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Veröffentlicht am 24.03.2026

Kleine Helden und große Gelassenheit

Carli und Klecks retten einen Käfer
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Draußen gibt es so viel zu entdecken! Carli und die Katze Klecks stoßen im Garten auf einen kleinen Käfer, der offensichtlich Hilfe braucht. Gemeinsam machen sie sich daran, den winzigen Gartenbewohner ...

Draußen gibt es so viel zu entdecken! Carli und die Katze Klecks stoßen im Garten auf einen kleinen Käfer, der offensichtlich Hilfe braucht. Gemeinsam machen sie sich daran, den winzigen Gartenbewohner zu retten. Ein Buch über Achtsamkeit, den Schutz kleiner Lebewesen und die Neugier auf die Natur direkt vor der Haustür.

Wie gewohnt bestechen die Zeichnungen durch Lebendigkeit und Witz. Besonders die Interaktion zwischen der Katze Klecks und dem Käfer ist herrlich gezeichnet – man sieht Klecks den inneren Konflikt zwischen Jagdtrieb und Neugier förmlich an. Die Hintergründe bieten wieder viele Details, die man gemeinsam mit dem Kind entdecken kann.

Auch hier wird bewusst auf lange Erklärungen verzichtet. Das animiert wunderbar dazu, mit dem Kind ins Gespräch zu gehen: „Wie geht es dem Käfer wohl?“ oder „Warum müssen wir vorsichtig sein?“ Das Buch fördert so ganz spielerisch die Empathie für schwächere Lebewesen. Was mir an diesem Band besonders gut gefallen hat, ist die Reaktion der Mama. Obwohl Carli durch die Rettungsaktion eigentlich noch mehr Unordnung verursacht hat als vorher, findet sie das nicht schlimm. Das ist ein toller Lerneffekt für uns Vorlesende: Es erinnert uns daran, dass Entdeckerfreude und Empathie manchmal viel wichtiger sind als ein perfekt aufgeräumter Garten oder ein strukturierter Zeitplan.

Wie schon bei der Armprothese oder der Rolle von Nachbarin Inga in den anderen Bänden, lässt der Verlag die Eltern auch hier ein wenig mit den Fakten allein. Um welche Käferart handelt es sich genau? Was frisst er? Ein kleiner Infokasten auf der Rückseite oder im Vorsatzpapier wäre eine tolle Hilfestellung gewesen, um die unvermeidlichen Kinderfragen („Was ist das für einer?“) fachgerecht zu beantworten, ohne erst das Smartphone zücken zu müssen.

Fazit: „Carli und Klecks retten einen Käfer“ ist ein herzerwärmendes Buch, das zeigt, dass man auch im Kleinen ein Held sein kann. Es passt perfekt in die Reihe: moderne Optik, starke pädagogische Ansätze, aber leider wieder mit einer kleinen Informationslücke für die vorlesenden Eltern.

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Veröffentlicht am 10.03.2026

Mit einem Kreidestrich nach Anderswo

Heute fahren wir nach Anderswo
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Klaus Baumgart nutzt hier ein visuelles Konzept, das mich sofort begeistert hat und das ich so bisher noch nicht kannte: Die Hauptfiguren sind in seinem gewohnt professionellen, weichen Stil gezeichnet. ...

Klaus Baumgart nutzt hier ein visuelles Konzept, das mich sofort begeistert hat und das ich so bisher noch nicht kannte: Die Hauptfiguren sind in seinem gewohnt professionellen, weichen Stil gezeichnet. Doch sobald die Reise beginnt, wird die Welt von „Anderswo“ durch kindliche Kreidezeichnungen erschaffen. Dieser Kontrast ist grafisch wunderschön umgesetzt und macht sichtbar, wie die Fantasie der Kinder die reale Welt „übermalt“.

In dieser Geschichte brauchen die Kinder keinen teuren Fuhrpark und nicht einmal einen Pappkarton. Alles, was sie haben, ist ein Stück Kreide. Damit zeichnen sie sich ihr eigenes Gefährt direkt auf den Boden und fahren einfach los. Diese Reduktion auf das Wesentliche ist eine wundervolle Botschaft: Fantasie braucht kein Material, sie braucht nur einen Impuls.

Besonders hervorzuheben ist der wenige Text. Was auf den ersten Blick kurz wirken mag, entpuppt sich als große Stärke: Die knappen Sätze animieren herrlich zur eigenen Interpretation. Man wird als Vorleser förmlich dazu eingeladen, innezuhalten und mit den Kindern ins Gespräch zu gehen: „Wo fahren sie wohl als Nächstes hin?“ oder „Was würdest du dir jetzt mit Kreide malen?“ Das Buch wird so zu einer interaktiven Reise, die bei jedem Lesen ein bisschen anders verlaufen kann.

„Heute fahren wir nach anderswo“ ist ein optisches und pädagogisches Highlight. Der innovative Mix aus professioneller Illustrationskunst und kindlicher Kreidezeichnung macht das Buch zu etwas ganz Besonderem. Es inspiriert dazu, die Welt öfter mal mit den Augen der Fantasie – und vielleicht mit einem Stück Kreide in der Hand – zu sehen.

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Veröffentlicht am 05.03.2026

Ein fesselndes Familiendrama im Schatten der Vergangenheit

Die Nacht der Bärin
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Kira Mohn beweist hier, dass sie mehr kann als „nur“ Liebesgeschichten. „Die Nacht der Bärin“ ist ein tiefgründiger Roman über das Schweigen zwischen den Generationen.

Das Haus am Waldrand wird fast schon ...

Kira Mohn beweist hier, dass sie mehr kann als „nur“ Liebesgeschichten. „Die Nacht der Bärin“ ist ein tiefgründiger Roman über das Schweigen zwischen den Generationen.

Das Haus am Waldrand wird fast schon zu einem eigenen Charakter. Die Stimmung ist dicht, stellenweise beklemmend und sehr bildgewaltig. Man spürt förmlich, dass die Abgründe, von denen der Klappentext spricht, in jeder alten Kiste und hinter jeder verschlossenen Tür lauern.

Besonders spannend finde ich die Frage: Warum schweigen Mütter? Das Buch beleuchtet sehr eindringlich, wie traumatische Ereignisse über Generationen hinweg weitergegeben werden, wenn sie nicht aufgearbeitet werden.

Kira Mohn hält die Spannung durch die schrittweise Aufdeckung der Familiengeheimnisse konstant hoch. Die Neugier darauf, was damals wirklich geschehen ist und wie es die Gegenwart beeinflusst, treibt den Lesefluss enorm an.

Ein Roman, der nachhallt. Wer Familiengeschichten mit einer Prise Düsternis und starken weiblichen Protagonistinnen mag, wird dieses Buch lieben. Es ist packend geschrieben und emotional sehr intensiv – eine klare Leseempfehlung für alle, die gerne hinter die Fassaden bürgerlicher Familien blicken.

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Veröffentlicht am 05.03.2026

Zäh und ereignisarm

The Fallen and the Kiss of Dusk (Crowns of Nyaxia 4)
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Nachdem Band 3 für mich bereits hinter der Brillanz der ersten beiden Bände zurückgeblieben war, hatte ich gehofft, dass die Geschichte um Mische und Asar in diesem Teil endlich an Fahrt aufnimmt. Leider ...

Nachdem Band 3 für mich bereits hinter der Brillanz der ersten beiden Bände zurückgeblieben war, hatte ich gehofft, dass die Geschichte um Mische und Asar in diesem Teil endlich an Fahrt aufnimmt. Leider muss ich sagen, dass meine Kritikpunkte bestehen bleiben und sich teilweise sogar verstärkt haben.

Mein größtes Problem bei diesem Band war das Tempo. Die Handlung schreitet nur sehr langsam voran, und über weite Strecken passiert eigentlich erschreckend wenig. Es fühlt sich oft so an, als würde die Geschichte auf der Stelle treten, anstatt die Spannung konsequent aufzubauen. Für ein Buch dieses Umfangs hätte ich mir deutlich mehr Fortschritt im Plot und weniger ausschweifende Passagen gewünscht, die die eigentliche Erzählung nicht wirklich voranbringen.

Wie schon im Vorgängerband wird man auch hier wieder mit einer schieren Masse an verschiedenen Wesen, Göttern und komplexer Lore konfrontiert. Was in den ersten zwei Bänden der Reihe durch Atmosphäre und eine klare Linie bestach, wirkt hier oft überfrachtet. Die vielen neuen Elemente fühlen sich nicht organisch an, sondern machen es eher schwer, der eigentlichen Geschichte zu folgen und eine echte Verbindung zur Welt aufzubauen.

Die Messlatte, die durch Oraya und Raihn so hoch gelegt wurde, wird auch hier nicht erreicht. Der Bezug zu den Anfängen der Reihe ist kaum noch spürbar. Während Asar als Charakter durchaus seine sympathischen und interessanten Seiten hat, kann er für mich die strukturellen Schwächen der Erzählung – insbesondere die geringe Handlungsdichte – nicht allein auffangen.

The Fallen and the Kiss of Dusk ist leider eine eher zähe Fortsetzung. Die langsame Entwicklung und das überladene Worldbuilding verhindern, dass der Funke wirklich überspringt. Wer die Reihe wegen der packenden Dynamik der ersten Bände liebt, wird hier Geduld brauchen. Das Ende von Band 4 ist so gestaltet, dass es auf einen weiteren Band hindeutet. Doch nach diesen zwei eher schwachen Büchern (Band 3 und 4) bin ich mir aktuell sehr unschlüssig, ob ich die Reihe überhaupt noch weiterverfolgen werde. Der Funke will einfach nicht mehr so recht überspringen, und die langsame Entwicklung raubt mir die Vorfreude auf ein mögliches Finale.

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Veröffentlicht am 02.03.2026

Ein Blickfang mit kleinen Orientierungsschwierigkeiten

Tiere und Pflanzen lebensgroß
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Das Buch wird als „das großformatige Entdeckerbuch für die ganze Familie“ beworben. Hier muss ich ehrlich sagen: Aufgrund dieser Beschreibung hatte ich ein deutlich größeres, fast schon plakatives Format ...

Das Buch wird als „das großformatige Entdeckerbuch für die ganze Familie“ beworben. Hier muss ich ehrlich sagen: Aufgrund dieser Beschreibung hatte ich ein deutlich größeres, fast schon plakatives Format erwartet. Es ist zwar kein kleines Buch, aber wer ein riesiges Coffee-Table-Book erwartet, könnte zunächst etwas enttäuscht sein.

Die Idee, Natur in Originalgröße (1:1) darzustellen, ist faszinierend und die Mischung aus Tieren und Pflanzen hat mir ausgesprochen gut gefallen. Es ist spannend, einen Käfer direkt neben einer Blüte in realen Proportionen zu sehen.

Leider fand ich es manchmal nicht ganz eindeutig, welche Abbildung nun exakt der Originalgröße entspricht. Wenn mehrere Illustrationen auf einer Seite sind, verliert man ohne klare Kennzeichnung oder direkten Vergleichsmaßstab manchmal den Bezug zum „Lebensgroß“-Konzept.

Ein echtes Highlight sind die integrierten DIY-Ideen. Es sind wirklich schöne Bastel- und Mitmachprojekte dabei, die den theoretischen Teil auflockern und dazu einladen, das Wissen direkt in die Tat umzusetzen. Das macht das Buch über das reine Betrachten hinaus sehr wertvoll für den Familienalltag.

Inhaltlich ein tolles Buch, das durch die Kombination aus Wissen, 1:1-Illustrationen und DIY-Aktionen besticht. Wer sich von der „Großformat“-Ankündigung nicht beirren lässt und genau hinschaut, findet hier einen wunderbaren Begleiter für Naturbegeisterte.

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