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Veröffentlicht am 25.05.2020

Ein Buch mit nachträglichem Tiefgang

Damals war es Friedrich
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„Damals war es Friedrich“ erzählt von zwei Jungen, die im selben Haus aufwachsen und sich anfreunden. Über die Zeit lernen sie auch die jeweils andere Familie kennen und auch die Eltern verstehen sich ...

„Damals war es Friedrich“ erzählt von zwei Jungen, die im selben Haus aufwachsen und sich anfreunden. Über die Zeit lernen sie auch die jeweils andere Familie kennen und auch die Eltern verstehen sich gut. Doch der Nationalsozialismus dringt immer mehr in den Alltag der Familien und rückt den Glauben von Friedrichs Familien in den Vordergrund: Sie sind Juden.

Die Geschichte in diesem Buch wird von Friedrichs Freund erzählt, dessen Name nicht erwähnt wird. Er beobachtet wie das Leben von Friedrich und seiner Familie sich verändert und wie die Unterschiede zu seiner eigenen Familie immer größer werden. Dennoch hält er an der Freundschaft fest und scheint selbst die Entwicklungen nicht verstehen zu können.

Die Kapitel sind in relativ großen Zeitsprüngen erzählt. Im Inhaltsverzeichnis findet man zu jedem Kapitel das betreffende Jahr - ich habe das leider erst gesehen, nachdem ich das Buch beendet hatte. Die Handlung dieser doch recht wenigen Seiten streckt sich von 1925 bis 1942 und greift in den herausgegriffenen Szenen die wesentlichen Entwicklungen des Nationalsozialismus gegenüber dem Judentum auf. Jede Szene zeigt wie die Einschränkungen der Familie zunehmen. Da zwischen den einzelnen Kapiteln viel Zeit liegt, kommt der zeitliche Verlauf dem Leser doch eher kurz vor. Leser die einen breiten Einblick in diese Zeit erwarten, werden hier enttäuscht. Der Autor behandelt hier wirklich nur das Schicksal der Juden, speziell einer speziellen Familie.
„Damals war es Friedrich“ ist für mich ein Buch, das erst nach etwas Zeit wirkt. Ich habe das Buch vor ca. 2 Monaten gelesen. Mein Eindruck kurz nachdem ich das Buch beendet hatte war, dass es sehr kurz gefasst war, vllt. sogar oberflächlich und ich gerne mehr Infos gehabt hätte. Der Eindruck besteht immer noch, aber jetzt da ich intensiver darüber nachgedacht habe vermittelt das Buch sehr wichtige Botschaften zwischen den Zeilen. Zuerst hatte ich dem Buch als Geschichte/ Handlung 4 Sterne gegeben - jetzt mit dem Denkpotzenzial/-anreizen und den Hintergründen sind es für mit 4,5 Sterne. Das gilt allerdings nur für jene, die sich darauf einlassen können und bereit sind über die Zeilen hinaus zu denken.

Auf der Rückseite meiner Ausgabe von „Damals war es Friedrich“ steht „lesen - nachdenken - mitreden“ und genau das trifft den Inhalt des Buchs auf den Punkt. Dieses Buch liest man nicht zur reinen Unterhaltung, sondern es ist zum Nachdenken und darüber Sprechen. Die Geschichte hinterlässt einen Nachgeschmack und erfüllt damit wohl auch die Zielsetzung, welche sie auch als Schullektüre verfolgt.
Neben dem geschichtlichen Einblick und Hintergrund, den das Buch vermittelt, schafft der Autor aber auch einen Bezug zu jeder anderen Zeit - denn noch vor der Inhaltsangabe steht Folgendes:

Damals waren es die Juden...
Heute sind es dort die Schwarzen,
hier die Studenten ...
Morgen werden es vielleicht die Weißen,
die Christen oder die Beamten sein..

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.05.2020

Langatmiger Mittelteil, aber super Ende

Scythe – Der Zorn der Gerechten
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Scythe Anastasia bleibt bei ihrer Mentorin uns hat ihre eigen Art nachzulesen entwickelt entwickelt. Die beiden Frau entwickeln sich zu Freundinnen und führen ein Leben Seite an Seite. Dem entgegen reist ...

Scythe Anastasia bleibt bei ihrer Mentorin uns hat ihre eigen Art nachzulesen entwickelt entwickelt. Die beiden Frau entwickeln sich zu Freundinnen und führen ein Leben Seite an Seite. Dem entgegen reist Rowan als „Scythe Luzifer“ umher und hat es sich zur Aufgabe gemacht, jeden Scythe zu töten, die sich an ihrer Aufgabe bereichern bzw. diese ausnutzen - eine Art Robin Hood. In ihren neuen Leben haben Citra und Rowan sehr wenig Kontakt und werden vom jeweiligen anderen auch selten erwähnt.
In einem dritten Handlungsstrang begleitet der Leser Greyson, der als verlängerter Arm vom Thunderhead versucht Dinge zu verhindern, in die der Thunderhead aufgrund seiner eigenen Gesetze nicht eingreifen darf. Dabei nimmt Greyson lange eine sehr zentrale Rolle ein, ohne dass es dem Leser bekannt ist weshalb. Bei einem Anschlag auf Anastasia und Curie finden die Handlungsstränge zusammen und das Ziel vom Thunderhead wird offengelegt. Am Ende ergeben sich dann Hinweise, dass er auch in Band drei noch eine zentrale Rolle einnehmen wird.
Bei der Protagonistin wird vor allem zu Beginn deutlich zwischen Scythe Anastasia und Citra unterschieden - der eine Charakter, der ihren Beruf, ihre Verpflichtung und Verantwortung in der Öffentlichkeit widerspiegelt und der andere Charakter, der sie als private Person zeigen soll. Mit Fortschreiten der Handlung nimmt dies aber zunehmend ab und wird nur noch gelegentlich eingebaut. Ich persönlich fand es schade, da gerade diese Feinheiten mir gut gefallen. Allgemein hebt sie sich immer wieder von den klassischen Scythe ab, ohne dabei die ursprünglichen Werte zu verlieren. Das macht sie besonders - was auch der Thunderhead immer wieder betont und ihre Rolle für die Menschheit hervorhebt.
Die Handlung wurde wieder spannend als Rowan gefangen genommen und Skythe Goddard wiederbelebt wurde - damit hatte ich nicht gerechnet und hatte auch lange keine Ahnung, welchen Sinn Tygers Ausbildung hatte. Damit hatte die Handlung für mich wieder einen roten Faden.
Beim Konklave fügten sich dann mit dem erneuten Auftritt von Goddard die Teile zusammen, worauf es in diesem Buch hinauslaufen wird. Nachdem der High Blade seinen Rücktritt bekannt gab, traten Skythe Curie und Goddard gegeneinander an und damit galt wieder das Konzept aus Teil eins: altes gegen neues Scythethum. Die Idee von Anastasia einen Ausweg für die potenzielle Wahl für Goddard zu finden fand ich echt cool und so logisch erklärt. Das hat mich an das Ende des ersten Teils erinnert. Ab da wurde es dann sehr spannend, bis hin zu der Revision auf in Endura. Ich war total gespannt wie es sein wird wenn ruhen citra sich wieder begegnen.
Die Revision selbst war dann allerdings ein kleiner Bestandteil der Handlung. Es fügten sich viele kleine Teile und Verkettungen zusammen. Ohne zu Spoilern muss ich sagen, dass für mich das Ende wieder das klare Highlight des Buchs war! Was ich nicht verstehen konnte war, warum Scythe Curie sich am Ende nicht auch selbst gerettet hat?
Jedoch wurden dann am Ende nicht alle Handlungsstränge aufgelöst - Faraday ist immer noch auf der Suche nach der Rettung des Scythethums und bis zum Ende des Buches erfährt der Leser nicht, ob ihm das gelungen ist.
Auch dieses Buch ist wieder eher in sachlicher Sprache verfasst und lässt sich dennoch flüssig lesen. Wie auch im ersten Teil werden Emotionen durch diesen Sprachstil allerdings abgeflacht, obwohl diese hier selten eine Rolle spielen. Am Ende der Kapitel sind anders als im vorherigen Teil keine Scythe-Tagebucheinträge eingefügt, sondern immer ein Monolog des Thunderhead, in denen er meist mit sich selbst hadert und zunehmend verwirrt und unruhig wird, weil er nicht eingreifen kann und versteht, dass sein Allwissen nicht so umfänglich ist, wie ihm in seiner Programmierung eingespeichert wurde.

Aus dem ersten Teil bin ich sehr gespannt in den zweiten gestartet und hatte viel Hoffnung, dass die Geschichte nun richtig Fahrt aufnimmt, vieles tiefer erläutert wird und die Verbindung zwischen Citra und Rowan intensiver eingebunden wird. Der Anfang hat mir gut gefallen, da hier die neuen Persönlichkeiten der beiden Charakter gut aufgegriffen wurden. Leider hatte auch dieses Buch dasselbe Problem für mich wie das vorherige: Im Mittelteil ist sehr wenig geschehen, es war zäh und kaum mehr Spannung. Klar haben viele dieser Handlungen am Ende einen Sinn ergeben und beugen dem vor, dass der Leser frühzeitig weiß, was passiert, aber das hat mir nicht ausgereicht. Das Ende war wieder super, überraschend und hat mich baff gemacht! Ich werde also auch das dritten Buch der Reihe lesen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.05.2020

Fragen über Fragen und viel Neugier auf Teil 2

BePolar
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Im ersten Teil der BePolar-Trilogie lernt der Leser/Hörer Roya kennen, die bisher ein relativ normales Leben einer Jugendlichen führt. Aber nach ihrem Geburtstag erlebt sie in ihren Räumen seltsam realistische ...

Im ersten Teil der BePolar-Trilogie lernt der Leser/Hörer Roya kennen, die bisher ein relativ normales Leben einer Jugendlichen führt. Aber nach ihrem Geburtstag erlebt sie in ihren Räumen seltsam realistische Phasen und auch wenn sie wach ist passieren Dinge, die sie aus der Bahn werfen. Im Laufe der Zeit kommen Geheimnisse ans Licht, die selbst Royas Bild auf ihre Familie ändern.

Roya ist eine normale Jugendliche, die gemeinsam mit ihren beiden besten Freunden Fenja und Tarek die Schule besucht. Doch plötzlich stirbt Tarek und Fenja rutscht durch ihre Trauer ab - Roya ist alleine. Und fast zeitgleich beginnen diese Träumen, in denen sie an einer Akademie mit anderen Schülern eine Ausbildung beginnt. Diese Ausbildung soll sie befähigen in der Auswahl der künftigen Regierung die besten Chancen zu haben, denn diese Auswahl findet nur alle 7 Jahre im Kreise der Jugendlichen statt, die zu diesem Zeitpunkt 18 Jahre alt werden. Jede Nacht setzt ihr Traum dort an, wo der letzte zu Ende ging und beim Aufwachen weiß sie alles noch. Besonders verwirrend wird es als Tam, ein Mitschüler in ihrer Traumakademie ihr anvertraut, dass die Akademie real ist und jemand die Schüler im Schlaf manipuliert, damit sie nachts wieder zurückkehren. Die Akademie soll ein Institut einer Untergrundorganisation sein, die die Regierung untergraben möchte. Schnell nähern sie und Tam sich an und sie beginnen, wenn sie wach sind Informationen zu bekommen. Doch irgendwann ist Tam in der Akademie so komisch und als er in der Realität bei ihrer Freundin Fenja auftaucht, kommt eine überraschende Wendung ans Licht. Gemeinsam versuchen sie der Organisation auf den Grund zu gehen, doch die Verwirrungen werden immer mehr, je tiefer sie eintauchen.

Roya ist eine sympathische, dickköpfige und impulsive Protagonistin, die mir allerdings von Beginn an jünger als 17 Jahre vorkam. Mit dem Lauf der Handlung konnte ich mich daran gewöhnen. Obwohl ich sie als Charakter wirklich cool fand, konnte ich manche Entscheidungen von ihr nicht nachvollziehen - vorneweg ihre Emotionen (ohne zu Spoilern).
Tam und Tristan kann ich nun nach dem Ende des Hörbuchs wenig beschreiben, da sich mein Bild von beiden mit dem Cliffhanger komplett in Frage gestellt hat. Tam kam mir immer als ein reifer, ruhiger Charakter vor, der stark von seinen Emotionen geprägt ist - zum Einen gegenüber seinem Bruder aber natürlich auch jene für Roya. Tristan war für mich bis zum Schluss der rauere, tiefgründige, geheimnisvolle Junge, der mehr zu wissen scheint als man erfährt.

Die Geschichte hat mir zunehmend gefallen und ich habe am Ende wirklich viele Kapitel am Stück gehört, in der Hoffnung, dass meine Fragen noch beantwortet werden. Insgesamt bietet das Buch, durch die immer tiefer gehenden Verstrickungen und Fragen viel Spannung. Am Ende waren immer noch sehr viele Verwirrungen vorhanden und es kamen sogar noch welche hinzu - wirklich fies! Die Autorin balanciert dabei auf einer schmalen Linie zwischen Spannung und oberflächlichen Informationen, was ihr gut gelungen ist, aber ich an manchen Stellen gerne ein bisschen mehr Input gehabt hätte und das Gesamte zu verstehen.
Immer wieder wurden gesteckte Anspielungen auf Gesellschaftskritik eingebaut, sie super in die Handlung gebettet sind.
Manche Handlungsstränge passierten mir persönlich zu schnell, was sie teilweise unrealistisch wirken lies (z.B. Fenjas Trauer, Royas Gefühle und Beziehung für Tam, etc.) - das hätte gerne noch etwas ausführlicher sein können. Das Setting war nachvollziehbar und ich konnte gut eintauchen. Gerne hätte ich noch mehr über das Land Polar erfahren, da dies im Mittelpunkt der Akademie steht.

Die Stimme der Sprecherin tat vermutlich ihren Anteil dazu, dass mir Roya immer so jung vorkam, denn die Stimmlage wirkte für mich leicht kindlich. Den Rest tat die einfache Sprache, wodurch das Hörbuch aber super länger am Stück verfolgt werden kann. Nach Eingewöhnung konnten ich mich aber von ihre mitziehen lassen. Was mir bis zum Ende schwer fiel, waren die Unterschiede zwischen den inneren Monologin der Protagonistin und dem Ausgesprochenen zu unterscheiden. Andere Charaktere konnte ich allerdings aufgrund verschiedener Sprech-Rythmen und Tonlagen gut unterschieden. Die Sequenzen in denen Roya wach ist und jene in der Akademie werden im Hörbuch durch eine Melodie unterschieden, die dem Hörbuch Struktur gibt. Insgesamt ist die Handlung größtenteils aus Royas Sicht erzählt und nur an einzelnen Stellen durch Tam. Diese Stellen sind sehr gut gewählt und fördern die bereits erwähnte Verwirrung.

Also mein Fazit: Ich hatte einen etwas holprigen Start in die Handlung, konnte mich aber dann schnell einfinden. Trotz ein paar unschlüssigen Handlungen und ein ticken zu viele offene Fragen bzw. zu wenige Hintergrundinformationen hat mir das Hörbuch sehr gut gefallen. Viel Spannung, unvorhersehbare Wendungen und Emotionen haben das ausgeglichen und ich werde ganz sicher auch den zweiten Teil der Reihe lesen oder hören!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.04.2020

Guter Auftakt zur Reihe

Scythe – Die Hüter des Todes
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In Neal Shustermans „Scythe – Die Hüter des Todes“ geht es um eine Zukunft, in der eine künstliche Intelligenz, der Thunderhead, die Kontrolle über alles innehat und es geschafft hat, alles Schlechte wie ...

In Neal Shustermans „Scythe – Die Hüter des Todes“ geht es um eine Zukunft, in der eine künstliche Intelligenz, der Thunderhead, die Kontrolle über alles innehat und es geschafft hat, alles Schlechte wie Armut, Krankheit, Kriege und Tod zu besiegen. Er entscheidet alles bis auf, welche Menschen sterben müssen. Denn auch in dieser Welt muss es den Tod geben, aber die Macht darüber hat der Thunderhead den Menschen gelassen. Eine bestimmte Gruppe an Personen trägt die Aufgabe, Menschen für den Tod auszuwählen. Citra und Rowan werden ausgewählt eine Ausbildung zu absolvieren, um genau diese Aufgabe erfüllen zu können. Der Haken ist, dass nur einer von beiden die Ausbildung bestehen kann und der Gewinner als erst Handlung als Scythe den Anderen töten muss.
Gleich zu Beginn taucht der Leser in den Beruf der Nachlese ein – sowohl bei Citra als auch bei Rowan kommt Scythe Faraday durch eine Nachlese mit ihnen in Kontakt. Nachdem er sie zur Ausbildung ausgewählt hat, ziehen sie schnell bei ihrem Mentor ein und beginnen in verschiedensten Künsten zu lernen. Bis zum ersten Konklave, einer Art Hauptversammlung für Scythe lernt der Leser das Setting und das Scythtum kennen. Doch genau bei diesem Event zeigt sich der Hauptspannungsbogen – weil Scythe Faraday zwei Lehrlinge ausgewählt hatte, die sich einander zugetan fühlen beschließen die versammelten Scythe diese Zuneigung zu unterbinden. Es wird beschlossen, dass nur einer der beiden die Ausbildung bestehen kann und der Gewinner denn anderen nachlesen muss.  
Scythe Faraday sucht einen Ausweg für seine zwei Lehrlinge und liest sich selbst nach, in der Hoffnung, dass dann die Ausbildung für beendet erklärt wird. Entgegen seiner Vermutung, werden Citra und Rowan jeweils zu einem anderen Scythe in die Lehre geschickt, die nicht unterschiedlicher sein könnten. Während Citra von einer Scythe unterrichtet wird, die die alten Werte in den Fokus stellt, bekommt Rowan eine Ausbildung darin, dass töten Spaß machen soll. Letzteres spiegelt eine neue Generation von Scythe wieder, die sich über die Menschheit erhaben fühlen.
Der Leser begleitet die Ausbildungen und beobachtet die Entwicklungen, besonders Rowans innerer Kampf sich nicht von seinem neuen Mentor brechen zu lassen. Beide suchen laufend nach Möglichkeiten und Schlupflöchern, den anderen nicht am Ende umbringen zu müssen. Dann bricht Rowan dann aus seiner Lehre aus, was die Veränderung in seinem Charakter verdeutlicht.
Beim dritten Konklave, an dem Citra und Rowan ihre Abschlussprüfungen ablegen müssen, begegnen sie sich wieder, mit dem Wissen, dass einer den anderen nachlesen muss.
Die Charaktere haben mir sehr gut gefallen. Besonders bei den verschiedenen Scythe kam deutlich das Alter und die Erfahrung rüber, während ich Citra und Rowan noch „grün hinter den Ohren“ sind.
Citra ist eine temperamentvolle junge Frau, die gerne ausspricht was sie gerade denkt. Sie ist in einer heilen Familie aufgewachsen und möchte eigentlich keine Scythe werden. Im Laufe der Handlung findet sie ihre Werte in dieser Aufgabe wieder und schlüpft im Endeffekt in eines neue Rolle.
Rowan hingegen ist eher eine ruhige Person, die unentschlossen im Leben wirkt. Seine Familie ist groß und er nimmt keine zentrale Rolle als Mitglied darin ein. Er ist schlau und nachdenklich, aber auch loyal bzw. Standfest in seiner Überzeugung.
Scyhte Faraday ist Mysterium. Der Leser erfährt sehr wenig über ihn, doch was ich erfahren habe, hat mich nur noch neugieriger auf seine Vergangenheit gemacht.
Diese scheinbar perfekte Welt, die von dem Thunderhead geleitet wird und nur die Scythe nicht unter seiner Kontrolle stehen hat mir sehr gut gefallen. Das regt viel zum Nachdenken an, gerade jetzt in der Corona-Zeit. Das ganze Konzept der Trennung zwischen Thunderhead und dem Scythtum und dem Grundgedanken der Scythe fand ich total interessant und durchdacht. An manchen Stellen hätte ich mir mehr Input gewünscht, z.B. bei der Formulierung „über den Berg kommen“ oder den selbstfahrenden Autos – diese Dinge wurden als normal in den Textfluss eingebaut, allerdings nie erklärt, sondern der Leser entnimmt dem Kontext, was darunter zu verstehen ist.
Zwischen Citra und Rowan soll sich laut Klappentext eine tiefe Verbindung entwickeln. Bis zum Ende gibt es immer wieder Andeutungen und Gedankengänge der Protagonisten, die zeigen, dass sie mehr füreinander empfinden könnten, das allerdings durch das Verbot unterbunden wird. Allerdings kam bei mir diese tiefe Verbundenheit nie wirklich an.
Der Spannungsbogen im Buch lässt an manchen Stellen nach und kam mir dann ohne klaren roten Faden vor. Das letzte Drittel war dann aber voll mit Überraschungen und Spannungsmomenten –besonders am Ende konnte ich das Buch dann kaum mehr aus der Hand legen. Das ganze dritte Konklave hat mich richtig gefesselt. Besonders die Schlussszene hatte ich so überhaupt nicht erwartet und wurde so unvorhersehbar gelöst. Zum Schluss kam mir das erste Buch dieser Reihe eher wie ein Auftakt für die kommenden Bücher vor, weil jetzt erst die Charaktere von Citra und Rowan entwickelt sind und der Leser die Scythe nun kennt, aber noch nicht viel hinter den Kulissen.
Sprachlich war das Buch sehr flüssig und schnell zu lesen. Allerdings ist die Sprache eher sachlich gehalten, wodurch auch die Erzählung aus dritter Sicht möglich ist. Der Erzähler ist nicht am Geschehen beteiligt, sodass wohl auch die Emotionen der beiden Protagonisten nicht übergesprungen sind. Auf der einen Seite ist dieser Schreibstil für mich konsequent und passend, andererseits finde ich es auch schade, dass die emotionalen Aspekte der Handlung dadurch abgestumpft werden. Am Ende von jedem Kapitel ist ein Tagebucheintrag eines für die Handlung relevanten Scythe eingebaut, der die meist Handlung aus einer anderen Sicht nochmal darstellt.

Das erste Scythe-Buch ist für mich ein guter Auftakt für (hoffentlich) weitere spannende Bücher. Trotz mancher langatmigen Stellen haben mir die Grundidee, die Charaktere und die Handlung gut gefallen. Das Konzept einer perfekten Welt in der der Tod trotzdem noch sichergestellt muss, ist moralisch tiefgründig – wenn der Leser sich darauf einlässt, mich hat es zum Nachdenken angeregt. Obwohl die angekündigte Liebesgeschichte in den Hintergrund gerückt ist, habe ich sie nicht groß vermisst. Am Ende wurde sie dann aber auch nochmal aufgegriffen und ich bin gespannt, wie es im nächsten Buch weitergeht.

  • Cover
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