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Veröffentlicht am 08.11.2019

Romy Fölck zeigt was sie kann - das Lektorat schludert

Sterbekammer
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Nachdem Totenweg (Teil 1) für mich ein Jahreshighlight war und Bluthaus (Teil 2) dann ein Flop, kann mich Romy Fölck mit Sterbekammer zum Glück wieder in ihren Bann ziehen, so dass ich die Reihe auch gerne ...

Nachdem Totenweg (Teil 1) für mich ein Jahreshighlight war und Bluthaus (Teil 2) dann ein Flop, kann mich Romy Fölck mit Sterbekammer zum Glück wieder in ihren Bann ziehen, so dass ich die Reihe auch gerne weiterhin verfolge.

Das Buch beginnt mit einem Prolog der im Mai 2010 spielt. Wir erleben mit, wie eine Frau auf dem Nachhauseweg entführt wird und es ist klar, dass es die Person sein muss die auch im Klappentext bereits erwähnt wird.
In Kapitel eins befinden wir uns dann in der Gegenwart. Wir begleiten Frida auf dem Weg zur Arbeit, doch sie ist zu spät. Ausgerechnet an dem Tag an dem der neue Chef sich vorstellt. Dass der Start mit ihm dann entsprechend schlecht ausfällt, kann man sich wohl denken. Ob das jetzt wirklich sein muss, sei mal dahingestellt. Ich persönlich hätte nichts dagegen gehabt, wenn man sich dieses zusätzliche Problem einfach mal gespart hätte und die beiden von Anfang an gut miteinander ausgekommen wären. Aber das ist Geschmackssache.
Auch Bjarne findet relativ früh wieder Erwähnung. Zu Beginn ist er noch krankgeschrieben und erholt sich weiterhin von seiner Rauchvergiftung aus den Geschehnissen von Teil zwei. Relativ früh im Buch wird er aber wieder für diensttauglich befunden, zeitlich passend zum Fund der Leiche in der alten Mühle, so dass er und Frida auch diese Mal wieder gemeinsam ermitteln.
So, und dann kommt mein erstes Problem… ich könnte Euch jetzt noch weiter eine Inhaltszusammenfassung geben, aber diese entspräche nur dem Klappentext. Denn leider passiert im ersten Drittel des Buches (ca. 150 Seiten) nicht viel mehr, als in diesem beschrieben wird und dementsprechend langatmig kam mir der Einstieg in das Buch vor. Es ist sicher auch der Tatsache geschuldet, dass ich das Buch mit meiner Lesegruppe gelesen habe und wir es in insgesamt drei Abschnitte eingeteilt haben. Dadurch haben wir diese Tatsache wohl unbewusst noch etwas betont. Ich denke aber auch wenn ich das Buch am Stück gelesen hätte, wäre mir dies aufgefallen. Den 1/3 des Buches ohne Überraschungen oder Unbekanntes, ist doch einiges.
Außerdem muss ich sagen, dass mir gerade in diesem Abschnitt etwas zu oft betont wurde wie wunderschön die Marsch doch ist. Dass die Autorin ihre Heimat liebt, ist kein Geheimnis und es ist durchaus auch ein wichtiger Teil ihrer Bücher, dass sie diese so bildhaft und authentisch beschreibt. Gefühlt fand das zu Beginn aber in jedem Kapitel Erwähnung, was mir dann doch etwas zu viel war.
Aber hier muss ich auch ganz klar sagen: Durchhalten lohnt sich! Denn im zweiten Drittel nimmt die Handlung rasant an Geschwindigkeit und Spannung zu, welche auch bis zum Schluss vorhanden bleibt. Romy Fölck zeigt mir in diesem Buch zum Glück wieder was sie kann und was ich von ihr aus ihrem ersten Teil der Reihe gewohnt war (Teil 2 war für mich ein Flop und dieser Teil somit die zweite Chance mich zu überzeugen). Wir bekommen als Leser eine spannende Ermittlung geliefert, die bis zuletzt voller Sackgassen und Rätsel steckt.
Und obwohl wir in unserer Lesegruppe nach dem zweiten Abschnitt (ca. 2/3 des Buches) die falsche Fährte hinsichtlich des Täters durchschaut hatten, blieb das Buch dennoch spannend. Bei Teil zwei war dies das große Manko für uns: alles war absolut vorhersehbar und viel zu offensichtlich. Hier war es einfach nur eine Vermutung, das Spinnen von Theorien beim Besprechen des Abschnittes und mit unserer Theorie lagen wir am Ende dann richtig. Offensichtlich war die Auflösung aber keineswegs und komplett durchschaut hatten wir sie auch nicht.
Zudem waren die Ermittlungen immer wieder von einer Art Tagebucheintrag unterbrochen, in dem die Entführte Frau in Ich-Perspektive ihr Martyrium schildert. Diese Abschnitte gehen besonders unter die Haut, da sie absolut schonungslos sind und nicht nur die Situation der Gefangenschaft schildern, sondern durch die Erzählperspektive auch die zunehmende Verzweiflung und Resignation der Gefangenen. Außerdem sind sie jeweils mit der Anzahl der Tage überschrieben, die sich die Frau bereits in der Kammer befindet. Mit dem Voranschreiten im Buch wächst diese Anzahl natürlich und je größer die Zahl wird, desto grausamer wird es sich vorzustellen, was diese Frau durchmachen musste.
Ebenfalls begeistert hat mich das Einbringen des Privatlebens der Protagonisten. Dieses spielt in Fölcks Krimis eine nicht unerhebliche Rolle und dennoch schafft sie es, dass es sich nicht zu sehr in den Vordergrund drängt oder der eigentliche Fall darunter leidet. Im Gegenteil, schafft sie dadurch eine zweite Erzählebene, auf der man mit den Charakteren mitfiebern und mitfühlen kann.
Hier hat mich in diesem Teil lediglich Jo, eine Freundin von Frida etwas gestört. Sie spielt in Teil zwei eine entscheidende Rolle und fand bei den Lesern viel Anklang, weshalb ich nachvollziehen kann, dass sie auch in diesem Teil wieder auftaucht. Leider blieb sie für meinen Geschmack dabei aber sehr flach und eine wirkliche Rolle für den Ausgang des Buches hat sie erst am Ende gespielt, wobei auch das hätte anders gelöst werden können. Für die Zukunft freue ich mich, wenn Jo in Fridas Leben weiterhin eine Rolle spielt, hoffe aber, dass sie wieder etwas greifbarer und authentischer wird.
Zu guter Letzt hätte ich dann noch einen wichtigen Kritikpunkt, der sich aber primär an das Lektorat richtet: in diesem Buch gab es wirklich viele Fehler, egal ob Schreib- oder Logikfehler. Einen wirklich großen habe ich der Autorin bereits mitgeteilt. So ist dort plötzlich vom Tod einer Figur die Rede, zehn Seiten später ist sie jedoch außer Lebensgefahr. Dies ist einer nachträglichen Änderung geschuldet, weil das Lektorat den Tod dann doch zu heftig fand. Grundsätzlich ist das ja okay, aber wenn man so eine Änderung fordert, muss man doch extra-penibel bei der Korrektur sein und dabei handelt es sich ja nun nicht um einen Buchstabenverdreher, den man leicht übersehen kann. Zusammen mit den anderen Fehlern, war mir das einfach zu viel um darüber hinwegzusehen und es unerwähnt zu lassen.
Natürlich erwarte ich auch von einem Autor, dass er sein Werk korrekturliest. Dennoch gebe ich Romy Fölck hier keine Schuld, denn die finale Prüfung unterliegt in meinen Augen nun einmal dem Lektorat, daher lasse ich dies in meiner Gesamtbewertung auch außen vor.
Diese heißt nämlich ganz eindeutig: ich will mehr! Denn den schleppenden Einstieg lies mich der Rest des Buches schnell vergessen und als die Ermittlungen erst einmal liefen, war ich sofort in deren Bann gezogen. Ich habe mitgefiebert und mitgerätselt und hätten wir das Buch nicht gemeinsam gelesen, hätte ich die letzten zwei Drittel wohl in einem Rutsch durchgelesen.
Ich bin wirklich froh, dass mich das Buch wieder überzeugen konnte und ich somit schon gespannt dem vierten Teil entgegenblicken kann.

Veröffentlicht am 08.11.2019

Stellt den Leser vor wichtige Moralfragen

Scharfschütze
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Christian Kärger liefert uns mit Scharfschütze einen untypischen Thriller der zum Nachdenken anregt und den Leser vor die Frage stellt „Wie würde ich handeln?“.

Das Buch ist der zweite Teil der Reihe ...

Christian Kärger liefert uns mit Scharfschütze einen untypischen Thriller der zum Nachdenken anregt und den Leser vor die Frage stellt „Wie würde ich handeln?“.

Das Buch ist der zweite Teil der Reihe rund um den Ermittler Paul Simon, der jedoch am Ende von Teil eins die Karriere zugunsten seiner Familie beendet hat. Diese Geschehnisse werden zu Beginn noch einmal kurz zusammengefasst und erklärt. Da der Fall ansonsten komplett eigenständig ist und das Privatleben nur minimal thematisiert wird, kann man dieses Buch deswegen auch wunderbar ohne Vorkenntnisse lesen.
Nachdem zunächst kurz Simons aktuelle Situation geschildert wurde, wechselt die Perspektive zu dem Scharfschützen. Man begleitet ihn bei seinen akribischen Vorbereitungen und gewisse Situationen werfen beim Leser die ersten Fragen auf.
Nach dem Anschlag beginnen die Ermittlungen, die jedoch auch nach Wochen nicht vorankommen und so sieht sich der Leiter der Mordkommission gezwungen Paul Simon zurückzuholen. Nach ein wenig hin und her kommt er dann natürlich auch zurück und so beginnt er zusammen mit seinem Ex-Partner Abel Lockhardt und dessen neuer Partnerin Sandra Kleinert die Ermittlungen neu aufzurollen.
Nach etwa der Hälfte des Buches ist der Schütze dann gefasst und obwohl viele Details weitere Fragen aufwerfen, drängt die Führungsebene auf den Abschluss des Falls.
Ab diesem Punkt ging für mich der spannende Teil des Buches erst richtig los. Das heißt nicht, dass ich mich davor langweilte, es hat aber alles auf diesen Moment hingearbeitet.
Simon kann die Sache nämlich nicht auf sich beruhen lassen. Er kann und will nicht glauben, dass der Scharfschütze ein Einzeltäter ist und so stellt er weiter Nachforschungen an – inoffiziell und mit teilweise illegalen Mitteln. Dass er sich dabei in größte Gefahr begibt, ist eigentlich nur logisch.
Und obwohl ich langsam echt genug habe von all diesen Alleingängen in Thrillern, die dann ihren Höhepunkt in einer dramatischen lebensgefährlichen Situation haben, kann ich mich hier damit abfinden. Ich bin nicht begeistert davon, aber von Teil eins weiß ich, dass der Protagonist einfach so ist. Hier ist es also nicht alleine ein Mittel um möglichst simpel Spannung zu erzeugen, sondern auch Teil des Charakterbildes.
Außerdem hat mich das Ende gut darüber hinweggetröstet, denn das ist das genaue Gegenteil von einem typischen Thriller. Wieso, kann ich nicht näher erläutern, ohne zu viel zu verraten. Allerdings hat der Autor das Ende so konzipiert, dass es den Leser fast schon dazu zwingt sich Gedanken zu den Themen Moral und Gerechtigkeit zu machen. Außerdem bekommt Paul Simon am Ende ein Angebot, dass eine interessante Fortsetzung vermuten lässt, die ebenfalls kein typischer Thriller sein wird.
Was mich etwas gestört hat, ist die Einteilung des Buches selbst. Es ist nicht nur in Kapitel, sondern auch in mehrere Teile gegliedert. Innerhalb dieser Teile beginnen die Kapitel dann jedes Mal aufs Neue bei eins. Dadurch hatte ich beim Lesen oft das Gefühl nicht voranzukommen. Denn wenn man bei einem über 500 Seiten starken Thriller nach über der Hälfte gerade Kapitel zwei liest, fühlt sich das einfach komisch an.
Das hatte natürlich keinen Einfluss auf die Qualität der Geschichte selbst. Deswegen gibt es von mir für „Scharfschütze“ eine klare Empfehlung. Allerdings muss ich sagen, dass mir der erste Teil einen bisschen besser gefallen hat. Ich kann aber nicht wirklich festmachen woran das liegt.

Veröffentlicht am 08.11.2019

Gelungener Abschluss!

Das Gold der Krähen
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Das Gold der Krähen ist der zweite und auch letzte Teil von Leigh Bardugos Fantasy-Geschichte rund um Kaz und Co. und schließt sich nahtlos an den ersten Teil an. Deswegen hier auch eine SPOILERWARNUNG: ...

Das Gold der Krähen ist der zweite und auch letzte Teil von Leigh Bardugos Fantasy-Geschichte rund um Kaz und Co. und schließt sich nahtlos an den ersten Teil an. Deswegen hier auch eine SPOILERWARNUNG: Wer „Das Lied der Krähen“ noch nicht gelesen hat, das aber noch tun möchte, sollte die Rezension besser nicht lesen. Ich kann nicht versprechen, dass sie hinsichtlich Teil eins völlig spoilerfrei ist, denn meiner Meinung nach spoilert alleine der Klappentext schon Wesentliches.

Wie eingangs bereits erwähnt, gehen die beiden Bücher nahtlos ineinander über und „Das Gold der Krähen“ beginnt genau dort, wo Teil eins aufgehört hat. Das ist an sich etwas, das ich sehr mag. Vor allem bei Büchern wie diesen, bei denen die Geschichte aufeinander aufbaut und es sich wirklich um eine Fortsetzung handelt. Dennoch fand ich es gerade zu Beginn etwas schwierig wieder reinzukommen und mir die Geschehnisse aus dem Vorgängerteil wieder bewusst zu machen. Hier hat die Autorin auf eine kurze Rückblende oder die Wiederholung der wichtigsten Aspekte verzichtet, sodass ich oft innehalten und nachdenken musste, um die nötigen Verbindungen herstellen und verstehen zu können. Das legte sich aber zum Glück recht schnell, dass es insgesamt nicht weiter störend war.
Anonsten hätte der Einstieg nicht besser sein können. Das Buch beginnt mit einer typischen Kaz-Aktion, bei der weder sein Team noch der Leser so wirklich weiß was Sache ist. Und das führt sich auch durch die ganze Geschichte so fort. Immer wieder landen die Krähen in scheinbar ausweglosen Situationen und so entwickelt sich das Buch schnell zum absoluten Pageturner. Denn nach Teil eins weiß man natürlich, dass Kaz noch ein Ass im Ärmel hat oder diese scheinbar ausweglose Situation von ihm genau gewollt war. Doch egal wie viele seiner Aktionen man schon miterlebt hat, man kommt einfach nicht dahinter. An dieser Stelle gilt mein großer Respekt der Autorin, die sich all die Pläne und Schlupfwinkel ausgedacht hat.
Nun, was soll ich zu diesem Buch sonst noch sagen? Es hat mich einfach begeistert und schlichtweg sprachlos gemacht. Ich liebe die Idee dahinter und dass nicht immer alles nur toll ist, sondern die Krähen Rückschläge hinnehmen müssen, und zwar nicht selten schwere.
Noch dazu lernen wir die Charaktere in diesem Buch noch besser kennen, erhaschen immer wieder einen Blick hinter die Fassade und erfahren so, wie sie zu der Person geworden sind, die sie nun mal sind.
Zu guter Letzt wäre da noch die genau perfekte Menge an Liebesgeschichte – okay, dass jeder der Charaktere eine mehr oder weniger ausgeprägte Schwärmerei hat, müsste für meinen Geschmack nicht sein… Dennoch, die Liebeleien und Gefühle werden immer sehr subtil behandelt, nehmen nie überhand oder werden gar schnulzig und sind so passend in die Geschichte eingefügt, dass sie kaum auffallen. Dass ich diesbezüglich mit zwei Charakteren mitgefiebert habe, sagt schon alles, denn ich hasse Lovestories!
Das Gold der Krähen, beziehungsweise die gesamte Geschichte inklusive Teil eins, hat einfach alles was es braucht. Spannung pur, massig Überraschungen, ein gutes Maß an Erfolgen und Rückschlägen und eine Gruppe an Protagonisten die einem so sehr ans Herz wächst, dass es fast schon weh tut sie nach nur zwei Büchern wieder gehen zu lassen. Einfach genial! Lest es!

Veröffentlicht am 08.11.2019

Anspruchsvoll, aber toll!

King of Scars
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Bardugo nimmt uns erneut mit auf eine Reise in das Grishaverse und auch wenn es sich um eine neue, eigenständige Dulogie handelt, sind Vorkenntnisse von Vorteil.

Vorweg sollte ich vielleicht erwähnen, ...

Bardugo nimmt uns erneut mit auf eine Reise in das Grishaverse und auch wenn es sich um eine neue, eigenständige Dulogie handelt, sind Vorkenntnisse von Vorteil.

Vorweg sollte ich vielleicht erwähnen, dass ich die Glory-or-Grave-Dulogie gelesen habe, nicht aber die Grisha-Trilogie. Dementsprechend waren für mich die Charaktere nur in Bezug auf „die Krähen“ alte Bekannte.
Bei den Krähen hatte ich vor allem am Anfang (circa erste 100-150 Seiten) Probleme richtig reinzukommen. Ich stolperte über viele Begriffe und Namen, die Teil der kreierten Welt und mir somit unbekannt waren. Bei King-of-Scars hatte ich dieses Problem nicht, was ich aber eher meinen Vorkenntnissen aus den anderen Büchern zuschreibe, denn auch hier fehlten die Erklärungen bei vielen Eigenbegriffen.
Solltet ihr keine Vorkenntnisse haben, kann ich euch für den Anfang nur empfehlen die Zähne zusammenzubeißen und sich reinzufuchsen. Lohnen tut es sich allemal, denn ist man erst einmal drin, will man die Bücher gar nicht mehr aus der Hand legen.
Außerdem wurde mir gesagt, dass das bei den Grisha-Büchern genauso sei und diese waren ja die erste Geschichte aus dieser Welt. Dementsprechend ist es wohl einfach der Stil der Autorin und hat weniger damit zu tun, dass sie die Kenntnisse aus den anderen Büchern voraussetzt.
Das zeigt sich meiner Meinung nach auch darin, dass die Geschichte in King of Scars immer wieder auf Ereignisse aus den Glory-or-Grave-Büchern verweist, diese dann aber so geschildert werden, dass man es auch ohne Vorkenntnisse versteht. Sicherlich ist es so, dass die ein oder andere Andeutung nur zu verstehen ist, wenn man die anderen Bücher kennt. Diese Andeutungen sind aber nicht essenziell um die Handlung zu verstehen. Ich sehe diese vielmehr als kleine Easter-Eggs für treue Fans. Schön ist hierbei auch, dass man manche Charaktere schon kennt und es somit wie ein Wiedersehen mit alten Freunden ist, man die neuen Charaktere aber genauso schnell ins Herz schließt.
Bardugo erzählt die Geschichte primär in zwei Strängen, wobei die Perspektive zwischen den jeweils Beteiligten wechselt. Da wäre zum einen der Zar Nikolai, der mit Hilfe einer der mächtigsten Grisha, Zoya, versucht das Reich Ravka vor einem Krieg und seinen Feinden zu bewahren.
Gleichzeitig ist Nina mit zwei weiteren Grisha auf verdeckter Mission im Reich der Fjerdan unterwegs, um Grisha aus deren Fängen zu befreien.
Über allem schwebt dabei immer wieder verhängnisvoll der Name „des Dunklen“. Er hat damals Ravka zerstört und war totgeglaubt. Doch nun häufen sich die Zeichen, dass er noch lebt und erneut eine Bedrohung darstellt. Davon getrieben, versuchen die Protagonisten alles, um den Krieg doch noch abzuwenden. (Hier hatte ich den Eindruck, knüpft vieles an die Grisha-Trilogie an. Ich habe aber, auch ohne diese gelesen zu haben, alles verstehen können.)
Dabei gibt es viele verschiedene Ereignisse, die die unterschiedlichsten Personen betreffen. Diese werden am Ende aber alle aufgelöst, sodass es keinen übertriebenen Cliff-Hanger für Teil zwei gibt. Dennoch ist klar, dass den Protagonisten das Schlimmste wohl noch bevorsteht und so ist die Vorfreude auf den nächsten Teil bei mir jetzt schon groß.
Verglichen mit den Krähen-Büchern, ist die Geschichte in King of Scars deutlich politischer. Es geht nicht um die Geschichte der einzelnen Protagonisten, sondern um die jahrelangen Feindschaften zwischen den Königreichen. Dies ist für meinen Geschmack aber so umgesetzt, dass es nicht trocken wird. Die Spannung ist wieder sehr hoch und durch die wechselnden Erzählstränge auch durchgehend gegeben und abwechslungsreich.
Wie bei den Krähen, hat mich auch dieses Buch wieder durchweg überzeugt und ich kann die Fortsetzung kaum erwarten. Die Welt die Bardugo mit ihrem Grishaverse geschaffen hat, ist einfach nur faszinierend. Immer wieder gibt es Neues zu entdecken und tauchen neue, interessante Charaktere auf.
Klare Empfehlung für Fantasy-Fans! Und das tolle dabei ist, dass wenn einem dieses Buch/diese Reihe gefällt, einem die anderen vermutlich auch gefallen und man somit einiges an Nachschub hat. So habe ich zum Beispiel noch die Grisha-Reihe vor mir, sodass ich die Wartezeit bis zum zweiten Teil von King of Scars damit überbrücken kann.

Veröffentlicht am 08.11.2019

Die Geschichte zweier Frauen

The Girl Before - Sie war wie du. Und jetzt ist sie tot.
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Dieser Thriller verwebt auf gekonnte Weise die Geschichten zweier Frauen, die sich nur auf den ersten Blick ähnlich zu sein scheinen und konstruiert gleichzeitig ein Netz aus Lügen und Halbwahrheiten das ...

Dieser Thriller verwebt auf gekonnte Weise die Geschichten zweier Frauen, die sich nur auf den ersten Blick ähnlich zu sein scheinen und konstruiert gleichzeitig ein Netz aus Lügen und Halbwahrheiten das bis zuletzt undurchsichtig bleibt.

Das Buch beginnt damit, dass wir Emma in der Ich-Perspektive begleiten. Sie ist die im Klappentext bereits erwähnte, verstorbene Vormieterin. Wir begleiten sie und ihren Freund Simon bei der Wohnungssuche und erfahren dabei einiges über ihre aktuelle Lebenssituation.
In Kapitel zwei gibt es dann einen Sprung in die Gegenwart zu Jane, unserer Protagonistin. Auch sie erzählt in der Ich-Perspektive und befindet sich auf Wohnungssuche.
Im Folgenden wechselt man mit beinahe jedem neuen Kapitel zwischen den beiden Frauen hin und her. So begleitet man sie quasi parallel dabei wie sie auf das Haus stoßen, es besichtigen und nach und nach von den absurden Vorschriften und Regeln erfahren, die mit dem Einzug einhergehen würden.
Durch diese parallele Erzählweise kann man gar nicht anders, als die beiden Frauen zu vergleichen und gegeneinander abzuwägen. Und genau so geht es dann weiter, als beide auf den Eigentümer des Hauses treffen und eine Beziehung mit ihm eingehen.
Dabei ist es als Leser besonders befremdlich die Treffen zu verfolgen, da er ein gewisses Programm abzuspielen scheint. Denn früher oder später unternimmt er mit den beiden Frauen immer das gleiche und schenkt ihnen sogar das gleiche Kleid und die gleiche Kette. So fragt man sich natürlich schnell, was es mit diesem Mann auf sich hat und ob er irgendwie in den Tod Emmas verwickelt war.
Die Handlung nimmt dabei langsam aber stetig an Fahrt auf, vor allem ab dem Moment ab dem Jane von Emma erfährt. Sie kann diese Geschichte einfach nicht ruhen lassen und fängt an Nachforschungen anzustellen. Dabei spricht sie mit Menschen, die in Emmas Leben eine Rolle gespielt haben, doch immer wenn sie die Wahrheit zu finden glaubt, kommen neue Geheimnisse ans Licht.
Besonders überzeugt hat mich dabei, dass jede der handelnden Personen ihre ganz eigenen Ziele zu verfolgen scheint. Man kann sich nie sicher sein wer die Wahrheit sagt und was die Absichten der Person sind. Dadurch entsteht beim Lesen eine ganz besondere Atmosphäre, in der man alles und jeden hinterfragt.
Vollends abgerundet hat die ganze Geschichte dann der Schluss. Es werden alle Erzählstränge und Geheimnisse aufgedeckt, sodass man nicht mit offenen Fragen zurückbleibt. Außerdem erfährt man von jeder Person was ihre eigentliche Intention war, was ich bei einem solchen Buch besonders wichtig finde. Hier kamen selbst ganz zum Schluss noch einige Überraschungen ans Licht, durch die man die Geschichte und manche Personen nachträglich ganz anders betrachtet.
Für mich ist dieses Buch perfekt für lange Lesenachmittage im Herbst. Einmal angefangen, will man es nämlich nicht mehr weglegen. Außerdem ist es auch perfekt für Leser, die es lieber unblutig mögen.