Profilbild von anna2874

anna2874

Lesejury Profi
offline

anna2874 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit anna2874 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.12.2024

Fortsetzung mit Charme

Blue Eyes Serie - X-Saga / Versprochen, zu lieben - Band 2 der X-Saga (Blue Eyes Serie - X-Saga)
0

Inhaltlich setzt der zweite Band der X-Saga nahtlos an die Geschehnisse seines Vorgängers an, und erneut beweist Lilly Schwarz bereits auf den ersten Seiten ihre Fähigkeit, einen lebendigen und bildhaften ...

Inhaltlich setzt der zweite Band der X-Saga nahtlos an die Geschehnisse seines Vorgängers an, und erneut beweist Lilly Schwarz bereits auf den ersten Seiten ihre Fähigkeit, einen lebendigen und bildhaften Schreibstil zu kreieren und beizubehalten. Der Einstieg in die Fortsetzung gestaltet sich genauso leicht wie im ersten Band, was mich sofort wieder zurück in die drückende Atmosphäre der dystopischen Welt versetzt hat, die diesmal allerdings mit so einigen sanften Gefühlen gespickt ist.

Besonders zu loben ist dabei der kurze Rückblick ganz zu Beginn, der noch einmal die wichtigsten Ereignisse des ersten Bandes kurz und knapp zusammenfasst und so auch bei längerer Pause zwischen beiden Teilen, einen problemlosen Einstieg ermöglicht. Denn seien wir mal ehrlich - am Erinnern an die relevanten Details des vorherigen Bandes sind doch schon oft Fortsetzungen von geliebten Reihen gescheitert... Hier spart man sich den Zeitaufwand eines kompletten rereads. Genial!

Durch den nahtlosen Übergang von Band eins zu zwei, nimmt zunächst die Beziehungsentwicklung zwischen Elijah und Sevrin einen zentralen Platz ein. Hierbei ist mir die Dynamik der Beziehung allerdings nun ein wenig zu rasch vorangeschritten. Natürlich möchte man einen slow burn ungern über fünf Bücher strecken und man freut sich, wenn das Sehnen und die Begierde nach der love interest endlich Früchte tragen, nachdem jedoch zuvor einen ganz Band über hauptsächlich bewusste Ignoranz, Verleugnung der eigenen Gefühle und minimale Interaktionen im Vordergrund standen, wird mir nun zu schnell eine feste Beziehung etabliert. Quasi innerhalb weniger Seiten gehen die beiden von ihrer "will they, won't they?"- Phase zu einem "WIR" und "UNS", dem sie sich sehr sicher scheinen. Dieser abrupte Übergang von einer einzigen, geteilten Nacht zu einer intensiven Liebe entsteht größtenteils durch einen Zeitsprung von mehreren Monaten, der sich für den restlichen Plot als genialer Streich herausstellt, doch zumindest hier hätte ich mir zuvor einfach ein wenig mehr Aufbau der Romantik zwischen den beiden Männern gewünscht. So konnte sich wirkliche Chemie zwischen den beiden Partnern erst später entfalten, als die beiden gefühlstechnisch aber eigentlich schon wieder viel weiter waren, als der Leser bis dato zwischen den Seiten eigentlich vermittelt bekommen hat.

Was zunächst etwas antiklimatisch scheint, führt darüber hinaus allerdings zu neuen Entwicklungen und Figurenkonstellationen , die der Handlung Spannung und eine frische Dynamik verleihen.

Intrigen und Geheimnisse die zuvor angerissen wurden, bekommen hier nun Form und werden dem Leser langsam entschlüsselt. So werden einige Fragen, die man aus Band eins mitnimmt, etwa über den Agrarbund und die mysteriöse SACHE, die von zwei unterschiedlichen Standpunkten aus einem ähnlichen Ziel hin agieren, aufgedeckt und Verbindungen geknüpft, die in zukünftigen Teilen noch sehr viel Spannung und Konflikte versprechen. Dabei entstehen einige Geheimnisse nur für die Charaktere innerhalb ihrer eigenen Geschichte, andere hingegen warten nun auch auf Seiten des Lesers darauf, in Zukunft entschlüsselt zu werden. Eigenes Miträtseln ist dabei beinahe unumgänglich, denn Lilly Schwarz vermag es hervorragend, durch einige Details Neugier zu wecken und durch das Vorenthalten anderer, diese aufrecht zu halten.

Hand in Hand mit neuen Handlungssträngen, geht auch das Auftreten neuer Nebencharaktere einher, von denen ich einige direkt ins Herz schließen konnte, andere interessiert verfolgt und dabei jedoch - zu recht und gewollt - nicht ausstehen konnte. Besonders Sevrins Verlobte Evangeline, die im zweiten Band zum ersten Mal persönlich auftritt, fällt dabei in letztere Sparte, wird jedoch sicherlich noch für viel Zündstoff sorgen.


Doch auch altbekannte Gesichter bekommen neben und teils aufgrund der neuen Figuren, zunehmend mehr Gehalt, indem Hintergründe ans Licht kommen und allgemein mehr Informationen über ihre Motive, ihre Gefühle und Gedanken, ihnen neue Facetten verleihen. Allgemein wird den Nebencharakteren in diesem Band mehr Platz eingeräumt, was mir beim Lesen sehr gefallen hat und mich nur noch gespannter auf zukünftige Entwicklungen macht.

Nichtsdestotrotz steht dabei natürlich besonders Elijahs Zerrissenheit, geprägt von Liebe, Zweifel und Spiel zwischen Gesetzestreue und Verrat im Fokus und verleiht der Geschichte eine noch tiefere emotionale Dimension als der Band zuvor, wodurch mir Eli noch stärker ans Herz wachsen konnte.

Zudem wird neben den Charakteren und der allgemeinen Handlung auch das world building weiter ausgebaut und wir bekommen neue Settings und Begebenheiten der dystopischen Welt zu sehen. Besonders der Aspekt des Klimawandels, auf dem die Welt beruht, ist in meinen Augen noch einmal ganz besonders in den Vordergrund gerückt. Hitze, Wüsten, fehlende Ozonschicht und Bäume in Gewächshäusern- es ist ein erschreckendes Bild, das die Dystopie malt, auch deshalb, da sie irgendwie dann doch gar nicht so weit entfernt scheint. Auch die Abgrenzung zwischen privilegierten Elitären und Nets fällt hier einmal mehr ins Gewicht und verleiht dadurch den Untergrundbewegungen mehr Gehalt.

Zuletzt ganz besonders bei mir punkten, kann "Versprochen zu lieben" allerdings mit einer neuen Entwicklung zwischen zwei Charakteren, die ich persönlich genial finde, auf die ich allerdings aufgrund von Spoilern nicht näher eingehen möchte. Alles, was ich dazu sagen kann, ist, es wird prickelnd- und verdammt verzwickt für unseren Eli, genau wie für den Leser, der eventuell gar beginnen mag, mit den eigentlichen Unliebsamen mitzufiebern....


Fazit:

Nach dem Ende des ersten Bandes konnte ich es kaum erwarten, zu erfahren, wie es denn nun mit unserem Protagonisten Elijah, seinen Gefühlen und besonders den bereits angeschnittenen Intrigen und geheimen Plänen weitergeht. Antworten bekam ich, doch mindest genauso viele neue Fragen haben sich für mich während des Lesens dieses Bandes ergeben, und verdammt hatte ich meinen Spaß damit!

Ich vergebe abzüglich meiner kleinen Kritikpunkte 4/5 Sterne und kann das Weiterlesen der Reihe nach Band eins nur empfehlen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.12.2024

Manchmal ist weniger mehr...

American Psycho
0

Als Liebhaber aller Genres, aber ganz besonders der düsteren Seiten des Buchmarktes und den dunklen Seelen der Protagonisten, ist es wohl unmöglich auf kurz oder lang an American Psycho vorbeizugehen. ...

Als Liebhaber aller Genres, aber ganz besonders der düsteren Seiten des Buchmarktes und den dunklen Seelen der Protagonisten, ist es wohl unmöglich auf kurz oder lang an American Psycho vorbeizugehen. Vermutlich so gut wie jeder hat einmal von Patrick Bateman oder aber zumindest dem Titel des Buches gehört, dennoch habe ich bis vor kurzem zu einer der wenigen gezählt, die tatsächlich noch nichts über den Inhalt abgesehen von dessen angeblicher Skandalösität wussten.

Somit begab ich mich blind auf das Abenteuer Kultroman und war zunächst auch angenehm überrascht von Patrick Batemans Einführung. So wird sein oberflächlicher Charakter nicht nur durch seine bloßen Handlungen und Meinungen zu einer Vielfalt an Themen dargestellt, sondern auch von einem einzigartigen Schreibstil gestützt, der sich sehr stark auf kleinste Details fokussiert und die Mondänität Patricks alltäglichen Lebens zu unterstreichen vermag. Eben darin verstrickt sich der Roman allerdings leider auch schnell.

Nach ungefähr 50 Seiten begann der Schreibstil bereits ein bisschen weniger interessant und ungewohnt und ein bisschen eher langatmig und anstrengend zu werden, nach weiteren 100 beschränkte sich meine Bewunderung für den Detailreichtum und die Kunst den Protagonisten authentisch bleiben zu lassen auf ein schlichtes "Okay Ellis, wir haben es mittlerweile auch alle verstanden". Was zunächst nach einem Geniestreich schien, empfand ich recht schnell als anmaßend und schlichtweg langweilig. Ja, nicht nur Patrick, sondern auch sein gesamter schnöseliger Umkreis sollen unsympathisch sein, dennoch oder gerade deshalb bräuchte der Roman dringend eine einsetzende Storyline um den Leser bei Stange zu halten. Diese lässt jedoch auf sich warten. Und warten. Und warten. Nach hunderten Seiten, gefüllt mit ausschweifenden Kleidungsbeschreibungen, etlichen genannten Modemarken und zahlreichen Restaurantbesuchen, sowie leblosen Diskussionen, legte ich das Buch schließlich für Wochen bei Seite. Lediglich Neugier ließ mich letztlich dann doch erneut danach greifen, denn schließlich wollte ich noch immer herausfinden, was andere Leser denn so begeistert und entrüstet.

Ein ganz entscheidender Aspekt ist hier wohl unser Protagonist Patrick Bateman selbst. American Psycho malt seinen Protagonisten bewusst als reichen, sexistischen, weißen Mann, der sich nur um sich selbst schert, spielt mit Klischees und führt gewollt zu dem ein oder anderen Augenrollen. Selten habe ich einen Charakter zuvor so wenig ausstehen und wirklich absolut keine einzige rettende Eigenschaft finden können, nichts, das mich sagen lässt "Okay, ein wenig menschlich bist du ja letztlich doch noch". Nein. Bateman ist ein ekelhaftes Arschloch, wie es (im wahrsten Sinne des Wortes) im Buche steht. Besonders sein Verhalten gegenüber Frauen ist unangenehm und abstoßend zu lesen.

Dennoch umgibt ihn eine gewisse Ambiguität, die nach guten 250 Seiten dann auch langsam aufbricht und sich zu entfalten beginnt. Der Ausbruch aus der Alltäglichkeit, der mit Eintreten von Batemans langsamen Zerfall einhergeht, verleiht dem Buch von da an auch endlich etwas Elan und Spannung. Zunehmend verliert sich der Protagonist nun in einem Strudel aus Gewalt und Eskapaden, verliert Stück für Stück seine Zurechnungsfähigkeit und Fassung. Dieser Wandel war zwar interessant zu verfolgen ,dennoch hat mir bis zuletzt das gewisse Etwas gefehlt und der Roman konnte mich bis zu seinen letzten Seiten nicht gänzlich abholen. Zurück blieb ein fader Beigeschmack.



Fazit:

American Psycho ist zweifellos ein polarisierendes Werk, das seine Leserschaft zu spalten vermag. Die einen halten es für genial, die anderen diskutieren über fragwürdige Darstellungen und zu extremen Gewaltspitzen. Mir ist es letztlich keine weiteren Worte wert, denn trotz graduell einsetzender Spannung und Extremität, verliert sich American Psycho an seinen redundanten Passagen und Pseudo-Intellektualität. Ich vergebe 2/5 Sterne, werde dem gleichnamigen Film aber dennoch eine Chance geben. Nichtsdestotrotz bin ich froh, diese Leseerfahrung gemacht zu haben und dass ich Bateman kennenlernen durfte, denn auch wenn mich der Roman nicht begeistern konnte, so hat er einen bleibenden Eindruck hinterlassen, etwas, das einige bessere Bücher nicht vermögen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.12.2024

Erfrischend neu

Blue Eyes Serie - X-Saga / Versprochen zu, dienen - Band 1 der X-Saga
0

Der Schreibstil ist für ein gelungenes Buch maßgebend, denn einzig und alleine er verleiht den bloßen Worten auf Papier ihr Leben. Sein erster Eindruck ist es, der mich oft bereits nach wenigen Zeilen ...

Der Schreibstil ist für ein gelungenes Buch maßgebend, denn einzig und alleine er verleiht den bloßen Worten auf Papier ihr Leben. Sein erster Eindruck ist es, der mich oft bereits nach wenigen Zeilen ein Gespür dafür bekommen lässt, ob die Chemie zwischen mir und meiner gewählten Lektüre stimmt. In diesem Fall verleiht der locker-flüssig, aber dabei dennoch ausdrucksstarke Schreibstil von Lilly Schwarz ihrem Roman direkt zu Beginn eine authentische Stimme, die das Weiterlesen zunächst unabdingbar macht.

Die gewählte Ich-Perspektive ermöglicht es dabei, sich zunächst tief in die Gedanken und Gefühle des Protagonisten Elijah hineinzuversetzen, während später auch weitere Nebencharaktere wie etwa Thomas, Deniz und Elijahs (nicht allzu lange) geheimnisvoller Fremde ihre Perspektiven beitragen.

Vor einem jeden Kapitel befinden sich zur Unterstützung passende Illustrationen der Charaktere, aus deren Sicht das jeweilige Kapitel verfasst ist. Diese finde ich nicht nur genial, da sie super hübsch geworden sind, sondern auch, da man sich durch die Verbildlichung schnell merken kann, wer wer ist, was mir persönlich sonst bei Perspektivwechseln, die in anderen Büchern nur durch Namen gekennzeichnet sind, des öfteren erst einmal schwer fällt.

Durch die Augen der Männer verschiedener Ränge zu blicken, ermöglicht dem Leser hierbei einen einfachen Zugang zu einem komplex erschaffenen System, wobei neben den Ansichten der handelten Figuren dennoch genügend Spielraum für eigene Meinungsbildung bleibt.

Eben dieses System selbst ergibt sich aus einem düsteren Zukunftsszenario, in dem die Macht rein bei der militären Regierung liegt, denn nur die Exekutive als vollstreckende Gewalt wisse wirklich, wie ein Land zu regieren sein. Dabei lebt ein Großteil des Volkes in bitterer Armut, gezeichnet von Hunger, Krankheit und Leid. Der Klimawandel hat die Erde beinahe unbewohnbar gemacht, Natur und frische Luft werden künstlich erzeugt und sind genau wie Luxus und Reichtum der Elite vorbehalten.

Auch bei wenig vorhandenem Vorwissen über das Militär gelingt es dank zahlreicher anschaulicher Erklärungen, sich problemlos in die Geschichte und das System hineinzufinden. Der Leser wird von den Charakteren bei der Hand genommen und geschickt durch die Augen eben dieser in eine für uns neue Welt mitsamt all ihren Eigenarten und Regeln eingeführt. Die Ich-Perspektiven helfen an dieser Stelle nicht nur Nähe zu schaffen, sondern auch das Verständnis zu vereinfachen, da man direkt an dem Leben und vorhandenem Wissen der einzelnen Figuren in ihren vielfältigen Positionen teilhaben darf, anstatt nur stumm von außen zu beobachten.



Ich bin grundsätzlich ein großer Fan von Dystopien, habe bereits Romane wie "Tribute von Panem" und "Maze Runner" in der Jugend verschlungen, bevor ich auf Klassiker wie "1984", "Fahrenheit 451" und "Corpus Delicti" stieß, und dass eine Gesellschaft, wie hier vorliegend anhand typischer Genremerkmale auch unter eben diese Kategorie fällt, ist wohl von wenig Überraschung. Was mich allerdings sehr wohl überraschen konnte, ist die eigentliche Tragweite des Systems, das Lilly Schwarz hier erschaffen hat. Der Klappentext hat mich keinesfalls erahnen lassen, wie komplex die dystopische Gesellschaft in diesem Roman werden würde. Habe ich zunächst einiges bekanntes in einem neuen Format verpackt erwartet, so wird direkt zu Beginn klar, dass die Dystopie völlig neue Nuancen, die ich so zuvor noch nie in anderen Romanen gesehen habe, aufgreift. Das System ist innovativ und überzeugt mit Glaubwürdigkeit und einer unglaublichen Authentizität. Durch die etlichen Details, die dem Worldbuilding zu Grunde liegen, entfaltet sich ein sehr lebendiges Setting, das sich sehr schnell real anfühlt und eben dadurch fesselt. Natürlich finden sich hier und da einige bekannte Elemente wieder, schließlich können auch Autoren das Rad nicht völlig neu erfinden, allerdings ist "Versprochen zu dienen" in seinem Kern so vielschichtig, dass man als Leser stets neue Facetten zwischen den Seiten entdeckt, die ineinandergreifen und ein spannendes neues Bild ergeben. Man möge nun meinen, diese komplexen Strukturen seien trocken oder es dauere eine Weile, bis man sich in die Geschichte einfinden kann, allerdings ist genau das Gegenteil der Fall. Durch die Interessanten Neuheiten bleibt man als Leser nicht nur am Ball, sondern die vielen Inhalte erklären sich meist gegenseitig und so blieben zumindest bei mir zuletzt nur wenige ungeklärte Fragen offen.



Was genau macht das System denn nun aber so interessant?

Einerseits ist es der große Rahmen, wie etwa der bereits benannte Fokus auf dem Militär als tragende Führungskraft und der Faktor, dass alle Charaktere eben diesem auf die eine oder andere Weise angehören. Dadurch ergeben sich spannende Machtgefüge und ganz eigene Beziehungen der Figuren zueinander. Diese fallen mit einem gelungenen Spiel aus Sympathie für einige und starke Antipathien für andere ins Gewicht, die mich das ein oder andere Mal an die Grenzen meiner Nerven gebracht haben - im positiven Sinne versteht sich.

Wie üblich für Dystopien, werden auch hier Systemkritiker verfolgt, dennoch gibt es verborgene Gegenbewegungen, Rivalitäten und Zweifel, die für stetige Dynamik sorgen. Aus den vielfältigen Charakteren, Ansichten und Intrigen ergibt sich dabei ein solider Spannungsbogen, der sich durch das gesamte Buch zieht und keine Längen aufkommen lässt.

Ich habe stets gespannt "Nur noch ein Kapitel" gelesen, die aufgrund ihrer moderaten Länge geradezu dahin fliegen.

Andererseits sind es auch die kleineren Feinheiten, die das System so besonders machen.

So ist der wichtigste Handlungsträger des Romans natürlich unser Protagonist Elijah. Als ein "X- Gebrandmarkter", zählt er durch einen angeborenem Gendefekt zur untersten Klasse Mensch. Dennoch ist er mit einer Schönheit gesegnet, die es ihm vermag, Aufstiegsmöglichkeiten zu genießen und sich ein besseres Leben zu schaffen, Dies geschieht über das sogenannte Dienstleistertum, körperliche Dienste, die höhergestellte Männer in Anspruch nehmen können und im Zuge dessen Empfehlungen aussprechen.

Frauen sind in dieser Gesellschaft rar, und somit sind Beziehungen zwischen Männern gang und gäbe und völlig natürlich, was ich beim Lesen als sehr angenehm empfand. Genau so sollte es auch in unserer Gesellschaft sein - wenn natürlich auch unter anderen Begebenheiten.

Zudem ist beim Leseerlebnis auch einmal mehr erschreckend, dass trotz völliger Abwegigkeit der Lebenssituationen auf den ersten Blick, einige Begebenheiten letztlich bei genauerer Betrachtung doch gar nicht so weit von unserer Realität entfernt sind. Wenn die gegebenen Zustände auch überspitzt dargestellt sind, so macht es dennoch nachdenklich Parallelen ziehen zu können und zu sehen, inwiefern wir bereits ähnliche Zustände vorzuweisen haben oder darauf zu steuern zu scheinen. Besonders der Gedanke des scheinbar unfehlbaren Systems rückt dabei in den Vordergrund.

Wie sehr kann man den "Allmächtigen" vertrauen? Wie weit darf bedingungsloser Gehorsam gehen?

Der Roman ist politisch interessant ohne jedoch in politischer Roman selbst zu sein oder das Thema zu vordergründig zu thematisieren. Das Gedankengut ist vielmehr geschickt in Geschichte eingewoben, wie ein Band, das sich durch die Handlung zieht, den Leser in eben dieses wickelt und erst zu Ende langsam wieder los lässt.

Nichtsdestotrotz ist das Buch letztlich weitaus mehr als nur eine reine Dystopie. Neben den gesellschaftlichen Zukunftsaspekten, ist die Geschichte nach einer Anlaufphase im ersten Drittel, im Herzen eine berührende und mitreißende Gay-Romance, die mit ihren romantischen Elementen inmitten all der Zerstörung, den Leser in seinen Bann zu ziehen vermag.

Die Autorin versteht es meisterhaft, die Liebesgeschichte zwischen Elijah und dem mysteriösen Fremden in die Handlung einzuflechten, ohne dabei den eigentlichen Plot aus den Augen zu verlieren. Oftmals erlebt man, dass die Romanze, sobald sie eingeführt wird, den eigentlichen Handlungsverlauf überlagert und verdrängt, doch hier dürfen dystopische Gesellschaft und Geheimnisse der Regierung mit der prickelnden Leidenschaft koexistieren. Dabei ergänzen sich die Thematiken gegenseitig und funktionieren wie ein Triebwerk für einander, um die Spannung und das Interesse des Lesers aufrecht zu erhalten. Die Charaktere sind allesamt sehr sympathisch und ich fand mich schnell am Mitfiebern in ihrer Zerrissenheit und der Entwicklung ihrer Beziehung, sowie der eigenen Persönlichkeiten. Überzeugt wird dabei mit einigen Geheimnissen, Überraschungen und Wendungen, um die Spannung durchweg zu erhalten.

Denn da ist natürlich auch noch die SACHE, die zwischen den beiden steht...


Fazit:

Lilly Schwarz hat mit ihrem Werk mein Feuer für Dystopien wieder neu entfacht und mich sehr begeistert. Ich hatte viel Spaß beim Lesen, wurde mitgerissen und durfte mich für einige Stunden als ein Teil einer neuen, fesselnden Welt fühlen, die jedoch gerne zwischen den Seiten des Buches bleiben darf.

Ich vergebe abschließend 4,5/5 Sterne und möchte bitte mehr davon! Wie gut, dass die Geschichte keineswegs in einem Band auserzählt ist, sondern es bereits die Fortsetzung gibt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.12.2024

Leider enttäuschend

Ein Mann zum Vergraben
0

Ein Buch, bei dem mich der Titel direkt angezogen hat. Seitdem ich vor einiger Zeit "How to Kill Men and Get Away With It" von Katy Brent gelesen habe (noch immer große Leseempfehlung!), habe ich gefallen ...

Ein Buch, bei dem mich der Titel direkt angezogen hat. Seitdem ich vor einiger Zeit "How to Kill Men and Get Away With It" von Katy Brent gelesen habe (noch immer große Leseempfehlung!), habe ich gefallen daran gefunden, über starke Frauen zu lesen, die ihre wohlverdiente Rache an schrecklichen Männern ausleben. "Ein Mann zum Vergraben" gehört zu einem aufsteigenden Subgenre, das mir sehr gefällt und schnell war mir klar, dass es seinen Platz in mein Regal finden würde.



Bereits die Danksagung überzeugt mit Frauen-Power und hat mich hoffnungsvoll auf meine bevorstehende Reise blicken lassen. Enttäuscht wurde ich zunächst einmal nicht. Bereits das erste Kapitel gemischte Gefühle aus, gleichermaßen Belustigung, sowie Bedrückung. So ist der Schreibstil des Romans nüchtern bis humorvoll, die zu Grunde liegende Thematik jedoch im Grunde berührend und schwer. Eine jede der Frauen trägt ihr eigenes Päckchen mit sich, geschunden von Männern, die viel zu lange mit ihren schrecklichen Taten davongekommen sind.

Binnen weniger Seiten ist mir die Protagonistin Sally ans Herz gewachsen, da man schnell mit ihr mitfühlt und ihr besseres wünscht - wodurch der "Jim-Unfall" sehr gelegen kommt und gar nicht ganz so tragisch ist.... Good for her! Auch die sehr kurzen Kapitel laden zum schnellen Lesen ein und die zunehmende Anzahl an coolen Charakteren und neuen Perspektiven vermag es, Interesse und Spannung aufrechtzuerhalten. Ich wollte mehr über diese Gruppe an unterschiedlichen Frauen erfahren, die trotz ihrer Differenzen doch alle miteinander verbunden sind. So empfand ich zumindest noch im ersten Drittel des Buches.



Der weitere Verlauf der Geschichte hat mich dann leider jedoch zunehmend verloren. Die zunächst sympathische Sally kristallisiert sich im Umgang mit anderen schnell als extrem egoistisch und nahezu unausstehlich heraus, der Plot wird immer dünner und langweiliger anstatt an Fahrt aufzunehmen, Kapitel sind teils völlig irrelevant und ziehen sich und Logiklücken mindern den Spaß an der Geschichte immens. Oftmals habe ich mich beim Augenrollen erwischt oder musste das Buch bei Seite legen, weil ich schlicht kein Interesse mehr am weiteren Verlauf der Ereignisse besaß.

Zudem wurde ich der stetigen Betonung der "schlimmen Vergangenheit" aller Figuren letztlich überdrüssig. So wirken sie eher in den restlichen Plot eingestreut, um den Leser auch ja nicht vergessen zu lassen, wie schlecht es den Frauen zuvor mit ihren Männern ging, anstelle natürlich zu wirken und in wichtigen Schlüsselmomenten oder emotionalen Szenen gekonnt eingesetzt zu werden. Natürlich sind schreckliche Männer ein wichtiges Element der Geschichte und Hintergründe der Protagonistinnen, allerdings kommt durch den locker-leichten Schreibstil hier zu keiner Zeit wirkliche Emotionen auf, wodurch die Wiederholungen mit der Zeit aufgesetzt wirken, anstelle zu berühren. Selbst im Umgang mit ihrer Tochter, die sich gerade von ihrem langjährigen Freund getrennt hat, liegt Sallys Fokus einzig darauf, wie viel schlechter es doch aber andere haben und dass sich ihre Tochter nicht so anstellen sollte. Ugh.

Zu der zunehmenden Ermüdung am Plot trägt in meinen Augen auch die schlichte Absurdität der Verknüpfungen der Schicksale der Charaktere bei, die zu keiner Zeit ordentlich miteinander verbunden werden, sondern sich alle ganz zufällig genau nach ihren Morden über den Weg laufen und sofort Vertrauen ineinander besitzen. Vier Frauen in unmittelbaren Umfeld voneinander ereilt genau zeitgleich das gleiche Schicksal, genau wie bereits Sallys Mutter zuvor und natürlich sind auch sämtliche anderen Männer im Buch unfreundlich und schlecht, darunter selbst der Zählerstandableser...

Ich verstehe den Punkt, den die Autorin mit dieser Darstellung unterstreichen möchte, nichtsdestotrotz wurde es mir einfach irgendwann zu viel und zu unrealistisch, um noch mit den Protagonistinnen mitzufiebern. Selbst der Humor ging zunehmend verloren.

Letztlich war die Geschichte ab dem zweiten Drittel besonders eins - anstrengend. Schade.



Fazit:

Ein im Kern unterhaltsamer Roman, der mit einem angenehmen Mix aus Humor, Spannung und Tiefgang punktet, sich jedoch selbst und damit auch den Leser letztlich verliert.

"Ein Mann zum Vergraben" hat mich trotz meiner Enttäuschung immerhin ein wenig nachdenklich gemacht und verschafft Betroffenen ein Gehör, indem der Roman seine Leser für die Thematik häusliche Gewalt sensibilisiert.

Ich vergebe abschließend leider nur 2/5 Sterne, an eine Geschichte, die stark beginnt, aber auch ebenso stark nachlässt, die jedoch mit einiger Überarbeitung wirklich genial sein könnte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.12.2024

Ein magisches Highlight!

Das Versunkene Theater
0

"Das versunkene Theater" von Timon Krause ist im Oktober 23 erschienen und lässt sich dem Genre des magischen Realismus zuordnen. Edgar Fett, ein Held wider Willen steht vor der Herausforderung seines ...

"Das versunkene Theater" von Timon Krause ist im Oktober 23 erschienen und lässt sich dem Genre des magischen Realismus zuordnen. Edgar Fett, ein Held wider Willen steht vor der Herausforderung seines Lebens: Es ist an dir ihn dabei zu begleiten. Er und seine Katze Pamela treffen im Theaterhafen auf einen diversen Cast an coolen Charakteren, Magie, Freundschaft, Intrigen und tödliche Geheimnisse.

Verpackt ist die Geschichte dabei in ein wunderschön geprägtes Hardcover mit illustrierten Vorsatzblättern und Lesebändchen. Ein wahrer Hingucker im Regal.



Warum "Das versunkene Theater" ein must read ist:

Ein einzigartiges Buch, das mit nichts vergleichbar ist, was ich in den letzten 15 Jahren meines Buchwurm-Daseins gelesen habe. Nicht nur ein Roman, sondern ein wahres Leseerlebnis!

Lass mich aber einmal von vorne anfangen.

Besonders gefallen hat mir direkt zu Beginn der Schreibstil. Er ist poetisch und kunstvoller Schreibstil, der eindringlich und wunderschön ist, dabei allerdings stets auch noch locker-leicht zu lesen. Unterstützt wird er dabei in seiner zauberhaften Wirkung außerdem von der Aufmachung. So ist Text nicht gleich Text und dieser Roman zeigt dies auf wie kein anderer. Das Layout des Textes ist so nämlich alles andere als gängig. Anstelle eines durchgängigen Blocksatzes, folgt das Layout der Geschichte; ist mal gespiegelt, sobald Leser und Figuren in das Spiegelkabinett treten, mal in Spiralen angeordnet oder nur vereinzelt auf der Seite verstreut. Jede Seite ist ein kleines Kunstwerk für sich, das dem Leser das Gefühl gibt, selbst Teil der magischen Welt zu sein. Dabei entsteht eine Sogwirkung, die mich hat geradezu durch die Seiten fliegen lassen.

Die ganze Geschichte versprüht eine magische Atmosphäre, die mitfiebern und staunen lässt und mich in ihrer Intensität völlig überrascht hat. Es wird geschickt mit Sympathien und Antipathien gespielt und die Handlung nimmt zunehmend an Fahrt auf. Keine Szene schien mir langweilig oder überflüssig und ich denke über vieles auch jetzt, Monate nach beenden des Romans noch nach.

Dazu trägt bei, dass die Charaktere allesamt liebevoll und facettenreich gestaltet sind, und man gar nicht anders kann, als sich mit ihnen verbunden zu fühlen. Edgar als eher widerwilliger Held, ist eine willkommene Abwechslung zu den üblichen "perfekten" Protagonisten, und seine Reise durch den Theaterhafen wird zu einer emotionalen Achterbahnfahrt, die humorvoll, spannend und letztlich auch tief berührend ist.



Fazit:

"Das versunkene Theater" ist ein Must-Read für alle, die sich nach einem Buch sehnen, das Herzen berührt und Vorstellungskraft entfacht. Lasse dich von Timon Kraus auf eine unvergessliche Reise entführen und entdecke das Geheimnis hinter der Tür zum Theaterhafen. Du wirst verändert daraus hervortreten.

Ich werde auf jeden Fall meine Augen offen halten und zukünftige Werke des Autors ebenfalls lesen.

Ich vergebe 5/5 Sterne und spreche eine große Leseempfehlung aus.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere