Profilbild von anja301178

anja301178

Lesejury Star
offline

anja301178 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit anja301178 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.03.2026

Großartig

Der letzte Leuchtturm
0

Auf der schottischen Insel Muckle Flugga leben der Leuchtturmwärter und sein Sohn Ouse. Abgeschieden und isoliert vom Rest der Welt, fristen sie ein recht tristes Dasein und kommen über den Verlust der ...

Auf der schottischen Insel Muckle Flugga leben der Leuchtturmwärter und sein Sohn Ouse. Abgeschieden und isoliert vom Rest der Welt, fristen sie ein recht tristes Dasein und kommen über den Verlust der Mutter nicht hinweg. Ab und zu verirrt sich ein Vogelbeobachter zu ihnen auf die Insel. Sie fallen aber nicht weiter auf, sind ruhig und genügsam. Als der melancholische Schriftsteller Firth bei ihnen landet bringt er die Welt von Ouse ordentlich durcheinander. Sie freunden sich an und Ouse beginnt davon zu träumen, dass dieses Leben vielleicht noch mehr bietet als Muckle Flugga.

Michael Pedersen gelingt es, uns in die raue und mystische Insel Muckle Flugga zu entführen. Einmal angekommen, möchte man gar nicht mehr weg. Der Schreibstil ist sehr poetisch und anspruchsvoll. Man muss sich schon Zeit nehmen zum Lesen und auch den Kopf frei haben. Die Atmosphäre ist wunderbar eingefangen. Die windumtoste Insel, das raue Meer, einfach großartig. Bei schönen Naturbeschreibungen bin ich ja immer dabei. Auch die Tierwelt wurde so lebendig beschrieben. Da hätte ich auch gern mit beobachtet. Die Story begrenzt sich hauptsächlich auf drei Protagonisten. Der zarte, verträumte Ouse, der eigentlich nie von dieser Insel gehen kann. Sein Wunsch nach Freiheit, doch dann die Loyalität zum Vater, mit der er sein eigenes Gefängnis schafft. Dann der traurige, sensible Firth, der es schafft Ouse aus seiner Einsamkeit zu holen. Der Star in diesem Roman war für mich allerdings der Vater. Seine grantelige, ruppige Art ist erstmal abschreckend aber er ist so herrlich geradeaus und direkt. Das mochte ich sehr gern. Er hatte schon herrliche Sprüche drauf. Und tief drin ist er ein sehr einsamer Mann, der Angst hat seinen Sohn zu verlieren. Ihr seht, ich bin sehr angetan. Keine Klischees, ich liebe es!

Ein wunderbar atmosphärisches Buch mit einem zarten, poetischen Schreibstil, das es verdient mit voller Aufmerksamkeit gelesen zu werden. Ich möchte es euch sehr ans Herz legen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.03.2026

Ein Sommer, der alles verändert

Restsommer
0

Dominik lebt mit seinem Vater zusammen, der ein Bestattungsinstitut betreibt. Vor einem Jahr ist Mama ausgezogen. Sie lebt jetzt mit einem anderen Mann zusammen. Dominiks Zukunft scheint vorbestimmt. Sein ...

Dominik lebt mit seinem Vater zusammen, der ein Bestattungsinstitut betreibt. Vor einem Jahr ist Mama ausgezogen. Sie lebt jetzt mit einem anderen Mann zusammen. Dominiks Zukunft scheint vorbestimmt. Sein Vater möchte gern mit ihm zusammen in seinem Bestattungsinstitut arbeiten. Dominik hilft schon fleißig mit aber will er das wirklich? Als Biff neu in seine Klasse kommt, fahren seine Gefühle Achterbahn. Biff ist herrlich anders. Er ist unangepasst, sagt seine Meinung und hat Hunger aufs Leben. Was ist nur plötzlich los mit Dominik? Soll er weiter so sein Leben einfach hinnehmen oder etwas Neues wagen, mutig sein?

Eine sensible und authentische Coming-of-Age Story erwartet uns hier. Die Atmosphäre ist eher ruhig, melancholisch. Die Hitze des Sommers, die Trägheit, für mich deutlich spürbar. Der Roman besticht durch viele feine, zarte Momente und ambivalente Gefühle, wie die in dieser Teenagerzeit so sind. Dominik verliebt sich aber das macht alles noch komplizierter. Wieviel Mut braucht man, um sein zu dürfen wer man eigentlich ist? Dominik und Biff nähern sich langsam an. Das ist so schön beschrieben. Dominik ist überwältigt, verunsichert und noch ganz viel mehr. Auf der Suche nach seiner Identität übertritt er Grenzen, wird mutiger und beginnt zu träumen. Was hält ihn eigentlich noch zu Hause?
Er liebt seinen Vater aber für ihn scheint nur die Arbeit wichtig zu sein. Nach dem Auszug der Mutter fällt er in ein tiefes Loch. Dominik fühlt sich allein gelassen. Doch sein Vater ist da, wenn er es am wenigsten erwartet und am meisten braucht. Auch die Vater/Sohn Beziehung ist für mich sehr gut gelungen.

Ein feiner, zarter Coming-of-Age Roman, der durch leise Töne besticht. Identität, Coming out und Vater/Sohn sind hier wichtige Themen. Ich hab das Buch sehr gern gelesen und empfehle es euch gern weiter.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.03.2026

Sehr emotional

In den Flügeln das Licht
0

Kaveh wächst während der Zeit der Revolution im Iran auf. Sein Vater wird verhaftet und verschwindet im Gefängnis. Die Mutter versucht das Leben der Familie aufrecht zu erhalten, doch das ist nicht leicht ...

Kaveh wächst während der Zeit der Revolution im Iran auf. Sein Vater wird verhaftet und verschwindet im Gefängnis. Die Mutter versucht das Leben der Familie aufrecht zu erhalten, doch das ist nicht leicht als alleinlebende Frau im Iran. Sie ziehen zu den Großeltern. Da gibt es einen Garten für die Kinder und Kaveh ist oft in der Buchhandlung. Gemeinsam besuchen sie den Vater im Gefängnis, bis auch das irgendwann nicht mehr geht.

Ein eindringliches und poetisches Porträt einer Kindheit mitten im Iran, geprägt von politischen Umbrüchen. Die politische Geschichte wird ganz fein mit der persönlichen Geschichte der Familie verwoben. Kaveh hat Angst, ist unsicher. Die kindliche Sicht auf die Dinge war für mich sehr ergreifend. In manchen Dingen findet er Trost, hat wieder Hoffnung auf ein besseres Leben. Vor allem die Besuche im Gefängnis haben mich berührt. Der Vater erzählt den Kindern Geschichten, damit sie keine Angst haben müssen. Sprachlich überzeugt der Roman durch eine klare, poetische Erzählweise. Die schweren Themen wurden sehr zugänglich rübergebracht. Es ließ sich ganz wunderbar lesen. Auch die Charaktere wirkten auf mich nahbar und authentisch.

Gerade in dieser Zeit, ein so wichtiger Roman, der nachdenklich macht. Hier geht’s um ein Stück iranischer Geschichte, aber auch um Zugehörigkeit, Verlust und Familie. Empfehle ich euch sehr gern weiter.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.03.2026

Toll

Salto
0

Marko möchte Medizin studieren, doch in Deutschland wird er an den Unis abgelehnt. Bleibt nur eins: ein Medizinstudium in Ungarn. Finanzieren soll das die Lebensversicherung der Mutter, die vor ein paar ...

Marko möchte Medizin studieren, doch in Deutschland wird er an den Unis abgelehnt. Bleibt nur eins: ein Medizinstudium in Ungarn. Finanzieren soll das die Lebensversicherung der Mutter, die vor ein paar Jahren verstorben ist. Seitdem lebt er mit Papa alleine in einem tristen Wohnblock. Mit seiner Freundin Claire ist es gerade auch nicht so einfach. Also auf nach Budapest, mit im Gepäck sind die Angst vor der Zukunft und ordentlich Selbstzweifel.

Ein toller Coming-of-Age über die erste Liebe, große Erwartungen und ganz viel Zukunftsangst. Eindringlich, leicht und einfühlsam schreibt Prödel hier. Marko kommt in Budapest an aber so richtig ankommen kann er nicht. Er vermisst sein Zuhause, seinen Vater, seine Freundin. Alles fühlt sich einfach nur fremd an. Einzig sein Job macht ihm etwas Spaß. Das Geld reicht nicht, an der Uni läuft es auch nicht so wie geplant. Auf einmal hat er ganz viel Verantwortung. Auch Claire geht’s nicht gut. Sie entwickelt eine Psychose. Als auch der Körper von Marko rebelliert, geht er zum Arzt und alles wird anders. Wie kann er mit dieser Diagnose umgehen? Eine sanfte Melancholie schwingt bei dieser Geschichte immer mit. Traurig und nachdenklich stimmt mich dieses Buch. Da bin ich froh nicht mehr so viele Entscheidungen für mein Leben treffen zu müssen. Die Liebesgeschichte war für mich hier eher nebensächlich. Das war aber absolut in Ordnung. Begeistert hat mich hier vor allem der Schreibstil. Ein klein wenig mehr Tiefe hätte ich mir für die Story gewünscht.

Insgesamt ein richtig toller Coming-of-Age Roman, der mich durch den Schreibstil komplett abgeholt hat.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.03.2026

Atmosphärisch

Schattenmädchen
0

Die Studentin Isabella verschwindet spurlos. Zuletzt wurde sie auf einer Party an der Universität Lund gesehen. Die Ermittler Fredrika Storm und Henry Calment stoßen schnell auf Ungereimtheiten und finden ...

Die Studentin Isabella verschwindet spurlos. Zuletzt wurde sie auf einer Party an der Universität Lund gesehen. Die Ermittler Fredrika Storm und Henry Calment stoßen schnell auf Ungereimtheiten und finden Parallelen zu einem alten Mordfall. Schnell wird klar, dass es sich nicht um einen gewöhnlichen Vermisstenfall handelt. Tiefe Verstrickungen bis hin zu einer Studentenverbindung, decken die Ermittler auf. Dazu kommen viele Lügen und Intrigen, die die Liste der Verdächtigen immer weiter wachsen läßt. Ganz nebenbei läuft das Privatleben der Ermittler auch etwas holprig. Eine anspruchsvolle Zeit für die beiden Ermittler.

Das ist der dritte Brand einer Reihe und Frida Skybäck überzeugt wieder durch atmosphärische Spannung und komplexe Figuren. Die Spannung wird ganz langsam aufgebaut. Es gibt keine actiongeladene Geschichte. Erzählt wird eher klar, flüssig und herrlich unaufgeregt. Die Kapitel sind kurz und durch ein paar Wendungen bleibt die Spannung konstant erhalten. Für erfahrende Krimileser sind die Wendungen wahrscheinlich nicht so überraschend aber für mich hat es so gepasst. Wie bei den beiden Vorgängern konnte mich hier die dichte Atmosphäre und die psychologische Tiefe wieder begeistern. Auch das Privatleben der Ermittler hatte seinen Platz in dem Buch. Das macht für mich die Figuren auch authentischer.

Insgesamt ein atmosphärisch dichter Krimi, der durch seine Charaktere und weniger durch eine actiongeladene Story punktet. Empfehle ich euch gern weiter.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere