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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.01.2017

Kirche, Kunst und Kommissar

Fastenopfer
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Für Max Kramer, Kommissar im beschaulichen Altötting, beginnt die Fastenzeit mit einem saumäßigen Kater, den er sich bei der Polizei-Blaulicht-Party am Faschingsdienstag eingehandelt hat. Noch schlimmer ...


Für Max Kramer, Kommissar im beschaulichen Altötting, beginnt die Fastenzeit mit einem saumäßigen Kater, den er sich bei der Polizei-Blaulicht-Party am Faschingsdienstag eingehandelt hat. Noch schlimmer trifft ihn aber die Erkenntnis, dass bei ihm im Bett die rassige Staatsanwältin liegt, er sich aber an absolut nichts erinnern kann. Und dann wird er auch noch zu einer Leiche gerufen. Der Verwalter des Tilly-Benefiziums wurde erstochen in seinem Büro aufgefunden.
Kramer und seine Kollegen tappen ziemlich lange im Dunkeln. Dabei kommt Max Kramer immer wieder auch die Staatsanwältin in die Quere, deren Avancen ihm aber gar nicht so recht sind, da sein Herz immer noch für seine Jugendliebe Maria Evita schlägt. Dummerweise ist diese aber Novizin im ortsansässigen Kloster. Allerdings gibt sie eine sehr patente und sympathische Figur ab, da sie die klösterlichen Regeln ganz pragmatisch auszulegen weiß. Auch ist sie diejenige, die Kramer einen entscheidenden Hinweis zur Lösung des Falls geben kann.
Der Krimi liest sich witzig und unterhaltsam und zeichnet sich, wie häufig bei Regionalkrimis, nicht gerade durch Spannung auf Thriller-Niveau aus. Neben den privaten Verwicklungen der Ermittler kommen auch zutiefst menschliche Probleme und Problemchen zur Sprache. So wird z.B. der Pfarrer von seiner Haushälterin auf eine Low-Carb-Diät gesetzt, der er sich nur durch diverse Tricks entziehen kann. Stellenweise sind die Figuren etwas karikaturhaft überzeichnet, wie z.B. die Haushälterin oder die Mitglieder des örtlichen Frauenbundes. Auch kann der am Ende präsentierte Täter nicht ganz überzeugen.
Dennoch wird man gut sich gut amüsieren und hofft auf eine Fortsetzung mit Max Kramer und Maria Evita.

Veröffentlicht am 18.04.2018

Die Wahrheit?

Riskante Manöver
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Mats Holm ist der Meister der Krisen. Seine Aufgabe – und seine Berufung besteht darin, Prominente vor einem Skandal, Minister aus dem Kreuzfeuer der Medien oder, wie hier, einen Pharmakonzern vor einem ...


Mats Holm ist der Meister der Krisen. Seine Aufgabe – und seine Berufung besteht darin, Prominente vor einem Skandal, Minister aus dem Kreuzfeuer der Medien oder, wie hier, einen Pharmakonzern vor einem Aktiencrash zu schützen. Mit seiner Mitarbeiterin Laura May betreibt er dieses einträgliche Geschäft in Berlin. Mats Holm, der ,,Master of desaster“, liebt seinen Beruf besonders dann, wenn es am heißesten wird. Das ist auch der Fall, als er von Wenner Pharma angeheuert wird. Mehrere Kinder sind nach der Einnahme des Schmerzmittels Validolor schwer erkrankt, ein Mädchen stirbt sogar. Holm und seine Mitarbeiterin sollen den Pharmariesen vor dem Schlimmsten bewahren. Das einzige, was Holm fordert, ist ,,Die Wahrheit, zu jedem Zeitpunkt“. Dass er diese allerdings nicht oder nur scheibchenweise von den Konzernchefs, aber auch von den Mitarbeitern bekommt, wird Holm sehr schnell klar. Als dann auch noch eine Mitarbeiterin verschwindet und ein weiterer Wenner-Angestellter tot aufgefunden wird, ermittelt Holm teilweise auch ohne Wissen des Konzerns.
Mats Holm und Laura May sind an sich sympathische Charaktere, die durch ihr Metier allerdings in die Nähe der unsauberen Machenschaften des Pharmakonzern rücken. Immerhin verdienen sie ihr Geld ja damit, PR-Schaden von Wenner abzuwenden, obwohl diese die Krise ja offensichtlich selbst verschuldet haben.
Etwas Einblick bekommt man in Holms Privatleben, allerdings eher in kleinen Häppchen und Andeutungen. Offenbar hält er es privat mit der Wahrheit auch nicht so hundertprozentig genau. Seiner Tochter verschweigt er seit Jahren die Hintergründe, die zum Tod ihrer Mutter geführt haben. Hier lässt der Autor offensichtlich noch Raum für einen Folgeband.
Die Handlung ist spannend, aus einer interessanten und originellen Sichtweise erzählt. Immer wieder kommt es zu überraschenden Wendungen. Besonders das Ende hat es nochmals in sich.

Veröffentlicht am 16.04.2018

Eher enttäuschend

NACHTWILD
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Joan und ihr vierjähriger Sohn Lincoln sind nach einem erfüllten Tag im Zoo gerade auf dem Heimweg. Doch als sie in Richtung Ausgang gehen, fallen Schüsse und es gibt Tote. Joan reagiert instinktiv und ...



Joan und ihr vierjähriger Sohn Lincoln sind nach einem erfüllten Tag im Zoo gerade auf dem Heimweg. Doch als sie in Richtung Ausgang gehen, fallen Schüsse und es gibt Tote. Joan reagiert instinktiv und versteckt sich mit ihrem Sohn in einem Tiergehege. Zunächst bekommt sie per Handy über ihren Mann, der sich außerhalb des Zoos befindet, noch ein paar Informationen. Doch aus Sicherheitsgründen wirft sie das Handy bald weg und ist dann nur noch auf sich allein gestellt. Ihren vierjährigen Sohn ruhig zu stellen, ohne ihm allzu viel Angst einzujagen, ist eine besondere Herausforderung für die Mutter.
Die Handlung beginnt viel versprechend, ein Zoo als Schauplatz eines Verbrechens bietet interessante Umsetzungsmöglichkeiten für die Geschichte. Leider wird man als Leser aber seitenweise mit Joans Gedanken und Erinnerungen oder mit den Heldenspielchen ihres Sohnes gelangweilt. Zwischendurch kommt nochmals etwas Dynamik auf, als weitere Personen, auch einer der Täter, ins Spiel kommen. Doch auch dies flacht leider zu schnell wieder ab.
Zwar kann man Joans Lage, ihre Gedanken und Gefühle gut nachvollziehen, doch fesseln konnte mich der ,,Thriller“ dadurch nicht besonders. Schade, dass die Chancen, die das Zoo-Setting bieten, nicht besser genutzt wurden.

Veröffentlicht am 12.04.2018

Schuld und Rache

Spreewaldrache
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Wursten als teambildende Maßnahme? Eine originelle Idee, die aber nicht allen bei der Kripo Lübbenau wirklich gefällt. Und so wünscht sich Kriminalobermeisterin Klaudia Wagner schon bald, doch lieber ...



Wursten als teambildende Maßnahme? Eine originelle Idee, die aber nicht allen bei der Kripo Lübbenau wirklich gefällt. Und so wünscht sich Kriminalobermeisterin Klaudia Wagner schon bald, doch lieber ermitteln zu können – was sie kurz darauf auch darf bzw. muss. Ein Junge wird blutüberströmt auf einer kleinen Spreewaldinsel aufgefunden. Er wurde brutal niedergeschlagen und kann sich an nichts erinnern. Oder verheimlicht er etwas? Bald finden Klaudia und ihre Kollegen heraus, dass eine alte Familienfehde, die schon Jahrzehnte zurückreicht, eine Rolle spielt. Zwei alteingesessene Fähr-Familien sind eng miteinander verflochten durch eine heimliche Liebesbeziehung, ein uneheliches Kind und ein Unglück, für das sich die Familien bis heute gegenseitig die Schuld zuweisen.
Als kurz darauf die Leiche eines Obdachlosen in einer Datsche gefunden wird, deutet alles darauf hin, dass auch er irgendwie in die Familiengeschichte verwickelt ist.
Der Spreewald wird hier in einer melancholischen, düsteren und geheimnisvollen Atmosphäre präsentiert. Das Geschehen findet häufig nachts, im Nebel statt, wo sich so mancher Beteiligte auch der Wasser- und Schleichwege bedient, um ungesehen von einem Ort zum anderen zu kommen. Das erschwert natürlich auch die Ermittlungen der Kripo Lübbenau. Dennoch ergibt sich aus den einzelnen Puzzleteilen nach und nach ein Gesamtbild, das eine tragische Geschichte voller düsterer Familiengeheimnisse, verdrängter Schuld und unerfüllter Hoffnungen zeigt.
Klaudia Wagner eckt durch ihr manchmal undiplomatisches Verhalten gelegentlich an, bei den Kollegen, aber auch beim Leser, der ihre Entscheidungen und ihre Art nicht immer nachvollziehen kann. Hilfreich ist, wenn man Klaudia Wagner und ihre Vorgeschichte, die sie in den Spreewald geführt hat, aus den Vorgängerbänden kennt.

Veröffentlicht am 05.04.2018

Melancholisch und poetisch

Lied der Weite
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Als die siebzehnjährige, schwangere Victoria Roubideaux von ihrer Mutter vor die Tür gesetzt wird, nimmt sie ihre Lehrerin Maggie Jones zunächst bei sich auf. Doch Maggie hat auch ihren demenzkranken ...



Als die siebzehnjährige, schwangere Victoria Roubideaux von ihrer Mutter vor die Tür gesetzt wird, nimmt sie ihre Lehrerin Maggie Jones zunächst bei sich auf. Doch Maggie hat auch ihren demenzkranken Vater zu pflegen, und so überredet sie die beiden alten Brüder McPheron, Victoria auf ihrer Farm aufzunehmen. Für die beiden über Siebzigjährigen eine echte Herausforderung, haben sie doch immer nur zusammen, ohne Frau im Haushalt gelebt und kennen sich auch besser mit Vieh als mit Menschen aus.
Der leider 2014 verstorbene Autor Kent Haruf erzählt geradlinig, unprätentiös, fast schon sachlich. Doch hinter dem scheinbar einfachen Erzählstil offenbart sich eine ganz eigene Poesie. Die Menschen in Kent Harufs Roman wirken oft einsam, melancholisch. Dennoch funkeln immer wieder hoffnungsfrohe und komische Momente auf.
Herzzerreißend, gerade durch die nüchterne Sachlichkeit, wirkt z.B. der Moment, als Victoria nach der Schule nach Hause kommt und ihre Mutter ihr einfach die Tür nicht mehr öffnet. Großartig dagegen der Moment, als die Brüder McPheron mit dem schwangeren Mädchen über Getreide und Schweinebäuche sprechen, nur um Konversation zu betreiben und ihr – auf ihre Art - Geborgenheit zu vermitteln.
Tom Guthrie, Lehrerkollege von Maggie Jones, lebt allein mit seinen zwei Söhnen, nachdem die schwer depressive Mutter die Familie verlassen hat. Ergreifend wird in kleinen Szenen geschildert, wie die beiden neun- und zehnjährigen Jungen mit diesem Verlassenwerden umgehen. Während Maggie Jones und Tom Guthrie sich näher kommen, lernt Victoria behutsam, ihren eigenen Weg zu gehen.
Die kurzen, episodenhaften Kapitel, die jeweils andere Figuren ins Zentrum rücken, wirken wie Ausschnitte aus einem Mosaik, das erst nach und nach zu einem bedeutsamen Ganzen zusammenwächst. Ein stiller, oft traurig-melancholischer Roman, der bewegend und poetisch von Menschlichkeit, Güte, Freundschaft und Liebe erzählt.