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Veröffentlicht am 20.04.2022

Radio in seinen Anfängen

Die Radioschwestern
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„Die Radioschwestern“ bilden den Auftakt einer Trilogie, in der uns die Autorin Eva Wagendorfer in das Jahr 1927 nach Frankfurt führt. Es ist die Ära der Geburtsstunde des Rundfunks. Gesa, das Mädchen ...

„Die Radioschwestern“ bilden den Auftakt einer Trilogie, in der uns die Autorin Eva Wagendorfer in das Jahr 1927 nach Frankfurt führt. Es ist die Ära der Geburtsstunde des Rundfunks. Gesa, das Mädchen aus gutem Haus, aus einem kleinen Dorf im Teutoburger Wald träumt davon beim Sender eine Anstellung als Hörspielsprecherin zu bekommen. Sie macht sich auf in die pulsierende Stadt Frankfurt und schafft es tatsächlich mit viel Glück beim Sender zu landen. In Inge und Margot findet sie bald Freundinnen. Inge, die Sekretärin des Intendanten, bastelt in ihrer Freizeit an ihrer Karriere als Sängerin und Margot muss sich als Cellistin im männerdominierten Rundfunkorchester einen Platz erobern. Allen drei Frauen wird es nicht leicht gemacht, sich zu behaupten. Allgemein herrschte die Meinung, Frauen sollten sich um Haushalt und Kinder zu kümmern. Doch die Freundinnen beschreiten mutig ihren Weg in die Unabhängigkeit. In Intendant Albert Bronnen, haben die drei jungen Frauen einen starken Fürsprecher. Er erkennt ihre Fähigkeiten und Talente.

Mir hat vor allem das Setting gefallen. Man wird als Leser*in in die Zeit der Goldenen Zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts versetzt. Das Flair fühlt sich wunderbar authentisch an. Männer spielen in diesem Buch allerdings zum größten Teil eine unrühmliche Rolle. Willi, der Schriftsteller, ist der Oberhammer. Er hat Gesa nur benutzt. Spielt ihr die große Liebe vor, borgt sich Geld von Gesa, um die Miete bezahlen zu können und plötzlich hat er eine Verlobte. Schlimm, das frauenfeindliche Verhalten des Orchesterleiter Bienefeldt, der Margot unbegreiflicherweise auf den Kieker hat, und auch ihre Kollegen nehmen sich unglaubliche Frechheiten heraus. Inge, die dritte im Bunde, geht dem Aufreißertypen Carl Schäfer auf den Leim. Seite 275 beschreibt Albert Curt Schafer sehr treffend, als Egomanen und Raubtier, der seine weibliche Beute zum Amüsement benutzt und der ohne Skrupel von ihr ablässt, wenn er mit ihr fertig war. Aber auch die alternde Diva Simonetti kommt nicht gut weg, sie macht Gesa das Leben schwer.

Der Aufbau des Buches ist gut durchdacht. Besonders der Einstieg in die einzelnen Kapitel gefällt mir gut. Hier wird in Form einer Nachrichtenmeldung jeweils eine starke Frau vorgestellt, die Bemerkenswertes in ihrem Leben erreicht hat. Die eine oder andere Frau war mir bekannt, von anderen hatte ich bisher noch nichts gehört. Aber ich habe nach ihnen gegoogelt und noch näheres über sie erfahren. Der Schreibstil ist gut und flüssig lesbar. Die Story leider in bisschen vorhersehbar, dennoch konnte mich das Buch bis zum Ende fesseln.

Fazit: Ein unterhaltsamer Roman, der uns eine längst vergangene Zeit erleben lässt.

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Veröffentlicht am 16.04.2022

Unfassbar

Versteckt vor aller Augen
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Der Bericht einer Überlebenden des Holocaust wurde von Pieter van Os, einem niederländischen Autor und Journalist, akribisch recherchiert. Dafür wurde er für das beste journalistische Buch in niederländischer ...

Der Bericht einer Überlebenden des Holocaust wurde von Pieter van Os, einem niederländischen Autor und Journalist, akribisch recherchiert. Dafür wurde er für das beste journalistische Buch in niederländischer Sprache in im Jahr 2020 mit dem Brusse-Preis ausgezeichnet, außerdem gewann ‚Versteckt vor aller Augen‘ den Libris-Geschiedenis-Preis.

In „Versteckt vor aller Augen“ geht es hauptsächlich um das Schicksal der Holocaustüberlebenden Mala Rivka Kizel. Das jüdisch-orthodoxe Mädchen wurde 1926 in Warschau geboren und wuchs auch dort auf. Mich haben die geschilderten Vorkommnisse und Gräueltaten emotional sehr mitgenommen. Bereits der Einstieg in das Buch war bestürzend. Mir tat das Herz weh, als ich von dem Schicksal der Familie unter dem Schweinestall las und vom dem der Bauernfamilie. Malas Schicksal und das ihrer Angehörigen kann niemanden kalt lassen. Mala ist ein willensstarkes Mädchen, intelligent und clever, dennoch hat sie aber auch oft nur Glück, sie findet immer wieder Menschen, die ihr weiterhelfen.

Der Autor Pieter van Os hat penibel recherchiert. In dem Buch finden sich neben der Geschichte von Mala viele Berichte von Zeitzeugen. Er hat unzählige Quellen ausfindig gemacht und Puzzlestück um Puzzlestück zusammengetragen. Dennoch liest sich das Buch flüssig. Man muss es lediglich hin und wieder aus der Hand legen, um dieses schlimme, von Menschen gemachten Ereignisse, zu verkraften.

Ein immens wichtiges Buch. Jeder sollte wissen, was damals geschah, damit solche Verbrechen nicht mehr wieder geschehen können. Denn leider haben die Menschen nicht dazugelernt, wie man am Ukraine-Krieg sieht.

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Veröffentlicht am 14.04.2022

Leider nicht mein Fall …

Die Erfüllung wartet in dir
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Das Cover macht tatsächlich was her. Gold auf schwarzem Grund, sieht sehr edel aus.

Mit dem Inhalt bin ich weniger klar gekommen. Der persönliche Weg des Autors konnte mich nicht auf das Buch einstimmen. ...


Das Cover macht tatsächlich was her. Gold auf schwarzem Grund, sieht sehr edel aus.

Mit dem Inhalt bin ich weniger klar gekommen. Der persönliche Weg des Autors konnte mich nicht auf das Buch einstimmen. Ich empfand die Krisen, die der Autor durchlebte mitnichten als Krisen, eher als das ganz normale Leben eines Heranwachsenden, wobei der Heranwachsende wohl schon die dreißig überschritten hatte.

Der Schreibstil ist zwar flüssig, trotzdem verlor ich oft die Lust daran weiterzulesen, da sich der Autor in spirituell anderen Gefilden bewegte wie ich. Ich bin ein bodenständiger Mensch, und fand auch wohl deshalb keinen Zugang. Ich war dann gespannt auf den Praxisteil, der leider nur ca. 20 Seiten umfasst, aber auch für mich nicht der Burner war. Die Methode hat ein bisschen Ähnlichkeit mit Stefanie Stahls „Das Kind in mir muss Heimat finden“, dass ich sehr geliebt habe.

Fazit: Leider nicht mein Fall …Vielleicht bin ich auch zu glücklich für dieses Buch.

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Veröffentlicht am 08.04.2022

Weckt Fernweh

Schritt für Schritt – Unterwegs am South West Coast Path
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Da ich selbst als begeisterte Wanderin nahezu täglich unterwegs bin, übte das Buch von Daniela Leineweber „Schritt für Schritt“ auf mich einen ganz besonderen Reiz aus. Ich war gespannt darauf, auf dieser ...

Da ich selbst als begeisterte Wanderin nahezu täglich unterwegs bin, übte das Buch von Daniela Leineweber „Schritt für Schritt“ auf mich einen ganz besonderen Reiz aus. Ich war gespannt darauf, auf dieser Fernwanderung den South West Coast Path wenigstens lesend entlangzulaufen.

Das Cover traf bei mir sofort einen Nerv. Auf dem Weg sein, an einem wunderschönen Tag an einer traumhaften Küste. Doch bevor es losgeht, erzählt und die Autorin, die Vorgeschichte zu diesem Unternehmen. Ich sage nur Hut ab, die Autorin hat ihr Leben vollständig umgekrempelt, sie transformierte vom Couchpotato zu einer sportlich aktiven Frau und hat dabei wahnsinnig viel an Gewicht verloren. Vor dieser Leistung habe ich allergrößten Respekt. Mit den schwindenden Pfunden, wuchs auch ihr Plan, sie wird den SWCP laufen.

Als Flashpacker sind sie und ihr Ehemann zwei Monate unterwegs auf diesem Fernweg. In Tagebuchform erleben wir jeden einzelnen Tag hautnah. Die Höhen und Tiefen, die Freuden und Leiden, des Wanderns. Sehen großartige Landschaften, schroffe Felsen, schöne Hafenstädtchen und Fischerdörfer, erleben eine beeindruckende Flora und Fauna, kommen an verlassenen Betriebstätten und Häusern vorbei, spüren unsere Muskeln bei den Auf- und Abstiegen, klettern mit den beiden über Felsen. Und ich habe viel Neues erfahren, z.B. kannte dich diese TrailMagic noch nicht.

„Es sind die Begegnungen mit Menschen, die das Leben lebenswert machen,“ wusste schon Guy de Maupassant im 19 Jahrhundert. Man spürt, die Freude, wenn die beiden einen Wandergefährden wieder treffen oder neue und interessante Menschen kennenlernen. Begeistert haben mich auch Frau Leinewebers Streifzüge in die Literatur. So treffen wir auf Spuren von Virginia Woolf und auch Daphne du Maurier.

Daniela Leineweber ist von Beruf Sozialpädagogin und leitet eine Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung. Deshalb hatte sie für ihre Wanderung MeilenpatInnen gesucht und auch gefunden um den Erlös ihrer am Herzen liegenden Einrichtung zugutekommen zu lassen. Das Ergebnis der Benefizwanderung übertrifft zum Schluss sogar den angestrebten Zielbetrag. Respekt und Gratulation.

Ich bin begeistert, Daniela Leinweber ist es wirklich gelungen mich als Leserin mitzunehmen. Sie schreibt wie eine Freundin, d.h. authentisch. Ich nehme ihr jedes Wort ab. Der Schreibstil ist flüssig lesbar und nicht ohne Humor und vor allem immer liebevoll. Manchmal musste ich auch Schmunzeln und oft fühlte ich mir ihr und ihrem Mann.

Fazit: Ein Buch das Fernweh weckt und Lust darauf macht, sich selber auf den Weg zu machen. Unbedingt lesenswert.

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Veröffentlicht am 05.04.2022

Schwestern

Die andere Schwester
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Der ehemalige FBI-Agent John Adderley lebt unter einem neunen Namen und neuer Identität im schwedischen Karlstad. Nun holt ihn seine Vergangenheit ein. Ganirus Leute sind ihm auf den Fersen. Ganiru ist ...

Der ehemalige FBI-Agent John Adderley lebt unter einem neunen Namen und neuer Identität im schwedischen Karlstad. Nun holt ihn seine Vergangenheit ein. Ganirus Leute sind ihm auf den Fersen. Ganiru ist ein gefährlicher Drogenboss, den John einst als Undercoveragent in den Knast gebracht hatte. Johns Incognito ist aufgeflogen. Seine Verfolger benutzen seinen Freund Trevor, der ihn damals das Leben gerettet hatte, um an den Code einer Website zu kommen, die für John quasi eine Lebensversicherung darstellt.

John arbeitet derzeit als Ermittler Frederik Adamsson an dem Fall der ermordeten Geschäftsfrau Stella Bjelke, die einen erfolgreichen Online-Dating-Service betrieben hatte. Der Fall erregt große Aufmerksamkeit und schnell wird klar, dass der Schlüssel zu dem Fall in der Vergangenheit liegt. Stellas Schwester, ein IT-Genie, hat schwere psychische Probleme. Aber auch das Verhältnis zwischen den Schwestern war mehr als schwierig. Stella war eine Tyrannin, doch für Alicia, ihrer Schwester, bedeutete sie, den Fixpunkt in ihrem chaotischen Leben.

Wie bereits der 1. Fall ‚Der andere Sohn‘ ist auch John Adderleys zweiter Falll extrem spannend. Das Autorenteam Mohlin & Nyström serviert uns erneut Nervenkitzel auf höchstem Niveau. Der Schreibstil ist gut lesbar und lässt einem bis zum Schluss nicht mehr los. Die Personen sind authenisch gezeichnet. Die fahrige Alicia stand mir total gut vor Augen, ihre Zerrissenheit war spürbar. Stella verkörperte für mich eine Soziopathin, und auch sie kam glaubwürdig rüber. In diesem Band geht es nicht zimperlich zu. Mir blieb manchmal die Luft weg, vor allem Johns Entscheidungen, waren mehr als heftig. John ist zwar eine coole charismatische Person, aber er hat sich in diesem Band schon einiges geleistet, das hart an die Grenze ging. Mehr will ich nicht verraten. ‚Die andere Schwester‘ ist auf jeden Fall durchgehend spannend und das Ende nicht vorherzusehen.

Fazit: Wer nicht zimperlich ist und spannende Unterhaltung liebt, dem sei dieser Schwedenkrimi wärmstens empfohlen.

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