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Veröffentlicht am 23.09.2021

„Rosemaries Baby“ lässt grüßen

Verschließ jede Tür
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Die Mittzwanzigerin Jules scheint von Unglück verfolgt zu sein: Vor Jahren verschwand spurlos ihre geliebte Schwester und zwei Jahre später begingen ihre Eltern Selbstmord. Trotzdem kämpfte sie sich durch, ...

Die Mittzwanzigerin Jules scheint von Unglück verfolgt zu sein: Vor Jahren verschwand spurlos ihre geliebte Schwester und zwei Jahre später begingen ihre Eltern Selbstmord. Trotzdem kämpfte sie sich durch, machte eine Ausbildung, zog nach New York und fand eine Arbeitsstelle. Doch das Pech meldet sich zurück mit gleich zwei Schicksalsschlägen: Jules bekommt eine Kündigung und erwischt ihren Freund beim Fremdgehen. Tief verletzt und obendrein pleite sucht sie nach einer Lösung und meldet sich auf eine Zeitungsannonce. Darin wird nach einem Wohnungssitter gesucht. Erst beim Vorstellungsgespräch erfährt Jules, dass sich die besagte Wohnung in Bartholomew befindet, einem prachtvollen alten Hochhaus in Manhattan, wo lauter feine Gesellschaft verkehrt und kaum jemand sonst Zutritt findet. Die junge Frau ist überwältigt von dem Luxus und der Aussicht auf eine äußerst großzügige Bezahlung. Als sie den Job tatsächlich bekommt, ist sie ganz aus dem Häuschen und ignoriert Warnsignale und Bedenken, die ihre beste Freundin Chloe äußert. Doch schon die ersten Tage in Bartholomew zeigen ihr, dass es ein gewaltiger Fehler war...

Bereits das tolle, perfekt zum Thema des Buches passende Cover hat gereicht, um in mir eine Leselust zu wecken: das schwarzweiße Foto von einem Haus, aus der Vogelperspektive aufgenommen, wirkt bedrohlich und beunruhigend. So wurde ich, ein erklärter Fan von düsteren Thrillern, noch vor der Lektüre in die richtige Stimmung versetzt und freute mich auf eine schaurig-spannende Unterhaltung. Ich wurde nicht enttäuscht: Der Roman bringt alles, was ich an solchen Büchern so anziehend finde: einen interessanten Plot, diese besondere düstere Atmosphäre, glaubwürdige Charaktere, jede Menge Spannung, die bis zum Ende anhält und ein fulminantes Ende. Riley Sagers Roman erfüllt all diese Kriterien bravourös und sorgte zumindest bei mir für einen Kopfkino-Effekt schlechthin. Zwischendurch musste ich an das Buch von Ira Levin „Rosemaries Baby“ bzw. die großartige Verfilmung Polanskis denken, gewisse Parallelen sind nicht abzustreiten. Und doch entwickelt sich Sagers Werk in eine andere, nicht weniger grauenerregende Richtung...

Fazit: Herrlich gruselig, mit viel Atmosphäre, ein Pageturner, den man nur schwer aus der Hand legen kann! Für alle Fans des Genres ein nervenaufreibendes Lesevergnügen

Veröffentlicht am 20.09.2021

Schwarzer Humor vom Feinsten, aber...

Achtsam morden
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Bei dem erfolgreichen Anwalt Björn Diemel hängt der Haussegen schief. Da er kaum noch Zeit für seine Familie hat, wird er von seiner Frau Katharina dazu verdonnert, an einem Achtsamkeit-Seminar teilzunehmen. ...

Bei dem erfolgreichen Anwalt Björn Diemel hängt der Haussegen schief. Da er kaum noch Zeit für seine Familie hat, wird er von seiner Frau Katharina dazu verdonnert, an einem Achtsamkeit-Seminar teilzunehmen. Björn setzt die neu gelernten Regeln in die Praxis um und verändert damit prompt sein ganzes Leben...

Ich habe vor der Lektüre mehrmals begeisterte Kommentare zu diesem Roman bzw. der gesamten Reihe registriert und war gespannt, ob diese Art von Humor auch meinen Geschmack treffen wird. Im Nachhinein stelle ich fest, dass ich tatsächlich meine Probleme mit dem Buch habe. Es ist zwar gut und zweifelsohne sehr witzig geschrieben, so dass ich mir ein häufiges Schmunzeln kaum verkneifen konnte. Was mir den Spaß aber verdorben hatte, war mein Gewissen. Irgendwie denke ich, dass es Themen gibt, über die man keine Witze reißen sollte. Wie beispielsweise Menschenhandel und Prostitution. Sorry, da vergeht mir das Lachen. Vermutlich bin ich nicht abgebrüht genug. Ist aber ok für mich und ich möchte keineswegs das Buch schlecht machen. Wer nicht allzu zartbesaitet und in der Lage ist, die nötige Portion Distanz aufzubringen, der wird "Achtsam morden" sicherlich sehr unterhaltsam finden! Die Achtsamkeitsregeln fand ich übrigens klasse

Veröffentlicht am 20.09.2021

Das Grauen aus dem Wald

Dir auf der Spur
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Daniel und Laura leben in London, sind Mitte dreißig, beruflich erfolgreich und verliebt. Sie möchten eine Familie gründen, doch vor diesem wichtigen Schritt gönnen sie sich noch das letzte Abenteuer: ...

Daniel und Laura leben in London, sind Mitte dreißig, beruflich erfolgreich und verliebt. Sie möchten eine Familie gründen, doch vor diesem wichtigen Schritt gönnen sie sich noch das letzte Abenteuer: eine lange Reise quer durch Europa. Diese wird ihnen zum Verhängnis. Im Nachtzug durch Rumänien werden dem Paar die Pässe gestohlen und unfreundliche Grenzbeamte setzen die beiden an einem entlegenen Bahnhof aus. Daniel und Laura gelangen zu einem verfallenen Haus im Wald und machen dort eine grauenvolle Entdeckung, die ihr Leben für immer verändern wird...

Der Name Edwards sagte mir zwar nichts, aber das geheimnisvoll gestaltete Cover und die kurze Inhaltsangabe machten mich sofort neugierig. Ich hoffte auf eine Geschichte nach meinem Geschmack, sprich eine interessante Story und düstere Spannung, und wurde nicht enttäuscht. Der Plot ist durchaus originell und dem Autor gelingt es sehr gut, eine unheimliche Stimmung zu erzeugen und den Leser in seinen Bann zu ziehen. Ich war blitzschnell in der Geschichte drin, war von Anfang bis zum Ende gefesselt von der Handlung und genoss den wohligen Schauer. Die Spannung, die Mark Edwards bereits zu Beginn des Romans gekonnt aufzubauen weiß, lässt im Laufe der Lektüre nicht nach, im Gegenteil: sie wird gesteigert, indem der Autor in den Rückblenden nur häppchenweise das schreckliche Geheimnis offenbart und den Leser auf die Folter spannt. Am Ende legt er sogar noch nach und wartet mit einer bösen Überraschung auf, mit der zumindest ich nicht gerechnet habe... Auch die Protagonisten haben es in sich, sie wirken recht glaubwürdig und machen im Laufe der Handlung eine psychologisch interessante Entwicklung durch.

Fazit: Mit „Dir auf der Spur“ liefert Mark Edwards eine spannende Mischung aus Thriller, Gruselfilm und Liebesgeschichte, die meines Erachtens ein großes Unterhaltungspotenzial hat. Mir persönlich hat der Roman gut gefallen und ich freue mich schon auf die weiteren Bücher des Autors.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.09.2021

Achtung: Dieses Buch könnte Dein Leben verändern!

Am Ende sterben wir sowieso
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Was würdest Du tun, wenn Dich jetzt in diesem Moment jemand anrufen und Dir mitteilen würde, dass heute der letzte Tag Deines Lebens ist? Unvorstellbar, oder? Doch genau das widerfährt Mateo und Rufus. ...

Was würdest Du tun, wenn Dich jetzt in diesem Moment jemand anrufen und Dir mitteilen würde, dass heute der letzte Tag Deines Lebens ist? Unvorstellbar, oder? Doch genau das widerfährt Mateo und Rufus. Sie leben in einer Welt, in der sogenannte Todesboten täglich unzählige Anrufe machen, um todgeweihte Menschen über ihr baldiges Ableben zu informieren, ihnen Mitgefühl auszusprechen und sie auf Möglichkeiten aufmerksam zu machen, die ihnen noch offen stehen. Erst 18 bzw. 17 Jahre alt sehen sich auch Mateo und Rufus urplötzlich mit ihrem unausweichlichen Tod konfrontiert. Über die App Letzte Freunde lernen sie einander kennen und beschließen, ihren letzten Tag gemeinsam zu verbringen. Mehr möchte ich nicht verraten. Nur das: Was dann geschieht ist schmerzhaft und wunderschön zugleich...

Der Roman hat mich sehr beeindruckt! Adam Silvera erzählt in einem schlichten, schnörkellosen Stil eine spannende Geschichte, die vemutlich kaum einen Leser kalt lässt. Sie ist einerseits unfassbar traurig, aber auch zum Heulen schön. Auch mich hat das Schicksal der Protagonisten, die übrigens lebendige, facettenreiche und sehr sympathische Charaktere sind, tief bewegt. Ich litt und freute mich mit ihnen. Und konnte natürlich nicht anders, als mich während der Lektüre immer wieder selbst zu fragen, ob ich mein Leben nicht vergeude, ob ich nicht mehr daraus machen sollte... Und ja, ich habe tatsächlich - wieder mal, offenbar muss man ab und zu daran erinnert werden - beschlossen, den alten Spruch von Horaz „Carpe diem!“ ab sofort noch mehr umzusetzen. Zum Glück weiß keiner von uns, wann seine letzte Stunde schlägt. Aber wäre es nicht wunderbar, wenn wir dann mit einem Blick auf unser Leben sagen könnten: Ich habe das Beste daraus gemacht!? Das wünsche ich jedem von uns!

Lasst Euch bloß nicht von dem Titel abschrecken! Adam Silveras Roman ist keine traurige Botschaft, die uns Ängste und Depressionen bereiten wird. Ganz im Gegenteil: Es ist ein großartiges Plädoyer für das Leben in vollen Zügen, für das Auskosten jedes Augenblicks, denn es könnte ja sein, dass man eine erneute Chance dafür nie mehr bekommen wird. Es ist auch ein Appell an uns alle, mal die Komfortzone zu verlassen und Neues zu wagen, denn nur dadurch entwickeln wir uns weiter.

Fazit: Spannend, bewegend und zum Nachdenken anregend – ein wunderbares Buch über Freundschaft, Liebe und den Mut, über sich selbst hinauszuwachsen. Von mir eine klare Leseempfehlung!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.09.2021

Tragikomik, die zu Herzen geht

Hamster im hinteren Stromgebiet
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Wie ist das, wenn uns eine heimtückische Krankheit urplötzlich aus einem aktiven, erfüllten Leben herauskatapultiert und vorübergehend zu einem Pflegefall macht? Wie wird man fertig mit eigener Hilflosigkeit, ...

Wie ist das, wenn uns eine heimtückische Krankheit urplötzlich aus einem aktiven, erfüllten Leben herauskatapultiert und vorübergehend zu einem Pflegefall macht? Wie wird man fertig mit eigener Hilflosigkeit, wie geht man mit der Angst um, nie wieder so zu werden wie zuvor, ein Teil seiner Fähigkeiten für immer eingebüßt zu haben? Genau davon handelt dieses Buch.

Mit knapp 51 Jahren erleidet Joachim Meyerhoff einen Schlaganfall, wird auf die Intensivstation einer Wiener Klinik eingeliefert und muss dort eine Zeitlang behandelt werden. An medizinische Geräte angeschlossen versucht der Schauspieler und Autor gegen seine Angst anzukämpfen, indem er zu seiner Geheimwaffe greift: dem Erzählen von Geschichten. Mit viel schwarzem Humor – „Komik als Schlupfloch aus der eigenen Hilflosigkeit“ (Zitat S. 197) - und herrlicher Selbstironie berichtet er von dem schrecklichsten Urlaub seines Lebens, einer Traumreise mit seinem Bruder, von seinen Frauen und diversen Erlebnissen mit seinen Kindern. Er benutzt dabei eine interessante, ganz besondere Sprache, die mir perönlich sehr gut gefällt. Ich genoss die unterhaltsamen Anekdoten und musste häufig schmunzeln. Und doch vergisst man beim Lesen nicht, dass dem Roman ein ernstes und besorgniserregendes Ereignis zugrunde liegt. Schonungslos zeigt Meyerhoff auf, wie fragil unser menschliches Dasein doch ist. So wird uns Lesern bewusst, dass ein ähnliches Schicksal auch uns jederzeit zuteil werden kann und dass Krankheit und Tod keineswegs nur andere Menschen ereilen, wie man entgegen aller Logik glauben möchte. Dennoch spricht aus dem Buch eine Heiterkeit und Hoffnung. Diese positive, lebensbejahende Einstellung des Autors empfand ich als sehr wohltuend.

Fazit: Ein interessanter, gut geschriebener Roman, der uns dazu bringt, sich mit wichtigen und ernsten Themen auseinanderzusetzen und dabei trotzdem wunderbar unterhält. Ein Spagat, den Joachim Meyerhoff bravourös meistert. Sehr zu empfehlen!