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Veröffentlicht am 18.09.2019

Pseudointellektuelle Belanglosigkeiten

Gespräche mit Freunden
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Wir schreiben das Jahr 2019 und “Gespräche” sind eigentlich aus der Mode gekommen - also die tiefgründigen, echten. Wir zeigen heute übers Internet, anhand von Fotos und Texten was uns bewegt ...

Wir schreiben das Jahr 2019 und “Gespräche” sind eigentlich aus der Mode gekommen - also die tiefgründigen, echten. Wir zeigen heute übers Internet, anhand von Fotos und Texten was uns bewegt - auf ein Gegenüber gehen wir kaum noch ein, allenfalls noch durch ein “Like” oder höchstens einen Kommentar. Aber der Beitrag muss uns schon sehr “triggern”, wie man heute sagt, im positiven oder negativen, um zu kommentieren.

Vor diesem Hintergrund mutet es dann doch ein wenig anachronistisch an, dass einer der literarischen Shootingstars dieses Jahres ausgerechnet “Gespräche mit Freunden” (OT: “Conversations with friends”) heißt. Wie herrlich altmodisch und so “Parisienne” mutet dann auch noch das deutsche Cover dieses Buches an - da sitzt tatsächlich eine Frau im Fenster, dem Betrachter mit dem Rücken zugewandt und sie macht etwas ganz Außergewöhnliches - sie telefoniert! Mit einem Festnetzapparat!

Im Buch selber finden die “Gespräche” tatsächlich als “richtige” Gespräche - manchmal sind es auch Selbstgespräche - der 4 Hauptfiguren (3 Frauen und 1 Mann) sowie einiger Nebenfiguren statt. Aber die modernen Kommunikationsmittel wie Chats übers Internet und Smartphones sowie Email-Nachrichten werden trotzdem fast gleichwertig verwendet.

Dass man dieses Buch so wie eine bekannte Schauspielerin, die deutlich über das Alter der Protagonistinnen hinaus ist, an einem Tag durchliest, kann ich nicht verstehen. Für mich zog sich die durchweg repetitive Handlung wie Kaugummi. Es passiert einfach sehr wenig und die Essenz der titelgebenden Gespräche sind pseudo-intellektuelle Gemeinplätze und Beobachtungen der Protagonistinnen über ihr Gefühlsleben und das der anderen, aber lange nicht auf dem Niveau von Marcel Proust oder James Joyce - das Buch spielt lediglich in Irland und auch mal für eine Weile in Frankreich, der jeweiligen Heimat dieser beiden großen Autoren.
Die Autorin will sich und ihrem Buch einen besonders intellektuellen Anstrich geben, aber es reicht nicht den Protagonisten Namen wie Slavoj Žižek, Jaques Lacan oder Gilles Deleuze in den Mund zu werfen oder ihre Ablehnung für Yeats kundzutun, um ein kluges und "intellektuelles" Buch zu schreiben.

Die 21-jährige Literaturstudentin und Schriftstellerin Frances als Ich-Erzählerin ist egozentrisch, sehr von sich überzeugt ("Dafür würden sich meine Biografen später nicht interessieren." S. 339) und nervig. Die ständigen Selbstverletzungen (ich drücke irgendwelche Gliedmaßen gegen Gegenstände oder wasche mich mit zu heißem Wasser um mich dann zu spüren, sie nennt es "sich ausleben") wirken aufgesetzt und postpubertär. Aber sie ist halt auch erst 21. Sie gibt sich betont cool und gefühllos, dabei ist sie eigentlich ein Häuflein Elend, das sich über ihre Gefühle definiert. Natürlich hatte sie keine schöne Kindheit, stammt aus einfachen Verhältnissen, ein Scheidungs- und Einzelkind: Selbstläufer!

Melissa, die 37-jährige Widersacherin von Frances und Ehefrau von Nick bleibt als Persönlichkeit ziemlich blass. Man fragt sich echt: wer lädt die junge Geliebte des eigenen Ehemannes zum Abendessen ein und plaudert dann mit ihr als wäre nichts gewesen?

Nick, der Hahn im Korb, ist ein supertoll aussehnder, in der Blüte seines Erfolgs und Lebens stehender Schauspieler. Auch er bleibt leider profillos, denn seine Schwäche für junge Lyrikerinnen scheint seine einzige besondere Eigenschaft neben seiner Schönheit zu sein.

Die einzige mit etwas Charakter und annähernd menschlich-sympathisch ist die lesbische Bobbi, die gut zu Frances ist und es immer war. Bedingungslose Liebe? Vielleicht. Sie ist links, kommt aber aus einem "reichen" Elternhaus des irischen Establishment.

Diese 4 Personen also befinden sich in unterschiedlich geprägten Beziehungen zueinander, die immer neu ausgelotet werden. Liebe spielt dabei eine gewisse Rolle.

Zum Formalen: Es ist ziemlich anstrengend ein Buch über "Gespräche" zu lesen, in dem die Dialoge nicht durch Anführungszeichen gekennzeichnet sind.

Alles in allem: viel Lärm um sehr, sehr wenig! Ich kann den Hype um dieses Buch leider nicht nachvollziehen.

Veröffentlicht am 17.09.2019

Solider Schwedenkrimi

Tod im Schärengarten
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„Tod im Schärengarten“ ist ein solider, handwerklich gut gemachter Krimi bei dem man merkt dass die Autorin sowohl von der Thematik (Seglerklub, Juristenmilieu) als auch von der Umgebung (Sandhamn und ...

„Tod im Schärengarten“ ist ein solider, handwerklich gut gemachter Krimi bei dem man merkt dass die Autorin sowohl von der Thematik (Seglerklub, Juristenmilieu) als auch von der Umgebung (Sandhamn und den Schäreninseln) viel versteht und aus einem reichen Erfahrungsschatz schöpfen konnte.

Ich habe den ersten Teil der Reihe mit dem Kommissar Thomas Andreasson „Tödlicher Mittsommer“ leider nicht gelesen, aber es wird ersichtlich dass „Tod im Schärengarten“ auf die Geschichte, die dort passiert ist, anknüpft und immer wieder in Anspielungen verweist. Hier wird ganz klar eine Reihe etabliert, in der sowohl der unstete Kommissar als auch seine Jugendfreundin Nora Linde (die gerade eine krisenhafte Zeit in ihrer Ehe mit ihrem Mann Henrik durchmacht) eine Rolle spielen.

Der Fall rund um die Ermordung des Vorsitzenden des KSS (Königlich Schwedischer Seglerverein), Oscar Juliander, ist ein typischer „Wer-hats-getan“-Krimi mit einem gut überschaubaren Kreis von Verdächtigen, einem Aha-Moment bei der Auflösung des Falls und einem sympathischen Ermittlerduo, das selbst mit allzu menschlichen Schwächen behaftet ist.

Die relativ kurzen Kapitel erlauben einem immer mal wieder ein paar zu lesen und dann eine Pause einzulegen, wann immer man will. Dies ist auch möglich, weil hier selten mit Cliffhangern gearbeitet wird und sich die Spannung deshalb in Grenzen hält. Das ist dem Kriminalroman vielleicht auch ein wenig anzukreiden: die Handlung dröppelt ein bisschen vor sich hin, nur selten wird man vom beschriebenen Geschehen gefesselt.

Auch die Sprache ist sehr klar und konzise gehalten, hier wird nicht mit hehrer Metaphorik oder erzählerischen Wortkünsten experimentiert: what you see is what you get.

Fazit: ein ganz netter Krimi, den man an ein paar Sommerabenden lesen kann, nicht mehr und nicht weniger.

Veröffentlicht am 17.09.2019

Die Schrebergarten-Gleichung und die „Unbekannte(n)“

Unter allen Beeten ist Ruh
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Es gibt viele Unbekannte in diesem Roman, nicht ohne Grund heißt eine der handelnden Figuren „Herr X“. Die große Unbekannte, das ist Pippa Bolle. Sie kommt als Außenstehende und unbeschriebenes Blatt ...

Es gibt viele Unbekannte in diesem Roman, nicht ohne Grund heißt eine der handelnden Figuren „Herr X“. Die große Unbekannte, das ist Pippa Bolle. Sie kommt als Außenstehende und unbeschriebenes Blatt (diese auf ihrem Schreibtisch sind ein Grund dafür, warum sie überhaupt die Ruhe und Abgeschiedenheit sucht) in eine geschlossene Gesellschaft-die Havelinsel „Schreberweber“, die in sich bereits mehr als porös ist…

Aber der Reihe nach: Was ich jetzt so ernst formuliert habe ist eigentlich ganz witzig: Der sogenannte „Schrebergarten-Krimi“ „Unter allen Beeten ist Ruh“ vom Debütautorinnen-Duo mit dem humorvollen und anspielungsreichen Namen „Auerbach & Keller“ ist mehr augenzwinkernder Frauenroman mit Todesfall als blutrünstig-düsterer Thriller-und das ist auch gut so. Ein klassischer „Wer-hat-es-getan“-Krimi mit witzigen Elementen, einer sympathischen Hobbyermittlerin (die an Miss Marple erinnert, wäre sie nicht viele Jahrzehnte jünger) und einem gut überschaubaren Kreis von 10-15 Verdächtigen, den Bewohnern und ein paar Besuchern der Havelinsel.

Die Handlung ist die Folgende: die Übersetzerin Pippa Bolle ist frisch zurück aus Italien und frisch getrennt von ihrem italienischen Ehemann Leo; seit 3 Monaten lebt sie wieder in Berlin, wo sie mit ihrem Job so wenig verdient, dass sie es sich nur leisten kann in der Hausmeisterwohnung ihrer Eltern mitzuwohnen. Obwohl die Hausgemeinschaft in Wedding berühmt ist für ihren Zusammenhalt und die – von ihrer englischen Mutter Effie eingeführte – soziale Interaktion, ist Pippa latent von den feierlichen Zusammenkünften genervt: sie lenken sie von der Arbeit ab und auch die Privatsphäre leidet. Da kommt ihre beste Freundin Karin mit ihrem Vorschlag gerade recht: Pippa soll das Schreberhäuschen samt Garten ihres Vaters Viktor hüten, während der im Urlaub in Italien ist. Dort kann sie in Ruhe arbeiten-zumindest in der Theorie, denn der Aufenthalt Pippas auf der Schreberinsel erweist sich als weitaus ereignisreicher als ihr lieb sein dürfte: der geldgierige Bewohner Lutz Erdmann will allen Bewohnern ihre Parzellen abkaufen, um auf der Insel ein ökologisches Hanf- und Wellnessressort zu errichten. Viele weigern sich und die alteingesessene Bewohnerin Dorabella von Schlittwitz schafft es, dass eine Parzelle an den Inselschiffer Nante-und nicht an Erdmann geht. Kurz darauf ereignet ein Todesfall: Dorabella von Schlittwitz wird ertrunken in ihrer Badewanne aufgefunden. Wurde die alte, kranke Frau umgebracht oder steckt doch eine harmlose Erklärung dahinter? Wurde ihr Testament gefälscht? Was hat es mit dem „Unbekannten“, plötzlich aus dem Nichts aufgetauchten Halbbruder von Erdmann – Felix Müller – auf sich? Warum hat Dorabella ihn als Erben eingesetzt? Fragen über Fragen, die Pippa Bolle nach und nach beantworten möchte – und am Ende auch wird.

Der Roman verfügt über einen leichtfüßigen und homogenen Schreibstil. Nur an einigen wenigen Stellen merkt man, dass hier zwei Autorinnen am Werk waren. Sehr schön wird immer wieder die heimelige Atmosphäre auf der Insel beschrieben, die mit den aufgewühlten Gemütszuständen der unsicheren Bewohner (die fast alle in einer Übergangsphase in ihrem Leben sind) kontrastiert. Gelegentlich hat das Buch aber auch Längen, die so sicher vermeidbar gewesen wären und dem Lesespaß mit ihrer Aussparung dennoch keinen Abbruch getan hätten.
Alles in allem ein netter Sommerkrimi, den man schön auf der Terrasse-oder eben im Schrebergarten-verschlingen kann.

Veröffentlicht am 17.09.2019

Very british indeed!

Das Leben ist kein Gurkensandwich
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Ach ja, was soll ich sagen: ein „Blog-Roman“ einer fiktiven mittelalten englischen Hausfrau der upper middle class, da hat man nicht so viel erwartet. In der Tat war dieser Roman, der in Tagebuchform verfasst ...

Ach ja, was soll ich sagen: ein „Blog-Roman“ einer fiktiven mittelalten englischen Hausfrau der upper middle class, da hat man nicht so viel erwartet. In der Tat war dieser Roman, der in Tagebuchform verfasst ist (Ich-Perspektive, die Kapitel bilden die Datumseinträge, es wird in Erlebnisberichtform zusammengefasst was die Schreiberin erlebt und was sie gedanklich beschäftigt hat), durchaus ein Lesevergnügen-zumindest die ersten 100-200 Seiten. Das lag bzw. liegt an der humorvollen Leichtigkeit, mit der er verfasst ist und auch an der sympathischen Hautfigur Constance Harding, die eigentlich nur will dass alle um sie rum glücklich und zufrieden sind – inkl. sie selbst. Mit einer „Emma“-haften Attitüde will sie alle Singles – allen voran ihre beiden erwachsenen Kinder Sophie (18) und Ruppert (25) – mit adäquaten, anständigen Partner verkuppeln – und tritt dabei in so manches Fettnäpfchen. So übersieht sie dabei natürlich dass die Tochter einfach noch zu jung ist und sich selbst finden muss, bevor sie den richtigen Partner finden kann und natürlich auch, dass der Sohn trotz exzellentem Geschmack auf Männer steht.

Lustig – und so englisch – an dem Roman ist, dass sowohl Constance als auch zum größten Teil ihre Familie und Freunde alles, sei es auch noch so skurril, mit der berühmten britischen Zurückhaltung und Contenance hinnehmen. Vom litauischen Hausmädchen Natalia, die immer für einen Aufreger gut ist über die ungeliebten Avancen eines frisch verlassenen Bekannten Gerald aus dem „Glockenschwingerverein“ bis hin zu der rotzfrechen und sich allen Konventionen widersetzenden Tochter Sophie, die ihr Leben ganz anders lebt als es ihre Mutter für sie geplant hat und der Grundschullehrerin, mit der sie eigentlich ihren Sohn verkuppeln wollte und die sich als Liebeskranke Stalkerin entpuppt spannt sich der Bogen an Herausforderungen, denen Constance in dem einen Jahr ihres Bloggerinnen-Daseins begegnen muss. Dann gibt es noch den erotischen amerikanischen Aushilfsgärtner Randolph, die von ihrem pleite gegangenen Ehemann hin- und wieder verlassene Nachbarin Tanya (die zu allem Überfluss auch noch schwanger ist), Verwandte, deren Kinder glücklich verheiratete Eltern sind, die litauische Zwillingsschwester des Hausmädchens, den ungeliebten russischen Studienfreund ihres Mannes usw. usf. Natürlich ist da auch noch Jeffrey, der Ehemann, der Constance bei „Facebook“ nicht bestätigt und auch sonst zunehmend auf Distanz geht und eigentlich nur noch arbeitet und Whisky trinkt (um schließlich in Argentinien seine Midlife-Crisis auszuleben) und natürlich den Papagei Darcy, der hin und wieder ein Wort oder sich selbst im Garten verliert.

Kurz um: hier werden wir mit dem Innenleben einer Frau konfrontiert, die zwar alles hat, aber dennoch irgendwie im goldenen Käfig nach immer neuen „Sinnen“ für ihr Leben sucht und sie auch irgendwie findet. Dass das Ganze auch noch lustig ist und ein versöhnliches Ende ist natürlich ein Bonus, den man als Liebhaber humorvoller, leichter Romane gerne hinnimmt.

Weil ich das Gefühl hatte dass der Roman ab der Hälfte irgendwie an „Fahrt“ und Biss verloren hat und man an manchen Stellen den Eindruck der gezwungenen Unterhaltung bzw. vor allem im Mittelteil den unnötiger Längen hat gebe ich nur gute 3 Sterne.

Mein Lieblingssatz aus dem Roman: „Mein Leben dreht sich nur um mich selbst, und mir fehlt es, dass ein anderer weiß, ich war einkaufen und habe Milch mitgebracht, oder ich habe Zugfahrkarten für das Wochenende in Bath gekauft.“ (S. 351)

Veröffentlicht am 17.09.2019

Verhaltensforschung

Das Affenhaus
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„Das Affenhaus“ ist ein Roman über das Verhalten von Menschen. Die sprachbegabten Affen, die Isabel Duncan in ihrem Forschungslabor analysiert, sind nur Statisten, der Aufhänger in einem Buch, in dem es ...

„Das Affenhaus“ ist ein Roman über das Verhalten von Menschen. Die sprachbegabten Affen, die Isabel Duncan in ihrem Forschungslabor analysiert, sind nur Statisten, der Aufhänger in einem Buch, in dem es um nichts anderes als um Menschen geht und darum, wie sie in verschiedenen Situationen, gestellt vor bestimmte Entscheidungen, reagieren. Da gibt es den Zeitungsjournalisten John, der in seiner Ehe mit der gescheiterten Schriftstellerin Amanda alles richtig zu machen versucht und sich in Gedanken doch immer wieder bei Isabel Duncan und den Bonobos befindet, die ihn nicht nur wegen der brisanten Story (rund um die Explosion und eine obskure Tierbefreiungsbewegung, die im Untergrund agiert), die er an seine Kollegin Cat abgeben musste, faszinieren.

Isabel Duncan, die eindeutige Hauptfigur, ist ganz klar auf „faszinierende Persönlichkeit“ hin charakterisiert worden, die an berühmte Affenforscherinnen wie Jane Goodall oder Diane Fossey erinnern soll. Sie ist auch in der Tat sehr empathisch, hat Mitleid und großes Einfühlungsvermögen für die Tiere, was sie für den Leser sympathisch macht. Als Frau ist sie uneitel was ihr Äußeres betrifft und gerade das macht sie „im Land der perfekten Zahnstellung“ (S. 182)– u.a. für John – zu etwas Besonderem. Das wird natürlich mit der Tatsache kontrastiert, dass Amanda in L.A. durch die Oberflächlichkeit der Showbranche immer mehr zu einer Karikatur ihrer selbst wird. Isabel hingegen kämpft für das Gute in einer Welt, in der die Menschen für Geld und Ruhm so einiges machen, wie z.B. die armen Bonobos in einer so schrecklichen, „Big-Brother“-artigen Fernsehsendung wie „Affenhaus“ zur Schau zu stellen.

Es geht wie gesagt um Entscheidungen und darum, welchen Weg die handelnden Personen gehen: soll Amanda wegen eines unsicheren Drehbuch- bzw. Serienprojektes nach Los Angeles ziehen und die ohnehin schon am Scheideweg stehende Beziehung zu ihrem Ehemann aufs Spiel setzen? Soll John sich seinem inneren Drang ergeben und sich weiterhin einer Story annehmen, die er offiziell gar nicht mehr bearbeiten darf und so seinen Job riskieren? Wie wird die angeschlagene Isabel reagieren wenn sie erfährt, dass ihr Verlobter nicht nur ihren Fisch verhungern hat lassen und sie mit ihrer Assistentin Celia betrogen hat, während sie im Krankenhaus war, sondern auch, dass er völlig anders ist als er zunächst schien? Kann sie damit umgehen sie in einem Menschen so getäuscht zu haben? Wird sie als Forscherin weitermachen und ihre geliebten Bonobos wiederfinden? Kann sie sie schließlich aus den Zwängen des „Affenhaus“-Produzenten befreien? Usw. usf. All diese Fragen werden im Lauf der Geschichte beantwortet und der Leser erfährt den wahren Charakter und die Handlungsmotive der einzelnen Figuren.

Was ich an dem Roman zu kritisieren habe ist die Tatsache, dass die Story sehr konstruiert und zuweilen gekünstelt wirkt-irgendwie sehr „amerikanisch“. Der Tenor des Buches schwankt zwischen seinem ernsten, anspruchsvollen Thema (es geht um Affen und deren Begabungen, um ethische Fragen, Tierrechte, wie weit darf Wissenschaft, wie weit dürfen Medien gehen, etc.) und einer dramatisch-überladenen Handlung, die zuweilen an schlechte Daily-Soaps gemahnt. Das Buch ist ganz klar in Hinblick auf eine spätere Verfilmung geschrieben, was es sehr Drehbuchartig wirken lässt. Manchmal lässt das Buch auch einen Eindruck zurück, der einem wie ein groteskes Zerrrbild einer degenerierten Gesellschaft vorkommt. Soll man lachen oder weinen, wenn man das liest? Ich glaube hier war sich die Autorin nicht sicher, was sie eigentlich aussagen wollte. Ich denke das hier zuviel gewollt und letztlich nur durchschnittlich ausgeführt wurde.