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Veröffentlicht am 05.04.2020

Alte Schuld

Pandora
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,,Pandora" ist der Beginn einer Krimi-Reihe über die Nachkriegszeit in Berlin.

1948 ist Berlin noch deutlich vom Krieg gezeichnet und die Trennung in Ost- und Westsektor ist nicht nur eine räumliche, ...


,,Pandora" ist der Beginn einer Krimi-Reihe über die Nachkriegszeit in Berlin.

1948 ist Berlin noch deutlich vom Krieg gezeichnet und die Trennung in Ost- und Westsektor ist nicht nur eine räumliche, sondern auch eine, die die Bevölkerung spaltet.
Hans-Joachim Stein kehrt nach 15 Jahren als Ermittler bei Scotland Yard in seine Heimatstadt Berlin zurück. Dort arbeitet er als Kommissar an der neu gegründeten Mordinspektion des Westteils der Stadt. Als ,,Engländer", der den Krieg nicht in Deutschland erlebt hat, dazu immer elegant gekleidet, höflich und attraktiv, begegnen ihm die Kollegen mit Vorurteilen und Misstrauen. Außerdem kommt noch hinzu, dass Hans-Joachim Steins Vater ein hohes Tier bei der Polizeidirektion Ost ist, sodass er zudem noch dem Verdacht ausgesetzt ist, ein Spion seines Vaters zu sein.
Steins erster Fall führt ihn ins Milieu der Prostituierten und der feinen Herren, die die Dienste der Damen in Anspruch nehmen. Ein bekannter Schieberkönig wurde brutal ermordet, kurz darauf passiert ein Mord mit deutlichen Parallelen. Stein und sein etwas hemdsärmeliger Kollege Max Wuttke ermitteln, doch nicht nur Steins Vorgesetzter Krüger versucht, die Ermittlungen zu behindern. Parallel dazu geht Hans-Joachim Stein dem Schicksal von fünf Frauen aus einer psychiatrischen Klinik nach, die offenbar erst nach Kriegsende ermordet wurden. Auch hier werden Steins Ermittlungen vor allem durch seinen Vorgesetzten blockiert, doch das motiviert Stein umso mehr, seine Nachforschungen hartnäckig voranzutreiben.
Als Fremder in seiner Heimatstadt hat Hans-Joachim Steins eine ganz eigene Perspektive auf das Geschehen. Sein Blick ist nicht von alter Schuld und Verstrickung getrübt, aber auch kein Blick des Außenstehenden, des Feindes. Durch seine konfliktreiche Beziehung zu seinem Vater, aber auch seine Schwäche für das weibliche Geschlecht, wird Stein menschlich, sympathisch und nicht allzu sehr als Held dargestellt. Allerdings sind manche Figuren doch sehr schwarz-weiß dargestellt, wie z.B. Steins Vorgesetzter. Auch die Frauen dürfen nur eine eher klischeehafte Rolle spielen. Dennoch ist ,,Pandora" ein interessanter uns spannender Krimi und man darf auf die Fortsetzung gespannt sein.

Veröffentlicht am 03.04.2020

Win-Win-Situation

Rote Kreuze
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Zu Beginn der Lektüre begleitet man den 30-jährigen Alexander beim Bezug einer neuen Wohnung. Die Maklerin macht ihm die Wohnung damit schmackhaft, dass auf seinem Stockwerk nur eine alleinstehende 90-jährige ...

Zu Beginn der Lektüre begleitet man den 30-jährigen Alexander beim Bezug einer neuen Wohnung. Die Maklerin macht ihm die Wohnung damit schmackhaft, dass auf seinem Stockwerk nur eine alleinstehende 90-jährige Frau lebt, die an Alzheimer leidet. Doch Alexander ist wortkarg bis hin zur Unhöflichkeit. Nur aus einzelnen Andeutungen erfährt man, dass er eine dreimonatige Tochter hat, er aber allein in der Wohnung mit ihr leben wird. Man ahnt, dass ihn ein schwerer Schicksalsschlag getroffen hat.
Seine neue Nachbarin, Tatjana Alexejewna, versucht freundlich zu Alexander zu sein und ihn in Gespräche zu verwickeln, was dieser zunächst rüde abweist. Noch versteht man als Leser nicht, warum Alexander sich so schroff verhält. Doch nach und nach öffnet er sich und Tatjana, die immer vergesslicher wird, erzählt ihm ihre Lebensgeschichte, eben damit diese nicht in Vergessenheit gerät. Da Tatjana Alexejewna 1910 geboren wurde, umfasst ihr Leben fast das ganze 20. Jahrhundert. Und was sie in Russland, im Krieg, während der Stalinzeit, aber auch später erlebt hat, erfährt Alexander, und somit auch der Leser nach und nach. Und trotz aller Schrecken und unvorstellbaren Ungerechtigkeiten ist Tatjana Alexejewna keine gebrochene Frau, sondern eine Kämpfernatur, die weiß, dass Gott Angst hat vor ihr. ,,Zu viele unangenehme Fragen kommen da auf ihn zu." (S: 11)
Allmählich schließen Alexander und die alte Frau Freundschaft, und je mehr der junge Mann von Tatjanas Lebensgeschichte erfährt, desto mehr scheint er sich auch mit seinem persönlichen Schicksal zu arrangieren.
Schwierig an diesem Roman fand ich die sehr nüchterne, sachliche Darstellungsweise, die durch die Einbindung von authentischen Dokumenten noch verstärkt wurde.
,,Rote Kreuze" ist ein Roman, der weniger durch Emotionen als durch eine starke Protagonistin und eine wichtige Thematik überzeugen kann.

Veröffentlicht am 24.03.2020

Freundschaft auf den zweiten Blick

Das kann uns keiner nehmen
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Der sensible, zurückhaltende und vermeintlich tolerante und weltoffene Hans macht sich auf, den Kilimandscharos zu besteigen. Dort will er aber nicht nur den Gipfel erreichen, sondern auch noch im Krater ...




Der sensible, zurückhaltende und vermeintlich tolerante und weltoffene Hans macht sich auf, den Kilimandscharos zu besteigen. Dort will er aber nicht nur den Gipfel erreichen, sondern auch noch im Krater die Nacht verbringen. Mit dieser Reise will er mit sich und seiner Vergangenheit endlich ins Reine kommen. Offenbar hat er mit dem Berg, oder sogar mit ganz Afrika, noch eine persönliche Rechnung offen.
Doch obwohl normalerweise niemand im Krater nächtigt, steht dort bereits ein Zelt, und mit ihm ,,der Tscharli", ein von sich selbst eingenommener, lauter und aufdringlicher Ur-Bayer. Für Hans ein Alptraum! Doch der Schneesturm in der Nacht, der auch den Trägern und Reisebegleitern unheimlich ist, bringt die beiden zusammen , wenn auch von Hans Seite aus nur äußerst widerwillig. Doch so unsympathisch, respektlos und abstoßend Tscharli auch zunächst wirkt, so schafft er es doch, die Menschen um ihn herum in seinen Bann zu ziehen. Mit seinem Bayrisch-Phantasie-Suahelie hat er immer die Lacher auf seiner Seite, bekommt das, was er will und setzt sich, auch in Konfliktsituationen, durch. Und er kann das Leben in vollen Zügen genießen, alles Dinge, die Hans bisher im Leben nicht gelernt hat. Als dieser merkt, dass Tscharlie schwer krank ist und nur noch einmal richtig Spaß haben will, bevor es zu Ende geht, schließt Hans sich ihm auf eine abenteuerliche gemeinsame Reise an, die auch ihm ganz neue Horizonte eröffnet.
Die Geschichte einer Freundschaft auf den zweiten Blick ist berührend, traurig und witzig zugleich, allerdings nicht immer angenehm und unterhaltsam zu lesen. Tscharlies Redewendungen, die Hans allmählich übernimmt, nerven, auch wenn sich in ihnen eine gewisse Lebensweisheit manifestiert. Tscharlies Verhalten wirkt, auch nachdem Hans ihm einen gewissen Respekt zollt, nicht weniger unsympathisch bis teils sogar ekelhaft.
,,Das kann uns keiner nehmen" ist eine interessante Geschichte über Lebenslügen und Lebensweisheiten, Liebe und Freundschaft, die kein klischeehaftes Bild von Afrika zeigt, sondern eher das alltägliche Leben in verschiedenen Facetten.

Veröffentlicht am 12.03.2020

Unkonventionelle Ermittlerin

Doggerland. Tiefer Fall
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Weihnachten stellt für Karen Eiken Hornby eine besondere Herausforderung dar. Nach dem letzten Fall ist sie noch nicht wieder ganz auf der Höhe und noch immer krank geschrieben. Zu den Festtagen hat sie ...


Weihnachten stellt für Karen Eiken Hornby eine besondere Herausforderung dar. Nach dem letzten Fall ist sie noch nicht wieder ganz auf der Höhe und noch immer krank geschrieben. Zu den Festtagen hat sie das Haus voller Leute, neben einigen guten Freunden auch ihre anstrengende Mutter und deren neuer Partner, außerdem Sigrid Smeed, die schwierige Tochter ihres Chefs, die sich Karen nach dem letzten Fall als eine Art Ersatzmutter ausgesucht hat, und den früher wohnsitzlosen Leo. ,,Wann wurde aus meinem Zuhause ein Zufluchtsort für alle Heimatlosen?", fragt sich Karen entnervt. Doch dabei erkennt man schon ihr gutes Herz für schwierige oder unangepasste Menschen, aber auch ihr eigenes Problem, Menschen nah an sich heranzulassen.
Als dann ihr Chef, Jounas Smeed, sie zu einem Fall auf Noorö, der nördlichsten Insel von Doggerland, ruft, da fast alle anderen Kollegen erkrankt sind, ist Karen sehr erleichtert und froh, dem Weihnachtsrummel bei sich zu Hause entkommen zu können.
Auf Noorö wurde der ehemalige Lehrer Fredrik Stuub tot aufgefunden und bald wird deutlich, dass es kein Unfall war. Für Karen bedeuten die Ermittlungen auf Noorö auch eine Reise in die Vergangenheit, da sie als Kind sehr häufig die Ferien bei der Verwandtschaft ihres Vaters verbracht hat. Doch auch Tante Ingeborg und ihre Söhne scheinen in den Fall verwickelt zu sein, sodass Karen zwischen privaten und polizeilichen Entscheidungen abwägen muss.
Als ein weiterer Mord geschieht, wird deutlich, dass es eine Verbindung zur örtlichen Whiskydestillerie gibt, die gerade dabei ist, kräftig zu expandieren.

Neben dem originellen Schauplatz, den fiktiven Doggerlands, die englisch-skandinavisch-niederländisch geprägt sind und durch den Inselstatus einen besonderen Charakter aufweisen, ist Karen Eiken Hornby in ihrer teils etwas harschen, coolen, aber immer auch sympathischen Art das große Plus dieser Reihe. Durch ihre tragische Vergangenheit wird ihr teils unsoziales Verhalten nur allzu verständlich. Karens Ungeduld und Sarkasmus spiegeln sich in den, wie ich finde, sehr unterhaltsamen Dialogen wider. Der Fall ist gut konstruiert, Spannung und Dynamik werden zwar langsam, zum actionreichen Ende hin aber deutlich aufgebaut.
Unbedingt empfehlenswert!

Veröffentlicht am 11.03.2020

Solider und spannender 5. Fall

Vermisst
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In diesem 5. Fall der im geheimnisvollen Spreewald angesiedelten Reihe ist die inzwischen zur Kriminalobermeisterin beförderte Klaudia Wagner persönlich betroffen. Als sie in einer regnerischen Nacht ...



In diesem 5. Fall der im geheimnisvollen Spreewald angesiedelten Reihe ist die inzwischen zur Kriminalobermeisterin beförderte Klaudia Wagner persönlich betroffen. Als sie in einer regnerischen Nacht von ihrem pflegebedürftigen Vater heimfährt, nimmt ihr bei Lübbenau ein unbeleuchtetes Auto die Vorfahrt, Klaudia kann zwar gerade noch ausweichen, überfährt dabei aber eine Frau. Nach dem ersten Schock kommt dann aber die rätselhafte Überraschung: die Frau war schon tot! Es handelt sich um die junge Jennifer Böseke, die, wie man vermutete, vor zwei Jahren von ihrem Freund Thorsten im Drogenrausch ermordet wurde. Obwohl man nie eine Leiche gefunden hatte, wurde der vermeintliche Mörder verurteilt und sitzt noch immer im Gefängnis.
Da Klaudia Wagner als befangen gilt, ermittelt und recherchiert sie auf eigene Faust. Dabei stößt sie auf Manuela Strahl, die ihren Lebensunterhalt mit Kräutern, Salben und Tees bestreitet und als Spreewaldhexe, also eine Art Seherin gilt. Nebenbei vermietet sie, im Moment an den Studenten Mike, der ein Praktikum in der örtlichen Apotheke absolviert. Doch seit der Unglücksnacht wird Mike vermisst und auf seinem Handy findet sich eine
rätselhafte Nachricht. Klaudia stößt auf dunkle Geheimnisse, zahlreiche Verdächtige und Motive und bringt sich selbst in große Gefahr.
Im nunmehr 5. Fall mit Klaudia Wagner bietet der Spreewald wieder eine mystische und düstere Kulisse für einen soliden und spannenden Kriminalfall. Man muss die Vorgängerbände nicht unbedingt gelesen haben, allerdings erleichtert es das Verständnis gerade für Klaudias Verhaltensweisen erheblich.