Rache macht glücklich
Hustle „Am Ende schob sie es auf Ihre Nase, wie fast alles. Sie teilte es Steffen mit, wie fast alles.
‚Quatsch, deine Nase ist nicht schief‘, antwortete er. ‚Vielleicht will er nur nicht übergriffig sein.‘
‚Daran ...
„Am Ende schob sie es auf Ihre Nase, wie fast alles. Sie teilte es Steffen mit, wie fast alles.
‚Quatsch, deine Nase ist nicht schief‘, antwortete er. ‚Vielleicht will er nur nicht übergriffig sein.‘
‚Daran bin ich nicht gewöhnt.‘
Als sie im Bad das Licht anmachte, konnte sie den Silberfischen dabei zustehen, wie sie sorgsam um die Fallen herum wuselten, die sie aufgestellt hatte.“ (S. 81)
„Hustle“ handelt von Freundschaften, Partnerschaften, Neuanfängen und Lebensstilen rund um das 30. Lebensjahr; familiären und finanziellen Krisen, dem katastrophalen Wohnungsmarkt sowie einem Leitfaden zu Geschäftsideen, um dem Kapitalismus zu trotzen. Und vielleicht auch ein wenig dem Gesetz.
Die Autorin schreibt über die 30 jährige Leonie, die anfänglich noch mit typischen Persönlichkeits- und Alltagsproblemen zu kämpfen hat, mit denen sich vermutlich sehr viele selbst identifizieren können.
Dann verändert sich die Protagonistin, als sie zu Beginn der Geschichte Genevieve kennenlernt. Genevieve führt sie auf einen Pfad, der für Leonie ein wenig zu Selbstverwirklichung, aber besonders Zugehörigkeitsgefühl und erfüllendem Lebensgefühl führt. Rache wird zu ihrem Spezialgebiet.
Die Figur Leonie ist imperfekt, urkomisch, schlagfertig und irgendwie eine Macherin. Als LeserIn bekommt man das Gefühl von eine Freundin oder Bekannten zu lesen.
Der Schreibstil besteht aus eher kurzen Sätzen und teils kurzen Textpassagen zu einzelnen Szenen, wovon die Geschichte aber auf ihre eigene Weise lebt. Der trockene und ironische Humor ist einzigartig witzig. Die Handlungen haben dadurch eine heitere Leichtigkeit, trotz ernster Themen. Leonie wirkt dadurch oft lebensbejahend und sorglos.
Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Besonders hat dazu der Schreibstil beigetragen. Ich musste so oft schmunzeln, grinsen und lachen. Dieses Buch macht, trotz, aber vielleicht gerade wegen, der Identifikation mit den Problemen der Quaterlife crisis, ein wohliges Lesegefühl.
Rundum ein gelungenes Buch und eine perfekte Lektüre besonders für alle KapitalismuskritikerInnen unter euch!