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Veröffentlicht am 05.07.2020

Lost ist angekommen

Schwarzer August
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Sein Name ist Programm - Leander Lost wirkt immer etwas verloren in der normalen Welt. Er als Asperger versteht weder Ironie noch Zwischentöne, wodurch er zu Beginn seines Austauschaufenthalts bei der ...


Sein Name ist Programm - Leander Lost wirkt immer etwas verloren in der normalen Welt. Er als Asperger versteht weder Ironie noch Zwischentöne, wodurch er zu Beginn seines Austauschaufenthalts bei der portugiesischen Polícia Judicária in Faro ziemlich angeeckt ist und was auch jetzt noch zu teils aberwitzigen Dialogen führt. Inzwischen haben sich die Kollegen aber an seine Merkwürdigkeiten gewöhnt und ihn als brillanten Ermittler schätzen gelernt. Dazu hat auch Soraia, die Schwester von Losts Kollegin Graciana Rosado entscheidend beigetragen. Sie hat sich unsterblich in den seltsamen Deutschen verliebt und kann sein Verhalten akzeptieren und verstehen. Aus diesem Grund ist sie zu Beginn des nunmehr 4. Bandes in Losts Villa eingezogen und die beiden Verliebten genießen ausgiebig ihre Zweisamkeit. Doch da explodiert im Hinterland der Algarve eine Autobombe, was es in der Region noch nie zuvor gab. Eine kleine Bankfiliale wurde in die Luft gesprengt, glücklicherweise aber an einem Sonntag, sodass niemand zu schaden kam. Merkwürdigerweise wurde die Bank aber auch nicht ausgeraubt. Kurz darauf werden drei Thunfisch-Trawler in die Luft gesprengt. Wieder kommt niemand zu Schaden. Allerdings taucht ein Manifest auf, das sich unter anderem gegen die Ausbeutung der Meere richtet. Lost und seine Kollegen ermitteln und stoßen auf einen Täter, der mit seinen rätselhaften Bekennerschreiben die Polizei herausfordert. Offensichtlich geht es dem Täter um Gerechtigkeit, Bloßstellung von Ausbeutern und deren Gier. Immer wieder kreuzt dabei der Journalist Julio Moreno die Wege der Ermittler. Obwohl er verdächtig ist, fühlt sich Graciana Rosado unwiderstehlich zu ihm hingezogen....
Auch in diesem 4. Fall verknüpft der deutsche Autor mit portugiesischem Pseudonym einen spannenden und abwechslungsreichen Fall mit der leicht melancholischen Atmosphäre der Region und setzt familiäre und freundschaftliche Bande zwischen den Kollegen der Polícia Judicária geschickt in Szene. Ein wunderbarer Krimi, der gut unterhält, Lust auf ein Glas Vinho Verde und Urlaub an der Algarve macht.

Veröffentlicht am 04.07.2020

Spannend, aber auch klischeehaft

Der Fahrer
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In Hamburg wird eine junge Frau tot aufgefunden, deren Gesicht mit Leuchtfarbe angemalt wurde. Schon bald werden weitere junge Frauen entführt und - nach Ablauf eines Ultimatum - ermordet. Immer handelt ...



In Hamburg wird eine junge Frau tot aufgefunden, deren Gesicht mit Leuchtfarbe angemalt wurde. Schon bald werden weitere junge Frauen entführt und - nach Ablauf eines Ultimatum - ermordet. Immer handelt es sich um junge Frauen, die nachts unterwegs waren. Auf ihren Autos und auch an anderen Stellen finden sich Hashtags in derselben Leuchtfarbe, mit denen auch ihre Gesichter angemalt wurden. Eine weitere Gemeinsamkeit der Opfer ist, dass sie häufig auf Instagram unterwegs waren und regelmäßig recht freizügige Fotos von sich gepostet haben. Und so finden sich in den Instagram-Accounts der Opfer Nachrichten des Täters, z.B. #findemich und ein 24-Stunden-Ultimatum an die Polizei. Einige der jungen Frauen waren zuvor mit dem neuen Fahrdienst MyDriver unterwegs. Kommissar Jens Kerner und seine Kollegen ermitteln und gehen verdächtigen Fahrgästen und Fahrern des Unternehmens nach. Merkwürdigerweise haben fast alle verdächtigen Personen in irgendeiner Art und Weise mit Jens Kerner zu tun, sodass er und sein Team bald davon überzeugt sind, dass der Täter Kerner persönlich im Visier hat. Offenbar will der Täter die Inkompetenz der Polizei und speziell die von Kerner öffentlich machen.

Der Krimi ist durchaus spannend, allerdings gibt es zahlreiche Spuren und Verdächtige, sodass man als Leser teils zu oft und zu offensichtlich in die Irre geführt wird.
Jens Kerner wirkt zu Beginn sehr abweisend und reserviert, obwohl sich seine Kollegin Becca sehr um ihn bemüht. Die Überraschungsparty, die sie zu seinem Geburtstag organisiert hat, verlässt er im Streit. Doch im Verlauf der Handlung gewinnt Kommissar Kerner an Sympathiepunkten, da er beharrlich jeder noch so kleinen Spur nachgeht, vor allem, als eine Kollegin seines Teams in die Fänge des Täters gerät.
Ingesamt bleiben die Figuren für meinen Geschmack aber etwas zu klischeehaft. Auch wenn das Privatleben im Krimi eine untergeordnete Rolle spielen soll, dürften die Protagonisten gerne etwas mehr Persönlichkeit und charakteristische Eigenheiten haben.

Veröffentlicht am 17.06.2020

Leichte Urlaubslektüre

Tod in Saint Merlot
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Die Britin Penelope Kite kehrt ihrer alten Heimat, ihrem Ex-Mann und ihren schon erwachsenen Stiefkindern den Rücken und besichtigt, zunächst eher aus einer Laune heraus, mit einer Maklerin ein altes ...



Die Britin Penelope Kite kehrt ihrer alten Heimat, ihrem Ex-Mann und ihren schon erwachsenen Stiefkindern den Rücken und besichtigt, zunächst eher aus einer Laune heraus, mit einer Maklerin ein altes Haus im Luberon. Obwohl das Haus stark renovierungsbedürftig ist, schreckt Penny dies nicht ab. Sie erwirbt ,,Le chant d'eau" und stellt sich in idyllischen Tagträumen ihr zukünftiges Leben in der malerischen Provence vor. Doch schon kurz nach ihre Einzug findet sie eine Leiche im Swimmingpool. Wie sich herausstellt, handelt es sich um den Vorbesitzer des Anwesens, der dieses wegen Spielschulden verkaufen musste. Die Polizei möchte den Fall schnell als Unfall zu den Akten legen. Doch Penny, die früher als Sekretärin eines Forensikers gearbeitet hat, erkennt Spuren, die eindeutig auf Mord hinweisen. So ermittelt sie auf eigene Faust, was aber sowohl der Polizei als auch dem Bürgermeister des Ortes gehörig auf die Nerven geht.
Der Krimi liest sich locker und vermittelt neben einigen amüsanten Situationen, die Penny mit ihrer ebenfalls britischen Freundin Frankie im vermeintlichen Urlaubsparadies erlebt, auch gut die Atmosphäre des Dorflebens im französischen Hinterland. Dabei werden allerdings auch einige Klischees bedient, wie z.B. die ständig Rosé trinkenden Engländer oder die immer überaus schicken und schlanken Französinnen.
Stellenweise erscheint die Handlung etwas überzogen oder unrealistisch. Trotz (oder wegen ?) ihres detektivischen Spürsinns und ihrer forensischen Erfahrung gerät Pennys in gefährliche und merkwürdige Situationen, die ihr gesunder Menschenverstand und eine bessere Menschenkenntnis wohl erspart hätten. Auch werden nicht alle Handlungsstränge schlüssig zu Ende geführt.
Für einen unterhaltsamen Krimi als Urlaubslektüre ist ,,Tod in Saint Merlot" aber durchaus geeignet.

Veröffentlicht am 15.06.2020

Gefährliche Flaschenpost

Sturmwand
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,,Sturmwand" ist ein spannender Krimi, der auf der kleinen Insel Chausey vor der Küste der Normandie spielt. Das raue Klima, die ursprüngliche Schönheit der Landschaft und die Menschen, die vom Inselleben ...


,,Sturmwand" ist ein spannender Krimi, der auf der kleinen Insel Chausey vor der Küste der Normandie spielt. Das raue Klima, die ursprüngliche Schönheit der Landschaft und die Menschen, die vom Inselleben geprägt sind, werden wunderbar in Szene gesetzt. Eine rätselhafte Mordserie, deren Opfer mit Hilfe einer Flaschenpost angekündigt werden, erschüttert die Insel und ruft Nicolas Guerlain, Personenschützer der französischen Regierung, auf den Plan. Doch er ist nicht nur Ermittler, sondern steht auch selbst auf der Opferliste.
Die Handlung ist sehr spannend, allerdings auch etwas komplex, da immer wieder Bezug auf die Vorgängerbände genommen wird. Deren Kenntnis erleichtert es, die Personenkonstellationen und diversen Konflikte schneller zu durchschauen.

Veröffentlicht am 04.06.2020

Spannend, trotz einiger Klischees

Dunkles Lavandou
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Die frühsommerliche Stimmung in Le Lavandou wird jäh unterbrochen, als unter einer Autobahnbrücke die Leiche einer jungen Frau gefunden wird. Zunächst weist alles auf einen Selbstmord hin. Die junge Frau ...

Die frühsommerliche Stimmung in Le Lavandou wird jäh unterbrochen, als unter einer Autobahnbrücke die Leiche einer jungen Frau gefunden wird. Zunächst weist alles auf einen Selbstmord hin. Die junge Frau war wohl von der Brücke in den Tod gesprungen und von einem LKW geradezu zermalmt worden. Doch der deutsche Pathologe Leon Ritter, der seit einigen Jahren in Le Lavandou lebt und arbeitet, findet heraus, dass die junge Frau schon vor dem Sprung tot war. Zudem weist die Leiche Verletzungen auf, die auf Folter und eine rituelle Tötung hinweisen. Doch Leon Ritters Verdacht nimmt außer seiner Lebensgefährtin Capitaine Isabelle Morell niemand so recht ernst. Immerhin geht der deutsche Rechtsmediziner mit seinen bisweilen recht eigenen Methoden den französischen Kollegen doch hin und wieder gehörig auf die Nerven! Bis wieder zwei junge Frauen verschwinden - und dieses Mal ist eine davon die Stieftochter des französischen Kultusministers. Neben dem Presserummel wird der Polizei von Le Lavandou auch noch ein Ermittler aus Paris vor die Nase gesetzt. Dieser ist natürlich nicht nur Isabelles ehrgeizigem Vorgesetzten Zerna ein Dorn im Auge. Er stört durch seine Inkompetenz nur die Ermittlungen und bringt sich selbst und andere in Gefahr.
Der Autor versteht es ausgezeichnet, das Städtchen Le Lavandou, seine Bewohner und die Region in ein besonderes Licht zu setzen. Man besucht gerne mit Leon Ritter die örtliche Bar, trinkt einen Rosé und fährt mit ihm im offenen Cabrio durchs malerische Hinterland.
Allerdings stört mich, dass Vorgesetzte meist als inkompetent, überehrgeizig und rechthaberisch dargestellt werden, besonders wenn sie dann auch noch aus einer größeren Stadt anreisen. Zudem scheint außer Leon Ritter kaum einer der Polizisten dazu in der Lage, Spuren korrekt zu deuten.
Der Fall an sich ist aber spannend, immer wieder werden andere Verdächtige ins Licht gerückt, sodass man sich mit dem Krimi trotz einiger Klischees gut unterhalten fühlt.