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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.04.2026

Ein düsterer Schauerroman

Mein zärtlicher Schatten
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Roos führt Seancen mit ihrer Maman durch. Anders als andere Medien kann sie jedoch tatsächlich Geister sehen oder zumindest einen. Nämlich Ruth. Sie ist schon vor Ewigkeiten verstorben und erinnert sich ...

Roos führt Seancen mit ihrer Maman durch. Anders als andere Medien kann sie jedoch tatsächlich Geister sehen oder zumindest einen. Nämlich Ruth. Sie ist schon vor Ewigkeiten verstorben und erinnert sich nicht mehr an ihr ehemaliges Leben. Als Agnes Knoop an einer ihrer Seancen teilnimmt, ändert sich Roos Leben schlagartig. Agnes nimmt sie mit auf ihr dunkles, verfallenes, bezauberndes Anwesen. Beide kommen sich immer näher, doch irgendetwas stimmt nicht auf dem Anwesen und Roos muss herausfinden, was es ist, bevor es sie alle verschlingt.

Die Stimmung der Geschichte war ganz herausragend. Sie schafft es unheimlich düster und gespenstisch zu sein. Das Buch ist einfach die Verkörperung eines Schauerromans. Es gibt dunkle Geheimnisse, abgründige Familiengeschichten und natürlich wortwörtliche Geister, die die Hauptcharaktere verfolgen.
Die Erlebnisse sämtlicher Hauptcharaktere sind düster und differenziert betrachtet. Jeder von ihnen ist eindeutig etwas wahnsinnig, aber ihre Gründe sind immer erklärt und damit für die lesende Person völlig klar.
Die Geschichte war unheimlich aufregend mitzuverfolgen. Die Aufmachung, dass wir die Notizen des Psychologen mitlesen, der Roos Fall behandelt, während wir nach und nach die Geschichte erfahren, war fantastisch gemacht.
Die Obsession der Charaktere untereinander war faszinierend zu lesen. Das fand ich vor allem gelungen, denn basierend auf ihren Lebenserfahrungen hat es total Sinn gemacht, dass Roos zum Beispiel verzweifelt versucht hat, Agnes Zuneigung zu halten.

Das Buch ist ganz fantastisch geschrieben und kann einfach als Beispiel für Schauerliteratur (in sapphisch) genutzt werden.

Veröffentlicht am 22.04.2026

Ein neues Zuhause

Moosland
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Im Buch greift die Autorin einen Teil des Geschichte auf, als deutsche Frauen sich als Helferinnen auf Farmen in Irland anmelden konnten. Das Buch behandelt ein fiktionalisiertes Schicksal von Elsa, die ...

Im Buch greift die Autorin einen Teil des Geschichte auf, als deutsche Frauen sich als Helferinnen auf Farmen in Irland anmelden konnten. Das Buch behandelt ein fiktionalisiertes Schicksal von Elsa, die 1949 nach Island auf einem abgelegenen Hof ankommt. Wir sehen, wie sie sich trotz ihrer Traumata, fehlenden Sprachkenntnisse und Fähigkeiten in der Familie und dem Hof einfindet.

Wir lernen Elsa kennen, die unerklärte Traumata hat und auf Island abgesetzt wird. Jetzt muss sie sich auf dem Hof zurechtfinden, obwohl sie dafür gar nicht die richtigen Fähigkeiten hat. Elsa selbst ist ein bisschen seltsam, aber es ist schön zu sehen, wie sie sich immer und immer mehr öffnet und schließlich Freude empfindet, als sie neue Fertigkeiten entwickelt.
Die Familiendynamik ist spannend. Mir gefällt zu lesen, wie die Familie Elsa aufnimmt und wie sich die verschiedenen Beziehungen der Leute zueinander entwickeln.
Die Geschichte um die Zeit herum wird gekonnt peripher angeschnitten und so wird das Setting gekonnt aufgebaut, ohne dass wir erst einmal ein Geschichtsbuch lesen müssen.
Der Lebensstil und die abgeschottete Schönheit von Island werden großartig dargestellt.

Das Buch hat mir gut gefallen. Es greift einen Aspekt der Geschichte auf, den ich vorher nicht kannte und ist durchaus lesenswert.

Veröffentlicht am 22.04.2026

Nicht, was ich mir erhofft hatte

Das Jahr der Schmetterlinge
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Die Autorin des Buches beschließt, in einem Jahr alle dänischen Tagfalter sehen zu wollen. Um dies zu erreichen, muss sie sich einen genauen Plan machen und tief in die Community rund um die Tiere eintauchen. ...

Die Autorin des Buches beschließt, in einem Jahr alle dänischen Tagfalter sehen zu wollen. Um dies zu erreichen, muss sie sich einen genauen Plan machen und tief in die Community rund um die Tiere eintauchen. Dafür unterhält sie sich mit Profis und muss sich letztendlich fragen, was diese Leute und sie selbst dazu bewegt, so viel Zeit und Energie in die Suche nach Schmetterlingen zu stecken.

Das Thema des Buches klingt super. Ich lese gerne Sachbücher, die sich auf eine biologische Nische spezialisieren und die Autorin bei ihrer Suche zu begleiten, klang super. Das Buch hat wunderschöne Illustrationen der Schmetterlinge, die immer wieder vorkommen, um zu zeigen, wie die Exemplare aussehen, die sie gefunden hat. Wir erhalten einen faszinierenden Einblick in die Geschichte und die jetzige Perspektive von Schmetterlingssammlern. Die Autorin greift dabei auch auf, wie der Einfluss der Umweltverschmutzung unserer heutigen Zeit ist und wie Amateur-Lepidopterologen (Schmetterlingssammler) einen signifikanten Teil der Arbeit für diese Erkenntnis zusammengetragen haben.
Das Buch war sehr persönlich, was ich grundsätzlich nicht schlimm fand. Leider hat das Ausmaße angenommen, dass ich mich gefragt habe, warum wir so persönliche unzusammenhängende Dinge lesen, wenn ich doch lieber wieder zum Thema zurückgekommen wäre.
Außerdem gab es eine Stelle, an der die Autorin unkritisch Freud als Genie zitiert und seine Behauptung, leidenschaftliche Hobbies hätten irgendwas mit sexueller Begierde zu tun, aufgreift und das allen möglichen Leuten andichtet.

Das Buch hat gut angefangen und hat mich abgeholt, aber dann haben sich die Kritikpunkte gehäuft und spätestens als sie Freud als Genie bezeichnet hat, war es für mich vorbei.

Veröffentlicht am 25.03.2026

Mysteriöse Scifi

Ich, die ich Männer nicht kannte
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Die Hauptcharakterin des Buches lebt mit 39 anderen Frauen unter der Erde. Sie wissen nicht, warum sie dort sind, ob sie jemals wieder freikommen werden oder was mit der Welt oberhalb ihres Raumes passiert ...

Die Hauptcharakterin des Buches lebt mit 39 anderen Frauen unter der Erde. Sie wissen nicht, warum sie dort sind, ob sie jemals wieder freikommen werden oder was mit der Welt oberhalb ihres Raumes passiert ist. Als jedoch eines Tages ein Alarm ertönt und ihre Wächter fliehen, bekommen sie die Chance, Antworten auf ihre Fragen zu finden.

Das Konzept des Buches fand ich fesselnd. Wir lernen unsere Hauptcharakterin kennen und sehen diese unbekannte Welt durch ihre Perspektive. Da sie im unterirdischen Gefängnis aufgewachsen ist, hat sie keinerlei Vorstellung davon, wie die Welt früher war. Das ist faszinierend, da uns dadurch Informationen entgehen, die wir vielleicht hätten wissen können, denen aber die Hauptcharakterin kein Gewicht hat zukommen lassen.
Die Welt, die sie außerhalb finden, ist deutlich Scifi-mäßiger, als ich anfangs gedacht hätte. Die ganze Exploration ist unheimlich spannend und man fühlt sich wie ein Teil dieser Frauengruppe.
Die Motivation der Hauptcharakterin ist gut nachvollziehbar durch ihr ungewöhnliches Aufwachsen.
Dieses Buch wurde zum Teil mit Report der Magd verglichen, was ich nicht ganz nachvollziehen kann. Die Frauen denken über einige spannende feministische Gedanken nach, aber das ist dann auch schon das Ausmaß des Feminismus im Buch. Das zu erwähnen, ist mir wichtig, damit keine falschen Erwartungen bestehen.

Das Buch war ein faszinierendes Scifi Buch, in dem wir den interessanten und ungewöhnlichen Gedanken der Protagonistin lauschen durften. Ich kann es nur empfehlen.

Veröffentlicht am 07.03.2026

Bezaubernd

The Empress of Salt and Fortune: (Die Chroniken von Chih)
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Chih sammelt Geschichten. Dafür wurde dey ausgebildet und wird von deren Begleiter Nahezu Brillant unterstützt. Auf dem Weg in die Hauptstadt kommt dey am scharlachroten See vorbei, wo dey Kaninchen trifft. ...

Chih sammelt Geschichten. Dafür wurde dey ausgebildet und wird von deren Begleiter Nahezu Brillant unterstützt. Auf dem Weg in die Hauptstadt kommt dey am scharlachroten See vorbei, wo dey Kaninchen trifft. Diese hat lange Jahre der verstorbenen Kaiserin gedient und erzählt Chih deren Geschichte. Umso mehr Chih erfährt, umso klarer wird, dass Kaninchen ein Geheimnis hütet.

Die Welt, die Nghi Vo aufbaut, ist sehr magisch. Die Magie und Kreaturen werden oft ganz subtil im Nebensatz erwähnt, sodass man ein ganz ausgezeichnetes Bild der Welt bekommt, ohne groß viele Erklärungen bekommen zu müssen.
Ich liebe, wie viel Herz in dieser kurzen Geschichte alleine schon enthalten ist. Innerhalb weniger Seiten sind wir unheimlich vertraut mit Kaninchens Leben und wie es der Kaiserin ging. Die Art und Weise, wie Nghi Vo schreibt, ist dabei meisterhaft.
Mir gefällt die Art und Weise, wie die Geschichte aufgemacht ist. Also, dass wir dabei sind, wie jemand Chih die Geschichte erzählt. Dadurch fühlt man sich selbst stark in deren Perspektive versetzt und es ist fast, als bekomme man die Geschichte selbst erzählt.
Ich glaube, dass dieses Format wirklich ausgezeichnet gewählt ist und ich freue mich darauf, die Folgebände zu sehen, wo wir wahrscheinlich einfach eine neue Geschichte durch Chih miterleben können.

Das Buch hat mir sehr gefallen und ich kann es jedem empfehlen, der eine bezaubernde Novelle lesen möchte.