe, Loyalität, Ehrlichkeit und Hoffnung auf ein Happy End sind absolut nachvollziehbar dargestellt, der Leser fühlt und leidet jede dieser Emotionen mit den Protagonisten mit. Die Geschichte war lebensnah und nicht überzogen, auch explizite Szenen wurden gut ins Geschehen eingearbeitet und wirkten an keiner Stelle obszön oder unangebracht. Der Tiefgang des Buches hat mich sehr überrascht, da ich das aufgrund des Klappentextes nicht erwartet hatte – wirklich super!

  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Erotik