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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.01.2026

Cosy Crime mit Biss – ein vorsichtiges Kennenlernen mit Agatha Raisin

Agatha Raisin und die tote Therapeutin
5

Agatha Raisin und die tote Therapeutin ist bereits der sechsundzwanzigste Band der beliebten Cosy-Crime-Reihe von M. C. Beaton, die nach dem Tod der Autorin weiter große Fangemeinden begeistert. Schon ...

Agatha Raisin und die tote Therapeutin ist bereits der sechsundzwanzigste Band der beliebten Cosy-Crime-Reihe von M. C. Beaton, die nach dem Tod der Autorin weiter große Fangemeinden begeistert. Schon das Cover vermittelt mit seiner ruhigen, ländlichen Szenerie den trügerischen Frieden des kleinen englischen Dorfes Carsely in den Cotswolds.

Für mich war es der erste Roman mit Agatha Raisin, was den Einstieg für mich stellenweise etwas herausfordernd gemacht hat. Agatha ist eine sehr eigenwillige Figur: impulsiv, direkt und nicht selten übergriffig – gleichzeitig aber clever, ehrgeizig und loyal gegenüber den Menschen, die ihr nahestehen. Besonders ihr Hang dazu, Situationen emotional aufzubauschen, sorgt immer wieder für amüsante Momente, verlangt Neulingen wie mir jedoch auch etwas Geduld ab.

Ausgangspunkt der Handlung ist eine neu ins Dorf gezogene Therapeutin, die mit zweifelhaften Methoden und unangenehmem Gerede schnell für Unruhe sorgt. Als sie ermordet wird, rückt Agatha selbst ins Zentrum der Ermittlungen. Die Geschichte nimmt daraufhin rasch Fahrt auf: Es kommt zu weiteren Gewalttaten, Verdächtigungen wechseln häufig, und Agatha gerät mehrfach in gefährliche Situationen. Unterstützt wird sie dabei von vertrauten Personen aus ihrem Umfeld.

Die Handlung ist sehr temporeich, teilweise fast überladen. Die Anzahl der Morde war mir persönlich stellenweise zu hoch, und nicht jede Entwicklung wirkte für mich ganz schlüssig. Dennoch bleibt die Geschichte sehr unterhaltsam, lebt von überraschenden Wendungen und vom typischen britischen Humor, der besonders im dörflichen Miteinander, dem Tratsch und den zwischenmenschlichen Spannungen zum Tragen kommt.

Insgesamt war es für mich kein riesengroßes Highlight, aber eine angenehme und sehr kurzweilige Lektüre. Trotz kleiner Kritikpunkte hat der Roman mein Interesse an der Reihe geweckt – vor allem, weil Agatha Raisin mit all ihren Macken eine ungewöhnliche, aber einprägsame Ermittlerin ist, der man gern noch einmal begegnen möchte.

Veröffentlicht am 28.11.2025

Eine fesselnde Reise in menschliche Abgründe

Safe Space
8

Safe Space war mein erstes Buch von Sarah Bestgen – und ich wurde sofort von ihrem intensiven, atmosphärischen Schreibstil überrascht. Die Geschichte beginnt ruhig, doch schon nach wenigen Seiten entsteht ...

Safe Space war mein erstes Buch von Sarah Bestgen – und ich wurde sofort von ihrem intensiven, atmosphärischen Schreibstil überrascht. Die Geschichte beginnt ruhig, doch schon nach wenigen Seiten entsteht eine beklemmende Spannung, die mich völlig eingesogen hat.

Inhaltlich begleitet man vor allem Anna, die in einer forensischen Psychiatrie arbeitet und mit Männern konfrontiert ist, die teils grausame Taten begangen haben. Parallel dazu erfährt man vieles über Leon, dessen erschütternde Kindheitserinnerungen mich tief berührt haben. Auch Annas Schwester Sina kommt zu Wort – ihre Tagebucheinträge sind emotional, verzweifelt und manchmal schwer zu ertragen. Nach und nach verweben sich all diese Perspektiven zu einem psychologischen Netz aus Trauma, Schuld, Manipulation und dunklen Geheimnissen.

Sarah Bestgen schreibt unglaublich eindringlich. Ich habe beim Lesen oft körperlich reagiert – sei es durch Gänsehaut, einen flauen Magen oder das Bedürfnis, kurz innezuhalten. Einige Szenen, besonders aus Leons Vergangenheit, waren für mich schwer auszuhalten, gerade weil sie so realistisch und schonungslos erzählt werden. Gleichzeitig hat mich die düstere Atmosphäre in der Anstalt regelrecht gefangen genommen. Jeder Schritt, jede Begegnung knisterte vor Spannung – wie in einem Film, in dem man spürt, dass jemand hinter einem steht.

Die überraschende Wendung am Ende fand ich brillant und gleichzeitig zutiefst gruselig.

Trotz meines gemischten Gefühls zum Ende bleibt Safe Space ein fesselnder, psychologisch tiefgehender Thriller, der mich emotional sehr bewegt hat. Die Autorin schafft es, ihre Figuren so lebendig und verletzlich darzustellen, dass sie mich auch nach der letzten Seite nicht losgelassen haben.

Mein Fazit: Ein atmosphärisch dichter, emotional fordernder Thriller mit starken Figuren und sehr überraschenden Wendungen – für mich absolut beeindruckend!

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  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 27.10.2025

Ein leiser Roman mit unerwarteter Tiefe

Lasst mich einfach hier sitzen und Yakisoba essen
1

Dieses Buch war für mich ein echtes Lesehighlight – ruhig, klug und voller leiser Hoffnung. Schon der Titel hat mich neugierig gemacht, und tatsächlich entfaltet sich hier eine Geschichte, die so unaufgeregt ...

Dieses Buch war für mich ein echtes Lesehighlight – ruhig, klug und voller leiser Hoffnung. Schon der Titel hat mich neugierig gemacht, und tatsächlich entfaltet sich hier eine Geschichte, die so unaufgeregt beginnt, dass man erst nach und nach merkt, wie viel Tiefe in ihr steckt.

Die Ich-Erzählerin, die nach einem Burn-out eine neue, einfache Arbeit sucht, nimmt im Laufe des Buches ganz unterschiedliche Jobs an – von Buswerbung bis hin zu skurrilen Beobachtungstätigkeiten. Dabei entstehen immer wieder kleine, fast magische Momente, in denen sich das Alltägliche plötzlich verändert. Besonders schön fand ich, dass jede dieser Aufgaben ihre eigene Atmosphäre hat und das Buch dadurch niemals eintönig wird.

Kikuko Tsumuras Schreibweise ist dabei etwas ganz Besonderes: ruhig, fast meditativ, und trotzdem unglaublich eindringlich. Sie beschreibt scheinbar einfache Dinge so feinfühlig und detailreich, dass man sich völlig in die Gedankenwelt der Erzählerin hineinversetzen kann. Zwischen den Zeilen liegt eine große Sensibilität und Wärme – man spürt, dass es in dieser Geschichte nicht nur um Arbeit oder Sinnsuche geht, sondern um Menschlichkeit, Hoffnung und leise Verbindungen zwischen Menschen.

Für mich war das Buch weniger gesellschaftskritisch als vielmehr tröstlich und ermutigend. Besonders die Figur von Frau Eriguchi hat mich tief berührt – sie wirkt wie ein stiller Engel, der der Erzählerin hilft, ihren Weg zurück ins Leben zu finden. Und gleichzeitig zeigt die Geschichte, dass man selbst manchmal zu einem Engel für jemand anderen werden kann.

Ein außergewöhnliches, feinfühliges Buch, das lange nachhallt – leise, aber mit großer Wirkung.

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  • Charaktere
  • Cover
  • Thema
Veröffentlicht am 27.09.2025

Herbstzauber außen, Ratlosigkeit innen

Sweeter Than Pumpkin Spice
1

Ich habe dem Buch wirklich eine Chance gegeben – mit Neugier auf die Geschichte und Vorfreude auf eine herbstliche, emotionale Liebesgeschichte. Das Cover hat mich sofort angesprochen: warm, charmant, ...

Ich habe dem Buch wirklich eine Chance gegeben – mit Neugier auf die Geschichte und Vorfreude auf eine herbstliche, emotionale Liebesgeschichte. Das Cover hat mich sofort angesprochen: warm, charmant, mit dem Versprechen von Atmosphäre und Tiefe. Leider wurde dieses Versprechen für mich nicht eingelöst.

Der Einstieg war zunächst vielversprechend: Die Rückkehr von Sadie nach Pea Blossom, das verwüstete Kürbisfeld, die angespannte Beziehung zu ihrem Vater – all das deutete auf eine Geschichte hin, die mehr zu erzählen hat als nur eine romantische Handlung. Auch die ruhige Art von Josh und Sadies sperrige, wenig zugängliche Persönlichkeit gaben Anlass zur Hoffnung auf interessante Entwicklungen.

Doch je weiter die Geschichte voranschritt, desto schwieriger wurde es für mich, eine Verbindung zu den Figuren aufzubauen. Sadie blieb mir über weite Strecken fremd und wenig greifbar, Josh schwankte zwischen sympathisch und irritierend. Viele Szenen wirkten auf mich konstruiert oder völlig aus dem Nichts kommend – besonders die Sexszenen, die oft plötzlich und völlig losgelöst von der Handlung auftraten. Sie wirkten nicht sinnlich oder emotional, sondern eher nüchtern beschrieben, fast wie aus einer fremden Perspektive. Teilweise fiel es mir wirklich schwer zu glauben, dass hier eine Frau schreibt – so distanziert und technisch fühlten sich manche Passagen an.

Besonders enttäuschend finde ich, dass das schöne Cover eine völlig falsche Zielgruppe ansprechen könnte. Leser:innen, die eine ruhige, gefühlvolle Herbstgeschichte erwarten, werden sich vermutlich über die teils überzogenen und unpassend platzierten Szenen wundern. Und umgekehrt glaube ich nicht, dass Menschen, die gezielt nach solcher Art von Erotik suchen, zu einem Buch mit Kürbissen auf dem Cover greifen.

Ja, es gab zwischendurch Passagen, die Potenzial hatten – kleine Einblicke in emotionale Tiefe, gelungene Dialoge, stimmungsvolle Szenen. Doch sie reichten für mich leider nicht aus, um das Gesamtbild zu retten.

Für mich bleibt Sweeter Than Pumpkin Spice leider eines jener seltenen Bücher, bei denen ich am Ende tatsächlich froh war, es abgeschlossen zu haben.

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Veröffentlicht am 30.06.2025

„Eine Geschichte, die nicht endet, wenn das Buch zu ist“

Love On Repeat
5

Manchmal begegnet einem ein Buch zur genau richtigen Zeit – ohne dass man es vorher weiß. Ich habe dieses Buch in der Erwartung auf eine leichte, unterhaltsame Sommerlektüre zur Hand genommen. Eine Geschichte ...

Manchmal begegnet einem ein Buch zur genau richtigen Zeit – ohne dass man es vorher weiß. Ich habe dieses Buch in der Erwartung auf eine leichte, unterhaltsame Sommerlektüre zur Hand genommen. Eine Geschichte fürs Herz, zum Abschalten, zum Wegträumen. Und genauso beginnt es auch: charmant, warmherzig, mit feinem Humor und einer unaufgeregten Leichtigkeit. Doch schon nach wenigen Seiten wird klar: Hier schlummert so viel mehr zwischen den Zeilen. Dieses Buch überrascht – leise, aber eindringlich. Es hat Tiefe. Es bleibt.

Im Mittelpunkt steht Lara, die in einer persönlichen wie beruflichen Sackgasse steckt – innerlich überfordert, getrieben vom Druck, funktionieren zu müssen, fremdbestimmt durch Ansprüche von außen und Erwartungen an sich selbst.

Als sie auf eine rätselhafte Zeitschleife trifft, beginnt eine Reise, die nicht nur ihr Leben verändert, sondern auch ihre Sicht auf sich selbst und die Menschen um sie herum. Ihre Entwicklung hat mich sehr bewegt: Wie sie lernt, innezuhalten, Gefühle zuzulassen und ihre Mitmenschen wahrzunehmen – das war manchmal schmerzhaft ehrlich, aber auch unglaublich heilsam.

Ein Satz hat sich mir besonders eingeprägt – ein Zitat, das sinnbildlich für den Ton und die Botschaft des Buches steht:
„Vielleicht könntest du mal versuchen, über die guten Dinge zu schreiben, nicht über die schlimmen. Von den schlimmen gibt es schon genug.“
Und genau das tut dieses Buch – ohne kitschig zu sein. Es feiert das Gute, das Menschliche, das Verbindende – ohne die schwierigen Seiten auszublenden.

Hinter dieser Geschichte steht eine Autorin, die mit spürbarer Hingabe, Wärme und Klarheit schreibt. Ihre Worte wirken nie aufgesetzt, nie überzogen – sondern wie ehrlich empfundene Gedanken, die man beim Lesen in sich aufnimmt. Sie schafft es, mit leisem Humor, feiner Beobachtungsgabe und großer emotionaler Tiefe eine Geschichte zu erzählen, die nicht nur unterhält, sondern bewegt.

Dies ist keine bloße Liebesgeschichte. Es ist eine Einladung, sich selbst zu hinterfragen. Es ist ein liebevoller Weckruf, aufmerksamer zu leben. Es ist eine Erinnerung daran, was wirklich zählt: Mitgefühl, Liebe, Vertrauen, Zuversicht.

Danke für diese Geschichte, die noch lange nachklingt.

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