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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.01.2023

Großartige Idee, aber...

Der Nachlass
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Das ist mein erstes Buch des Autors seit knapp 10 Jahren gewesen. Seine "Berlin Gothic" Reihe sowie andere Titel, die er damals noch selbst verlegte, fand ich gar nicht schlecht, weswegen ich schon lange ...

Das ist mein erstes Buch des Autors seit knapp 10 Jahren gewesen. Seine "Berlin Gothic" Reihe sowie andere Titel, die er damals noch selbst verlegte, fand ich gar nicht schlecht, weswegen ich schon lange einmal ein neueres Buch von ihm lesen wollte. Da dieses Buch ziemlich viral ging auf den sozialen Medien, hatte ich tatsächlich plötzlich Angst es zu beginnen. Es hafteten ihm so viele negative Meinungen an, dass ich mich beeinflusst fühlte. Nichtsdestotrotz habe ich es nun endlich gewagt. Während einige vom Anfang sagten, dass er langweilig sei, kann ich dieser Aussage nicht zustimmen. Den Anfang fand ich sehr gelungen und schlüssig. Durch den Wechsel der Sichten und Zeiten war ich regelrecht angefixt, was durch die subtile Spannung noch bestärkt wurde.

Doch irgendwann kam dann ein Punkt, der wirklich seltsam war. Zum einen schlichen sich kleine Fehler bzw. Ungereimtheiten ein, wie beispielsweise eine Aufgabe, in der die Teilnehmenden die Hand auf den eingeschalteten Herd legen sollen. Einem Induktionsherd, der, warum auch immer, eine glühende Spirale hat. Darüber konnte ich ja noch lächelnd hinwegsehen und ganz böse sagen, dass er als Mann ja bestimmt nicht kochen müsse - das mir meine bessere Hälfte die genaue Funktion dieser Art des Herds erklärte, lassen wir einfach außen vor. Eigentlich müsste ich das Buch sogar aufwerten, da ich einiges dazu gelernt habe, wie beispielsweise wie lange ein See braucht damit er gefriert. Kurz gesagt, viele Dinge wirkten einfach zusammengeschustert, damit die Geschichte weiter gehen kann. Das Problem für mich ist, dass ich bei einem Buch, das kein Fantasy ist, mir auch entsprechend logische Vorgänge wünsche. Zudem fand ich es inkonsequent.

SPOILER WARNUNG für diesen Absatz.
Und zwar heißt es, dass die Protagonisten die Aufgaben erledigen müssen, alle, ausnahmslos. Wer sich weigert, der bekommt einen Punkt abgezogen. Soweit so gut, aber nehmen wir das Beispiel mit dem Herd. Natürlich tatscht eine Person das Kochfeld, das eigentlich gar nicht heiß werden kann, an. Glücklicherweise wird sie auch gleich verarztet, also keine Sorge, alles nicht so schlimm. So, das war dann eine ausführende Person von etwa zehn. Da sie aber so mutig ist, bekommt sie den Punkt. Fertig. Man erfährt aber bis zum Schluss nicht, wann die Regeln umgeschrieben wurden. Vielleicht sehe ich das zu eng, und im Grunde bin ich ja auch froh, dass ich nicht jede Aufgabe etliche Male miterleben muss, aber sowas finde ich einfach inkonsequent und es fühlt sich falsch an.
SPOILER ENDE

Alles in allem finde ich es sehr schade, besonders die kleinen Fauxpas, die nicht hätten sein müssen. Die Geschichte und Idee hatte unfassbar viel Potential. Selbst die Auflösung fand ich gelungen und gut gewählt, aber der Weg dorthin war mir teilweise einfach zu widersprüchlich und konstruiert, weshalb ich es irgendwann auch weniger spannend fand.. Den Stil von Jonas Winner lese ich nach wie vor noch sehr gerne, da er angenehm und gut zu lesen ist. Es wird auf jeden Fall nicht mein letztes Buch von ihm sein, aber bis dato das schlechteste, zumindest für mich.

Fazit:

Großartige Idee, aber leider sehr widersprüchlich und konstruiert umgesetzt.

Veröffentlicht am 14.09.2022

Elbmarschliebe

Die Rückkehr der Kraniche
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Was ich immer sehr an den Büchern der Autorin mochte, war die Leidenschaft für die Elbmarsch, die in jeder Zeile zu finden war, den Stil und die Atmosphäre sie erschuf. Umso mehr freute ich mich, als ein ...

Was ich immer sehr an den Büchern der Autorin mochte, war die Leidenschaft für die Elbmarsch, die in jeder Zeile zu finden war, den Stil und die Atmosphäre sie erschuf. Umso mehr freute ich mich, als ein "ganz normaler" Roman angekündigt wurde. Und was soll ich sagen? Ich habe ihn so sehr gemocht, genau wegen der oben genannten Punkte!

Hier durfte Romy ausschweifend von der Marsch erzählen, den Leser auf eine wundervolle Reise mit nehmen, und gleichzeitig noch eine großartige Familiengeschichte dazu packen. Diese war mir an manchen Stellen etwas zu viel, auch wenn ich schön fand, dass sie etwas Queerness einbaute, doch fühlte es sich ein wenig an wie: Das muss jetzt halt da rein, weil das da rein muss. Aber gut, wenn's sonst nichts ist. Zudem ließen mich die letzte Seiten das sowieso alles vergessen und einfach nur träumen.

Die ganzen Familiengeheimnisse konnte ich unglaublich gut verstehen, weshalb ich mir jeder der Hanses litt. Die Geschichte zeigt für mich schön, dass man es einfach nie richtig machen kann, auch wenn man es immer versucht. Ich hoffe noch ganz viel aus Romys Feder zu lese. Von mir eine klare Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 22.06.2022

Nett.

Todesboten - Machtschwarz (Band 2)
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Mein Partner meinte, dass ich doch einfach meinen Eindruck im Stil des Buches schreiben solle, dann würde sicher gut zur Geltung kommen wie ich es finde, da Fuck und scheiße häufig Anwendung fanden. Das ...

Mein Partner meinte, dass ich doch einfach meinen Eindruck im Stil des Buches schreiben solle, dann würde sicher gut zur Geltung kommen wie ich es finde, da Fuck und scheiße häufig Anwendung fanden. Das ist jedoch nicht meine Art und zudem ist es ja auch nicht scheiße, sondern schlichtweg nicht nennenswert. Bereits auf der ersten Seite des ersten Kapitels sind vier solcher schmucken Wörter zu finden, aber glücklicherweise zeigen die Autorinnen, dass sie auch anders können, denn der Rest ist sehr angenehm lesbar; manchmal könnte man der Geschichte sogar eine gewisse Tiefe unterstellen.

Leider fand ich den zweiten Band aber einfach absolut unspektakulär. Ich finde es ja mal schön, wenn die innere Zerrissenheit eines Protagonisten nachfühlbar dargestellt wird, aber wenn das ganze Buch daraus besteht, vergeht mir die Lust. Action Szenen finde ich im allgemeinen nie wirklich prickelnd und alles was der Geschichte hätte Auftrieb geben können, wie ein gewisses Maß an Spannung, von der es lediglich am Ende etwas gab - aber selbst hier war es so vorhersehbar, dass es nicht richtig spannend war. Vielleicht war das auch nur mein Empfinden, da ich bereits bei der Hälfte schon so unfassbar gelangweilt und angenervt war, dass ich keine Lust mehr hatte.

Alles in allem fand ich den ersten Band durchaus nett, aber auf den zweiten hätte ich in der Tat gut verzichten können. Scheinbar kommt der "Slang" bei den Lesern so gut an, dass man ihn in diesem Buch vervielfachen musste - oder mein Geschmack hat sich so sehr geändert, dass es mir nur noch mehr auffällt. Es tut mir wirklich sehr leid für die Geschichte, denn sie hat wirklich Potential. Ich liebe die Idee dahinter wirklich sehr und auch die verschrobenen Charaktere, aber leider bin ich dieses mal nicht überzeugt. Mal sehen wie meine Motivation dann zum dritten Band aussieht.

Fazit:

Nette Fortsetzung, auf die man aber gut verzichten kann.

Veröffentlicht am 18.05.2022

Wo ist der Rest?

High Rise Isle
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Das Buch hat mich insofern begeistert, dass die Autorin sehr geradlinig war. Sie hat nicht versucht das Rad neu zu erfinden. Bereits recht früh hatte ich eine Vermutung, in welche Richtung sich die Geschichte ...

Das Buch hat mich insofern begeistert, dass die Autorin sehr geradlinig war. Sie hat nicht versucht das Rad neu zu erfinden. Bereits recht früh hatte ich eine Vermutung, in welche Richtung sich die Geschichte entwickelt und behielt sogar recht damit. Es passte genau dadurch so gut, denn es war eine einfach Lösung, aber dennoch spannend. Wie heißt es so schön: Der Weg ist das Ziel. Es ist auf jeden Fall ein Erlebnis die beiden Frauen in ihrem Leben und auf ihrem Weg zu begleiten. Die Unterschiede der Schichten zu ergründen und geschockt darüber sein, wie sehr sie sich doch unterscheiden, aber auch Bewunderung für jene empfinden, die sich den Gefahren außerhalb der Isle stellen. Während die privilegierte Gesellschaft keine Krankheiten und Sorgen mehr kennt, deren größtes Problem ihre nächste Genanpassung ist um einen möglichen neuen Trend ins Leben zu rufen, kämpft das "Fußvolk" täglich ums überleben, denn die Natur ist unberechenbar, die Böden wenig bis gar nicht ertragreich und regelmäßige Fluten fordern ihre Opfer.

Der Stil war angenehm zu lesen und die Charaktere greifbar. Über manches hätte ich gern noch viel mehr gelesen und das Ende hätte ich mir weniger abrupt gewünscht, aber so ist das nun mal öfter bei so großen Ideen und so kleinen Büchern - zumindest was die mehr Informationen betrifft. Das Ende hätte man sicher etwas schöner gestalten können, da es doch etwas schnell ging und man dennoch wenig vom Geschehen mit bekam. Auch wenn ich Einzelbände besonders mag und froh bin, dass es sich um einen handelt, hätte man vielleicht in Erwägung ziehen sollen eine Dilogie daraus zu machen. Doch sieht man darüber hinweg, ist es wirklich tolles und spannendes Buch mit einer wirklich interessanten Thematik.

Fazit:

Gelungenes Setting, spannende Geschichte, greifbare Charaktere. Gern mehr davon.

Veröffentlicht am 18.05.2022

Märchen mal anders.

Fabula – Eine Braut für den Prinzen
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Müsste ich das Buch mit einem Wort beschreiben, dann würde ich vermutlich "erfrischend" wählen. Ich hatte so gar keine Ahnung was mich erwarten wird und war schlussendlich sehr begeistert, denn diese Kombination ...

Müsste ich das Buch mit einem Wort beschreiben, dann würde ich vermutlich "erfrischend" wählen. Ich hatte so gar keine Ahnung was mich erwarten wird und war schlussendlich sehr begeistert, denn diese Kombination aus allen möglichen Märchen war einfach grandios. Besonders, weil die Autorin das so nebenher macht und im Grunde lebt man auch in einer Welt der Märchen, nur wissen die Bewohner das natürlich nicht wie es der oder die Lesende weiß. So hat man beispielsweisen den Prinzen, der eine Jungfrau in Nöten retten muss, damit er sie ehelichen kann. Diese Kombination und das Zusammenspiel fand ich einfach nur erfrischend und schön zu lesen.

Auch die Handlung selbst. war doch recht unspektakulär, gemächlich und unterhaltsam. Selbst in kritischeren Situationen kam die Erzählung nicht aus dem Trott, oder entwickelte gar das Gefühl von Stress. Vielleicht ist es auch der Gedanke, den man durch all die Märchen im Hinterkopf hat; diesen berühmten Schlusssatz. Ich weiß es nicht, aber es ist nun mal so. Das Lesen hat mir viel Freude bereitet und war das perfekte Mittel um Abends mit einem vollen Kopf abzuschalten. Es hatte weder unnötige Längen, noch war es zu undetailliertet. Die Charaktere waren greifbar, besonders da sie ihre eigenen Vorstellungen vom Leben hatten und die Atmosphäre gut getroffen.

Fazit:

Eine erfrischende und unterhaltsame Kombination aus diversen Märchen.