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Veröffentlicht am 30.07.2019

Erschreckend, unheimlich, schockierend, einnehmend, lehrend ...

Scythe – Die Hüter des Todes
3

Inhaltserzählung:
In den Tagen, als das digitale Netzwerk der Welt noch Cloud genannt wurde, dachten die Menschen, es wäre eine schlechte Idee, einer künstlichen Intelligenz zu viel Macht zu geben. Aber ...

Inhaltserzählung:
In den Tagen, als das digitale Netzwerk der Welt noch Cloud genannt wurde, dachten die Menschen, es wäre eine schlechte Idee, einer künstlichen Intelligenz zu viel Macht zu geben. Aber dann entwickelte sich die Cloud zum Thunderhead und wurde von einem Funken Bewusstsein oder zumindest einem erstaunlichen Faksimile desselben beseelt. Der Thunderhead wusste buchstäblich alles. Er schaffte Jobs, er kleidete die Armen, und er etablierte den Welt-Kodex. Damit war das Gesetz das erste Mal in der Geschichte nicht nur ein Schatten von Gerechtigkeit, es war Gerechtigkeit. Der Thunderhead gab uns eine perfekte Welt. Das Utopia, von dem unsere Vorfahren nur träumen konnten, ist unsere Realität. Nur über eine Sache gab man dem Thunderhead keine Macht. Das Scythetum.

Als entschieden wurde, dass Menschen sterben mussten, um die Welle des Bevölkerungswachstums abzuschwächen, wurde ebenfalls entschieden, dass dies in der Verantwortung der Menschen liegen musste. Brückenreparaturen und Stadtplanung konnten vom Thunderhead geregelt werden, aber ein menschliches Leben zu nehmen war ein Akt des Gewissens und des Bewusstseins. Und da nicht bewiesen werden konnte, dass der Thunderhead über das eine oder andere verfügte, wurde das Scythtum geboren. Ich bedaure diese Entscheidung nicht, doch ich frage mich oft, ob der Thunderhead die Sache besser gemacht hätte.

Wir müssen von Rechts wegen Buch führen über die Unschuldigen, die wir töten. Es beginnt mit dem ersten Tag unserer Lehre - aber offiziell nennen wir das nicht töten. Diese Bezeichnung ist gesellschaftlich und moralisch inkorrekt. Von Anfang an und bis heute heißt es nachlesen, nach der Art, wir die Armen in biblischen Zeiten den Wegen der Weinbauern gefolgt sind, um einzelne Reben aufzulesen. Wir sind angehalten, nicht nur unsere Taten, sondern auch unsere Gefühle aufzuschreiben, weil bekannt sein muss, dass wir Gefühle haben. Bedauern, Reue, Trauer, zu groß, um sie zu ertragen. Denn wir diese Gefühle nicht hätten, was für Monster wären wir?

Aus dem Nachlese-Tagebuch der E. S. Curie
(Seite 9/10 und 69/70/71)


Autor:
In den USA gilt Neil Shusterman längst als einer der Superstars unter den Jugendbuchautoren. Alle Bücher des 1962 im New Yorker Stadtteil Brooklyn geborenen Schriftstellers und Drehbuchautors wurden zu internationalen Bestsellern und sind vielfach ausgezeichnet. Unter anderem erhielt Shusterman den National Book Award for Young People’s Literature. Shusterman studierte an der University of California in Irvine Psychologie und Theaterwissenschaften. Während dieser Zeit schrieb er eine beliebte Humor-Kolumne für die Schulzeitung. Danach arbeitete er als Assistent bei einer Talentagentur in Los Angeles, wo sich ein bekannter Agent seiner annahm. Schon nach kürzester Zeit hatte Shusterman einen ersten Buchvertrag und einen Drehbuchjob.

In Deutschland wurde vor allem seine „Unwind Dystology“ bekannt, eine Sci-Fi-Serie für Jugendliche, die ab 2012 unter dem Titel „Vollendet“ erschien. In dem bedrückend realen Mehrteiler geht es um den 16-jährigen Connor, der „umgewandelt“ werden soll – das heißt, sein Körper wurde von seinen Eltern vollständig zur Organspende freigegeben. Als er Risa trifft, der ein ähnliches Schicksal blüht, müssen sich die beiden entscheiden – Flucht oder Umwandlung? In „Scythe – Die Hüter des Todes“, einer weiteren Sci-Fi-Serie, entwickelt Neil Shusterman die gruselige Vision einer scheinbar perfekten Welt. Aktuell lebt der Autor mit seinen vier Kindern in Südkalifornien.

Übersetzer:
Pauline Kurbasik ist literarische Übersetzerin von Romanen, populärwissenschaftlicher Literatur und Biografien aus dem Englischen und Französischen ins Deutsche.

Kristian Lutze ist in Düsseldorf aufgewachsen. Studium der Amerikanistik, Anglistik und Germanistik in Düsseldorf, Buffalo, N.Y., und Hamburg. Anschließend Tätigkeit als Pressereferent, Autor, freier Journalist und seit Anfang der 1990er hauptberuflich Literaturübersetzer. Lebt heute in Köln und hat inzwischen mehr als hundert Romane und Sachbücher ins Deutsche übertragen.


Bewertung:
Das Cover ist mystisch und unheimlich gehalten - sehr passend zur Geschichte. Der Titel ist allein schon aussagekräftig und muss nciht erklärt werden. Sehr schön finde ich die Tagebuch-Einträge der verschiedenen Scythe, die über ihren Alltag des Nachlesens berichten. Sie bauen auch Spannung auf und machen neugierig auf den weiteren Verlauf der Geschichte.

Die Charaktere finde ich sehr gut dargestellt und ausgeschrieben. Nur einige Nebencharaktere bleiben etwas blass, was hier aber keinen Abbruch leistet. Das Hauptaugenmerk liegt eindeutig bei den Hauptcharakteren wie Scythe Curie, Faraday, Goddard, sowie Anwärter Rowan und Citra. Hier sieht man die Entwicklung sehr schön und kann sich gut reinversetzen.

Die Gebote der Scythe

1. Du sollst töten.
2. Du sollst unvoreingenommen, besonnen und ohne böswillige
Absichten töten.
3. Du sollst der Familie derjenigen, die dein Kommen akzeptieren, ein Jahr Immunität gewähren sowie auch allen anderen, die du als
würdig erachtest.
4. Du sollst die Familien derjenigen töten, die sich widersetzen.
5. Du sollst zeit deines Lebens der Menschheit dienen, und deine Familie soll als Entschädigung zeit deines Lebens Immunität
genießen.
6. Du sollst in Worten und Taten ein vorbildliches Leben führen.
7. Du sollst keine Scythe außer dir selbst töten.
8. Ring und Robe sollen deine einzigen weltlichen Besitztümer sein.
9. Du sollst weder heiraten noch dich fortpflanzen.
10. Du sollst dich allein an diese Gebote halten.

(Seite 85)


Die Geschichtsidee ist richtig spannend und bringt mich zum Nachdenken. Denn so utopisch ist dieser Gedanke ja nicht, dass das Netzwerk alle Aufgaben bis auf das Töten übernimmt und übermächtig wird. Der Autor versteht es hier auch, Zweifel an das Scythesystem zu streuen, das es erlaubt, selbstständig zu entscheiden, wer nachgelesen werden soll. Richtig unheimlich, wenn ich daran denke, dass wir Menschen Gott spielen dürfen. Dass da Probleme mit dem ein oder anderen Menschen aufkommt, versteht sich ja von selbst. Dieses Problem wird hier sehr gut vermittelt, sodass ich wirklich mehrmals den Atem anhalten und den Kopf schütteln musste. Sehr irrwitzig in meinen Augen, erzählt der Autor über das alltägliche Nachlesen, als ob das so natürlich wäre wie Zähne putzen. In der Welt des Scythetums ist dies auch so. Aber ich möchte mich da nicht wiederfinden. Ich musste Alltagsaufgaben wie das Aussuchen der passenden Waffe und die Durchsetzung teilweise unfairer Regeln wie Regel 4 lesen ... geschickt erschafft der Autor eine Welt, die auf absolute Fairness und Gerechtigkeit zielt, aber alles andere als das ist.

Für mich waren an einigen Stellen viel mehr Länge als ich gebraucht hätte, jedoch konnte ich diese ruckig überlesen, da der Schreibstil die Längen gut lesbar macht. Es ist einiges vorhersehbar wie auch unvorhersehbar. Ebenso sind mir einige Passagen zu eng beschrieben, da hätte ich mir mehr Ausschweifung gewünscht. Das Ende ist geschlossen und offen zugleich - mit einem Tagebucheintrag. Es lässt sehr neugierig zurück und neue Fragen aufkommen. Die Fragen aus diesem Band werden bis zum Ende hin so gut wie alle gelöst, sodass ich nicht mit Frustration gepackten Kopf an das nächste Band gehen muss.


Fazit:
Eine unheimlich erschreckende Geschichte über ein System, dass den Menschen über den Kopf zu wachsen droht. Es schockiert, regt zum Nachdenken an und unterhält. Da es für mich nicht durchgehend hervorragend war und mir auch das gewisse Etwas noch fehlt, bekommt das Buch keine fünf, sondern vier Sterne. Empfehlen kann ich es aber alle male! Ich bin ja kein Science-Fiction-Fan, aber mir gefällt es hier, dass es nicht völlig abgedreht und auch nicht abwegig fern jeglicher Zukunft ist.

Ich finde auch, dass es eine gute Lehre über unsere Wertvorstellungen ist, daher sollte jeder über 16 Jahre es einmal gelesen haben. Wer genauer zwischen den Zeilen liest, erkennt, dass die Geschichte uns einiges lehren kann. Es ist ein Buch, das positiv für unsere Gesellschaft genutzt werden kann und sollte!

"Du schaust hinter die Fassaden der Welt, Citra Terranova. Du würdest eine gute Scythe abgeben." Citra wich entsetzt zurück. "Das würde ich nie sein wollen." "Das", sagte er, "ist die wichtigste Voraussetzung." (Seite 21)

Veröffentlicht am 28.05.2020

Tu etwas. Irgendwas. Egal wie jung Du bist. Du hast Macht.

Young Rebels
2

Klappentext:
Sie kämpfen für die Umwelt, Minderheiten und Gleichberechtigung und engagieren sich gegen die Waffenlobby, Diskriminierung und Korruption. 25 Jugendliche im Kampf für eine bessere Welt. Greta ...

Klappentext:
Sie kämpfen für die Umwelt, Minderheiten und Gleichberechtigung und engagieren sich gegen die Waffenlobby, Diskriminierung und Korruption. 25 Jugendliche im Kampf für eine bessere Welt. Greta Thunberg ist 16, als sie mit ihrem Schulstreik für die Umwelt weltweite Klimaproteste auslöst. Der 14-jährige Netiwit Chotiphatphaisal gründet eine Zeitung, um sich in Thailand für Demokratie, Redefreiheit und eine Bildungsreform einzusetzen. Malala Yousafzai bloggt von der Unterdrückung der Frauen in Pakistan als sie 11 ist. Und Felix Finkbeiner entwickelt in der 4. Klasse seine Idee, dass Kinder in jedem Land eine Million Bäume pflanzen sollten. Jugendliche auf der ganzen Welt zeigen soziales Engagement und bewirken wegweisende Veränderungen. Ihre Entschlossenheit inspiriert uns alle.


Autoren:
Benjamin Knödler, 1991 geboren, studierte Philosophie und Sozialwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin. Er ist Journalist und arbeitet als Online-Redakteur bei der Wochenzeitung „der Freitag“. Im Frühjahr 2020 erscheint das von Felicitas Horstschäfer illustrierte Jugendsachbuch Young Rebels - 25 Jugendliche, die die Welt verändern, das Benjamin Knödler gemeinsam mit seiner Mutter Christine Knödler geschrieben hat.

Christine Knödler, 1967 geboren, arbeitet als freie Journalistin, Kritikerin und Moderatorin. Sie schreibt und ediert für Verlage, Zeitungen, Zeitschriften und den Deutschlandfunk. Im Hanser Kinderbuch hat sie mit Reinhard Michl Schnurren und Kratzen – Geschichten von Katzen (2013) herausgegeben. Im Frühjahr 2020 erscheint das von Felicitas Horstschäfer illustrierte Jugendsachbuch Young Rebels - 25 Jugendliche, die die Welt verändern, das Christine Knödler zusammen mit ihrem Sohn Benjamin Knödler geschrieben hat.


Illustrationin:
Felicitas Horstschäfer, 1983 geboren, arbeitet seit ihrem Diplom an der Fachhochschule Münster (2009) als freischaffende Designerin im Bereich Cover, Illustration und Buchkonzept in Berlin. Neben Buchverlagen, Printmedien und Wirtschaftskunden zählen Papeterie-Hersteller/innen im In- und Ausland zu ihren Kunden.



Bewertung:
Cover und Inhalt sind genauso toll gestaltet wie die anderen Reihenbücher. Das hier ist mein erstes aus der Reihe. Die Illustratorin hat tolle Arbeit geleistet, sowie beim Cover als auch im Innenteil. Auch einen Farbcode mit Helltürkis und Gelborange zieht sich durch das gesamte Buch. Es ist jugendlich modern und cool gestaltet und spricht diese Altersgruppe toll an. Auch ich als Erwachsene bin davon begeistert, weshalb ich mir mit Punkten ein Exemplar bei vorablesen gegönnt habe.

Schon das Inhaltsverzeichnis ist toll gestaltet und macht Lust auf mehr. Neben den Jugendhelden gibt es zuvor ein Vorwort der Autoren, am Ende des Buches folgt ein Glossar mit wichtigen Schlüsselwörtern und ein Quellenverzeichnis zu den Zitaten der Jugendlichen. Die Berichte sind generell in der Vergangenheitsform gehalten - bis auf den Bericht über Malala Yousafzai. Zu jedem Bericht hat die Illustratorin ein Portrait als Deckblatt und am Ende des Berichts eine passende Seite für jeden Jugendlichen illustriert. Jemand, der sich für ein verschärftes Waffengesetz einsetzt, hat die Seite mit gebrochenen Waffen illustriert bekommen. Ein anderer, der sich für die Umwelt einsetzt, hat die Seite mit Plastiksachen illustriert bekommen. Und so geht es für jeden Jugendlichen individuell weiter. Auch zwischen den Berichten sind jeweils passende kleine Bildchen illustriert worden. Bei einigen fehlt mir das aktuelle Ende bzw. wie es heute nach den vergangenen Handlungen aktuelle aussieht.

Und diese Individualität spiegelt sich im ganzen Buch wieder. Es sind 25 ganz unterschiedliche Geschichten zusammengetragen worden, sei es Umwelt-Aktivisten, Geschlechtskämpfer, Erfindergeister oder Kulturkämpfer ... alle von ihnen leisten einen Beitrag, um die Welt ein bisschen lebenswerter zu machen. Die Berichte sind von vier bis sechs Seiten lang. Die Texte sind in kurzen Absatzblöcken verständlich wiedergegeben. Zu jedem Bericht gibt es auch eine kleine Übersicht über die Person und ihre Taten in wenigen Sätzen formuliert. Die Zitate sind farblich geschrieben, um sie bei der Quellenangabe schnell wiederzufinden. Ebenso sind die in dem Glossar aufgeführten Schlüsselwörter in den Berichten farblich geschrieben.


Fazit:
Bisher habe ich mich meistens nur geschämt für meine Generation, die so rüpelhaft und respektlos erzogen wird. Aber hier gibt es diese engagierte Seite, auf die ich sehr stolz bin. Unsere Generation hebt sich von der älteren Generation ab: Wir handeln, statt nur zu reden oder Probleme zu ignorieren. Eine wirklich toll gestaltete und übersichtliche Inspiration für Jugendliche UND Erwachsene!

Ich habe auch die anderen Bücher genauer angeschaut und die Leseproben gelesen. Ich finde es schade, dass hier diesmal nur 25 Jugendliche genommen wurden, wo die Autoren doch in der Ausgangssituation 30 Jugendliche vorliegen hatten. Diese fünf mehr hätten sie schon mit reinbringen können. Auch vom Preis her ist es sehr teuer, im Vergleich mit den anderen Büchern. Aber ich kann dieses Werk wirklich nur empfehlen, es sollte eine Schullektüre werden. Das Buch macht deutlich, dass es für Veränderungen nie zu spät ist, man nie klein genug sein kann, um etwas zu bewegen und weckt Hoffnungen, dass wir doch nicht so unwichtig sind, wie wir uns selbst und andere uns einreden.


Wer etwas will, findet Wege. Wer etwas nicht will, findet Gründe.

(Willy Meurer)




Ich bedanke mich innigst beim vorablese-Team und dem Verlag für die Chance, das Buch mit Punkten erworben zu haben.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.07.2020

Von Licht und Schatten und alles dazwischen

Soul Mates, Band 1: Flüstern des Lichts
1

Inhaltserzählung:
"Einst lebten zwei Seelen in einem Körper, die sich perfekt ergänzten. Sie waren schnell, stark und hatten vor nichts Angst. Sie waren mächtig. So mächtig, das die Götter sie zu fürchten ...

Inhaltserzählung:
"Einst lebten zwei Seelen in einem Körper, die sich perfekt ergänzten. Sie waren schnell, stark und hatten vor nichts Angst. Sie waren mächtig. So mächtig, das die Götter sie zu fürchten begannen, also spalteten sie die Seelen in zwei Hälften. Seitdem sind die Menschen dazu verflucht, allein durchs Leben zu wandeln, ständig auf der Suche nach der einen Person, die sie wieder vervollständigt. Aber die Götter hatten einen entscheidenden Fehler gemacht. Während der Spaltung ging einkleiner Teil ihrer Macht auf die Menschen über, göttliche Funken, die über Generationen hinweg erhalten blieben und sich in den unterschiedlichsten Fähigkeiten manifestierten. Aus ihnen wurden Krieger, Bewahrer, Einflüsterer, Heiler, Anführer, Fährten- und Seelenleser. Sie lernten, sich im Licht, im Nebel und in der Dunkelheit fortzubewegen, und forderten die Götter heraus."

(Lauren, Seite 314)


Autorin:
Schon seit frühester Kindheit ist Bianca Iosivoni von Geschichten fasziniert. Mindestens ebenso lange begleiten diese Geschichten sie durch ihr Leben. Den Kopf voller Ideen begann sie als Teenager mit dem Schreiben und kann sich seither nicht vorstellen, je wieder damit aufzuhören. Nach dem Abitur studierte sie Sozialwissenschaften in Hannover und arbeitete in einer Online-Redaktion. Inzwischen ist sie freiberufliche Autorin, tippt am heimischen Schreibtisch, schreibt gerne in Cafés und reist durch die Welt, vor allem nach Schottland. Den Kampf gegen die tägliche Ideenflut hat sie längst aufgegeben. Ob unterwegs oder zu Hause, was immer dabei sein muss: Notizheft, Stifte, Buch, Schokolade und jede Menge Koffein.


Bewertung:
Das Cover ist okay, passt zum Titel, aber ist nicht unbedingt nach meinem Geschmack gestaltet. Das Paar darauf muss eigentlich nicht sein. Der Schreibstil ist wunderschön fließend, sodass ich das Buch nicht nur in einem Rutsch durchgelesen hatte, sondern es jetzt auch das zweite Mal durch habe.Die Erzählung ist aus Raynes Perspektive erzählt. Hier hätte ich mir ein Wechsel mit Colt gewünscht.

"Seelenpartner müssen sich nicht mögen. Sie müssen nicht mal befreundet sein. Aber es wird keinen einzigen Menschen auf der Welt geben, der dich besser kennen und verstehen wird als ich."
(Colt, Seite 267/268)

Colt ist ein Serienkiller aus Licht, der Schattenmonster verfolgt und tötet. Ein toller Satz, den ich aus dem Buch entnommen habe. Rayne ist ein gewöhnliches Mädchen mit einer dunklen Vergangenheit. Beide Charaktere sind klischeehaft erstellt, da überrascht nichts. Dennoch mag ich beide Figuren sehr. Tolle Nebencharaktere sind Miles, Colts bester Freund und Gray, Raynes bester Freund. Sympathisch, aber nicht aufdringlich - das gefällt mir sehr. Die Liebesgeschichte zwischen Colt und Rayne ist nicht aufdringlich, wie es gewöhnlich zu lesen gibt. Sie bleibt immer im Hintergrund, zieht aber mit. Das gefällt mir sehr.

"Ich glaube, du siehst viel mehr, als dir bewusst ist. Gleichzeitig verschließt du die Augen vor dem Offensichtlichen."
(Colt, Seite 57)

Es gibt aber auch Dinge, die mir nicht gefallen: Colt bringt sie in dem Hauptlager, wo alle Lichtseelen sich sammeln, lässt sie aber dann bei Liv zurück, um mitzutrainieren, anstatt sie mit allem und jedem bekannt zu machen ... Und Rayne findet das nicht mal merkwürdig und unhöflich. Klischeehafter geht es hier kaum noch! Eine Ungereimtheit ist mir auch das zweite Mal beim Lesen aufgefallen; er fragt sie etwas, was keinen Bezug zu dem Moment hat, und sie versteht es sofort. Nur ich als Leserin verstehe es nicht. Es kommt aus dem Nichts. merkwürdig.

Das Setting ist auch sehr gewöhnlich,, die Fantasieelemente beschränken sich auf Fähigkeiten und das eigen Sein. Das Setting ist eine ganz gewöhnliche Kleinstadt in den USA. Der Humor kommt hier allerdings nicht zu kurz, hin und wieder wirft die Autorin kleine Humorbroken rein:

"Worüber habt ihr geredet?"
"Oh, das Übliche. Sie hat mir erklärt, dass sie hervorragende Kontakte zur Polizei hat, mit nur einem Klick herausfinden kann, wo ich wohne, und mir die Eier abschneiden wird, sollte ich dir zu nahe kommen oder dir das Herz brechen."
(Rayne und Colt, Seite 219)

"Schwarz, grün oder weiß?" Sie deutete auf die verschiedenen Teesorten.
"Ist das eine Fangfrage? Wenn ich schwarz wähle, tendiere ich zu den bösen Dunkelseelen, bei weiß zu den Lichtseelen?"
"Es ist nur Tee, Rayne."
(Liv und Rayne, Seite 98)

So eine Erzählart liebe ich - wenn ich neben dem Dramatische auch etwas zum Schmunzeln habe. Auch die Handlungen sind soweit vorhanden, dass es immer fesselnd bleibt und sich nichts wiederholt, wie das bei manchen Büchern der Fall ist. Nicht alle Ausgänge einer Handlung gefallen mir, aber das wäre eine extreme Spoilerangabe. Das Ende ist sehr offen, ziemlich gemein! Als ich das Buch zum ersten Mal las, hatte ich Band 2 lange Zeit nicht. Nun, wo ich es habe, ging es sofort weiter mit lesen.


Fazit:
Eine fesselnde Geschichte mit einigen Klischees, die sich schnell lesen lässt und am Ende nach Mehr schreien lässt! Man muss einfach Band 2 auch lesen, es ist wie ein Sog. Ich kann diese Geschichte allen empfehlen, die die "Izara"- Reihe und die "Hidden-Legacy"- Reihe mögen. Die kommen dem hier am nächsten.

"Egal, wie dunkel es sein mag, ein Funken Licht findest du überall. Und wo Licht ist, da sind auch wir."
(Colt, Seite 195)


  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.06.2020

Ein Tabu-Thema auch nach der Geschichte noch tabu!

V is for Virgin
1

Klappentext:
Val Jensen wird von ihrem Freund verlassen - weil sie mit dem Sex bis zur Ehe warten will. Als ihre Geschichte über YouTube viral geht, wird sie unter dem Namen Virgin Val landesweit bekannt. ...

Klappentext:
Val Jensen wird von ihrem Freund verlassen - weil sie mit dem Sex bis zur Ehe warten will. Als ihre Geschichte über YouTube viral geht, wird sie unter dem Namen Virgin Val landesweit bekannt. Das Chaos scheint perfekt, als schließlich Rockstar Kyle Hamilton vor ihr steht: Der Sänger der Boyband Tralse hat es sich nämlich zum persönlichen Ziel gemacht, sie zu verführen. Womit Kyle allerdings nicht gerechnet hätte: Val bereitet ihm ganz schönes Herzklopfen ...


Autorin:
Kelly Oram schrieb mit 15 Jahren ihre erste Kurzgeschichte – Fan Fiction über ihre Lieblingsband, die Backstreet Boys, womit ihre Familie sie heute noch aufzieht. Sie ist süchtig nach Büchern, redet gern und viel und liebt Zuckerguss. Sie lebt mit ihrem Mann, vier Kindern und einer Katze am Rande von Phoenix, Arizona.


Übersetzerin:
Stephanie Pannen, geboren 1979, ist eine deutsche Übersetzerin, Lektorin und Redakteurin, u.a. für das GEEK!-Magazin. Sie hat inzwischen über 80 Romane aus dem Englischen ins Deutsche übertragen. Dazu zählen u.a. die Neuübersetzung der James Bond-Romane von Ian Fleming und viele Star Trek-Romane für den Cross-Cult-Verlag. Für die Übersetzungen von "Götter der Nacht" und "Gebranntes Kind" kam sie jeweils auf die Shortlist des Kurd-Laßwitz-Preises für die beste Übersetzung.



Bewertung:
Das Cover ist nach typisch hippigen Hype erstellt. Es ist ganz okay, aber jetzt auch kein Highlight. Die Farbenmischung finde ich sehr schön.

Ich wusste schon nach einem Drittel, welche Note die Geschichte erhält (sollte sich bis zum Ende nichts verändert haben, natürlich). Das ist äußerst selten schon so früh erkennbar. Es kommt vor, dass ich eine Ahnung habe, aber unsicher bin. Aber hier war ich mir sehr sicher - die Geschichte folgt für mich einfach den Durchschnittsweg, sodass ich keine Fantasy brauchte, um zu erfahren, wie es wohl weitergeht ... in diesem Fall habe ich nach der Hälfte des Buches abgebrochen. Ich war es leid, meine Zeit zu vergeuden. Ich bin auch ohne Erwartungen rangegangen, da es von Außen (Cover, Klappentext) wie eine typische 08/15-Geschichte wirkt. Dementsprechend hatte ich niedrige Erwartungen an die Geschichte.

Der Schreibstil ist hier wirklich nichts herausragendes. Die Geschichte liest sich gut und ohne Stolpersteine, aber mehr als gewöhnlich ist der Erzählstil nicht. Ist auch okay, es muss nicht immer außergewöhnlich sein. Solange die Geschichte heraussticht ... tut sie, aber leider mehr im negativen Sinn.

Der Anfang ist noch sehr gelungen, also der anfängliche Anfang. Der ist ziemlich kurz, aber gelungen. Sehr schön finde ich, dass die Autorin ein Tabu-Thema ausgesucht hat. Die weibliche Sexualität ist ja ein generelles Tabu-Thema. Alleine, wie wir Frauen in der Männerwelt behandelt werden ... spricht für sich.

Kyle und Val benehmen sich kindisch. Beide haben Vorurteile. Ja, sie beleidigen sich sogar mit ihren jeweiligen Ansichten zum Sex bzw. kein Sex vor der Ehe. Als Paar passen sie hervorragend zusammen. Das war das Erste, was ich zu den Beiden dachte. Der Schlagaustausch zwischen ihnen wirkt künstlich inszeniert.

Val ändert stetig ihre Meinung, was an sich keine schlechte Sache sein muss - viele beharren ewig auf ihren ersten festgelegten Meinungen -, aber dieser stetige Wechsel wirkt sprunghaft und unglaubwürdig. Einerseits bezieht sie klar Stellung zu ihrer Jungfräulichkeit bis zur Ehe, andererseits beschimpft sie andere für ihre gegenteiligen Ansichten. Und dann wiederum sind alle Ansichten willkommen. Ja, sie ist zuweilen sogar passioniert, anderen wie eine Jeanne d`Arc Keuschheit bis zur Ehe vorzuleben und zu propagandieren. Ganz schön heuchlerisch und hollywoodisch, oder wie seht ihr das? Von einer hilfreichen Kampagne "Du musst dich nicht für deine Jungfräulichkeit schämen" wurde sehr schnell - noch am Anfang - "Sex vor der Ehe ist schlecht und eine Sünde". Keine gute Botschaft an die Leser! Vals Gedanken und Meinungen (sie hat scheinbar mehrere) zu diesem Thema ist wie ein Schleudertrauma.

Mit den meisten anderen Lesern bin ich wohl einig, dass das tabuisierte Thema "Jungfrau mit 17" und "Kein Sex vor der Ehe" nicht ausreichend und gut genug aus allen Perspektiven beleuchtet wurde. Hier werden mehr Klischees als Individualismus gefeiert. Das ist sehr schade, denn Klischees finden wir in jedem zweiten Buch, ein wichtiges und tabuisiertes Thema ist dagegen rar zu lesen.

Auch dieser Hype und die Glorifizierung zur "Heiligen Virgin" (meine Worte) schießt über das Ziel hinaus. Ich war vom Gefühl und von meinen Gedanken hin und her gerissen, ob das ein echtes Anliegen der Autorin ist oder ein Scherz, um sich darüber zu beömmeln. Ich gehe von Ersterem aus, da auch die Vorwerke der Autorin nicht auf Scherz und Lustigmachen gründen. Aber hier bin ich mir ab und an veralbert vorgekommen. Gerade ein reales tabuisiertes Thema unserer Gesellschaft, MUSS ernsthaft und realistisch bearbeitet werden - auch in einer fiktiven Geschichte! Da gibt es für mich nichts zu rütteln und zu schütteln am Keuschheitsbäumchen. Vor allem aber, was leben wir in einer Gesellschaft, wo man als Jungfrau verhöhnt und gleichzeitig vergöttert wird??! Das ist sowas von bescheuert ... mir fehlen dafür die richtigen Worte. Das ist so ein Moment, in dem ich mir wie "Pleasantville" vorkomme; in eine andere Welt gezogen. Welche Botschaft soll vermittelt werden? Das bleibt hier unklar gespalten.

Vergleiche mit Vorwerken derselben Autoren finde ich schwierig und nicht gänzlich fair, da jedes Werk seine eigene Geschichte ist und ein eigenen Stil präsentiert. Aber sehr wohl lässt sich gut vergleichen, wie der Geschichtsaufbau und die Gefühlsregungen zu diesem sind. Das Buch kommt nicht an "Cinder & Ella" (Band 1) ran, in keinster Weise. Das Ende ist mir hier auch total egal, das habe ich auch selten, auch wenn ich ein Buch abbreche.


Fazit:
Schöne Verpackung (Grundidee) ohne leckere Füllung (Inhalt)! Mich hat weniger die fehlende Liebesgeschichte gestört, wie den meisten anderen Leser, sondern vielmehr die heroische Vermarktung der Keuschheit. Das hat mich sehr an diese überspitzen Hollywoodfilme erinnert, die so gar nichts mit der Realität gemein haben. Und wir lesen hier ja kein Science Fiction oder Fantasy ... Gut gemeint ist eben nicht gleich gut gemacht. Es entsteht viel Leid auf der Welt nach diesem Schema. Und auch diese Geschichte ist etwas elend. Leider. Es übermittelt keine eindeutige Botschaft - besonders für jüngere Leser könnte das irritierend sein. Und auch eine Autorin, die zuvor gute Werke geschrieben hat, muss nicht zwangsläufig alles gut schreiben. Ich hatte schon das Gefühl, dass sie die Geschichte positiv tolerant rüberbringen möchte. Ist hier nicht sehr gelungen.

Man sollte offen sein für neues, und das bin ich auch hier wieder gewesen. Da die Geschichte samt Handlungen weder völlig realistisch ist, noch selten über den Kleinkindstatus hinausgeht, bekommt das Buch 2 Sterne von mir. Ein Buch, das man nicht gelesen haben muss, bevor man stirbt.

S steht für Schade!



Lieben Dank an das netgally-Team und dem LYX Verlag für das bereitgestellte Lese-Exemplar!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.06.2020

Charaktere und Geschichte nur Durchschnitt!

Das Flüstern der Magie
1

Klappentext:
Die 19-jährige Fallon besitzt das Talent die Magie zu spüren. Daher betreut sie in der schottischen Hauptstadt ein Archiv für magische Gegenstände, die für Unwissende zum Risiko werden können. ...

Klappentext:
Die 19-jährige Fallon besitzt das Talent die Magie zu spüren. Daher betreut sie in der schottischen Hauptstadt ein Archiv für magische Gegenstände, die für Unwissende zum Risiko werden können. Eines Nachts trifft Fallon auf den geheimnisvollen Reed, mit dem sie sofort etwas zu verbinden scheint. Doch Reed hintergeht sie und entwendet einen magischen Gegenstand aus ihrem Archiv. Damit bringt er nicht nur Fallon in Bedrängnis, sondern auch die Einwohner Edinburghs in große Gefahr ...


Autorin:
Laura Kneidl wird 1990 in Erlangen geboren, studiert in Stuttgart Bibliotheks- und Informationsmanagement und lebt heute in Leipzig. Die leidenschaftliche Leserin verfasst zunächst Fanfictions und beginnt 2009 mit der Arbeit an ihrem ersten Roman, »Light and Darkness«, der erstmal 2013 bei Impress erscheint. Der große Durchbruch als Schriftstellerin gelingt Kneidl mit ihrer Duologie »Berühre mich. Nicht.« und »Verliere mich. Nicht.«, die mehrere Wochen auf der Spiegel-Bestsellerliste steht.



Bewertung:
Das Cover ist sehr passend zur Geschichte und dem Titel gemacht. Es wirkt magisch, wie auch die Geschichte sein soll. Der Schreibstil ist typisch Laura sehr flüssig und die Geschichte dadurch leicht und schnell zu lesen. Damit endet aber auch meine Begeisterung.

Die Charaktere sind recht durchschnittlich erschaffen, sehr sympathisch fand ich Fallon nicht besonders, sie hat mich mit ihrem Eigensinn, Arroganz und Aufmerksamkeitsdrang zu ihren Eltern genervt. Sie hat es sich selbst unnötig schwerer gemacht und damit war es auch unnötig überdramatisiert. Reed fand ich da sympathischer, er war einfach er selbst und insgeheim offen und ehrlich. Fallons Eltern fand ich ganz typisch Egomanie-Eltern, die es zu Haufen in unserer Welt gibt. Trotz der realistischen Darstellung dieser fand ich sie ermüdend in der Geschichte zu lesen. Die anderen Nebencharaktere waren zu flach ausgearbeitet.

Die Handlungen waren leider überdurchschnittlich lahm und teilweise langweilig. Es war nichts besonderes dabei, kein Highlight oder atemberaubende Wendung. Die Magie kam erst ab der Mitte richtig zum Vorschein, wenn auch nicht so extrem, wie ich das erwartet habe. Auch hier würde ich es als Durchschnitt bezeichnen - weder gar keine Magie/Fantasy, noch sehr viel Magie/Fantasy ... Die romantische Beziehung zwischen Fallon und Reed ist leider auch - ihr ahnt es schon ... - durchschnittlich und was oberflächlich. Hier hätte die Autorin mehr Tiefe reingeben können.

Das Setting passt wunderbar zur Geschichte und gibt der Geschichte etwas magisches und ruchloses. Das Ende ist - im Gegensatz zu allem anderen - ein Knaller! Sehr unvorhersehbar und nachvollziehbar! Ein richtiges Wow!

Das ideale Wort für das gesamte Buch ist wohl "lahm". Das ist das erste und letzte, das mir hierzu einfällt, leider. Irgendwie schafft die Autorin es seit "Herz aus Schatten" nicht mehr, mich mit ihren Fantasiegeschichten zu begeistern. Enttäuschend!


Fazit:
Leider eine zu lahme Geschichte, die sich aber sehr schnell lesen lässt. Nicht schlecht, aber auch nicht unbedingt lesenswert. So ganz konnte ich mich nicht mit den Charakteren und der Story anfreunden. Mehr als 3 Sterne kann ich daher hier nicht vergeben.

Auch das Hörbuch konnte mich nicht überzeugen. Schade!



An dieser Stelle bedanke ich mich ♥lich beim netgalley-Team und dem Piper-Verlag für das ebook.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere