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Veröffentlicht am 06.08.2025

Melancholisch

Europäische Erziehung
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Im von Nazis besetzten Polen lebt der junge Pole Janek. Seine Familie lebt nicht mehr, er versteckt sich allein in einem Erdloch. Später schließt er sich dem Widerstand an und lernt dort das Mädchen Zosia ...

Im von Nazis besetzten Polen lebt der junge Pole Janek. Seine Familie lebt nicht mehr, er versteckt sich allein in einem Erdloch. Später schließt er sich dem Widerstand an und lernt dort das Mädchen Zosia kennen. Beide haben ihre Aufgaben, sind Boten und Kundschafter. Zusammen mit Juden und Ukrainern kämpfen sie gegen die deutschen Besatzer.

Der Roman hat es in sich. Aus der Sicht von Janek erleben wir die Grauen des Krieges. Das Buch verbindet die Brutalität des Krieges mit der Hoffnung auf einen besseren, aufgeklärten Menschen und Europa als Ort des Wissens und der Kultur. Man muss diesen Roman sehr genau und aufmerksam lesen. Manchmal ist mir das nicht leicht gefallen. Gerade bei der Schwere dieses Themas brauchte ich einige Pausen zwischendurch. Auch an die Ausdrucksweise musste ich mich erst gewöhnen. Erzählt wird recht unaufgeregt, bildhaft und melancholisch. Es gibt viele Dialoge und Rückblenden, die manchmal fast schon poetisch sind.

Ein bewegender Roman, der trotz der Grausamkeit in dieser Zeit weiter Hoffnung auf Bildung, Kultur und Freiheit bietet.

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Veröffentlicht am 03.08.2025

Spannend

Gerächt sein sollst du
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Im idyllischen Küstenort Kristinestad wird im Meer, an den Klippen, die Leiche eines jungen Mannes geborgen. Der Verdacht des Selbstmordes bestätigt sich nicht, so wird schnell in viele Richtungen ermittelt. ...

Im idyllischen Küstenort Kristinestad wird im Meer, an den Klippen, die Leiche eines jungen Mannes geborgen. Der Verdacht des Selbstmordes bestätigt sich nicht, so wird schnell in viele Richtungen ermittelt. Das Opfer ist der siebzehnjährige Jonas, der sich in letzter Zeit sehr verändert hat. Noch dazu kommen schwerwiegende Anschuldigungen eines Mädchens. Die Journalistin Eevi beginnt zu recherchieren und begegnet am Tatort ihrem alten Jugendfreund, dem Kriminalkommissar Mats. Zusammen versuchen sie den Fall aufzuklären. Doch so einfach ist das nicht. Anfangs will keiner der Anwohner über dieses tragische Geschehen sprechen. Noch dazu sind beide in ihrem Leben nicht ganz glücklich und fühlen sich wohl in der Nähe des anderen.

Ruhig und ganz präzise wird hier erzählt. Besonders mochte ich die bildhafte Beschreibung der Schärenküste, eiskalt und rau. Die idyllische Atmosphäre in Kristinestad kippt langsam und bald schon herrscht hier eher eine düstere und beklemmende Stimmung. Gesellschaftliche Themen kommen auch nicht zu kurz. Vor allem Themen wie Mobbing, digitale Medien und MeToo kommen hier auf den Tisch. Das Zusammenspiel zwischen den Protagonisten Eevi und Mats war auch immer schön zu lesen. Immer gegenwärtig ist ihre Vergangenheit, von der ich gern noch mehr erfahren möchte. Der Spannungsbogen baut sich hier langsam auf und bleibt uns fast bis zur letzten Seite erhalten.

Für mich ein gelungener Auftakt einer neuen Krimireihe, atmosphärisch, mit nordischem Kleinstadtflair und Tiefe. Empfehle ich euch gern weiter.

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Veröffentlicht am 03.08.2025

Satire

Das Geschenk
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Was wäre, wenn plötzlich 20.000 Elefanten in Deutschland auftauchen? Eine skurrile Vorstellung.
Das europäische Importverbot für Jagdtrophäen wird beschlossen um die Tiere zu schützen. Daraufhin schickt ...

Was wäre, wenn plötzlich 20.000 Elefanten in Deutschland auftauchen? Eine skurrile Vorstellung.
Das europäische Importverbot für Jagdtrophäen wird beschlossen um die Tiere zu schützen. Daraufhin schickt der Präsident von Botswana die zahlreichen Elefanten nach Deutschland und löst direkt eine Krise aus. Woher soll all das Futter für die Elefanten kommen? Wie sollen die Menschen mit ihnen umgehen?

Eine bitterböse Satire über Macht, globale Ungerechtigkeit, Doppelmoral und soziale Verantwortung. Humorvoll und leicht geschrieben. Trotz der Leichtigkeit fehlt der Tiefgang nicht und die geschriebenen Zeilen regen zum nachdenken an. Spannend war für mich zu lesen wie die Politiker mit der „Elefantensituation“ umgehen. Wird doch daraus gleich wieder eine Challange für die neuesten Umfragen gemacht und die Machtverhältnisse werden neu geklärt und sortiert. Inwiefern es jetzt möglich ist, unbemerkt 20.000 Elefanten nach Deutschland einzuschleusen, wird unserer Fantasie überlassen. War für mich allerdings nicht störend.

Messerscharf, klug und provokant ist dieser schmale Roman, den ich euch sehr gern weiterempfehle.

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Veröffentlicht am 29.07.2025

Melancholisch

Der Krabbenfischer
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Thomas Flett lebt zusammen mit seiner Mutter in sehr einfachen Verhältnissen an der englischen Küste. Seinen Vater hat er nie kennengelernt, die Mutter war noch sehr jung bei seiner Geburt. Er arbeitet ...

Thomas Flett lebt zusammen mit seiner Mutter in sehr einfachen Verhältnissen an der englischen Küste. Seinen Vater hat er nie kennengelernt, die Mutter war noch sehr jung bei seiner Geburt. Er arbeitet als Krabbenfischer. Dieses Handwerk wird schon seit Generationen in seiner Familie weitergegeben. Mit Pferd und Kutsche trotzt er bei Niedrigwasser der rauen See, um das tägliche Brot zu verdienen. Als er eines Tages nach Hause kommt und Besuch bei seiner Mutter ist, würde er am liebsten wieder gehen. Doch dann stellt sich heraus, es ist der Regisseur Edgar Acheson, der in der Gegend einen Film drehen will. Thomas soll ihm die See zeigen und selbst eine Rolle in dem Film spielen. Plötzlich scheint eine Welt jenseits seiner gewohnten Realität möglich. Möchte er diesem Versuch nachgehen oder doch seinem tristen Leben treu bleiben?

Poetisch, melancholisch und bildhaft wird hier erzählt. Schon länger hat Thomas Sehnsucht nach einem anderen Leben. Heimlich lernt er Gitarre spielen und ist verliebt in die Schwester seines Freundes. Jetzt endlich bietet sich ihm die Möglichkeit auszubrechen. Seine Sehnsucht nach Veränderung ist schmerzhaft greifbar. Thomas und die anderen Protagonisten sind authentisch, ganz normale Menschen. Am Anfang hatte ich so meine Schwierigkeiten dranzubleiben und weiterzulesen. Das Ende war dann allerdings absolut stimmig und rundete das Leseerlebnis ab.

Ein stiller, eindringlicher Roman, wunderbar atmosphärisch, in dem eigentlich nichts aber doch so unglaublich viel passiert. Für die Leser stiller, tiefgründiger Romane eine Empfehlung.

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Veröffentlicht am 29.07.2025

Coming of age

Furye
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„Manchmal bleibt man da, wo man innerlich nie weggegangen ist.“

Die namenlose Erzählerin kehrt zurück in die Stadt, in der sie vor 20 Jahren gelebt hat. Inzwischen ist sie 38, erfolgreiche Managerin, ...

„Manchmal bleibt man da, wo man innerlich nie weggegangen ist.“

Die namenlose Erzählerin kehrt zurück in die Stadt, in der sie vor 20 Jahren gelebt hat. Inzwischen ist sie 38, erfolgreiche Managerin, Single und kinderlos. Nach außen hin wirkt alles perfekt aber sie fühlt sich einsam. Parallel dazu wird von ihr in ihrer Jugend erzählt. Mit zwei Freundinnen sind sie die „Furien“, Vorbilder aus der griechischen Mythologie. Danach nennt sie sich Alec, ihre Freundinnen sind Tess und Meg. Beide kommen aus einem wohlhabenden Elternhaus, haben genug Geld aber ein schwieriges Verhältnis zu ihren Eltern. Und dann ist da noch Romain. In ihrer Jugend war sie verrückt nach ihm und jetzt, 20 Jahre später, trifft sie ihn wieder. Ein Sommer, der alles veränderte und eine ungewisse Reise in die Vergangenheit.

Ein Roman, der sich erst im Verlauf völlig entfaltet, dafür mit einer ordentlichen Wucht. Eine Liebe in ungleichen sozialen Verhältnissen, noch dazu der Versuch irgendwie erwachsen zu werden. Melancholisch, düster und poetisch wird hier erzählt. Die unterschiedlichen Zeitstränge werden durch unterschiedliche Schriftarten dargestellt. Das machte es leicht zu erkennen in welcher Zeit wir gerade sind. Es geht um Trauer, Schmerz, Gewalt. Die Sprache ist manchmal recht derb bis vulgär, passte für mich aber zu dem Roman. Romain ist schwer zu greifen. Er leidet an Depressionen und seinem emotional nicht erreichbarem Vater. Er ist daher nicht der typische Roman Boyfriend aber einfach so herrlich authentisch. Ein Coming-of-Age-Roman, der weh tut – und lange nachhallt. Zärtlich, wütend und ehrlich.

Ein tiefgründiger, atmosphärischer und berührender Sommerroman, den ich euch sehr gern empfehle.

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