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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.02.2026

Anspruchsvoll

Grüne Welle
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Ein ganz normaler Kinobesuch mit der Freundin. Anschließend ab ins Auto und wieder nach Hause. Oder doch nicht? Durch eine Umleitung kann sie nicht die gewohnte Strecke fahren. Sie fährt einfach und fährt, ...

Ein ganz normaler Kinobesuch mit der Freundin. Anschließend ab ins Auto und wieder nach Hause. Oder doch nicht? Durch eine Umleitung kann sie nicht die gewohnte Strecke fahren. Sie fährt einfach und fährt, ohne Ziel. Irgendwann ist sie auf der Autobahn aber umdrehen will sie noch nicht. Vielleicht irgendwann mal. Eine spontane Entscheidung wird zur Chance. Sie denkt über ihr Leben nach. Reflektiert ihre Beziehung, ihre Erwartungen.

Schlicht und nüchtern wird erzählt. Die Protagonistin wird als „Die Frau“ bezeichnet. Das hält sie für den Leser auf Distanz. Hier gibt es keinen Spannungsbogen, wir lauschen dem inneren Monolog der Frau. Sie fühlt sich zerrissen, hat Angst vor Veränderung aber glücklich macht ihr Leben sie nicht. Nebenbei wird auch von ihrer Freundin erzählt, mit der sie im Kino war. Sie mochte ihren Mann nie. Fand ihn immer kontrollierend und besitzergreifend.
Ab und an gab es durch den inneren Monolog auch Wiederholungen und die Nebendarsteller blieben etwas blass. Der Roman glänzt eher durch seine psychologische Tiefe und der dichten Atmosphäre und wirkt oft intellektuell.

Für Leser, die sich gern in den Gedanken der Protagonisten verlieren und anspruchsvolle Literatur mögen eine Empfehlung.

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Veröffentlicht am 20.02.2026

Großartig

fundamentalös
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Nadia hat ihre große Liebe Rosy verloren. Mit ihrer Mutter läuft es auch nicht ganz rund und irgendwie muss sie weg. Im Irak gibt es einen Job bei der UN, da sollen IS-Frauen deradikalisiert werden. Kurzentschlossen ...

Nadia hat ihre große Liebe Rosy verloren. Mit ihrer Mutter läuft es auch nicht ganz rund und irgendwie muss sie weg. Im Irak gibt es einen Job bei der UN, da sollen IS-Frauen deradikalisiert werden. Kurzentschlossen nimmt sie den Job an und weiß gar nicht so recht worauf sie sich da eingelassen hat. Dort trifft sie auf Sara. Sie kommt auch aus London, hat sich vor ein paar Jahren mit 15 dem IS angeschlossen und die beiden freuen sich an. Sara wurde ihre kleine Tochter weggenommen und Nadia kämpft darum, sie ihr wiederzubringen. Sie kämpft auch darum, die Frauen wieder an ihre Länder zu übergeben und wiedereinzugliedern. Doch wie weit ist Nadia bereit zu gehen? Warum macht sie das überhaupt und will immer jeder gerettet werden?

Wow, was für ein Roman. Ich hab so oft laut gelacht und sicher stellt sich die Frage ob bei diesem Thema der Humor so angemessen ist. Ja, ist er. Schonungslos und ehrlich wird berichtet vom Leben im Irak, von Krieg, vom Verlust geliebter Menschen. Das Leben im UN Lager ist hart aber dennoch bleibt ab und zu Zeit mal zu feiern, Mensch zu sein. Das Thema geht unter die Haut aber durch den lockeren und leichten Schreibstil ist es gut verträglich. Vortrefflich ist die Kombination dieses ernsten Themas und Humor gelungen. Die derben Sprüche der zwei Frauen sind einfach köstlich und auch viele andere Protagonisten sind einfach toll. Lina, die Chefin, der mehr an ihrem Vogel liegt als an den Mitarbeitern. Oder James, der die Frauen unterrichten soll, der Hippie mit dem Nirvana Shirt. Der Roman wirft viele Fragen auf aber nie mit erhobenen Zeigefinger. Welche Werte sind eigentlich die richtigen? Ist es möglich gelernte Glaubenssätze völlig aus dem Kopf zu streichen? Helfe ich wegen mir oder wegen den anderen?

Ein absolut großartiger Roman, frech und bissig. Ich feiere ihn sehr und möchte ihn euch sehr ans Herz legen.

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Veröffentlicht am 17.02.2026

Ruhiger Roman

Das gute Leben
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Christina erbt das Haus ihrer Großmutter Anni. Sie verbringt ein paar Tage dort auf der Suche nach Erinnerungen. Anni ist vor sehr vielen Jahren aus Rumänien nach Deutschland geflüchtet. Dort hat sie ihre ...

Christina erbt das Haus ihrer Großmutter Anni. Sie verbringt ein paar Tage dort auf der Suche nach Erinnerungen. Anni ist vor sehr vielen Jahren aus Rumänien nach Deutschland geflüchtet. Dort hat sie ihre Tochter Helene und später Enkelin Christina allein aufgezogen. Beim Quelle Versand hat sie Pakete für die Kunden gepackt. Den Job hat sie geliebt.

Ein stiller, berührender Roman über Zugehörigkeit, Einsamkeit und der Suche nach dem guten Leben. Was ist das eigentlich? Reicht das wir haben was wir eigentlich brauchen oder müssen wir immer nach noch mehr streben? Die vielen Ängste aus Rumänien hat Anni mitgebracht. Ihre Tochter musste sie allein großziehen. Das hat Spuren hinterlassen. Unausgesprochene Erwartungen, Schuldzuweisungen gibt’s hier obendrauf. Bei ihrer Enkelin wollte sie dann alles richtig machen. Die Sprache im Roman hat mir sehr gut gefallen. Poetisch, ruhig und sehr klar. Die Sprünge zwischen Gegenwart und Vergangenheit waren manchmal recht abrupt. Da musste ich dann erstmal überlegen wo wir gerade sind. Auch war mir manche Story etwas zu kurz erzählt.

Sprachlich stark, tolle Idee aber es gab für mich Luft nach oben.

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Veröffentlicht am 13.02.2026

Toller Protagonist

Heaven's Gate
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Eine philippinische Insel. Ein Paradies für Surfer und Touristen aber nicht ganz ungefährlich. Dort lebt Caruso, ein ehemaliger deutscher Profisurfer. Er ist Privatdetektiv aber nicht so ganz erfolgreich ...

Eine philippinische Insel. Ein Paradies für Surfer und Touristen aber nicht ganz ungefährlich. Dort lebt Caruso, ein ehemaliger deutscher Profisurfer. Er ist Privatdetektiv aber nicht so ganz erfolgreich und schlägt sich irgendwie durch. Als eine schöne und reiche Spanierin vor ihm steht und ihn damit beauftragt ihren verschollenen Sohn zu finden, fühlt er sich eigentlich überfordert. Des Geldes wegen nimmt er trotzdem an und ist plötzlich mittendrin im Drogenhandel, Machtspielchen und Gewalt.

Das war mal ein ganz anderer Krimi. Caruso ist der typische Antiheld, etwas verpeilt aber liebenswert. Dann gibt’s noch den Drogenboss Diego, der gerade erst aus dem Gefängnis entlassen wurde. Auch er ist wunderbar ambivalent. Einerseits der Kriminelle aber auch hilfsbereit, pragmatisch und nicht einfach nur böse. Viele zwielichtige Gestalten, eine paradiesische Kulisse und ein paar Intrigen runden die Geschichte ab. Besonders gut hat mir hier die Sprache gefallen. Locker, direkt und humorvoll wird geschrieben. Die Story an sich war okay. An manchen Stellen für erfahrene Krimileser vielleicht etwas vorhersehbar. Die große Stärke in diesem Buch ist für mich absolut der Schreibstil und der unkonventionelle Protagonist. Da dies der Auftakt einer Reihe ist, freue ich mich sehr auf die nächsten Teile.

Empfehle ich euch sehr gern weiter.

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Veröffentlicht am 12.02.2026

Großartig

Real Americans
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Ein Roman über eine chinesisch-amerikanische Familie über drei Generationen. Lilly ist die Tochter chinesischer Einwanderer. Als sie sich in Matthew verliebt, scheint zunächst alles perfekt. Er ist der ...

Ein Roman über eine chinesisch-amerikanische Familie über drei Generationen. Lilly ist die Tochter chinesischer Einwanderer. Als sie sich in Matthew verliebt, scheint zunächst alles perfekt. Er ist der Sohn einer wohlhabenden Unternehmerfamilie. Eine Leichtigkeit verbindet die Beiden, die jedoch bald in unausgesprochen Erwartungen und zu starken Klassenunterschieden vergeht. Zusammen bekommen sie einen Sohn, Nick. Jahre später beginnt sich Nick immer stärker für seine Herkunft zu interessieren. Er lebt mit seiner Mutter zusammen, zum Vater hat er keinen Kontakt. Er sieht seiner Mutter nicht ähnlich und hinterfragt immer mehr. Lillys Mutter May wächst in China auf. Ihr Leben war stark geprägt von Armut und politischen Problemen. Sie ist Wissenschaftlerin und setzt sich stark mit Genetik und Vererbung auseinander. Und genau die hat Folgen für Tochter und Enkel.

Was für ein großartiger Familienroman. Tiefgründig und einfühlsam werden hier die großen Fragen zu Sinn, Zugehörigkeit und Herkunft gestellt. Wie sehr prägt uns unsere Herkunft? Wie zugehörig kann man sich in einem fremden Land fühlen? Und ist Einsamkeit eigentlich vererbbar? Alle träumen den amerikanischen Traum. Doch leider ist auch in diesem Land nicht alles so gerecht wie es vorab erscheint. Da ist ein großer Name manchmal wichtiger als alles andere.
Der Roman ist in drei große Teile aufgeteilt. Im jeweiligen Teil wird die Geschichte von Lilly, Nick und May erzählt. Alle haben mich tief berührt, nachdenklich gemacht und aufgewühlt. Die 500 Seiten verfliegen viel zu schnell. Für mich war die Geschichte an keiner Stelle langgezogen oder uninteressant. Ich hätte sogar sehr gern noch weiter gelesen.

Ein Roman über Migration, soziale Ungerechtigkeit und den wissenschaftlichen Fortschritt. Für mich ein Highlight. Möchte ich euch gern ans Herz legen.

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