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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.02.2021

Besser als der Vorgänger

Goldtod
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Im 2. Fall der historischen Kriminalserie, die im Jahr 1889 in Berlin spielt, haben sich der Privatermittler Gabriel Landow und sein Kompagnon Orsini zur Privatdetektei ,,Orlando“ zusammengeschlossen. ...



Im 2. Fall der historischen Kriminalserie, die im Jahr 1889 in Berlin spielt, haben sich der Privatermittler Gabriel Landow und sein Kompagnon Orsini zur Privatdetektei ,,Orlando“ zusammengeschlossen. Auch privat wohnen sie in einer Art WG zusammen, was aber mehr schlecht als recht funktioniert. Immerhin kann Orsini mit seinem zweiten Standbein, nämlich dem des Trickdiebs, die beiden über Wasser halten. Beruflich läuft es allerdings auch nicht rund, da die beiden Ermittler keinen Fall haben. Da trifft es sich gut, dass die schöne Frau Philippi, die in der Beletage des Hauses wohnt, Orsini damit beauftragt, nach ihrem verschwundenen Sohn zu suchen. Dieser taucht schon bald wieder auf, verweigert allerdings die Sprache. Und Herrn Philippi ist sehr viel daran gelegen, dass die Ermittlungen der Detektei Orlando sofort eingestellt werden.
Landow dagegen mischt sich ungefragt in den Fall eines prominenten Bankiers ein, der wie ein großes, blutiges X im Schlosspark von Charlottenburg aufgehängt wurde. Er erhofft sich, so seiner Detektei zu einem Fall zu verhelfen. Dabei nutzt er die Polizeisekretärin E. Runge als Informantin, die wiederum Landow für ihre Zwecke einzuspannen weiß. Damit ist Landow der Polizei meist ein paar Schritte voraus. Doch als er auf einen exklusiven Kreis stößt, dessen Mitglieder sich neben antiker Lyrik gerne von nackten, goldigen Engelchen unterhalten lassen, gerät er in tödliche Gefahr.
Auch im 2. Band um die beiden unkonventionellen Ermittler wird die Atmosphäre im Berlin der Kaiserzeit lebendig und anschaulich vermittelt. Gabriel Landow ist nicht mehr ganz so verwahrlost wie im ersten Teil ,,Eisenblut“, sondern hat offenbar etwas mehr Kontrolle über sein Leben, was ihn noch sympathischer macht.
Auch die Handlung ist etwas straffer und mit weniger Nebenhandlungen und Personen ausgestattet, sodass mir der 2. Band noch besser gefällt als der Vorgänger.

Veröffentlicht am 05.02.2021

Sprich mit mir

Sprich mit mir
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T.C. Boyle ist der Meister der Erzählkunst und der schrägen, aber immer interessanten Themen.
In ,,Sprich mit mir“ geht es um das Verhältnis zwischen Menschen und Menschenaffen, aber auch um viel mehr.
Der ...

T.C. Boyle ist der Meister der Erzählkunst und der schrägen, aber immer interessanten Themen.
In ,,Sprich mit mir“ geht es um das Verhältnis zwischen Menschen und Menschenaffen, aber auch um viel mehr.
Der Schimpanse Sam wird von dem Professor Guy Schemerhorn und seinen Assistenten wie ein Kind aufgezogen. Damit will der Wissenschaftler erforschen, wie weit die Kommunikation zwischen Mensch und Tier gelingt und zu welchen kognitiven Leistungen der Schimpanse in der Lage ist.
Tatsächlich kann Sam in Gebärdensprache sagen, was er gerne essen möchte, am liebsten Pizza oder Cheeseburger, aber auch, wie er heißt oder sogar, dass ihm etwas Leid tut.
Als die schüchterne Studentin Aimee, die ziel- und antriebslos ihr Studium absolviert, Sam und Professor Schemerhorn in einer TV-Show sieht, ist sie völlig fasziniert. Sie bewirbt sich als Assistentin für Sams Pflegfamilie und Schemerhorn erkennt sofort, dass Aimee ideal ist für seine Zwecke. Schon bei der ersten Begegnung mit dem Schimpansen wird deutlich, dass sich zwischen ihm und Aimee eine einzigartige Beziehung entwickelt. Aimee ist auch schnell bereit, ihr Studium auf Eis zu legen und sich voll und ganz der Betreuung von Sam zu widmen. Und bald ist sie auch Guy Schemerhorns Geliebte.
Als nach einigen Jahren aber die Forschung Schemerhorns für die Wissenschaft nicht mehr interessant ist, wird Sam für Tierexperimente an seinen ursprünglichen Besitzer ausgeliefert. Für Aimee bricht eine Welt zusammen und sie ist bereit, mit allen Mitteln um Sam zu kämpfen.
Mich hinterlässt das Buch mit zwiespältigen Gefühlen. Sam schließt man sofort ins Herz, was auch daran liegt, dass Passagen aus seiner Perspektive geschildert werden. Doch die Erziehung Sams zu einem ,,Menschenkind“ wirkt verstörend, wenn man liest, wie er fernsieht, Süßigkeiten und Pizza isst und die Menschen um ihn herum mal mit seinen Gebärdensätzen erfreut, sie dann mit seinem wilden und tierischen Verhalten wieder völlig schockiert. Auch wenn dieses Experiment anders geartet ist als übliche Tierexperimente, ist es doch wieder der Mensch, der andere Kreaturen für seine Zwecke nutzt und missbraucht.
Ein unterhaltsames, manchmal witziges, aber auch sehr nachdenklich stimmendes und trauriges Buch.

Veröffentlicht am 25.01.2021

Scheitern als Chance

Miss Bensons Reise
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Wie schon in »Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry« begibt sich auch hier eine zunächst wenig heldenhafte Figur auf eine außergewöhnliche Reise, die ihr Leben verändert.
Die etwas schrullige ...

Wie schon in »Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry« begibt sich auch hier eine zunächst wenig heldenhafte Figur auf eine außergewöhnliche Reise, die ihr Leben verändert.
Die etwas schrullige Hauswirtschaftslehrerin Margery Benson verbringt ihren Alltag mit dem Unterrichten von Schülerinnen, die sich nicht für ihr Fach und schon gar nicht für sie interessieren. Auch in ihrem Privatleben gibt es wenig Abwechslung und kaum soziale Kontakte. Als sich aber eines Tages die Schülerinnen über sie lustig machen, packt sie die Wut. Sie schmeißt alles hin und beschließt, ihren großen, schon fast vergessenen Traum zu verwirklichen. Ihr Vater hatte ihr, als sie klein war, in einem Naturkundebuch den goldenen Käfer gezeigt, den es nur in Neukaledonien geben soll. Diesen Käfer will Margery Benson nun finden und sie macht sich auf zu einer Expedition ans andere Ende der Welt, ohne jegliche Reise- oder Expeditionserfahrung. Als Reisebegleitung muss sie mit der aufreizenden und ständig plappernden Enid Pretty Vorlieb nehmen, da alle anderen Bewerber nicht in Frage kommen und Margery ja schließlich eine Assistentin braucht. Schon auf der Schiffreise nach Australien gehen die beiden sich gehörig auf die Nerven, streiten sich, versöhnen sich aber auch wieder. In Neukaledonien angekommen lernt die eine von der anderen und zwischen den beiden sehr ungleichen Frauen entwickelt sich eine wunderbare Freundschaft. Immer dann, wenn die andere den Mut verliert oder nicht mehr weiter weiß, ergreift die andere die Initiative und überrascht damit wohl nicht nur den Leser, sondern offenbar auch sich selbst.
Auch wenn man oft genug schmunzeln und sogar herzhaft lachen kann, gibt es auch reichlich nachdenkliche oder traurige Momente in ,,Miss Bensons Reise.“ Am Ende packt einen das wunderbare Gefühl, dass man seine auf Eis gelegten Träume schleunigst hervorholen und in die Tat umsetzen sollte.

Veröffentlicht am 22.01.2021

Eigenwillig

Totenwinter
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Die junge Journalistin Tuva Moodyson verbringt ihre letzten Arbeitstage im eiskalten, nordschwedische Gavrik. In einigen Tagen will sie in südlichen und weitaus wärmeren Gefilden ihre neue Stelle antreten. ...

Die junge Journalistin Tuva Moodyson verbringt ihre letzten Arbeitstage im eiskalten, nordschwedische Gavrik. In einigen Tagen will sie in südlichen und weitaus wärmeren Gefilden ihre neue Stelle antreten. Doch anstelle von Abschiedsparties geht es für Tuva noch einmal voll zur Sache.
Der Besitzer der lokalen Lakritzfabrik stürzt vor den Augen seiner Mitarbeiter vom Fabrikkamin aus in den Tod. Zunächst deutet alles auf Suizid hin, doch Tuva glaubt nicht daran, denn auch sie war Zeigin des Unglücks und meint, Panik bei dem Fabrikbesitzer erkannt zu haben.
Auch die sehr zurückgezogen lebende Familie des Fabrikanten scheint vor irgendetwas große Angst zu haben. Nur kurze Zeit später wird auf dem Fabrikgelände eine weitere Leiche gefunden. Tuva recherchiert, allerdings nicht nur als Journalistin, sondern auch, weil sie ihren letzten Fall vor ihrem Abschied erfolgreich zu Ende bringen will. Außerdem wird sie von einem Schriftsteller angeheuert, Interviews mit der Fabrikantenfamilie zu führen, da er ein Buch über die Geschichte der Lakritzdynastie veröffentlichen will. Tuva findet Zugang zu den sehr eigenen und skurrilen Frauen allerdings gerät sie dabei auch in höchste Gefahr.
Die Journalistin Tuva Moodyson, ist eine interessante Figur – willensstark, eigensinnig, offenbar an beiden Geschlechtern interessiert und außerdem noch gehörlos, was sie in manchen Situationen in Gefahr bringt. Andererseits kann sie so den Vorteil nutzen, dass sie Lippen lesen kann. Auch die eisig-kalte, winterliche Atmosphäre Nordschwedens wird eindrucksvoll und anschaulich geschildert. Die Handlung wirkt allerdings stellenweise recht konstruiert und nicht immer ganz nachvollziehbar Auch gibt es recht häufig Rückverweise auf den ersten Band ,,Totenstille“, weshalb man diesen gelesen haben sollte, um so manche Situation oder Figur besser zu verstehen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.01.2021

Zu viele Nebenfiguren

Tod eines Eisfischers
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Auf der idyllischen Insel Smögen passiert selten mehr als ein kleiner Diebstahl oder ein Streit unter Nachbarn. Das ist dem Ermittler Dennis Wilhelmson eigentlich ganz recht. Immerhin hat er früher bei ...


Auf der idyllischen Insel Smögen passiert selten mehr als ein kleiner Diebstahl oder ein Streit unter Nachbarn. Das ist dem Ermittler Dennis Wilhelmson eigentlich ganz recht. Immerhin hat er früher bei einer Eliteeinheit in Göteborg gearbeitet und sich aus guten Gründen zurückgezogen.
Als ein Forschungsschiff mit dem berühmten Meeresbiologen Kaj Malmberg in Smögen anlegt, ist dies ein großes Ereignis für die Insel. Zudem soll Malmberg auch noch in einem großen Festakt ein wichtiger Forscherpreis verliehen werden. Doch Malmberg wird in seiner Kabine brutal erstochen. Dennoch findet die Feier am Abend statt, selbst die Expedition ins Nordmeer soll weitergeführt werden. Nicht nur die Forscher, selbst die Besatzung drängt auf eine Weiterfahrt. Für Dennis Wilhelmson und seine Kollegin Sandra Haraldsson ist dies eine völlig unverständliche und gefährliche Entscheidung der Behörden, da ihrer Meinung nach der Täter noch mit an Bord ist.
Die Spannung wird geschickt gesteigert, da immer wieder die Perspektive gewechselt wird und das Geschehen aus Sicht anderer mehr oder weniger beteiligten Figuren beschrieben wird. Auch rücken so immer wieder andere Verdächtige in den Fokus. Allerdings sind diese weiteren Figuren so zahlreich, dass man selbst mit Kenntnis des Vorgängerbandes ,,Mord in den Schären“ stellenweise den Überblick verliert, wer nun eigentlich mit wem und wie verbandelt ist. Zusätzlich gibt es eine zweite Zeitebene, die 1941 spielt und das harte Leben einer Fischerfamilie veranschaulicht.
Ein unterhaltsamer Krimi, dem meiner Ansicht nach aber ein paar Nebenfiguren und Nebenhandlungen weniger gut tun würde.