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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.10.2025

Was ist wirklich passiert?

Before we were innocent
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“Wir alle nahmen an, dass der Verlust von Evangeline das Schwierigste an der ganzen Sache sein würde. Aber wir lagen alle falsch.“ (Kapitel 5)


Worum geht’s?

Bess, Joni und Evangeline wollen mit 18 einen ...

“Wir alle nahmen an, dass der Verlust von Evangeline das Schwierigste an der ganzen Sache sein würde. Aber wir lagen alle falsch.“ (Kapitel 5)


Worum geht’s?

Bess, Joni und Evangeline wollen mit 18 einen gemeinsamen letzten Sommer verbringen, bevor sie auf unterschiedliche Unis gehen werden. Während dieses Urlaubs passiert das Tragischste überhaupt: Ev stirbt. Bess und Joni werden verdächtigt, aber schließlich freigesprochen. 10 Jahre später kreuzt Joni bei Bess wieder auf und bittet sie um ein Alibi. Und weil Bess ihr noch etwas schuldet, willigt sie ein…


Wie war’s?

Für mich war es das erste Buch der Autorin und bestimmt nicht das letzte. Was allerdings wie ein Thriller klingt, ist dennoch eher ein spannender Roman, angehaucht mit True-Crime und Coming-of-Age. Nicht falsch verstehen, das ist gar keine Kritik. Aufgrund des Klappentextes könnte aber eine andere Erwartungshaltung entstehen.
Vielmehr im Fokus steht die Beziehung der drei Mädchen zueinander, die teilweise doch schon sehr toxisch war und ist. Denn es gibt zwei Zeitstränge: Der Urlaub 2008, in welchem Ev stirbt und 10 Jahre später, 2018, als Joni wieder Kontakt zu Bess sucht.
Im Laufe der Handlung zeigt sich immer mehr, dass schon 2008 nicht alles so war, wie es scheint. Und genau das spielt auch für den zweiten Zeitstrang eine Rolle. Die Handlung baut sich eher slow auf, aber da immer wieder neue, kleine Aspekte aufgedeckt werden, passt es insgesamt total gut zusammen.
Ich kann das Buch sehr empfehlen.

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Veröffentlicht am 14.10.2025

Besonderer Schreibstil trifft auf sehr spezielle Protagonistin

Nowhere Heart Land
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„Man kann nicht so lange mit den gleichen Menschen frühstücken, Unterricht haben, nachmittags vor den Nonnen Verstecken spielen und abends in den Gemeinschaftsräumen romantische Komödien aus den Achtzigern ...

„Man kann nicht so lange mit den gleichen Menschen frühstücken, Unterricht haben, nachmittags vor den Nonnen Verstecken spielen und abends in den Gemeinschaftsräumen romantische Komödien aus den Achtzigern […] gucken […], ohne für immer befreundet zu sein. Dachte ich." (Kapitel 4)


Worum geht’s´?

Rosa muss sich als einzige lebende Verwandte um den Verkauf des Hauses ihrer Großmutter kümmern. Wie passend, dass sie gerade in London gekündigt wurde, weil sie ihrem Kollegen eine verpasst hat. Also fliegt sie zurück in die alte Heimat. Dort schwelgt sie in Erinnerungen an ihre Mutter, die früh starb und ihre Zeit im Internat mit ihren besten Freundinnen, zu denen sie keinen Kontakt mehr hat. Und während ihr 3. Geburtstag vor der Tür steht, versucht sie ihr Leben wieder in den Griff zu kriegen.


Wie war’s?

Nowhere Heart Land ist Nostalgie pur, die sich sowohl im Inhalt als auch in der Erzählweise konsequent durch das Buch zieht.
Der Schreibstil der Autorin gefällt mir gut. Er ist wortgewandt und gleichzeitig jugendlich. Passt absolut zu Rosa. Generell passt auch die Erzählweise total zu ihr. Rosa ist eigenbrötlerisch, unzufrieden, verträumt und sprunghaft. Dies spiegelt sich durch wenige Dialoge, viele zeitliche Sprünge zwischen dem Jetzt und der Vergangenheit und ein ständiges Abschweifen ihrer Gedanken wider.
Aber, so passend dies auch war, so anstrengend hat es für mich jedoch teilweise das Lesen gemacht, denn ich habe wiederholt den Faden verloren. In der Handlung gibt es immer wieder kurze, interessante Momente. Durch den starken Fokus auf Rosas innere Auseinandersetzungen passiert insgesamt jedoch eher wenig.
Auch Rosa als Protagonistin hat mich manchmal einiges an Nerven gekostet. Ihr Struggle ist völlig nachvollziehbar. Dennoch sind es viele ihrer Handlungen und Gedanken für mich überhaupt nicht und auch die Beziehung zu ihren Freundinnen wird für mich nicht wirklich fassbar.

Alles in allem ein wirklich gut geschriebenes Buch. Inhaltlich trifft es aber leider weniger meinen Geschmack.

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Veröffentlicht am 14.10.2025

Ein feministisches Highlight

Beklaute Frauen
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„Die scheinbar klare Rollenverteilung diente als Argument, dass dies die natürliche Ordnung zwischen Mann und Frau sein müsse.“ (S. 9)


Worum geht’s?

In Beklaute Frauen durchleuchtet Leonie Schöler die ...

„Die scheinbar klare Rollenverteilung diente als Argument, dass dies die natürliche Ordnung zwischen Mann und Frau sein müsse.“ (S. 9)


Worum geht’s?

In Beklaute Frauen durchleuchtet Leonie Schöler die Biografien verschiedener Frauen, hinsichtlich ihrer Rolle z. B. bei wissenschaftlichen Entdeckungen oder künstlerischen Schaffensprozessen. Sie zeigt immer wieder, wie die Deutungshoheit von Geschichte durch die Machtverhältnisse bestimmt wird. Und nun werdet ihr sicherlich überrascht sein, dass die größte Macht (immer noch) bei weißen Männern liegt und die Frauen immer wieder zurückstecken mussten.



Wie war’s?

Wow, ein absolut unerwartetes Highlight! Dieses Buch finde ich aus feministischer Sicht so, so wichtig und jede (und vielleicht viel wichtiger: jeder) sollte es gelesen haben. Es hat mich beim Lesen wütend und fassungslos gemacht. Und ich habe gelacht. Ja, richtig gelesen! Leonie Schöler weiß mich als Leserin bei Laune zu halten und schreibt absolut fesselnd (Wir reden hier von einem Sachbuch!). Während ich mir in einem Moment noch die Hände ungläubig über dem Kopf zusammenschlage, muss ich im nächsten Moment schon wieder schmunzeln. Aber trotz der ernsten Thematik behält Leonie Schöler ihren Humor und schreibt immer wieder mit einem Augenzwinkern. So gelingt ihr das Kunststück ein faktenbasiertes, gut recherchiertes Thema mit einem geschichts- und sozialwissenschaftlichen Hintergrund, einfach verständlich und unterhaltsam zu verpacken. Sie zeigt, wie wichtig es ist, sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen, um die Gegenwart zu verstehen. Und ich bin mir sicher, nur Verständnis führt dazu, dass sich etwas ändern kann. Also: Leseempfehlung!😉

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Veröffentlicht am 14.10.2025

Humorvoll, emotional und Unterhaltsam

Hot Mess
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„Warum geht es in all den traurigen Filmen und Songs eigentlich immer um gescheiterte Liebe? Zerbrochene Freundschaften waren weitaus schmerzhafter und komplizierter.“ (Kapitel 35)



Worum geht’s ?

Drei ...

„Warum geht es in all den traurigen Filmen und Songs eigentlich immer um gescheiterte Liebe? Zerbrochene Freundschaften waren weitaus schmerzhafter und komplizierter.“ (Kapitel 35)



Worum geht’s ?

Drei verschiedene Frauen, drei verschiedene Lebenssituationen. Lexi, Claire Joanne sind drei junge Frauen Ende 20/ Anfang 30, kennen sich nicht, aber haben eines gemeinsam: Sie stellen alle drei fest, dass sich ihre Leben derart verändert haben und damit auch die Erwartungen, die sie an ihre Freundschaften haben. Als sich die Wege der drei kreuzen, müssen sie entscheiden, wie es für sie weitergehen soll.


Wie war’s ?

Sophie White bringt es völlig auf den Punkt: Freundschaften sind im Leben oft prägender, als die Liebe und trotzdem kommt ihr meist eine viel geringere Bedeutung zu. Die Thematik hat mich also völlig abgeholt. Sophie White zeichnet mit Lexi, Claire und Joanne drei völlig unterschiedliche Charaktere, die teilweise ein wenig überspitzt dargestellt werden. Sie befinden sich in toxischen Freundschaften und versuchen einen Weg zu finden, damit umzugehen. Zum Ende entwickelt sich die Handlung nochmal in eine anfangs unerwartete Richtung.

Sophie White schreibt humorvoll und witzig und dann wieder überraschend emotional. Ich habe gelacht, geschmunzelt, mich über den ein oder anderen Charakterzug geärgert und gewundert und zum Schluss auch ein Tränchen verdrückt. Trotz ernster Themen, die Sophie White aufgreift, gelingt es ihr diesen die Schwere zu nehmen.
Einen Kritikpunkt gibt es jedoch: Die dargestellte Normalisierung oder Verharmlosung von Drogenkonsum. Finde ich persönlich immer schwierig… Nichtsdestotrotz: Eine große Empfehlung!

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Veröffentlicht am 14.10.2025

Zwischen Wünschen, Realität und dem Weg zu sich Selbst

No Hard Feelings
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„Manchmal ändert das Universum seine Meinung. Manchmal beschließt ein wohlwollender Gott, auf dich hinabzuscheinen, und nach stürmischen Wochen und Monaten bricht die Sonne durch die Wolken und lässt alles ...

„Manchmal ändert das Universum seine Meinung. Manchmal beschließt ein wohlwollender Gott, auf dich hinabzuscheinen, und nach stürmischen Wochen und Monaten bricht die Sonne durch die Wolken und lässt alles erstrahlen, und das Leben ist wieder schön.“ (Kapitel 9)


Worum geht’s´?

Penny ist unzufrieden mit ihrem Leben. Ständig geplagt von Selbstzweifeln vergleicht sie sich mit ihren Freundinnen und stellt immer wieder fest, dass sie sich vieles anders wünscht: Ihren Job, ihre Beziehung mit Max und ihren Freundinnen, ihre Gewohnheiten. Immer wieder sagt sie sich, dass alles besser wird, wenn sie sich bloß genug anstrengt. Aber so leicht ist es gar nicht.


Wie war’s?

No hard Feelings greift die Unsicherheiten der 20er ziemlich gut auf, die Suche nach sich Selbst und dem eigenen Lebensweg, der mitunter völlig anders sein kann, als man vielleicht dachte. Dazu gehören Themen wie sich verändernde Freundschaften und Beziehungen, Belastungen durch den Job, aber auch psychosoziale Selbstfürsorge.

Genevieve Novak schreibt mitreißend, lebhaft und immer wieder auch humorvoll. Irgendwann wollte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Ihr gelingt es Pennys Gefühle und Sorgen derart realistisch und nachvollziehbar darzustellen, dass es leicht fällt sich in sie hineinzuversetzen. Dennoch gab es für mich auch immer wieder Momente, in denen ich meine Schwierigkeiten mit Pennys überaus selbstkritischer Art hatte, die sie blind für Alternativen gemacht hat. Selbst wenn sie direkt damit konfrontiert wurde. Manchmal hätte ich sie echt gerne geschüttelt und dann aber auch wieder in den Arm genommen.

So oder so war es mitreißend und Genevieve Novak konnte mein Herz zum Ende retten.

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