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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.05.2026

In der Hitze des Tals, ein Roman mit großer erzählerischer Sogwirkung

Mit einem Fuß im Paradies
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Der Autor versteht es den Leser in einer klaren, unaufgeregten, aber bildgewaltigen Sprache mit nach South Carolina zu nehmen. Draußen, außerhalb einer Kleinstadt stehen Farmen, auf denen sich die Bewohner ...

Der Autor versteht es den Leser in einer klaren, unaufgeregten, aber bildgewaltigen Sprache mit nach South Carolina zu nehmen. Draußen, außerhalb einer Kleinstadt stehen Farmen, auf denen sich die Bewohner abmühen dem Land etwas abzugewinnen. Es gibt wenig Regen, wenn er kommt ist er gewaltig, die Menschen leben ihr einfaches Leben in der flirrenden Hitze. Es beginnt damit, dass der stadtbekannte Schläger Holland Winchester gerade aus dem Krieg heimgekommen, von seiner Mutter als vermisst gemeldet wird. Wobei sie sicher ist, dass er tot und von dem Nachbarn Billy Holcombe umgebracht worden ist. So macht sich der Sheriff auf, dem nachzugehen. Was anfangs wie ein Krimi klingt, entwickelt sich schnell zu einer Gesellschafts-Studie. Nicht nur die Suche nach der Leiche geht voran, sondern die Hintergründe werden erzählt und zudem auch in die Zukunft geblickt wird, denn das Tal der Kleinstadt und der Farmen soll überflutet und ein Staudamm gebaut werden. Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven (also von unterschiedlichen Personen) weitererzählt. Den besonderen Reiz hat für mich ausgemacht, dass ich nicht wusste, wer denn erzählen wird. Es findet sich im Buch kein Seitenregister. Und was ich gelesen habe, war wirklich spannend, trotz der unaufgeregten Sprache. Der Autor versteht es einen Sog zu entwickeln und am Ende schließt sich auch der Kreis. Ein wirklich tolles Buch, was ich sehr gerne weiterempfehle.

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Veröffentlicht am 06.05.2026

Familiengeschichte der Schokolatiers mit Wirtschaftskriminalanteilen

Die dunkle Seite der Schokolade
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Serafine, Juristin und Chemikerin, nimmt eine neue Stelle bei Cacaobest an. Sie wird interne Ermittlerin und soll beispw. Bestechungen in den Wirtschaftsabläufen bei der Kakaobeschaffung klären. Sie hat ...

Serafine, Juristin und Chemikerin, nimmt eine neue Stelle bei Cacaobest an. Sie wird interne Ermittlerin und soll beispw. Bestechungen in den Wirtschaftsabläufen bei der Kakaobeschaffung klären. Sie hat aber auch ein Eigeninteresse. Vor vielen Jahren ist ihr Vater, Produktionsleiter bei der Schokoladenherstellung, in dieser Firma gestorben. Sie ist davon überzeugt, dass es weder Unfall noch Selbstmord, sondern gezielt war. Er erfand gerade eine besondere Schokolade, die nach seinem Tod jedoch keiner mehr herstellen konnte. Hier gibt es viele Verwebungen zwischen Cacaobest und dem Hersteller Grison und deren Familienmitglieder. Zudem muss Serafine sich auch noch um die andere Aufgabe kümmern. Viele Handlungsstränge werden eröffnet und erzählt. Insgesamt folgt man diesen als Leser mit Spannung, wobei es hier auch durch die vielen handelnden Personen bei der Recherche von Serafine und auch in der Vergangenheit einen klaren Kopf beim Lesen fordert. Das ist keine Geschichte für zwischendurch, möchte man als Leser jede Feinheit, die der Roman bietet, mitnehmen. Zudem gibt die Autorin auch eine umfangreichen Einblick in die Schokoladenherstellung, was interessant ist, die Geschichte als solche jedoch bedingt weiterträgt. Die Familiengeschichte ist insgesamt fesselnd erzählt, aber gerade im letzten Drittel, bei der Auflösung der vielen Handlungsstränge und verwobenen Personen hätte mir ein Personenregister gut gefallen, um die Personen besser einordnen zu können. Getragen durch die flüssige Erzählweise und die sympatische Hauptprotagonistin habe ich dem Roman viele neue Informationen entnehmen können. Ich empfehle ihn daher gerne weiter.

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Veröffentlicht am 02.05.2026

Durchwachsen

Meeresdunkel
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Die Buchbeschreibung hat mich total neugierig gemacht und der Prolog direkt ins Buch gezogen. Ein Kind verfolgt, wie eine Person aus dem Meer kommt. Im Hier und Jetzt reisen 2 Familien im gleichen Flieger ...

Die Buchbeschreibung hat mich total neugierig gemacht und der Prolog direkt ins Buch gezogen. Ein Kind verfolgt, wie eine Person aus dem Meer kommt. Im Hier und Jetzt reisen 2 Familien im gleichen Flieger nach Mallorca und beide haben tatsächlich die stark renovierungsbedürftige Villa gebucht. Auf der einen Seite ist Henrike, Hans, deren Teenagerzwillinge Esme und Finn sowie Henrike’s Bruder Freddy, auf der anderen Seite Marie und Samuel mit ihrem 8 jährigen Sohn und dessen Puppe Hedwig. Sie beschliessen, zunächst in dem halb verfallen Haus die Nacht und ab dem nächsten Morgen auch die restlichen Urlaubstage dort zu verbringen. Sehr subtil und beklemmend entwickelt sich die Geschichte, aus der Perspektive von Henrike, Samuel und Juri wird erzählt. Der Autor schreibt flüssig und man kann das Buch so runter lesen. Was mich ein wenig gestört hat, war, dass mir keine der Personen wirklich sympathisch war und der 8jährige Juri wie ein Erwachsener erzählt. Darüber konnte ich aber hinwegsehen und die ersten 2/3 des Buches fand ich auch spannend, insbesondere auch als es einen Toten gab und ein Sturm aufzog, der alle ans Haus fesselte. Besonders gefallen haben mir die später stattfindenden Rückblicke ins Jahr 1995, da sie ja auch mit dem Fall zu tun hatten, nur was? Ab dem letzten Drittel des Buches war meine Spannung allerdings dahin, die Lösung des Buches für mich klar und zog sich auch sehr in die Länge. Auch gab es hier im Verhalten der Personen für mich Unstimmigkeiten. Ganz am Ende gab es jedoch für mich noch einen Knaller, der mich etwas mit dem langen Ende versöhnt hat. Für mich ein durchwachsener Roman, über den sich jeder selbst seine Meinung bilden sollte. Bei einem Nachfolgeroman würde ich nicht mehr zugreifen.

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Veröffentlicht am 24.04.2026

Einblick in das Leben von Gertrude Bell

Die Welt in ihren Händen
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Detailliert und sehr ausführlich erzählt der Autor den Lebensweg der Gertrude Bell. Tochter eines sehr reichen britischen Industriellen, Oxfordabsolventin, beherrscht sie mehrere Sprachen und ihre politische ...

Detailliert und sehr ausführlich erzählt der Autor den Lebensweg der Gertrude Bell. Tochter eines sehr reichen britischen Industriellen, Oxfordabsolventin, beherrscht sie mehrere Sprachen und ihre politische Karriere beginnt mit einem Besuch bei ihrer Tante Mary und deren Ehemann, Sir Frank, neuer Gesandter beim Schah. Sie macht sich also auf den Weg nach Basra. Die Briten wollen ihren Einfluss dort stärken. Gertrude gewinnt nicht nur nach und nach an Einfluss und das als Frau, sondern verliebt sich auch. Neben den sehr vielen politischen Darstellungen im Buch machen auch die privaten Gedanken und Gefühle von Gertrude einen Teil des Buches aus. Während die politischen Details mir den Eindruck von sehr akribisch detailliert durchgeführten Recherchen und Wiedergaben vermittelten, machten mir die Teile, die sich mit der Gefühlswelt und Gedanken von Gertrude beschäftigten mehr Spaß. Diese las ich mit besonderer Freude. Insgesamt ist die Sprache des Buches flüssig, ruhig und machte auf mich gerade in Bezug auf die politischen Darstellungen eher den Eindruck eines Sachbuches. Die Seite des Privaten war dann für mich eher romanhaft erzählt, wobei auch hier die damaligen Weltanschauungen in der Liebe (z.B. nur zaghafte Annäherungen) sehr gut und authentisch wiedergegeben wurden. Insgesamt ein Roman, der für historisch interessierte Leser, die sich sehr detailliert über die politische Zeit und die Entwicklungen Mesopotaniens informieren möchten, genau richtig ist. Ich empfehle den Roman für diese Zielgruppe sehr gerne weiter. Ich habe für mich einen umfassenden Blick auf diese Zeit Mesopotaniens, das Leben und Wirken Gertrude Bells mitgenommen.

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Veröffentlicht am 18.04.2026

Ein Roman mit absoluter Sogwirkung

Der Fährmann
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Der Roman ist ein Jahreslesehighlight für mich. Wie kraftvoll und besonders die Sprache ist und dann erst die Handlung. Sie erzählt von Hannes, dem Fährmann, der das Floß zwischen dem deutschen und dem ...

Der Roman ist ein Jahreslesehighlight für mich. Wie kraftvoll und besonders die Sprache ist und dann erst die Handlung. Sie erzählt von Hannes, dem Fährmann, der das Floß zwischen dem deutschen und dem österreichischen Ufer hin und her fährt, der nicht heiraten darf, damit er bei einem Unglücksfall keine Witwe zurücklässt und von seinen Kindheitsfreundinnen Elisabeth, der reichen Bauerstochter und Annemarie, der Wirtstochter. Während Elisabeth und Hannes Gefühle füreinander haben, muss Elisabeth aber den reichen Bauern Josef Steiner heiraten. Dieser wiederum stellt Annemarie hinterher, die zuerst Elisabeth beneidet, aber schnell erkennt, welchen wahren Charkter Josef hat, einen abgrundtiefen bösen. Hier entspinnt sich dann die Geschichte um die vier Protagonisten, wobei natürlich auch die Dorfbevölkerung und Familien in die Geschichte verwoben sind. Durch diese für mich ganz besondere Erzählweise hat mich die Autorin so sehr in diese Geschichte gezogen, dass ich eigentlich immer wissen wollte wie es weiter geht. Es ist ein Buch, dass einen mitnimmt in den damals harten Alltag, in eine Zeit, in der die Frauen zu machen hatten, was die Männer wollten und sagten und auch in ihren Familien nicht unbedingt einen Rückhalt fanden, auch nicht bei ihren Müttern, die vielleicht auch Ähnliches ertragen haben. Es ist spannend zu verfolgen und lässt einen auch oft den Atem stocken, wie es zugegangen ist. Die Autorin nimmt hier kein Blatt vor den Mund und lässt einen daran ungeschönt teilhaben. Gerade das entwickelt dann auch die Sogwirkung. Ein absolut lesenswerter Roman, den ich unbedingt weiterempfehle.

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