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Veröffentlicht am 20.04.2026

Wie man zur Betrügerin wird

Fabula Rasa oder Die Königin des Grand Hotels
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Das Buch war etwas anders als ich es mir vorgestellt habe. Es wurde ja von einem wahren Kriminalfall inspiriert, bei dem eine Wiener Buchhalterin über Jahre mehrere Millionen aus einem Luxushotel unterschlagen ...

Das Buch war etwas anders als ich es mir vorgestellt habe. Es wurde ja von einem wahren Kriminalfall inspiriert, bei dem eine Wiener Buchhalterin über Jahre mehrere Millionen aus einem Luxushotel unterschlagen hat.

Erwartet habe ich deshalb Intrigen und Spannung - bekommen habe ich eher das Porträt einer Frau, die ihren Betrug mit Lebensumständen rechtfertigt: kranke Mutter, alleinerziehend, der Wunsch nach einem besseren Leben fur ihr Kind. Angelika Moser ist trotzdem irgendwie eine coole Socke. Man mag sie, obwohl sie viel Unsinn macht.

Was mir an dem Buch gefiel, war der Wiener Schmäh, der lockere Schreibstil und die gesellschaftliche Kritik, die leise mitschwingt: wie stark Herkunft den Lebensweg beeinflusst.

Ich persönlich hätte mir weniger Umfang und mehr Fokus gewünscht, vor allem im Hinblick auf eine tiefere innere Entwicklung der Protagonistin.

Dennoch kann ich das Buch allen empfehlen, die Hotelgeschichten, viele Nebenschauplätze und einen unterhaltsamen Erzählstil mögen.

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Veröffentlicht am 22.03.2026

Sich und andere besser verstehen

Was dein Leben leichter macht
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„Was dein Leben leichter macht“ von Sina Haghiri ist ein Buch voller psychologischer Erkenntnisse. Es ist in 20 Kapiteln unterteilt, die jeweils unterschiedliche Aspekte beleuchten.

Wir erfahren viel ...

„Was dein Leben leichter macht“ von Sina Haghiri ist ein Buch voller psychologischer Erkenntnisse. Es ist in 20 Kapiteln unterteilt, die jeweils unterschiedliche Aspekte beleuchten.

Wir erfahren viel darüber, wie unsere Psyche funktioniert und wie wir durch das neu gewonnene Wissen unseren Alltag auf individueller Ebene, aber auch im Umgang mit anderen Mitmenschen erleichtern können. Themen wie „Zuspätkommen“, „Streiten“, „Schlafen“ und „Lügen“ werden ebenso behandelt wie aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen. Besonders interessant fand ich die Ausführungen zu „Wohlstandsmelancholie“ und „Religion für Atheisten“.

Die Kapitel sind gut strukturiert und kurz gehalten. Pro Thema benötigt man etwa 15-20 Minuten, sodass sich die Abschnitte auch gut in zeitlichen Abständen lesen lassen.

Der Schreibstil ist sehr nahbar und zugänglich. Zwar wird immer wieder auf Studien und wissenschaftliche Fakten verwiesen, doch dank anschaulicher Fallbeispiele bleibt alles sehr verständlich. Überrascht hat mich, dass das Buch kein typischer Ratgeber ist und keine konkreten To-Dos vermittelt. Vielmehr liegt der Fokus auf dem Verständnis komplexer Zusammenhänge, aus dem sich der Leser seinen eigenen Weg erschließen kann.

Ich empfehle das Buch allen, die sich selbst und andere besser verstehen möchten und ein kompaktes, praxisnahes Werk mit fundierten psychologischen Einsichten suchen.

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Veröffentlicht am 15.03.2026

Ein beeindruckendes Debüt!

Das schönste aller Leben
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„Das schönste aller Leben“ ist der Debütroman von Betty Boras. Er hat mich sehr berührt und begeistert!

Aber zunächst kurz zum Inhalt:
Vio flieht als 6-jährige mit ihren Eltern aus Rumänien nach Deutschland ...

„Das schönste aller Leben“ ist der Debütroman von Betty Boras. Er hat mich sehr berührt und begeistert!

Aber zunächst kurz zum Inhalt:
Vio flieht als 6-jährige mit ihren Eltern aus Rumänien nach Deutschland und tut ihr Leben lang alles um sich anzupassen, dazugehören und den Erwartungen ihrer Eltern und der Gesellschaft gerecht zu werden. Erst der tragische Unfall mit ihrer Tochter bringt zum Vorschein, welche Wunden aus ihrer Vergangenheit nicht geheilt wurden, welche Muster unbewusst durch die Erziehung und Sozialisation übernommen wurden. Vios Gedanken drehen sich nämlich ständig um die Frage nach dem Aussehen ihrer Tochter und ihrer Wahrnehmung durch Andere.
Parallel dazu lernen wir Theresia kennen, die im 18. Jahrhundert ein Leben voller Entbehrungen und Schicksalsschläge erleiden musste.
Beide Frauen entstammen der gleichen Ahnenreihe und sind durch die Themen Schönheit, Anpassung und den von der Gesellschaft ausgehenden Druck verbunden. Den historischen Kontext liefern auch die Kapitel aus der Perspektive der Benater Erde. Sie vermitteln dem Leser das Wissen um die „Banater Schwaben“ auf eine sehr zugängliche Art und Weise.

Das Buch ist unglaublich emotional und voller Schmerz. Es beschäftigt sich mit den Themen Identität, Herkunft, Mutterrolle, Schuldgefühle, Familiendynamiken und Migrationserfahrungen. Es zeigt sehr deutlich, wie man sich als Mutter überfordert fühlen kann, trotzt ungeheuerlicher Liebe für das Kind. Das Gefühl immer performen zu müssen, auch in der Mutterrolle, kann einem zum Verhängnis werden.

Auf den 240, zum Teil sehr intensiven Seiten sitzt jeder Satz, kein Wort ist überflüssig. Und zwischen den Zeilen schwingt ganz viel Gefühl mit. Betty Boras erzählt sehr dicht, teilweise provokativ und ungeschönt, welche Kämpfe Frauen seit Jahrhunderten in ihren Familien, in der Gesellschaft, aber auch mit sich selbst austragen müssen.

Mich hat diese Geschichte trotz ihrer Heftigkeit mit einem guten Gefühl hinterlassen. Es war auf jeden Fall lesenswert und ich staune immer noch, wie gut gelungen ein Debüt sein kann!

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Veröffentlicht am 13.03.2026

Geschichten aus dem Moor

Spiegelland
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„Spiegelland“ von Rebekka Frank ist ein vielschichtiger, generationenübergreifender Familienroman, der auf drei Zeitebenen spielt. Wir erleben Elias im Jahre 2025, der nach einem schlimmen Vorfall von ...

„Spiegelland“ von Rebekka Frank ist ein vielschichtiger, generationenübergreifender Familienroman, der auf drei Zeitebenen spielt. Wir erleben Elias im Jahre 2025, der nach einem schlimmen Vorfall von zu Hause abhaut und Zuflucht bei seiner Oma sucht. Diese weiht ihren Enkel in die Familiengeschichte ein, insbesondere in die Ereignisse um das Jahr 1999 als sie vor ihrem gewalttätigen Ehemann fliehen musste und sich in einem Haus im Moor niederließ. Die dritte Zeitebene gibt der Geschichte den historischen Kontext und spielt im Jahr 1756, genau in der gleichen Moor-Gegend.

All die Geschichten werden fein und stimmig miteinander verwoben, wie die Fäden des alten, geheimnisvollen Webteppichs, der im Buch eine zentrale Rolle einnimmt und dessen Symbolik wir mit der Zeit entschlüsseln dürfen. Die Handlungsstränge gehen glatt ineinander über, teilweise überlagern sie sich sogar, sodass man das Gefühl bekommt, dass sich bestimmte Ereignisse wiederholen. Dem Leser wird auf diese Weise vor die Augen geführt, dass die Themen wie Gewalt, Männlichkeitsbilder und Unterdrückung von Frauen seit ehe und je existieren. Nur die Protagonisten und die Kulisse ändern sich.

Das Besondere an dem Buch von Rebekka Frank ist, dass die Frauenschicksale so nah und emotional gezeichnet werden, dass man als Leser innerlich aufschreien muss und sich fragt: „Wieso immer noch?“ und „Wie lange noch?“
Mit der Figur von Elias sucht die Autorin nach einer Lösung, wie die Umkehr vom jahrhundertlangen Patriarchat bis hin zur bewusster Sozialisierung gelingen könnte.

Der Roman ist keine leichte Kost. Die angegebenen Trigger-Warnungen sind unbedingt nötig. Dennoch hatte diese Geschichte eine unglaubliche Sogwirkung, natürlich wegen der spannenden Story, aber auch wegen der sehr gut eingebauten Cliffhanger und der kurzen Kapitel, die zum Weiterlesen verleiten. Ein wenig wie bei einer Serie, wo man denkt „Ach, auf die 20-30 Minuten kommt es ja nicht an.“
Ich las das Buch so gern, dass mir jetzt nichts übrigbleibt, als die Lektüre von „Stromlinien“ nachzuholen, um noch einmal in eine Geschichte von Rebekka Frank eintauchen zu können.

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Veröffentlicht am 06.03.2026

Wie ein Gespräch mit einer Freundin.

Ja, nein, vielleicht
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„Ja, nein, vielleicht“ von Doris Knecht hat eine unglaublich starke, symphytische Protagonistin. Ich mochte sie sofort!
Eine Schriftstellerin, die schon länger als Single in einem ländlich gelegenen ...


„Ja, nein, vielleicht“ von Doris Knecht hat eine unglaublich starke, symphytische Protagonistin. Ich mochte sie sofort!
Eine Schriftstellerin, die schon länger als Single in einem ländlich gelegenen Haus in der Nähe von Wien lebt. Die Kinder sind aus dem Haus, sie genießt die Ruhe und die tiefen Freundschaften in ihrem Leben.

Eines Tages taucht auch Friedrich auf, den sie schon von früher kennt. Plötzlich muss sich die Protagonistin fragen, ob er es wert ist, die lieb gewonnene Freiheit und Unabhängigkeit wieder aufs Spiel zu setzen.

Das Buch ist wie ein Gespräch mit einer Freundin. Herzlich, ehrlich, ohne Umschweife. Ich mochte die feinen, präzisen Beobachtungen, das Gefühl des Miteinanders, das Nachdenken übers Älterwerden, Liebe, Beziehungen und Selbstbestimmung. Doris Knecht kann so wunderbar entspannt erzählen und ihre Geschichten mit ganz feinem Humor und einer Prise Ironie würzen. Dieses Buch war ein Vergnügen.

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