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Veröffentlicht am 25.02.2023

Eine zart-verzweifelte Liebesgeschichte mit gefühlsbeladener Atmosphäre

We don’t lie anymore
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Handlung: Nachdem mich Band 1 des Anymore-Duetts "We don´t talk anymore" 2021 trotz einiger Klischees und nur geringer Originalität total positiv überrascht, mich tief berührt und in einem Sog aus Freundschaft, ...

Handlung: Nachdem mich Band 1 des Anymore-Duetts "We don´t talk anymore" 2021 trotz einiger Klischees und nur geringer Originalität total positiv überrascht, mich tief berührt und in einem Sog aus Freundschaft, Liebe, Verletzlichkeit, Angst und Gefahr mitgerissen hat, war mir klar, dass ich auch die Fortsetzung der Geschichte um Geschichte von Josephine und Archer unbedingt lesen muss. "We don´t lie anymore" setzt ein Jahr nach dem Ende des Vorgängers an und erzählt, wie Josephine und Archer sich nach ihrer Rückkehr nach Westminster by the Sea wiedertreffen und aufarbeiten müssen, was im Sommer ihres Schulabschlusses zwischen ihnen passiert ist. Etwas schade ist, dass das Drama zwischen den beiden nach 10 Seiten hätte aufgelöst werden können, wenn die beiden nur einmal richtig miteinander gesprochen hätten. Statt den Konflikt anzugehen wie Erwachsene, verstricken sie sich jedoch in ein nerviges Hin- und Her, das beinahe 400 Seiten anhält. Etwas schade ist außerdem, dass die Geschichte einigen typischen Tropes folgt und auch jede Menge Klischees mitnimmt, sodass sich besonders der Mittelteil im gewohnten Hin und Her eines "Er liebt mich, er liebt mich nicht"/"Sie ist zu gut für mich"-Dramas verliert. Für ordentlich Spannung neben dem eher mäßig-gelungenen Grundkonflikt führt die bedrohliche Nebenhandlung um Archers kriminellen Bruder Jackson, die dafür sorgt, dass die Figuren mehrere Male in Lebensgefahr schweben. Zieht man diese überraschend dynamische Komponente der Handlung jedoch ab, bleibt eine Fortsetzung, die ihr Potenzial nicht ganz genutzt hat.

Schreibstil: Trotz des verspielten Potenzials bezüglich der Handlung, hat mich die Geschichte wieder von Anfang bis Ende mitgerissen. Denn Julie Johnson weiß es einfach, den Schmerz und die Liebe ihrer Figuren intensiv zu transportieren, sodass sehr mitfühlende LeserInnen die ein oder andere Träne verdrücken müssen. Gerade der Herzschmerz ist dabei definitiv auf Emma-Scott-und-Kelly-Oram-Niveau, ohne übertrieben oder künstlich zu wirken. Das kann man von einigen Wendungen der Handlung zwar leider nicht gerade behaupten, durch ihre sehr authentische und lebendige Art zu schreiben hat man aber trotzdem zu jedem Zeitpunkt der Geschichte das Gefühl, zwei echten Schicksalen beizuwohnen.

Figuren:
Auch über das Wiedersehen mit Josephine und Archer, die mir in Band 1 sehr ans Herz gewachsen sind, habe ich mich gefreut. Etwas seltsam ist jedoch, dass die beiden Figuren sich lesen, als wären sie Mitte oder bereits Ende 20, während sie aber beide erst 19 Jahre alt sind. Ihr Verhalten fand ich unter diesem Gesichtspunkt leider nicht immer glaubwürdig. Während die beiden Hauptfiguren unterm Strich dennoch wirklich tolle, lebensechte und liebenswerte Figuren sind, die auch gut zueinander passen, bleiben die Nebenfiguren rund um Jo und Archer leider sehr blass. Gerade Josephines Eltern und den Mitschülern der Exeter Academy fehlt es eindeutig an Tiefe und Mehrdimensionalität. Alle verhalten sich durchgängig so, wie sie auf den ersten Blick charakterisiert wurden und bringen werde Überraschungen, noch neue Perspektiven in die Geschichte ein. Sei es der reiche Vorzeige-Verlobte, der direkt aus dem Schwiegersohnkatalog bestellt wurde, die oberflächlichen Zwillinge, die die Hauptfigur zum Party machen ausführen oder die abwesenden, reichen Eltern mit hohen Erwartungen - spannende Figuren sehen anders aus. Etwas besser schneiden Archers Eltern Miguel und Flora, sowie Archer grummeliger Chef Tommy ab, aber auch diese nehmen keine so wichtige Rolle ein, wie sie es hätten können und lassen Band 2 somit etwas hinter Band 1 zurückfallen.


Das Urteil:


In "We don´t lie anymore" erzählt Julie Johnson auf überraschend handlungsreiche Weise eine zart-verzweifelte Liebesgeschichte mit gefühlsbeladener Atmosphäre zu Ende. Der sehr aufgebauschte Grundkonflikt zwischen den Figuren, die flachen Nebenfiguren und die verwendeten Klischees trüben den Gesamteindruck allerdings leicht ein, sodass diese Fortsetzung hinter Band 1 zurückbleibt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.02.2023

Setzt eine vielversprechende Grundidee spannend und wendungsreich um

Beste Freunde
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Handlung: Als erstes Buch von Sharon Bolton, die für ihre psychologischen Thriller gefeiert wird, ist letzte Woche "The Pact" bei mir gelandet. Die Grundidee einer kollektiv schuldigen Freundesgruppe, ...

Handlung: Als erstes Buch von Sharon Bolton, die für ihre psychologischen Thriller gefeiert wird, ist letzte Woche "The Pact" bei mir gelandet. Die Grundidee einer kollektiv schuldigen Freundesgruppe, deren Verbrechen von einer Person verbüßt wird, die dafür 20 Jahre später eine Wiedergutmachung einfordert, klang sehr vielversprechend und wurde auch in einer spannenden und wendungsreichen Geschichte umgesetzt. Letztendlich konnten allerdings der Mittelteil und vor allem das Ende nicht halten, was der temporeiche Einstieg in den Roman versprach. Nach dem Zeitsprung und der Rückkehr Megans aus dem Gefängnis, verliert sich die Geschichte leider in Wiederholungen, die immer mehr Fragen aufwerfen, ohne welche zu beantworten, nur um dann in einem eher beliebigen und schlecht vorbereiteten Ende zu gipfeln. Zwar kann man der großen Wendung definitiv nicht vorwerfen, vorhersehbar gewesen zu sein, ich hätte mir aber eine ganze Handvoll besserer Auflösungen vorstellen können. Denn statt den verstreuten Hinweisen zu folgen und aufzugreifen, was sie zuvor schon in den Raum gestellt hat, hat sich Sharon Bolton für ihre Wendung eine Person herangezogen, auf deren Motive und deren Entwicklung kaum eingegangen wurde, sodass nach dem Ende kaum klar wird, was zu der dargestellten Eskalation geführt hat. Eine richtig gute Wendung ist meiner Meinung nach dadurch ausgezeichnet, dass man leise Hinweise und Andeutungen finden würde, wenn man die Geschichte mit dem neuen Wissen nocheinmal lesen würde, sie aber zu subtil sind, als dass sie einem beim Lesen sofort auffallen würden. Eine überraschende Wendung sollte meines Erachtens so logisch in die Handlung eingegliedert sein, dass man darauf kommen KÖNNTE, da es nicht allem bisher gelesenen widerspricht, sondern die Handlung in ein neues Licht setzt. Das war hier leider nicht der Fall - selbst wenn man mit dem neuen Wissen die Geschichte abermals zur Hand nehmen würde, würde man keine Warnzeichen oder Herleitungen entdecken und abermals unvorbereitet und aus dem Nichts mit der Wendung konfrontiert werden. Ich hätte mir also definitiv noch mehr verstreute Hinweise gewünscht, sodass man im Mittelteil ein wenig mitraten kann.

Schreibstil:
Sharon Boltons Schreibstil war recht nüchtern und schmucklos, was sehr gut zu der Geschichte gepasst hat. Sie hat sich hier für eine personale Erzählperspektive mit auktorialen Elementen entschieden, die zwischen den Hauptfiguren wechselt und immer mal wieder eine andere Person in den Fokus nimmt. So bekommen wir einen Einblick in die Leben von allen sechs Figuren und erfahren, was die Situation mit ihnen macht. Auch das bodenständige, leicht düstere Setting der Geschichte passt gut zur Handlung. Die Autorin nimmt in "The Pact" mit nach England in die Umgebung von Oxford und stürzt ihre Figuren zwischen Industrie und Universität, Politik und Kleinbürgerlichkeit, Privilegien und Abgründen in moralische Dilemma, Machtspiele und Rätselraten.

Figuren:
Auffallend ist, dass es in "The Pact" keine richtige Identifikationsfigur gibt. Die sechs Freunde haben alle ihre Schwächen und Fehler, haben Schuld auf sich geladen und handeln teilweise fragwürdig, sodass man zwar mit ihnen mitfiebert, sie aber auch beim Lesen ein wenig verurteilt. Etwas seltsam ist außerdem, dass die Figuren auch nach dem Zeitsprung wenig wie Erwachsene und mehr wie die kopflosen Teenager wirkten, als die wir sie im ersten Abschnitt kennengelernt haben. Zudem habe ich Dan, Felix, Talitha, Xav und Amber einige Male durcheinandergebracht. Ein wenig mehr Tiefe und Abgrenzung zwischen den einzelnen Figuren hätten der Geschichte also nicht geschadet. Wie deren Beziehungen, ihre Freundschaft und Loyalität auf die Probe gestellt werden, ist jedoch sehr toll dargestellt. Die Geschichte zeigt, was Menschen bereit sind zu tun, wenn sie unter ausreichend Druck stehen und wie unterschiedliche Personen mit psychologischem Stress und Traumata anders umgehen. Und mit Megan haben wir eine ambivalente Gegenspielerin, die zwischen Opfer, Monster, Verbrecherin, Strippenzieherin und Mastermind changiert und der Geschichte trotz der einzelnen Kritikpunkte die nötige Würze verleiht, um bis zum Ende gespannt am Ball zu bleiben.


Die Zitate:

"A Silence fell, as though Xav had voiced a truth they’d all known but had been keeping hidden; that they had been drawn together by nothing more than a smug acceptance of their shared privilege, that they were none of them particularly nice, certainly not good people."

"When you think you can't possibly be more afraid, you learn that you can be, that there is no limit to fear."

"That summer was a time of neither hope nor promise but of certainty: they were the chosen ones, to whom the world belonged, and their lives, only just beginning, would be long and golden. How very wrong they were."



Das Urteil:


Der psychologische Thriller "The Pact" setzt eine vielversprechende Grundidee spannend und wendungsreich um und erzählt eine atmosphärische Geschichte über Schuld, Loyalität, Freundschaft, moralische Dilemma, Mord, Machtspiele und Rätselraten. Um ein richtiges Highlight zu werden, haben mir allerdings noch mehr Tiefe bei den Figuren, eine bessere Herleitung der finalen Wendung und etwas mehr Abwechslung im Mittelteil gefehlt

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  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.02.2023

Setzt eine vielversprechende Grundidee spannend und wendungsreich um

Beste Freunde
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Handlung: Als erstes Buch von Sharon Bolton, die für ihre psychologischen Thriller gefeiert wird, ist letzte Woche "The Pact" bei mir gelandet. Die Grundidee einer kollektiv schuldigen Freundesgruppe, ...

Handlung: Als erstes Buch von Sharon Bolton, die für ihre psychologischen Thriller gefeiert wird, ist letzte Woche "The Pact" bei mir gelandet. Die Grundidee einer kollektiv schuldigen Freundesgruppe, deren Verbrechen von einer Person verbüßt wird, die dafür 20 Jahre später eine Wiedergutmachung einfordert, klang sehr vielversprechend und wurde auch in einer spannenden und wendungsreichen Geschichte umgesetzt. Letztendlich konnten allerdings der Mittelteil und vor allem das Ende nicht halten, was der temporeiche Einstieg in den Roman versprach. Nach dem Zeitsprung und der Rückkehr Megans aus dem Gefängnis, verliert sich die Geschichte leider in Wiederholungen, die immer mehr Fragen aufwerfen, ohne welche zu beantworten, nur um dann in einem eher beliebigen und schlecht vorbereiteten Ende zu gipfeln. Zwar kann man der großen Wendung definitiv nicht vorwerfen, vorhersehbar gewesen zu sein, ich hätte mir aber eine ganze Handvoll besserer Auflösungen vorstellen können. Denn statt den verstreuten Hinweisen zu folgen und aufzugreifen, was sie zuvor schon in den Raum gestellt hat, hat sich Sharon Bolton für ihre Wendung eine Person herangezogen, auf deren Motive und deren Entwicklung kaum eingegangen wurde, sodass nach dem Ende kaum klar wird, was zu der dargestellten Eskalation geführt hat. Eine richtig gute Wendung ist meiner Meinung nach dadurch ausgezeichnet, dass man leise Hinweise und Andeutungen finden würde, wenn man die Geschichte mit dem neuen Wissen nocheinmal lesen würde, sie aber zu subtil sind, als dass sie einem beim Lesen sofort auffallen würden. Eine überraschende Wendung sollte meines Erachtens so logisch in die Handlung eingegliedert sein, dass man darauf kommen KÖNNTE, da es nicht allem bisher gelesenen widerspricht, sondern die Handlung in ein neues Licht setzt. Das war hier leider nicht der Fall - selbst wenn man mit dem neuen Wissen die Geschichte abermals zur Hand nehmen würde, würde man keine Warnzeichen oder Herleitungen entdecken und abermals unvorbereitet und aus dem Nichts mit der Wendung konfrontiert werden. Ich hätte mir also definitiv noch mehr verstreute Hinweise gewünscht, sodass man im Mittelteil ein wenig mitraten kann.

Schreibstil:
Sharon Boltons Schreibstil war recht nüchtern und schmucklos, was sehr gut zu der Geschichte gepasst hat. Sie hat sich hier für eine personale Erzählperspektive mit auktorialen Elementen entschieden, die zwischen den Hauptfiguren wechselt und immer mal wieder eine andere Person in den Fokus nimmt. So bekommen wir einen Einblick in die Leben von allen sechs Figuren und erfahren, was die Situation mit ihnen macht. Auch das bodenständige, leicht düstere Setting der Geschichte passt gut zur Handlung. Die Autorin nimmt in "The Pact" mit nach England in die Umgebung von Oxford und stürzt ihre Figuren zwischen Industrie und Universität, Politik und Kleinbürgerlichkeit, Privilegien und Abgründen in moralische Dilemma, Machtspiele und Rätselraten.

Figuren:
Auffallend ist, dass es in "The Pact" keine richtige Identifikationsfigur gibt. Die sechs Freunde haben alle ihre Schwächen und Fehler, haben Schuld auf sich geladen und handeln teilweise fragwürdig, sodass man zwar mit ihnen mitfiebert, sie aber auch beim Lesen ein wenig verurteilt. Etwas seltsam ist außerdem, dass die Figuren auch nach dem Zeitsprung wenig wie Erwachsene und mehr wie die kopflosen Teenager wirkten, als die wir sie im ersten Abschnitt kennengelernt haben. Zudem habe ich Dan, Felix, Talitha, Xav und Amber einige Male durcheinandergebracht. Ein wenig mehr Tiefe und Abgrenzung zwischen den einzelnen Figuren hätten der Geschichte also nicht geschadet. Wie deren Beziehungen, ihre Freundschaft und Loyalität auf die Probe gestellt werden, ist jedoch sehr toll dargestellt. Die Geschichte zeigt, was Menschen bereit sind zu tun, wenn sie unter ausreichend Druck stehen und wie unterschiedliche Personen mit psychologischem Stress und Traumata anders umgehen. Und mit Megan haben wir eine ambivalente Gegenspielerin, die zwischen Opfer, Monster, Verbrecherin, Strippenzieherin und Mastermind changiert und der Geschichte trotz der einzelnen Kritikpunkte die nötige Würze verleiht, um bis zum Ende gespannt am Ball zu bleiben.


Die Zitate:

"A Silence fell, as though Xav had voiced a truth they’d all known but had been keeping hidden; that they had been drawn together by nothing more than a smug acceptance of their shared privilege, that they were none of them particularly nice, certainly not good people."

"When you think you can't possibly be more afraid, you learn that you can be, that there is no limit to fear."

"That summer was a time of neither hope nor promise but of certainty: they were the chosen ones, to whom the world belonged, and their lives, only just beginning, would be long and golden. How very wrong they were."



Das Urteil:


Der psychologische Thriller "The Pact" setzt eine vielversprechende Grundidee spannend und wendungsreich um und erzählt eine atmosphärische Geschichte über Schuld, Loyalität, Freundschaft, moralische Dilemma, Mord, Machtspiele und Rätselraten. Um ein richtiges Highlight zu werden, haben mir allerdings noch mehr Tiefe bei den Figuren, eine bessere Herleitung der finalen Wendung und etwas mehr Abwechslung im Mittelteil gefehlt

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Veröffentlicht am 18.02.2023

Setzt eine vielversprechende Grundidee spannend und wendungsreich um

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Handlung: Als erstes Buch von Sharon Bolton, die für ihre psychologischen Thriller gefeiert wird, ist letzte Woche "The Pact" bei mir gelandet. Die Grundidee einer kollektiv schuldigen Freundesgruppe, ...

Handlung: Als erstes Buch von Sharon Bolton, die für ihre psychologischen Thriller gefeiert wird, ist letzte Woche "The Pact" bei mir gelandet. Die Grundidee einer kollektiv schuldigen Freundesgruppe, deren Verbrechen von einer Person verbüßt wird, die dafür 20 Jahre später eine Wiedergutmachung einfordert, klang sehr vielversprechend und wurde auch in einer spannenden und wendungsreichen Geschichte umgesetzt. Letztendlich konnten allerdings der Mittelteil und vor allem das Ende nicht halten, was der temporeiche Einstieg in den Roman versprach. Nach dem Zeitsprung und der Rückkehr Megans aus dem Gefängnis, verliert sich die Geschichte leider in Wiederholungen, die immer mehr Fragen aufwerfen, ohne welche zu beantworten, nur um dann in einem eher beliebigen und schlecht vorbereiteten Ende zu gipfeln. Zwar kann man der großen Wendung definitiv nicht vorwerfen, vorhersehbar gewesen zu sein, ich hätte mir aber eine ganze Handvoll besserer Auflösungen vorstellen können. Denn statt den verstreuten Hinweisen zu folgen und aufzugreifen, was sie zuvor schon in den Raum gestellt hat, hat sich Sharon Bolton für ihre Wendung eine Person herangezogen, auf deren Motive und deren Entwicklung kaum eingegangen wurde, sodass nach dem Ende kaum klar wird, was zu der dargestellten Eskalation geführt hat. Eine richtig gute Wendung ist meiner Meinung nach dadurch ausgezeichnet, dass man leise Hinweise und Andeutungen finden würde, wenn man die Geschichte mit dem neuen Wissen nocheinmal lesen würde, sie aber zu subtil sind, als dass sie einem beim Lesen sofort auffallen würden. Eine überraschende Wendung sollte meines Erachtens so logisch in die Handlung eingegliedert sein, dass man darauf kommen KÖNNTE, da es nicht allem bisher gelesenen widerspricht, sondern die Handlung in ein neues Licht setzt. Das war hier leider nicht der Fall - selbst wenn man mit dem neuen Wissen die Geschichte abermals zur Hand nehmen würde, würde man keine Warnzeichen oder Herleitungen entdecken und abermals unvorbereitet und aus dem Nichts mit der Wendung konfrontiert werden. Ich hätte mir also definitiv noch mehr verstreute Hinweise gewünscht, sodass man im Mittelteil ein wenig mitraten kann.

Schreibstil:
Sharon Boltons Schreibstil war recht nüchtern und schmucklos, was sehr gut zu der Geschichte gepasst hat. Sie hat sich hier für eine personale Erzählperspektive mit auktorialen Elementen entschieden, die zwischen den Hauptfiguren wechselt und immer mal wieder eine andere Person in den Fokus nimmt. So bekommen wir einen Einblick in die Leben von allen sechs Figuren und erfahren, was die Situation mit ihnen macht. Auch das bodenständige, leicht düstere Setting der Geschichte passt gut zur Handlung. Die Autorin nimmt in "The Pact" mit nach England in die Umgebung von Oxford und stürzt ihre Figuren zwischen Industrie und Universität, Politik und Kleinbürgerlichkeit, Privilegien und Abgründen in moralische Dilemma, Machtspiele und Rätselraten.

Figuren:
Auffallend ist, dass es in "The Pact" keine richtige Identifikationsfigur gibt. Die sechs Freunde haben alle ihre Schwächen und Fehler, haben Schuld auf sich geladen und handeln teilweise fragwürdig, sodass man zwar mit ihnen mitfiebert, sie aber auch beim Lesen ein wenig verurteilt. Etwas seltsam ist außerdem, dass die Figuren auch nach dem Zeitsprung wenig wie Erwachsene und mehr wie die kopflosen Teenager wirkten, als die wir sie im ersten Abschnitt kennengelernt haben. Zudem habe ich Dan, Felix, Talitha, Xav und Amber einige Male durcheinandergebracht. Ein wenig mehr Tiefe und Abgrenzung zwischen den einzelnen Figuren hätten der Geschichte also nicht geschadet. Wie deren Beziehungen, ihre Freundschaft und Loyalität auf die Probe gestellt werden, ist jedoch sehr toll dargestellt. Die Geschichte zeigt, was Menschen bereit sind zu tun, wenn sie unter ausreichend Druck stehen und wie unterschiedliche Personen mit psychologischem Stress und Traumata anders umgehen. Und mit Megan haben wir eine ambivalente Gegenspielerin, die zwischen Opfer, Monster, Verbrecherin, Strippenzieherin und Mastermind changiert und der Geschichte trotz der einzelnen Kritikpunkte die nötige Würze verleiht, um bis zum Ende gespannt am Ball zu bleiben.


Die Zitate:

"A Silence fell, as though Xav had voiced a truth they’d all known but had been keeping hidden; that they had been drawn together by nothing more than a smug acceptance of their shared privilege, that they were none of them particularly nice, certainly not good people."

"When you think you can't possibly be more afraid, you learn that you can be, that there is no limit to fear."

"That summer was a time of neither hope nor promise but of certainty: they were the chosen ones, to whom the world belonged, and their lives, only just beginning, would be long and golden. How very wrong they were."



Das Urteil:


Der psychologische Thriller "The Pact" setzt eine vielversprechende Grundidee spannend und wendungsreich um und erzählt eine atmosphärische Geschichte über Schuld, Loyalität, Freundschaft, moralische Dilemma, Mord, Machtspiele und Rätselraten. Um ein richtiges Highlight zu werden, haben mir allerdings noch mehr Tiefe bei den Figuren, eine bessere Herleitung der finalen Wendung und etwas mehr Abwechslung im Mittelteil gefehlt

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Veröffentlicht am 18.02.2023

Setzt eine vielversprechende Grundidee spannend und wendungsreich um

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Handlung: Als erstes Buch von Sharon Bolton, die für ihre psychologischen Thriller gefeiert wird, ist letzte Woche "The Pact" bei mir gelandet. Die Grundidee einer kollektiv schuldigen Freundesgruppe, ...

Handlung: Als erstes Buch von Sharon Bolton, die für ihre psychologischen Thriller gefeiert wird, ist letzte Woche "The Pact" bei mir gelandet. Die Grundidee einer kollektiv schuldigen Freundesgruppe, deren Verbrechen von einer Person verbüßt wird, die dafür 20 Jahre später eine Wiedergutmachung einfordert, klang sehr vielversprechend und wurde auch in einer spannenden und wendungsreichen Geschichte umgesetzt. Letztendlich konnten allerdings der Mittelteil und vor allem das Ende nicht halten, was der temporeiche Einstieg in den Roman versprach. Nach dem Zeitsprung und der Rückkehr Megans aus dem Gefängnis, verliert sich die Geschichte leider in Wiederholungen, die immer mehr Fragen aufwerfen, ohne welche zu beantworten, nur um dann in einem eher beliebigen und schlecht vorbereiteten Ende zu gipfeln. Zwar kann man der großen Wendung definitiv nicht vorwerfen, vorhersehbar gewesen zu sein, ich hätte mir aber eine ganze Handvoll besserer Auflösungen vorstellen können. Denn statt den verstreuten Hinweisen zu folgen und aufzugreifen, was sie zuvor schon in den Raum gestellt hat, hat sich Sharon Bolton für ihre Wendung eine Person herangezogen, auf deren Motive und deren Entwicklung kaum eingegangen wurde, sodass nach dem Ende kaum klar wird, was zu der dargestellten Eskalation geführt hat. Eine richtig gute Wendung ist meiner Meinung nach dadurch ausgezeichnet, dass man leise Hinweise und Andeutungen finden würde, wenn man die Geschichte mit dem neuen Wissen nocheinmal lesen würde, sie aber zu subtil sind, als dass sie einem beim Lesen sofort auffallen würden. Eine überraschende Wendung sollte meines Erachtens so logisch in die Handlung eingegliedert sein, dass man darauf kommen KÖNNTE, da es nicht allem bisher gelesenen widerspricht, sondern die Handlung in ein neues Licht setzt. Das war hier leider nicht der Fall - selbst wenn man mit dem neuen Wissen die Geschichte abermals zur Hand nehmen würde, würde man keine Warnzeichen oder Herleitungen entdecken und abermals unvorbereitet und aus dem Nichts mit der Wendung konfrontiert werden. Ich hätte mir also definitiv noch mehr verstreute Hinweise gewünscht, sodass man im Mittelteil ein wenig mitraten kann.

Schreibstil:
Sharon Boltons Schreibstil war recht nüchtern und schmucklos, was sehr gut zu der Geschichte gepasst hat. Sie hat sich hier für eine personale Erzählperspektive mit auktorialen Elementen entschieden, die zwischen den Hauptfiguren wechselt und immer mal wieder eine andere Person in den Fokus nimmt. So bekommen wir einen Einblick in die Leben von allen sechs Figuren und erfahren, was die Situation mit ihnen macht. Auch das bodenständige, leicht düstere Setting der Geschichte passt gut zur Handlung. Die Autorin nimmt in "The Pact" mit nach England in die Umgebung von Oxford und stürzt ihre Figuren zwischen Industrie und Universität, Politik und Kleinbürgerlichkeit, Privilegien und Abgründen in moralische Dilemma, Machtspiele und Rätselraten.

Figuren:
Auffallend ist, dass es in "The Pact" keine richtige Identifikationsfigur gibt. Die sechs Freunde haben alle ihre Schwächen und Fehler, haben Schuld auf sich geladen und handeln teilweise fragwürdig, sodass man zwar mit ihnen mitfiebert, sie aber auch beim Lesen ein wenig verurteilt. Etwas seltsam ist außerdem, dass die Figuren auch nach dem Zeitsprung wenig wie Erwachsene und mehr wie die kopflosen Teenager wirkten, als die wir sie im ersten Abschnitt kennengelernt haben. Zudem habe ich Dan, Felix, Talitha, Xav und Amber einige Male durcheinandergebracht. Ein wenig mehr Tiefe und Abgrenzung zwischen den einzelnen Figuren hätten der Geschichte also nicht geschadet. Wie deren Beziehungen, ihre Freundschaft und Loyalität auf die Probe gestellt werden, ist jedoch sehr toll dargestellt. Die Geschichte zeigt, was Menschen bereit sind zu tun, wenn sie unter ausreichend Druck stehen und wie unterschiedliche Personen mit psychologischem Stress und Traumata anders umgehen. Und mit Megan haben wir eine ambivalente Gegenspielerin, die zwischen Opfer, Monster, Verbrecherin, Strippenzieherin und Mastermind changiert und der Geschichte trotz der einzelnen Kritikpunkte die nötige Würze verleiht, um bis zum Ende gespannt am Ball zu bleiben.


Die Zitate:

"A Silence fell, as though Xav had voiced a truth they’d all known but had been keeping hidden; that they had been drawn together by nothing more than a smug acceptance of their shared privilege, that they were none of them particularly nice, certainly not good people."

"When you think you can't possibly be more afraid, you learn that you can be, that there is no limit to fear."

"That summer was a time of neither hope nor promise but of certainty: they were the chosen ones, to whom the world belonged, and their lives, only just beginning, would be long and golden. How very wrong they were."



Das Urteil:


Der psychologische Thriller "The Pact" setzt eine vielversprechende Grundidee spannend und wendungsreich um und erzählt eine atmosphärische Geschichte über Schuld, Loyalität, Freundschaft, moralische Dilemma, Mord, Machtspiele und Rätselraten. Um ein richtiges Highlight zu werden, haben mir allerdings noch mehr Tiefe bei den Figuren, eine bessere Herleitung der finalen Wendung und etwas mehr Abwechslung im Mittelteil gefehlt

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