Sag es mit Blumen...
The FloristHeute ist Valentinstag. Mein Mann hat mich nicht nur mit einem wunderschönen Blumenstrauss überrascht, sondern auch mit einem neuen Buch, das auf meiner Wunschliste stand. Wie steht es um euch? Gefällt ...
Heute ist Valentinstag. Mein Mann hat mich nicht nur mit einem wunderschönen Blumenstrauss überrascht, sondern auch mit einem neuen Buch, das auf meiner Wunschliste stand. Wie steht es um euch? Gefällt euch die Kombination Buch und Blumen? Liebt ihr nicht nur spannende Psychothriller, sondern auch ausgefallene Blumen- und Pflanzenarrangements? Dann möchte ich euch das Buch "The Florist" der britischen Schriftstellerin C. L. Pattison ans Herz legen, das um toxische Freundschaften und dunkle Familiengeheimnisse kreist.
Das Cover ist ein Hingucker. Es wirkt wie ästhetisches floristisches Kunstwerk, geschaffen von einem Könner. Die Komposition aus rotem Klatschmohn und weißen Lilien gefällt mir sehr, sie bildet einen klaren Kontrast zu dem düsteren Hintergrund und zieht alle Blicke auf sich. Bei näherer Betrachtung entdeckt man einige Blutstropfen, die auf kommendes Unheil verweisen und eine Gänsehaut über den Rücken jagen. Der Titel ist auf die wesentliche Information konzentriert, die versetzt gestaltete weiße Schrift fällt aus dem Rahmen des Üblichen.
Der Psychothriller spielt mitten in London, wo die künstlerisch begabte Floristin Amy Mckenzie den kleinen, feinen Blumenladen "Darling Blossoms" führt. Mit ihren floralen Kreationen hat sie sich einen guten Namen erarbeitet, aber in der Metropole ist Networking (über-) lebenswichtig. Auf der Suche nach vermögenden Kund*innen, die nicht nur regelmässige Aufträge vergeben, sondern auch gesellschaftlichen Aufstieg in die High Society ermöglichen, setzt sie auf den Kontakt mit dem angesehenen Architekten James Elliott, der - zusammen mit seiner Frau - eine Überraschungsparty anlässlich des 40. Geburtstages seiner Schwägerin Izzy ausrichten will. Die allein lebende, ehrgeizige Floristin Amy Mckenzie fühlt sich von der Welt der Reichen und Schönen im Allgemeinen und der glamourösen geschiedenen Frau im Besonderen magisch angezogen; sie heftet sich an ihre Fersen, sucht ihre Freundschaft und will ein Teil ihres Lebens werden.
Das Geschehen spielt auf mehreren zeitlichen Ebenen und wird aus verschiedenen Perspektiven vermittelt. Hierbei kommt vor allem Amy Mckenzie in der Ich-Perspektive zu Wort. Durchbrochen werden ihre Schilderungen von offiziellen Vernehmungsprotokollen, die sich um die Aufklärung eines Verbrechens drehen, umrahmt von einem Prolog und Epilog, wiederum aus der Sicht von Amy Mckenzie. Auf diese Weise kann man tief in die Gedanken- und Gefühlswelt der Protagonistin eintauchen. Sie ist eine gebrochene literarische Figur, traumatisiert von folgenschweren Ereignissen in ihrer Vergangenheit, die sie um jeden Preis geheimhalten will. Sympathie kann man ihr kaum entgegenbringen, eher Mitleid. Amy Mckenzie will alles wissen, aber nichts von sich preisgeben. Sie kann kein Vertrauen schenken, aber sie will alles über die Menschen erfahren, die mehr oder weniger zufällig ihren Weg kreuzen.
Mich hat dieser ausgefallene, auf eine subtile Weise spannende Psychothriller sehr beeindruckt. Bereits die ersten Zeilen lassen ein ungutes Bauchgefühl entstehen, das sich nach und nach zur festen Gewissheit steigert. Alle handelnden Personen sind sehr vielschichtig angelegt, sie hüten eigene (dunkle) Geheimnisse und sind in kaum zu durchschauende toxische Beziehungen untereinander verstrickt. Auch wenn die dargebotene Lösung in sich schlüssig ist, hätte man sie so nicht erwartet, denn C. L. Pattison ist es mühelos gelungen, viele falsche Fährten zu legen, die für zusätzliche Verwirrung sorgen. Genau das Richtige für alle Lesenden, die zum Sterben schöne, tiefgründige Psychothriller schätzen.