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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.06.2025

Nicht für mich

Der Stau
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Leider konnte mich dieser Roman nicht überzeugen.
Mit großer Vorfreude hatte ich eine spannende Lektüre erwartet – das ansprechend gestaltete Cover sowie die interessante Grundidee, ein Stau als Ausgangssituation, ...

Leider konnte mich dieser Roman nicht überzeugen.
Mit großer Vorfreude hatte ich eine spannende Lektüre erwartet – das ansprechend gestaltete Cover sowie die interessante Grundidee, ein Stau als Ausgangssituation, klangen vielversprechend.
Doch anstelle einer fesselnden Handlung mit Tempo und emotionaler Dichte entwickelt sich die Geschichte eher enttäuschend: Eine Leiche, ein Polizist kurz vor dem Ruhestand und eine Serie von Bombenexplosionen im halbstündigen Takt hätten durchaus das Potenzial für einen packenden Thriller geboten.
Stattdessen bleibt die Erzählung flach, stellenweise verwirrend und schwer nachvollziehbar. Oft war unklar, von welcher Figur gerade die Rede ist oder was genau geschieht – was den Lesefluss erheblich beeinträchtigt. Die stetigen Bombenexplosionen verlieren durch die Darstellung an Wirkung, und ihre Hintergründe bleiben unzureichend erklärt.
Insgesamt herrschte für mich mehr Verwirrung als Spannung.
Die drei vergebenen Sterne sind daher eher wohlwollend. Schade um die gute Ausgangsidee.

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Veröffentlicht am 01.06.2025

Mord und Humor

Very Bad Widows
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Schwer zu beschreiben – auf der einen Seite hat mir der schwarze Humor gut gefallen, auf der anderen Seite kam mir die kriminelle Energie deutlich zu kurz.

Die Grundidee, die Rente aufzubessern, indem ...

Schwer zu beschreiben – auf der einen Seite hat mir der schwarze Humor gut gefallen, auf der anderen Seite kam mir die kriminelle Energie deutlich zu kurz.

Die Grundidee, die Rente aufzubessern, indem die Ehemänner mithilfe eines Auftragsmörders beseitigt werden, hat Potenzial. Allerdings verläuft der Plan der Damen nicht wie gewünscht. Leider hat es für meinen Geschmack zu lange gedauert, bis überhaupt ein Gefühl für Kriminalität oder Spannung aufkam. Auch die emotionalen Beweggründe der Frauen blieben mir zu vage. Man bringt doch nicht einfach seinen Ehemann um, nur weil er beispielsweise das Essen der Ehefrau gegessen hat – das wirkte auf mich naiv und unglaubwürdig. Hier hätte ich mir deutlich mehr Tiefe und emotionale Auseinandersetzung gewünscht.

Die einzige Figur, die mir wirklich sympathisch war, war die indische Casinochefin mit ihren drückenden Schuhen. Das war menschlich, nachvollziehbar und charmant. Für mich war sie von der ersten Seite an die Hauptfigur – ich finde, sie hätte ihr eigenes Buch verdient.

Die anderen Damen blieben für mich hingegen eher blass. Außerdem empfand ich das Buch insgesamt als zu lang. Eine gestraffte, kompaktere Erzählweise hätte der Geschichte gutgetan.

Trotz dieser Schwächen vergebe ich vier Sterne – hauptsächlich wegen des gelungenen schwarzen Humors und des schönen Covers, das mich optisch sehr angesprochen hat.

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Veröffentlicht am 24.05.2025

Ein Sommer auf Mallorca

Das Versprechen eines Sommertags
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In dem Roman steht eine Ehe kurz vor dem Aus – doch noch weiß es niemand außer dem Paar selbst. Um den äußeren Schein zu wahren, verbringen die Protagonistin und ihr Ehemann gemeinsam mit den Kindern einen ...

In dem Roman steht eine Ehe kurz vor dem Aus – doch noch weiß es niemand außer dem Paar selbst. Um den äußeren Schein zu wahren, verbringen die Protagonistin und ihr Ehemann gemeinsam mit den Kindern einen Sommerurlaub auf der Finca der Eltern auf Mallorca. Die angespannte Atmosphäre zwischen den Ehepartnern wird dabei von den Großeltern und Kindern kaum bemerkt, denn nach außen hin bemühen sich beide um Normalität.

Während der Mann zunehmend distanziert und teilnahmslos erscheint – sowohl gegenüber seiner Frau als auch den gemeinsamen Kindern –, trägt die Frau schwer an der inneren Zerrissenheit zwischen familiären Verpflichtungen und persönlichem Unglück. Inmitten dieser angespannten Konstellation tritt ein Mann aus der Vergangenheit in Erscheinung – eine alte Sommerliebe der Protagonistin, deren plötzliches Auftauchen auf der elterlichen Finca Fragen aufwirft und alte Gefühle neu entfacht.

Der Roman zeichnet ein vielschichtiges Bild einer Familie am Wendepunkt. Er thematisiert unterdrückte Konflikte, emotionale Entfremdung, die Suche nach Sinn und Nähe sowie die Rolle von Erinnerungen und verpassten Chancen. Vor dem sommerlichen Hintergrund Mallorcas entfaltet sich eine Geschichte, die alltägliche Beziehungsthemen mit leisen Tönen behandelt – und dabei die Frage stellt, wie lange sich ein brüchiges Familienkonstrukt aufrechterhalten lässt, ohne daran zu zerbrechen.

Mit einem Fokus auf zwischenmenschliche Dynamiken und innerfamiliäre Spannungen richtet sich das Buch an Leserinnen und Leser, die sich für realitätsnahe, psychologisch gezeichnete Figuren und Themen aus dem Beziehungsalltag interessieren.

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Veröffentlicht am 11.05.2025

Wien nach dem Krieg

Die Trümmerschule – Zeit der Hoffnung
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Stella ist Jüdin und flieht während des Zweiten Weltkriegs nach London. Durch diese Flucht kann sie den schlimmsten Konsequenzen des Krieges entkommen. Ihrer Familie jedoch bleibt dieses Schicksal verwehrt ...

Stella ist Jüdin und flieht während des Zweiten Weltkriegs nach London. Durch diese Flucht kann sie den schlimmsten Konsequenzen des Krieges entkommen. Ihrer Familie jedoch bleibt dieses Schicksal verwehrt – alle Angehörigen werden in Konzentrationslagern ermordet. Nach Kriegsende kehrt Stella nach Wien zurück, eine Stadt, die in Trümmern liegt.

Sie nimmt eine Stelle als Lehrerin für Deutsch und Englisch an. Doch die Rückkehr in den Berufsalltag ist alles andere als einfach. Stella liebt Literatur, insbesondere jene Bücher, die während des Krieges verboten waren. Ihre Leidenschaft für Bildung und Kultur steht im Kontrast zur Realität: Viele Lehrkräfte haben ihre nationalsozialistische Gesinnung nicht abgelegt, was die Situation zusätzlich erschwert.

Stella ist innerlich zerrissen – sie schwankt zwischen der schmerzhaften Vergangenheit und der Gegenwart. Obwohl ihr einige Menschen wohlgesonnen sind, begegnet sie vielen Widerständen und Unverständnis. Hier liegt für mich auch der größte Schwachpunkt des Buches: Die inneren Konflikte, Erinnerungen und emotionalen Belastungen werden meiner Meinung nach zu oberflächlich behandelt. Ich hatte mir eine tiefere, empathischere Auseinandersetzung mit Stellas Gefühlswelt gewünscht.

Dennoch bin ich nicht enttäuscht. Der Roman lässt sich flüssig lesen, die Hauptfiguren wirken sympathisch, und insbesondere Stellas Engagement für die Pädagogik finde ich sehr gelungen. Das zentrale Thema – die Verarbeitung der NS-Zeit – bleibt leider zu knapp, obwohl es von so großer Bedeutung ist.

Insgesamt schwanke ich zwischen drei und vier Sternen, entscheide mich aber für vier Sterne, da der Erzählstil überzeugend ist und das Buch trotz Schwächen eine wichtige Geschichte erzählt.

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Veröffentlicht am 27.04.2025

Notaufnahme

Staying Alive
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In diesem Roman wird auf unterhaltsame Weise der Alltag in der Notaufnahme eines Berliner Krankenhauses dargestellt. Neben der Schilderung medizinischer Notfälle spielt auch das Privatleben der Ärztinnen, ...

In diesem Roman wird auf unterhaltsame Weise der Alltag in der Notaufnahme eines Berliner Krankenhauses dargestellt. Neben der Schilderung medizinischer Notfälle spielt auch das Privatleben der Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte eine große Rolle. Dabei nehmen Themen wie Sexualität und zwischenmenschliche Beziehungen einen deutlichen Raum ein. Dieser Aspekt war für meinen Geschmack etwas übertrieben und bediente zu viele gängige Klischees, was meinen Lesegenuss stellenweise getrübt hat. Auch wenn ernste Themen wie etwa eine Fehlgeburt angesprochen werden, blieb der insgesamt lockere und teilweise überzeichnete Ton erhalten, was mir in einigen Momenten zu viel war.

Positiv hervorzuheben ist die kritische Darstellung der tatsächlichen Situation in deutschen Krankenhäusern: Wenn Patientinnen und Patienten keinen zeitnahen Termin bei Fachärzten erhalten oder bei akuten Beschwerden ärztliche Hilfe benötigen, bleibt oft nur der Gang in die Notaufnahme. Diese Realität wird im Buch auf eine satirische, aber zutreffende Weise beschrieben. Besonders deutlich wird das anhand der Beispiele – etwa, dass Patientinnen und Patienten mit Brustschmerzen schnell intensiv ärztlich versorgt werden, während Bagatellfälle, wie etwa Mückenstiche, dennoch ebenfalls die Notfallkapazitäten belasten. Diese Überzeichnung spiegelt gleichzeitig auf humorvolle Weise tatsächliche Herausforderungen des Gesundheitssystems wider.

Ein wenig "Berlin-Feeling" wird ebenfalls vermittelt, was den Charakter des Romans zusätzlich prägt. Insgesamt liest sich das Buch sehr flüssig und kurzweilig. Besonders gelungen fand ich die zahlreichen Fußnoten, die immer wieder sachliche Informationen lieferten. Diese halfen dabei, medizinische Begriffe und Abläufe besser zu verstehen, ohne den Lesefluss zu unterbrechen. Leserinnen und Leser, die sich tiefergehend informieren möchten, finden hier schnell zusätzliche Erklärungen.

Auch das moderne und ansprechende Cover hat mir gut gefallen und sofort meine Aufmerksamkeit geweckt. Die humorvolle Anspielung auf den Song "Stayin' Alive", der im medizinischen Kontext oft im Zusammenhang mit der Reanimation genannt wird, passte gut zur Grundstimmung des Buches.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Der Roman ist unterhaltsam und vermittelt auf humorvolle Weise sowohl die Herausforderungen als auch die Eigenheiten des Krankenhausalltags, wobei jedoch die klischeehafte Darstellung der Charaktere nicht jedermanns Geschmack treffen dürfte.

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