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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.07.2023

Gelungener Auftakt einer typischen Schwedenkrimireihe

Apfelmädchen
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Das Thrillerdebut von Tina N. Martin spielt im Heimatort der Autorin in Nordschweden.

Eine Lehrerin wird von ihrem Ehemann erhängt im gemeinsamen Haus aufgefunden, ihre Hände von zwei Nägeln durchbohrt. ...

Das Thrillerdebut von Tina N. Martin spielt im Heimatort der Autorin in Nordschweden.

Eine Lehrerin wird von ihrem Ehemann erhängt im gemeinsamen Haus aufgefunden, ihre Hände von zwei Nägeln durchbohrt. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Calle Brandt beginnt die Kriminalkommissarin Idun Lind zu ermitteln. Doch es gibt wenig Anhaltspunkte für dieses brutale Verbrechen.

Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen. Ein Handlungsstrang beginnt 1975, der andere ist in der Gegenwart angesiedelt. Die Trennung ist deutlich erkennbar durch entsprechende Kapitelüberschriften, die zeitliche Orientierung dadurch leicht möglich. Etwas problematischer ist die Vielzahl an Personen, die im Verlauf des Romans in Erscheinung treten, aber insgesamt lässt sich der Krimi schnell und leicht lesen. Als Thriller würde ich ihn eher nicht einstufen, obwohl einige sehr grausame und brutale Szenen sicher nicht für jeden Geschmack geeignet sind. Trotzdem ist der Erzählstil eher ruhig, den Charakterzeichnungen wird viel Raum zugestanden, gelegentlich auf Kosten der Spannung. Da es sich hier aber um den Auftakt einer Reihe handelt, müssen die Hauptprotagonisten natürlich erst eingeführt werden.

Durch den Erzählstrang in der Vergangenheit ist vieles schon früh erkennbar, trotzdem bleibt bis zum Ende eine gewisse Spannung erhalten.

Mein Fazit:

Apfelmädchen ist ein typischer Auftakt einer schwedischen Thrillerreihe, der auf zwei Zeitebenen spielt und auf das Team von sehr verschiedenen Ermittercharakteren setzt. Einige Szenen sind nichts für zartbesaitete Gemüter, trotzdem werden Thrillerfans vermutlich Spannung vermissen. Für alle anderen kann ich den Roman durchaus empfehlen, wenn auch für die Fortsetzung noch etwas Luft nach oben bleibt.

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Veröffentlicht am 23.06.2023

Fundierter Ratgeber zum besseren Verständnis und Umgang mit Stress

Stress positiv nutzen
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Titel und Cover verraten bereits, worum es in diesem Ratgeber geht: nicht Stressvermeidung, sondern der richtige Umgang mit Stress ist das Thema.

Zunächst werden die Grundlagen erklärt, die ...

Titel und Cover verraten bereits, worum es in diesem Ratgeber geht: nicht Stressvermeidung, sondern der richtige Umgang mit Stress ist das Thema.

Zunächst werden die Grundlagen erklärt, die Bedeutung von Stress in der Evolution, Auswirkungen auf den Körper und die unterschiedlichen Arten von Stress. Erst dann geht es um individuelle Faktoren, Bewertungen und Strategien.
In diesem zweiten Teil werden dann verschiedene Methoden vorgestellt, die grundsätzlich auf langfristige Verhaltensänderung ausgerichtet sind und keine schnelle Lösung versprechen. Dabei geht es vor allem darum, zunächst eine individuelle Bestandsaufnahme vorzunehmen, Stressoren zu erkennen und geeignete Handlungsstrategien zu entwickeln. Wichtig sind dabei auch Entspannungstechniken, auf die detaillierter eingegangen wird. Der Autor weist in diesem Kontext darauf hin, dass bei der Auswahl immer individuelle Vorlieben und die Bereitschaft, sich auf die Technik einzulassen, berücksichtigt werden müssen.

Der Ratgeber ist in leicht verständlicher Sprache geschrieben, der Text wird durch viele anschauliche Grafiken ergänzt. Man merkt dem Text an, dass der Autor als Arzt und Therapeut aus der Praxis stammt, entsprechend differenziert sind die Lösungsvorschläge. Eine Therapie ersetzt dieser Ratgeber nicht, darauf wird auch ausdrücklich hingewiesen. Aber er bietet Anregungen für ein anderes Verständnis von Stress und im besten Fall einen gesünderen Umgang damit.



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Veröffentlicht am 21.05.2023

https://wasliestdu.de/rezension/auftakt-einer-hamburg-krimireihe-mit-viel-sozialkritik-und-origineller-mordmethode

Der Bojenmann
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"Der Bojenmann" ist der Auftakt einer neuen Krimireihe, die in Hamburg spielt. Hauptfiguren sind das LKA Team um Thies Knudsen und Dörte Eichhorn sowie Knudsens Freund Oke "La Lotse" Andersen. Im ersten ...

"Der Bojenmann" ist der Auftakt einer neuen Krimireihe, die in Hamburg spielt. Hauptfiguren sind das LKA Team um Thies Knudsen und Dörte Eichhorn sowie Knudsens Freund Oke "La Lotse" Andersen. Im ersten Fall wird der real existierende Bojenmann des Künstlers Balkenhol mitten auf der Elbe gegen einen ebenso kunstvoll plastinierten Leichnam ausgetauscht. Doch das ist nur der Auftakt, weitere professionell präparierte Leichen à la Hagens Körperwelten folgen.

Anders als in vielen Hamburg-Krimis lassen die beiden Autoren die Handlung tatsächlich unverkennbar an real existierenden Schauplätzen spielen. Zu Beginn werden vor allem die ermittelnden Personen vorgestellt. Außerdem werden insbesondere in Gesprächen zwischen Oke und Thies sehr ausführlich Themen wie Globalisierung, Klimawandel und modernes Sklaventum in der Schifffahrt behandelt. Leser*innen erfahren auch viel über das Verfahren der Plastinierung.

Kester Schlenz und Jan Jepsen haben einen sehr gut lesbaren, informativen Krimi geschrieben. Die vorgestellten Charaktere sind gut beschrieben und besonders Oke als Sympathieträger geeignet. Leider sprengen die Vielzahl an durchaus interessanten Themen mit sozialkritischem Bezug aber den Krimi - Rahmen und bremsen die Spannung etwas aus.

Das Ende lässt einige Fragen unbeantwortet. Aber das wird vermutlich in den Nachfolgebänden passieren.

Trotz der ungewöhnlichen Mordmethode ist der Bojenmann kein blutiger oder übermäßig spannender Krimi mit Suchtpotential. Gut recherchiert und gut geschrieben, aber etwas fehlt. Daher nur eine eingeschränkte Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 21.05.2023

Die zerstörerische Macht unausgesprochener Gefühle

Männer sterben bei uns nicht
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Anlässlich der Beerdigung ihrer Großmutter trifft Luise auf die weiblichen Mitglieder ihrer Familie. Anders als erwartet und der Stellung der Großmutter
angemessen, ist die Beisetzung mehr als schlicht ...

Anlässlich der Beerdigung ihrer Großmutter trifft Luise auf die weiblichen Mitglieder ihrer Familie. Anders als erwartet und der Stellung der Großmutter
angemessen, ist die Beisetzung mehr als schlicht und findet ohne weitereTrauergäste statt.

In Rückblenden wird aus Luises Sicht das Verhältnnis der Frauen zueinander dargestellt. Luise ist aufgewachsen auf einem großen Anwesen am See, bestehend aus fünf Häusern. In dem größten Haus lebte die Großmutter, in drei kleineren Häusern die anderen Frauen der Familie. Nur das fünfte Haus durfte nicht betreten werden. Unumstrittene Herrscherin war die Großmutter, Männer spielten in dieser Konstellation keine Rolle. Luise war der Liebling der Großmutter, allerdings auch nur deshalb, weil sie erwünschtes Verhalten zeigte. Die anderen Familienmitglieder konnten den Anforderungen nicht gerecht werden. Doch anstatt sich zu solidarisieren, begegnen sie einander mit Misgunst und Ablehnung.

Mich hat der Roman sowohl sprachlich als auch inhaltlich beeindruckt. Diese Frauen, die materiell anscheinend nichts vermissen, leben in einer Atmosphäre der Kälte und der Angst, ohne darüber sprechen zu können, geschweige denn sich dagegen zu wehren. Erst spät wird deutlich, welch tiefsitzende Traumata nie bearbeitet wurden.

Das Stilleben mit der angeschlagenen Schale auf dem Cover passt perfekt, weil es für mich sinnbildlich für diese beschädigte Familie steht.

Ein empfehlenswertes Buch für Leser*innen, die eher ruhige und nachdenklich stimmende Literatur mögen.

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Veröffentlicht am 21.03.2023

Wenn gute Absichten in die Katastrophe führen

Die spürst du nicht
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Zwei erfolgreiche österreichische Paare verbringen eine Woche Luxusurlaub in einer Villa in der Toskana. Elisa und Oskar Strobl- Marinek mit den Töchtern Lotte und Sophie Luise und Melanie und Engelbert ...

Zwei erfolgreiche österreichische Paare verbringen eine Woche Luxusurlaub in einer Villa in der Toskana. Elisa und Oskar Strobl- Marinek mit den Töchtern Lotte und Sophie Luise und Melanie und Engelbert Binder mit Sohn Benjamin. Die 14jährige Sophie Luise hat ihren Wunsch durchgesetzt, ihre neueste Schulfreundin Aayana mit in den Urlaub zu nehmen. Aayana stammt aus Somalia, ist schüchtern, zurückhaltend und spricht kaum Deutsch.

Der neue Roman von Daniel Glattauer beginnt in ironischem, überzeichnetem Tonfall. Es herrscht Urlaubsstimmung, der erste Abend beginnt mit viel Small Talk bei gutem Essen und viel Wein. Die Binders finden das Engagement für Aayana ganz großartig und „man spürt sie ja auch kaum“.
Doch dann passiert das Unglück, der Urlaub wird abgebrochen.

Hier ändert sich der Erzählstil, auch wenn die Charaktere immer noch etwas überzeichnet und gelegentlich auch klischeehaft dargestellt werden. Mittels Auszügen aus Pressemitteilungen und Kommentaren in Sozialen Medien wird die Geschichte vorangetrieben. In deren Mittelpunkt steht Elisa Strobl-Marinek, die als erfolgreiche Grünen-Politikerin die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich zieht. Hinter den Kulissen beginnt die Fassade allerdings zu bröckeln. Unterschiedliche Interessen und Werte treffen aufeinander: Statuserhalt, Sorge um das eigene Ansehen, Moral und Gewissen. Die Risse in den Partner- und Freundschaften sind nicht mehr zu übersehen. Während die Erwachsenen mit sich selbst beschäftigt sind, gerät Sophie Luise aus deren Blickwinkel.

Im Hintergrund bleibt lange Zeit die Geschichte von Aayana und ihrer Familie. Erst gegen Ende erhält die Familie die Möglichkeit, von sich zu erzählen. Dieser Teil ist sicher der am schwersten zu ertragende.

Mir hat „Die spürst du nicht“ gut gefallen, auch wenn ich einiges zu konstruiert und überzeichnet fand. Die eingesetzten Stilmittel haben sehr zur Auflockerung des eigentlich ernsten und tragischen Themas beigetragen. Leicht lesbar gilt daher für dieses Buch im doppelten Sinne.
Trotz der Kritikpunkte ein lesenswerter und zu empfehlender Roman!

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