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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.09.2025

Rache macht glücklich

Hustle
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„Am Ende schob sie es auf Ihre Nase, wie fast alles. Sie teilte es Steffen mit, wie fast alles.
‚Quatsch, deine Nase ist nicht schief‘, antwortete er. ‚Vielleicht will er nur nicht übergriffig sein.‘
‚Daran ...

„Am Ende schob sie es auf Ihre Nase, wie fast alles. Sie teilte es Steffen mit, wie fast alles.
‚Quatsch, deine Nase ist nicht schief‘, antwortete er. ‚Vielleicht will er nur nicht übergriffig sein.‘
‚Daran bin ich nicht gewöhnt.‘
Als sie im Bad das Licht anmachte, konnte sie den Silberfischen dabei zustehen, wie sie sorgsam um die Fallen herum wuselten, die sie aufgestellt hatte.“ (S. 81)

„Hustle“ handelt von Freundschaften, Partnerschaften, Neuanfängen und Lebensstilen rund um das 30. Lebensjahr; familiären und finanziellen Krisen, dem katastrophalen Wohnungsmarkt sowie einem Leitfaden zu Geschäftsideen, um dem Kapitalismus zu trotzen. Und vielleicht auch ein wenig dem Gesetz.

Die Autorin schreibt über die 30 jährige Leonie, die anfänglich noch mit typischen Persönlichkeits- und Alltagsproblemen zu kämpfen hat, mit denen sich vermutlich sehr viele selbst identifizieren können.
Dann verändert sich die Protagonistin, als sie zu Beginn der Geschichte Genevieve kennenlernt. Genevieve führt sie auf einen Pfad, der für Leonie ein wenig zu Selbstverwirklichung, aber besonders Zugehörigkeitsgefühl und erfüllendem Lebensgefühl führt. Rache wird zu ihrem Spezialgebiet.

Die Figur Leonie ist imperfekt, urkomisch, schlagfertig und irgendwie eine Macherin. Als LeserIn bekommt man das Gefühl von eine Freundin oder Bekannten zu lesen.
Der Schreibstil besteht aus eher kurzen Sätzen und teils kurzen Textpassagen zu einzelnen Szenen, wovon die Geschichte aber auf ihre eigene Weise lebt. Der trockene und ironische Humor ist einzigartig witzig. Die Handlungen haben dadurch eine heitere Leichtigkeit, trotz ernster Themen. Leonie wirkt dadurch oft lebensbejahend und sorglos.

Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Besonders hat dazu der Schreibstil beigetragen. Ich musste so oft schmunzeln, grinsen und lachen. Dieses Buch macht, trotz, aber vielleicht gerade wegen, der Identifikation mit den Problemen der Quaterlife crisis, ein wohliges Lesegefühl.

Rundum ein gelungenes Buch und eine perfekte Lektüre besonders für alle KapitalismuskritikerInnen unter euch!

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  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Themen
Veröffentlicht am 02.09.2024

„Leben ist generell krass“

9 Grad
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„Es ist wirklich kein Wunder, dass man lächelt und lächelt und irgendwann selbst glaubt, dass es wichtiger ist, wie wir von außen wirken, als wie man sich innerlich fühlt […].“

„9 Grad“ von Elli Korb ...

„Es ist wirklich kein Wunder, dass man lächelt und lächelt und irgendwann selbst glaubt, dass es wichtiger ist, wie wir von außen wirken, als wie man sich innerlich fühlt […].“

„9 Grad“ von Elli Korb ist ein Roman, der besonders für junge Menschen ein Ort zum sich selbst wiederfinden und seine Gedanken im Kopf anderer hören, ist.

Elli Korb erzählt die Geschichte von den Freunden Rena, Anton und Josie aus der Ich-Perspektive der Protagonistin Josie. Dabei bindet die Autorin Eisbaden als roten Faden in die Geschichte ein, das besonders für Josie an Bedeutung gewinnt.

Das Buch thematisiert psychische, aber auch körperliche Erkrankungen, das vermeintlich ideale Körperbild, Leistungsdruck und äußert im Allgemeinen Kritik an gesellschaftliche Normen und dem Druck, der dadurch besonders für junge Menschen in ihren 20ern ensteht. Gefangen zwischen individueller Identitätsbildung, sich zugehörig fühlen, dabei aber ständige Veränderungen des Umfelds und in sich selbst ausgesetzt sein und gleichzeitig Sinn finden, davon handelt dieser Roman.

Ich habe super schnell Zugang zur Handlung gefunden, was bestimmt auch daran liegt, dass mich genau im selben Alter befinde und mich diese Themen ebenfalls beschäftigen.
Die Autorin bietet dem Leser einen recht guten Zugang zur Protagonistin, die man, mir zwar zu oberflächlich, aber dafür bis zum Ende Stück für Stück kennen lernt. Dass dabei besonders Anton etwas vernachlässigt wird, fand ich schade, aber ist aufgrund der Themenfülle vermutlich sehr sinnvoll. Rena schwimmt da quasi im Mittelfeld. Ihren Charakter, den ich als Freigeist, offen und besonders beschreiben würde, lernt man vor allem stückweise, aber nicht vollständig, kennen, was ihren Charakter irgendwie geheimnisvoll macht.

Dass Depressionen auf charmante Art ein recht permanentes Thema ab dem Punkt waren, als Josie Lee kennen lernt, fand ich super. Ich hab mich als Leserin so gefühlt, als würde ich nicht nur Lee‘s Charakter, sondern auch die psychische Erkrankung kennen lernen, ohne das Lee ausschließlich auf diese reduziert wurde.

Was mir daran besonders gefallen hat, war, dass das Erzählte so echt und realitätsnah gewirkt hat, ohne das Gefühl zu vermitteln, dass man gerade einen Wikipedia-Eintrag liest.
Josie darf ihre Gedanken einfach frei herausdenken. Sie wirkt dadurch unglaublich Nachbar und echt. Einfach schön. Und genau wie Symptome einer Depression einfach aus der Wahrnehmung von Josie beschrieben werden, werden auch Rena und Anton beschrieben. Es ist nicht alles schwarz und weiß, sondern einfach auch mal grau. Und so wie im wahren Leben, denkt auch Josie manchmal negativ über Lee oder z.B. Rena, unabhängig davon, wie sehr sie die beiden mag.

Insgesamt ein gelungenes Buch, mit noch gelungenerem Ende, und imperfekt schönen und mutigen Charakteren, von dem ich aufgrund und trotz der fehlenden Tiefe gerne einen zweiten Teil lesen würde.

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  • Thema
Veröffentlicht am 11.11.2022

Schlaflose Nächte für Protagonist und Leser

Das Schlaflabor
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„Das Schlaflabor“ von Marc Meller wird u.a. Aus der Ich-Perspektive des Protagonisten Tom Sonnborn sowie aus der Sicht der dritten Person verschiedener Figuren im Buch erzählt.

Direkt zu Beginn des Buches ...

„Das Schlaflabor“ von Marc Meller wird u.a. Aus der Ich-Perspektive des Protagonisten Tom Sonnborn sowie aus der Sicht der dritten Person verschiedener Figuren im Buch erzählt.

Direkt zu Beginn des Buches ist es mir sehr leicht gefallen in die Handlung und das Lesen im Allgemeinen einzusteigen. Der Schreibstil wirkte allerdings zunächst eher unbekannt auf mich. Der Autor schafft eine ganz besondere und leicht kuriose Atmosphäre, indem z.B. Gedanken von Tom zu einem Thema extrem detailreich beschrieben werden und teils sehr viel Hintergrundinformation bietet, die mit der eigentlichen Situation, in der sich der Protagonist gerade befindet, nichts zutun hat.
Dies hat mir im Laufe des Buches aber immer mehr zugesagt.
Zudem passt es besonders am Anfang des Buches sehr gut, da sich die Zusammenhänge erst im Fortgang der Handlung ergeben und Details hier auch in die Irre führen mögen.

Der Protagonist Tom Sonnborn wird dem Leser meiner Meinung nach durch die Ich-Perspektive bereits sehr nahe gebracht. Ich konnte nicht direkt Sympathie für Tom hegen, allerdings bildet er einen so interessanten und zerstreuten Charakter, dass man ihn trotzdem in gewisser Weise gern hat.

Besonders gut gefallen haben mir zudem die Beschreibungen von Setting und Umgebung. Teils wurde man mit Details überflutet, an Stellen, an denen man das vielleicht gar nicht erwartet hätte und manchmal wurde die Möglichkeit zu mehr Fantasie geboten.

Insgesamt ein wirklich gelungenes Buch, dass dem Leser die Möglichkeit bietet auch noch das ein oder andere zur Neurologie bzw. Physio- und Pathologie des Schlafes zu lernen und durchweg spannend erzählt wird.

Ein genialer Thriller für die kommende düstere Winterzeit!

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  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 16.06.2022

Liebe mit Ecken und Kanten

A Touch of Darkness
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„Sie hatte eine Kostprobe gehabt - einen Hauch von Dunkelheit - und sie wird sich für den Rest ihres Lebens danach sehnen.“

„A Touch of Darkness“ von Scarlett St. Clair wird aus der der Perspektive von ...

„Sie hatte eine Kostprobe gehabt - einen Hauch von Dunkelheit - und sie wird sich für den Rest ihres Lebens danach sehnen.“

„A Touch of Darkness“ von Scarlett St. Clair wird aus der der Perspektive von Persephone, als Er-/Sie-Erzähler wiedergegeben.

Endlich ist die deutsche Übersetzung da!

„A Touch of Darkness“ erzählt die Geschichte der Persephone der griechischen Mythologie erfrischend neu, trotzdem kann man sagen, dass die Handlung meist recht vorhersehbar ist. Die Autorin versteckt die Hinweise leider nicht ganz so gut, wie erwartet.
Wenn euch beim Lesen das Bauchgefühl in eine bestimmte Richtung weist, dann wird dies auch mit Sicherheit so eintreffen. Zumindest war es bei mir so.
Trotzdem sehr spannend sind die Entwicklungen und Offenbarungen zu Persephone’s Macht und auch HAdes Wetten.

Überrascht und leider nicht unbedingt im positiven Sinne haben mich die Charaktere, da diese etwas ambivalent gestaltet wurden und besonders die Protagonistin Persephone sich stark von außen lenken lässt. Diese Eigenschaft lässt sich allerdings recht gut durch ihre Kindheit und ihre Beziehung zu Dementer erklären. Diese ist ja leider sehr von Überbehütung und Unterordnung geprägt.
Hades. Dazu will ich eigentlich nicht zu viel sagen.
Er ist einfach göttlich und hat mir an dieser Geschichte wirklich am Besten gefallen. Meiner Meinung nach bleibt er seinem Charakter trotz Begegnung mit Persephone treu und wirkt dadurch absolut glaubwürdig.

Der Erzählstil ist durchaus humorvoll und durch die Perspektive von Persephone recht treffend gewählt. An einigen Stellen habe ich mir allerdings mehr Details gewünscht, besonders in den Schlüsselszenen am Ende. Leider wirkte es da teils so, als müsste die Autorin das Buch schnellstmöglich beenden.

Insgesamt aber wirklich gut durchdacht und eine super Buch für den kommenden Strandurlaub.

Ein Must-Read für alle Buchliebhaber von griechischer Mythologie, Fantasy und einer guten Portion New Adult.

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  • Gefühl
Veröffentlicht am 22.04.2022

Sprachlich und inhaltlich leider nicht gerade „Privileged“

Privileged - Class of Royals
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„Mein Schatz, Asher Frederic ist so ziemlich der einzige Junge auf der Winston, mit dem ich was anfangen würde, wenn er nicht so ein Riesen`rschloch wäre. Mehr schlimmer Finger als er kann man bei jemandem ...

„Mein Schatz, Asher Frederic ist so ziemlich der einzige Junge auf der Winston, mit dem ich was anfangen würde, wenn er nicht so ein Riesen`rschloch wäre. Mehr schlimmer Finger als er kann man bei jemandem aus der Oberschicht gar nicht erwarten, darüber musst du dir doch im Klaren sein.“ - S. 126

„Privileged“ wird aus der Ich-Perspektive von den Figuren Nora und Asher erzählt.

Sprachlich betrachtet, ist „Privileged“ leider kein Meisterwerk. Wörter wie „W’chser“, „Schl’mpe“ und „N’tte“ werden besonders zu Anfang recht häufig genutzt und nehmen dem Buch hinsichtlich Elite und Oberschicht ein wenig Glaubwürdigkeit.

Ganz besonders enttäuscht hat mich vor allem die Entwicklung der Figur Asher. Ich hatte erwartet, dass er recht lange den unnahbaren Badboy spielt und sich selbst nicht eingestehen will, dass er Nora liebt. Allerdings verlief seine gedankliche Wandlung recht abrupt und wurde dann als gegeben hingestellt. Asher zeigte sich zwar teils noch ambivalent in Verhalten und Gedanken, allerdings habe ich ihm dies nicht immer abgekauft.
Positiv zu bewerten, fand ich persönlich aber, dass Asher, wenn er mit Nora zusammen war, eben zumindest in seinen Gedanken nicht immer anwesend war und sein Verhalten und seine Gefühle zu Nora reflektiert hat. Nora hat er diese Gedanken dann allerdings nicht offenbart und das fand ich mal erfrischend im Gegensatz zu anderen New Adult Romanen.
Der Grund für seine Ablehnung gegen Nora und besonders ihren Stiefvater waren dann allerdings wieder etwas weit hergeholt und auch hier habe ich zum Einen einen größeren Knall zwischen den Parteien und zum Anderen eine detailreichere Beschreibung der Szenen erwartet.

Die Protagonistin Nora hatte ich mir auch etwas anders vorgestellt. Ich hatte erwartet, dass sie eher introvertiert und im Umgang mit Fremden unsicher und zurückhaltend agiert, allerdings zeigt sie sich teils sogar sehr selbstsicher.
Im Verlauf der Handlung offenbart Nora eine für sie belastende Gegebenheit, die ihre Intelligenz und die daraus resultierenden Folgen betrifft. Leider wird dies nicht schon zu Beginn des Buches thematisiert und wirkt dadurch so, als ob die Autorin plötzlich eine Idee hatte und diese noch schnell eingebaut werden musste. Zudem erfährt der Leser erst am Ende des Buches die damit einhergehenden psychischen Erkrankungen, die meiner Meinung nach auch leider etwas zu oberflächlich recherchiert wurden und einfach nicht in die Handlung passen.
Es geschehen außerdem leider immer wieder Ereignisse, die insgesamt einfach nicht stimmig sind und häufig nur oberflächlich angeschnitten werden, anstatt eine Situation angemessen detailreich zu beschreiben. Um nicht zu Spoilern, nenne ich hier keine Beispiele.

Insgesamt bedient sich „Privileged“ leider den sehr typischen Klischees und ist dadurch zwar ganz nett für zwischendurch, wer aber literarisch ein wenig mehr erwartet, ist hier meiner Meinung nach nicht an der richtigen Adresse.

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