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Veröffentlicht am 18.03.2020

Wunderbar atmosphärische Schauergeschichten

Onkel Montagues Schauergeschichten
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Edgar ist Einzelkind und bekommt von seinen Eltern kaum Aufmerksamkeit. Zum Glück gibt es Onkel Montague, den er in den Schulferien besuchen darf. Onkel Montague lebt in einem einsamen, düsteren Haus am ...

Edgar ist Einzelkind und bekommt von seinen Eltern kaum Aufmerksamkeit. Zum Glück gibt es Onkel Montague, den er in den Schulferien besuchen darf. Onkel Montague lebt in einem einsamen, düsteren Haus am Waldrand, gilt als seltsam und keiner weiß so richtig, wie alt er eigentlich ist. Das ist Edgar aber egal, denn er liebt Geschichten und der Onkel ist ein großartiger Erzähler. Seine Geschichten sind allerdings genauso eigenartig wie er selbst und für Kinder eher nicht geeignet...

Ich habe das Buch im Regal der Kinderbücherabteilung unserer Stadtbibliothek entdeckt und nach Hause mitgenommen in der Hoffnung, dass es meiner 11-jährigen Tochter gefallen könnte. Zum Glück habe ich zuerst mit der Lektüre angefangen. Denn die Geschichten sind aus meiner Sicht nicht wirklich für Kinder bestimmt, zumindest nicht für die zartbesaiteten unter ihnen. Da ich bereits als junges Mädchen eine Vorliebe für Gruselgeschichten gehabt habe, hätte ich vermutlich schon damals meine Freude an ihnen gehabt und auch jetzt hat mir das Lesen sehr viel Spaß bereitet. Der britische Autor Chris Priestley ist nämlich wie sein Protagonist Onkel Montague ein begnadeter Erzähler, der wunderbar unterhalten kann. Das Buch enthält elf mysteriöse Geschichten, die in eine Rahmenhandlung eingebettet sind. Sie spielen vorwiegend in England, meiner Einschätzung nach gegen Ende des 19. Jahrhunderts, handeln allesamt von übernatürlichen Phänomenen und enden keineswegs mit einem Happy End. Was sie ebenfalls gemeinsam haben ist die wohlig-schaurige Atmosphäre, die der Autor bereits mit wenigen Sätzen perfekt zu erzeugen vermag. Wie bereits erwähnt, sind die Geschichten alles andere als Gute-Nacht-Märchen. In einer von ihnen zum Beispiel ergreift ein böser Geist den Besitz von einem Jungen, der sich daraufhin nach und nach in einen grausamen Sadisten verwandelt, zahlreiche Tiere zu Tode quält und schließlich sogar den Tod seiner eigenen Mutter verursacht. Vermutlich kann das sogar manch einem erwachsenen Leser zu viel werden. Nichtsdestotrotz überzeugt das Buch durch den tollen Schreibstil und eine ordentliche Portion Spannung.

Unbedingt erwähnen muss ich noch die meines Erachtens sehr gelungene graphische Gestaltung des Buches. Die phantasievollen und perfekt zum Thema passenden Illustrationen stammen von David Roberts, der wie der Autor in England lebt, zahlreiche Kinder- und Jugendbücher illustriert hat und für seine Arbeit mit mehreren Preisen ausgezeichnet wurde.

Mein Fazit: Wer viktorianische Schauergeschichten mag, der wird bei diesem Buch vermutlich auf seine Kosten kommen. Ich jedenfalls habe die Lektüre genossen und war froh zu erfahren, dass Chris Priestley bereits weitere Bände geschrieben hat

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.03.2020

Bewegende Geschichte eines Aufbruchs

Unorthodox
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Die chassidische Jüdin Devoireh lebt in New Yorker Stadtviertel Wiliamsburg, inmitten einer durch strenge Regeln und Gesetze geprägten jüdischen Gemeinde. Bereits als junges Mädchen merkt sie, dass sie ...

Die chassidische Jüdin Devoireh lebt in New Yorker Stadtviertel Wiliamsburg, inmitten einer durch strenge Regeln und Gesetze geprägten jüdischen Gemeinde. Bereits als junges Mädchen merkt sie, dass sie nicht wirklich in diese Welt hineingehört. Sie fühlt sich in vielerlei Hinsicht eingeengt und gezwungen, ihre wahre Natur, ihre Gefühle und Neigungen stets zu verbergen, um nicht ausgegrenzt bzw. von der Gemeinde verstoßen zu werden. Selbst ihre scheinbar harmlose Leidenschaft Bücher zu lesen gilt als verwerflich. Devoireh darf sie nicht ausleben, sodass sie heimlich Bücher ausleiht und sie in ihrem Zimmer verstecken muss. Mit zunehmenden Alter verstärkt sich in ihr immer mehr der Wunsch nach einem anderen Leben, nach Freiheit und Selbstbestimmung. Doch der Weg dahin ist lang und alles andere als einfach...

Das Buch, mit dem Deborah Feldman 2012 die Bestsellerliste der New York Times im Sturm eroberte, ist eine autobiographische Erzählung, in der die Autorin laut eigener Aussage weitgehend ihre persönlichen Erlebnisse schildert. Bereits diese Tatsache mach „Unorthodox“ besonders authentisch und berührend. Deborah Feldman schreibt offen und schonungslos und dabei ist ihre Sprache schön, kraftvoll und von einer Intensität, die den Leser wie ein Sog hineinzieht. Man kann nicht anders als mit ihr zu fühlen und zu hoffen. Und sie zu bewundern für ihre Stärke, ihren Willen und ihren Mut, mit denen sie sich den eigenen Emanzipationswunsch letztendlich tatsächlich erkämpft.

Mein Fazit: Eine beeindruckende und stellenweise erschütternde Geschichte, toll erzählt! Deborah Feldmans Bericht macht Mut und erinnert uns daran, wie wichtig es ist, sich selbst treu zu sein und wenn notwendig um seine Rechte zu kämpfen. Darüber hinaus liefert der Roman einen aus meiner Sicht extrem spannenden Einblick in die den meisten Lesern fremde und völlig unverständliche Strukturen einer orthodoxen jüdischen Gemeinde. Von mir eine klare Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 15.03.2020

Ein Buch, auf das Frauen gewartet haben!

Midlife-Care
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Irgendwann erwischt es jede von uns: die Wechseljahre! Die manchmal belächelte und oft befürchtete Phase im Leben einer Frau bringt gravierende Hormonveränderungen mit sich, die durchaus unangenehme Auswirkungen ...

Irgendwann erwischt es jede von uns: die Wechseljahre! Die manchmal belächelte und oft befürchtete Phase im Leben einer Frau bringt gravierende Hormonveränderungen mit sich, die durchaus unangenehme Auswirkungen haben und Frauen aus der Bahn werfen können. Nicht immer wissen sie, wie sie mit den typischen Symptomen, wie etwa Stimmungsschwankungen, starker Erschöpfung und Schlafproblemen umgehen sollen. Häufig verstehen sie die zugegeben recht komplizierten Prozesse nicht, die gerade in ihren Körpern stattfinden. Nicht selten ist ihnen sogar gar nicht bewusst, dass sie sich bereits in der frühen Phase der Wechseljahre – der Perimenopause- befinden. Leider geschieht es zuweilen, dass selbst Ärzte die Symptome falsch deuten und den Frauen keine angemessene Behandlung zukommen lassen, was ihren Zustand noch verschlechtert. Es herrscht auf diesem Gebiet immer noch viel Aufklärungsbedarf und genau diese Lücke schließen Dr. med. Susanne Esche-Belke und Dr. med. Suzann Kirschner-Brouns mit ihrer Publikation.

Die beiden Autorinnen nutzen ihre langjährige Praxiserfahrung und private Erlebnisse und ergänzen diese mit einer ordentlichen Portion neuesten Wissens, beispielsweise mit den aktuellen Erkenntnissen aus der Endokrinologie, Stressmedizin und Ernährungswissenschaften. Das Ergebnis ist ein äußerst informatives Buch, das Frauen in der Zeit des hormonellen Umschwungs (und nicht nur) begleitet, unterstützt und ihnen viele wichtige Fragen beantwortet. Dabei wird das Wissen mit Hilfe von anschaulichen Beispielen und Vergleichen auf verständliche Weise vermittelt. Der Schreibstil ist trotz der Thematik nicht trocken, sondern angenehm lebendig und recht locker. Das macht die Lektüre angenehm und stellenweise sogar richtig spannend. Man wird auf viele interessante Dinge aufmerksam gemacht, über die man sich sonst kaum Gedanken machen würde. Das Buch liefert auch wertvolle Tipps und Anregungen, die den Frauen helfen sollen, nicht nur gesünder und entspannter die Wechseljahre zu meistern, sondern generell ein glücklicheres und erfüllendes Leben zu führen. Somit ist „Midlife-Care“ Leserinnen in jedem Alter zu empfehlen. Gerade jüngere Frauen könnten besonders davon profitieren, indem sie rechtzeitig sensibilisiert und auf die Folgen der hormonellen Umstellung vorbereitet werden.

Mein Fazit: Ein wichtiges Buch, das Hilfe leistet und Mut macht – ich bin begeistert und möchte es jeder Frau wärmstens ans Herz legen!

  • Cover
  • Thema
  • Umsetzung
  • Wissen
Veröffentlicht am 17.02.2020

Eine ergreifende deutsch-türkische Liebesgeschichte in Berlin der 20er Jahre

Die Madonna im Pelzmantel
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Der Türke Raif Efendi lebt in Ankara und ist ein stiller, unscheinbarer Zeitgenosse. Er arbeitet als Übersetzer für eine Firma, wo man ihn trotz seiner guten Leistungen und seines Fleißes kaum beachtet ...

Der Türke Raif Efendi lebt in Ankara und ist ein stiller, unscheinbarer Zeitgenosse. Er arbeitet als Übersetzer für eine Firma, wo man ihn trotz seiner guten Leistungen und seines Fleißes kaum beachtet geschweige denn schätzt. Auch zu Hause wird er nur geduldet, obwohl er die Familie ernährt und sich um die meisten Angelegenheiten kümmert. Raif erträgt dies ohne zu klagen und scheint diese Behandlung als sein Schicksal zu akzeptieren. Als er eines Tages schwer krank wird, erfährt sein jüngerer Bürokollege durch Zufall, dass der auf den ersten Blick so unscheinbare Mann seit vielen Jahren ein Geheimnis mit sich herumträgt, das mit seiner bewegten Vergangenheit zusammenhängt. Damals lebte der junge Raif Efendi in Berlin, wo er die Liebe seines Lebens traf...

Ich bin durch Zufall auf dieses Buch gestoßen und bin sehr glücklich darüber! Es ist eines der Bücher, die wie der Protagonist von Sabahattin Ali sind: Nach außen unscheinbar und langweilig, offenbaren sie doch, wenn man sich näher mit ihnen beschäftigt, ihre Tiefgründigkeit und ihre Schönheit. Die Geschichte Raif Efendis ist wie ein kostbares Juwel in einer schlichten Schachtel. Auch wenn dieser Vergleich sehr pathetisch klingt, so finde ich ihn für dieses Buch angemessen und absolut passend: Eingebettet in eine recht kurze Rahmenerzählung wird hier eine tieftraurige und doch wunderschöne Liebesgeschichte geschildert, die von seltener Originalität ist. Ein junger Türke, der in Berlin die Kunst der Seifensiederei erlernen sollte, um später in der Heimat die Geschäfte seines Vaters besser führen zu können, lernt durch Zufall eine junge, exzentrische Malerin kennen. Raif kennt bereits ihr Gesicht von einem Selbstporträt, das er in einer Galerie entdeckt und das ihn vollkommen in seinen Bann gezogen hat. Die Begegnung mit der realen Maria wird Raifs Leben für immer verändern... Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten, aber ich würde gern allen, die beim Lesen auch etwas riskieren und bereit sind, etwas Neues zu entdecken, dieses Buch ans Herz legen. Ich hoffe, sie werden nicht enttäuscht sein! Für mich ist der Autor Sabahattin Ali wie ein Zauberer, der mich in fremde Welten entführt hat: zuerst in die exotische Türkei, nach Ankara und dann nach Deutschland, in das nicht weniger aufregende Berlin der 20er Jahre. Vor dieser Kulisse, die er sehr stimmungsvoll zu schildern vermag, findet die Begegnung von Raif und Maria statt. Ihre Geschichte wird in einer Sprache erzählt, die nicht nur schön, sondern auch von unglaublicher Intensität ist. Dadurch, dass Raif als Ich-Erzähler selbst zu Wort kommt, bekommen wir einen besonders intimen Einblick in seine Gedanken und Gefühle. Ich konnte mich dadurch mühelos in ihn hineinversetzen, fieberte und litt mit. Ja, dieses kleine und soweit ich weiß relativ unbekannte Buch hat es in sich... Mich hat es jedenfalls so richtig in seinen Bann gezogen, von daher: fünf Sterne und eine absolute Leseempfehlung!


Veröffentlicht am 17.02.2020

Komm, ich tröste dich!

Die perfekte Strafe
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Ein besonders perfider Mörder treibt sein Unwesen in Edinburgh: Er tötet den nächsten Angehörigen einer Person, deren Vertrauen er sich im Vorfeld erschlichen hat und kommt dann als Tröster getarnt, um ...

Ein besonders perfider Mörder treibt sein Unwesen in Edinburgh: Er tötet den nächsten Angehörigen einer Person, deren Vertrauen er sich im Vorfeld erschlichen hat und kommt dann als Tröster getarnt, um sich am Leid der Hinterbliebenen zu ergötzen. Seine letzten Taten – der Mord an einem jungen Mädchen und an der Leiterin einer Wohltätigkeitsorganisation – werden von der Polizei zunächst für tragische Unfälle ohne Fremdverschulden gehalten, doch schon bald weisen merkwürdige Details darauf hin, dass die beiden Frauen in Wahrheit vergiftet wurden. Detective Chief Inspector Ava Turner und Detective Inspector Luc Callanach suchen fieberhaft nach dem Täter, wohl wissend, dass er bald wieder zuschlagen könnte...

Da mich sowohl „Die perfekte Gefährtin“ als auch „Die perfekte Unschuld“ begeisterten und ich nach der Lektüre zum Fan von Helen Fields wurde, habe mich schon riesig auf den dritten Band der Reihe gefreut. Meine Hoffnung, dass ich auch diesmal gut unterhalten werde, hat sich erfüllt. Mit „Die perfekte Strafe“ liefert die Autorin erneut ein Buch, das ich nur schwer aus der Hand legen konnte. Wie davor punktet es mit einem gut durchdachten, interessanten Plot, rasantem Erzähltempo, überraschenden Wendungen und jeder Menge Spannung. Hinzu kommen die toll gezeichneten Charaktere, allen voran die beiden Ermittler Turner und Callanach, die ich bereits bei den vorausgegangenen Bändern liebgewonnen habe. Die Tatsache, dass wir als Leser den Ermittlern einen Schritt voraus sind, den Einblick in die Gedankenwelt des Mörders bekommen und in seine Pläne eingeweiht werden, schmälert die Spannung nicht im Geringsten. Ganz im Gegenteil: Man fiebert noch mehr mit, weil man weiß, was der Täter vorhat und bangt um Menschen, die er als Opfer auserkoren hat... Es ist auch immer wieder faszinierend, wie gut sich die Autorin in einen Psychopathen hineinversetzen und uns seine gruseligen Gedankengänge vermitteln kann. Ich bin zwar keine Psychologin oder Psychiaterin, aber auf mich wirken ihre Darstellungen sehr überzeugend. Interessant und einfühlsam beschrieben fand ich auch Ava Turners inneren Konflikt, in den sie in diesem Band gerät: Sie entdeckt, dass ihr langjähriger Vorgesetzter und geliebter Mentor, an dessen Selbstmord sie nicht glauben kann, in der Vergangenheit offenbar seine Prinzipien verraten und schwerwiegende Fehler begangen hat. Diese Entdeckung wirft Ava aus der Bahn und stellt sie vor eine äußerst schwierige Entscheidung. Die Autorin versteht es, die moralischen Zweifel und die Zerrissenheit der Protagonistin gekonnt zu schildern und macht sie damit noch lebendiger.

Eine kurze Anmerkung zum Cover: Der schwarze Hintergrund und das Insekt darauf sind inzwischen ein Erkennungszeichen der Reihe und passen aus meiner Sicht perfekt zu der düsteren Atmosphäre der Romane.

Mein Fazit: Ein weiterer hochspannender und toll geschriebener Thriller von Helen Fields, bei dem man als Fan des Genres voll auf seine Kosten kommt – von mir fünf Sterne!



  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere